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Der Krimkrieg 1853-1856. Ursachen und Verlauf

Seminararbeit 2000 28 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. VORBEMERKUNG

II. Der Weg in den Krieg
1. Die Hauptursache: Die Orientalische Frage
a) Rußland
b) Die verschiedenen Interessen in Montenegro
c) Der Streit um die Heiligen Stätten in Palästina

2. Die letzte Chance einer friedlichen Lösung

III. DER KRIMKRIEG
1. Die Kriegserklärung
2. Die beiden Militärs
3. Erste Kampfhandlungen zwischen dem Osmanischen Reich und dem russischen Zarenreich
a) An der Donau
b) Zur See

4. Der Kriegseintritt von England und Frankreich
a) Deren Absichten
5. Der Aufstand im griechischen Teil des Osmanischen Reiches und seine Folgen
6. Auf der Suche nach weiteren Verbündeten
7. Der Kampf um Sewastopol
a) Die Anfangsphase
b) Die Belagerung der Stadt
c) Der Kriegseintritt von Piemont und Österreich
d) Die Entscheidung
e) Die Einnahme der Festung Sewastopol

8. Die anderen Kriegsschauplätze
a) Der Kaukasus
b) Die Ostsee

9. Das Ende des Krieges

IV. DIE SITUATION NACH DEM KRIEG
1. Der Friede von Paris

V. ZUSAMMENFASSUNG

VI. BIBLIOGRAPHIE

I. VORBEMERKUNG

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich die Ereignisse vor, während und nach dem Krimkrieg schildern. Dabei habe ich auf bestimmte Punkte, die mir persönlich sehr wichtig erschienen, mein Hauptaugenmerk gerichtet. Im einzelnen sind das:

- die Orientalische Frage
- die Ereignisse um Sewastopol
- die Friedenskonferenz in Paris

II. Der Weg in den Krieg

1. Die Hauptursache: Die Orientalische Frage

Eine Ursache des Krieges war die Orientalische Frage. Unter diesem politischen Begriff faßt man die Probleme, die sich durch den drohenden Zerfall des Osmanischen Reiches im 19.Jahrhundert ergeben hatten, zusammen. Dabei waren die europäischen Großmächte (das sind die folgenden, unter der Bezeichnung Pentarchie zusammengefaßten, Staaten gewesen: England, Frankreich, Österreich, Rußland und Preußen) durch ihre Interessen an den Einflußgebieten im Vorderen Orient ebenso darin verwickelt wie die zur Unabhängigkeit drängenden Nationalitäten auf dem Balkan. Ausgangspunkt war die Annahme, daß das Osmanische Reich bald zerfallen würde, und so verfolgte jeder nur ein Ziel, nämlich die Abgrenzung seiner eigenen Interessens- und Einflußsphären.

Im folgenden nun möchte ich auf die Unternehmungen und Bestrebungen der einzelnen Länder im Verlauf der Krise durch die Orientalische Frage im Detail näher eingehen:

a) Rußland

Und zwar meldete vor allem Rußland Ansprüche auf das Gebiet des Osmanischen Reiches an. Dafür gab es mehrere Gründe verschiedener Art und Weise. Zum einen waren sie religiösen, zum anderen politisch-wirtschaftlichen Ursprungs.

Erst einmal war eine alte Prophezeiung dort nicht in Vergessenheit geraten. Diese besagte, daß vier Jahrhunderte nach dem Fall Konstantinopels und der Einnahme der Stadt durch die Türken (im Mai 1453) wieder die Christenheit in das Land einziehen und von der Hagia Sofia erneut das christliche Kreuz leuchten würde. Diese Auffassung konnte deswegen hochkommen, da sich vor dem Osmanischen Reich auf dessen Gebiet das Byzantinische Reich befand. Und mit jenem, so behauptete man in Rußland, stände das russische Zarenreich in einer Art religiös-mystischer Verbindung. Es verstand sich nämlich sozusagen als Nachfolgestaat des tausendjährigen byzantinischen Kaisertums, da es ebenso wie das Byzantinische Reich Anhänger des orthodoxen Christentums war. Außerdem war der Mythos von Moskau als dem „Vierten Rom“ immer allgegenwärtig. In Rußland gab es zudem fast mehr orthodoxe Gläubige als in der gesamten griechischen Welt. Und so war es Rußlands heiliges Ziel, weil beinahe religiöse Verpflichtung, die orthodoxen Völker von der Türkenherrschaft zu befreien und ein neues russisch-byzantinisches Kaiserreich zu schaffen, in welchem es zu einer Wiedervereinigung aller getrennten orthodoxen Gemeinden kommen sollte.

