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Der Palast der Republik in der deutschen Erinnerungskultur

Masterarbeit 2013 96 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Das Forschungsfeld
1.2.1 Forschungsstand
1.3 Methode, Begriffsverwendung und Darstellung
1.4 Aufbau der Arbeit

2. DER PALAST DER REPUBLIK EIN HISTORISCHER UBERBLICK
2.1 Das Stadtschloss
2.2 Der Palast der Republik in der DDR
2.3 Der Palast der Republik 1990-
2.4 Das Berliner Schloss und Humboldtforum

3. GEDACHTNIS, ERINNERN UND VERGESSEN THEORETISCHE ZUGANGE
3.1 Erinnern und Vergessen
3.2 Kollektives, kulturelles- und soziales Gedachtnis
3.3 Erinnerungsorte
3.4 Zusammenfassung und Thesenformulierung

4. GESCHICHTSBEWUSSTSEIN UND ERINNERUNGSKULTUR IN DEUTSCHLAND NACH
4.1 Geschichtsbewusstsein und nationalsozialistische Vergangenheit
4.1.1 Gespaltenes Land - gespaltene Erinnerungskultur
4.2 Die DDR in der gesamtdeutschen Geschichte
4.2.1 Die Aufarbeitung der DDR~Geschichte
4.2.2 Die Herausforderungen des DDR~Diskurses
4.3 Zusammenfassung und Thesenformulierung

5. DAS PROBLEM DER «INNEREN EINHEIT» DER PALAST IM OST-WEST-KONFLIKT
5.1. Kulturschock und Missverstandnis
5.2 Ausbildung einer «Ostidentitat»
5.3 Die Palastdebatte als Stellvertreter des Ost-West-Konflikts?
5.4 Zusammenfassung und Thesenformulierung

6. DIE ASBESTSANIERUNG DES PALASTES
6.1 Der «politische Asbest»
6.2 Die Funktion des Palastes nach der Sanierung
6.2.1 Die Zwischennutzung des Palastes
6.3 Zusammenfassung und Thesenformulierung

7. DER PALAST IN DER STADTPLANUNG ZWISCHEN DENKMALPFLEGE, RAUMGESTALTUNG UND STADTENTWICKLUNG
7.1 Die Bedeutung der «historischen Mitte» Berlins
7.2 Politische Architektur
7.3 Der Palast der Republik in der Denkmalpflege
7.3.1 Sanierung und Rekonstruktion
7.4 Stadt- und Raumplanung
7.4.1 Stadtentwicklung
7.4.2 Identitatsstiftung
7.4.3 Das Schloss als Konkurrenz
7.5 Zusammenfassung und Thesenformulierung

8. FAZIT
8.1 Ergebnisse der Arbeit
8.2 Schlussbetrachtungen zu Arbeit

9. ANHANG
9.1 Referenzen
9.1.1 Quellen und Literatur
9.1.2 Internet
9.2 Fotografien und Filme online
9.2.1 Fotogalerien
9.2.2 Filme

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Die Anforderungen an den Stadtraum5 Abb.2: Die Phasen des Kulturschocks nach Wagner (1999):

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

«Erichs Lampenladen», «Palazzo Prozzo», «Ballast der Republik», «Honni-Center» oder «Republik Schachtel» - der Palast der Republik hatte viele Spitznamen. Sie verweisen auf seine Prominenz, seine Herkunft aber auch auf seine Anfechtbarkeit. Der Palast der Republik wurde zu Beginn der Siebzigerjahre auf der Ostberliner Spreeinsel an Stelle des ehemaligen Stadtschlosses erbaut. Er galt als Vorzeigebau der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und der herrschenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Neben den offensichtlich politischen Funktionen beherbergte der Palast auf mehreren Etagen diverse Freizeitangebote, welche von der Bevolkerung rege genutzt wurden. Nach der Wiedervereinigung entbrannte ein langwieriger und offentlich ausgetragener Streit um die Zukunft des Gebaudes. Nach einer radikalen Asbestentfernung, die lediglich den Rohbau des Gebaudes zuruck liess, wurde 2006 mit dem endgultigen Abriss begonnen. Heute wird an seiner Stelle wieder ein Schloss gebaut. Es soll mit dem integrierten Humboldt-Forum erneut ein kulturelles Zentrum in Berlins Mitte schaffen. Vorliegende Masterarbeit geht moglichen Ursachen nach, warum der Palast der Republik nicht zum kollektiven Erinnerungsort des wiedervereinigten Deutschlands wurde.

1.1 Problemstellung

Der Palast der Republik zeugte auf verschiedene Weise von der DDR. Von der Architektur bis zu der multifunktionalen Nutzung, welche eine typische Verflechtung einzelner Personen mit dem System zeigte, galt er als charakteristisch fur diese Zeit. Der Palast erinnert aber auch an die deutsch-deutsche Vereinigung, denn an diesem Ort wurde der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland (BRD) beschlossen. Trotzdem wurde der Palast der Republik nicht zum kollektiven Erinnerungsort. Gerade in Deutschland, wo sich entlang des Diskurses uber den Nationalsozialismus ein Geschichtsverstandnis ausbildete, das die fortwahrende Auseinandersetzung mit der Vergangenheit fordert, erstaunt es, dass einem Zeugen wie dem Palast der Republik kein Platz in der Stadt- und Erinnerungslandschaft zugesprochen wurde. In vorliegender Arbeit soll daher nach Faktoren gesucht werden, die eine solche Denkmalfunktion des Palastes vermindern oder verhindern konnten.

Arbeiten zur sogenannten «Schlossplatzdebatte» gibt es bereits einige. Sie beschranken sich in der Regel aber darauf, die einzelnen Argumente gegeneinander abzuwagen, welche fur oder gegen den Palast respektive fur oder gegen das Schloss als Alternative angebracht wurden. Oder sie diskutieren den Wert des Palastes aus einer ganz bestimmten Perspektive, zum Beispiel aus der Sichtweise des Denkmalschutzes oder der personlichen Einstellung. Was bisher fehlt, ist eine Verbindung der Ergebnisse aus den verschiedenen Forschungsbereichen. Diese Arbeit versteht sich als Beitrag, die Auseinandersetzungen mit dem Palast der Republik in einen grosseren Kontext einzubinden.

1.2 Das Forschungsfeld

Wie bereits erwahnt, liegt die Zielsetzung darin, die Denkmalfrage des Palastes in das komplexe Spannungsfeld verschiedenster Interessen und Aufgabengebiete zu stellen, in dem die Zukunft des Gebaudes verhandelt wurde (vgl. Abb. 1). Es geht darum aufzuzeigen, dass die Frage eines solchen Erinnerungsortes nicht in die Zustandigkeit eines einzelnen Fachbereiches fallt, auch nicht nur in den historischen. Der Wert des Palastes der Republik wurde nach dem Beitritt der DDR zur BRD vielmehr an den verschiedensten Forderungen berechnet, die in diesen Jahren an die deutsche Hauptstadt gestellt wurden. An ihm wurden aber auch stellvertretend soziale Machtkampfe der noch nicht uberwundenen Spaltung vollzogen, die sich auch nach der Wiedervereinigung entlang der ehemaligen Grenze zeigte. Die Frage nach der Denkmalwurdigkeit des Palastes war immer auch eine Frage der Wurdigkeit des historischen Kontextes auf den er verwies und der Wurdigkeit der damit verbundenen Biografien, den subjektiven Lebenserfahrungen, kollektiven Identitaten und Zukunftsperspektiven. Der Palast der Republik war nach 1990 mehr als ein Denkmal im klassischen Sinne. Er war auch ein Symbol fur die Hoffnungen und Enttauschungen sowie fur die Anspruche und Schwierigkeiten auf dem Weg der Ausbildung einer deutsch-nationalen Identitat.

Abb.l: Die Anforderungen an den Stadtraum

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Die Fragen, ob der Palast der Republik erhalten und saniert werden soil und wenn ja, fur welchen Nutzungszweck, sind Teil der sogenannten «Schlossplatzdebatte». Die Schlossplatzdebatte umfasst samtliche Anstrengungen, die im Zusammenhang mit der Gestaltung des Schlossplatzes nach dem Ende der DDR unternommen wurden. Die Debatte wird aber aufgrund des Forschungsschwerpunktes nur partiell beleuchtet, auf eine ausfiihrliche und vollstandige Darstellung des Verlaufs wird verzichtet. Darunter fallen insbesondere die einzelnen politischen Vorstosse und verschiedenen Projekte, eine Sammlung von Pro- und Contra-Argumentationen der Einzelpersonen oder der dazu gegriindeten Vereine. Ebenfalls nicht ausgewertet werden konnten die Berichterstattungen der Printmedien und Ego-Dokumente. Hierzu sei auf die Arbeiten von Barti und Schug verwiesen (vgl. 1.2.1 Forschungsstand). Selbst das Schloss-Humboldtforum, welches einen Hauptbestandteil der Debatte darstellt, wird nur thematisiert, wenn es in direktem Zusammenhang mit der Forschungsfrage steht oder fur das allgemeine Verstandnis notwendig ist.

1.2.1 Forschungsstand

Aufgrund der Fulle an Faktoren, welche mehr oder weniger direkt mit dem jahrelangen Streit um die Gestaltung des Schlossplatzes zusammenhangen, gibt es bis heute kein umfassendes Werk, das die gesamte Debatte wiederzugeben vermag. Einen besonders gut aufgearbeiteten und relativ breiten Uberblick gibt Beate Binders Streitfall Stadtmitte aus dem Jahre 2009. Binder analysiert die Debatte im Berliner Stadtraum, indem sie die aktuellen Anforderungen der Zeit auf die historische Mitte anwendet. Das Werk zeugt von hoher Sachverstandigkeit und ist daher fur Fachfremde nicht leicht zu lesen. Es zeichnet aber ein vielseitiges Bild der Schlossplatzdebatte, das weit uber die blosse Aufzahlung der Pro- und Contra-Argumente hinausgeht. Diese Arbeit wird zum Beispiel von Alexander Barti ubernommen, welcher in seiner Inaugural-Dissertation den Ablauf der Debatte bis zum Jahr 2002 detailliert schildert. Auch wenn das Werk die Herausarbeitung einer zentralen Forschungsfrage etwas vermissen lasst, wurden hier unzahlige Informationen und Quellen zusammengetragen und insbesondere der printmedialen Berichterstattung Beachtung geschenkt. Aufgrund der umfanglichen Recherchearbeit kann es ebenso als Uberblick gelten. Als drittes Werk soil das von Alexander Schug herausgegebene Buch Palast der Republik. Politischer Diskurs und private Erinnerungen genannt werden. Obwohl, wie der Titel bereits verrat, auf den Palast fokussiert wird, gelingt es Schug, die Problemstellung durch eine gute Auswahl von Autoren und Themen auszudehnen. Der zweite Teil des Buches widmet sich dem «Projekt Palastarchiv», das sich als Erganzung zu den klassischen Archivbestanden versteht. Anhand von Interviews mit politischen Akteuren und der Sammlung personlicher Stellungnahmen aus der Bevolkerung wurden hier neue Quellen generiert. Die Ego-Dokumente fanden keinen direkten Eingang in diese Arbeit, sind aber fur das allgemeine Verstandnis der Debatte von grossem Nutzen. Eine zweite Gruppe bilden die Autoren, die sich wissenschaftlich fundiert mit dem Streit um den Palast auseinandersetzten, sich aber in ihrer Argumentation auf seine Seite schlagen. Diesen teilweise leidenschaftlichen Abhandlungen entsprangen interessante Argumentationsstrange, welche fur die vorliegende Arbeit wertvolle Thesen lieferten. Zu nennen sind hier insbesondere Stefanie Flamm und Bruno Flierl, die auf die Stellvertreterfunktion des Palastes hinwiesen, Anke Kuhrmann fur den Beitrag der politischen Architektur oder auch Jorg Haspel und Henrik Schnedler, die sich dem Palast aus der Sicht der Denkmalpflege naherten. Weiter entstanden in der Hochkonjunktur der Debatte verschiedenste personliche Stellungnahmen, nicht selten namhafter Personen, wie sie zum Beispiel auch von Jakubeit et al. 1998 im Band Schloss - Palast - Haus Vaterland zusammengefasst wurden. Zu diesen sich direkt auf den Palast beziehenden Theorien wurden auch weitergreifende Forschungsarbeiten einbezogen. So ist zum Beispiel fur die historische Aufarbeitung der DDR Martin Sabrow zu nennen, einer der fuhrenden Zeithistoriker auf diesem Gebiet. Fur den Fachbereich der Gedachtnis- und Erinnerungskulturen gelten das Ehepaar Jan und Aleida Assmann nach wie vor als wichtige Vertreter. Von besonderer Bedeutung fur diese Arbeit waren ihre Definitionen vom kollektiven Gedachtnis und dem Erinnerungsort.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Palast der Republik (als auch der DDR) ist - historisch bedingt - ein neuerer Forschungszweig. Eine Konzentration der konsultierten Fachliteratur lasst sich um den Beginn der Asbestsanierung 1998 und der Abrissarbeiten 2006 feststellen. Aufgrund der zu dieser Thematik uberschaubaren Literaturlage in der Schweiz entstammen die verwendeten Fachbeitrage hauptsachlich den Bibliotheksbestanden der Freien Universitat Berlin.

1.3 Methode, Begriffsverwendung und Darstellung

In den Auseinandersetzungen um den Palast spiegeln sich einige der Herausforderungen wider, denen sich Deutschland nach 1990 zu stellen hatte. Obwohl das Gebaude im strengen Sinne ein Problem Berlins war, lassen sich durch seine Stellvertreterfunktion einige Thesen formulieren, die auch uber die Stadt hinaus Gultigkeit haben. Umgekehrt konnten fur die Bearbeitung der Forschungsfrage auch etwas breiter gefasste Theorien herangezogen und auf den Palast der Republik anwendet werden. Darin bestand die Arbeitstechnik auch im Wesentlichen, denn die Forschungsfrage schrankte die Methodenwahl stark ein. Sie verlangte eine breite Aussteckung des Forschungsfeldes sowie den Einbezug von Thesen aus verschiedenen Fachbereichen. Aus diesem Grunde wurde hauptsachlich mit Sekundarliteratur gearbeitet, wobei eine klare Unterscheidung zwischen «Quelle» und «Literatur» nicht moglich ist. Viele der Autoren haben die DDR selbst erlebt oder engagierten sich aktiv in der Schlossplatzdebatte. Ihre personlichen Erfahrungen sind stellenweise nur schwer von generiertem Wissen zu unterscheiden, der Typus ihrer zitierten Arbeiten ist in der Regel aber als Sekundarliteratur zu klassifizieren. Daher wird auf eine Absonderung von «Quellen» aus der «Literatur» verzichtet. Um diesen «Quellenmangel» etwas auszugleichen, wurden zu den neuesten Erkenntnissen auch Arbeiten herangezogen, die wahrend der Konjunktur der Schlossplatzdebatte verfasst wurden. Dadurch ergab sich zugleich eine Selektion von Arbeiten, die sich direkt auf den Palast der Republik beziehen. Das Gebaude dient namlich einerseits als Beispiel, stellt andererseits aber auch den Mittelpunkt der Arbeit dar. Im Hauptteil werden fur die einzelnen Kapitel bereits Hypothesen abgeleitet. Aufgrund der gewahlten Methode werden diese nicht vor der Analyse aufgestellt, um spater verifiziert oder verworfen zu werden. Sie sind als Erkenntnis der bearbeiteten Literatur zu verstehen und liefern die moglichen Indikatoren fur die Forschungsfrage. Die Hypothesen werden im Fazit zusammengefasst und gemeinsam dargestellt.

Fur eine bessere Lesbarkeit wurden auch Begriffe verwendet, die verallgemeinern, simplifizieren oder im Fachterminus umstritten sind. Eine kurze Erklarung soil aufzeigen, in welchem Sinne diese Worter verstanden werden sollen. Zum Beispiel wird der Begriff Aufarbeitung in den Geisteswissenschaften mit Vorsicht genutzt, weil er auf den Abschluss eines historischen Abschnittes abzielt. Im Gegensatz zur «Vergangenheitsbewaltigung», die eine solche Beendigung starker suggeriert, lasst sich der Begriff «Aufarbeitung» auch als Prozess begreifen. In vorliegender Arbeit wird «Aufarbeitung» als bewusste Auseinander- setzung mit der Vergangenheit gebraucht. Der Terminus wird in Deutschland auch offiziell fur die fachhistorische Beschaftigung mit der DDR verwendet, wie zum Beispiel der Name der «Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur» (Bundesstiftung Aufarbeitung) zeigt. Auch Martin Sabrow verwendet den Begriff «German-Aufarbeitung» explizit fur die deutsche Auseinandersetzung mit ihrer historischen Vergangenheit.[1] Die Abkurzung BRD wird analog zum Begriff «DDR» fur die Zeit von 1949-1990 verwendet. Nach 1990 wird, um Missverstandnissen vorzubeugen, der Name «Deutschland» gewahlt. Die verallgemeinernde Form DDR-BUrgerinnen und -Burger oder Ost- und Westdeutsche dient dazu, zwischen den beiden Soziokulturen der ehemaligen DDR und BRD zu unterscheiden. In der Regel wird damit die unterschiedliche Betrachtungsweise des Palastes beschrieben. Es wird ausdrucklich darauf verwiesen, dass es sich weder beim ost- noch beim westdeutschen Bevolkerungsteil um eine homogene Gruppe handelt. Die Pauschalisierung dient dazu, auf einen «Mainstream» und auf die durch die Teilungsgeschichte gegebenen Charakteristika zu verweisen. Ahnlich wird der starke Ausdruck des Ost-West-Konflikts dazu verwendet, um die Schwierigkeit der Vereinigung zu betonen. Mit Wende wird in der Regel die Zeit der soziopolitischen Umbruche in der DDR Ende der achtziger Jahre bezeichnet, welche schliesslich zur Beendigung der SED-Herrschaft und zur Wiedervereinigung fuhrten. Das Wort ist im strengen Sinne wertneutral und verweist auf einen Richtungswechsel. Wiedervereinigung bezeichnet die Zeit ab 1990 meistens die ersten Jahre nach dem Beitritt der Deutschen

Demokratischen Republik zur Bundesrepublik. Der Begriff der «Wiedervereinigung» ist neben der offensichtlichen Bedeutung auch in der Hinsicht korrekt, weil er verdeutlicht, dass die Geschichte der DDR und die der BRD als Teil einer gemeinsamen deutschen Geschichte zu verstehen sind und sich aufeinander beziehen. Gerade in der ersten Zeit nach dem Beitritt bestand die Gefahr, die DDR als „[...] isoliertes Projekt einiger verwirrter und gewaltbereiter Kommunisten [...]“2 zu begreifen, wie Pietsch bemerkt, und nicht als „[...] ein Resultat historischer deterministischer Prozesse [...]“3, welche in einer gemeinsamen Geschichte wurzelten.

Um historische Personen von den Autoren und Autorinnen zu unterscheiden, werden Letztere in Kapitalchen gesetzt. Direkte Zitate werden mit Anfuhrungs- und Schlusszeichen markiert und kursiv geschrieben. Bei ubernommenen Wortern und Kurzzitaten werden der Autor und Erscheinungsjahr in Klammern vermerkt, falls dies nicht bereits aus dem Fliesstext ersichtlich ist. Fur eine bessere Lesbarkeit werden Internetquellen in der Fussnote nur mit dem Vermerk «online» dargestellt. Die vollstandigen Angaben zur abgerufenen Seite sind im Literatur- verzeichnis ausgewiesen.

1.4 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit gliedert sich in drei Teile: in die Einleitung, den Hauptteil und den Schluss. In der Einleitung werden allgemeine Informationen zur Arbeit dargestellt, die dem Verstandnis des Inhalts und der Vorgehensweise dienen (Kap. 1). Hierzu kann auch der historische Uberblick gezahlt werden, da dieser im Wesentlichen die notwendigen Hintergrundinformationen zur Geschichte des Schlossplatzes respektive des Palastes vermittelt, jedoch noch keine Thesen abgeleitet werden (Kap. 2). Anschliessend folgt ein theoretischer Einblick in den Bereich der Gedachtnisforschung, wobei auf die Funktionen des Erinnerns und Vergessens fokussiert wird. Die Auswahl der vorgestellten Thesen unterstutzt das Verstandnis der in der Forschungsfrage verwendeten Begriffe «kollektives Gedachtnis» und «Erinnerungsort» (Kap. 3). Danach werden das Geschichtsbewusstsein und die Erinnerungskultur in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg betrachtet (Kap. 4). Darin sind bereits Faktoren auszumachen, die in Bezug auf die Ausbildung eines gesamtdeutschen Identitatsgefuhls hemmend sind. In diesem Kapitel zeigen sich grundlegende Diskrepanzen zwischen dem ost- und westdeutschen soziokulturellen Verstandnis, die sich signifikant auf die Abhandlung der zentralen Forschungsfrage auswirken (Kap. 5). Anschliessend wird der Asbestsanierung nachgegangen, die parallel zur Erhaltungsdebatte verlief. Sie ist insofern von Bedeutung, da die Sanierung als Anfang vom Ende des Palastes gilt. Diese Thematik steht etwas ausserhalb, ist aber gleichwohl zentral, weshalb sie in einem eigenen Kapitel behandelt wird (Kap. 6). Den Abschluss des Hauptteiles bildet die Raumgestaltung. Der Palast war nicht nur aus historischer Sicht zu beurteilen, sondern stand auch als Gebaude im Interessensfeld der Stadtplanung. Hier wird ebenfalls die denkmalpflegerische Sichtweise vorgestellt und ein kleiner Exkurs zur politischen Architektur eingefugt (Kap. 7). Der Schlussteil der Arbeit besteht aus dem Fazit, in welchem die Ergebnisse der bereits in den Kapiteln abgeleiteten Hypothesen zusammengefasst werden. Er wird mit einer kurzen, personlichen Schluss- betrachtung beendet (Kap. 8). Im Anhang finden sich die Quellen- und Literaturnachweise und die Selbstandigkeitserklarung. Da auf Bilder verzichtet wurde, ist ausserdem eine Liste mit Verweisen zu Fotostrecken und Filmmaterial im Internet angefugt (Kap. 9).

2. Der Palast der Republik

Ein historischer Uberblick

„Er steht fur eine ungeliebte Republik, die es langst nicht mehr gibt. Schon die Bezeichnung hat es ihm schwergemacht nach der Wende - Palast der Republik. Das ist ein Name, der im wiedervereinigten Deutschland wie Ballast wirkt.“

(Ch. V an Lessen)[4]

Der Palast der Republik wurde wahrend der Deutschen Demokratischen Republik anstelle des im zweiten Weltkrieg beschadigten Stadtschlosses in Berlin errichtet. Ab 1976 diente der Reprasentationsbau der Sozialistischen Einheitspartei als Tagungsort der Volkskammer, aber auch als «Haus des Volkes» und Vergnugungszentrum fur die Burgerinnen und Burger. In der neuen Bundesrepublik wurde lange um seine Zukunft gestritten. Nach der umfassenden Sanierung infolge einer Asbestbelastung musste er schlussendlich dem Wiederaufbau des ehemaligen Schlosses weichen.

2.1 Das Stadtschloss

Das Schloss wurde im Jahre 1443 vor den Toren der damaligen Doppelstadt Berlin und Colln errichtet und uber funf Jahrhunderte von Baumeistern verschiedenster Epochen erganzt. Mit dem Anspruch des Kurfursten Friedrich III. auf die Konigswurde wurde die Berliner Residenz symbolisch aufgewertet und mit einem absolutistischen Reprasentationscharakter versehen.[5] Diese Symbolkraft machte das Schloss im Wesentlichen aus. Es diente weniger als Wohnsitz und politischer Entscheidungsort, als vielmehr der Inszenierung koniglicher Macht.[6] Spater, im Zuge der Demokratisierungsbestrebungen, wurde das Schloss erneut mit symbolischem Wert aufgeladen. Hier tagte ab 1817 der Staatsrat (ein Ersatzgremium fur das versprochene, aber nicht einberufene Parlament), 1847 wurde im Schloss der erste Landtag eroffnet, spater der Reichstag und, nach der Revolution von 1848 und 1849, das Parlament.[7] Im Februar 1850 wurde im Schloss der Eid auf die preuBische Verfassung abgelegt und schliesslich 1918 die Republik ausgerufen.[8] Danach vergluhte die politische Prasenz des Schlosses bis zu seiner Sprengung 1950.[9]

2.2 Der Palast der Republik in der DDR

Der Entscheid zum Abriss des durch Bombenangriffe stark beschadigten und 1945 ausgebrannten,[10] aber theoretisch sanierungsfahigen Stadtschlosses gilt als politisch motiviert. Als feudaler Reprasentativbau passte es nur schlecht in die nach sowjetischem Vorbild vorangetriebene Stadtplanung Ostberlins.[11] Die Sprengung, massgeblich von Walter Ulbricht initiiert, begann im Herbst 1950.[12] Danach stand der Schlossplatz fur einige Jahre leer. Als in den 1970er Jahren die staatliche Souveranitat der DDR vom Ausland zunehmend anerkannt wurde und sich auch die okonomische Situation zu stabilisieren schien, hielt man es wohl fur angebracht, uber eine charakteristische Hauptstadt mit einer reprasentativen Mitte zu verfugen.[13] Im November 1973 legte Erich Honecker den Grundstein fur den neuen Herrschaftsbau, «Palast der Republik» genannt, welcher gut drei Jahre spater am 23. April 1976 als wohl wichtigster Neubau der DDR eingeweiht wurde.[14] Die Volkskammer hielt allerdings nur zwei- bis dreimal im Jahr ihre Sitzungen im Palast ab. Wie schon zuvor wurde die grosse Staatspolitik nicht hier am Schlossplatz gemacht - nun in Marx-Engels-Platz umbenannt.[15] Dennoch war der Palast, der Schlosstradition folgend, eindeutig als Reprasentationsbau konzipiert. Selbst wenn die eigentlichen politischen Raume eher dezent gehalten wurden, war es ein klassischer, auf Legitimation und Machtdemonstration abzielender Herrschaftsbau, der das offizielle Selbstbild der DDR widerspiegeln sollte: modern, menschenfreundlich, international konkurrenzfahig, technologisch anspruchsvoll und selbstbewusst.[16] Es war auch nicht seine politische Funktion, an welche sich die Burgerinnen und Burger der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik in den Neunzigerjahren erinnern wollten, sondern es ging ihnen um die vergnuglichen Stunden, die sie hier verlebten.

Denn der Palast beherbergte auf seinen 180 Metern Lange, 90 Metern Breite und 32 Metern Hohe nicht nur den Plenarsaal der Volkskammer, sondern auch eine multifunktionale Kongresshalle mit 5000 Platzen, funf grossen Foyers, dreizehn Restaurants und Cafes, zwei Discos, einige Galerien, eine Bowlingbahn und ein Theater.17 Hier wurden Hochzeiten und Geburtstage gefeiert. Grosse Konzerte (selbst von westdeutschen Kunstlern) fanden statt.18 Diese Januskopfigkeit - politischer Reprasentationsbau einerseits, offentlicher Freizeit- und Unterhaltungsort andererseits - ist charakterisierend fur den Palast und determinierte spater den Streit um seinen Erhalt. Obwohl selbst die darin abgehaltenen Kulturveranstaltungen immer auch eine systemstabilisierende Funktion hatten und der Palast, so Flamm, eine „[...] bis in den letzten Winkel ausgeleuchtete, perfekt organisierte und virtuos orchestrierte, durch die Staatssicherheit Tag und Nacht Uberwachte AmUsiermaschine“19 war, stand er der Bevolkerung offen. Hier konnte man sich ohne die ublichen Schikanen wie langwierige Anmeldungen und aufwendige Zugangskontrollen vergnugen, wie es sonst kaum moglich war.20

2.3 Der Palast der Republik 1990-2006

1990 wurde der Schlossplatz erneut, nun bestuckt mit einem Palast anstatt eines Schlosses, zum Schauplatz historischer Ereignisse mit hoher Symbolkraft. In den ersten freien Wahlen vom 18.3.1990 wurde Lothar de Maiziere (Ost CDU) im Palast zum ersten und letzten frei gewahlten Regierungschef der DDR. [21] Noch im selben Jahr beschloss das Parlament an diesem Ort den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik.[22]

Mit dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten veranderten sich das Ansehen, die Funktion und der Nutzen des Palastes schlagartig. Kurz vor ihrer Auflosung fluchtete die Volkskammer aus Angst vor den soeben als hoch gesundheitsschadigend eingestuften Asbestfasern aus dem Plenarsaal.[23] Die von der damaligen Volkskammerprasidentin Bergmann-Pohl aufgrund der Asbestbelastung verordnete sofortige Schliessung des Gebaudes im September 1990 ist fur Flamm der Hauptgrund, warum der Palast nicht zum Symbol der Wende geworden ist.[24]

Nach der Schliessung des Palastes folgte die Schlossplatzdebatte, ein jahrelanger, offentlich ausgetragener Streit um die Gestaltung dieses zentralen Ortes. „Die Berliner Schlossplatzdebatte, die 1990 [...] initiiert worden ist," fasst Hennet zusammen, „gehort wohl zu einer der langsten Gestaltungsdebatten in Deutschland. In einem beispiellosen Meinungsbildungsprozess stritten Experten, Architekten, Politiker, Medien und Bevolkerung um die bauliche Gestaltung des Schlossplatzes. Augenscheinlich ging es um Schloss- Wiederaufbau versus Palast-Weiternutzung, oder die Vorstellung, ein zeitgenossisches Gebaude zu errichten. Inhaltlich ging es weit mehr als den Streit um eine bauliche Form: es ging um die Frage des Umgangs mit Geschichte, um Ideologie, um gesellschaftliche und politische Anspruche, um Denkmalsfragen und Politik."[25] Die Unsicherheit der Wendejahre und die grossen Fragen, wie die jungste Geschichte zu bewerten und zu erinnern sei und wie sie sich zu der eigenen Biografie und der nationalen Identitat verhalt, verdichteten sich auf dem Schlossplatz zur Gretchenfrage: Palast oder Schloss? Obwohl nie ausgeschlossen wurde, an dieser Stelle auch ein vollig neues Gebaude zu errichten, schien es eigentlich nur diese zwei Optionen gegeben zu haben. Weil der eine Bau den anderen zwangslaufig ausschloss, konnen weder Befurworter noch Gegner als homogene Gruppe verstanden werden. Die personlichen Motive, seien sie nun asthetischer, moralischer oder biografischer Art, konnten sich explizit gegen ein Gebaude richten oder auch einfach nur das andere bevorzugen. Mit anderen Worten: Nicht alle wollten den Palast um seinetwillen (zum Beispiel wegen seiner politischen Vorbelastung) entfernt haben, sondern weil sie eine alternative Platzgestaltung bevorzugten: Die Errichtung eines neuen Stadtschlosses.

