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Arbeitslosigkeit in Österreich und Ungarn. Ein Vergleich zu Ausmaß, Organisation und Sicherung

Bachelorarbeit 2014 63 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung und Forschungsfrage
1.2 Länderauswahl
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Der Arbeitsmarkt in Österreich und Ungarn
2.1 Grundlagen zu den Bestands- und Stromgrößen am Arbeitsmarkt
2.2 Beschäftigungsentwicklung
2.2.1 Arbeitskräftenachfrage
2.2.2 Arbeitskräfteangebot
2.3 Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Österreich
2.3.1 Personenbezogene Auswertung der Arbeitslosenbestände
2.4 Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Ungarn
2.4.1 Personenbezogene Auswertung der Arbeitslosenbestände

3 Organisation der Arbeitslosenversicherung
3.1 Österreich
3.1.1 Organisationsstruktur
3.1.2 Sozialausgaben
3.1.3 Finanzierung
3.2 Ungarn
3.2.1 Organisationsstruktur
3.2.2 Sozialausgaben
3.2.3 Finanzierung

4 Sicherung im Falle von Arbeitslosigkeit
4.1 Leistungen zur Kompensation von Einkommensverlusten in Österreich
4.2 Leistungen zur Kompensation von Einkommensverlusten in Ungarn

5 Zusammenfassung
5.1 Fazit

6 Literaturverzeichnis
6.1 Bücher
6.2 Internetquellen

7 Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Gliederung der Wohnbevölkerung

Abbildung 2: Entwicklung der Erwerbsquote (15-64 Jahre) in Österreich (LFK)

Abbildung 3: Entwicklung der Erwerbsquote (15-64 Jahre) in Ungarn (LFK)

Abbildung 4: Erwerbstätigenquote (15-64 Jahre) in Österreich nach Alter (LFK)

Abbildung 5: Erwerbstätigenquote (15-64 Jahre) in Ungarn nach Alter (LFK)

Abbildung 6: Arbeitslosenquote der Männer und Frauen in Österreich (LFK)

Abbildung 7: Arbeitslosenbestände der Männer nach Alter in Österreich (LUK)

Abbildung 8: Arbeitslosenbestände der Frauen nach Alter in Österreich (LUK)

Abbildung 9: Einteilung Österreichs auf NUTS 1 Ebene

Abbildung 10: Arbeitslosenquote auf NUTS 1 Ebene in Österreich (LFK)

Abbildung 11: Langzeitarbeitslosenquote nach Geschlecht in Österreich (LFK)

Abbildung 12: Arbeitslosenquote der Männer und Frauen in Ungarn (LFK)

Abbildung 13: Arbeitslosenbestände der Männer nach Alter in Ungarn (LFK)

Abbildung 14: Arbeitslosenbestände der Frauen nach Alter in Ungarn (LFK)

Abbildung 15: Einteilung Ungarns auf NUTS 1 Ebene

Abbildung 16: Arbeitslosenquote auf NUTS 1 Ebene in Ungarn (LFK)

Abbildung 17: Arbeitslosenbestände der Männer nach Dauer in Ungarn (LFK)

Abbildung 18: Arbeitslosenbestände der Frauen nach Dauer in Ungarn (LFK)

Abbildung 19: Aufbauorganisation der Arbeitslosenversicherung in Österreich

Abbildung 20: Aufbauorganisation der Arbeitslosenversicherung in Ungarn

Abbildung 21: Erwerbstätigenquote in Österreich nach Geschlecht (LFK)

Abbildung 22: Erwerbstätigenquote in Ungarn nach Geschlecht (LFK)

Abbildung 23: Register- und internationale Arbeitslosenquote in Österreich

Abbildung 24: Register- und internationale Arbeitslosenquote in Ungarn

Abbildung 25: Entwicklung der Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in Österreich (LUK)

Abbildung 26: Entwicklung der Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in Ungarn (LFK)

Abbildung 27: Arbeitslosenquote nach Staatszugehörigkeit in Österreich (LUK)

