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Seeräuber im "Goldenen Zeitalter der Piraterie"

Hausarbeit 2013 12 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Allgemeines / Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DAS GOLDENE ZEITALTER DER PIRATEN
2.1 KONSTELLATIONEN ZWISCHEN DER NEUEN WELT, EUROPA, AFRIKA UND ASIEN
2.1.1 NEW PROVIDENCE
2.1.2 MADAGASKAR
2.2 WER WAREN DIE PIRATEN IM GOLDENEN ZEITALTER?
2.2.1 DIE BRUDERSCHAFT DER KÜSTE ALS VORLÄUFER DER PIRATEN
2.2.2 PIRATEN IM GOLDENEN ZEITALTER DER PIRATERIE

3. DER PIRAT HENRY EVERY

4. FAZIT

1. Einleitung

Prägend für den Zeitraum um das 18. Jahrhundert war in erster Linie der sich immer weiter ausdehnende Seehandel zwischen den europäischen Mächten und ihren Kolonien in Übersee. Die Kolonialisierung der Territorien in Mittelamerika war zu diesem Au- genblick im Großen und Ganzen in trockenen Tüchern. Nichtsdestotrotz befanden sich die Europäer dennoch in einem ständigen Wettkampf um die Vormachtstellung in der Neuen Welt. Parallel zu dieser Entwicklung offenbarte sich in den Kolonien ein Ansin- nen, sich aus den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten von den Be- wohnern des europäischen Kontinents zu lösen. Die Piraterie verschärfte sich aufgrund dieser Rahmenbedingungen. Die europäischen Großmächte instrumentalisierten diese Umstände zu ihrem Nutzen.1

Besonders kennzeichnend für diesen Abschnitt aus der Geschichte ist auch die Ge- gebenheit, dass in Europa auf dem Papier unter den Seefahrernationen Frieden herrschte wohingegen jenseits des Ozeans ein kompromissloser Kleinkrieg die Geschehnisse be- stimmte. Diese Umstände ebneten den Freibeutern den Weg um in Erscheinung treten zu können, überwiegend sogar staatlich legitimiert. In den Anfängen der Freibeuterei erhielten die Englischen „adventurerer“ und „freebooter“ und im anderen Fall die Fran- zösischen „corsaire“ ohne große Schwierigkeiten die Berechtigung zur Seeräuberei durch Kaperbriefe. Diese ermöglichten den Seeräubern ihre Beutezüge, dem Recht ent- sprechend, in die Praxis umzusetzen. Selbst die Aushändigung eines Kaperbriefs im Nachhinein war nicht ausgeschlossen.2 Diese Gegebenheiten schufen die Voraussetzun- gen für zukünftige Entwicklungen und ebneten den Piraten den Weg in das „Goldene Zeitalter“ der Piraterie.

Die Seefahrt im „Goldenen Zeitalter der Piraten“ ist wie keine andere Zeitspanne in der europäischen Besiedlungsvergangenheit von der Seeräuberei geprägt. Darüber hin- aus besaß die Freibeuterei eine enorme Wirkung auf die Wechselbeziehungen zwischen den Großmächten in Europa. Eine erste Blütezeit der Piraterie ist in den Jahren zwi- schen 1655 und 1671 zu datieren, in denen insbesondere Henry Morgan die Gewässer der Karibik in Angst und Schrecken versetzte und ständige Überfälle auf die spanischen Kolonien auf der Tagesordnung standen. Desweiteren gelten die Jahre um das Ende des 17. Jahrhunderts sowie die Dekaden zu Beginn des 18. Jahrhunderts als letzte Glanzzeit der Piraterie, die sich gleichzeitig zu einer großen Plage im Atlantik ausweitete.3 Der spanische Erbfolgekrieg von 1701 bis 1713 begründete diese letzte Blütephase in der Geschichte der Piraterie.

Die Zielstellung dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, die letzte Blütephase der Piraterie zu ergründen, das sogenannte „Goldene Zeitalter“ der Piraten. In diesem Zusammenhang sollen einleitend die Konstellationen zwischen der Neuen Welt, Europa, Afrika und Asien inspiziert werden. Ein besonderes Augenmerk soll an diesem Punkt auf die eingehende Betrachtung der Piratenstützpunkte gelegt werden. Im Anschluss an diese Begutachtung stehen die Piraten aus dem „Goldenen Zeitalter der Piraterie“ im Fokus. Thematisiert werden unter anderem deren Vorläufer, die Bukaniere, um sich anschließend den Piraten jener Zeit widmen zu können. Den Abschluss dieser Arbeit bildet die Begutachtung des berüchtigten Piraten Henry Every.