Die Idee, das vierzig Jahre zuvor abgerissene Schloss neu aufzubauen, wird dem Hamburger Unternehmer Wilhelm Boddien zugeschrieben. Zumindest war er es, der 1993 vor dem Palast eine Schlossattrappe in Form eines bespannten Gerustes mit (in Originalgrosse) aufgemalten Schlossfassaden errichten liess[26] und damit die Schlossplatzdebatte ins Zentrum der Offentlichkeit ruckte.[27] Das Hauptargument der Stadtschloss-Fordervereine war ein asthetisches. Der Grundtenor lief darauf hinaus, dass sich die anderen Gebilde auf der Spreeinsel und unter den Linden architektonisch auf das Schloss beziehen wurden.[28] Somit war die physische Prasenz des Schlosses notwendig, um die visuelle Einheit der Mitte wiederherzustellen. Es ging um nichts Geringeres, als die Gestalt und Identitat der Stadt zu retten.[29]

Den «Palastrettern» hingegen waren zwei andere Punkte wichtig. Zum einen wehrten sie sich gegen einen ubersturzten Abriss des Gebaudes im Zuge der Asbestsanierung, in welchem sie einen politischen Vorwand ausmachten. Sie wollten den Palast bestimmungsgemass fur kulturelle Zwecke erhalten. Zum anderen wurzelte das Beharren auf dem Bauwerk in nostalgischen Grunden. Die zunehmende Verurteilung der SED-Diktatur und ihres Vorzeigebaus erweckte eine Verteidigungshaltung in der ostdeutschen Bevolkerung, die sich fur ihre personlichen und uberwiegend positiven Erinnerungen an den Palast und gegen die, so Flamm: „[...]politisch-historische Verurteilung durch «den Westen»“[30] wehrten.[31]

Parallel zu den Verhandlungen wurde der Palast von dem kurz nach der Vereinigung als hochst gefahrlich eingestuften Asbest befreit. Die Sanierung war grundlich, ubrig blieb nur der technische Rohbau. Dieser Ruckbau, nicht selten als politisch motiviert bewertet, gilt als Todesstoss fur den Palast. Nach Abschluss der Sanierung schien der Palast nicht nur dem Asbest, sondern auch seiner Fahigkeit als Erinnerungstrager entledigt worden zu sein. Die ubriggebliebene Hulle war wohl fur die meisten bereits zu wenig «Palast der Republik» gewesen, als dass es sich gelohnt hatte, weiter zu kampfen. Damit eroffnete sich aber auch ein neuer Zu- und Umgang mit der riesigen Halle, die nun junge und kreative Leute aus beiden Teilen Berlins fur sich entdeckten. Im Rahmen einer Zwischennutzung erlebte der Palast seinen zweiten Fruhling. Unzahlige Besucher stromten durch das Gebaude, um sich die verschiedensten kunstlerischen Inszenierungen anzuschauen. Das Interesse am Palast galt jetzt aber weniger seinem historischen Zeugnis oder der darin verankerten personlichen Erinnerungen, als vielmehr dem „Potential des Ortes“ (Reinbold/ Novak 2007), das eine neue, sich fur Kunst und Kultur interessierende Generation darin erkannte.[32]

Die Zwischennutzung war vom Bund genehmigt, von Anfang an aber zeitlich begrenzt.[33] Der Abriss des Palastes, welcher 2006 begann und drei Jahre spater beendet wurde, war schon langst geplant,[34] ebenso wie der Aufbau eines Schlosses an seiner Stelle.

2.4 Das Berliner Schloss und Humboldtforum

Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses wurde 2002 vom Deutschen Bundestag beschlossen.[35] Nach aktuellem Bauplan soll der Grundstein 2013 gelegt und das Forum im Jahre 2019 eroffnet werden.[36] Das “Jahrhundertprojekt” (Rettig 2011) wurde an das Architekturburo von Franco Stella aus Vicenza vergeben, welches die verbindlichen Vorgaben des internationalen Wettbewerbs - die historischen Aussenfassaden Sud, West und Nord sowie die drei historischen Barockfassaden des Schluterhofs zu rekonstruieren - mit einem zeitgenossischen Teil kombinierte.[37] Mit dem Humboldtforum erhalt das Schloss einen kulturellen Schwerpunkt. Zu den Sammlungen des ethnologischen Museums, des Museums fur Asiatische Kunst und den Bibliotheken sollen verschiedene Veranstaltungen wie Lesungen, Theater, Film und Tanz angeboten werden. Neben dem Dialog der Weltkulturen wird auch die Idee des «Volkshauses» gepriesen[38] - zumindest eine begriffliche Anlehnung an die Tradition des Palastes. Ansonsten findet das historische Erbe des DDR-Baus im neuen Konzept kaum Verwendung. Obwohl die Uberlagerung der Deutschen Geschichte an diesem Ort mehrfach betont wird, ist der Aufbau des Schlosses und Humboldtforums eine Fortsetzung der durch den Zweiten Weltkrieg abgebrochenen architektonischen Tradition der Stadtmitte. Nach zwanzigjahriger Diskussion um Wesen und Gestalt sei das Forum aber keine Verlegenheitslosung, so der Sprecher des Forum-Vorstandes, sondern eine gemeisterte Herausforderung, welche Berlins Mitte wieder als solche kennzeichnet. Im Gegenteil: “Das Humboldtforum im Berliner Schloss wird die Mitte der Hauptstadt Deutschlands verandern, so wie es noch keine vergleichbare grosse Baumassnahme in dieser Stadt gewagt hat”[39] verkundet Rettig. Auch Barti zweifelt nicht daran, dass das neue Schloss den Anforderungen entspricht: “Es war ein barockes Schloss, Preussens Gloria, Deutschlands Aufstieg und Normalisierung, Versohnung mit der Vergangenheit, Triumph uber den Sozialismus - Befriedigung des Volkes und Selbstbefriedigung der Politik; der Bau war aber auch eine moderne Losung, ein Volkshaus mit Kunst, Kultur und Konsum, ein «demokratisches Projekt», Partizipation durch den Spendencheck, Heilung der «Wunde», neuer Bezugspunkt der Mitte, kurz: das Symbol des 21. Jahrhunderts “[40]

Ob Schloss und Forum den Bedurfnissen, Erwartungen und Hoffnungen gerecht werden konnen, die Berlin und Deutschland an diesen symboltrachtigen Ort stellen, wird sich in den nachsten Jahren zeigen. Durch die Rekonstruktion des alten Stadt-Schlosses und sein Nutzungskonzept als multikultureller Begegnungsort zeichnet sich zugleich der Entwurf eines neuen deutschen Selbstverstandnisses ab. Das Schloss-Humboldtforum ist ein Statement, das sich ebenso nach innen wie nach aussen richtet.

3. Gedachtnis, Erinnern und Vergessen

Theoretische Zugange „Was wir Gedachtnis nennen, ist in Wirklichkeit eine gigantische, schwindelerregende Konstitution des materiellen Grundstocks von allem, woran wir uns unmoglich erinnern konnen, ein unergrundliches Repertorium dessen, woran wir uns vielleicht einmal erinnern mussen.“ (P. Nora)[41]

Die Arbeiten uber Erinnern und Vergessen, Gedachtnis und Geschichte spriessen seit Maurice Halbwachs’ Schriften zur kollektiven Erinnerung („memoire collecitve“) formlich aus dem Boden. Der interessierten Leserin, dem interessierten Leser steht heute eine beeindruckende Anzahl von Theorien zur Verfugung. Primar den Geisteswissenschaften zugeordnet, werden sie zunehmend transdisziplinar verfasst und haufig mit psychologischen Erkenntnissen angereichert. In der modernen Forschung wird grundsatzlich unter «Gedachtnis» ein kollektives Gedachtnis im Sinne von Maurice Halbwachs und Aby Warburg verstanden und weniger das individuelle Gedachtnis, wie es fruher von Philosophen und Schriftstellern beschrieben worden war.[42] Aufgrund der grossen Bandbreite des Forschungsstandes, wird nachfolgend auf drei Bereiche fokussiert: die im Zusammenhang mit der „Gedachtnispflicht“ (Francois 2009) stehenden Erinnerungsdiskurse um die «richtige» Erinnerung und die damit verbundene Herausbildung einer gemeinsamen Identitat sowie die Erlauterung der beiden Begriffe «kollektive Erinnerung» und «Erinnerungsort».

3.1 Erinnern und Vergessen

Nach dem zweiten Weltkrieg kam es in der deutschen Erinnerungskultur zu einem Perspektivenwechsel, es gab keinen Stolz mehr auf die eigene Geschichte. „Die neue Kultur des Erinnerns“, fasst Uhl zusammen, „versteht sich vielmehr als Ort moralisch-ethischer Selbstvergewisserung, als kritisches Korrektiv bisheriger nationaler Erinnerungstraditionen, ihrer Verdrdngungsstrategien und blinden Flecken.“[43] Im Zuge der Auseinandersetzung mit den grausamen Verbrechen, die wahrend des Nationalsozialismus an Millionen von Menschen begangen wurden, erlangte das „schmerzhafte“ Gedachtnis gegenuber dem „ruhmreichen“ Gedachtnis eine hohere Bedeutung und schuf ein neues Opferverstandnis. Im Gegensatz zu den Helden, die sich bis anhin mehr oder weniger freiwillig opferten (sacrifice), wurde nun das unschuldige Opfer (victim) zur zentralen Figur der Erinnerung.44 Mit diesem Opferverstandnis gehen eine ethisch-moralische Verpflichtung des Gedenkens und die Vorstellung der Unverjahrbarkeit einher.45 Schon die deutsche Ubersetzung von «memoire» in «Erinnerung» zeugt, so Sabrow, von einer Kultur der „Vergangenheitsvergegenwartigung“, wahrend die Worter «memoria» oder «Gedachtnis» neben der Erhaltung auch immer den Verlust von Erfahrungen mit einschliessen.46 Dass auch das Vergessen ein naturlicher Gedachtnisprozess ist, wurde durch das moralische Erinnerungsgebot in den Hintergrund gedrangt. „Was fur die Neurologie Idngst selbstverstdndlich ist, scheint dem Historiker schwer akzeptabel“, schreibt Wolle: „Erinnerung und Vergessen sind keine Gegensdtze, sondern zwei Seiten desselben Vorgangs. Vergessen ist eine Form der Erinnerung.“47 Sie stehen in einem wechselseitigen Bezug zueinander. Ohne Vergessen keine Erinnerung oder umgekehrt: Erinnern bedingt Vergessen. Eine totale Erinnerung kame, so Erll, einem totalen Vergessen gleich.48 Diese Interdependenz kann auch am Beispiel der Erinnerungsorte aufgezeigt werden. Holscher weist darauf hin, dass mit fortschreitendem Verlust von Erinnerungsstucken die „Erinnerungsmacht“ des Ubriggebliebenen ansteigt.49 „Orte der Erinnerung setzten immer voraus“, lautet seine These, „[...] dass ihre Umgebung gerade die Erinnerung verweigert, welche der Erinnerungsort evozieren will.“ 50 Eine politisch angeordnete „kollektive Amnesie“ (Holscher 1999) wie sie durch den stadteplanerischen Neubau und Umbenennung von Strassen und Platzen in der Geschichte wiederholt verubt wurde, beschwort gerade jene Erinnerungen herauf, die man aus der Offentlichkeit verschwinden lassen wollte. Ein Phanomen, das sich auch beim gewahlten Fallbeispiel - dem Palast der Republik - beobachten lasst.

Solche Diskurse uber das Vergessen spielen sich auf verschiedenen Ebenen ab. Sie beinhalten zum einen das schon alleine durch die rasante Zunahme, Verbreitung und Speicherung (historischen) Wissens erforderliche Vergessen mussen. 51 Andererseits bewegen sie sich im Spannungsfeld zwischen „der Notwendigkeit und Unmoglichkeit des Vergessens“, wie ein Untertitel Holschers lautet. 52 Es geht dabei - insbesondere in Bezug auf die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands - um die Legitimist des Vergessens, dem vergessen dUrfen und vergessen konnen. In diesem Kontext werden zwangslaufig auch Fragen nach der historischen «Wahrheit» und der «richtigen» Erinnerung mitverhandelt. Die Gedachtniskultur des unverjahrbaren Opfergedenkens kann, um das Beispiel der Opferrolle nochmals aufzugreifen, zu einer Art Opferkonkurrenz fuhren. Daraus folgt eine Aufsplitterung der Erinnerungskulturen, die in einem unlosbaren Gedachtniskonflikt mundet.53 Das Ringen um die „[...] «richtige» Erinnerung, Interpretation und um politische Deutungshoheit [...]“ der Vergangenheit ist, nach Pietzsch, ein zentrales Element der Erinnerungsdiskurse, denn: „Die Vermessung der Vergangenheit in Bezug auf die Gegenwart bestimmt [...] die Selbstvergewisserung fur die Zukunft. Alles zusammen ergibt die jeweilige Erinnerungskultur der Gegenwart A54 Die Auslegung der Vergangenheit determiniert die Erinnerungskultur, aber auch zwischen Erinnerung und Identitat besteht ein Kausalzusammenhang.55 Erinnerungen werden, wie Aleida Assmann herausfand, durch ihren emotionalen Gehalt gefestigt und starken die Gruppenidentitat. 56Kollektive Erinnerungen sind somit als selektierte, der Identitatsbildung dienende, historische Gegebenheiten zu begreifen, wobei diese Gruppenzugehorigkeiten wiederum das Verstandnis der Vergangenheit bestimmen.

Die heterogene Erinnerungskultur im wiedervereinigten Deutschland hat, wie im nachfolgenden Kapitel herausgearbeitet wird, einen direkten Zusammenhang mit der bis heute bestehenden Schwierigkeit, eine gemeinsame - im Sinne von gesamtdeutscher - Identitat auszubilden.

3.2 Kollektives, kulturelles- und soziales Gedachtnis

Maurice Halbwachs setzt die individuelle Erinnerung in eine direkte Abhangigkeit zum Gedachtnis der Gruppen, denen die sich erinnernde Person angehort. Jedes Individuum verfugt zwar uber private und subjektive Erinnerungen, benotigt aber, so Halbwachs’ Theorie, die Bezugsrahmen („cadres sociaux“) des Kollektivgedachtnisses, damit die eigenen Erinnerungen hervorgerufen, rekonstruiert und zu einem Gesamtbild zusammengefugt werden konnen.57Fur die Verbindung vom Einzel- zum Gruppengedachtnis ist die Kommunikation zwingend notwendig, weshalb Halbwachs der Sprache eine besondere Bedeutung zumisst.58

Nach Halbwachs’ „memoire collective44 stellt Pierre Noras „lieux de memoire“ einen weiteren Referenzpunkt der Erinnerungsforschung dar. Fur Nora sind Gedachtnis und Geschichte primar Gegensatze. Wahrend das Gedachtnis lebendig ist und einem standigen Wandel unterliegt, definiert er die Geschichte als luckenhafte und heikle Rekonstruktion der Vergangenheit.59 „Gedachtnis ist ein stets aktuelles Phanomen, eine in ewiger Gegenwart erlebte Bindung, die Geschichte hingegen eine Reprasentation der Vergangenheit“ unterscheidet Nora die beiden Begriffe. „Weil das Gedachtnis affektiv und magisch ist, behalt es nur die Einzelheiten, welche es bestarken: es nahrt sich von unscharfen, vermischten, globalen oder unsteten Erinnerungen, besonderen oder symbolischen, ist zu allen Ubertragungen, Ausblendungen, Schnitten oder Projektionen fahig. Die Geschichte fordert, da sie eine intellektuelle, verweltlichende Operation ist, Analyse und kritische Argumentation.“60 Diese Differenzierung liegt auch Noras Auslegung des Begriffs „lieux de memoire“ zu Grunde. Unter Erinnerungsort versteht er in erster Linie die Uberreste ausserer Formen, welche von Gedachtnissen zu Geschichte geworden sind. Gedachtnisorte61 konnen zum Beispiel „[...] Museen, Archive, Friedhofe und Sammlungen, Feste, Jahrestage, Vertrage, Protokolle, Denkmaler, Wallfahrtstatten, Vereine [...]“62 sein. Es handelt sich dabei nicht, wie der Begriff Gedachtnisort suggeriert (und wie er nachfolgend verwendet wird), ausschliesslich um Orte im raumlich-topografischen Sinn. Nora versteht darunter im Wesentlichen das aus dem Verlust des spontanen Gedachtnisses resultierende Bedurfnis, Erinnerungen zu schaffen.63 Gedachtnisorte sind Nora zufolge also keine naturlichen Erinnerungen, sondern sind, um diesen Verlust zu ersetzen, physische Uberreste bestimmter Ereignisse, welche nun, kunstlich initialisiert und ausgewahlt, einem bestimmten Gedenken dienen.

Jan Assmann64 differenziert ebenfalls zwischen dem kollektiven und dem kulturellen Gedachtnis. Das kommunikative Gedachtnis, in Anlehnung an Halbwachs auch Kollektivgedachtnis genannt, beruht auf einer unspezialisierten, unorganisierten und weitgehend beliebigen Alltagskommunikation. 65 Daraus ergibt sich der beschrankte Zeithorizont dieses Gedachtnisses, welcher nach Assmann zwischen 80 und 100 Jahre umfasst. 66 Dem gegenuber steht das kulturelle Gedachtnis. Im Unterschied zum kommunikativen ist das kulturelle Gedachtnis alltagsfern oder „Alltagstranszendent“, wie der Begriff Assmanns lautet. Der Zeithorizont ist stark vergrossert, es bestehen sogenannte Fixpunkte, welche im Unterschied zum kommunikativen Gedachtnis nicht mit dem Gegenwartspunkt mitlaufen.67 „Diese Fixpunkte“ erklart Assmann, „sind schicksalhafte Ereignisse der Vergangenheit, deren Erinnerung durch kulturelle Formung (Texte, Riten, Denkmaler) und institutionalisierte Kommunikation (Rezitation, Begehung, Betrachtung) wach gehalten wird.“68 Obwohl Assmann zwischen dem kommunikativen und kulturellen Gedachtnis unterscheidet, macht er keinen absoluten Gegensatz zwischen den beiden aus. Wahrend Halbwachs den Ubergang zwischen den Gedachtnissen offen lasst,69 lautet Assmanns These, dass keine vollkommene Entkopplung der beiden Gedachtnisse eintreten muss.70 Auch die „objektivierte Kultur“ sei wie eine Gedachtnisform strukturiert, welche eine ahnliche Bindung an Gruppen und deren Identitaten aufweist.71 Nach Jan und Aleida Assmann ist es weder moglich, Geschichte und Gedachtnis eindeutig voneinander zutrennen, noch gleichzusetzen. Ihrer Auffassung nach handelt es sich um zwei verschiedene Modi der Erinnerung, die sich nicht gegenseitig ausschliessen mussen.[72]

Aleida Assmann geht wie Halbwachs davon aus, dass Subjekte keine „selbstgenugsamen Einheiten“, sondern mit einer Gruppe verbunden sind, welche die eigene Identitat beeinflusst.[73] Diese Gruppen sind heterogen: man wird hineingeboren oder man wahlt sie selbst, sie sind verschieden gross, von unterschiedlicher Bedeutung und Dauer, lose oder miteinander verknupft.[74] Assmann beschreibt zusatzlich ein soziales Gedachtnis, das sie dem kollektiven Gedachtnis voranschiebt und damit das kollektive in Richtung des kulturellen Gedachtnisses ruckt. Im sozialen Gedachtnis sind die Erinnerungen kurzfristiger als im kollektiven. Hier ist das Gesprach (die mundliche Uberlieferung) das wichtigste Medium, welches konsequenterweise mit dem Tod des Tragers abbricht. Das soziale Gedachtnis unterliegt somit einem „biologischen Rhythmus“.[75] Welzer fasst unter dem sozialen Gedachtnis diejenigen Anteile des kommunikativen Gedachtnisses zusammen, welche weder kulturell noch fur die Traditionsbildung zustandig sind.[76] Im Wesentlichen meint er damit die unbewusste Vermittlung von Geschichte durch Kommunikation, Aufzeichnungen, Bilder, Architektur et cetera.[77] Im kollektiven Gedachtnis hingegen werden historische Erfahrungen zu Mythen und von Generation zu Generation weitergegeben. sie verschwinden erst, wenn sie nicht mehr gebraucht und zum Beispiel durch andere ersetzt werden.[78] Das kulturelle Gedachtnis wird nun in Abgrenzung zwar ebenfalls als langfristig verstanden, basiert aber vorwiegend auf Institutionen wie Bibliotheken, Museen oder Archiven. Hier bedarf es zudem spezialisierter Berufe, die es zur Aufgabe haben, diese Erinnerungen zu erhalten.[79]

Die Gruppen konnen prinzipiell verschiedenen Gedachtnissen angehoren, der Zutritt gestaltet sich aber unterschiedlich. Wahrend man durch die Geburt automatisch zum sozialen Gedachtnis dieser Gesellschaft kommt, ist fur das kollektive Gedachtnis eine aktive Teilnahme erforderlich (zum Beispiel an Riten). Beim kulturellen Gedachtnis kommt zusatzlich eine kognitive und kritische Auseinandersetzung hinzu.[80]

Durch die Forschungsfrage schon vorweggenommen, wird fur vorliegende Arbeit der Begriff «kollektives Gedachtnis» verwendet. Nachdem der allgemeine Uberblick bewusst straff gehalten wurde, soll der relevante Begriff noch etwas ausgeleuchtet werden. Als kollektives Gedachtnis wird nachfolgend, gemass der Definition von Astrid Erll (2005), folgendes verstanden: „Das »kollektive Gedachtnis« ist ein Oberbegriff fur all jene Vorgange organischer, medialer und institutioneller Art, denen Bedeutungen bei der wechselseitigen Beeinflussung von Vergangenem und Gegenwartigem im soziokulturellen Kontext zukommt.“sl Es erstreckt sich uber drei Dimensionen. Erstens uber die materielle Dimension, wie Medien oder kulturelle Artefakte. Diese werden durch Codierung zu Inhalten des kollektiven Gedachtnisses und so fur die Gruppenmitglieder zuganglich. Zweitens uber die soziale Dimension, welche die Tragerschaft beinhaltetet. Dies sind Personen und oder Institutionen, die fur die Bereitstellung (Speicherung und Abrufung) des Wissens zustandig oder zumindest daran beteiligt sind. Und drittens uber die mentale Dimension, welche kulturspezifische Schemata und Codes beinhaltet. Diese ermoglichen die Erinnerung, konnen sich aber auch auf beispielsweise Werte, Normen, Selbst- und Fremdbilder auswirken.[81] [82]

In Bezug auf den Palast der Republik ist unbedingt dieses Gedachtnis zu wahlen, weil es als einziges den hybriden Anforderungen von personlicher Erfahrung, historischem Verstandnis und kultivierten Mythen gerecht wird. Das soziale Gedachtnis hingegen ist fur dieses Forschungsfeld - trotz dem kurzen zeitlichen Abstand zur DDR - weniger geeignet. Schon alleine die hypothetische Auswahl des Palastes als Erinnerungsort zielt auf eine absichtliche und auf langere Dauer angelegte Vergangenheitsvermittlung ab, welche das soziale Gedachtnis uberdauern wurde. Sabrow erkennt in den Verhandlungen um das kulturelle Erbe der DDR sogar schon Anzeichen fur einen Ubergang vom kommunikativen zum kulturellen Gedachtnis, weil die Erinnerungen an die DDR nach ihrem Zusammenschluss mit der BRD bereits aus der selbstverstandlichen Erfahrungswelt ausgeschlossen werden.[83] Abgesehen davon ist es kaum moglich fur die DDR ein annahernd homogenes soziales Gedachtnis auszumachen. Dasselbe Argument kann naturlich auch fur die anderen Gedachtnisse angebracht werden.[84] Obwohl korrekterweise auch beim kollektiven nicht von einem einheitlichen Gedachtnis ausgegangen werden darf, kann hier durch die Interdependenz zwischen Subjekt und Umwelt beziehungsweise durch die Interaktion des Gedachtnisses mit seinen soziokulturellen und politischen Rahmenbedingungen mit der Zeit eine gewisse Einordnung der Vergangenheit stattfinden. Dieser fur den Palast und die gesamte DDR- Geschichte erforderliche Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist weder beim sozialen noch beim kulturellen Gedachtnis hinreichend gegeben. Letzteres kommt schon alleine deshalb nicht in Frage, weil der Zeitpunkt schlicht zu fruh ist. Weder sind die teilweise sogar selbst erlebten Erinnerungen abgebrochen noch ist ein Geschichtsbild definiert und tradiert, welches einen solchen Zugang erfordert und ermoglichen wurde. Das kollektive Gedachtnis hingegen stellt, um nochmals auf Erll zuruckzukommen, weder eine Alternative zur Geschichte noch einen Gegensatz zur individuellen Lebenserfahrung dar, sondern meint den Gesamtkontext.[85]

3.3 Erinnerungsorte

Wie bereits erwahnt wird der Begriff «Erinnerungsort» auf Pierre Noras Werk „Les lieux de memoire“ (1984-1992) zuruckgefuhrt. Nach seiner Auffassung orientiert sich das individuelle und kollektive Gedachtnis an bestimmten Orten, welche in Verbindung mit Ereignissen stehen, die als bedeutend bewertet werden.[86] Das Konzept der Erinnerungsorte, von Nora ursprunglich auf die franzosische Nationalgeschichte bezogen, wird zunehmend auf weitere Lander ausgebreitet. obwohl eine abschliessende Definition des Erinnerungsortes noch immer aussteht,[87] wird in der Forschung grundsatzlich davon ausgegangen, dass Individuen und Gruppen uber eigene Erinnerungen und Geschichtsbilder verfugen, die subjektiv, von verschiedenen Faktoren beeinflusst und veranderbar sind. Dieses Verstandnis erlaubt eine alternative und offenere Herangehensweise an die oftmals durch nationalpolitische Interessen definierten Geschichtsbilder.[88]

A. Assmann unterscheidet zwischen verschiedenen Typen von Gedachtnissorten, die sie anhand ihrer Bindungskraft[89] differenziert. Zum einen gibt es Generationenorte, deren Bindung die Verwandtschaft zwischen den Verstorbenen und den noch Lebenden darstellt. Bei den Gedenkorten beruht diese Bindung auf den „wiederhergestellten und weitertradierten Erzahlungen“, bei den Erinnerungsorten auf „ rein antiquarisch-historischem Interesse “ und im Falle der Traumatischen Orte auf „einer Wunde, die nicht vernarben will."[90] Dem anzufugen sind die Heiligen Orte, welche eine Verbindung zu den Gottern herstellen sollen.[91] Fur den Palast der Republik kommen vorerst nur die Begriffe des Gedenk- und des Erinnerungsortes in Frage.