Aber es gab auch andere Gründe. Da Rußland eine feste Position innerhalb der europäischen Großmächte anstrebte, mußte sich an seiner politisch-wirtschaftlichen Schlagkraft noch einiges ändern. Doch ein entscheidender Machtfaktor fehlte bisher, und zwar ein Zugang zu den Weltmeeren.

Die Lösung dieses Problems konnte nur an der Schwarzmeerküste liegen. Und so strebte Rußland nach der Eroberung der Schwarzmeerküste und der Errichtung von Sewastopol als modernem Kriegshafen danach, eine ungehinderte Passage durch den Bosporus und die Dardanellen in die Ägäis und das Mittelmeer zu finden. Seit Peter I., dem Großen, hatten die Zaren weder Kosten noch Mühen gescheut, und dem russischen Zarenreich eine schlagkräftige Flotte aufgebaut. Diese sollte nun endlich einmal zum Einsatz kommen.

b) Die verschiedenen Interessen in Montenegro

Wie Rußland verfolgte auch Österreich das Ziel, bestimmte Interessen und Vorstellungen auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches zu realisieren. Noch dazu hatte Nikolaus I., russischer Zar von 1825 bis 1855, dem Österreicher Fürst von Metternich bei einem Treffen die Zusage erteilt, Österreich bei der Erbschaft der europäischen Türkei zu berücksichtigen.

Jedoch schien es zwischen beiden Staaten einen Interessenskonflikt in Bezug auf Montenegro zu geben. Dieses Gebiet unterstand dem Sultan und war Bestandteil des Osmanischen Reiches, aber es widersetzte sich schon seit längerer Zeit diesem Herrschaftsanspruch. Das dort ansässige unruhige Bergvolk führte mehrere Beutezüge in die benachbarten Regionen durch, und verletzte mehrfach die Grenze zu Österreich. Dort plante man unterdessen endlich einmal gegen diese immer wiederkehrenden Übergriffe militärisch vorzugehen. Darüber hinaus strebte man dort danach, Bosnien zu annektieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, nutzte man jegliche diplomatischen Möglichkeiten aus. So schickte man beispielsweise zu Beginn des Jahres 1853 den Feldmarschall-Leutnant Graf Leiningen in einer geheimen Sondermission nach Konstantinopel, um unter anderem über den Rückzug der türkischen Truppen aus Montenegro sowie über die Beseitigung aller Handelsbeschränkungen und die Gleichstellung der Christen zu verhandeln. Es waren aber eher Forderungen, welche die Österreicher dabei stellten. Trotzdem gab man in Konstantinopel der Mehrheit dieser Forderungen nach, und so einigten sich schließlich beide Staaten auf die Wiederherstellung des Status quo.

Rußland gegenüber verheimlichten die Österreicher ihre Unternehmungen. Und so kam es, daß Rußland schließlich danach trachtete, die Lage wieder nach seinen Gunsten zu richten. Der Zar sah es als seine alleinige Pflicht an, die Interessen der Millionen Christen im Osmanischen Reich zu überwachen, und duldete dabei keinen Widersacher. Unabhängig von Österreich verlangte auch er den sofortigen Rückzug der türkischen Truppen aus Montenegro. Sollte dieser Forderung von Seiten der Türken nicht nachgekommen werden, so hatte man sich auch schon für diesen Fall seine Gedanken gemacht, und erste Handlungen und Aktionen militärischer, also kriegerischer Art, in Betracht gezogen. Man hatte bereits einen Kriegsplan entwickelt, der die vorübergehende Besetzung der Donaufürstentümer vorsah. Es war so geplant, dies erst einmal provisorisch zu tun, um die Türken zur Vernunft zu bringen. Da das so war, ist klar, daß die Russen keineswegs eine Eskalation der Krisensituation mit Kriegsfolge anstrebten.

c) Der Streit um die Heiligen Stätten in Palästina

Seinen direkten Ursprung nahm der Krimkrieg in einem Streit zwischen Christen verschiedener Konfessionen über ihre Rechte im Heiligen Land. Seine eigentlichen Ursachen lagen jedoch in dem taktischen Vorgehen Rußlands in diesem Streit und dem Unvermögen der britischen Regierung, während der kritischen Phase der Auseinandersetzung eine konsequente Linie zu verfolgen oder dem Druck der erregten öffentlichen Meinung standzuhalten.