2. Das Goldene Zeitalter der Piraten

2.1 Konstellationen zwischen der Neuen Welt, Europa, Afrika und Asien

Das Oberwasser über die Küsten des Pazifiks in Nord- und Südamerika konnte gegen Ende des 17. Jahrhunderts Spanien sein Eigen nennen. Die Spanier errichteten Kolo- nien, in denen sie Gold und Silber der neuen Welt förderten. Die erwirtschafteten Reichtümer wurden anschließend über Mexico und Panama in die Karibik transportiert, um von dort aus nach Europa befördert zu werden. Analog dazu begaben sich spanische Galeonen in die westlichen Gefilde des Pazifiks, um sich nahezu ungehindert die lukra- tivsten und begehrtesten Handelsrouten Asiens zu Nutze zu machen. Englische Aben- teurer begutachteten diese Entwicklung mit Argwohn. Damit man dem spanischen Han- delsverkehr sowie der ungebremsten Errichtung des spanischen Imperiums entgegentre- ten konnte, versuchte England seine Präsenz im karibischen Raum zu intensivieren. Gleichermaßen erprobte man sich auf Streifzügen im Pazifik. Die Rechtmäßigkeit die- ser Expeditionen stand dabei nicht zur Debatte, vielmehr standen die militärischen, poli- tischen und geografischen Gefahren für eine Vielzahl von Kapitänen im Brennpunkt.4

Nichtsdestotrotz umhüllen das „Goldene Zeitalter der Piraterie“ zahlreiche Anekdo- ten, die auf ihre Art und Weise die vergangenen Kapitel der Seeräuberei erblassen las- sen und in ihren Schatten stellen. In einem Zeitraum, der annähernd 30 Jahre umfasste, machte eine Vielzahl an Piraten die Gebiete zwischen den Kontinenten unsicher. Einer- seits waren davon überwiegend die Gebiete zwischen dem europäischen Kontinent und den amerikanischen Kontinenten betroffen. Andererseits dehnte sich die Piraterie auch zwischen dem afrikanischem und dem asiatischen Kontinent immer weiter aus. Die Ausgangspunkte für die Beutezüge der Seeräuber lagen überwiegend in den Dreh- und Angelpunkten des südöstlichen Teils des amerikanischen Mittelmeers als auch in Nord- amerika.5 In den sich anschließenden Ausführungen sollen in erster Linie die Piraten- stützpunkte auf New Providence und auf Madagaskar in den Fokus genommen werden.

2.1.1 New Providence

In besonders ausgeprägter Weise galt vor allem die Insel New Providence auf den Ba- hamas als ein Piratennest. Die Mehrheit der Piraten besaß einen Wohnsitz auf New Pro- vidence. Eine überwältigende Zahl von mehr als 2000 Seeräubern soll demnach auf der Bahamasinsel in unterschiedlichsten Schlupflöchern verstreut gewesen sein. Besonders hervorzuheben ist auch der Umstand, dass auf der Insel so gut wie keine Gesetze exis- tierten. Die Piraten handelten dementsprechend nach ihrer eigenen Auffassung von Rechtmäßigkeit.6 New Providence kristallisierte sich auch aufgrund besonderer Rah- menbedingungen als einer der essentiellsten Stützpunkte der Piraterie seit 1680 in der Karibik heraus. So verfügte der Hafen der Insel über außergewöhnlich flache Anlege- stellen für die Schiffe der Seeräuber. Von diesem Faktor profitierten die Piraten erheb- lich, denn das seichte Hafengewässer durchkreuzte die Pläne der Marine mit schweren Kriegsschiffen im Hafen der Insel vor Anker zu gehen. Auch die Menge an Schiffen, die der Hafen aufnehmen konnte, lag bei einer beachtlichen Kennziffer von annähernd 500 Booten. Das Leben auf der Insel wurde am weißen Sandstrand in unzähligen Wirts- häusern zelebriert. Dabei mangelte es den Piraten besonders nicht an Frauen, mit denen sie bei genügend Alkohol und Gesang ihr Dasein auskosteten.7