Ein Gedenkort ist gemass Assmann als Ort zu verstehen, an dem eine Geschichte abrupt beendet wurde, so dass die Uberreste von sich aus keine Beziehung mehr zum ortlichen Leben der Gegenwart mehr unterhalten.[92] Pierre Nora wies bereits darauf hin, dass das verschwindende Gedachtnis nach und nach durch Geschichte ersetzt wird. „Es gibt lieux de memoire"[93] [94] schreibt er, „weil es keine millieux de memoire mehr gibt."94 A. Assmann folgert daraus, dass der Gedenkort eine Geschichte braucht, die das verlorene Milieu ersetzt. Die Gedenkorte seien, so Assmann, zwar nur noch Uberreste, konnen aber, da sie materielle Relikte beinhalten, mit Hilfe von Erzahlungen in ein neues kulturelles Gedachtnis gelangen.[95] Bricht im Verlauf der Jahre die Uberlieferungstradition ab, ist es nicht mehr moglich, diese Orte spontan zu lesen. Mit Hilfe von spezialisten konnen die Uberbleibsel aber auch dann noch eine Verbindung zu Vergangenem herstellen, wenn die Erinnerungen daran bereits erloschen sind.[96] Erinnerungsorte sind Vermittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart, eine Art „Kontaktzone“ (Assmann 1999) oder „Brucke“ (Sabrow 2009). Aus dieser eigenartigen Mischung von Nahe und Ferne erschliesst die „Magie“ (Assmann 1999) diese Orte[97] oder wie Sabrow formuliert: „lm Erinnerungsort spuren wir die Vergangenheit unmittelbar zu uns reden und sind uns doch ihrer Unwiederholbarkeit bewusst.“[98] Mit Klei erklart, erschafft die Prasentation des Ortes zusatzlich zu dem bereits erlangten Vorwissen (zum Beispiel anhand von Literatur, Medien, Bildung oder personlicher Einstellung) eine eigene Wahrnehmung von dem, was sich an dieser Stelle ereignete. Diese durch den Erinnerungsort produzierte Erfahrung wird zusammen mit den anderen Informationen als Bild im Gedachtnis abgespeichert.[99] Das Besondere am Ort als Erinnerungstrager ist demnach seine Fahigkeit, beim Besucher ein personliches Erlebnis zu erzeugen, welches ihn einerseits mit dem Geschehenen verbindet, andererseits die Informationen in Bilder ubersetzt und damit die Erinnerungsfunktion unterstutzt. Man konnte also folgern, dass der Erfahrungswert eines Ortes im Wesentlichen auch seinen Erinnerungswert ausmacht.

Mit der Betonung des Erfahrungswerts zeigt sich aber auch ein Problem, welches allen Gedachtnisorten gemein ist: das Authentizitatsparadox. Wenn Gedenkstatten zu Museen werden, verlieren sie - um ihrer Erhaltung willen - ihre Authentizitat.[100] Diese Problematik diskutiert Assmann vorwiegend an den Gedenkstatten ehemaliger Konzentrationslager. Jene konnen, wenn sie zu sehr musealisiert und «herausgeputzt» werden, ein verfalschtes Bild provozieren und zum Beispiel die Erfahrung des Ortes beschonigen.[101] Die Erinnerungsorte stehen, wie alle Bauten mit Denkmalwert, in einem heiklen Spannungsfeld zwischen Erhalt und Zerfall, Original und Rekonstruktion. Zum einen mussen beschadigte Teile soweit in ihrer ursprunglichen Form erhalten werden, dass sie ihren Wiedererkennungswert behalten, gleichzeitig verliert der Ort mit jedem kunstlichen Eingriff an Originalitat.

Im Falle des Palastes ist die Frage nach der Authentizitat keine moralische wie beim Beispiel der KZ-Gedenkstatte, gleichwohl ist sie aber zentral. Nach der radikalen Asbestsanierung, welche einen Ruckbau auf den Rohbau bedeutete, erlosch das offentliche Interesse am zuvor stark umkampften Gebaude weitgehend. In diesem Falle hatte die Kontaktzone ihre Wirkung verloren, weil man im ubriggebliebenen stahlskelett die gewunschte Erinnerung nicht finden konnte. Offensichtlich wurde hier eine bestimmte Art von Erfahrung erwartet, die der ausgeschabte Bau nicht mehr leisten konnte. Sie hing demnach mit seinem ausserlichen Erscheinungsbild, seiner Raumaufteilung, vielleicht sogar seiner Ausstattung und Einrichtung, auf alle Falle mit der gewohnten Asthetik zusammen, wo hingegen der nackte Verweis auf einen bestimmen geografischen Ort nicht ausreichte. Fur den «Erinnerungsort Palast» drangen sich hier zwei Gedanken auf. Entweder ist nicht das Wo ausschlaggebend, zumindest nicht in dem Masse wie von Assmann angenommen.[102] Die zweite Uberlegung ist, dass diejenige Generation, welche sich fur den Palast als Erinnerungsort eingesetzt hat, personliche und selbst erfahrene Erinnerungen mit dem Gebaude verband, die sie zumindest teilweise visuell wiedererkennen wollte. Sie hatte eine konkrete Vorstellung davon, «wie es gewesen war» und wollte ihr eigenes Erinnerungsbild bestatigt oder hervorgerufen haben. Der Erinnerungsort soll in diesem Falle kein Bild erzeugen, das Bild existierte bereits (respektive noch). Es scheint, als hatten sich in der Palastfrage zwei verschiedene Typen von Gedachtnisorten uberlagert. Auf der einen Seite stand eine abgerissene Geschichte des Gebaudes, weil das, was verkorpert wurde, bereits der Vergangenheit angehorte. Die Erinnerungen daran waren aber noch lebendig, die Geschichten wurden angeknupft und weitertradiert. Somit ware nach Assmann von einem «Gedenkort» zu sprechen. Auf der wortwortlich anderen Seite, westlich der ehemaligen Mauer, zahlte der Palast nicht zu der eigenen Erfahrungswelt. Hier wurde der Ort durch eine Geschichte erklart, die sich nicht mit dem ostlichen Erlebnis deckte. Da sich beim Palast stets die Frage stellte, von welcher Geschichte er zeugt, respektive eine neue, gemeinsame Geschichte erst noch definiert werden musste (zum Beispiel: hier wurde die Wiedervereinigung beschlossen), ware ein im Sinne Noras historisierter, also intellektuell analysierter und vor allem kritisch argumentierter Zugang notwendig gewesen, durch den mit Hilfe von Fachpersonen eine konsensuale Geschichte des Palastes definiert wird. Somit ist fur die Forschungsfrage der Begriff des «Erinnerungsortes» dem des «Gedenkortes» vorzuziehen.

Um nochmals zu rekapitulieren: Assmann differenziert die beiden Ortsbegriffe ahnlich ihrem Gedachtnisverstandnis: wahrend die Uberreste des «Gedenkortes» noch eigenstandig Erinnerungen zu erzeugen vermogen, ist der «Erinnerungsort» bereits Teil eines historischen Zugangs. Obwohl die Erinnerungen an den Palast teilweise noch selbst erfahren wurden, gilt es, analog zur Begriffsbestimmung der Gedachtnisform, den Sonderheiten des Kontextes der Teilungsgeschichte Rechnung zu tragen. Im Wesentlichen sind drei Argumente zu beachten, welche den initialisierten Zugang des Erinnerungsortes fordern: Die Erinnerungen an den Palast waren vorwiegend subjektiv und im ehemaligen Osten verankert. Der Begriff «Gedenkort» wurde die Erinnerungen der ehemaligen DDR-Burgerinnen und -Burger ungleich betonen, wahrend die Westdeutschen praktisch ausgeschlossen waren. Im Westen bestand und besteht zwar genauso ein soziales Gedachtnis fur Erinnerungen an die DDR, dieses ist aber stark politisch determiniert und schenkt der Bedeutung des Palastes fur die offentliche Nutzung nur wenig Beachtung. Die sozialen Bezugsrahmen, an welchen die Erinnerungen von Ost und West an den Palast festgemacht sind, beleuchten das Gebaude aus einer ganz anderen Perspektive, worauf zu einem spateren Zeitpunkt eingegangen wird. Die Forschungsfrage nach einem gemeinsamen Gedachtnisort muss bereits an dieser Definition scheitern, da es unmoglich ist, im Bezug auf den Palast von einem gemeinsamen Gedenkort zu sprechen.

Zweitens wurden die Botschaften, welche der Bau in sich trug, ursprunglich von einem totalitaren Regime eingeschrieben. Obwohl, wie in Kapitel 7.2 dargelegt wird, politische Codes nach Zusammenbruch der Herrschaft nicht von sich aus weiterwirken, ist doch ein Teil des kollektiven Bezugsrahmens zu dieser Zeit entstanden und mehr oder weniger stark gepragt. Mit dem Ende der SED-Herrschaft losten sich auch die Botschaften und Zeichen dieses Systems auf. Die subjektiven Erinnerungen, die nun an einen neuen kollektiven Bezugsrahmen geknupft werden, mussen sich zwangslaufig andern, insbesondere dann, wenn das neue Gedachtnis die DDR als Diktatur verurteilt.

Drittens ist der Umgang mit der DDR und ihrer Platzzuweisung in der deutschen Geschichte noch immer unbestimmt. Aufgrund der teilweise kontraren Auffassungen, Wahrnehmungen und Erinnerungen von Ost und West ist es nicht moglich, eine gemeinsame Erinnerung auszubilden, ohne diese uber einen bewusst verhandelten Zugang zu erschliessen. Die Erinnerung an den Palast und die DDR im Allgemeinen kann, soll sie fur das gesamte Deutschland gelten, nicht narrativ entstehen, sondern benotigt eine aktive und kritische Auseinandersetzung und die Schaffung einer historischen Definition, welche gemeinsam von den verschiedenen kollektiven Gruppen und Experten ausgearbeitet werden muss.

3.4 Zusammenfassung und Thesenformulierung

In diesem Kapitel ging es in erster Linie darum, die in der Forschungsfrage verwendeten Begriffe «kollektive Erinnerung» und «Gedenkort» zu definieren. Dafur war es notwendig, aus der Fulle an wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Gedachtnis und Erinnerung - Francois spricht von einem regelrechten Boom der „Gedachtnis-Problematik“[103] - einzelne Theorien und Erkenntnisse herauszuarbeiten. Es wurde aufgezeigt, dass nach dem Nationalsozialismus ein neues Geschichts- respektive Opferverstandnis ausgebildet wurde. Die moralische Verpflichtung des Opfergedenkens warf Fragen nach der Legitimitat des Vergessens auf. Diese wiederum evozierten die Bestimmung der «richtigen Erinnerung» respektive der «historischen Wahrheit». „Jede Gesellschaft muss um ihre Geschichte wissen. Erst aus dem gemeinsam geteilten historischen Wissen heraus erwachst nationale Identitat“ schreibt Heinrich.104 Dass in Deutschland in Bezug auf die DDR nach wie vor kein breit verankertes Geschichtsverstandnis existiert, erschwert die Herausbildung einer gemeinsamen Identitat. In Bezug auf die Forschungsfrage stellt sich dasselbe Problem. Fur einen gemeinsamen Erinnerungsort braucht es zunachst einen Konsens daruber, an was uberhaupt erinnert werden soll. Beim Palast der Republik prallten zwei vollig unterschiedliche Erinnerungskulturen aufeinander: Den meist noch personlich erlebten, in der Regel positiven Erfahrungen im Osten stand die westliche Betrachtungsweise gegenuber, die den Palast im wesentlichen als politisches Symbol der SED-Herrschaft im Gedachtnis verankert hatte. Diese divergenten Betrachtungs-, Erfahrungs- und Erinnerungsbilder des Palastes in der deutschen Bevolkerung verlangen bei der Wahl des Begriffes von Gedachtnis und -ort, ungeachtet (oder gerade wegen) des kurzen zeitlichen Abstandes, einen kunstlich distanzierten Zugang, der es erlaubt, die Basis - die gemeinsame Erinnerung, respektive die Perspektive auf den Palast - erst festzulegen.

Aus den Erkenntnissen dieses Kapitels lassen sich folgende Hypothesen ableiten:

HI: Das Opferverstandnis verlangte die Behandlung der DDR als Diktatur. Damit verbunden war eine intensive Auseinandersetzung von «Recht» und «Unrecht», ein Ringen um die Auslegung und Einordnung der Vorkommnisse und den einzelnen Biografien in der gesamtdeutschen Geschichte. Dadurch musste der Palast der Republik ebenfalls in diesem Spannungsfeld behandelt werden.

H2: Da diese Verortung noch nicht abgeschlossen war, existierten in Deutschland verschiedene, teilweise gegenlaufige Erinnerungskulturen. Diese Spaltung ist elementar und wird sich als Grundproblematik in samtlichen nachfolgenden Abhandlungen zeigen.

H3: Damit der Palast zum Erinnerungsort hatte werden konnen, hatte es einerseits ein kollektives Gedachtnis benotigt, welches den soziokulturellen Hintergrund und die Interaktion zwischen Gesellschaft und Politik mit einschloss. Andererseits ware eine Geschichte dieses Ortes erforderlich gewesen, die in beide Erinnerungskulturen hatte eingegliedert werden konnen. Die Differenzen von den lediglich aus der Erfahrung der eigenen Erinnerungskultur und ohne analytische Auseinandersetzungen gespiesenen Erinnerungen im Sinne eines «sozialen Gedachtnis» oder eines «Gedenkort» sind nicht uberwindbar.

H4: Der Wirkungsverlust des Palastes nach der Sanierung deutet darauf hin, dass das Erinnerungsbild, welches der Palast erzeugen sollte, bereits vorgegeben war. Eine solche Erinnerungsfunktion ware aber nur fur den ostdeutschen Teil von Bedeutung gewesen und hatte einen gemeinsamen Erinnerungsort im vornherein ausgeschlossen.[104]

4. Geschichtsbewusstsein und

Erinnerungskultur in Deutschland nach 1945 „Es gibt keine Flucht vor der Geschichte. Leugnen und Vergessen konnen nicht von der Vergangenheit befreien.“ (W. Schauble)[105] Deutschland hatte sich nach der Wiedervereinigung gleich zwei diktatorischen Vergangenheiten zu stellen: Dem «Dritten Reich» und der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), respektive der DDR.[106] Die Ergebnisse der Auseinandersetzungen fallen aber unterschiedlich aus. Im Vergleich zur nationalsozialistischen Geschichte ist das Wissen uber die kommunistische Diktatur und ihre Folgen, so Gauck, „lacherlich gering“.[107]

4.1 Geschichtsbewusstsein und nationalsozialistische Vergangenheit

Die Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit gilt als beispiellos. Deutschland habe sich, meint Kirsch, seiner schwierigen Geschichte so erfolgreich gestellt, dass nun weltweit andere Staaten dabei unterstutzt werden konnen, ihre dunklen Kapitel ebenfalls anzugehen.[108] Die nun schon seit Jahrzehnten andauernde Beschaftigung mit dem schweren Erbe erstreckt sich uber eine unuberschaubare Anzahl von wissenschaftlicher Forschung, Denk- und Mahnmalen, Museen, Filmen, Literatur und Kunst. Sie dringt tief ins offentliche Leben ein und ist noch nicht abgeschlossen.

In den ersten Jahren der von chaos, Zerstorung und Zusammenbruch gepragten Nachkriegszeit war man in Deutschland noch weit davon entfernt, Verantwortung fur die Verbrechen zu ubernehmen. Die deutsche Zivilbevolkerung floh zunachst selbst in die Opferrolle und begriff sich weitgehend als Burgerinnen und Burger, die von einem ubermachtigen Diktator missbraucht und manipuliert worden waren und selber schwer unter dem Regime und dem Krieg zu leiden hatten.109 Nach ersten Stimmen, die in den funfziger Jahren begannen, nach Art und Ausmass der NS-Gewaltverbrechen zu fragen, leitete die Ausstrahlung des amerikanischen Films uber den Holocaust eine erste breite Auseinandersetzung mit der Thematik ein.110 Nach der Wiedervereinigung der DDR und BRD, welche den Nationalsozialismus in ihrer Geschichtsdialektik unterschiedlich verorteten (darauf wird spater eingegangen), setzte in den 1990er Jahren eine grosse Debatte uber die eigene historische Vergangenheit ein.111 „Noch nie zuvor“, schreibt Wurl, „hat sich eine Zeit, eine Nation, eine Generation so reflektiert und reflektierend mit sich befasst; Geschichtserinnerung [...][sic!] Selbstbeobachtung steht hoch im Kurs.“112 Entstanden ist ein neuer Zu- und Umgang zur und mit der deutschen Geschichte. Die Vergangenheit war nicht langer Hoheitsgebiet der Berufshistoriker, sie gehorte von nun an der Offentlichkeit und wurde zum publik verhandelten politischen Instrument.113 Die Ubernahme des Diskurses durch die Offentlichkeit, primar von Medien und Politik, trat grundlegende Debatten um die «historische Wahrheit», der damit verbundenen «richtigen Erinnerung» und die daraus zu ziehenden Lehren fur die Zukunft los.114 Ein neues Geschichtsbewusstsein bildete sich heraus, wobei die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus als Kern und Schlusselmoment der modernen deutschen Geschichtskultur bewertet werden muss. „Die NS-Vergangenheit, die nicht vergehen will", schreibt Thamer, „wurde zum Filter, durch den alle Erinnerung an die deutsche Geschichte hindurchgehen muss; sie wurde dabei zum zentralen Gegenstand geschichtlicher Vergewisserung, mit dem sich jede Generation auseinandersetzen muss.“115

Ohne das Ausmass an Unrecht und Leid, welches von den beiden Diktaturen ausgeubt wurde, vergleichen zu wollen, stellt sich die Frage, warum die grundlegenden Erkenntnisse und Erfahrungen der Geschichtsdidaktik und Aufarbeitungspraxis aus der ersteren nicht auf die zweite ubertragen wurden.

4.1.1 Gespaltenes Land - gespaltene Erinnerungskultur

Die deutsche Teilung bedeutete ebenfalls einen Riss im soziopolitischen Umgang mit der eigenen historischen Vergangenheit, insbesondere mit der nationalsozialistischen. Der weitgehend divergente historische Habitus stellte das neu vereinte Deutschland vor eine grosse Herausforderung. Es galt nicht nur die unterschiedlichen Geschichtsbilder und Herkunftsdefinitionen auf eine neue, gemeinsame und identitatsstiftende Basis zu stellen, sondern auch grosse Differenzen in der Aufarbeitungs- und Artikulationskultur auszugleichen. Die Problematik der auch nach der Wende fortbestehenden historischen Dialektik erschliesst sich im Wesentlichen aus drei Punkten: In der Einordnung des Nationalsozialismus, in der Entwicklung des Diskurses daruber und in der Herausbildung einer historischen Diskussionskultur.

Wahrend die Konfrontation mit dem Hitlerregime in der BRD als langandauernder Aufarbeitungsprozess einsetzte, galt sie in der DDR durch die „antifaschistisch- demokratische Umwalzung“ (Wolfrum 2008) bereits als beendet.[116] Hauptverantwortlich dafur, dass sich die DDR-Burgerinnen und -Burger weitgehend einer aktiven Auseinandersetzung mit ihrer jungsten Vergangenheit entzogen, war die Legitimations- argumentation der SED. Die Parteifuhrung definierte die DDR als Sieger der Geschichte und stutzte die Legitimation ihrer Grundung, der gesellschaftlichen Umwalzung sowie die Propagandamaschinerie auf dem Sieg des kommunistischen Antifaschismus gegenuber dem Nationalsozialismus ab.[117] [118] „ln der DDR war“, erinnert sich Gauck, „Hitler immer irgendwie Westdeutscher“.ns Obwohl sich auch in der BRD ein signifikantes Grundungsargument etablierte, welches durch den Aufbau einer reprasentativen parlamentarischen Demokratie nach westlichen Werten ebenfalls eine Distanzierung zur diktatorischen Nazizeit ermoglichte,[119] galt und verstand sich die BRD als eigentlicher Rechtsnachfolger des «Deutschen Reiches».[120]

Wahrend in der BRD also bereits eine erste Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen und der Schuldfrage stattfand, nahm im Osten die Thematik des kommunistischen Widerstands die Monopolstellung aller historischen Fragen ein.121 Die Folge war, dass die Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung mit einem bereits fortgeschrittenen Diskurs uber den Nationalsozialismus konfrontiert wurden, ohne selbst die vorangegangenen Prozesse der Auseinandersetzung durchlaufen zu haben.122 „Dabei ware es gerade in einer so formierten geistigen Gesellschaft wie der ostdeutschen wichtig,“ schreibt Gauck, „Fragen des Trauerns, des Nicht-Trauern-Konnens oder Nicht-Trauern-Wollens ahnlich nachzuvollziehen, wie es die Westdeutschen getan haben. Denn die Aufarbeitung der Vergangenheit kann nicht nur als Wissen uber bestimmte Fakten definiert werden, sondern vor allem auch als innere Auseinandersetzung mit der eigenen Verstrickung oder mit der Verstrickung der Angehorigen. Auch in Ostdeutschland muss irgendwann einmal angefangen werden zu erkennen, dass eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht funktioniert, wenn sie einen selbst nicht einbezieht.“123 Dieses «Defizit» schlug sich in der Diskussionskultur nieder. Das Vorhandensein von „Aufarbeitungsinstitutionen“ ist nach Gauck jedoch nicht alleine fur die Ausbildung einer Diskussionskultur verantwortlich, sondern ebenso die Mentalitat der Menschen: was sie empfinden, was sie gelernt haben und wozu sie erzogen wurden.124 Aus dem gelernten „Mundhalten“ und die „Ohnmacht als gegeben akzeptieren“ folgert Gauck, resultierte eine ganz andere Diskussionsart.125 Der Diskursvorsprung verschaffte den westlichen Politikern eine Art Auslegungshoheit, welche gerade in den ersten Jahren pragend fur die an und fur sich schon schwierige Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und den damit verknupften zivilen Biografien war. „Aus den Differenzen in den Normativen und Regeln der beiden Geschichtskulturen und der unterschiedlichen Typen ihrer Trager ergaben sich die Verschiedenheiten in der Geschichtspolitik seit der Vereinigung.“ schreibt Wurl und fahrt fort: „Der tatsachliche »Sieger der Geschichte« benutzte diese selbstverstandlich zur Legitimierung seines Erfolgs in entschlossener und zeitweise extremer Weise“ 126 Das durch den Westen dominierte Geschichtsbild, welches sich nicht immer mit der DDR-Erfahrungswelt decken wollte, fuhrte zu grossen Verunsicherungen und Gefuhlen des «Missverstanden-werdens», wie anschliessend noch ausfuhrlich dargestellt wird. Die Wiedervereinigung forderte aber die Uberwindung dieser Ungleichheiten und eine neue gemeinsame Erinnerungskultur, denn die Herkunftsgeschichte der beiden Teilstaaten musste nun als eine aufeinander bezogene betrachtet werden.[127]

4.2 Die DDR in der gesamtdeutschen Geschichte

Noch im Jahre 2007 wurde an einer Podiumsdiskussion[128] uber die DDR in der deutschen Erinnerungskultur festgehalten, dass bislang eine faktenorientierte, selbstkritische und nostalgiefreie Betrachtung der individuellen Biografien wahrend der Diktatur aussteht. Noch nicht einmal ein von Vorurteilen und Befangenheit befreiter, deutsch-deutscher Dialog habe stattgefunden. Trotz der Bemuhungen um eine Aufarbeitung haben die Auseinandersetzung weder im gesellschaftlichen noch im wissenschaftlichen Bereich zu einem deutungssicheren Konsens gefuhrt.[129] Gauck sieht den politischen Diskurs um die kommunistische Diktatur unter einer Art Schutzglocke gefangen: „lm politischen Diskurs gibt es jedoch einen merkwurdigen geistig-politischen Schutzraum, in den alles hineingepackt wird, das mit dem Kommunismus als Herrschaftsform zu tun hat. Man will die kommunistische Diktatur nicht verteidigen, aber man scheut sich, eine an den Lernschritten und Lernerfolgen der Aufarbeitung der NS-Diktatur orientierte Aufarbeitungsform auch fur diesen Bereich zu akzeptieren“[130] Dies bedeutet keineswegs, dass man sich einer Aufarbeitung dieser zweiten Diktatur verweigert hatte. Tatsachlich begann sie kurz nach der Wiedervereinigung in verschiedenen Phasen entlang zweier Diskurse, einem offentlich-informellen und einem offiziell-professionellem.[131]

4.2.1 Die Aufarbeitung der DDR-Geschichte

In Anlehnung an Rudnick kann der Aufarbeitungsprozess in drei Phasen aufgeteilt werden: bis 1992, 1992-1997 und ab 1997.[132] In der ersten Phase, kurz nach dem Mauerfall, war nach Rudnick die Geschichts- und Erinnerungspolitik noch zweitrangig, relevant waren vorerst Sofortmassnahmen und Vergangenheitspolitik.[133] Ab 1992 zeigte sich eine erste Konjunktur der Auseinandersetzungen. Zum ersten Mal beteiligte sich der Bund an Gedenkstatten134und das Parlament verabschiedete ein geschlossenes Konzept, um einen ganzen Abschnitt der Geschichte amtlich zu bewerteten. 135 1992 bis 1998 wurden vom Bundestag zwei Enquetekommissionen fur die „Aufarbeitung von Geschichte und die Folgen der SED- Diktatur“ eingerichtet,136 deren Erfolg Gauck darin verzeichnet, dass ihnen das Kunststuck gelang, dem Nationalsozialismus in der Vergangenheitsdebatte einen speziellen Status zukommen zu lassen und dabei auch die kommunistische Diktatur ernst zu nehmen. Mit anderen Worten: Sie formulierten einen „antitotalitaren Konsens“.137 En gros liefen die Auseinandersetzungen mit der DDR in dieser Phase aber darauf hinaus, dass die DDR „[...] als misslicher Abweg disqualifiziert und letztlich ausgeblendet [...]“ 138 und die Delegitimierung der DDR zur Legitimierung der BRD benutzt wurde.139

In der dritten Phase, deren Beginn von Rudnick auf 1997 datiert wird, herrschte eine weniger konservative Sichtweise vor. Staatliches Engagement und die Forderung nach Differenzierung nahmen zu, Schlagworte wie «Erinnerung» und «Gedenkstattenpolitik» ruckten in den Vordergrund.140 1998 wurde vom Deutschen Bundestag die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ins Leben gerufen. Die Stiftung ist per Gesetz beauftragt, die Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und der DDR zu untersuchen, den Prozess der Deutschen Einheit zu unterstutzen und sich international an der Aufarbeitung von Diktaturen zu beteiligen.141 2005 wurde unter der Leitung von Martin Sabrow ein dezentral organisierter Geschichtsbund zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gegrundet.142 „Diese neue Form von Erinnerungspolitik“, so Rudnick, „war eine den demokratischen Grundsatzen und einer dezentralen Erinnerungslandschaft verpflichtete Erinnerungs- und Gedenkstattenpolitik. Sie folgte dem Anspruch, mit einer Weisung »von oben« grundsatzlich eine demokratische Erinnerungskultur als »»Geschichte von unten« zu ermoglichen.“143 Etwas strenger fallt die Beurteilung des „Ruckkrebsen der Bundespolitik“ von Wurl aus: „Diese Schlussfolgerung ergab sich mit dem wachsenden Abstand vom Ende der DDR und mit der Einsicht in einen kontraproduktiven Irrtum: Man konne mit der penetrant wiederholten Akzentuierung des Gegensatzes von Diktatur und Demokratie die DDR als Ganzes abwerten und in der Offentlichkeit eine Gleichartigkeit mit der Nazidiktatur mal mehr, mal weniger unterstellen. Der Kontrast zur Alltags- und Lebenserfahrung der meisten DDR Burger erwies sich als zu krass" 144 Trotz des Umdenkens gestaltete sich die Auseinandersetzung mit der Teilungsgeschichte und ihren sozialen Folgen nach wie vor schwierig.