Abbildung 28: Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit im internationalen Vergleich

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Arbeitslosenquote nach nationaler und internationaler Berechnung

Tabelle 2: Arbeitslosenquote nach Ausbildung und Geschlecht in Österreich (LUK)

Tabelle 3: Arbeitslosenquote nach Ausbildung und Geschlecht in Ungarn (LFK)

Tabelle 4: Sozialausgaben nach Sozialpolitikbereichen in Österreich

Tabelle 5: Ausgaben im Bereich der Arbeitslosigkeit in Österreich

Tabelle 6: Sozialausgaben nach Sozialpolitikbereichen in Ungarn

Tabelle 7: Entwicklung der Beitragssätze für die Arbeitslosenversicherung in Ungarn

Tabelle 8: Vergleich der Leistungen der passiven Arbeitsmarktpolitik

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kurzfassung

Erwerbsarbeit und Bildung sind im Großen und Ganzen der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit und den damit verbundenen möglichen Folgen. In Zeiten schlechter Wirtschaftslage greift die Arbeitslosigkeit immer mehr um sich. Da ist es besonders wichtig, gegen Einkommensverluste im Falle von Arbeitslosigkeit abgesichert zu sein. Dies gehört zu den Aufgaben eines Wohlfahrtsstaates. Diese Tradition der sozialen Absicherung kennen wir aus Österreich und anderen europäischen Ländern. Doch wie sieht es in den ehemaligen Ostblockstaaten aus, die doch lange Zeit von Planwirtschaft und Kommunismus geprägt waren?

Am Beispiel von Ungarn werden das Ausmaß, die Organisationstruktur und soziale Sicherung im Bereich der Arbeitslosigkeit mit Österreich vergleichend untersucht. Dabei wurden Informationen aus verschiedenen Datenbanken auf nationaler und EU-Ebene abgefragt. Die berechneten Kennzahlen und die Arbeitslosenbestände sollen Auskunft über die Entwicklung des Arbeitsmarktes beider Länder geben.

Außerdem wurden die Sozialausgaben nach Sozialpolitikbereichen und die Ausgaben der Arbeitslosenversicherung recherchiert und versucht zu bewerten. Des Weiteren war mir wichtig, das gegebene Sicherungssystem, mit denen arbeitslose Menschen konfrontiert sind, zu durchleuchten. Besonders die passiven Geldleistungen wurden ins Auge gefasst, die im Falle von Arbeitslosigkeit Einkommensverluste kompensieren sollen.

Abstract

Work and education are by and large the best protection against unemployment and the possible consequences associated with it. In times of poor economic situation, unemployment reaches more and more around. Since it is particularly important to be protected against unemployment incomes-mens losses in the event. This is one of the tasks of a welfare state. This tradition of social protection we know from Austria and other European countries. But, how it looks in the former Eastern Bloc states, that had yet coined a long time of planned economy and communism?

Using the example of Hungary, the extent, the organizational structure and social protection in the field of unemployment is comparatively examined with Austria. This information were retrieved from various databases at national and EU level. The calculated ratios and unemployment stocks should provide information on the development of the labor market in both countries.

In addition, social spending for social policies and the issues of unemployment were researched and tried to evaluate. Furthermore, it was important to me to illuminate the given system with which unemployed people are facing. Especially the passive cash benefits were envisaged, which should compensate for loss of income in case of unemployment.

