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Peer Production und die Motivation ihrer Teilnehmer

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Peer Production
2.1 Definition von Peer Production
2.2 Theoretischer Prozess
2.3 Darstellung des Konzeptes
2.4 Motivation der Teilnehmer

3. Potenzial des Ansatzes

4. Quellenangabe

1. Einleitung

Das Verständnis der wirtschaftlichen Produktion hat sich verändert. Neben der produktiven Tätigkeit stehen Individuen in einem Unternehmen als Mitarbeiter oder als Einzelperson in Märkten noch einem dritten Phänomen gegenüber: Dieses Phänomen, die so genannte Peer Production, beinhaltet Tausende von Mitarbeitern oder Programmierern, die einen Beitrag zu großen und kleinen Projekten leisten. Es gilt das zentral organisierende Prinzip, dass die Software frei von den meisten Einschränkungen beim Kopieren bleibt. Niemand "besitzt" die Software im herkömmlichen Sinne. Das Ergebnis ist die Entstehung einer lebendigen, innovativen und produktiven Zusammenarbeit in mehreren Communities, deren Teilnehmer nicht in Unternehmen organisiert sind und ihre Projekte nicht auf Reaktion von Preissignalen wählen.

Die vorliegende Hausarbeit definiert zunächst, was Peer Production überhaupt ist und wie der aktuelle Forschungsstand zu diesem Thema aussieht. In einem zweiten Schritt wird der theoretische Prozess beschrieben. Danach wird in einem dritten Schritt das Konzept der Entscheidungsfindung dargestellt. Der vierte Punkt widmet sich der Motivation der Teilnehmer und gibt damit Antworten auf die Frage, aus welchen Gründen ein Nutzer an der Peer Production teilnimmt. Dieses Kapitel stellt einen Schwerpunkt in dieser Hausarbeit dar.

In einem abschließenden Fazit werden das Potenzial des Ansatzes sowie weitergehende Forschungsvertiefungen diskutiert.

2. Peer Production

2.1 Definition von Peer Production

„ Peer Production is a socio-economic system of production that is emerging in the digitally networked environment “ 1

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist in den letzten Jahrzehnten eine neue Produktionsweise entstanden, die auf der Kooperation und dem Teilen von Wissen ihrer Nutzer beruht. Diese Produktionsart hat ausgereifte Betriebssysteme wie Linux oder Open Office sowie unzählige andere freie Softwareprogramme hervorgebracht. Auch riesige Wissenssysteme wie Wikipedia und die sogenannte Blogosphäre - ein neues, dezentralisiertes Medium für die Verbreitung und Diskussion von Nachrichten und Wissen - sind auf ihrer Grundlage entstanden.

Im Gegensatz zur Produktion für den Markt findet Peer Production in der Regel nicht für den Verkauf, sondern für den Gebrauch statt. Projekte haben ein gemeinsames Ziel und alle Teilnehmenden tragen auf die eine oder andere Weise dazu bei, weil sie die Ziele des Projekts teilen, weil sie genießen, was sie tun, oder weil sie der Community etwas zurückgeben wollen.2

In ihrem viel zitierten Paper “Commons-based Peer Production and Virtue” definieren Benkler und Nissenbaum “Peer Production in seiner reinsten Form als eine Art, Güter und Dienstleistungen zu produzieren, die ganz auf selbstorganisierten, egalitären Gemeinschaften von Individuen beruht, die freiwillig zusammen kommen, um an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten“.3 Die zentrale These ihrer Arbeit ist, dass der Ansatz der Peer Production nicht nur ein bemerkenswertes Instrument der Produktion für verschiedene Arten von Informationsgütern biete, sondern als Kontext der positiven Charakterbildung dienen kann. Peer Production fördere somit eine Gesellschaft, die Chancen für tugendhaftes Verhalten biete.

Der Blogger Erick Schonfeld weist auf die Partizipationskultur hin und definiert Peer Production wie folgt: „ ..., the web allows individual producers to swarm together with like-minded individuals and create complex products.“4 Genau dieser Punkt des Zusammenarbeitens und des Entwickeln von komplexen Lösungen ist eine der Hauptantriebe für die Motivation der Teilnehmer, wie im Laufe dieser Hausarbeit zu lesen sein wird.

Michel Bauwens geht in seiner Forschungsarbeit noch einen Schritt weiter und behauptet, dass Peer Production eine einzigartige Chance biete, um den Kapitalismus zu überwinden und dass die Peer-to-Peer-Bewegung die Nachfolge des Industriegesellschaft-basierten-Sozialismus repräsentiere. Er stellt dar, dass die Peer Production eigentlich ein „hyperproduktiver“ Modus sei, der Profit-Organisationen zwinge, ihre Eigenschaften anzupassen, wodurch eine weitere Integration in ihre bestehenden politischen Ökonomie erfolge.5

Allen Ansätzen gemein ist, dass es sich bei dem Ansatz der Peer Production immer um Projekte dreht, die einer Vielzahl von Mitstreitern, Teilnehmer oder Nutzern bedarf, um ihren komplexen Sachverhalt zu lösen. Dieses geschieht bisher ausschließlich über die digital vernetzte Welt und schafft es, erhebliche Verbesserungen und eine hohe Motivation der Teilnehmer auszulösen.