4.2.2 Die Herausforderungen des DDR-Diskurses

Die wichtigsten Punkte, in denen sich der Erinnerungsdiskurs der DDR von dem des Nationalsozialsozialismus unterscheidet und aus denen das fur den Palast der Republik relevante „deutsch-deutsche Missverstandnis" (Flamm 2005) hervorgeht, wurzeln wahrscheinlich in drei Problemstellungen: der Komplexitat, der fehlenden Gleich- berechtigung und der Tiefgrundigkeit der sozialistischen Pragung.

a) Die komplexe Verflechtung

Die Komplexitat der moralischen und politischen Beurteilung der DDR ergibt sich durch die starke, teilweise paradoxe Verflechtung von Repression und arrangiertem Alltag sowie aus der hochst inhomogenen Gesellschaftsstruktur. Die Vergangenheit der DDR muss also in einem Spannungsfeld von sich teilweise im Grundsatz unterscheidenden Erfahrungen verhandelt werden145. Einige dieser Erinnerungsperspektiven unterteilt Sabrow in verschiedene «Gedachtnisse»: Das „Diktaturgedachtnis,'“ erinnert an den Tater-Oper- Gegensatz. Dieses Gedachtnis will vor historischen Wiederholungen schutzen und konstatiert die DDR als negatives Kontrastbild zu rechtsstaatlichen Normen. Dem Faktum der politischen Unfreiheit und Unterwerfung wird dabei mehr Bedeutung zugesprochen als den sozialen und wirtschaftlichen Umstanden. Das „Arrangementgedachtnisu hingegen verknupft Machtsphare und Lebensalltag. Es trennt die Biografie nicht eindeutig vom Herrschaftssystem und lasst auch positive Erinnerungen zu, zum Beispiel an eine schone Jugendzeit in der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Das „Fortschrittsgedachtnisu geht noch einen Schritt weiter. Es beinhaltet die Idee einer legitimen Alternative zur kapitalistischen Gesellschaftsordnung und geht davon aus, dass ohne Zusammenbruch ein friedliches Koexistieren der beiden Staaten
moglich gewesen ware. Zudem brachte es gewisse Errungenschaften hervor, wie zum Beispiel die Gleichberechtigung der Frau.146

In der DDR bestand sozusagen immer eine „Spannung zwischen Zwang und Konsens, zwischen Ausnahmezustand und Normalitat‘,147 um bei Sabrow zu bleiben. Da sich die Menschen in der ehemaligen DDR nicht ausschliesslich zwischen den beiden Polen «Anpassung» oder «Widerstand» bewegten, konnen die einzelnen Biografien der Burger nicht gemeinsam mit dem gesamten System verdammt werden.148 Die enge Verknupfung von Personlichem und Politischem stellt wahrend der ganzen Debatte immer wieder einen besonders heiklen Punkt dar. Dem hinzuzufugen ist die „doppelte Berechnung“ (Neubert 2006) der Erinnerung, welche sich einerseits auf die fruhere Wahrnehmung und Interaktion wahrend der SED Herrschaft bezieht und andererseits der gegenwartigen Reflexion dieser Handlungen und Verhalten dient. Daraus kann ein „bizzarer Neubau“ (Ebd.) der eigenen Biografie entstehen. 149

Im Gegensatz zum Nationalsozialismus, von dessen Grauel sich die gesamte Nation «Schockdistanzierte» und bei dem heute der stillschweigende Grundkonsens vorherrscht, dass man sich an diese Epoche nicht positiv erinnern darf (zum Beispiel auch nicht im Bezug auf die abnehmende Arbeitslosigkeit), markierte das Ende der DDR - trotz unrechtsstaatlicher Machtausubung und Herrschaftsinszenierung - keinen Zivilisationsbruch.150 Der Kommunis- mus muss, anders als der Nationalsozialismus, seine Werte nicht zwangslaufig verlieren. Ideen wie zum Beispiel Gleichheit und Gleichberechtigung, Gerechtigkeit oder Solidaritat konnen nicht als grundsatzlich schlecht beurteilt werden.151 Ohne den Diktaturcharakter des SED-Regimes verharmlosen zu wollen, besteht in der Bewertung der DDR offenbar ein gewisser Handlungsspielraum. Damit muss aber die historische Perspektive erst festgelegt werden und es ist erforderlich, grundlegende Fragen zu klaren, wie sie zum Beispiel von Sabrow gestellt werden: „Bildete sie [die DDR] einen von Anfang an zum Scheitern verurteilten Unrechtsstaat, der nie zu einer staatlichen Legitimation finden konnte und dem Untergang geweiht war, sobald ihm die aussere Bestandsgarantie durch die militarische Macht der Sowjetunion entzogen wurde? Oder ist sie umgekehrt vor allem von ihrem Anfang her und genetisch zu begreifen, also ein bei allen Einschrankungen legitimes oder zumindest historisch plausibles sozialistisches Experiment, das im Kalten Krieg die historische Chance fur einen antifaschistischen Neuanfang gebildet habe, dann aber letztlich - je nach Standpunkt - an gegnerischer Starke oder eigener Schwache gescheitert ist?"[152]

Die hohe Komplexitat des verworrenen und teilweise widerspruchlichen Lebens in und mit der SED-Diktatur erschwert eine schwarz-weiss Zeichnung der DDR. Die moralisch vertretbare Moglichkeit, sich auch an positive Aspekte der kommunistischen Gesellschaftsordnung erinnern zu konnen, verhindert ein klares Festmachen von «Gut» und «Bose». Gemeinsam lasst es eine Vielzahl von Betrachtungs- und Erinnerungsweisen zu, was eine Zusammenfassung zu einem vereinigten Bild erschwert.

b) Die Fehlende Gleichberechtigung von Ost und West

Fur die Gestaltung des gemeinsamen Deutschlands standen zwei Optionen zur Verfugung: Zum einen hatte nach Artikel 146 des westdeutschen Grundgesetzes die Bevolkerung anlasslich der Vereinigung eine neue Verfassung beschliessen konnen. Hatte man sich dafur entschieden, ware vielleicht ein neues Deutschland mit Einflussen aus Ost und West entstanden. Umgesetzt wurde aber der 23. Artikel, mit welchem der Beitritt der DDR zur BRD ohne Anderung der westdeutschen Verfassung erfolgte.[153] Dieser Entschluss lasst erahnen, dass der Zusammenschluss eigentlich eine Vergrosserung der BRD darstellte.[154] Die viel kritisierte Siegermentalitat des Westens, der sich im Wettkampf der beiden Systeme uberlegen fuhlte, liess sich schwer mit einer effektiven Ost-West-Gleichberechtigung vereinbaren. Die Vereinigung kann daher kaum als eine zweier gleichberechtigter deutscher Landesteile betrachtet werden, sondern mit Holfelder ausgedruckt eher als „[...] Aufnahme der Gesellschaft einer gescheiterten Diktatur in ein demokratisch organisiertes Gemeinwesen.“[155] Das Verstandnis von der Einverleibung, welche als logische Konsequenz die Auflosung der DDR in die BRD zur Folge hatte, zog sich wie ein roter Faden durch die politischen und offentlichen Felder des neuen Deutschlands. Eine kollektive Emanzipation der Ostdeutschen war mehr als schwierig, da praktisch nichts von ihrer Kultur rezipiert und wahrscheinlich auch nicht fur rezipierungswurdig gehalten wurde.[156] Von der desolaten wirtschaftlichen Lage, die mit Unsummen westlicher Unterstutzungsgelder angeschoben werden musste, ganz zu schweigen. Noch nicht mal der Diskurs uber die DDR konnte vom Osten selbst dominiert werden. Die ostdeutschen Historiker und Sozialwissenschaftler wurden in der Regel aufgrund ihrer systemkonformen Ausbildung und Praxis wissenschaftlich entmundigt.[157] Neben dem «Diskursvorsprung» des Westens zeichnete sich schon bald dessen Selbstvertrauen in die eigene Weltanschauung und Geschichtsauffassung und eine Einpflasterung der DDR in das eigene Geschichtsbild ab. Oder wie Muhlberg formuliert: Die „[...] geschichtliche Ausgrenzung der Ostdeutschen ist alltaglich, weil Westdeutsche es gar nicht fur moglich halten konnen, dass es noch eine andere historisch [sic!] Erfahrung und ein anderes gUltiges Verhaltnis zur Vergangenheit geben konnte."158 Die von Beginn an empfundene und teilweise auch gelebte Diskriminierung der ostdeutschen Bevolkerung beeintrachtigte die Bestrebungen eine innere Einheit aufzubauen signifikant. Bis heute ist bei einigen Deutschen eine primare Selbstdefinition und Identifikation als sogenannter «Ossi» oder «Wessi» erhalten geblieben.

c) Die Tiefgrundigkeit der sozialistischen Pragung

„Gespaltene Ordnungen und getrennte Welten JUhren in epistemologische AbgrUnde“, schreibt Sabrow: „Im deutsch-deutschen Fall zeigt sich schon auJ der alltagskulturellen Ebene das Dilemma eines «richtigen» Bewertungsstandpunktes. Schnell hat sich die HoJJnung als naiv erwiesen, dass es sich um einen kUnstlichen Scheingegensatz handle, der mit dem Untergang der DDR von selbst verschwinde.“ 159 Jahrzehnte an Lebenserfahrungen, Grundwerten, Ansichten, Lebenswirklichkeiten, Erziehung und Erinnerungen, die mal mehr oder mal weniger verinnerlicht wurden, aber auf jeden Fall eine reale Lebenssituation darstellten, konnen nicht einfach uber Nacht abgelegt werden. „Obwohl die Mehrheit der DDR-Burger ihren Staat ablehnte, haben die im Sozialismus gepragten Werte ein zahes Leben“, bemerkt der Journalist Gujer anlasslich des zwanzigjahrigen Jubilaums der deutschen Wiedervereinigung.[160] In der Euphorie der Wende wurde diesem Umstand wohl zu wenig Beachtung geschenkt. Der Zusammenschluss der beiden ehemals getrennten deutschen Staaten sollte vor allem schnell uber die Buhne gehen. „Ich hatte damals in der Wendezeit den Eindruck, dass sich kaum jemand Zeit nehmen wollte, den Prozess vorsichtig zu betrachten, langsam wachsen zu lassen“, erinnert sich Anette Leo. „Es herrschte bei der Mehrheit der Menschen der tiefe Wunsch nach neuen Eindeutigkeiten vor, und das zu einem Zeitpunkt, als die alten Gewissheiten noch gar nicht richtig vergangen waren. Dahinter steckt naturlich die Sehnsucht nach einer stabilen Identitat und die Vorstellung, mit raschen neuen Zuordnungen Bruche oder ein politisches Vakuum, das mit Angst besetzt war, moglichst zu vermeiden“[161] Es scheint, als erwartete man ahnlich dem «verlorenen Sohn» die Ruckkehr des deutschen Teilstaates, welcher nach einigen Jahren der Abstinenz wieder aufgenommen wurde, zu Beginn vielleicht noch etwas Unterstutzung benotigte, aber schon bald zum gewohnten Alltag zuruckkehren wurde. Effektiv aber haben sich die alten und neuen Bundeslander trotz gemeinsamer Vergangenheit in den verhaltnismassig wenigen Jahren unter den jeweiligen Besatzungsmachten hochst unterschiedlich entwickelt. Getrieben vom dringlichen Wunsch beider Seiten, die Vereinigung moglichst bald und komplett zu vollziehen, wurde wohl verkannt, wie tief einzelne Aspekte einer jahrzehntelangen gesellschaftssystematischen Pragung in der zivilen Bevolkerung verankert sein konnen.

4.3 Zusammenfassung und Thesenformulierung

Der Nationalsozialismus wurde in den beiden Teilstaaten auf unterschiedliche Weise in der Geschichtsdidaktik verortet. «Huben» wie «druben» als Grundungsargument verwendet, begann in Westdeutschland ein Auseinandersetzungsprozess, der nach der Wiedervereinigung bereits fortgeschritten war. Dieser Diskursvorsprung verleitete unter anderem dazu, auch in Bezug auf die DDR eine westliche Auslegungshoheit zu beanspruchen und das Geschichtsbild zu dominieren. Obwohl als Diktatur ausgewiesen, befand sich der offizielle Diskurs zur SED-Herrschaft zunachst in einer Art Schutzatmosphare. Zu hoch war das Risiko, sich politisch die Finger daran zu verbrennen. Andererseits wurden vom Bund bald Bestrebungen unternommen, die Geschichte der Teilung, der SBZ respektive DDR und der darin erfahrenen Repressionen aufzuarbeiten. Auch in der Praxis gestaltete sich das Zusammenwachsen schwieriger als zunachst angenommen. Nachdem die erste Euphorie abgeklungen war, zeigte sich, dass sich das wahrend der Jahre der Trennung ausgebildete Gesellschaftssystem weder uber Nacht anpassen noch einfach die „westliche Ordnung uberstulpen“ (Kocka 1999) liess. Die Sozialisation und Pragung der beiden Systeme wirkte langer und starker als angenommen. Erst spater wurde erkannt, dass gewisse Weltanschauungen, Normen und Werte nur schwer oder gar nicht miteinander zu vereinbaren sind.[162] Der Diskurs uber die DDR stiess auf ein komplexes Gefuge von Unterdruckung und arrangiertem Alltag, Diktatur und ziviler Biografie, welche man weder klar voneinander trennen noch kollektiv verurteilen konnte.

Aus den Erkenntnissen dieses Kapitels lassen sich folgende Hypothesen ableiten:

H5: Solange der Geschichtsdiskurs vom Westen dominiert wurde, konnte der Palast der Republik keine bedeutsame Rolle darin spielen.

H6: Die charakteristische Verflechtung von Staatspolitik und personlicher Biografie erschwerte, analog zum allgemeinen Diskurs uber die DDR, auch die Beurteilung des Palastes massiv.

5. Das Problem der «Inneren Einheit»

Der Palast im Ost-West-Konflikt

„Wir sind ein Volk und ihr seid ein anderes - Ostberlin, 9. November 2009“

(Plakat in Berlin)[163]

Dass der Entscheid fur eine Wiedervereinigung sowohl im Osten wie auch im Westen breite Unterstutzung fand, ist in der Forschung unbestritten.164 Nachdem die erste Euphorie abgeklungen war und die Deutschen allmahlich aus dem Wiedervereinigungstaumel erwachten, zeigte sich, dass die Vereinigung deutlich mehr Schwierigkeiten mit sich brachte als vorerst angenommen. Die Hurden der Harmonisierung waren zeitweise so hoch, dass von einer «Vereinigungskrise» gesprochen wurde.

„Die einen sehen sich als Sieger, die andern fuhlen sich gedemutigt. Hier liegt wohl der tiefste Grund, weshalb heute nur Deutschland vereinigt ist, nicht aber die Deutscherf‘,165 extrahiert Bender die Grundproblematik. Tatsachlich wird die Deutsche Einheit noch immer als unvollendet bewertet, wie der Sozialreport im Jahre 2010 feststellte.166 Dazu ist nach Scherf vorerst die Uberwindung der aus der Nachkriegsgeschichte des geteilten Deutschlands stammenden Unterschiede notwendig.167 Besonders die bereits erlauterte „gespaltene Geschichtskultur“ (Bartknecht 2007) wird als letzte Hurde der Einheit wahrgenommen.168 Dies bedeutet nicht, dass kein gesamtdeutsches Nationalgefuhl moglich und vorhanden ist. Gerade der 9. November 1989 symbolisiert nach Gauck das grosse Gemeinschaftsgefuhl. „Weil er so plotzlich uber uns hereinbrach, konnten sich die Schlachtreihen der Empfindenden und Betrachtenden nicht formieren, woraufhin unvorbereitet Gefuhle losbrachen, die in Ost- und Westdeutschland auf eine erstaunliche Weise ahnlich waren.“169 Nach Gauck darf man Ost- und Westdeutsche nicht als verschiedene Bevolkerungsteile begreifen, die Differenzierung von «ihr» und «wir» ist nach seiner Auffassung konstruiert. Kocka rat ganz davon ab, nach 1998 noch von einer Vereinigungskrise zu sprechen, da sich die Situation tendenziell verbesserte.[170]Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass immer noch einige tief in die Gesellschaftsstruktur greifende Faktoren bestehen, welche die Egalisierung von Ost und West behindern. Wie unterschiedlich die beiden soziokulturellen Welten waren, die in den 1990er Jahren aufeinanderprallten, lasst sich an den Beispielen des «Kulturschocks» und dem «deutsch- deutschen Missverstandnis» erahnen.

5.1. Kulturschock und Missverstandnis

In Anbetracht, wie umfassend und schnell die Anpassung der ehemaligen DDR-Burger und - Burgerinnen an ihr neues, nach westlichen Werten gestaltetes Umfeld zu erfolgen hatte, wird in der Literatur haufig der Begriff «Kulturschock» verwendet. Die Westdeutschen, schreibt Wagner, konnten das Ausmass dieser Veranderung kaum nachvollziehen: „Die Arbeitswelt, die gesamte Warenwelt, das Versicherungswesen, der Verkehr, die Zeitungen, das gesamte Bankwesen, das Personal an den Hochschulen, die Zusammensetzung der Eliten, viele Orts- und Strassennamen, die verwaltungstechnische Einteilung des Landes in Lander und Kreise, die Parteien, von den Ampelmannchen bis zu den Zundholzern wurde beinahe alles west- deutsch, nichts blieb, wie es vorher war. Alle Bedingungen fur Kulturschock waren gegebenL171 Die Ostdeutschen wurden zu „Fremden im eigenen Land, die noch einmal ganz vorn anzufangen hatten“ schreibt Muhlberg, „ [...] in kurzer Zeit sollten sie so werden, wie Westdeutsche ganz selbstverstandlich sind.“[172] Die Anpassungleistung bestand aber nicht nur im Zurechtfinden der neu gestalteten ausseren Lebensumgebung. Der Begriff «Kultur», wie er hier verwendet wird, schliesst nach der Definition von Wager auch die sogenannten ungeschriebenen Gesetze mit ein. Die soziale Verhaltenskodexe, welche festlegen, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat - von der Begrussung bis zum Trinkgeld - mussten ebenfalls adaptiert werden.[173]

Abb.2: Die Phasen des Kulturschocks nach Wagner (1999):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: WAGNER (1999): Kulturschock, S.12

Die Darstellung Wagners zeigt die verschiedenen Phasen des Kulturschocks auf. Dabei wird deutlich, dass fur die Vereinigung der jahrzehntelang getrennten und soziopolitisch unterschiedlich gepragten Bevolkerungsgruppen das alleinige Abreissen der Maurer nicht ausreichte. Das Schema weist auf drei wesentliche Aspekte hin: Erstens, dass eine gemeinsame Identitat prozessual erarbeitet werden muss. Die einzelnen Phasen verlaufen nicht linear zum Ziel «Verstandigung», sondem bedeuten vorerst eine Abgrenzung. Die Ausbildung der «Ostidentitat» (Entfremdung bis Eskalation), welche nachfolgend noch angesprochen wird, erfolgte erst einige Jahre nach den Wendejahren 1989/90. Zweitens spielt der Faktor Zeit fur eine nachhaltige Verstandigung eine wichtige Rolle. Die hastige Einverleibung der DDR in die BRD hatte den betroffenen Personen nicht geniigend Raum gewahrt, sich mit ihren neuen Lebensumstanden griindlich auseinanderzusetzen und ihre personlichen Zukunftsperspektiven realistisch abzuwagen. Der dritte wichtige dargestellte Punkt ist, dass die letzte Phase (Verstandigung) nicht die Negierung sondern die Fahigkeit bedeutet, die bestehenden Unterschiede anzuerkennen und zu lernen, mit ihnen umzugehen. Wagner prognostiziert also keine Homogenisierung der Ost- und Westdeutschen soziokulturellen Gegebenheiten, wie es vielleicht in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung erwartet wurde, sondern vielmehr die Ausbildung eines neuen, gesamtdeutschen Selbstverstandnisses, welches die kulturellen Pfadabhangigkeiten akzeptiert hat und zulasst.

Zunachst war die soziale und politische Situation im wiedervereinigten Deutschland aber von Enttauschungen gepragt, die unter anderem aus Missverstandnissen resultierten. 1989/90 hatte man in der DDR wie auch in der BRD, im Grossen und Ganzen ein falsches Bild des Nachbarn. Die dadurch hervorgerufenen Erwartungen, die sich in Enttauschungen wandelten, kann man als „deutsch-deutsches Missverstandnis“ (Flamm 2005) verstehen. Fur die ehemaligen DDR-Burgerinnen und -Burger lag wohl die schlimmste Erkenntnis in der nahezu allumfassenden Abwertung ihrer bisherigen Lebensweise. Der grosste Trugschluss auf Seiten der BRD fusste wahrscheinlich in der Vorstellung, dass es in der Republik mehr oder weniger beim Alten bleiben wurde.

Das okonomische Missverstandnis hielt fur beide Seiten unangenehme Uberraschungen bereit. 1990 wurde in den neuen Bundeslandern die westliche Wirtschaftsordnung schlagartig ubernommen. Die Folge war die Privatisierung der Wirtschaft, welche Produktivitat und Lebensstandard zwar steigerte, aber auch Jobverluste im grossen Stil mit sich brachte.[174] Die Arbeitsanforderungen wurden neu ausgelegt, die Fuhrungspositionen von Westdeutschen ubernommen, die Qualifikationen der Berufe uberpruft und in der Regel abgewertet. „Fur den einzelnen Ostdeutschen bedeutete das privat eher einen Abrutsch als den erhofften Aufstieg“, fasst Kocka zusammen.[175] Der Wohlstand der BRD wurde haufig falsch eingeschatzt. Man verkannte, dass der Reichtum im Westen nicht gleichmassig verteilt war, die Erwartungen in der DDR orientierten sich haufig am oberen Drittel. Ubersehen wurde auch, dass man am personlichen Wohlstand nicht einfach beteiligt wird, sondern dieser in der Regel durch harte Arbeit verdient werden musste.[176] Trotz der hohen Transferzahlungen ist bis heute eine finanzielle Trennlinie zwischen Ost und West sichtbar geblieben. [177] Im Westen hingegen war man sich kaum bewusst, wie hoch die Transferleistungen ausfallen werden. Angesichts der immensen Geldbetrage, die in den Osten flossen, war man besonders enttauscht daruber, dass man dort, anstatt dankbar zu sein, auch noch seinen Unmut bekundete.178

Das kulturelle Missverstandnis hingegen betraf im Wesentlichen den ostlichen Bevolkerungsteil. „Wenn Lothar de Maiziere, der letzte Ministerprasident der DDR, [...] davon sprach, dass die Bundesrepublik mit der sich anbahnenden Vereinigung ostlicher und protestantischer werde, dann stand dahinter der Glaube, dass die DDR mehr an kultureller Eigenheit und uberkommener deutscher Identitat bewahrt habe als der Bonner Teilstaat.“179 Das Zitat von Sabrow verweist darauf, dass im Osten wohl kaum damit gerechnet wurde, dass sie nach der sowjetischen Besatzung als «undeutscher» betrachtet wurden, als die ebenfalls von Siegermachten verwaltete BRD. Im Gegenteil: „Eine Mehrheit der Ostdeutschen fuhlte sich in erster Linie immer als »Deutsche« - diese Grundhaltung konnte die SED ihnen nicht austreiben“, schreibt Schroeder und fahrt fort: „[...] fast alle DDR-Bewohner wollten die Einheit, um so schnell wie moglich so leben zu konnen wie die Westdeutschen. Diese wiederum wollten in ihrer weit uberwiegenden Mehrheit weder den Lebensstil ihrer »Bruder und Schwestern« noch »Errungenschaften« der DDR ubernehmen. Die identitatsstiftende ostdeutsche Trotzreaktion erklart sich ebenso wie die westdeutschen Uberlegenheitsgefuhle aus dieser Ausganglage.“ 180 Die Problematik der Gleichberechtigung wurde bereits angeschnitten und soll an dieser Stelle nicht weiter ausgefuhrt werden. Es bleibt festzuhalten, dass solche Missverstandnisse, insbesondere fur die Ostdeutschen, weite Bereiche des personlichen Lebens betreffende Enttauschungen bedeuteten. Man konnte vielleicht zusammenfassend formulieren, dass man sich in der DDR vor dem Mauerfall nicht bewusst war, dass man die «westliche Freiheit» mit der «ostlichen Gleichheit» bezahlen wird. Nach der Euphorie folgten der Schock und dann die Ernuchterung.

5.2 Ausbildung einer «Ostidentitat»

Die durch den Begriff der «Ostidentitat» suggerierte Homogenitat der Bevolkerung in der DDR ist nicht korrekt. Erst nach dem Beitritt zur Bundesrepublik bildete sich durch die enttauschten Zukunftshoffnungen ein Bewusstsein der ostdeutschen Eigenheiten aus.181 Das „unfreiwillige Erfahrungskollektiv“ (Murbe 2007) der neuen Bundesburgerinnen und -Burger fuhrte zur Bildung einer gemeinsamen Identitat, die so zuvor nicht existierte.182

Der westdeutsche Rundumschlag gegen beinahe alles wofur die DDR stand, stellte unweigerlich auch die Leistungen des Einzelnen und die Legitimitat seiner Biografie in Frage. „Wie kann alles, von dem man vollig Uberzeugt war und fur das man zeit seines Lebens gearbeitet hatte, falsch gewesen sein?“ fragt Klein. 183 Besonders die Gleichsetzung mit der Hitler-Diktatur muss (insbesondere fur die ehemaligen SED- Leute und ihre Anhanger) die „[...] schlimmste aller moglichen Verleumdungen [...]“184 gewesen sein, basierte doch Legitimation und Abgrenzung gegenuber der BRD gerade auf dem Antifaschismus. 185 Reaktionen darauf waren Recht- fertigungsversuche, aber auch Projektionen, welche die Fehler von sich weg nach Aussen verlagern.186 Haufig wurde die Erinnerung auch dem neuen Selbstverstandnis und Bedurfnis angepasst. „Demnach werden die negativen Anteile ausgeblendet, wahrend die subjektiv empfundenen nachtraglich idealisiert werden. Auf diese Weise findet im Nachhinein eine Art innere Korrektur statt. Man schafft sich uber die eigene Erinnerung eine andere Realitat, eine andere Wahrheit, mit der man besser umgehen kann und die leichter zu ertragen ist.“ 187 Nach Klein sind die

Erinnerungsmodifikationen auch Strategien, um mit dem Erlebten umzugehen.188 Ahnlich sieht auch Bender eine gewisse Normalitat in der Anpassung der Erinnerungen: „Denn alle haben sich geirrt, fast niemand hat mit einer Vereinigung Deutschlands gerechnet. Und nun mUssen alle ihre alten Vorstellungen mit der neuen Wirklichkeit in Einklang bringen. Das geht meist nicht ohne Gewaltsamkeiten: Man muss schon etwas zurechtbiegen, entweder die Reden von fruher oder die Realitat von heute. Jedermann spricht zwar von wissenschaftlicher Aufarbeitung der vergangenen funfzig Jahre, aber viel wichtiger ist fur die meisten, die eigene Vergangenheit teils zu verdunkeln und teils neu zu beleuchten.“ [189] Neben den aktiven Strategien kommt es immer auch zu einem «naturlichen» Verlust der Erinnerungen. „Selbst fur «gelernte DDR-Burger» kann es mit wachsendem zeitlichen und emotionalen Abstand zu dieser Realitat schwieriger werden, sich in ihrer Differenziertheit zu erinnern“ meint FRITZE. Zumal, wie zuvor dargestellt, diese Erinnerungen auch stets vom aktuellen Standpunkt aus aufgerufen und gelesen werden[190] .Durch die Ernuchterung nach dem Kulturschock, den Enttauschungen und der Erkenntnis, „[...] dass die eigene Ostvergangenheit noch uber Jahrzehnte ein personlicher Nachteil sein wurde [...], entstand ein starkerer Druck, sich dieser Vergangenheit zu stellen, sie anzunehmen und sich auch zu ihr zu bekennen[191] ," Diese identitatsstiftende Wirkung fuhrte, erganzt mit den angepassten, neu ausgelegten oder unvollstandigen Erinnerungen und Rechtfertigungsstrategien aber auch zu einem verklarten und nostalgischen, in der Literatur und Presse haufig als «Ostalgie» bezeichneten Erinnerungsbild. „Wir durften aber nicht Deutsche sein; wir waren DDR-Burger. Jetzt darf ich Deutscher sein und merke doch, wie sehr ich «DDR-Burger» geblieben bin. So gibt es eine merkwurdige nachtragliche Identifikation mit der DDR, genau in dem Masse, in dem man der DDR nachtraglich nichts Gutes mehr zugestehen mochte .u192 Diese von Schorlemmer beschriebene „nachtragliche Identifikation" dauert bis heute an. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand schneidet die Bewertung der DDR in der Bevolkerung besser ab, der diktatorische Charakter wird je langer je mehr ausgeblendet und gibt den Platz fur einen uberwiegend positiven Bezug zum Alltagsleben frei.[193] Mittlerweile haben neben den Souvenirladen auch die Medien die neue Lust an der DDR entdeckt, wie diverse «ostalgische» Fernsehshows und Filme zeigen.[194] Diese „posthumen Wurdigungen" (Lohre 2003) beinhalten aber immer auch die Gefahr der Verharmlosung.[195] Die Erinnerungen an die DDR, insbesondere an ihren repressiven Charakter, werden „weichgespult“ wie Schroeder es treffend bezeichnet.[196]

Fur die Vollstandigkeit muss darauf hingewiesen werden, dass sich analog der «Ostalgie» wahrscheinlich auch eine «Westalgie» entwickelt hat. Obwohl weniger bekannt, ist sie nach Gujer sogar starker ausgepragt als das Ostpendant. So sollen viele Westdeutsche die Jahre nach 1989/90 als „Geschichte des Abstiegs“ (Gujer 2010) empfinden.[197] Dass sich mehr West- als Ostdeutsche die Mauer wieder zuruckwunschen, erklart sich Bangel damit, dass sie nicht wahrhaben wollen, dass auch «ihr» Land, das „Land des naiven Kapitalismus“, nicht mehr existiert.[198] Auch Rada stellte sich die Frage, ob die «Wessis» die heimlichen Verlierer der Einheit sind. Er hingegen kommt zu dem Schluss, dass die strukturellen Veranderungen (wie zum Beispiel die Zunahme der Arbeitslosigkeit) nicht auf den Mauerfall, sondern auf die Globalisierung zuruckzufuhren seien. Ihm zufolge gibt es keine wirklichen «Westalgiker». Die als Nostalgie gewertete Stimmungslage sei eher eine allgemeine Unsicherheit vor der Zukunft.[199]