1 Einleitung

Mit dem Abbau des Eisernen Vorhanges vor mittlerweile 25 Jahren durchlief Ungarn gemeinsam mit anderen ehemals kommunistischen Staaten in Europa einen Systemwechsel. Diese Transformation bedeutete einen Wechsel weg von Kommunismus und Planwirtschaft, hin zu Demokratie und sozialer Marktwirtschaft, nach dem Vorbild westlicher Staaten. Der Transformationsprozess wurde auch noch deutlich durch die Misere erschwert, dass dieser Strukturwandel zeitlich in eine Periode fiel, in der die Weltwirtschaft in einer Krise steckte. Die Umwälzungen brachten eine großen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes, hohe Inflation, sinkende Einkommen und gingen mit einer enorm hohen Arbeitslosigkeit, steigenden Armutsraten und zunehmender sozialer Ungleichheit einher. Zusätzlich stand Ungarn vor dem Paradox, einen Wohlfahrtsstaat aufbauen und gleichzeitig Kürzungen in den Sozialausgaben vornehmen zu müssen. Soziale Indikatoren wie Beschäftigung, Löhne und Pensionen verbesserten sich nach der Transformation nur langsam. Die massenhafte Arbeitslosigkeit in Ungarn Anfang der 1990er Jahre wurde zu einem schwerwiegenden Problem. Zwar gab es auch während des Staatssozialismus in Ungarn Arbeitslosigkeit1 (1-3%), aber davon wollte von offizieller Seite niemand etwas wissen. Vielmehr gab es Arbeitslosigkeit hinter den Toren und Türen verschiedener Betriebe.2 Eine zentrale Säule des sozialistischen Sozialsystems war die offizielle Vollbeschäftigung, die aber häufig gleichzeitig eine Unterbeschäftigung auf dem jeweiligen Arbeitsplatz bedeutete.

Zu dieser Zeit war Österreich bereits auf dem Weg EU-Mitglied zu werden, und im Juli 1989 beschloss die damalige Bundesregierung, die Anträge auf Aufnahme Österreichs in die Europäischen Gemeinschaften zu stellen. Außerdem konnte Österreich zu Beginn der Neunzigerjahre bereits auf sieben Jahrzehnte Arbeitslosenversicherung zurückblicken. Dass das Missgeschick der Planwirtschaft3 zeitlich mit dem Aufkommen der „Wissensgesellschaft“ zusammentraf, war auch kein Zufall. Damit hatten die westlichen Länder gegenüber den ehemaligen Ostblockstaaten einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil4.

Die nun vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklungen im Bereich der Arbeitslosigkeit in Österreich und Ungarn.

1.1 Zielsetzung und Forschungsfrage

Ziel der Arbeit ist es, die Umsetzungen im Bereich der Arbeitslosigkeit nach den Transformationsprozessen in Ungarn mit Österreich vergleichend zu analysieren. Neben der Entwicklung der Strukturmerkmale des Arbeitsmarktes der letzten zwei Jahrzehnte, vor allem hier der Entwicklung der Arbeitslosenbestände, wird untersucht, wie hoch die Ausgaben im Bereich der Arbeitslosenversicherung sind und wie diese finanziert wird. Dabei werden Informationen aus verschiedenen Datenbanken abgefragt. Eine weitere Lücke sollen die Analysen der Organisationsstruktur im Bereich der Arbeitslosenversicherung und der sozialen Absicherung im Falle von Arbeitslosigkeit schließen.

Die nun folgende Arbeit baut auf nachstehende Forschungsfragen auf:

Wie hat sich seit Anfang der 1990er Jahre der Arbeitsmarkt beider Länder entwickelt?

Wie ist die Arbeitslosenversicherung in Österreich und Ungarn organisiert?

Wie sieht die soziale Sicherung im Falle von Arbeitslosigkeit aus?

1.2 Länderauswahl

Für den Vergleich zwischen den Ländern Österreich und Ungarn waren folgende Kriterien ausschlaggebend:

Kriterium 1: Österreich und Ungarn haben eine lange gemeinsame Historie und beide sind EU-Mitgliedstaaten.

Kriterium 2: Beide Länder haben nach dem Ende des 2. Weltkrieges unterschiedliche politische und wirtschaftliche Systeme aufgebaut. Mit dem Fall des „Eisernen Vorhanges“ kam es im sozialistischen Ungarn zu einem Systemwechsel, der einen spannenden Rahmen zum Vergleich beider Länder bietet.

Kriterium 3: Ungarn ist mein Herkunftsland. In Österreich bin ich aufgewachsen. Hier lebe und arbeite ich.

