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Soziale Arbeit zwischen Inklusion, Integration und ganzheitlichem Ansatz

Essay 2014 9 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Eileitung

2. Integration

3. Inklusion

4. Integration und Inklusion

5. These

6. Praxis/DBSH/ganzheitlicher Ansatz

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis

1. Eileitung

Soziale Arbeit hat u.a. die Aufgabe Soziale Teilhabe zu fördern, Exklusion zu mindern bzw. zu vermeiden. Integration und Inklusion sind die Zauberwörter in diesem Zusammenhang. Nur was verbirgt sich hinter diesen Begriffen und verstehen wir alle das Gleiche, wenn wir diese Begrifflichkeiten verwenden?

Heiko Kleve ist der Meinung, dass eine Funktion der Sozialen Arbeit ist, Inklusion zu vermitteln oder stellvertretend zu inkludieren, wenn die Vermittlung misslingt (vgl. Kleve 2005: 13).

Der DBSH (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V.) informiert über die im Juli 2014 in der Generalversammlung des IFSW (International Federation of Social Workers) und IASSW (International Association of Schools of Social Work) verabschiedete Definition der Sozialen Arbeit.

„Soziale Arbeit ist eine praxisorientierte Profession und eine wissenschaftliche Disziplin, dessen bzw. deren Ziel die Förderung des sozialen Wandels, der sozialen Entwicklung und des sozialen Zusammenhalts sowie die Stärkung und Befreiung der Menschen ist. Die Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit, die Menschenrechte, gemeinsame Verantwortung und die Achtung der Vielfalt bilden die Grundlagen der Sozialen Arbeit. Gestützt auf Theorien zur Sozialen Arbeit, auf Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und indigenem Wissen, werden bei der Sozialen Arbeit Menschen und Strukturen eingebunden, um existenzielle Herausforderungen zu bewältigen und das Wohlergehen zu verbessern.

Die obige Definition kann auf nationaler und/oder regionaler Ebene noch erweitert werden.“ (www.dbsh.de)

Widerspricht sich diese Definition mit der Aussage Heike Kleves?

Um diese Frage beantworten zu können muss zuerst die Systemtheorie von Heiko Kleve angelehnt an Niklas Luhmann und Jürgen Habermas erläutert werden.

2. Integration

Heiko Kleve macht der Sozialen Arbeit den Vorschlag den Begriff der Integration differenzierter zu verwenden. Allgemein wird in der Sozialen Arbeit die Teilhabe an gesellschaftlichen Institutionen wie Wirtschaft, Familie, Politik, Recht etc. als Integration bezeichnet. Die normative Einbindung von Individuen in die Gesellschaft wird als soziale Integration bezeichnet. Demnach wird die ganze Gesellschaft als normatives Gefüge gesehen, indem jeder Einzelne eingebunden wird. Laut Kleve sorgt die Soziale Arbeit mit ihren Integrationsangeboten dafür, dass sich die Individuen an den normativen Vorgaben der Allgemeinheit orientieren. Erst wenn diese Normen als Orientierung dienen, kann Integration nach diesem Konzept gelingen. Jenes Integrationskonzept scheint veraltet. Nach der Systhemtheorie von Niklas Luhmann (1997) und der Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas (1981) lässt sich erkennen, dass sich soziale Partizipation (Teilhabe) aufteilt in Integration und Inklusion (vgl. Kleve 2005: 2).

3. Inklusion

Die moderne Gesellschaft beschreibt Niklas Luhmann als funktional differenzierte, die sich in eigenständige Bereiche z.B. Wirtschaft, Politik, Recht, Wissenschaft, Erziehung/Bildung, Religion, Kunst etc. aufteilt. Diese Bereiche sind sogenannte Funktionssysteme. Menschen dürfen allerdings nicht von diesen Systemen integriert werden, da sie gleichzeitig an mehreren Systemen teilhaben müssen, um ihre biologischen, psychischen und sozialen edürfnisse befriedigen zu können. So gelingt die soziale Teilhabe an den Funktionssystemen nicht als Integration, sondern als soziale Inklusion.

Integration meint die normativ-soziale Einbindung, Inklusion hingegen die Relevanz der Personen für die Funktionssysteme. Relevante Personen für die Funktionssysteme haben die Möglichkeit Kommunikationsmedien wie Geld, Bildung, Wissen, Recht etc. einzubringen.