5.3 Die Palastdebatte als Stellvertreter des Ost-West- Konflikts?

In Anbetracht der aufgezeigten Schwierigkeiten Deutschlands auf dem Weg zur inneren Einheit ist zu fragen, ob der Streit um den Palast der Republik in direktem Zusammenhang mit der Ost-West-Debatte zu betrachten ist. Eine Verfechterin dieses Ansatzes ist Stefanie Flamm, die auch den Palaststreit als „deutsch-deutsches Missverstandnis“ entlarven will.[200] Dieser These folgend, stellt der Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzungen um den Abriss oder Erhalt des Palastes seine divergente Verortung im Gedachtnis der Ost- und Westdeutschen dar. Fur die Gegner war nach Flamm [...] der Palast einfach ein unerfreuliches Relikt des ostdeutschen Unrechtsstaates, andere liebten ihn weiterhin als Riesensouvenir aus einer untergegangen Welt, in der «ja auch nicht alles schlecht war».“[201] Die wenigsten der 98 Prozent der Ostberliner, die laut einer Umfrage aus dem Jahre 1993 den Palast wiederhaben wollten, wunschten sich auch die DDR zuruck. Was sie verteidigten, war ihre eigene Biografie, ihre personliche Geschichte. Die Verschmelzung des Palastes mit der allgemeinen Beurteilung des ostdeutschen Teilstaates verunmoglichte es, das Gebaude unabhangig von der eigenen DDR-Identitat zu diskutieren. „Je langer um die Zukunft des Palastes gerungen wurde, desto mehr wandelte sich das Haus von einem Sinnbild fur eine konkrete, hier erlebte Vergangenheit zu einem Symbol fur eine sehr viel abstraktere Ost-Identitat, uber das nicht mehr verhandelt werden konnte, ohne dass gleich die gesamte Lebenswirklichkeit der DDR auf dem Prufstand stand“, 202 schreibt Flamm dazu. Durch die Vermischung mit dem allgemeinen DDR-Diskurs kann das Ringen um den Palast durchaus als Projektionsflache des Ost-West-Konflikts verstanden werden. Auch hier verlief der Kampf entlang verschiedener Fronten, die dennoch miteinander verbunden waren und sich gegenseitig beeinflussten. Der Ausgangspunkt bildete erneut die Deutungshoheit zweier komplementarer Erinnerungstypen, die hier aufeinander trafen. Auf der einen Seite wurde der Palast primar als Herrschaftsbau der SED gelesen. Er symbolisierte eine politische Staatsform, die als unrechtsstaatlich begriffen und abgelehnt wurde. Dieses Bild entstammte nicht aus eigener Erfahrung, es war gelernt, respektive durch den soziopolitischen Bezugsrahmen geformt. Es betraf die personliche Biografie wenig oder gar nicht, sondern beruhte vorwiegend auf informativem Wissen (rational). Auf der anderen Seite erinnerte der Palast hauptsachlich an seine Funktion als «Haus des Volkes» und stand fur ein aussergewohnliches und gerne genutztes Freizeitangebot. Dieses Erinnerungsbild war direkt mit der personlichen Biografie verknupft. Es bildete sich in der Regel aus der subjektiven Erfahrung (emotional). Aus diesen komplementaren Erinnerungsbildern resultierten unterschiedliche Anspruche an das Gebaude. Der ehemalige Berliner Kultursenator Thomas Flierl beschreibt die Stellvertretungsfunktion des Palastes folgendermassen: „Man schuf mit dem Palast sowohl ein ostdeutsches, ruckwartsgewandtes Identifikationssymbol als auch eine westdeutsche Anstrengung, ihn nun zu uberwinden. Das bedeutete: Alle jene, die in der DDR nur begrenzten Widerstand geleistet hatten und dazu diejenigen aus dem Westen, die bis dahin die DDR als unabhangig existierenden Staat anerkannt haben - die mussten nun ihren nicht geubten Widerstand beziehungsweise ihredurchaus sachliche, aber eben nicht kampferische Beziehung zur DDR dadurch kompensieren, dass sie nun an einem Symbol noch einmal nachvollzogen, was andere Ostdeutsche eigentlich schon selbst erledigt hatten“[203] Nach Flierl entwickelte sich aus dem Bild des Palastes als Symbol eines repressiven Staates das Bedufnis, am Palast ein Exempel zu statuieren und - besser spat als nie - die bereits aufgeloste DDR in effigie zu verurteilen. Die (positive) Verflechtung des Palastes mit der eigenen Lebensgeschichte hingegen forderte eine Verteidigung gegen diese pauschale Absage an die personliche Erfahrungswelt. Hier ging es im Wesentlichen darum, so Binder, dass man im Prozess der Vereinigung, welchen man als eine fortwahrende Abwertung seines Lebenslaufs empfand, diesen „paradigmatischen Ort eigener Erfahrungen“ bewahren konnte.[204] Man kampfte um die Anerkennung der eigenen Geschichte und ihrer visuellen Einbettung im offentlichen Raum.[205] Analog der vorangegangenen Analyse bildete sich auch durch den Kampf um den Palast ein nachtragliches Identitatsbewusstsein aus. Der Palast der Republik wurde erst durch den Umgang mit ihm nach der Wiedervereinigung zum besonderen Erinnerungstrager, dessen Symbolkraft prozentual mit der Dauer und intensitat der Debatten zunahm.[206] Auch Binder erkennt im Ringen um Schlossplatz und Palast einen identitatsstiftenden Raum, den sie aber weniger als Rebellion, sondern anhand der Gedachtnistheorien erklart. Ihr zufolge verschmolzen die vielen Erzahlungen uber die Besuche und Erlebnisse an jenem Ort zu einem „kollektiven Bezugsraum", in welchem sich eine Gruppenidentitat auszubilden vermochte. Mit Erhebung des Palastes der Republik zum Gedachtnisort wurden die spezifischen DDR- Alltagserfahrungen vom kommunikativen in ein kulturelles Gedachtnis verschoben.[207] Die Ausbildung einer «Ostidentitat», welche niemals unpolitisch ist, wie Bangel bemerkte, barg neues Konfliktpotential. Das entschlossene Festhalten am Palast der Republik als „missachtete Mitgift des Ostens“ (Binder 2009) wurde als Ausdruck stiller Dissidenz gegenuber dem Westen wahrgenommen[208] und stilisierte den Bau zu einem „Stachel im Fleisch der deutschen Einheit‘ wie Flamm es verbildlicht.[209] Dies wiederum - hier beginnt ein Teufelskreis - provozierte die Bekampfung des Palastes als Storfaktor fur das wiedervereinigte Deutschland und die westliche Dominanz.

5.4 Zusammenfassung und Thesenformulierung

Nach dem anfanglichen Jubel uber die Wiedervereinigung machte sich in Deutschland Ernuchterung breit. Grosse Enttauschungen uber unerfullte Erwartungen und die Abwertung der personlichen Biografie und Position in der Gesellschaft liessen eine nachtragliche «Ostidentitat» ausbilden, die durchaus auch einen abgrenzenden Charakter beinhaltete. Auf der anderen Seite dominierte die Siegermentalitat des Westens, welche von vornhinein kein gemeinsames, von ostlichen- und westlichen Einflussen gepragtes Deutschland anvisierte, sondern die umfassende Ubernahme des westlichen Weltbildes durch die neuen Bundeslander, denen man sich politisch, wirtschaftlich und kulturell uberlegen fuhlte. Die empfundene Degradierung zu Burgern zweiter Klasse einerseits und die als Dissidenz wahrgenommene «Ostalgie» andererseits erschwerten es dem frisch vereinigten Deutschland, eine Art innere Einheit auszubilden.

Der Disput um den Palast der Republik ist in eben diesem Spannungsfeld einzu- ordnen. Als ehemaliger Reprasentationsbau der SED-Diktatur verfugte er uber eine hohe Symbolkraft, seine Doppelfunktion als «Haus des Volkes» ermoglichte aber auch andere, subjektive und personliche Erinnerungen an den Palast. Der Palast erhielt somit eine Stellvertreterfunktion, weil er zur Projektionsflache des Kampfes zwischen dem Versuch wurde, die eigene Biografie vor einer Kollektivverurteilung zu schutzen und dem Willen, das storende Uberbleibsel der DDR zu entfernen. Wenn der Palast nun als Stellvertreter fur den Ost-West-Diskurs stand, sodass er fur seine Vergangenheit entweder geschleift oder verteidigt werden musste, konnte er nicht zum kollektiven Gedenkort werden. Dies hatte zur Folge gehabt, dass der Ausgang des Kampfes um den Palast, der Entscheid uber Abriss oder Erhalt, die einen zu Gewinnern und die anderen zu Verlierern gemacht hatte. Damit ware die Ausbildung einer gemeinsamen Geschichte erneut verhindert worden.

Aus den Erkenntnissen dieses Kapitels lassen sich folgende Hypothesen ableiten:

H7: Der Palast der Republik konnte nicht zum Erinnerungsort fur das wiedervereinigte Deutschland werden, weil es nicht gelang, einen Konsens daruber zu bilden, wie an die DDR erinnert werden soll. Im Gegenteil: die Erinnerungen an die DDR und damit an den Palast waren nicht nur gespalten, sondern teilweise kontrar.

H8: Da eine Beseitigung des Palastes einerseits als Demonstration der Uberlegenheit des Westens uber den Osten empfunden wurde, der Kampf um seinen Erhalt andererseits als Dissidenz gegen die umfangliche Ubernahme des westlichen Weltbildes galt, stellte der Palast weniger einen Ort der Wiedervereinigung, sondern eher eine Bedrohung fur die innere Einheit dar.

6. Die Asbestsanierung des Palastes

„Es musste einmal eine politische Geschichte des Asbests geschrieben werden: in ihr wurde sich vermutlich offenbaren, dass die Substanz in den letzten Jahrzehnten immer dann verstarkt ins Spiel kam, wenn ideologisch, asthetisch oder stadteplanerisch unliebsame Gebaude ausgemerzt werden sollen.“

(A. Bernard)[210]

Der Begriff «Asbest» bezeichnet eine Gruppe naturlicher, faserformiger Mineralarten. Aufgrund seiner besonderen Belastungsfahigkeit gegenuber Hitze, Sauren und

mechanischen Einwirkungen wurde der Stoff ab Beginn des 20. Jahrhunderts

vielseitig eingesetzt. Die feinen Fasern des Asbestes konnen, wenn sie eingeatmet werden, Storungen der Lungenfunktion und Krebserkrankungen verursachen.[211] Seit 2005 ist in den Landern der Europaischen Union die Herstellung, Verwendung und Inverkehrbringung dieser Substanz verboten, in Deutschland bereits seit 1993.[212]

Im Palast wurden um die 5.000 Tonnen Spritzasbest verarbeitet, was etwa 720 Tonnen Rohasbest entspricht.[213] Das Material wurde als Hitzeschutz auf das Stahlskelett aufgetragen - ein ubliches Verfahren zu dieser Zeit.[214] Am 19. September 1990 (eine Woche nach dem Regelungsvertrag[215] ) ordnete die Volkskammer die sofortige SchlieBung des Palastes an. Grund dafur war das Ergebnis eines drei Monate zuvor in Auftrag gegebenen Gutachtens zur Asbestbelastung im Gebaude.[216] Laut Tepasse, dem Leiter dieser Untersuchung, waren zu diesem Zeitpunkt sowohl das Bundesministerium fur Raumordnung, Bauwesen und Stadtebau als auch die mit der Prufung beauftragten Gutachter aus Ost- und Westdeutschland der Uberzeugung, dass die im Gutachten bestimmte «Dringlichkeitsstufe I» vorlag und der sofortige Ruckbau in den Rohzustand erforderlich sei.217 Die Expertise halt weiter fest, dass die unzureichende Reinigung nach der Fertigstellung des Baus eine Asbestbelastung durch den kontaminierten Bauschutt zur Folge hatte und dass sich, durch die unvollstandige Trennung der Bauabschnitte, die Asbestfasern im ganzen Gebaude verteilt haben.218 Die Westberliner Experten hatten, wie Der Spiegel spitz bemerkte, nicht nur die klassischen Alterserscheinungen des Materials, „sondern auch erheblichen sozialistischen Schlendrian“ 219 entdeckt. Wie dramatisch die Asbestsituation effektiv war, bleibt unklar. Die genauen Messwerte sind fur die Offentlichkeit nicht zuganglich.220 Sicher ist, dass die Asbestfasern ein hohes gesundheitliches Risiko bargen, was die Entfernung des Materials erforderte - unabhangig davon, ob das Gebaude danach abgerissen wird oder nicht. Fur den grossen Sanierungsauftrag wurde international nach einem geeigneten Betrieb gesucht. Vergeben wurde die Arbeit schliesslich an die gleichnamige Firma von Rainer Tepasse, jenem Ingenieur, der bereits das Gutachten erstellt hatte.221 Was mit dem Gebaude nach dem Ruckbau geschehen soll, stand zunachst noch offen. „Wenn wir saniert haben“ wurde Tepasse von der Berliner Zeitung zitiert, „kann der Palast originalgetreu wiederhergestellt, umgebaut oder abgerissen werden, das ist eine politische EntscheidungP 222 Ein Wiederaufbau ware, obwohl von der Bundesregierung und dem Senat lange das Gegenteil behauptet wurde, sogar die preiswertere Variante gewesen.223 Die Kosten fur die Asbestsanierung und eine Wiederherstellung der bisherigen Form beziffert Die Zeit 1993 auf zirka 400 Millionen Deutsche Mark, die Sanierung mit Umbau zu einem anderen Nutzungszweck auf 700 Millionen Mark. Ein Totalabriss mit anschliessendemahnlich grossem Neubau wurde hingegen auf mindestens eine Milliarde Mark geschatzt.224

6.1 Der «politische Asbest»

Die gesundheitsgefahrdende Asbestbelastung im Palast war unbestritten. Die diesbezuglichen politischen Entscheide, welche sich durch ein besonders radikales Handeln auszeichneten, erzeugten hingegen den Verdacht, dass die Kontaminierung einen willkommenen Vorwand darstellte, um sich dem Gebaude sozusagen «politisch korrekt» entledigen zu konnen. Angefacht durch die mangelnde Transparenz entstanden Theorien zu einem politisch motivierten Abriss des sozialistischen Vorzeigebaus.[225] Gerade im Vergleich zu anderen asbestverseuchten Gebauden schien von diesem eine besondere Gefahr auszugehen. Von der Schadstoffbelastung in den Raumen des Palastes wusste man seit Beginn der 1980er Jahre, [226] von der gesundheitlichen Gefahrdung bereits seit den Dreissigern.[227] Doch nun, nachdem der Grundstein fur die Vereinigung gelegt war, ging es auf einmal sehr schnell. Wegen medizinischer Bedenken zogen die Volkskammerabgeordneten vom Plenarsaal in das ehemalige Gebaude des SED-Zentralkomitees, was wahrscheinlich noch hohere Asbestwerte aufwies.[228] Kurze Zeit spater wurde bekannt, dass das internationale Kongresszentrum (ICC), welches drei Jahre nach dem Palast auf der westlichen Seite Berlins erbaut wurde, auf dieselbe Art ausgeschaumt wurde. Bei diesem Gebaude wurde hingegen noch nicht einmal der Betrieb unterbrochen, wahrend man den Schadstoff durch andere Materialien ersetzte.[229] „Uberall geht es, nur nicht im Palast, ich weiss nicht warum“, kann der ehemalige Leiter des Jugendtreffs im Palast stellvertretend zitiert werden.[230] Ahnlich urteilt Stimmann und zieht den Vergleich zum Vorschlag die ehemalige «Reichsbank» fur das Innenministerium umzubauen: „Dieser bemerkenswerte Vorschlag, ein NS-Gebaude umzunutzen und ein DDR- Gebaude auslobungskonform abzureissen, wirft ein grelles Licht auf das geistige Klima im Mai 1994.“[231]

Unabhangig davon, ob die Politik den Palast fallen liess, weil er einen Storfaktor fur die Wiedervereinigung darstellte (Flamm), einfach nur aus westdeutscher Ignoranz, die seinen Wert fur den ostlichen Teil der Bevolkerung nicht erkennen wollte (Flierl) oder aus welchen Grunden auch immer ihm die notige Fursprache verweigert wurde: Seine Asbestkontaminierung eroffnete der politischen Elite ein neues Verhandlungsfeld. Dieses „Sachzwang-Argument“ (Holfelder 2008) liess die Diskussion um die Zukunft des Palastes der Republik in den neutraleren, medizinischen Bereich verlagern. „[...] dass der reprasentativste Bau des DDR- Staates schlicht aus gesundheitlichen Grunden nicht mehr genutzt werden durfte, ruckte jede ideologische Tendenz in den Hintergrund“ skizziert es Bernard.232 Er entwickelt diesen Gedanken weiter, in dem er die Frage aufwirft, ob der Begriff «Asbest» in diesem Zusammenhang nicht mehr sei als eine blosse Bezeichnung eines mineralischen Stoffes, sondern auch eine kulturelle Bedeutung beinhalte.[233] Bernard zufolge unterstreicht der Asbestbefund eines Gebaudes auch immer seine „symbolische Giftigkeit".[234] Im Falle des Palastes musste dem Material sogar etwas Damonisches anhaften, denn der radikale Ruckbau auf das Grundgerust, welches weit uber die medizinische Notwendigkeit hinaus ging, kam fur Bernard einem Exorzismus gleich.[235] Doch nicht nur Bernard attestiert dem Material eine politisch- symbolische Funktion. Auch Flierl nimmt an, dass der Palast geschlossen werden musste, weil er nicht nur materiell, sondern auch ideologisch verseucht schien. [236] Weil der Palast noch zu stark und offentlich umkampft war, um ihn einfach abreissen zu konnen (CDU und FDP entschieden sich bereits im Marz 1993 fur den Abriss des Gebaudes)[237], einigte man sich vorerst auf eine umfassende Asbestsanierung. Den damit eingelauteten „langsamen Tod“ des Palastes kritisiert Holfelder als eine „feige“ und „lumpige“ Losung des Problems.[238] Obwohl vor Beginn der Arbeiten ein Wiederaufbau nicht kategorisch ausgeschlossen wurde, war der Entschluss, den Palast bis auf sein Stahlskelett zu entkernen, sein Todesurteil. Nach getaner Arbeit war vom Palast nicht mehr viel ubrig. Die Radikalitat des Ruckbaus nahm dem Bau weitgehend seine Identitat und damit auch seine Erinnerungsfunktion. „Es [das Palastgebaude] war im Laufe der Bauarbeiten nicht nur von Tag zu Tag hasslicher geworden, als seine scharfsten Kritiker jemals behauptet hatten“, schreibt Flamm, “es schien, als sei mit dem Asbest auch jene die Ostdeutschen ungeachtet in ihrer kontraren Schicksale und Nachwendekarrieren einigende Symbolkraft aus ihm herausgekratzt worden, die der Debatte jahrelang ihre Brisanz gegeben hatte“ [239] Der Palast, den Rother bereits 1997 nicht mehr als Gebaude, sondern nur noch als Aggregatzustand beschreibt, war nun „keine MUhe mehr wert“.[240] Das Gebaude oder viel mehr sein technischer Rohbau verschwand zunehmend aus dem Blick der Offentlichkeit.[241]

6.2 Die Funktion des Palastes nach der Sanierung

Ob die Palastgegner in der hohen Politik darauf spekuliert hatten oder ob der Bau einfach nur, wie Flierl vermutet, „Opfer von Ignoranz und der geschmacklerischen Hybris der Machtigen“ geworden ist[242]: der Palast verlor mit seiner Ummantelung auch seine Identifikations- und Symbolkraft. „Kein Saal, kein Foyer, keine Gaststatte, keine Bar. Kein Marmor, kein Parkett, kein Gemalde. Keine Wand, keine Tur, kein Tisch kein Stuhl. Kein Mensch “ beschreibt der Journalist Jauer seine Besichtigung kurz vor dem endgultigen Abriss. Doch bereits da habe es, so Jauer, den Palast nicht mehr gegeben.[243] Was Wilhelm Boddien schon 1998 vorhersagte, ist eingetroffen: Der Bau war nicht mehr das «Haus des Volkes», nicht mehr der Palast der DDR. Er hat seinen Charakter verloren und damit, wie Boddien schlussfolgerte, auch den Sinn einer Erhaltung.[244] Der Asbest, insbesondere der politische Umgang damit, scheint den Palast bereits um seine Denkmalfunktion gebracht zu haben. Fur Flamm steht jedenfalls fest, dass der Palast als Symbol der Wiedervereinigung hatte dienen konnen, ware er nicht durch die schnelle Schliessung um seinen Platz in der kulturell- historischen Erinnerung der deutschen Bevolkerung beraubt worden.[245]

6.2.1 Die Zwischennutzung des Palastes

Dass der Palast nach der Asbestentfernung aus der Offentlichkeit verschwand, ist zu relativieren. Der Bund hatte sich einverstanden erklart, das Gebaude fur gemeinnutzige kulturelle Projekte zu offnen, unter der Bedingung, dass die dazu notwendigen Baumassnahmen selbst getragen werden und die Nutzung befristet ist.[246] Zwischen 2004 und 2006 erfreuten sich zahlreiche Gaste der dargebotenen kunstlerischen Installationen, welche von Theaterauffuhrungen bis zu Schlauchboot- fahrten im gefluteten Erdgeschoss reichten. Schon alleine in der «Langen Nacht der Museen» betraten mehr als 15’000 Besucher die Halle.[247] Die kunstlerische Wiederverwendung der Palastruine war auch eine Art Re-Semantisierung. In dieser Zeit stellte der Palast nicht nur das unerwunschte und baufallige Gebaude dar, welches als Fremdkorper in der Stadt-Mitte wahrgenommen wurde. Sondern er wurde auch zu einem Berlin-spezifischen Ort und zum Synonym fur eine alternative Kultur.[248] Der zu diesem Zwecke gegrundete Verein Zwischenpalastnutzung deklarierte die temporare Offnung des Palastes als Chance:

„ - um bewusst Abschied zu nehmen von einem Gebaude, das wie kein anderes fur die DDR-Gesellschaft von zentraler Bedeutung war und dessen unvermeidbare Asbestsanierung von vielen als symbolischer Akt eines kalten Abrisses angesehen wurde,

- eine kritische und innovativ-experimentelle Auseinandersetzung mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Ortes zu fuhren,

- den Ort zu beleben und das Gebaude fur Initiativen zuganglich zu machen,

- die Nutzungsvorstellung fur die spatere Neubebauung positiv zu beeinflussen und den bisherigen Diskussionshorizont zu erweitern - die Symbolik des Ortes zu nutzen, um innovative und neue Formen stadtischen Lebens ins offentliche Bewusstsein zu heben.“[249]

Obwohl die Zwischennutzung die Auseinandersetzung mit dem Palast als «Haus des Volkes» betont, dominierte die kulturelle Komponente. Die Perspektive ist zukunftsorientiert: Man will Abschied nehmen, um innovative und kreative Inputs fur die Neubebauung des Platzes schaffen. Im Gegensatz zu den klassischen Palastrettern ging es hier - im Bewusstsein um das historische und soziokulturelle Erbe des Gebaudes - primar nicht um die Verteidigung des Palastes als Erinnerung an die DDR sondern, wie Reinbold und Novak anmerken, um das „Potential dieses Ortes“.[250] Obwohl sich auch Mitglieder aus den alten Palastvereinen engagierten, machen die Autoren den bedeutenden Anteil in einer neuen Generation aus, welche die Debatten weitgehend ohne ideologischen Anspruch pragten. Der neue Kampf um die Erhaltung des Palastes wurde von einer jungen Generation ausgefochten, welche gleichwohl aus dem Osten wie auch dem Westen kamen und sich in erster Linie fur die Kunst und Kultur interessierten.[251] Somit kann die Asbestentfernung, trotz reger Nutzung nach Sanierungsabschluss, als Ende des Palastes und damit als Ende des Erinnerungs- und Identifikationsortes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik gelten.

6.3 Zusammenfassung und Thesenformulierung

Obwohl die gesundheitsgefahrdende Asbestbelastung im Palast der Republik als unbestritten galt, hatte die Sanierung den Beigeschmack eines „kalten Abrisses“ (Verein Zwischenpalastnutzung, o.J.). Das Material stand von Beginn an im Zentrum der Palastdebatten. Es wurde einerseits als symbolisch uberhoht und fur politische Zwecke missbraucht befunden, andererseits lieferte es ein wirksames und neutrales, weil medizinisches, Argument. Die unumgangliche Asbestsanierung, welche fur die Meisten aber radikaler ausfiel als notwendig, entzog dem Palast wahrscheinlich bereits zu diesem Zeitpunkt eine allfallige spatere Erinnerungs- funktion. Das Interesse der Offentlichkeit am Gebaude als Palast der Republik aus der DDR (nicht als interessante Halle fur kunstlerische Installationen) verschwand mit dem Ruckbau. Schlussendlich war zu wenig «Palast» an dem Gebaude, der an das Erlebte hatte erinnern konnen.

Aus den Erkenntnissen dieses Kapitels lassen sich folgende Hypothesen ableiten:

H9: Ob durch die Politik inszeniert oder nicht: Die radikale Asbestsanierung hatte den Palast hochstwahrscheinlich vorzeitig um seine Denkmalfunktion gebracht (Anlehnung an Flamm)

H10: Die Funktion als Erinnerungsort hing beim Palast massgeblich mit seinem physischen Erscheinungsbild zusammen. Die Wirkung verlor sich, als das Gebaude nicht als Palast wiedererkannt sondern nur als leere Halle gesehen wurde. Hier war der Verweis auf das Gesamtgebilde von Bedeutung und nicht der topografische Ort (vgl. H4).

7. Der Palast in der Stadtplanung Zwischen Denkmalpflege, Raumgestaltung und Stadtentwicklung

„Im Kanon der Kunste besitzt die Architektur die geringste politische Autonomie; zu alien Zeiten stand sie auch im Dienste der Politik.“

(A.Kuhrmann)[252]

7.1 Die Bedeutung der «historischen Mitte» Berlins

Dem Schlossplatz kommt in der Geschichte Deutschlands, insbesondere Berlins, eine besondere Rolle zu. Die Stadt ist ursprunglich um das Hohenzollernschloss entstanden, welches im Zweiten Weltkrieg stark beschadigt und 1950 von der SED endgultig abgerissen wurde. Anstelle des Schlosses wurde der Palast der Republik gebaut, der seinerseits mit dem Paradeplatz erneut eine besondere Stellung im Ostberliner Stadtbild einnahm.253 Durch die Kriegszerstorungen und die sozialistische Stadtplanung wurde die historische Mitte - besonders vom westlichen Teil Berlins - als eine Geschichte des Verlustes wahrgenommen und der Schlossplatz als „verlorener Platz“ (Binder 2007) empfunden, der ode und trostlos dalag. Die Radikalitat der Moderne scheint die Identitat der Stadt geraubt zuhaben, welche nun neu definiert werden musste.254 „lm wiedervereinigten Berlin nimmt dieser Platz [der Schlossplatz] erneut eine Schlusselrolle ein, verlangt nach einer gesellschaftlichen Antwort auf unser zukunftiges Verstandnis von «Civitas» in dieser Stadt." 255 Wie Klemann deutlich macht, ist es erneut dieser Raum, welchem eine tragende Rolle fur das Selbstverstandnis - nun das der gesamtdeutschen Hauptstadt - zugewiesen wurde. Er ist sozusagen der „Logenplatz deutscher Geschichte“ (Nooke 2006).256

Obwohl nach Strieder „[...] Niemand mit Gewissheit und unwidersprochen behaupten kann wo sich denn nun die Mitte, das Zentrum der Stadt befindet", 257 wird

fur vorliegende Arbeit damit der Raum bezeichnet, der von Senatsverwaltung fur Stadtentwicklung und Umwelt Berlin als historische Mitte definiert wird. Gemeint ist der Bereich um den Alexanderplatz, welcher zwischen der Stadtbahn im Norden und Osten und den WasserstraBen im Suden und Westen (einschliesslich der Museumsinsel) liegt.[258]

Die Gestaltung des Schlossplatzes fiel in erster Linie in den Aufgabenbereich der Stadtplanung. Trotzdem war es nicht moglich, wie mit Binder nachfolgend aufzeigt werden kann, dass alleine eine Expertengruppe uber Form, Funktion und Nutzen entschied. „Das »Problem« des Schlossplatzes gilt im Kern als stadtebauliches Problem und entsprechend formieren die zentralen stadtebaulichen Kategorien und Leitbilder den Rahmen, in dem sich die Diskussion bewegt: Strukturen des Stadtraums, Gestaltung und Verteilung von Baukorpern, Zuweisung von Funktion und Nutzung sind die Begrifflichkeiten, mit denen sich die Vorschlage prasentieren und legitimieren. Doch die Legitimitat von Form und Funktion stellt sich erst durch die ihnen zugewiesene Bedeutung her: durch Interpretationen, die sowohl an Gestaltungsprinzipien als auch an Junktionalen Zuordnungen, an historischen Tradierungen und symbolischen Einordnungen ansetzen konnen. Daran mUssen sich Gestaltung und Funktion messen lassen 259 Die Bedeutung und Legitimierung wird demnach durch die Art und Weise erzeugt, wie der Raum wahrgenommen und gelesen wird. Das kann sich aber erst aus dem Diskurs ergeben, welcher nicht nur Experten, sondern auch die Offentlichkeit mit einschliesst. Das Design der historischen Mitte musste, da war man sich Ende der neunziger Jahre weitgehend einig, die Wahrnehmung der Ost-Berliner vom «eigenen» und die der West-Berliner vom «fremden» Zentrum uberwinden und einen Kompromiss zwischen der Verteidigung des Zentrums als Teil der eigenen und der Schaffung einer neuen, gesamtstadtischen Identitat schaffen.[260]

Im Januar 1996 wurde in der Koalitionsvereinbarung festgemacht, dass: „Berlins historische Mitte durch Erhalt, Pflege und Erganzung in ihrer Bedeutung zu achten und zu bewahren [ist]. Es muss ein Gesamtkonzept entwickelt werden, das sich am historischen Erscheinungsbild orientiert.[261] Dem politischen Auftrag folgten diverse Entwufe und Projekte zum historischen Zentrum sowie die beinahe unendliche Schlossplatzdebatte. Es gab jedoch kein zusammenhangendes stadtebauliches Konzept daruber, was der vor Jahrhunderten festgelegte Stadtkern heute leisten soil.[262] „Nun war die Geschichte 1945 nicht zu Ende“[263] konnte die Herausforderung dieser Jahre mit Bodenschatz zusammengefasst werden. Es reichte nicht aus, die vom Krieg zerstorten Gebaude wieder aufzubauen. Man musste sich in der stadtebaulichen Entwicklung auch mit den Hinterlassenschaften der DRR auseinandersetzen und die moderne in die historische Stadt einbeziehen,[264] ohne sie jedoch nochmals bis zur „Unkenntlichkeit zu uberformen“ (Strieder 1997). Trotz dieser Erkenntnis war es auch zehn Jahre nach dem Mauerfall noch zu fruh, eine weitgehend akzeptierte Losung zu finden. Nicht, dass es an Vorschlagen, Ideen und Projekten gemangelt hatte. „1998 ist die Leere des Ortes [des Schlossplatzes] langst nicht mehr nur Ausdruck einer kUnstlerisch unbewaltigt gebliebenen Staatsaufgabe“, beschreibt Hoidn die Situation, „sondern auch Spiegelbild der Kraftlosigkeit der Politik und Gesellschaft, an dieser Stelle heute etwas dauerhaftes zu entwickeln und zu finanzieren. Gleichzeitig offenbart sich hier das verkrampfte Verhaltnis zwischen Ost und West.[..l\ Die Zeit scheint noch nicht reif fur einen Konsens und schon gar nicht fur beherzte Entscheidungen265, Inmitten des Ringens um Gesicht und Verstandnis der historischen Mitte stand - an uberaus prominenter Stelle - der Palast der Republik, welcher somit unweigerlich Teil der stadtplanerischen Identitats- diskussionen wurde.[266]

Bedeutung und Wert des Palastes, welche hier verhandelt wurden, erschliessen sich auf vier verschieden Ebenen: Aus dem Gebaude selbst, seiner Einbettung in den Schlossplatz, der Funktion, welche dem Schlossplatz zugewiesen wird und darin, was Berlin fur das ganze Land leisten soil. Jede dieser Ebenen wirft fur sich selbst neue Fragestellungen auf, die mit dem Palast direkt oder indirekt in Verbindung stehen. Da sich die Ebenen auch aufeinander beziehen oder sich gar gegenseitig bedingen, sind die Fragestellungen als Verschrankungen der verschiedenen Bereiche zu verstehen. Die Kernfragen, die sich uber diese Ebenen verteilen, konnen in Anlehnung an Schwarz auf folgende drei heruntergebrochen werden:[267]

1. Transportiert der Palast eine Idee, die heute noch von Bedeutung fur die Gestaltung des offentlichen Raums im Zentrum Berlins ist?
2. Bezeugt er in einer Art und Weise Geschichte, so dass er als Denkmal wertvoll ist?
3. Stehen die heutigen Anspruche an diesen Raum (Schlossplatz) mit dem Palast in Konkurrenz?