Bereits im Verlauf des Jahres 1852 entwickelte sich nebenher aus eher beiläufigen Streitigkeiten der Konfessionsparteien um die Heiligen Stätten in Palästina eine tiefe Kluft, in welche besonders Rußland und Frankreich als Gegner hineingezogen wurden. Rußland, weil es Schutzpatron der orthodoxen Christenheit war, und Frankreich dem entgegen eher dem katholischen Glauben nahestand. Unter dem Einfluß Frankreichs gestand die türkische Regierung den römisch-katholischen Orden im Jahre 1852 Vorrechte bezüglich bestimmter Heiligtümer im Heiligen Land zu. Dieses Zugeständnis schien Rechte zu verletzen, die vorher den griechisch-orthodoxen Anhängern zuerkannt worden waren.

In diesem Zusammenhang wurde Fürst Menschikow am 28.Februar 1853 von Rußland in geheimer Mission nach Konstantinopel geschickt. Er trug einen ganzen Katalog von Forderungen bei sich, „darunter einen explicativen Firman, der die Schlüsselfrage in der Bethlehemkirche und die Aufstellung des silbernen Stern in der Grotte regelte; einen großherrlichen Befehl für die sofortige Ausbesserung der Kuppel über dem Christusgrab ohne Mitwirkung der Katholiken, sowie die Beseitigung der Haremsbauten neben der Grabeskirche; und [...] die Genehmigung für den Neubau einer Kirche und die Errichtung eines Spitals für Pilger in Jerusalem“[1]. Er kam in Begleitung eines Kriegsschiffes, welches wohl das zu den Forderungen gestellte Ultimatum bekräftigen sollte.

Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, und konnten deswegen nicht wie von Rußland geplant vor den anderen Großmächten verborgen werden. Bereits am 5.April 1853 traf der englische Abgesandte Lord Stratford Canning in Konstantinopel ein, um sich vor Ort über den Stand der Dinge einen Überblick zu verschaffen. Da er kein Freund Rußlands war, versuchte er den unsicheren Sultan gegen die russischen Forderungen aufzubringen. Das blieb nicht ohne Erfolg. Zwischen den verhandelnden Parteien spitzte sich die Lage besorgniserregend zu, nicht ohne den Einfluß der von den Großmächten nach Konstantinopel delegierten Personen. Man intrigierte auf allen Seiten, bis schließlich Mehmet Ali seinen Posten des Kanzlers zugunsten dem des Kriegsministers aufgab. Neuer Großwesir wurde Reschid Pascha. Dieser stellte als erste Handlung Rußland und Frankreich dieselbe Note zu, in welcher jedoch dem katholischen und dem orthodoxen Glauben weitere Bürgschaften zugesichert wurden. Davon hatte allerdings nur wenig Hand und Fuß. Rußlands Ultimatum neigte sich langsam dem Ende entgegen, und so geriet nun Fürst Menschikow unter Zugzwang. Also brach er die Verhandlungen ab. Der eigentliche Schuldige war Lord Stratford Canning, denn mit seiner Unterstützung hatte sich das Kabinett letzten Endes gegen Rußland entschieden. Die russische Mission war gescheitert, und der Zar mußte nun die angedrohten Konsequenzen in die Tat umsetzen. Also kündigte er die Besetzung der Fürstentümer an, und wollte dann sehen, was er damit erreichen konnte.

[...]


[1] German Werth „Der Krimkrieg“ S.57

Details

Seiten
28
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638117180
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2843
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Kulturwisssenschaften, Slawistik
Note
2
Schlagworte
Europa Rußland Krimkrieg Orientalische Frage

Autor

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