4. Integration und Inklusion

Heiko Kleve schlägt Bezug nehmend auf den Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas vor, dass wir den Begriff Integration nicht ganz aufgeben müssen, um Teilhabe in der modernen Gesellschaft zu beschreiben, sondern ihn im Bereich der Lebenswelten verwenden. Lebenswelten beinhalten die sozialen Nahbereiche, wie Beziehungen der Familie, Liebe oder Freundschaft. Hier werden Menschen integriert und Werte, Normen sowie Kommunikationen spielen eine wichtige Rolle (vgl. Kleve 2005: 3).

Der Begriff Inklusion sollte nach Heiko Kleve für die soziale Partizipation an den Funktionssystemen verwendet werden und Integration für die soziale Einbindung in die Lebenswelten.

Zwischen den Anforderungen der Funktionssysteme und der Lebenswelten lässt sich eine deutliche Diskrepanz erkennen. Die Funktionssysteme der modernen Welt erfordern von den Individuen Flexibilität, Mobilität, sowie ziel- und ergebnisorientierte Kommunikation. Hingegen erwarten die Lebenswelten zeitliche und personelle Beständigkeit.

Die Klientel der Sozialen Arbeit kann von sozialer Inklusion bedroht sein, wenn die soziale Integration zu ausgeprägt ist. Hier müsste Soziale Arbeit Desintegrationshilfe leisten.

Soziale Arbeit habe laut Heiko Kleve die Aufgabe, soziale Partizipation in ihren unterschiedlichen Facetten von Integration/Desintegration und Inklusion/Exklusion zu beobachten und zu intervenieren, wenn Integration und/oder Inklusion gefährdet sind, total entfallen oder andere Probleme der Partizipation auftreten (vgl. Kleve 2005: 4).

5. These

Mit diesem Hintergrundwissen macht die schon eingangs erwähnte These von Heiko Kleve Sinn: Soziale Arbeit hat die Funktion, Inklusion zu vermitteln oder sollte dies nicht möglich sein, stellvertretend zu inkludieren (vgl. Kleve 2005: 13).

Soziale Arbeit beobachtet Exklusion von Individuen aus den Funktionssystemen, macht diese Ausschlüsse zum Thema und hilft zu re-inkludieren. Diese Leistung ist keine Integrationshilfe mehr. Schon Ulrich Beck (1993) zeigte auf, dass Menschen die eher desintegriert sind, sprich mobil, flexibel und sozial nur locker integriert, mehr Inklusionsmöglichkeiten verwirklichen können (vgl. Kleve 2005: 13).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6. Praxis/DBSH/ganzheitlicher Ansatz

Die aktuelle Definition werde ich hier nicht kleinteilig analysieren, sondern gleich auf die Bedeutung für die Praxis der Sozialen Arbeit eingehen, um dann eine Antwort auf die einleitende Frage ob ein Widerspruch zwischen der These Heiko Kleves und dem Verständnis der Sozialen Arbeit besteht zu finden. Soziale Arbeit greift dort ein, wo Individuen mit ihrer Umwelt interagieren. Zu der Umwelt zählen differenzierte soziale Systeme, in denen die Individuen leben. Hier zeigt sich der partizipatorische Ansatz : “(…) bei der Sozialen Arbeit [werden] Menschen und Strukturen eingebunden, um existenzielle Herausforderungen zu bewältigen und das Wohlergehen zu verbessern.“ (www.dbsh.de) Die Tätigkeitsfelder erstrecken sich unter anderem über verschiedene Therapie- und Beratungsformen, Gruppen- und Gemeinwesenarbeit, Analysen von politischen Maßnahmen und politischen Interventionen. Soziale Arbeit zielt darauf ab, das Selbstwertgefühl, die Hoffnung, die Kreativität des Menschen zu stärken, um die vielschichtigen Herausforderungen des Lebens zu bestehen. Der Fokus liegt auf der Ganzheitlichkeit (vgl. www.dbsh.de).

Hier kommt für mich stark die Worke-Life-Balance zum Tragen, besonders in meinem Tätigkeitsfeld der betrieblichen Sozialarbeit.

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Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656840992
ISBN (Buch)
9783656841005
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284013
Institution / Hochschule
Fachhochschule Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
Inklusion Exklusion Systemtheorie Heiko Kleve

Autor

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Titel: Soziale Arbeit zwischen Inklusion, Integration und ganzheitlichem Ansatz