1.3 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit ist in fünf Hauptkapitel gegliedert. Nach den einleitenden Worten und der Formulierung der Zielsetzung und Forschungsfragen in Kapitel 1 wird im nachfolgenden Kapitel 2 der Arbeitsmarkt in Österreich und Ungarn anhand verschiedener volkswirtschaftlicher Kennzahlen (Erwerbsquote, Erwerbstätigenquote, Arbeitslosenquote etc.) analysiert. Dabei wird vor allem auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit großes Augenmerk gelegt. Anschließend wird in Kapitel 3 der Frage nachgegangen, wie die Arbeitslosenversicherung in beiden Ländern organisiert ist, welche Ausgaben im Bereich der Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarktförderung getätigt werden und auf welcher finanzierungstechnischen Basis die Arbeitslosenversicherung steht. Kapitel 4 konzentriert sich auf die soziale Absicherung im Falle von Arbeitslosigkeit. Dabei werden die wichtigsten Leistungen der jeweiligen Länder vor- und gegenübergestellt. Mit dem Kapitel 5 wird die vorliegende Arbeit abgeschlossen. Hier werden noch einmal alle relevanten Erkenntnisse aus den Hauptkapiteln zusammengefasst.

2 Der Arbeitsmarkt in Österreich und Ungarn

Für die Analyse des Arbeitsmarktes und ihrer Dynamik werden verschiedene volkswirtschaftliche Kennzahlen (Bestands- und Stromgrößen) herangezogen. Sie sollen uns Informationen über die Entwicklung des Arbeitsmarktes der letzten 25 Jahre geben. Der Grund dafür ist einfach, wird doch Arbeitslosigkeit als Indikator für die Störungen und Mängel des Arbeitsmarktes gesehen. Bevor nun aber im folgenden Kapitel auf den Arbeitsmarkt eingegangen wird, ist es wichtig, die verschiedenen Indikatoren näher zu erklären. Das nächste Unterkapitel soll darüber Aufschluss geben.

2.1 Grundlagen zu den Bestands- und Stromgrößen am Arbeitsmarkt

Wenn wir die Wohnbevölkerung eines Landes betrachten, kann sie volkswirtschaftlich gesehen in zwei Hauptgruppen unterteilt werden. Zum einen in die Gruppe der Erwerbspersonen (15 - 64 Jahre) und zum anderen in die Gruppe der Nichterwerbspersonen (vgl. Abb. 1). Zu letzterer werden jene Personen gezählt, die entweder in Ausbildung (Schüler/Studenten) stehen, pensioniert, arbeits- oder berufsunfähig sind. Eine weitere Kategorie der Nichterwerbspersonen wird als „Stille Reserve“ oder auch als inaktive Erwerbspersonen bezeichnet. Hierunter fallen jene Personen, die nicht erwerbswillig sind, obwohl sie erwerbsfähig wären, weil sie andere Einkünfte beziehen, wie z.B. Einkommen aus Kapitaleinlagen, oder Personen, die nur zeitweise nicht erwerbstätig sind z.B. wegen Ausbildung/Qualifizierungsmaßnahmen oder Kindererziehung5. Ein konkurrierendes Konzept zur „Stillen Reserve” ist die sogenannte „versteckte oder verdeckte Arbeitslosigkeit”. Sie ist für ein weiter gefasstes Konzept von Arbeitslosigkeit zu berücksichtigen. Inhaltlich unterscheiden sie sich in der Definition des Personenkreises und den ökonomischen Rahmenbedingungen6.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gliederung der Wohnbevölkerung

Quelle: in Anlehnung an Heubes (1995), S.169, verändert entnommen aus Müller (2002), 9

Erwerbspersonen hingegen sind alle Personen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder eine Erwerbstätigkeit suchen. Zusammen bilden sie das Arbeitskräftepotential. Je nach Definition und Erhebungsmethode ergeben sich erhebliche Differenzen zwischen den erhobenen Daten. Folgende Erklärungen soll helfen, diese Diskrepanz der verschiedenen Definitionen und Erhebungsmethoden zu verstehen7:

Das Labour-Force-Konzept LFK (internationale Definition): Dieses Konzept wird von der Internationalen Arbeitsorganisation (engl. ILO) verwendet und wurde, um die internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten, von der EU (EUROSTAT) präzisiert und von Österreich beim Eintritt in die EU übernommen. Nach der ILO-Definition werden diejenigen als erwerbslos bzw. arbeitslos gesehen, die in einer bestimmten Woche (Befragungswoche) nicht gearbeitet, vier Wochen vor der Befragung aktiv nach Arbeit gesucht haben und in der Lage sind, einen geeigneten Job innerhalb von zwei Wochen anzunehmen. Dagegen sind erwerbstätige Personen jene, die in der Woche vor der Befragung zumindest eine Stunde gegen Bezahlung gearbeitet haben oder in Beschäftigung standen. Diese Gruppe setzt sich aus der Summe aller selbst- und unselbstständigen Beschäftigten und Arbeitslosen zusammen. Die Erfassung der Erwerbspersonen, also des Arbeitskräftepotentials, erfolgt über eine Haushaltsbefragung in einer bestimmten Befragungswoche (Stichprobenerhebung, Mikrozensus).

Das Lebensunterhaltskonzept LUK (nationale Definition): In diesem Konzept werden Personen mit einer Normalarbeitszeit von mindestens 12 Wochenstunden (geringfügig Beschäftigte fallen heraus) als erwerbstätig angesehen (inkl. Präsenz/Zivildiener und Karenzurlauber). Im Gegensatz zum Labour Force Konzept werden nur die unselbstständig Erwerbstätigen berücksichtigt. Die Arbeitslosenquote ergibt sich damit aus dem Verhältnis der registrierten Arbeitslosen (die beim Arbeitsmarktservice als arbeitslos registriert sind) zu dem Arbeitskräftepotential (Registrierte Arbeitslose + unselbstständige Erwerbstätige).

Die vorliegende Arbeit verwendet Daten beider Konzepte, vor allem aber das Labour-Force-Konzept nach der ILO-Definition und wird mit LFK abgekürzt. Werden Daten aus dem Lebensunterhaltskonzept verwendet, wird die Abkürzung LUK verwendet. Außerdem wurde versucht, bei den Daten weit zurück liegende Jahreszahlen (bis 1990) aufzurufen, jedoch war dies für einige Auswertungen nicht möglich.

2.2 Beschäftigungsentwicklung

Aus der Wirtschaftstheorie heraus, ergibt sich Arbeitslosigkeit durch eine Störung oder einem Funktionsmangel des Arbeitsmarktes Dabei steht das Ungleichgewicht von Arbeitskräftenachfrage und –angebot im Vordergrund8. Zumeist werden die Arbeitskräfte im erwerbsfähigen Alter von 15-64 Jahre betrachtet.

2.2.1 Arbeitskräftenachfrage

Die Nachfrage an Arbeitskräften wird anhand der Anzahl der Erwerbstätigen (ILO) und der offenen Stellen gemessen. Hier haben Löhne, Arbeitszeit, Produktivität und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wesentlichen Einfluss auf die Arbeitskräftenachfrage. Eine Analyse dieser Faktoren würde aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen und dementsprechend werden diese Einflüsse nicht weiter bearbeitet. Das Augenmerk liegt hier auf einer wichtigen Kennzahl, der „offenen Stellen Quote“.

Laut der von der EU festgelegten Definition einer offenen Stelle handelt es sich um „eine neu geschaffene, nicht besetzte oder demnächst frei werdende bezahlte Stelle, zu deren Besetzung der Arbeitgeber aktive Schritte unternimmt, um einen geeigneten Bewerber außerhalb des betreffenden Unternehmens zu finden, und bereit ist, weitere Schritte zu unternehmen, und die der Arbeitgeber sofort oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu besetzen beabsichtigt“9.