7.2 Politische Architektur

Die Frage, ob der Palast auch nach dem Ende der DDR noch eine Idee transportiert beziehungsweise transportieren soll, ist schnell beantwortet: Nein. Seit der Wiedervereinigung hat sein Grundungsargument, die Darstellung der gesellschafts- politischen Wunschvorstellung der SED,[268] als Zeugnis der okonomisch erfolgreichen, souveranen DDR,[269] weder Gultigkeit noch Berechtigung. Die dem Palast eingeschriebenen Codes als sozialistischer Reprasentationsbau gelten nach dem Ende der DDR nicht mehr. Aber haben sie auch ihre Wirkung verloren?

Gemass Kuhrmann ist Architektur selten unpolitisch. Schon gar nicht dann, wenn es sich um einen herrschaftlichen Reprasentationsbau handelt.[270] Die Architektur unterstutzt die Regierung darin, ihren Herrschaftsanspruch zu verdeutlichen. Sie gilt als systemstabilisierend und verweist auf die Veranderung gesellschaftlicher Verhaltnisse. Architektur kann Trager politischer Symbolik (Visualisierung der politischen Verhaltnisse beziehungsweise der Macht) sein, aber auch Bestandteil der politischen Kommunikation.[271] In Bezug auf den Palast der Republik interessiert vorwiegend, ob sich die ursprungliche, durch die Architektur festgehaltene Information auch in einem stark veranderten politischem Umfeld erhalten kann. Oder anders formuliert: Kann die politische Information der SED nach dem Zusammenbruch des Regimes durch den Palast auch in der Bundesrepublik fortwirken? Der entscheidende Punkt der architektonischen Symbolik und Formensprache scheint darin zu liegen, wie tief die politische Information im Gebaude verankert ist. Kann bereits die Entfernung der SED-Herrschaftssymbolik den Palast «neutralisieren» und ihn fur eine neue Funktion freigeben, im Sinne von: „Nimmste des Angblem weg und machst 'ne Uhr rein, hast 'nen Bahnhof‘?272 Fur Kuhrmann nicht. Neben den politisch-semantischen Mitteln wie Emblem oder Ehrentribune lasst, so Kuhrmann, auch die Architektur selbst politische Interpretationen zu, die sich zum Beispiel aus der Grosse, der Lage, den Materialien oder dem Baustil ergeben.273 Die Codes verlieren aber mit der Zeit an Eindeutigkeit. „Im Mikrokosmos DDR war die Semantik des Palastes verstandlich, aber im grosseren Rahmen der internationalen Architekturgeschichte verloren sich bestimmte Aussagen, wurden verwassert oder sogar gegenteilig interpretiert.“ 274 Nach Kuhrmann muss also zwischen der Produktion und der Rezeption politischer Bedeutungen unterschieden werden. Der Blick aus der neuen Bundesrepublik loste die Bedeutung aus der DDR weitgehend auf: „Die Form kann nicht nur aus sich heraus ein eindeutiger Trager von Ideen sein, dazu bedarf es der Sprache; mit ihrer Hilfe werden Ideengehalte konstruiert und vermittelt. Bedeutungsschwangere Formen sind somit immer auch gedankliche und verbale Konstrukte. Auch der Palast der Republik wurde durch weitschweifige Assoziationen sowie des Wissens um und das Sprechen uber seine Bestimmung und Funktion - damals wie heute - zum Staatssymbol der DDR‘,275 so Kuhrmann. Wenn der Palast der Republik also die SED-Informationsfunktion behalten haben sollte, dann nur symbolisch und weil sie ihm retrospektiv zugesprochen wurde. Auch Haspel und Schnedler entkoppeln die ursprungliche herrschaftssymbolische Funktion vom heutigen herrschafts- symbolischen Zeugnis: „Hier wird das bauliche Zeugnis fur eine bestimmte Zeit und ihre Herrschaftsform mit deren Herrschaftsanspruch verwechselt. Eine aufgeklarte Gesellschaft sollte zwischen dem Machtsymbol einer Herrschaftsarchitektur und ihrem geschichtlichen Zeugniswert zu unterscheiden wissen“276 Die architektonische Sprache, insbesondere von Herrschaftsbauten wie dem Palast, wurde zwar bewusst politisch aufgeladen, wirkt aber nicht pro aktiv auf eine unmundige Zivilbevolkerung ein. Die Codes konnen zwar im Bau konserviert sein, mussen aber gelesen und verstanden werden. Mit zunehmender Veranderung des soziopolitischen Umfelds nimmt die Deutlichkeit solcher Botschaften ab. Der Palast kann also die Informationen aus seiner Grundungszeit nur bedingt in die Gegenwart transportieren und auch nur unter der Voraussetzung, dass die Gegenwart ihm diese Symbolkraft zugesteht. Dazu muss er aber als Denkmal wahrgenommen werden, welches von einem historisch relevanten Ereignis zeugt. Doch die Denkmalwurdigkeit des Palastes war alles andere als selbstverstandlich.

7.3 Der Palast der Republik in der Denkmalpflege

Der Artikel 2.2 des Denkmalschutzgesetzes von Berlin besagt: „Ein Baudenkmal ist eine bauliche Anlage oder ein Teil einer baulichen Anlage, deren oder dessen Erhaltung wegen der geschichtlichen, kunstlerischen, wissenschaftlichen oder stadtebaulichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt [...]“ 277 Obwohl Kuhrmann aufzeigt, dass der Palast der Republik die Kriterien des Denkmalgesetzes erfullte,278 wurde das Gebaude nicht auf die Liste der Baudenkmaler gesetzt. Der Entscheid daruber, was als Denkmal gilt und was abgerissen wird, hangt in erster Linie davon ab, was als bedeutsames historisches Erbe definiert wird und wer daruber befindet. 279 Die Kategorien der Denkmalpflege werden nach Binder durch die Paradigmen der Geschichtsschreibung definiert.280 Dabei handelt es sich keinesfalls um absolute Werte. Die Kriterien und Sichtweisen verandern sich im Laufe der Zeit. 281 Da die Geschichtsschreibung fur den Palast der Republik noch keine Deutungsmuster bereitgestellt hatte, war die Denkmalpflege nicht in der Lage, ein schnelles Urteil zur Denkmalwurdigkeit des Gebaudes zu fallen. Zudem war in den aufgeheizten Ost-West-Auseinandersetzungen durch den fehlenden zeitlichen und emotionalen Abstand zur DDR sowie die subjektiven Bewertungen des Palastes das gesetzlich geforderte Allgemeininteresse an seinem Erhalt nicht auszumachen. Tatsachlich sprachen sich die Denkmalpfleger tendenziell fur den Erhalt des Palastes aus,[282] vermochten ihn aber nicht unter Denkmalschutz zu stellen.

In der Denkmalpflege gilt die Faustregel, dass ein Bau mindestens 30 Jahre alt sein muss, um als Denkmal zu gelten.[283] Der 1976 fertig gestellte Palast erreichte diese Altersgrenze nicht. Zwar gab es Forderungen, dass die DDR als abgeschlossene Epoche zu betrachten sei, doch wehrten sich zunachst selbst Palast-Befurworter gegen eine verfruhte Denkmaldebatte.[284] Nicht nur das Gebaude selbst war noch zu jung, es fehlte im Allgemeinen an Abstand zu dieser Zeit, ganz zu schweigen von einer historischen Aufarbeitung der DDR und ihrer Architektur.[285] In der Hoffnung, dass bis dahin die Diskussionen vermehrt auf sachlicher anstelle der emotionalen Ebene stattfinden wurde, forderte zum Beispiel Schwarz 1998, dass man erst ein Jahrzehnt verstreichen lassen sollte, bevor das endgultige Schicksal des Palastes verhandelt wird.[286]

Dass der Palast der Republik als wichtiger Zeuge der DDR-Geschichte gelten kann, davon sind Haspel und Schnedler uberzeugt. „Er besitzt [...] als bauliches Zeugnis fur die DDR-Geschichte insgesamt und fur die Ara Honecker insbesondere einen geschichtlichen Zeugniswert, wie ihn kaum ein zweiter zeitgenossischer Bau aufzuweisen hat. Diese Bedeutung vermag das Gebaude durch seine bauliche Gestalt sehr deutlich zu vermitteln.“287 Doch wie muss dieser geschichtliche Zeugniswert des Palastes verstanden werden? In der Literatur lassen sich zwei argumentative Strange extrahieren. Zum einen wird der Zeugniswert darin begrundet, dass das Gebaude die sozialistischen Wesensmerkmale deutlich abzubilden vermag. Andererseits definiert man den Palast als Zeugen eines historischen Zeitraums, welcher als Teil der Deutschen Geschichte akzeptiert werden muss.

Erstere mussen sich vorerst dagegen wehren, dass die architektonische Leistung des Palastes bereits im Vorhinein als banal, ja sogar als hasslich abgetan wird. Er sei eben in einer baulichen Epoche entstanden, die allgemein nicht als eine grosser Meisterwerke bekannt sei, halt zum Beispiel Schnedler dagegen.288 Der Palast konne aber zu den wichtigsten Bauprojekten der DDR gezahlt werden, fur dessen Errichtung ein grosser Aufwand betrieben und teures Material verwendet wurde.289 Fur Haspel und Schnedler kann das Gebaude als „bauliches Zeugnis fur die Zeit der scheinbaren Konsolidierung der DDR gelten“,290 weil es den Graben zwischen den utopischen Zielen und der sozialen Realitat in der DDR dokumentiert.291 Auch Tonesmann attestiert dem Bau einen signifikanten Zeugniswert. So sei der Palast „Inhaltlich und funktional [...] nicht nur Antithese zum Bonner Bundestag, sondern zur burgerlichen Tradition des Parlamentbaus überhaupt.“292 Insbesondere sein Innenleben, der kleinere Sitzungssaal der Volkskammer, welcher in der um einiges grosseren Kongresshalle angesiedelt war, sei einzigartig. Vor allem weil letztere ihrerseits ebenfalls fur Agitationen aller Art genutzt wurde.293 „In westlichen Demokratien undenkbar war nicht nur die eher beilaufige Gewichtung der parlamentarischen Funktion ,“ fahrt Tonnesmann fort, „sondern zugleich der Grad an Offentlichkeit, den der Bau nicht nur behauptete, sondern mit allgemein zuganglichen Foyers und Restaurants sowie seiner politisch programmierten Bildergalerie tatsachlich besass.“ 294 Und gerade dieses «sozialistische Design», welches seine Politik und Propaganda inmitten der Offentlichkeit platziert, mache den Palast der Republik so besonders.295

Der zweite Diskurs fuhrte entlang des Nachdenkens und Zulassens von Gebauden, die aus «dunkleren Phasen der Geschichte» stammen, wie Wagenbach sinngemass zitiert werden kann.296 Haspel und Schnedler machen an dieser Stelle auf zwei wichtige Punkte aufmerksam: Erstens, dass die Denkmalpflege nicht nur die architektonischen Zeugnisse der Diktaturen schutzen soll, die an die Opfer erinnern, sondern eben auch jene, welche die Geschichte der Tater festhalt. Als Zweites geben sie zu bedenken, dass ein solch „anschauliches“ und „lebendiges“ Zeugnis wie der Palast der Republik ein Abrutschen in eine klischeehafte Erinnerung an die DDR zumindest erschweren wurde.[297] Ein weiteres Argument fur den historischen Wert des Palastes liefert Schwarz, das - ohne die Bedeutung des Ortes zu schmalern - auf eine moralische Komponente und Perspektive verzichtet: „Was die noch erkennbare Idee dieser Bauten vermittelt, ist: Hier hat Geschichte stattgefunden, grosse Geschichte, nicht irgend etwas Anekdotisches. Hier hat der Kampf um eine Menschheitsidee, die mehr als ein Jahrhundert massgebend mitbestimmt hat, ein Kampf, der bald ein dreiviertel Jahrhundert verflochten war mit einem Weltkonflikt und der zugleich die Dimension eines deutschen Burgerkrieges hatte, einen bedeutenden Schauplatz gehabt!“298

Dass der Palast der Republik historischen Zeugungswert besitzt, kann kaum geleugnet werden. Allerdings scheint der objektive Wert zu dieser Zeit noch unter dem subjektiven vergraben gewesen zu sein. Vielleicht hatte eine vermehrte Wahrnehmung des Palastes als „Schauplatz der Geschichte" (Schwarz 1998) den Bau davor bewahren konnen, dass seine historische Bewertung inmitten des emotional aufgeladenen Diskurses verhandelt wurde, dessen Hauptinteressen vorerst der Ost-West-Identitat und der nationalen Zukunft galten.

7.3.1 Sanierung und Rekonstruktion

„Wer Baudenkmale nachmacht oder nachgemachte oder verfalschte sich verschafft und in Umlauf bringt, wird mit Gefangnis nicht unter zwei Jahren bestraft‘ lautet die Bildunterschrift zum Foto des Stadtschlosses, welches im Berliner Denkmalamt aufgehangt wurde.[299] Rekonstruktion und Sanierung sind zentrale und viel diskutierte Themen in der Denkmalpflege.[300] Durch die radikale Asbestsanierung wurde auch fur den Palast die Frage aktuell, wie viele wiederherstellende Massnahmen notwendig gewesen waren, um (im Falle eines Wiederaufbaus) Wiedererkennung und Zeugnis zu gewahrleisten. Stellvertretend fur den Diskurs uber die baulichen Massnahmen von stark beschadigten Denkmalern sollen hier lediglich zwei Ansichten dargestellt werden. Die Meinungen zur Restauration von Magirius und Morsch, welche 1998 in demselben Werk (Schloss - Palast - Haus Vaterland) herausgegeben wurden, sollen aufzeigen, dass sich die Denkmalpflege auch in Punkto eines Wiederaufbaus oder zumindest einer Nutzbarmachung des Palastes auf keine gultige Formel verlassen konnte.301 Selbst wenn man sich fur den Denkmalschutz entschieden hatte, ware die Gestalt des Palastes noch lange nicht geklart gewesen.

Fur Morsch ist klar: Rekonstruktion verfalscht und schadet. Die Erfahrungen des 19. Jahrhunderts fuhrten nach Morsch zu einem Begriff des Denkmals, der auch die Endlichkeit und Verletzlichkeit inkludiert.302 Eine Rekonstruktion ist damit nicht notwendig. Im Gegenteil: „Rekonstruktion zerstort. Sie gaukelt Verfugbarkeit vor, wo wir an existentielle Grenzen stossen. Sie lost die Beziehung zwischen Menschen und Denkmal auf, wie sie die Kostbarkeit des Denkmals durch seine scheinbare Wiederholbarkeit denunziert. Sie beraubt das Denkmal seiner geschichtlichen Existenz und Begrundung, die wir immer nur unvollkommen begreifen, und reduziert es auf das fadenscheinige Gewand fur einen Neubau der sich anders nicht zu kleiden weiss. Und meistens steht hinter allem dunne Nostalgie, hohes Pathos, Wahltaktik und Geschichtsklitterung. Deshalb ist Rekonstruktion nicht erlaubt!“[303] Fur Magirius hingegen bedeutet Denkmalpflege nicht nur die Erhaltung des Historischen, sondern auch den Kompromiss der Nutzbarmachung der Objekte.304 Die Rekonstruktion durfe zwar kein Plagiat sein, unter bestimmten Bedingungen sei sie aber erlaubt. „Eine Voraussetzung ist der authentische Denkmalort, die stadtebauliche Einbindung des Objekts, die Rolle, die das Objekt in seinem historischen Zusammenhang gespielt hat. Weiterhin ist es die besonders wertvolle Substanz im materiellen wie immateriellen Sinne. [...] Schliesslich ist in jedem Falle ein Mindestmass an gesellschaftlichem Konsens notig.“305 Insbesondere auf den Dualismus der materiellen und immateriellen Seite des Denkmals, die aber eng miteinander verbunden sind, legt Magirius wert. So gehe es bei der Rekonstruktion nicht um eine perfekte Wiederholung, sondern um das (innere) Verstandnis der Dinge.306

Die Experten der Denkmalpflege hatten sowohl am Palast als auch am Schloss grundlegende professionelle Kontroversen auszufechten. Die verschiedenen Auslegungen von Falschung, Sanierung und Rekonstruktion wurden in der Schlossplatzdebatte wiederholt als Argumente angefuhrt. Da kein abschliessendes Expertenurteil formuliert werden konnte, war auch diese Definition vom offentlichen Diskurs abhangig. Die Frage, ob das zerstorte Gebaude gegebenenfalls saniert oder rekonstruiert werden soll, blieb unbeantwortet.

7.4 Stadt- und Raumplanung

Die Anspruche, die an den Schlossplatz als Raum gestellt wurden, erstreckten sich von der subjektiven Wahrnehmung bis hin zu den okonomischen Funktionen, welche das Zentrum der historischen Mitte fur den deutschen Staat ubernehmen sollte.[307] Die Stadtplanung ihrerseits ist bedingt durch Stadtplanungsprozesse, die von einer bestimmten sozialen Gruppe dominiert werden. Dies sind in der Regel Experten wie Stadtplaner, Architekten, Unternehmer oder Investoren.[308] Der Aufgabenbereich der Stadtplanung beinhaltet sowohl die Berucksichtigung politischer und okonomischer Interessen aber auch der gesellschaftlichen Struktur und Diskurse.

Der Schlossplatz hat nach Binder nicht nur fur Berlin eine herausragende Bedeutung, er dient auch der nationalen Representation. Ob man wirklich soweit gehen will wie Binder, die den Schlossplatz nicht nur als Stadtmitte definiert, sondern zur Staatsmitte erhebt, sei dahingestellt.[309] Ihre These beinhaltet aber die soweit nach- vollziehbare Folgerung, dass, wenn der Schossplatz eine wichtige Bedeutung fur Berlin darstellt und Berlin fur ganz Deutschland, einige nationale Interessen auch am Schlossplatz verhandelt werden mussen. Und diese tangieren auch den sich in diesem Raum befindenden Palast. Drei Aspekte der Stadtplanung sollen Nachfolgend etwas genauer beleuchtet werden: Die Entwicklung der Stadt Berlin nach der Wieder- vereinigung, die Identitatssuche und -stiftung sowie die visuelle Erfahrung des Schlossplatzes.

7.4.1 Stadtentwicklung

Nach 1989/90 wirkten auf die Stadt Berlin starke Entwicklungsdynamiken ein, welche laut Binder in drei Schritte eingeteilt werden konnen: Berlin musste erst zur Metropole, dann zur Hauptstadt und schliesslich zu «einer» Stadt werden.[310] [310]

Der Wesenskem der Metropole, nach Duden definiert als ,Hauptstadt mit weltstadtischem Charakter"" oder „Stadt, die als Zentrum fur etwas gilt",311 liegt fur Binder vorwiegend in ihrer okonomischen Potenz. Die stadtische Okonomie musste daher moglichst rasch an die neuen Rahmenbedingungen angepasst werden. Die vorrangigen Bemuhungen beliefen sich auf die Verbesserung der Infrastruktur, der Verkehrswege, der Kommunikationsnetzwerke und auf das «Herausputzen» Berlins zu einem attraktiven Unternehmensstandort.[312] Dazu gehorte auch die Herstellung von „vermarktbaren Images“ (Binder 2003:53), fur welche nicht selten auf historische Bilder zuruckgegriffen wird.[313] 1991 wurde Berlin von der nominellen Hauptstadt zum Regierungssitz. Auch dieses Ereignis loste eine bauliche und symbolische Veranderung der Stadtlandschaft aus. Hier drangte sich besonders die Frage auf, wie die Hauptstadt die gesamte Nation reprasentieren kann und soll.[314] In diese Phase fielen eine intensive Suche nach einer gemeinsamen Identitat und diese unterstutzenden Bezugspunkte in Stadt und Geschichte.[315] Das «zu einer Stadt werden» forderte die neue Hauptstadt in besonderem Masse heraus, denn Berlin war wohl der Ort in Deutschland, wo nach der Maueroffnung die beiden Systeme am heftigsten aufeinanderprallten. Die Stadt wurde damit zwangslaufig zum Schauplatz der Konflikte, welche rund um das Zusammenwachsen der beiden ehemals getrennten deutschen Teile entstanden sind oder noch entstehen werden.[316]

Die drei angeschnittenen Stadien der Stadt Berlin zur Hauptstadt Deutschlands zeigen, dass mit der progressiven Entwicklung auch immer eine Ruckbesinnung auf die (gesamt)deutsche Identitat einherging, sei es, um ein kollektives Selbstbild zu entfalten oder ein renommiertes Fremdbild zu kreieren. Die Stadt musste, um ihren neuen Aufgaben gerecht zu werden, eine gemeinsame Identitat ausbilden. Diese Identitat glaubte man in der historischen Mitte Berlins zu finden.

7.4.2 Identitatsstiftung

Das Programm «Planwerk Innenstadt» sollte durch die Erschaffung einer koharenten Stadtgestalt diesen „Riss im Stadtkorper“ (Strieder 1997) schliessen. Das Ziel fur das historische Zentrum definierte das Planwerk unter anderem in einem „dialogischen Stadtumbau“: „[...] Ausgangspunkt fur die Interpretation der historischen Stadtstruktur ist die Uberlagerung unterschiedlicher historischer Schichten. Hierzu gehort auch die Geschichte der Kriegszerstorungen und des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit. Keine historische Phase soil verleugnet werden. Monojunktionaler Bestand wird durch die komplexen ortsbezogenen Bestandserganzungen einer ,Modernisierungsschicht’ erweitert, deren Nutzungsprofil sich an den Anforderungen an ein modernes, aber historisch abgeleitetes Zentrum orientiert. Ziele sind dabei einerseits das Wiederanknupfen an die historische Kontinuitat sowie die Annaherung an den historischen Stadtgrundriss, andererseits die Schaffung eines spannungsvollen dialogischen Zusammenhangs zwischen Alt und Neu, der durch Mehrschichtigkeit und Widerspruch, Vielfalt und Mischung gepragt ist." 317 Das Planwerk Innenstadt halt somit fest, dass neben der notwendigen Modernisierung und Anpassung an gegenwartige und zukunftige Anforderungen der Hauptstadt auch deren Geschichte nicht verleugnet werden soil, welche auch die DDR - sogar im historischen Zentrum - mit einschloss. Was auf den ersten Blick vernunftig und versohnlich klingt, kollidierte unweigerlich mit der noch nicht konsolidierten soziopolitischen Verankerung der DDR. „Ein nationaler Ort kann nur der Ort einer Nation sein“ schreibt Wagenbach. „Wir sind aber, aller Vereinigungseuphorie zum Trotz, noch lange keine Nation. Je naher man am Ort der Vereinigung ist, umso genauer lasst sich das erkennen. Und Berlin ist der Vereinigungsort. [...] Ost und West haben immer noch ein unterschiedliches, oft sogar entgegengesetztes Verstandnis, zumindest eine unterschiedliche Kenntnis der deutschen Geschichte. Und das ware doch die Voraussetzung fur die Architektur am Ort eines nationalen Erbes: dass man sich ungefahr einig ist Uber das, was denn ein nationales Erbe ist."318 Wie bereits in den vorangegangen Kapiteln angedeutet, entbrannte hier, trotz der Erkenntnis der Experten uber die Notwendigkeit des Einbezugs der historischen Vergangenheit ins neue Stadtbild Berlins, ein heftiger Streit um die Kontinuitat der Architektur.[319] Den Bauten aus der DDR-Zeit wurde von breiten Kreisen eine historisch-architektonische Tradition aberkannt. Zum einen, weil ihre Lebensdauer nur kurz war, zum anderen, weil die Kriegszerstorung und der schnelle sozialistische Neubau ein ganz anderes Stadtbild hervorbrachten, das irgendwie fremd blieb. Weiter, weil man eine gemeinsame Identitat nicht in einem Gebaude zu finden glaubte, das nur der Halfte der Bevolkerung naher vertraut war und nicht zuletzt, weil man die Bauten aus den Siebzigern generell als unasthetisch ablehnte. Die Bemerkung Alberts, das Zentrum in diesem Zustand zu belassen, sei wie das Ende der DDR und die Wiedervereinigung zu leugnen,[320] verweist auf eine neue Dimension der Identitatssuche. Sie spielt sich nicht nur entlang der Bemessung der DDR ab, sondern knupft bereits viel fruher an. Namlich bereits da, als die Stadt noch intakt war und nicht zu einem Trummerhaufen zerbombt wurde.

7.4.3 Das Schloss als Konkurrenz

Das alte Schloss war fur den Palast der grosste Konkurrent, insbesondere in asthetischer und identitatsstiftender Hinsicht. Obwohl sich die stadtebaulichen Argumentationen in Bezug auf die Asthetik vor allem am Gesamtbild des historischen Zentrums orientierten, war das aussere Erscheinungsbild des Palastes immer wieder Thema.

Der Palast der Republik gilt als typischer Bau der siebziger Jahre. Weder besonders ge- oder misslungen, kann er, nach Haspel und Schnedler, mit vergleichbaren zeitgenossischen Kongressbauten mithalten.[321] Doch gerade diese Asthetik der siebziger Jahre, deren Architektur, so Schnedler, generell arm an gestalterischen Hohepunkten sei,[322] setzte dem Palast schwer zu: ,fias Problem des Palastes ist [...]“, schreibt Rohter, „dass er der internationalen Bauwut der Siebziger durchaus entspricht: er ist bloss durchschnittlich hasslichP[323] Die Hasslichkeit des Palastes ist, so Schwarz, zwar kein intellektuell anspruchsvoll formuliertes, aber ein nicht zu unterschatzendes Argument. [324] Obwohl Morsch bereits 1989 aus Sicht der Denkmalpflege pladierte, dass Denkmaler nicht zwingend «schon» sein mussen, sondern auch ohne asthetische Anspruche seien, ja sogar als «hasslich» empfunden werden konnen, da gerade in dieser Hasslichkeit eine „zeugnishafte Aussage“ solcher Objekte liege,[325] galt der Palast als „Stbrfaktor“ (Kuhrmann 2006) im asthetischen Gefuge des Schlossplatzes.[326] Siedler zum Beispiel verwies in seinem bereits 1991 erschienenen Aufsatz mit dem vielzitierten Titel: „Das Schloss lag nicht in Berlin - Berlin war das Schloss"" auf das architektonische Zusammenspiel der umliegenden Gebaude mit dem ehemaligen Schloss, einem Anspruch, dem der Palast nicht gerecht werden konnte.[327] „Die Frage eines Wiederaufbaus des Stadtschlosses gilt also nicht so sehr diesem Schloss selber als dem klassischen Zentrum Berlins. Auf was werden die „Linden“ zulaufen, wenn der „Palast der Republik“ Uber kurz oder lang entfernt sein wird? Denn der Abriss ist unvermeidlich, nicht allein deshalb, weil er ein tristes Symbol des zerbrochenen Staates ist, weil seine Asbest-Verseuchung die Benutzer gefahrdet und nicht einmal nur, weil seine architektonische Mediokritat alles beschadigt, was in seiner Nahe steht. Zumindest ebenso wichtig ist, dass diese sozialistische Mehrzweckhalle am falschen Ort im falschem Winkel steht und dass ihr Volumen nicht ausreicht, Knobelsdorffs Oper, Nerings Zeughaus, Boumans Universitat und Schinkels Museum aneinander zu binden.""328 Nach Siedler stand der Erhalt des Palastes vorab ausser Diskussion. Es ging einzig und allein um die Frage wie man das „Gesicht der Stadt“ wieder herstellen konnte, „[...] ob man der Gegenwartsarchitektur zutraut, die LUcke zu fUllen, welche die Sprengung des Schlosses im Gesicht der Stadt hinterlassen hat",329 was Siedler, Boddien und Konsorte offensichtlich nicht taten.

