Lade Inhalt...

Exzerpt zu Helmut Berdings Aufsatz "Die Ausstrahlung der Französischen Revolution auf Deutschland"

Exzerpt 2013 5 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Exzerpt zum Aufsatz „Die Ausstrahlung der Französischen Revolution auf Deutschland“ von Helmut Bernding

Bibliographische Angabe: Helmut, Berding: Die Ausstrahlung der Französischen Revolution auf Deutschland, In: Böning, Holger (Hrsg.): Französische Revolution und deutsche Öffentlichkeit: Wandlungen in Presse und Alltagskultur am Ende des achtzehnten Jahrhunderts, München, 1992, S.3-16.

Historiographie der Fragestellung:

Berding eröffnet den Aufsatz mit der Historiographie der Fragestellung. Zunächst stellt er fest, dass die Frage der Auswirkung der Französischen Revolution auf die deutsche Staatenwelt nicht neu sei und es bis heute keinen Abschluss der Diskussion dazu gebe (S.3). Zeitgeschichtlich hat es, so der Autor, ein unterschiedliches Erkenntnisinteresse und diesbezüglich unterschiedliche Betrachtungsweisen gegeben, die u.a. „geistigen, politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Aspekten“ (S.3) gewidmet waren. Das „sich ständig wandelnde[n] Verständnis der Französischen Revolution“ (S.3) bestimme den jeweiligen „Mittelpunkt des Interesses“ (S.3).

„Welches Revolutionsbild steht heute im Vordergrund? Wo setzt die Geschichtswissenschaft unserer Zeit die Akzente?“ (S.3):

Laut Berding gliedert sich die Revolutionsforschung der letzten Jahrzehnte in zwei Positionen (S.3): Auf der einen Seite gebe es den „zensurgeschichtlichen Ansatz“ (S.3), der lange der Fixpunkt der Geschichtswissenschaft war. Dieser Ansatz sei darüber hinaus ein „identifikatorisches Interpretationsmodell“ (S.3), das neben der französischen Nationalgeschichtsschreibung auch die marxistisch-leninistische Historiographie und den Historiker Soboul beeinflusste (S.3). Betont wird hier der „revolutionäre Bruch von 1789“ (S.3) und die „progressive Funktion“ der Vorkommnisse des Ballhausschwurs und des Sturzes Robespierres. Dabei werden die Volksmassen „Hauptakteure“ (S.3) der Umwälzung der Gesellschaftsordnung.

Auf der anderen Seite gebe es den „strukturanalytischen Interpretationsansatz“ (S.3), der zunehmend wichtiger wird und von Tocqueville und Furet (S.3/4) vertreten wurde. Dieser Ansatz betont wiederum nicht den eben genannten Bruch, sondern vielmehr die „Kontinuitäten“(S.4) und den „allmählichen Wandel“(S.4) sowie die „longue durée“ (S.4). Diese dipoligen Ansätze führten zu gegenseitigen Vorwürfen, wie z.B., dass Vertreter des „zensurgeschichtlichen Ansatz[es]“(S.3) der Meinung waren, der „strukturanalytische Interpretationsansatz“ (S. 3) zerlege die Revolution in einzelne „Prozesselemente“ (S.4) und löse sie sogar komplett auf (S.4). Umgekehrt wurden dem „zensurgeschichtlichen Ansatz“ (S.3) vorgeworfen, er sei ideologiebefangen, von mangelndem Kritikvermögen gekennzeichnet und würde die Französische Revolution politisch mythologisieren (S.4).

Heute ist diese Trennschärfe der beiden Ansätze nicht mehr vorhanden, sondern es hat eine „Annäherung der Standpunkte“ (S.4) gegeben, der von einem beidseitigen Bemühen, Ereignis- und Strukturgeschichte zu verbinden, geprägt ist. Die Leistungsfähigkeit dieses Konglomerats liegt, so Berding, in der „überzeugendere[n] Einordnung der revolutionären Ereignisse in längerfristige Prozesse des sozialen Wandels“ (S.4) sowie in einer Neurezeption in „anderem Licht“ (S.4). Auch hier seien zwei Ansätze vorhanden, deren gemeinsame Betrachtung zu einer Öffnung des Blickfeldes und damit der „Komplexität des Revolutionstransfers, der auf einzelnen Ebenen sehr unterschiedliche Auswirkungen zeigte“ (S.4) führe.