2.1.2 Madagaskar

Auf der anderen Seite des Ozeans war es in erster Linie Madagaskar, das für die Piraten einen wichtigen Stützpunkt darstellte. Doch was war es, das die Piraten reizte sich auf eine lange und gefährliche Reise in fremde Gewässer zu begeben? Während in der Ka- ribik die europäischen Seeräuber nach Goldschätzen Ausschau hielten, verkehrten zwi- schen Indien und dem Roten Meer Schiffe mit ausgesprochen wertvoller Fracht. Dieses Transportgut überstieg bei weitem den Warenwert der Güter, die auf dem Seeweg zwi- schen Europa und der Neuen Welt befördert wurden. Folglich begab sich eine Vielzahl an Piraten auf die „Piratenrunde“. Diese Wegstrecke verknüpfte die Anlegestellen in der Neuen Welt für einen Zeitraum von etwa 30 Jahren mit der Insel Madagaskar.8 Im glei- chen Sinne wie New Providence war Madagaskar ein idealer Stützpunkt für die Piraten, um Wasser und Vorräte aufzustocken. Die „Piratenrunde“ war eine beschwerliche Rei- seroute, die aufgrund ihrer bemerkenswerten Ausmaße immer wieder Rückzugsstellen erforderte. Madagaskar bot sich aus folgenden Gründen für die Piraten als Unterschlupf an. Hinsichtlich ihrer Nähe zum Indischen Ozean und zum Roten Meer bildete die Insel einen vortrefflichen Startpunkt, um sich auf die „Piratenrunde“ zu begeben. Desweite- ren hatte Madagaskar eine Vielzahl an naturbelassenen Häfen und Buchten aufzuwei- sen. Die Gelegenheit auf Madagaskar sein Schiff wieder in Stand zu setzen, ebenso wie die Trinkwasser- und Nahrungsmittelvorräte erneut aufzustocken, machte Madagaskar zu einer Anlaufstelle, die unverzichtbar war für Piraten, die sich auf der „Piratenrunde“ befanden.9

2.2 Wer waren die Piraten im Goldenen Zeitalter?

2.2.1 Die Bruderschaft der Küste als Vorläufer der Piraten

Ein überaus nennenswerter Verbund, der sich während des 17. Jahrhunderts bereits pro- filierte, war die Gemeinschaft der Bukaniere. Die Bukaniere bezeichneten sich selbst als „Brüder der Küste“ und bestanden hauptsächlich aus verstreuten Seefahrern und Sied- lern aus Europa, die sich auf diversen unnahbaren Inseln in der Karibik niedergelassen hatten.10 Sie sahen sich keiner Nation gegenüber verpflichtet und waren lediglich auf ihre eigenen Vorteile und Interessen aus. Es ist überliefert, dass die Bukaniere in dem Zeitraum zwischen 1655 und 1671 über unzählige Städte herfielen und diese ausraub- ten. Auch vor kleineren Ortschaften und Plantagen machten die Bukaniere keinen Halt. Dort wo sie sich aufhielten, hinterließen Sie eine Welle der Zerstörung. So beeinflussten die „Brüder der Küste“ auch maßgeblich die wirtschaftlichen Geschicke der Seefahrer- nationen neben der Seefahrt an sich.

[...]


1 Bohn, Robert: Geschichte der Seefahrt, München 2011. S. 60.

2 Bohn, Robert: Geschichte der Seefahrt, München 2011. S. 57 ff.

3 Bohn, Robert: Die Piraten, München 2003, S. 69.

4 Frohlock, Richard: Buccaneers and Privateers, The Story oft he English Sea Rover, 1675- 1725, Lanham/ Plymouth 2012, S.1.

5 Marx, Jennifer G.: Das Goldene Zeitalter der Piraterie, in: Cordingly David (Hrsg.): Piraten Furcht und Schrecken der Weltmeere, Aus dem Amerikanischen von Sabine Lorenz und Felix Seewöster, Köln 1997. S. 103.

6 Botting, Douglas: Die Piraten, Amsterdam 1980. S. 137.

7 Marx, Jennifer G.: Das Goldene Zeitalter der Piraterie, S. 111.

8 Marx, Jennifer G.: Die Piratenrunde, in: Cordingly David (Hrsg.): Piraten Furcht und Schrecken der Weltmeere, Aus dem Amerikanischen von Sabine Lorenz und Felix Seewöster, Köln 1997. S. 143 .

9 Marx, Jennifer G.: Die Piratenrunde, S. 154 .

10 Bohn, Robert: Geschichte der Seefahrt, München 2011. S. 59.

Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656837176
ISBN (Buch)
9783656837183
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284088
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Schlagworte
seeräuber goldenen zeitalter piraterie

Autor

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