Der zweite schlagkraftige Argumentationsstrang fur das Schloss lag in seiner identitatsstiftenden Wirkung. Das Schloss blickte auf lange Jahre deutscher Geschichte zuruck und ist von hoher Bedeutung fur das Stadtbild Berlins. ,Berlin aber war das alte Stadtschloss am Ende der „Linden“, das eigentlich alter ist als die Stadt selber. [...] Das Berliner Schloss hat das alles miterlebt; es war nicht nur genauso alt wie das Geschlecht, das darin residierte, sondern auch wie das alte Brandenburg und das junge Preussen. Es hatte eine ganz andere Bedeutung fur Berlin als die Schlosser Englands, Italiens und Frankreichs fur ihre Hauptstadte. Uberall war die Stadt vor dem Schloss da; in Berlin aber gab es das Schloss, und dann erst kam die Stadt"330 Ulbricht, fahrt Siedler fort, hatte diese Geschichte und seine Bedeutung nicht begriffen oder sich zumindest nicht darum gekummert.[331] Ahnlich wie Siedler stellt auch Klinkott eine Beziehung zwischen dem Berliner Schloss und anderen Europaischen Grossstadten her. Ihm zufolge kommt es im Wesentlichen auf das Erleben des Stadtraumes an, das Empfinden einer direkten Verbindung zwischen Rom, Paris und Berlin. Und gerade die „fehlgelaufene“ (Klinkott 1998) Geschichte Deutschlands benotige diese Verbindung besonders, weil diese Tradition das Land in den europaischen Kontext stelle.[332] Solche historischen oder identitatsstiftenden Argumente fur das Schloss orientieren sich, wie schon mit Alberts angeschnitten, jedoch an einer Zeit, welche nicht nur die DDR, sondern auch die Kriegszerstorung und damit die Erinnerung an das «Dritte Reich» ausschliesst. Der Wunsch nach dem Schloss des alten Berlins mag vielleicht eine angenehmere Art des Erinnerns und der Selbstdefinition gewahren als ein DDR- Reprasentationsbau, birgt aber auch die Versuchung, das Rad der Geschichte visuell zuruckdrehen zu wollen und den Nationalsozialismus, den daraus resultierenden Weltkrieg und schliesslich die Teilung Deutschlands zu negieren.[333]

Dass ein neugebautes Schloss keinen authentischen Zeugniswert besitzt, wird in den Pro-Argumentationen zwar nicht geleugnet, ist in der Regel aber nebensachlich. Offenbar schwacht die «Falschung» die Wirkung nicht ab. Nicht nur in Berlin, in ganz Europa sei die Baugeschichte voller Falsifikate, meint zum Beispiel Siedler, worin er auch nicht weiter ein Problem erkennen will.[334] Naturlich kam es auch im Zusammenhang des Schlossneubaus zu grossen Rekonstruktionsdiskussionen, wie stellvertretend am Beispiel von Magirius und Morsch bereits aufgezeigt wurde. Interessant ist dennoch, dass der Wert eines neu- und nachgebauten preussischen Schlosses, welches seit uber einem halben Jahrhundert nicht mehr existiert, als bedeutend hoher eingestuft wurde als ein zwar ebenfalls zerstorter, aber teilexistenter Zeuge der jungsten deutschen Geschichte. Dem Palast der Republik wurde „[...] „Historizitat“335 im Sinne eines kulturellen Wertes abgesprochen. An seiner Stelle soil das Bild des „einheitlichen“ historischen Zentrums wieder hergestellt werden“[336], meint Siebeck. Die Herstellung der Einheitlichkeit scheint man am Ende eines langen Kampfes um die Gestalt der historischen Mitte am ehesten einem absolutistischen Baustil zuzutrauen. Das nun im Entstehen begriffene Humboldt-Forum, welches die Schlossplatzdebatte fur sich entschieden hat, scheint mit seinen drei, dem Schloss nachempfundenen Aussenfassaden dieser Funktion gerecht zu werden. Nach Barti ist es bereits jetzt, obwohl noch nicht mal gebaut, Symbol der neuen Bundesrepublik.[337]

7.5 Zusammenfassung und Thesenformulierung

Die Gestaltung des Schlossplatzes und das damit verbundene Schicksal des Palastes fielen primar in die Kompetenz einer kleinen professionellen Gruppe. Doch gelang es weder der Denkmalpflege den Palast zumindest so lange zu schutzen, bis sein historischer Zeugniswert mit der erforderlichen Neutralitat geklart werden konnte, noch den anderen Experten, in absehbarer Frist ein von der Bevolkerung akzeptiertes Konzept fur diesen Raum auszuarbeiten. Es fehlte die Grundlage, der Konsens daruber, wie ein legitimer Umgang mit der DDR und ihrer (baulichen) Hinterlassenschaften auszusehen hat. Die Geschichtsschreibung hatte dafur noch keine Deutungsmuster hervorgebracht. Auch sie war von einer aktiven und hochst inhomogenen Offentlichkeit dominiert, welche die DDR zum grossen Teil anhand der eigenen, subjektiven Erfahrungen behandelte. Der Streit um den Umgang mit prominenten Gebauden als „Spiegel der Welt oder einer Epoche“ 338 wurde zu einem gesellschaftlichen Machtkampf um die «richtige» Erinnerung, schreibt Murbe.339 An was erinnert werden will, soll, vor allem aber auch kann und was der Stadt fur die dringend benotigte Erzeugung einer gemeinsamen Identitat am meisten dient, wurde mit dem Vorschlag Boddiens, an Stelle des Palastes das alte Stadtschloss zu errichten, auf eine neue Ebene gehoben. Der Palast bekam damit einen Kontrahenten zur Seite gestellt, welcher an Stelle der NSDAP und SED an „Preussens Gloria" (Barti 2002) erinnert und sich auch optisch leichter in das Zentrum einfugen liess als der sozialistische Bau aus den Siebzigern. Noch bevor der emotionale Abstand gegeben war, um sich mit der vergleichsweise schwereren Kost in Form des Palastes und seines Zeugniswerts auseinanderzusetzen, war er bereits verschwunden.

Aus den Erkenntnissen dieses Kapitels lassen sich folgende Hypothesen ableiten:

H11: Der Palast der Republik wurde nicht als Denkmal geschutzt, weil es nicht gelang, den Expertendiskurs von der emotionalen, offentlichen Debatte zu emanzipieren.

H12: Die Beurteilung des Palastes war nicht nur die reine Bewertung seiner Zeugniskraft, sondern stand in direkter Konkurrenz zu den Moglichkeiten, welche ein neues Schloss bieten konnte.

8. Fazit

Die Ausgangslage war fur den Palast der Republik nach der Wiedervereinigung nicht besonders gunstig. Erbaut als Reprasentationsbau eines repressiven Staates, den es nicht mehr gab, in seiner ursprunglichen Funktion nutzlos, seine architektonische Gestalt nicht sonderlich beliebt und durch Schadstoffe belastet, stand er ausgerechnet an bester Lage auf dem Schlossplatz, welcher insgeheim der Platz des Schlosses blieb. Nichtsdestotrotz wurde uber zwei Jahrzehnte lang um seinen Erhalt gekampft. Die Intensitat der Debatte zeugt von der Heterogenitat der Bedurfnisse, die nach 1990 in diesem Raum kollidierten, den lange erfolglosen Bemuhungen, einen gemeinsamen Nenner entlang zweier Soziokulturen zu definieren. In vorliegender Arbeit wurde nach Faktoren gesucht, welche direkt oder indirekt hatten verhindern konnen, dass der Palast der Republik zum kollektiven Erinnerungsort des wiedervereinigten Deutschlands geworden ist.

Das ausgesteckte Forschungsfeld war uneinheitlich und verzweigt. Es erstreckte sich von den verschiedensten Gruppengedachtnissen uber den Kulturschock bis hin zur Raumplanung. Der Versuch, einzelne Indikatoren daraus zu extrahieren, ist anspruchsvoll und immer noch unvollstandig. Die Komplexitat der Palastdebatte - und damit die Herausforderung fur die Abhandlungen - ergab sich durch die Verflechtung der verschiedensten Faktoren, die diesen Diskurs beeinflussten. Grob konnen sie entlang der Eingliederung vom Palast und der DDR im historischen Verstandnis einerseits, sowie im Stadtraum andererseits angesiedelt werden. Trotz der vertrackten Verflechtung der Interessenfelder, die auf den Palast der Republik und seine hypothetische Funktion als Erinnerungsort einwirkten, wird abschliessend versucht, eine ubergeordnete These zu formulieren. Die Verweise (H1-12) beziehen sich auf die bereits abgeleiteten Zwischenfazits.

8.1 Ergebnisse der Arbeit

Der Palast der Republik hatte theoretisch zum kollektiven Erinnerungsort des wiedervereinigten Deutschland werden konnen, indem er entweder von der Teilungsgeschichte respektive der DDR als Teil der Geschichte gezeugt hatte oder aber von der Wiedervereinigung als der Ort, an dem der Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten beschlossen wurde. Fur beide Optionen deuten die Ergebnisse der untersuchten Themenfelder darauf hin, dass die mangelnde Ausbildung einer gemeinsamen Erinnerungskultur ein signifikantes Hindernis darstellt, dessen Ausgangslage in der fehlenden Gleichberechtigung von Ost und West zu suchen ist.

Ein kollektiver Erinnerungsort fur die DDR setzt zunachst ein kollektives Gedachtnis voraus. Effektiv wurde der Palast der Republik auch nach dem Mauerfall an unterschiedliche Bezugsrahmen geknupft. Der in der BRD ab den funfziger Jahren einsetzende Prozess einer historischen Auseinandersetzung bildete ein neues Geschichtsverstandnis aus, welches die offentliche Verhandlung der eigenen Vergangenheit kultivierte. Die moralische Verpflichtung des Opfergedenkens wiederum verlangt die Entwicklung eines zu Grunde liegenden Verstandnisses davon, was «Recht» und «Unrecht» ist, wie diese Kriterien festgelegt und die Vorkommnisse bewertet werden sollen. Im Falle der Teilung und Wiedervereinigung hatte man es mit einer noch „qualmenden“ (Sabrow 2004) Zeitgeschichte zu tun. Die Formulierung eines weitgehend akzeptierten Geschichtsbildes von der DDR musste die personlich, aber in unterschiedlicher Weise betroffenen Menschen, ihre divergenten Erfahrungs- und Lebensgeschichten sowie die soziokulturell unterschiedlichen Werte und Normen einbeziehen. Wie der Grundtenor der Wiedervereinigung (die im Wesentlichen aus der Ausdehnung des westlichen Systems auf das Gebiet der ehemalige DDR bestand) erfolgte auch die Abhandlung uber die DDR und die Kriterien ihrer Beurteilung vorerst aus westlicher Perspektive. Die Bewertung lief weitgehend auf die Aburteilung der Deutschen Demokratischen Republik als Unrechtsstaat hinaus. Errungenschaften wurden kaum anerkannt und noch weniger ubernommen. Obwohl spater - auch offiziell - Bestrebungen fur einen differenzierteren Umgang mit der DDR zu verzeichnen sind, spielte der Palast in den vom Westen dominierten Verhandlungen eine zu unbedeutende Rolle, um rechtzeitig als Denkmal geschutzt zu werden (H5). Wie in Kapitel 3.3 dargestellt, ist nach Nora an einen Erinnerungsort die Auffassung des individuellen oder (in diesem Falle) kollektiven Gedachtnisses geknupft, dass dieser Ort von einem bedeutenden Ereignis zeugt. Offensichtlich verfugte der Palast uber ungenugend Bindungskraft, die seine Prasenz in dieser Dimension, Form und an dieser Stelle gerechtfertigt hatte. Selbst die, durch das neue Opferverstandnis geforderte Behandlung der DDR als Diktatur, entzog dem Palast als Reprasentant der SED-Herrschaft eher eine Existenzberechtigung als ihn zu schutzen (H1a). Naturlich konnte der Bau schlecht als «Traumatischer Erinnerungsort» im Sinne Assmanns gelten, vielleicht aber nachtraglich und symbolisch fur den verpassten, aktiven Widerstand geschleift werden. Dieser Betrachtungsweise stand ein Erfahrungskollektiv gegenuber, welches in einer personlichen, in der Regel positiven, Beziehung zum Palast stand. Diese Beziehung konnte durch die privaten Erinnerungen an eigene Besuche oder durch den kollektiven Bezugsraum entstanden sein, zu dem der Palast im Laufe der Schlossplatzdebatte wurde. In diesem Gedachtnis war das Gebaude aber primar als Ort kultureller Veranstaltungen verankert (fur die er laut Kurmann auch zu 97 Prozent genutzt wurde),[340] was einer pauschalen Verdammung der DDR entgegensprach (H1b). Die Verflechtung der einzelnen Personen mit dem System ist uber den Palast der Republik hinaus fur die gesamte DDR charakteristisch. Die Demaskierung als Diktatur, welche zuweilen mit dem Hitlerregime gleichgesetzt wurde, stand in einem scharfen Kontrast zu einigen der subjektiven Erfahrungen. Die Menschen bewegten sich in einer breiten Streuung zwischen Unterstutzung und Bekampfung der Staatsgewalt und den verschiedenen Moglichkeiten, mit ihr zu leben. Die Retrospektive auf das eigene Empfinden und Verhalten zu dieser Zeit kann durch den neuen Kontext zu bewussten oder unbewussten nachtraglichen Korrekturen oder Neuinterpretationen fuhren. Dieser Hybridcharakter zwischen dem repressiven Staatssystem, das Todesopfer forderte und dem Alltag, der auch Erinnerungen vom Typus «es war ja nicht alles schlecht» zulasst, verzogert die Zeichnung eines deutungssicheren Bildes von der DDR und damit auch vom Palast der Republik (H6). Die Konsequenz ist die Koexistenz verschiedener, teilweise entgegengesetzter Erinnerungskulturen, die sich kaum zu einem kollektiven Gedachtnis bundeln lassen (H2). Die Erarbeitung einer gemeinsamen, gesamtdeutschen Erinnerungskultur kann daher nur pro aktiv uber eine kritisch-analytische Auseinandersetzung erfolgen, welche die historisch bedingten Unterschiede der Erfahrungswelten und sozialen Bezugsrahmen einbezieht (H3).

Die zweite hypothetische Annahme, dass der Palast zum Erinnerungsort der Wiedervereinigung hatte werden konnen, setzt an einem anderen Punkt an. Im Zentrum steht hier nicht die Teilungsgeschichte, sondern ihre Uberwindung. Auch wenn damit das kollektive Gedachtnis an eine gemeinsame Ausgangslage gekoppelt worden ware, hatten die historischen Determinanten weitergewirkt. Aus dem Verstandnis des Zusammenschlusses in Form einer Einverleibung der DDR in die BRD wurden umfangliche Anpassungsleistungen der Ostdeutschen an die westliche Lebensweise gefordert. Daraus resultierte ein sogenannter Kulturschock, welcher zu einer ablehnenden Haltung gegenuber dem westlichen Wertesystem und einer Besinnung auf die neu entdeckte ostdeutsche Identitat fuhrte. Ahnliches lasst sich auch im «Mikrokosmos» der Palastdebatte beobachten. Nach Flamm ist das Festhalten an der Ostberliner «Aussteuer» als Verteidigung der eigenen Lebenserfahrungen gegenuber der pauschalen Verurteilung durch den Westen zu verstehen. Auch hier wurde um die Auslegungshoheit der jungsten Vergangenheit und die «richtige Erinnerung» gerungen, worin Flamm gar einen „rhetorischen Schattenboxkampf“ des Kalten Krieges erkennen will.[341] Andererseits, so stellte Binder fest, formierte sich am mittlerweile symbolisch uberformten Palast eine ostdeutsche Gruppenidentitat. Der Widerstand gegen den drohenden Abriss kann demnach auch als Emanzipationsbestrebung verstanden werden und als Einforderung eines in der Offentlichkeit verankerten Zugestandnisses an die historisch bedingten soziokulturellen Eigenheiten. Das Festhalten am Palast wurde aber als Ausdruck ostlicher Dissidenz gewertet, was das Zusammenwachsen der beiden Bevolkerungsteile eher bedrohte anstatt zu unterstutzen (H8). Der Palast der Republik ware wohl schon deshalb kein besonders glucklicher Erinnerungsort fur die Wiedervereinigung gewesen.

Die Asbestsanierung des Palastes verlief parallel zur Kontroverse, spielte dennoch direkt in sie hinein. In einem Satz zusammengefasst lieferte sie a) die medizinische Notwendigkeit fur b) die politische Moglichkeit, c) eine potentielle Erinnerungs- funktion des Palastes zu umgehen. Die Erinnerungswirkung war bereits mit dem Ruckbau verloren - noch bevor eine endgultige Entscheidung uber die Zukunft des Gebaudes vorlag (H9). Theoretisch bestand die Moglichkeit, den Palast nach der notwendigen Sanierung zu rekonstruieren. Dies ware, hatte hier ein Erinnerungsort entstehen sollen, auch notwendig gewesen. Das Interesse am Gebaude verlor sich namlich mit dem Verschwinden der gewohnten Gestalt. Dies zeigt einerseits, dass hier der reine Verweis auf einen topografischen Ort nicht ausreichte (H10). Andererseits, dass der Palast wahrscheinlich ein ganz bestimmtes, visuell vordefiniertes Erinnerungsbild evozieren sollte. Ein solches Bild ware aber primar nur fur eine Minderheit der deutschen Bevolkerung - diejenigen, die den Palast von eigenen Besuchen kannten - von Bedeutung. Fur einen kollektiven Erinnerungsort hatte er jedoch auch fur jene Personen erfahrbar sein mussen, denen er nicht noch aus der DDR bekannt war (H4). In welcher Form sich der Palast nach einem allfalligen Wiederaufbau prasentieren sollte, wurde nie geklart. Der Palast stand zudem nicht irgendwo in Deutschland, sondern inmitten der neuen Hauptstadt, am „vornehmsten Platz Deutschlands“ (Parzinger 2011). In der sogenannten historischen Mitte von Berlin uberlagerten sich die verschiedensten Interessensfelder (Vgl. Abb.1). Obwohl die Anforderungen an diesen Raum von unterschiedlichen Akteuren gestellt wurden, hingen die Beurteilungen und Bedurfnisformulierungen auch zusammen oder ergaben sich als Konsequenz aus der Positionierung anderer Bereiche. Dies kann zum Beispiel am Expertendiskurs der Denkmalpflege beobachtet werden: Aus professioneller Sicht votierten die Pfleger fur den Denkmalschutz des Baus. Effektiv wurden sie aber vom ausbleibenden Deutungsmuster der Geschichtsschreibung respektive den konfusen offentlichen Erhaltungsinteressen blockiert. Obwohl die Stadtplanung in erster Linie in einem anderen Bereich anzusiedeln ist und sich um Belange kummert, welche zum Beispiel wirtschaftlicher oder infrastruktureller Natur sind, waren auch diese Experten vom Ausgang und der Legitimationsgebung des offentlichen Disputs um Gestalt und Identitat, Zukunft und Vergangenheit abhangig (H11). Da die Bewertung inmitten eines hitzigen Kampfes um den Schlossplatz erfolgte, ging es nicht nur darum, welchen (schutzenswerten) Zeugniswert das Gebaude besitzt, sondern auch um die Grundsatzfrage, ob man dem DDR-Gebaude diesen prominenten Platz uberlassen will oder ob man sich nicht doch zu sehr nach dem Stadtschloss zurucksehnte, welches auch das Berlin, was vor dem «Dritten Reich» und seinen Folgen bestand, zu verkorpern vermochte (H12).

Mit dem Schloss-Humboldtforum wurde am Ende eine Losung gefunden, welche visuell nicht mehr an den Palast der Republik erinnert. Seine Vergangenheit gehort aber nun zur Geschichte des neuen Schlosses und wird weitererzahlt. Vielleicht kann er da als eine Art «Genius Loci» erfahrbar sein. Dann allerdings eher als Erinnerung und nicht als Erinnerungsort.

Warum der Palast nicht zum kollektiven Erinnerungsort fur das wiedervereinigte Deutschland wurde hangt von verschiedenen Faktoren ab. Die Ergebnisse vorliegender Arbeit weisen darauf hin, dass die Unvereinbarkeit der kollektiven Gedachtnisse «Ost» und «West» eine wichtige Determinante fur das Zusammenwachsen der deutschen Bevolkerung darstellten. Die soziokulturellen Unterschiede waren im Wesentlichen durch die Teilungsgeschichte historisch bedingt und 1990 bereits vorhanden. Zum Teil wurden sie aber auch durch die Vereinigungsprobleme geformt oder verstarkt und erhielten einen abgrenzenden Charakter. Denn die teilweise auch Jahre nach dem Mauerfall noch sichtbaren Ungleichheiten zwischen Ost- und Westdeutschland liessen sich nun, wo es sich nicht mehr um zwei verschiedene Staaten handelte, wesentlich schlechter rechtfertigen, meint Pietsch.342 Somit hat sich wahrend der Zeit, als die Zukunft des Palastes verhandelt wurde, kein ausreichend konsolidiertes kollektives Gedachtnis fur die DDR ausgebildet. Die Wahrnehmung und Bewertung des Gebaudes blieb vorwiegend an die bestehenden Gedachtnisse gekoppelt. Damit behielt der Palast der Republik hauptsachlich fur den ostlichen Teil seinen Wert, nicht aber fur die gesamtdeutsche Bevolkerung.

8.2 Schlussbetrachtungen zu Arbeit

Die hauptsachliche Herausforderung bestand darin, aus der breiten Auswahl wissenschaftlicher Beitrage die wesentlichen herauszufiltern und einen direkten Bezug zum Palast der Republik herzustellen. Dazu gehorte auch, sich in weniger bekanntes Terrain vorzuwagen. Gerade bei grossen Thematiken, wie zum Beispiel der Gedachtnisforschung, war es nicht leicht, sich einen Uberblick zu verschaffen und die relevanten Theorien zu erschliessen. Die gewahlte Forschungsfrage ermoglichte es aber auch, sich in einem Bereich der Geschichtswissenschaften zu bewegen, den man vielleicht als «Blick hinter die Kulisse» umschreiben konnte. Er beinhaltete nicht nur die Aufbereitung eines historischen Sachverhaltes, sondern auch den Umgang mit der Geschichte; der Geschichte hinter der Geschichte sozusagen. Eine Arbeit von diesem Umfang verlangt eine grundliche Einarbeitung in das Thema aber auch eine grosszugige Aussortierung dessen, was tatsachlich verwendet werden soil. Mit etwas «Mut zur Lucke» wurde das Risiko eingegangen, einzelne Aspekte auszulassen. Wichtiger war es, dass die behandelten Kapitel eine Einheit darstellen und die Arbeit in sich geschlossen ist. Da die einzelnen Hypothesen bereits in den Abhandlungen herausgearbeitet wurden, begnugte ich mich mit einem kurzen Fazit. Dies setzt jedoch voraus, dass die Leserin, der Leser den Argumentationen im Fliesstext folgt und die Thesen darin erkennt, wenn sie auch nicht explizit als solche ausgewiesen sind. Die Zusammenfassungen und Ableitungen nach den Kapiteln im Hauptteil sind primar als Rekapitulation gedacht und hilfreich, um den Uberblick zu bewahren. Die Arbeit war ursprunglich konzipiert, um aufzuzeigen, dass ein Gedachtnisort wie der Palast der Republik auf verschiedensten Ebenen zu erortern ist. Dass die Ergebnisse der Untersuchungen immer wieder auf dieselbe Grundproblematik hinausliefen, fuhrte zeitweise zu Verunsicherungen, stellt aber das zentrale Ergebnis dieser Arbeit dar. Es sollte nicht nur die Geschichte des Palastes erzahlt, sondern auch darauf verwiesen werden, wie anspruchsvoll und kompliziert die Herausbildung eines national- historischen Selbstverstandnisses sein kann und wie direkt es sich auf den Alltag auswirkt. In einem nachsten Schritt konnte man hier anknupfen. Von der These ausgehend, dass der Erhalt des Palastes am mangelnden kollektiven Gedachtnis scheiterte, welches in einem Zusammenhang mit dem Identitatsverstandnis steht, konnte man zum Beispiel untersuchen, was das wieder aufgebaute Schloss in dieser Hinsicht zu leisten vermag.

9. Anhang

9.1 Referenzen

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Internetseiten:

Bundesstiftung Aufarbeitung: www.bundesstiftung-aufarbeitung.de (Stand: 19.07.2013)

Schloss-Humboltforum: http://sbs-humboldtforum.de/Berliner-Schloss (Stand: 07.06.2013)

Verein ZwischenPalastNutzung: http://www.zwischenpalastnutzung.de (Stand: 23.4.2013).

9.2 Fotografien und Filme online

Unter folgenden Internetlinks finden sich eine Auswahl an Bildstrecken und Filmmaterial zum Palast der Republik.[339]

9.2.1 Fotogalerien

Berlin.de: u.a. Bau des Palastes, Aussenansichten (Dimension) http://www.berlin.de/geschichte/historische- bilder/suche/index.php?popup&place=Palast+der+Republik&page=1

Deutsches Historisches Museum: v.a. Innenansichten, insbesondere kunstlerischer Schmuck, aktuelle Webcam des Schlossplatzes http://www.dhm.de/ausstellungen/pdr/info.htm

Der Spiegel: v.a. Innenansichten, Einrichtung, Mobiliar und technische Ausrustung http://www.spiegel.de/fotostrecke/photo-gallery-the-twilight-of-the-palace-fotostrecke-59408-8.html

Der Spiegel: v.a. zum Stadtschloss http://einestages.spiegel.de/static/entry/wie_ich_lernte_das_stadtschloss_zu_lieben/3452/berliner_sc hloss_attrappe.html?o=position-ASCENDING&s=0&r=48&a=701 &of=2&c= 1

Frankfurter Allgemeine: v.a. Demonstration gegen den Abriss und Zwischennutzung http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/berlin-endgueltig-palast-der-republik-wird-abgerissen- 1307773.html

TipBerlin: Letzte Ruinen http://www.tip-berlin.de/kultur-und-freizeit-stadtleben-und-leute/palast-der-republik-berlin-fast- abgebaut/galleries

Zwischenpalastnutzung: Die Raume nach der Entkernung http://www.zwischenpalastnutzung.de/ (Spaziergang)

9.2.2 Filme

Ansprache von Erich Honecker (02.11.1973), Baubeginn, Grundsteinlegung http://www.youtube.com/watch?v=BrO7viPUoDU

„Palast der Republik - Haus des Volkes“ (1976): v.a. Bau des Palastes, Propaganda und Hochpreisung der Arbeitskrafte http://www.youtube.com/watch?v=nRQ-biMYREc

PdR- Willkommen im Palast. Ein Dokumentarfilm von Alexander Borath in vier Teilen: Dokumentation mit Originalaufnahmen http://www.youtube.com/watch?v=q_xSPe6t898&feature=related (Teil 1) http://www.youtube.com/watch?v=qqUb552f528 (Teil 2) http://www.youtube.com/watch?v=z0dpFmRASk0 (Teil 3) http://www.youtube.com/watch?v=V-XAsSyGkj8 (Teil 4)

[...]


[1] Zum Beispiel in seinem Vortrag am «Panel History and Memory» vom 28.-29. November 2011 an der Freien Universitat Berlin [eigene Notizen].

[2] PIETZSCH (2010): Erinnerungsdiskurse, online.

[3] Ebd.

[4] Lessen (1998): Vorwort, S.8, Z.1ff.

[5] Senatsverwaltung fur Stadtentwicklung und Umwelt Berlin (o. J.): 500 Jahre gebaute Geschichte, online; Ders.: Ein Bau fur Konige, online.

[6] Ders.: Representation der Macht, online.

[7] Ders: Ort fruherer parlamentarischer Tradition, online.

[8] Ebd.

[9] Maizere (1998): Politscher Ort, S.128.

[10] Senatsverwaltung fur Stadtentwicklung und Umwelt Berlin (o. J.): Schloss im Abseits, online.

[11] KAERNBACH (2010): Die Sprengung, online.

[12] Ebd.

[13] Deutscher Bundestag: Palast der Republik, online.

[14] Ebd.; Wefing (2009): Der Palast der Republik, S.134.

[15] Deutscher Bundestag: Palast der Republik, online.

[16] Wefing (2009): Der Palast der Republik, S.134; 137.

[17] Neill (1997): Memory, S.184.

[18] Ebd.; Wefing (2009): Der Palast der Republik, S.137.

[19] Flamm (2005): Der Palast der Republik, S.403, Z.31ff.

[20] Wefing (2009): Der Palast der Republik, S.137.

[21] Holfelder (2008): Palast der Republik, S.76f., Sp.2.

[22] Ebd., S.77, Sp.1.

[23] Ebd., Sp.2.

[24] Flamm (2005): Der Palast der Republik, S.403.