Das „Zeitalter der Reformen“ (S.5) und der politischen Umgestaltung:

Berding erläutert überzeugend, dass sich die deutsche Gesellschaft zum Zeitpunkt der Französischen Revolution in einem Wandel befand. Dabei rekurriert er auf die sog. „Sattelzeit“ (S.5) von 1770-1820 als „Schwelle zur Moderne“ (S.5). Diese Zeit sei von sozialen Spannungen der unteren und mittleren Volksschichten beeinflusst, ebenso von den sich in der Führungsschicht herausbildenden „politisch-ideologischen Gegensätzen“ (S.5). Außerdem seien die „Mittelstaaten“ (S.5) nach der „Säkularisierung, Mediatisierung und Auflösung des Alten Reichs“ (S.5) entstanden. In diesem „Zeitalter der Reformen“ (S.5) gab es, so Bernheims Argumentationsführung, eine Veränderung der politischen Ordnung und die Ablösung des „aufgeklärten Absolutismus“ (S.5).

Inwieweit lassen sich die Veränderungen aus der eigenen Tradition erklären und inwieweit sind sie auf die Impulse aus der Französischen Revolution, also von außen, zurückzuführen? (S.5):

Der Autor zeigt zunächst das sich dem Historiker stellende Problem der schwierigen Beurteilung der sozialen Unruhen auf: Da die Forschung noch in den „Anfängen“ (S. 5) ist, systematische Auswertungen der Einzelstudien und epochenübergreifende Analysen noch fehlen und die „methodische Schwierigkeit“ besteht, die regionalen und lokalen Unruhen als überregionales Phänomen zu betrachten, stellen die sozialen Unruhen ein schwer zu beurteilendes Phänomen dar.

Allgemeiner Hintergrund, Intensität und Charakter der sozialen Unruhen:

Berdings These „Die Französische Revolution hat die gesellschaftlichen Konflikte in Deutschland vorübergehend erheblich verschärft, jedoch das Protestverhalten der unteren und mittleren Schichten nachhaltig kaum verändert.“ (S.5) begründet er über die „gesicherte Fragestellung“(S.5) der Zunahme der Unruhen und der Aufruhr in den deutschen Territorien mit der Französischen Revolution. Dazu führt Berding die Handwerker, Bauern und die Weberrevolten auf (S.5). Weiter stellt er die These auf, die Unruhen der 1790er Jahre seien lediglich „Kulminationspunkt“ (S.6) der Phase der sich verschärfenden Proteste in der zweiten Hälfte des 18. Jh. und keine „schlagartig[en] Unruhen“ (S.6). Als „allgemeine Ursachen“ (S.6) der deutschen Geschichte sieht Berding „wirtschafts-, sozial- und mentalitätsgeschichtliche Wandlungsprozesse“ (S.6), worunter er das rasche Bevökerungswachstum, das die Massenarmut erhöhte und die Rationalisierungsmaßnahmen in der Forst- und Landwirtschaft, das die Auflösungstendenzen in der Ständegesellschaft begünstigte fasst. Die Lebensbedingungen verschlechterten sich für einen Großteil der Gesellschaft und es fand ein „soziokultureller Wandel“ (S.6) statt, der zur Folge hatte, dass eben diese Lebensbedingungen nicht mehr als „gottgewollte Schicksalsschläge“ (S.6) hingenommen wurden.

Aufgrund der Neuigkeiten aus Frankreich wurden die aufgebauten sozialen Spannungen entfesselt und rissen ab 1789 in den deutschen Territorien nicht mehr ab (S.6). Der Charakter der Unruhen nahm zudem Symbolhandlungen der Bauern und Handwerker an: sie bedienten sich dem Tragen der Kokarde oder der Übernahme des Revolutionsspruchs: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!“ (S.6).

Zielten aber die Bauern und Handwerker damit auf einen „bewussten Umsturz der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Ordnung?“ (S.6)?:

[...]

Details

Seiten
5
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656846192
ISBN (Buch)
9783656846208
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284329
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
Schlagworte
FRanzösische Revolution Revolutionsbild

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Exzerpt zu Helmut Berdings Aufsatz "Die Ausstrahlung der Französischen Revolution auf Deutschland"