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Die Darstellung der ronkalischen Beschlüsse bei Otto Morena und in der Erzählung des unbekannten Mailänders

Multiperspektivität in der Geschichtswissenschaft

Seminararbeit 2012 11 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.. Einleitung

II. Hauptteil
II. 1. Zu den Autoren
II. 2. Die Darstellung der ronkalischen Beschlüsse bei Otto Morena
II. 3. Die Darstellung der ronkalischen Beschlüsse bei dem mailänder Anonymus

III. chluss

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis
IV.1. Quellenverzeichnis
IV.2. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Grundlage und Ausgangspunkt historischen Denkens sind ,Quellen'. Sie sind die ursprünglichste Information, die wir besitzen. [...] Sie sind unverzichtbare Erkenntnis­voraussetzungen"[1].

So bestimmt Hans-Jürgen Pandel den Stellenwert von Quellen für die Arbeit des Historikers, welcher unter Historikern unumstritten ist. Jedoch ist der wissenschaftliche Umgang mit Quellen nicht unproblematisch. Pandel geht in Quelleninterpretation: die schriftliche Quelle im Geschichtsunterricht vor allem auf die Problematik der „Perspektive und Standortgebundenheit" ein[2], welche in erster Linie den ,Aussagewert' von Quellen infrage stelle. Zur tendenziellen Bestimmung dieses Aussagewertes hat bereits Droysen eine Einteilung von Quellen in Überreste, Quellen (im engeren Sinne; auch ,Traditionen') und Denkmäler vorgenommen[3]. Bernheim vereinfachte dieses Schema und teilte Quellen in Traditionen und Überreste, wobei Überreste im Gegensatz zu Traditionen keine Überlieferungsabsicht leiten[4]. Zu Traditionen gehören Quellen, welche „die Absicht [verfolgen], die Erinnerung der Begebenheit zu erhalten"[5], also auch historiographische Texte. Droysen und Bernheim sind sich darüber einig, dass gerade bei dieser Quellengattung die Subjektivität des Verfassers besonders beachtet werden müsse. Das gilt umso mehr für Quellen der Alten und Mittelalterlichen Geschichte, da die Diskussion um die Standort­gebundenheit der Historiker erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts geführt wird[6]. In diese Diskussion hat erstmals Klaus Bergmann den Begriff der Multiperspektivität eingeführt, eine Methode, bei der der Historiker sich um Quellen aus unterschiedlichen Perspektiven bemüht, um Geschichte zu rekonstruieren[7]. Pandel führt dazu das Bild der Muse Klio an[8], welche die Historia universalis nur aus einer Perspektive abzeichne. Somit bleibe ihr Bild trotz allen Mühen unvollständig. Ein wirklichkeitsgetreueres Bild hätte sich ergeben, wenn sie ihren Standort gewechselt hätte und eine andere Perspektive angenommen hätte.

Die vorliegende Arbeit nun hat zum Ziel, diesen Schritt zur Multiperspektivität anhand von Quellen zu den Beschlüssen Kaiser Friedrichs I. Barbarossas im November 1158 auf dem Reichstag zu Roncaglia[9] [10] [11] nachzuvollziehen. Dazu wurden beispielhaft zwei italienische Quellen ausgewählt, deren Darstellung der ronkalischen Beschlüsse beleuchtet werden soll: Zum einen das Werk des Lodeser Otto Morena und seiner Fortsetzer Libellus de rebus a Frederico imperatore gestis10, zum anderen die Schrift eines mailänder Anonymus Narratio de Longobardie obpressione et subiectione11. Die italienische Geschichtsschreibung des 12. Jahrhundert eignet sich deshalb für diese Fragestellung ganz besonders, da sie Stadtgeschichtsschreibung war und somit das „Wohl und Wehe der Stadt der Maßstab für die Auswahl und Beurteilung der Ereignisse"[12] war.

II. Hauptteil

II. 1. Zu den Autoren

Um die unterschiedliche Perspektivität verschiedener Quellen erfassen zu können, ist es unverzichtbar, zu Beginn die jeweiligen Lebensumstände der Autoren zu beleuchten. Otto Morena (geboren vor 1111 [13] ), ein Jurist aus Lodi, sowie der mailänder Anonymus, von dem nur bekannt ist, dass er eine angesehene mailänder Persönlichkeit darstellte[14], waren beide Zeitgenossen Barbarossas und haben die ronkalischen Beschlüsse aus der Sicht ihrer jeweiligen Heimatkommunen miterlebt. Beide Schriften lassen insgesamt auf eine Augenzeugenschaft, bzw. auf die Anhörung unmittelbarer Augenzeugen schließen[15]. Hinweise darauf finden sich auch vereinzelt in den Texten[16].