[25] Hennet (2007): Schlossplatzdebatte, S.54, Z.lff.

[26] Boddien (2007): Stadtschloss, online.

[27] Reinbold/ Novak (2007): Leidenschaftliche Kampfer, S.69.

[28] Ebd.; Siedler (1991): Berlin war das Schloss, online.

[29] Siedler (1991): Berlin war das Schloss, online.

[30] Flamm (2005): Der Palast der Republik, S.407, Z.16.

[31] Reinbold/ Novak (2007): Leidenschaftliche Kampfer, S.72.

[32] Ebd., S.78.

[33] Verein Zwischenpalastnutzung, online.

[34] Berlin.de: Palast der Republik, online.

[35] Rettig (2011): Humboldtforum, S.5, Sp.1.

[36] Schloss-Humboldtforum, online

[37] Rettig (2011): Humboldtforum, S.6, Sp.1

[38] Ebd., S.5, Sp.2.; Schloss-Humboldtforum, online.

[39] Rettig (2011) Humboldtforum, S.3, Sp.1, Z.9ff.

[40] Barti (2007): Geschenk, S.294, Z.29ff.

[41] Nora (1991): Geschichte und Gedachtnis, S.19, Z.30ff.

[42] Assmann J. (1988): Kollektives Gedachtnis, S.9.; Francois (2009): Erinnerungsorte, S.23.

[43] Uhl (2009): Kultur, S.42, Z.7ff. Diese Entwicklung beschrankt sich naturlich nicht ausschliesslich auf die deutsche Erinnerungskultur.

[45] Francois (2009): Erinnerungsorte, S.25.

[45] Ebd., S.24. Francois verweist hier als Beispiel auf die volkerrechtliche Bestimmung der Unverjahrbarkeit bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Nurnberger Prozesse) [Ebd. S.25].

[46] Sabrow (2009): Die DDR erinnern, S.22.

[47] Wolle (1998): Diktatur, S.18, Z.3ff.

[48] Erll (2005): Kollektives Gedachtnis, S.7.

[49] Holscher (1999): Erinnern und Vergessen, S.117

[50] Ebd., Z.18f.

[51] Diese Thematik ist nicht neu, bereits NIETZSCHE forderte einen naturlicheren Umgang in Bezug auf das Vergessen [vgl. Nietzsche, Friedrich (1937): Vom Nutzen und Nachteil der Historie fur das Leben. Leipzig: Insel-Verlag].

[52] Holscher (1999): Erinnern und Vergessen, S.114.

[53] Francois (2009): Erinnerungsorte, S.25f.

[54] Pietzsch (2010): Erinnerungsdiskurse, online; ahnlich auch Lenz (2009): Gedenkorte, S.199.

[55] Assmann A. (o.J.): Gedachtnis, online S.1f.

[56] Ebd.

[57] Halbwachs (1985): Das Gedachtnis, S.200ff.

[58] Ebd., S.368ff. Jan und ALEIDA Assmann sprechen daher auch vom kommunikativen Gedachtnis.

[59] Nora (1990): Geschichte und Gedachtnis, S.12f.

[60] EBD., S.13, Z.2ff.

[61] Um von der nachfolgenden Differenzierung Assmanns zu unterscheiden, wird hier der Begriff «Gedachtnisort» verwendet.

[62] Nora (1990): Geschichte und Gedachtnis, S.17, Z.19f.

[63] Ebd. Dies kann auf verschiedene Arten erfolgen, wie zum Beispiel durch Archive oder Nachrufe, Feste oder Vertrage [Ebd.].

[64] Die hier zitierten Texte wurden von Jan Assmann verfasst. Seine Frau Aleida Assmann war ebenfalls an der Entwicklung der Theorien zum kulturellen Gedachtnis beteiligt. Da sich aber Umfang und Relevanz der jeweiligen Mitwirkung bei den Arbeiten ihrer Partner nicht bestimmen lassen, wird jeweils nur der publizierende Autor genannt.

[65] Assmann J. (1988): Kollektives Gedachtnis, S.10.

[66] Ebd, S.11

[67] Ebd, S.12.

[68] Ebd, Z.15ff.

[69] Assmann glaubt er tue dies, weil er den Verlust des Bezuges zu den Gruppen und der Gegenwart befurchtet [Assmann J. (1988): Kollektives Gedachtnis, S.11].

[70] Ebd.

[71] Ebd., S.12.

[72] Assmann A. (1999): Erinnerungsraume, S.133f.

[73] Assmann A. (O. J.): Gedachtnis, online, S.1.

[74] Ebd.

[75] EBD., S.6.

[76] Welzer (2001): Das soziale Gedachtnis, S.16ff.

[77] Zum Beispiel transportieren Bilder aus alten Zeitschriften unbewusst Informationen uber die damalige Mode [Ebd.].

[78] Assmann A. (O. J.): Gedachtnis, online, S.2.

[79] Ebd., S.3.

[80] Ebd., S.3ff.

[81] Erll (2005): Kollektives Gedachtnis, S.5f., Z.42ff.

[82] Ebd., S.102.

[83] SABROW (2009): Die DDR erinnern, S.18.

[84] SABROW (2009) unterscheidet zwischen verschiedenen Gedachtnissen (vgl. Kap. 4.2.2). Eine weitere Differenzierung von Erinnerungstypen liefert Neubert. Vgl. Fussnote Nr.146.

[85] Erll (2005): Kollektives Gedachtnis, S.6.

[86] Weber (2011): Erinnerungsort, online.

[87] Von der wissenschaftlichen Suche nach einer geeigneten Definition zeugt z.B. die erst kurzlich abgehaltene Tagung zum Thema: Was ist ein Erinnerungsort und wie entsteht er? (Bochum, Dezember 2012).

[88] Weber (2011): Erinnerungsort, online.

[89] Im sinne des Herstellens einer Verbindung von der Gegenwart zur Vergangenheit.

[90] Assmann A. (1999): Erinnerungsraume, S.337f., Z.37ff.

[91] Ebd., S.337

[92] Ebd., S.309.

[93] Die Begriffe „lieux“ und „millieux de memoire“ sind im Original kursiv hervorgehoben.

[94] Nora (1990): Geschichte und Gedachtnis, S.11, Z.17f.

[95] Assmann A. (1999): Erinnerungsraume, S.309.

[96] Ebd., S.317. Eine neue Leseart ergibt sich auch, wenn z.B. durch Zusammenbruch eines Regimes offizielle Botschaften verstummen [Vgl. Ebd., S.337]. In diesem Stadium spricht A. Assmann allerdings vom archaologischen Schauplatz und nicht mehr vom Gedachtnisort [Ebd.].

[97] Ebd., S.331; 337.

[98] Sabrow (2009): Die DDR erinnern, S.23, Z.9ff.

[99] Klei (2011): Der erinnerte Ort, S.45

[100] Assmann A. (1999): Erinnerungsraume, S.333.

[101] Vgl. Ebd.

[102] Assmann verweist auf Goethes Wahlverwandtschaften, in welchem die Protagonistin Charlotte einen Friedhof neu ordnet. Die Versetzung der Grabsteine wird als „damnatio memoriae “ empfunden, weil die Steine zwar festhalten wer hier begraben liegt, aber nicht wo. Auf dieses «wo» komme es aber schlussendlich an [Ebd., S.324f.].

[103] Francois (2009): Erinnerungsorte, S.23.

[104] Heinrich (2002): Kollektive Erinnerungen, S.13, Z.l.

[105] Schauble (1998): Geschichte, S.145, Z.10f.

[106] Vgl. WOLLE (1998).

[107] Gauck (2006): Erinnerung, S.196, Z.21.

[108] Kirsch (2005): „Befreiung“ und/oder „Niederlage“, S.67. Kirsch sieht darin aber auch die Gefahr, dass die Vergangenheit zur „produktiven Ressource“ wird und der geforderten (gesellschafts-) kritischen Betrachtungsweise nicht mehr gerecht werden kann [Ebd.].

[109] Reichel (2001): Erinnern, S.203.

[110] Ebd., S.204f. ^Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss“ (1978), vierteiliger amerikanischer Fernsehfilm von Marvin J. Chomsky.

[111] Wurl (2001): Geschichtspolitik, S.1115.

[112] Assmann, Aleida/ Frevert, UTE (1999): Geschichtsvergessenheit- Geschichtsversessenheit. Vom Umgang mit deutschen Vergangenheiten nach 1945, Stuttgart: Deutsche V erlags-Anstalt, S.11. Zit. nach: WURL (2001): Geschichtspolitik, S.1115, Z.1ff.

[113] Wurl (2001): Geschichtspolitik, S.1115.

[114] Pietzsch (2010): Erinnerungsdiskurse, online.

[115] Thamer (2006): Erinnerung, S.51f., Z.20ff.

[116] Wolfrum (2008): Erinnerungskultur, online.

[117] Thamer (2006): Erinnerung, S.54f.; WURL (2001): Geschichtspolitik, S.1120.

[118] Gauck (2006): Erinnerung, S.194, Z.18f.

[119] WURL (2001): Geschichtspolitik, S.1120.

[120] Thamer (2006): Erinnerung, S.55.

[121] Gauck (2006): Erinnerung, S.194.

[122] Ebd., S.197.

[123] Ebd., Z.5ff.

[124] Ebd., S.192.

[125] Ebd., S.193.

[126] Wurl (2001): Geschichtspolitik, S.1121, Z.8ff.

[127] Muhlberg (2003): Erinnerung, online; PIETZSCH (2010): Erinnerungsdiskurse, online.

[128] „Gedenkt ihrer mit Nachsicht? Die DDR in der deutschen Erinnerungskultur.“ Podiumsdiskussion vom 25. April 2007.

[129] SPOHR (2007): Podiumsdiskussion, online.

[130] Gauck (2006): Erinnerung, S.196, Z.28ff.

[131] Ebd., S.192.

[132] Rudnick (2001): Erinnerung, S.103ff.

[133] Ebd., S.103.

[134] Wurl (2001): Geschichtspolitik, S.1121.

[135] Fur die Enquetekommissionen: Vgl. FAULENBACH (1999): Doppelte Vergangenheit und Maser (2006): Aufarbeitung.

[136] Gauck (2006): Erinnerung, S.192.

[137] Wurl (2001): Geschichtspolitik, S.1119, Z. 14f.

[138] Rudnick (2001): Erinnerung, S.104.

[139] Ebd.

[140] Bundesstiftung Aufarbeitung, online.

[141] SCHERSTJANOI (2007): Erinnerung, online.

[142] Rudnick (2001): Erinnerung, S.105, Z.6ff. Dies gilt auch fur den Umgang mit dem Nationalsozialismus.

[143] WURL (2001): Geschichtspolitik, S.1121, Z.32ff.

[144] Sabrow (2009) DDR erinnern, S.18.

[145] Sabrow (2009) DDR erinnern, S.16f. Auch Neubert (2006) unterscheidet zwischen Erinnerungstypen. Die Erinnerungstypen-Ost: Die Lebenslanglichen konnen sich nicht losen, Privates und Politisches sind eng verknupft. Sie wollen die DDR nicht zuruck, trauern aber dennoch um sie. Sie konstruieren eine erinnerte DDR-Identitat, die es so nicht gegeben hat. Die Gezeichneten konnen die neue Freiheit nicht als Chance wahrnehmen, die Vergangenheit uberschattet die Zukunft. Die Wendigen passen sich der Situation an und fugen die Bausteine neu zusammen. Sie machen den Grossteil aus. Die Wachter wachen uber die richtige Leseart der kommunistischen Geschichte. Die Erinnerungstypen-West: Die Belastigten haben nach der Euphorie der Wiedervereinigung den ostdeutschen Geschichtsdiskurs satt und empfinden eine finanzielle Last. Die Neidischen vermissen eigene revolutionare Erfahrungen der «Selbstbefreiung» und bruskieren sich mit der 68er Bewegung. Die Mythologen uberschatzen die Politik und schwachen das Potential der Gesellschaft. Fur eine ausfuhrlichere Darstellung: Vgl. Neubert (2006): Erinnerungsrezeptionen, S.170ff.

[146] Sabrow (2004): Diktatur, S.172, Z.4ff.

[147] Ebd., S.170.

[148] Neubert (2006): Erinnerungsperzeptionen, S.167.

[149] Sabrow (2009): DDR erinnern, S.13.

[150] Ebd.

[151] Sabrow (2004): Diktatur, S.164, Z.10ff.

[152] Kocka (1999): Vereinigungskrise, S.11. Fur diesen Entscheid waren nach Kocka folgende Faktoren ausschlaggebend: Es musste schnell gehen, ein Mix aus beiden Systemen schien nicht machbar und das System der BDR hatte sich bewahrt [Ebd.].

[153] Ebd. S.11f.

[154] HOLFELDER (2008): Palast der Republik, S.77, Sp.2., Z.27f.

[155] Schroeder (2000): Preis der Einheit, S.256f.

[156] Muhlberg (2003): Erinnerung, online. Dabei ist es ironischerweise gerade die innere demokratische Entwicklung der Ostdeutschen, welche sie zu den Akteuren der Wende werden liess. Im Gegensatz dazu wurde der BRD die Demokratie geradezu aufgezwangt [Ebd.].

[157] Ebd.

[158] Sabrow (2004): Diktatur, S.155, Z.1ff.

[159] Gujer (2010): Westalgie, online.

[160] Leo (2006): DDR-Erinnerungskultur, S.401f., Z.37ff.

[161] Schroeder (2000): Preis der Einheit, S.254.

[162] Zit. nach: Klein (2012): Erinnerungskultur, online.

[163] Kocka (1999): Vereinigungskrise, S.11.

[164] Bender (1999): doppelte Geschichte, S.84, Z.9ff.

[165] Hengst/ Kroger (2010): Sozialreport, online.

[166] Scherf (2004): innere Einheit, S.12.

[167] Bartknecht (2007): Gespenst, S.166.

[168] Gauck (2006): Erinnerung, S.191, Z.10ff.

[169] Kocka (1999): Vereinigungskrise, S.10.

[170] Wagner (1999): Kulturschock, S.12, Z.1ff.

[171] Muhlberg (2003): Erinnerung, online.

[172] Wagner (1999): Kulturschock, S.13.

[173] Die Arbeitslosigkeit war wieder auf dem Stand der Krise der 30er Jahre [Kocka (1999): Vereinigungskrise, S. 13].

[174] Ebd., S.13f.

[175] Schroeder (2000): Preis der Einheit, S.242.

[176] Ebd., S.254. Die Lebensverhaltnisse haben sich 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ziemlich angeglichen. In Ostdeutschland hat man 75-80% des Einkommens (Haushalt) der Westdeutschen. Die Auffassung daruber ist aber unterschiedlich: Damit ist aus westlicher Sicht der Angleichungsprozess weitgehend abgeschlossen, im Osten dagegen fuhlt man sich nach wie vor benachteiligt [Hengst/ Kroger (2010): Sozialreport, online, s.p].

[177] Schroeder (2000): Preis der Einheit, S.243.

[178] Sabrow (2004): Diktatur, S.159, Z.6ff.

[179] Schroeder (2000): Preis der Einheit, S.257, Z.1ff.

[180] Sabrow (2009), S.16.

[181] Murbe (2007): Palast der Republik, S .116.

[182] Klein (2012): Erinnerungskultur, online.

[183] WOLLE (1998): Diktatur, S.330, Z.15ff.

[184] Ebd., S.330.

[185] Klein (2012): Erinnerungskultur, online. Im Sinne von: «Nicht ich bin schuldig, die Rechtsprechung der BRD ist unfair» [Ebd.].

[186] Ebd.

[187] Edh

[188] Bender (1999): doppelte Geschichte, S.73, Z.12ff.

[189] Fritze (1997): Gegenwart, S.25, Z.30ff.

[190] MUHLBERG (2003): Erinnerung, online.

[191] Schorlemmer (1998): Deutsch sein, S.132, Z.8ff.

[192] Schroeder (2000): Preis der Einheit, S.219.

[193] Aber auch andere Projekte in Film, Literatur und Kunst erfreuen sich grosser Beliebtheit, wie z.B. «Good Bye Lenin», «Sonnenallee» etc.

[194] LOHRE (2003): Erinnerungskultur, online.

[195] Schroeder (2000): Preis der Einheit, S.217.

[196] Gujer (2010): Westalgie, online.

[197] Bangel (2011): Westdeutsche, online.

[198] Rada (2010): Westalgie, online.

[199] Flamm (2005): Palast der Republik, S.406.

[200] Ebd., Z.32ff.

[201] Ebd., S.407, Z.25ff.

[202] Flierl, Zit. nach: Holfelder (2008): Palast der Republik, S.90, Sp.2, Z.2ff.

[203] Binder (2009): Streitfall Stadtmitte, S.192.

[204] Ebd., S.193.

[205] Murbe (2007): Palast der Republik, S.114f. Ahnlich auch die These Flamms [Vgl.Flamm (2005): Palast der Republik].

[206] Binder (2009): Streitfall Stadtmitte, S.193.

[207] Bangel (2011): Westdeutsche, online.

[208] Flamm (2005): Palast der Republik, S.408, Z.10.

[209] Bernard (2006): Asbest, online.

[210] Gesundheitsberichterstattung des Bundes (o.J.): Asbest, online.

[211] Breuer (2005): Asbest. S.20, Sp.1

[212] Senatsverwaltung fur Stadtentwicklung und Umwelt Berlin (o. J.): Asbestsanierung, online.

[213] Ebd. Wahrend des Baubooms Anfang der Siebziger wurde in Deutschland ein Spitzenwert von 170.000 Tonnen Asbest verbaut [Breuer (2005): Asbest. S.21, Sp.2].

[214] «Vertrag uber die abschlieBende Regelung in Bezug auf Deutschland»

[215] Senatsverwaltung fur Stadtentwicklung und Umwelt Berlin (o. J.): Asbestsanierung, online.

[216] Tepasse (1998): Asbestbeseitigung, S.360.

[217] Ebd., S.359.

[218] Der Spiegel (1990): Honnis Ballast, S.131, Sp.2, Z.32ff.

[219] Holfelder (2008): Palast der Republik, S.78, Sp.1.

[220] Natz (1995): Sanierer fur den Palast gefunden, online.

[221] Rainer Tepasse, zit. nach: Natz (1995): Sanierer fur den Palast gefunden, online.

[222] Schweizer (1997): Abriss ist teurer, online. Diese Variante wurde insbesondere von der Berliner Vereinigung der asbestverstandigen Architekten und ingenieure (VAAi) unterstutzt. Trotz fachkundiger Begrundungen wurden die Argumentationen des Vereins abgeschwacht, weil unter den Mitgliedern auch Firmen waren, welche Asbest sanieren. Das Auftragsvolumen ware bei einer Erhaltung des Gebaudes wesentlich grosser ausgefallen, da der entfernte Asbest durch andere Stoffe hatte ersetzt werden mussen, so HOFFMANN [Hoffmann (1993): Friede dem Palast, online.].

[224] Zum Beispiel war das fur die Schliessung verantwortliche Asbestgutachten fur die Offentlichkeit nicht vollstandig einsehbar, die genauen Messwerte wurden nicht publiziert [HOLFELDER (2008): Palast der Republik, S.78, Sp.lf.]. Obwohl ursprunglich beschlossen wurde, wie der Anfrage des Abgeordneten Warnick an die Bundesregierung zu entnehmen ist, dass die Haushaltsmittel fur die Sanierung erst freigegeben werden, wenn ein Nutzungskonzept vorliegt, einigte man sich 1997 vorerst auf eine umfassende Asbestsanierung, ohne die weitere Zukunft des Palastes bestimmt zu haben. Auch dass die Sanierung, welche trotz internationaler Submission von derjenigen Firma ausgefuhrt wurde, die auch das Gutachten verfasste, liess Zweifel an der Richtigkeit des Wettbewerbsverfahrens aufkommen [WARNICK et al. (1996): Kleine Anfrage. Deutscher Bundestag: Drucksache 13/4399, online].

[225] Flamm (2005): Palast der Republik, S.403.

[226] Breuer (2005): Asbest. S.21, Sp.2

[227] HOLFELDER (2008): Palast der Republik, S.80, Sp.2.

[228] Bernard (2006): Asbest, online; Flamm (2005): Palast der Republik, S.411.

[229] Klaus Wonn, zit. Nach Jauer (2010): eine Ruine, online.

[230] Stimmann (2005): Staat, S.241, Sp.lf., Z.49ff.

[231] Bernard (2006): Asbest, online Ebd.

[232] Ebd.

[233] Dies gilt nicht nur fur Berlin, auch in Paris lasse sich das Phanomen am Streit um den „Tour Montparnasse" beobachten [EBD.].

[234] Ebd.

[235] Flierl (1998): Hintergrunde, S.25.

[236] HOLFELDER (2008): Palast der Republik, S.83, Sp.2.

[237] Ebd., S.84.

[238] Flamm (2005): Palast der Republik, S.411, Z.37ff

[239] ROTHER (1997): Vom Verschwinden, online.

[240] Flamm (2005): Palast der Republik, S.412.

[241] Thomas Flierl, ehemaliger Berliner Kultursenator, zit. nach Holfelder (2008): Palast der Republik, S.82, Sp.2, Z.17ff.

[242] Jauer (2006): eine Ruine, online

[243] Boddien (1998): Geschichte und Gegenwart, S.75.

[244] Flamm (2005): Palast der Republik, S.403f.

[245] Verein Zwischenpalastnutzung, online

[246] Kil (2005): Chronik, S.35, Sp.2.

[247] Hoquet (2012): L’oubli, S.258f.

[248] Verein Zwischenpalastnutzung, online

[249] Reinbold/ Novak (2007): Leidenschaftliche Kampfer, S.78.

[250] Ebd., S.78f.

[251] KUHRMANN (2006) Palast der Republik, S.157, Sp.2, Z. 16ff.

[252] Klemann (1998): Begrussung, S.8.

[253] Binder (2007): Stadtebau, S.185.

[254] Klemann (1998): Begrussung, S.8, Z.9ff.

[255] Nooke (2006): Denkmal, S.118, Z.26.

[256] Strieder (1997): Identitatsstiftung, S.5, Sp.1, Z.34ff.

[257] Senatsverwaltung fur Stadtentwicklung und Umwelt Berlin [o.J.]: Planwerk Innere Stadt, online. Schon alleine in der Lokalisierung der historischen Mitte beim Alexanderplatz oder alternativ rund um den Kurfurstendamm und Breitscheidplatz zeigte sich, dass trotz weitgehender Entwicklung immer noch ein Riss zwischen Ost und West bestand [Strieder (1997): Identitatsstiftung, S.5].

[258] Binder (2009): Streitfall Stadtmitte, S.157, Z1ff.

[259] Stimmann (1997): Identitat, S.21, Sp.1

[260] Zit. nach: Ebd., S.15, Sp.l, Z.7ff.

[261] Ebd., S.20, Sp.1.

[262] BODENSCHATZ (1995): Zentrum, S.238, Sp.1, Z.40.

[263] STIMMANN (1997): Identitat, S.21, Sp.2.

[264] Hoidn, Barbara/ Jakubeit, Barbara (1998): Sommer 1997, S.12, Z.26ff.

[265] Ware der Palast an einer anderen Stelle gebaut worden, so Haspel und Schnedler, hatte es wohl kaum so leidenschaftliche Diskussionen um seinen Fortbestand gegeben [Haspel/ Schnedler (2001): Denkmale, online].

[266] Schwarz (1998): Horror vacui, S.94.

[267] Haspel/ Schnedler (2001): Denkmale, online.

[268] Schlenker (2006): Zu spat, S.219, Sp.1.

[269] Kuhrmann (2006): Palast der Republik, S.157f.

[270] Ebd.

Fur eine detaillierte Ausfuhrung der politischen Architektur, insbesondere mit Bezug auf die DDR und den Palast der Republik: Vgl. Ebd.

[271] Aussage eines sachsischen Architekten zum Palast der Republik 1916, zit. nach: KUHRMANN (2006): Palast der Republik, S.166, Sp.2, Z.22f.

[272] Ebd., S.119f., Sp.2.

[273] Ebd., S.180, Sp.1, Z.26ff.

[274] Ebd., Sp.2, Z.34ff.

[275] Haspel/ Schnedler (2001): Denkmale, online.

[276] Gesetz zum Schutz von Denkmalen in Berlin (Denkmalschutzgesetz Berlin - DSchG Bln) vom 24. April 1995. Art.2.2. [Senatsverwaltung fur Stadtentwicklung und Umwelt Berlin (o.J.): Gesetz, online].

[277] Vgl. Kuhrmann (2006): Palast der Republik, S.188.

[278] Binder (2009): Streitfall Stadtmitte, S.50.

[279] Ebd., S.50f.

[280] Ebd., S.50.

[281] Haspel/ Schnedler (2001): Denkmale, online.

[282] Haspel (1997): Denkmalschutz, S.122, Sp.1.; Schnedler (1997): Palast der Republik, S.132, Sp.1. Von Bedeutung ist auch die Grundsatzentscheidung von Nordrhein-Westfalen, die dem Seilnetz- Kuhlturm (Hamm-Uentrop) aus den 70er Jahren die Erhaltungswurdigkeit absprach, weil dieser zu „jung“ sei [Haspel (1997): Denkmalschutz, S.122, Sp.1.].

[283] Ebd.

[284] Ebd., Sp.1f.

[285] Schwarz (1998): Horror vacui, S.97.

[286] Haspel/ Schnedler (2001): Denkmale, online.

[287] Schnedler (1997): Palast der Republik, S.134, Sp.lf.

[288] Haspel/ Schnedler (2001): Denkmale, online.

[289] Ebd.

[290] Ebd.

[291] Tonnesmann (1995): Politische Architektur, S.131, Sp.1, Z.16ff.

[292] Ebd., Sp.1.

[293] Ebd., Sp.1, Z.22ff.

[294] EBD., Sp.2.

[295] Wagenbach (1998): Berliner Mitte, S.124.

[296] Haspel/ Schnedler (2001): Denkmale, online.

[297] Schwarz (1998): Horror vacui, S.95, Z.39ff.

[298] Zit. nach JAKUBEIT (1998): Partitur und Phantasie, S.18, Z.24ff.

[299] Rekonstruieren: den ursprunglichen Zustand wiederherstellen oder nachbilden [Duden (2001): Fremdworterbuch, S.854]. Sanieren: a) durch Renovierung, Modernisierung oder Abriss alter Gebaude und Bau neuer Gebaude o.A. umgestalten, b) modernisierend umgestalten, c) wieder in einen intakten Zustand versetzen [Duden (2001): Fremdworterbuch, S.889].

[300] Was naturlich auch fur die Rekonstruktion des Schlosses gilt.

[301] Morsch (1998): Rekonstruktion, S.68.

[302] Ebd., S.73, Z.6ff.

[303] Magirius (1998): Rekonstruktion, S.78.

[304] Ebd., S.79, Z.4ff.

[305] Ebd., S.78f.

[306] Binder (2009): Streitfall Stadtmitte, S.27.

[307] Ebd., S.67.

[308] Ebd., S.27.

[309] Ebd., S.37.

[310] Duden (2001): Fremdworterbuch, S.631.

[311] Binder (2009): Streitfall Stadtmitte, S.37f.

[312] Ebd., S.53, Z.12ff.

[313] Ebd., S.41.

[314] Ebd., S.53.

[315] Ebd., S.43.

[316] Planwerk Innenstadt (1997): Ziele, S.13, Sp.1, Z.31ff.

[317] WAGENBACH (1998): Berliner Mitte, S.127, Z.10ff.

[318] Vgl. Bodenschatz (1995): Zentrum, S. 234.

[319] Albers et al.: Planwerk Innenstadt, S 48, Sp.1.

[320] Haspel/ Schnedler (2001): Denkmale, online.

[321] Schnedler (1997): Palast der Republik, S.134, Sp.1.

[322] Rother (1997): Vom Verschwinden, online.

[323] Schwarz (1998): Horror vacui, S.96.

[324] Morsch (1989): Widerstand, S.116, Sp.1.

[325] Kuhrmann (2006): Palast der Republik, S.181.

[326] Siedler (1991): Berlin war das Schloss, online.

[327] Ebd.

[328] Ebd.

[329] Ebd.

[330] Ebd.

[331] Klinkott (1998): Tradition, S.87.

[332] Murbe (2007): Palast der Republik, S .117.

[333] Siedler (1991): Berlin war das Schloss, online. Im Original kursiv gesetzt.

[334] Siebeck (2007): Demontage statt Abriss, S.101, Z.lff. Barti (2007): Geschenk, S.294.

[335] Murbe (2007): Palast der Republik, S.109, Z.13ff. EBD.

[336] Kuhrmann (2006): Palast der Republik, S.66.

[337] Flamm (2005): Palast der Republik, S.407.

[338] MÜRBE (2007): Palast der Republik, S.109, Z.13ff.

[339] EBD.

[340] KUHRMANN (2006): Palast der Republik, S.66.

[341] FLAMM (2005): Palast der Republik, S.407.

[342] PIETZSCH (2010): Erinnerungsdiskurse, online.

[343] Als Stand gilt der 19.07.2013.

Details

Seiten
96
Jahr
2013
ISBN (Buch)
9783656836032
Dateigröße
8.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283729
Institution / Hochschule
Universität Luzern
Note
5,5 (Schweizer Notensystem)
Schlagworte
DDR Erinnerungskultur Deutsche Geschichte Palast der Republik Wiedervereinigung

Autor

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Titel: Der Palast der Republik in der deutschen Erinnerungskultur