Die offenen Stellen Quote ergibt sich aus dem Verhältnis der Summe der Erwerbstätigen und der offenen Stellen zu den offenen Stellen insgesamt. In der Arbeitsmarktstatistik gilt die „offenen Stellen Quote” neben der Arbeitslosenquoten als ein zentraler Indikator der Arbeitsmarktstatistik und wird oft zur Beurteilung der Situation auf dem Arbeitsmarkt und zur Beschreibung von konjunkturellen Entwicklungstendenzen herangezogen10.

Die Daten der EUROSTAT für 2013 zeigten für Österreich im Jahresdurchschnitt einen Bestand von 65.000 offenen Stellen und einer Quote von 1,7%. Damit sank der Bestand gegenüber den Werten der Vorjahre (73.800 im Jahr 2011 und 69.00 im Jahr 2012). Österreich weist aber eine höhere Quote auf als der EU-Durchschnitt (1,5 %). Ungarn lag deutlich darunter und kam 2013 auf nur 1,1%. Der Bestand offener Stellen im Jahre 2013 wird mit 29.127 angegeben. Eine vergleichsweise geringe Anzahl gegenüber den Werten von Österreich und dem EU-Durchschnitt. Auch die Werte von 2011 (26.322) und 2012 (24.076) liegen deutlich darunter.11

2.2.2 Arbeitskräfteangebot

Erwerbsquote (LFK)

Das demographisch bestimmte Arbeitskräfteangebot, auch Arbeitskräftepotential genannt, ist die Summe der Erwerbstätigen und Erwerbslosen. Die Erwerbsquote (15-64 Jahre) ergibt sich aus dem Verhältnis des Arbeitskräftepotentials zu der Bevölkerung der 15-64 jährigen. Faktoren wie Demographie und Migrationsströme wirken sich auf das Arbeitskräfteangebot aus, werden jedoch aufgrund ihres Umfanges nicht näher betrachtet.

Die Erwerbsquote in Österreich (vgl. Abb. 2) lag in den 1990er Jahren konstant bei knapp über 70%. Ab 2005 stieg sie von 72,4% auf ihren bisher höchsten Wert von 76,1% im Jahr 2013 an und lag damit leicht unter dem EU-Durchschnitt von 77,1%. Während sich die Erwerbsquote bei den Männern kaum änderte (sie betrug 1994 80,7% und 2013 81,2%), lässt sich eine Steigerung der Erwerbsbeteiligung der Frauen konstatieren. Sie betrug im Jahre 1994 61,3% und erhöhte sich im Laufe der letzten Jahrzehnte auf 71,1% und damit um fast 10 Prozentpunkte. Das ist vor allem auf die Zunahme der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen. Während 1994 etwa 409.000 (26% aller erwerbstätigen Frauen) einer Teilzeitbeschäftigung nachgingen, waren es im Jahre 2013 schon mehr als 887.000 (=45,5%)12. Teilzeitarbeit ist somit für die Frauen zur Normalarbeit geworden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entwicklung der Erwerbsquote (15-64 Jahre) in Österreich (LFK)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA (2014), eigene Darstellung

Insgesamt gesehen, ist die Erwerbsquote im Steigen. Die „Stille Reserve“ betrug zuletzt im Jahre 2013 28,3%. Darunter wird der Anteil jener Personen, die innerhalb von zwei Wochen verfügbar sind, mit 9,1% angegeben. Insgesamt stieg der Anteil der inaktiven Personen über den Zeitraum der letzten zwei Jahrzehnte von 21,8% im Jahre 2004 auf 28,3% im Jahre 2013. Arbeitsmarktforscher in Österreich sehen im Anteil der inaktiven Erwerbspersonen großes Potential, um bspw. dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken13.

Die Anzahl der Wohnbevölkerung am 01.01.2014 war um 53.000 gewachsen (+0,6% gegenüber dem Vorjahr) was vor allem auf einen positiven Wanderungssaldo (43.797 Menschen) zurückzuführen ist. Damit stieg laut dem Bericht zur Arbeitsmarktlage Ende September 2014 die Erwerbsquote um 0,6%14.