2.2 Theoretischer Prozess

Die Mitarbeit in Peer-Communities erfolgt freiwillig. Die Teilnehmer werden nicht gezwungen, einen Beitrag z. B. bei Linux oder eine Verbesserung an Mozilla Firefox beizutragen. Sie entscheiden selbst, an welchen Projekten sie inwiefern arbeiten und in welchem Umfang. Der Theorie der Selbstauswahl der zu bearbeitenden Projekte liegt zugrunde, dass sich die Nutzer mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Themengebiet einbringen, in welchem sie besonders gut qualifiziert sind. Eine einzelne Firma hat geringere humane Ressourcen, als eine Community an Freiwilligen. Vorraussetzung dafür ist, dass Möglichkeiten existieren, qualitativ starke Beiträge den Schwachen vorzuziehen. Als Verknüpfung zur Praxis sei an dieser Stelle das Beispiel Wikipedia genannt, welches in Form eines Moderations-Chats die Möglichkeit bietet, alte Beiträge zu überschreiben und die Änderungen zu speichern sowie alte Dateien im Hintergrund sichtbar zu lassen.

2.3 Darstellung des Konzeptes

Ein Unternehmen kann sich immer nur so weit spezialisieren, wie es Kapazitäten hat, diese Spezialisierung zu koordinieren. Anders als in klassischen Unternehmensstrukturen und in planwirtschaftlichen Systemen gibt es in Peer- Projekten keine Befehlsstrukturen. Peer Production ist selbstkoordinierend. Das heißt nicht, dass die Projekte unstrukturiert ablaufen würden. Meist gibt es Administratoren, die das Projekt auf Kurs halten und entscheiden, ob Beiträge integriert oder zurückgewiesen werden, aber niemand kann befehlen und niemand ist gezwungen zu gehorchen. Der vorgegebene Rahmen der Prinzipien ist sehr weit gefasst. Die Initiatoren der Projekte haben nur sehr wenige Richtlinien festgelegt, diese jedoch gelten als unumstößlich (Beispiel Apache Web Server).

Die Grundsätze sowie weitere Vorgaben werden von der Gemeinschaft der Verfasser aufgestellt. Sie beruhen auf sozialen Protokollen, die für jeden sichtbar sind. Die Entscheidungsfindung und Organisationsstruktur in Projekten der Peer Production ist in der Regel hochkomplex. Sie erschließt sich meistens erst nach längerer aktiver Teilnahme am Projekt.

Angemeldete Teilnehmer können sich in der Community einen Ruf und Vertrauen bilden. Es zählt sowohl der Einfluss der Teilnehmer auf laufende Diskussionen, ihr Beitrag an komplexen Programmierdiensten als auch die Überzeugungskraft ihrer Argumente.

Der unübersetzbare Begriff der »Peers« bezieht sich auf diese freiwillige Kooperation zwischen Gleichberechtigten, die sich niemandem unterordnen müssen. In einem offenen Prozess entwickeln die Projektbeteiligten die Regeln und Organisationsformen der Zusammenarbeit selbst.6

Ist jemand Experte auf einem bestimmten Gebiet, sind es gerade diese zwei Sätze, die er zusätzlich zu einem bestimmten Thema beisteuert und sie ergeben in der Gesamtheit betrachtet eine Bereicherung. Dieses Konzept der Peer Production erlaubt ein neues Level an Spezialisierung.7

[...]


1 Benkler, Y: und Nissenbaum, H. (2006) Commons-based Peer Production. The Journal of Political Philosophy: Volume 14, Number 4, S. 395.

2 Siefkes, Christian (2011) : Peer-Produktion—der unerwartete Aufstieg einer commonsbasierten Produktionsweise, The Emergence of Benefit-driven Production, S. 4.

3 Benkler, Y: und Nissenbaum, H. (2006) Commons-based Peer Production. The Journal of Political Philosophy: Volume 14, Number 4, S. 394.

4 Schonfeld, Erick. (2005) „The Economics of Peer Production“. Blog B2Day. 30.9.2005.

5 Bauwens, M. (2009). Class and capital in peer production. Capital & class, 33 (1), 121-141.

6 Siefkes, Christian (2011): Peer-Produktion—der unerwartete Aufstieg einer commonsbasierten Produktionsweise. The Emergence of Benefit-driven Production, S. 6.

7 Reichwald, Piller (2005): Interaktive Wertschöpfung: Open Innovation, Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung . Springer Verlag, 2009, S. 77.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656842248
ISBN (Buch)
9783656842255
Dateigröße
776 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284119
Institution / Hochschule
Universität Witten/Herdecke
Note
2,0
Schlagworte
peer production motivation teilnehmer

Autor

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Titel: Peer Production und die Motivation ihrer Teilnehmer