Morenas Schrift wurde später von seinem Sohn und dann von einem dritten, anonymen Autor fortgesetzt [17], für die Schrift aus Mailand wird in der Literatur nur ein Autor angenommen[18]. Nach Schmale begann Morena sein Werk wahrscheinlich im März 1162[19], der Anonymus schrieb dagegen erst nach dem Frieden von Venedig, jedoch sicher vor 1183. Aufgrund der hohen chronologischen Zuverlässigkeit sowie der detailreichen Schilderung, gerade bezüglich der Nennung anwesender Personen, hält es Schmale jedoch für ausgeschlossen, dass der Anonymus sein Werk ohne Zuhilfenahme älterer Notizen hätte derart genau verfassen können[20].

[...]


[1] Pandel, Hans-Jürgen, Quelleninterpretation: die schriftliche Quelle im Geschichtsunterricht. Schwalbach/Ts. 2000, S. 10.

[2] Pandel, S. 94-109.

[3] Nachzulesen in: Droysen, Johann Gustav, Historik. Stuttgart 1977 [Textausgabe von Peter Leyh].

[4] Nachzulesen in: Bernheim, Ernst, Lehrbuch der historischen Methode. Leipzig 1889.

[5] Bernheim, S. 232.

[6] Pandel, S. 94.

[7] Nachzulesen in: Bergmann, Klaus, Personalisierung im Geschichtsunterricht. Erziehung zu Demokratie? Stuttgart 21977 [erweiterte Auflage].

[8] Pandel, S. 95-97.

[9] Die vier ronkalischen Definitionen; Der ronkalische Landfriede; Das ronkalische Lehnsgesetz; Die ronkalische Scholarenkonstitution. In: Weinrich, Lorenz, Quellen zur deutschen Verfassungs-,

Wirtschafts- und Sozialgeschichte bis 1250. Darmstadt 1977 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Bd. 32), S. 246-259.

Einen guten Überblick über Inhalt und Bedeutung der ronkalischen Beschlüsse bietet Laudage, Johannes, Friedrich Barbarossa (1152-1190). Eine Biografie. Regensburg 2009, S. 124-133.

[10] Morena, Otto [u.a.], Ottonis Morenae eiusdemque continuatorum Libellus de rebus a Frederico imperatore gestis [mit dt. Übers. v. Schmale, Franz-Josef]. In: Italienische Quellen über die Taten Kaiser Friedrichs I. in Italien und der Brief über den Kreuzzug Kaiser Friedrichs I., Darmstadt 1986 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Bd. 17a), S. 34-239.

[11] Anonymus, Civis Mediolanensis anonymi Narratio de Longobardie obpressione et subiectione [mit dt. Übers. v. Schmale, Franz-Josef]. In: Italienische Quellen über die Taten Kaiser Friedrichs I. in Italien und der Brief über den Kreuzzug Kaiser Friedrichs I., Darmstadt 1986 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Bd. 17a), S. 240-295.

[12] Schmale, Franz Josef, Einleitung. In: Italienische Quellen über die Taten Kaiser Friedrichs I. in Italien und der Brief über den Kreuzzug Kaiser Friedrichs I., Darmstadt 1986 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Bd. 17a), S. 2.

[13] Schmale, S. 8.

[14] Schmale, S. 15.

[15] Schmale, S. 3. sowie

Busch, Jörg W., Die Mailänder Geschichtsschreibung zwischen Arnulf und Galvaneus Fiamma. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit im Umfeld einer oberitalienischen Kommune vom späten 11. bis zum frühen 14. Jahrhundert, München 1997, S. 52.

[16] Beispielsweise bei Morena, S. 37: „wie mir Albernardus selbst erzählte" und S. 65: „wie mir berichtet wurde"; auch beim Anonymus, S. 241: „was ich gesehen und in Wahrheit gehört habe".

[17] Zu den anzunehmenden Daten der Autorenwechsel sowie der Überlieferung schreibt Schmale S. 6-13 (unter kritischem Rückgriff auf Güterbock, Ferdinand, Einleitung. In: Das Geschichtswerk des Otto Morena und seiner Fortsetzer über die Taten Friedrichs I. in der Lombardei. Berlin 1930 [Nachdruck von 1964], S. IX-XLV.).

Zur Überlieferung des mailänder Textes siehe Schmale, S. 15-20.

[18] Schmale, S. 14f sowie Busch S. 51f.

[19] Schmale, S. 7f im Unterschied zu Güterbock, welcher den Beginn der Niederschrift bereits Anfang 1160 ansetzte.

[20] Schmale, S. 15.

Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656846277
ISBN (Buch)
9783656846284
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284339
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Schlagworte
Geschichtsschreibung Otto Morena Unbekannter Mailänder Ronkalische Beschlüsse Barbarossa

Autor

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Titel: Die Darstellung der ronkalischen Beschlüsse bei Otto Morena und in der Erzählung des unbekannten Mailänders