Die Erwerbsquote in Ungarn liegt hingegen deutlich unter der von Österreich und brach während der ersten Jahre der Transformation von knapp 65% auf 57,6%% ein (vgl. Abb. 2). Erst ab Ende der 1990er Jahre stieg die Erwerbsquote wieder an und lag 2013 bei 65,10%. Sie ist damit um 11 Prozentpunkte niedriger als in Österreich (vgl. Abb. 3). Ein Grund dafür sei die hohe Anzahl der Pensionisten, die unterhalb des regulären Pensionsantrittsalters Alters- oder Arbeitsunfähigkeitspensionen beziehen, so Tausz in ihrer Analyse zum ungarischen Arbeitsmarkt15. Auch die sehr niedrige Teilzeitquote von insgesamt 6,7% (Frauen 9,5% und Männer 4,5%) ist dafür ausschlaggebend. Ein Trend zu mehr erwerbstätigen Frauen, die vor allem einer Teilzeitarbeit nachgehen, ist für Tausz in den nächsten Jahren durchaus gegeben. Insgesamt gesehen ist die Erwerbsquote der Frauen und Männer auf dem Niveau wie zu Beginn der Transformation und liegt im 2. Quartal 2014 bei 67,5% (+ 2,4% zu Vorjahr).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Entwicklung der Erwerbsquote (15-64 Jahre) in Ungarn (LFK)

Quelle: KSH (2014), eigene Darstellung

Erwerbstätigenquote (LFK)

Die Erwerbstätigenquote ist der Anteil der Erwerbstätigen (15-64 Jahre) zu der Gesamtbevölkerung der 15-64 Jährigen. Wie auch bei dem Arbeitskräftepotential kann hier der Bestand anhand verschiedener Merkmale untersucht werden; beispielsweise nach Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Migration, Wirtschaftsbereichen, Regionen etc. Die nachfolgende Abbildung 4. zeigt die Entwicklung der Erwerbstätigen in Österreich nach dem Alter.

[...]


1 Vgl. Ferge: (1988), 6

2 In Gesprächen mit meiner Mutter wird diese Tatsache untermauert. So gab sie an, dass die vorgegeben Arbeitszeiten oft nicht eingehalten wurden, dass viele Arbeiter und Angestellte zwar einen Arbeitsplatz hatten, für diesen auch bezahlt wurden, aber ohne Aufgaben zu erfüllen permanent unterfordert waren. Die Planwirtschaft wurde als träge, ineffizient und ohne wirkliche Innovationen wahrgenommen.

3 Obwohl Vollbeschäftigung garantiert war, betriebliche Sozialleistungen vorhanden und Preisnachlässe gewährt wurden, gab es im sozialistischen Ungarn ein Armutsproblem.

4 Vgl. Maasen (2006), 194

5 Vgl. Badelt/Österle (2001), 190f

6 Vgl. Bock-Schappelwein (2005), 506f

7 Vgl. AMS (2004)

8 Vgl. Badelt/Österle (2001), 187ff

9 Verordnung (EG) Nr. 453/2008, Artikel 2

10 Vgl. STATISTIK AUSTRIA (2014)

11 Vgl. EUROSTAT (2014), freie Abfrage

12 Vgl. STATISTIK AUSTRIA (2014)

13 Vgl. Biffl (2002), 14ff

14 Vgl. Grieger (2014), 1

15 Vgl. Tausz (2008), 321

Details

Seiten
63
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656840268
ISBN (Buch)
9783656840275
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284090
Institution / Hochschule
Fachhochschule OberÖsterreich Standort Linz – Fakultät Gesundheit und Soziales
Note
+2
Schlagworte
Arbeitslosigkeit Ungarn Österreich Sozialismus soziale Sicherung Planwirtschaft Transformation Sozialpolitik

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Titel: Arbeitslosigkeit in Österreich und Ungarn. Ein Vergleich zu Ausmaß, Organisation und Sicherung