Lade Inhalt...

Kreatives Schreiben

Seminararbeit 1998 19 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

II. Kreatives Schreiben. Wege zu sich selbst und zu anderen
1. Wissen
14 provozierende Thesen
Aller Anfang ist...
Die 18 Funktionen des Schreibens
Jeder Zehnte ein Schriftsteller?
Zählen und Er-zählen
2. Erfahren
Sich schreibend selbst erfahren
Der Innere Schreiber
Ich bin viele
ErinnernWiederholenDurcharbeiten
-Zum Beispiel: Wut abreagieren
Schreiben als Therapie
Die Gruppe als Ko-Autor

III. EigenSinn. Kreatives SchreibenAnregungen und Methoden
Spaß am Schreiben in der Gruppe
Spiel mit Sprache
Handwerkliches
Innenwelten
Außenwelten
Traumwelten
Größere Vorhaben
Gesichtspunkte zur Bewertung

IV. Bibliographie

Ich habe bewußt zwei Bücher mit gänzlich unterschiedlichen Ansichten des kreativen Schreibens genommen, da so ersichtlich wird, wie die Meinungen über das kreative Schreiben divergieren, oder besser gesagt, wie unterschiedlich die Schwerpunkte gesetzt werden.

II. Kreatives Schreiben. Wege zu sich selbst und zu anderen

Das erste von mir gewählte Buch heißt Kreatives Schreiben. Wege zu sich selbst und zu anderen und wurde von Jürgen vom Scheidt verfaßt. Wie der Titel schon andeutet wird hier besonders der gesellschaftliche Wert des kreativen Schreibens behandelt. So wird großteils in der Beschreibung des Phänomens Kreativität von der Psychologie (insbesondere der Freuds) ausgegangen. Das Buch ist primär für Erwachsene gedacht, die sich selbst erfahren wollen, sei es weniger zu Hause als primär in der Gruppe. Wie schon angedeutet, wird uns in diesem Buch Aufschluß über unser Seelenleben gegeben, wie es funktioniert, wie z.B. sog. Schreibblockaden entstehen und dgl. V. Scheidt will Hilfestellungen leisten, wie man sein Unbewußtes bewußt machen kann und sich vielleicht von lange und tief in uns geschlummerten (v. Scheidt räumt der Traumdeutung eine große Bedeutung ein) „Neurosen“ durch das z.B. „Sich frei Schreiben“ befreien kann. Durch konkrete Beispiele, alle aus seiner langjährigen Erfahrung als Seminarleiter sog. „Schreibwerkstätten“ gesammelt, macht er seine Ansichten anschaulich und leicht begreifbar. Er eröffnet dem Leser Dimensionen, von denen zuvor sicher viele noch keine Ahnung hatten. In diesem Sinne ist das Buch sicher wertvoll, aber eben wenig auf die konkrete Deutschstunde, sondern eher für Seminaristen geeignet. V. Scheidt hat die große Fähigkeit, in einem Stil zu schreiben, der jedem leicht zugänglich ist. Dies wirkt sich positiv auf, denn trotz der relativen Dicke des Buches, den dicht beschrifteten Seiten und den wenigen Graphiken, habe ich persönlich das Buch in zwei Tagen verschlungen, einfach, weil er den Leser in seinen Arbeitsprozeß miteinbezieht und sehr motivieren wirkt.

Im folgenden werde ich seine Ansichten über das kreative Schreiben erörtern, indem ich auch nach seinem Aufbau vorgehe.

Zunächst schreibt er, für wen das Buch gedacht ist, und zwar:

- Für alle, die mehr Freude am Schreiben bekommen wollen
- Für alle, die schreiben müssen (von Berufs wegen)
- Für alle, die gerne mehr schreiben würden.

Seine eigene Schreib-Erfahrungen wurden geprägt:

- von der Psychologie (besonders der Tiefenpsychologie und der Psychotherapie)
- durch 30 Jahre eigenen Schreibens
- durch die Erfahrungen im gemeinsamen Schreiben in den Seminaren

Das Buch ist in 3 große Abschnitte unterteilt, die v. Scheidt Wissen, Erfahren, Gestalten nennt. Alle drei sind noch in Unterkapitel unterteilt, die ich aber ohnehin noch größtenteils erwähnen werde.

1. WISSEN

Zu Beginn stellt v. Scheidt 14 provozierende Thesen über das Handwerk des Schreibens auf:

1. Wir sind alle „Analphabeten zweiten Grades“
2. Schreiben ist das kreativste gestalterische Medium
3. Die Welt ist Text
4. Ohne Schreiben keine Computer
5. Das Persönliche ist stets das Wesentliche
6. Blockaden lassen sich auch ohne Alkohol beheben
7. Das Schreiben ist viel zu kostbar für die Profis
8. Am einfachsten geht es- ganz kompliziert
9. Zu mehreren geht es besser als nur allein
10. Jeder Mensch ist eine kleine Gesellschaft
11. Das Kreative ist zugleich das Heilende
12. Der kreative Prozeß ist stets gefährdet
13. Der ganze Körper schreibt
14. Das computergestützte kreative Schreiben ist eine feine Sache

Wir werden im folgenden sehen, wie v. Scheidt diese aufgestellten Thesen nach und nach rechtfertigen wird, deshalb habe ich sie hier so unerläuter stehen lassen.

Aller Anfang ist...

V. Scheidt geht davon aus, daß Schreiben Freude macht und nicht ein notwendiges Übel ist, das einen seit der Kindheit verfolgt. Deshalb ist für ihn auch aller Anfahng leicht, und nicht etwa schwer, wie es das Sprichwort sagt, denn die Blockaden vor dem Schreiben lassen sich abbauen, z. B. indem man in einem ersten Schritt das zu Papier bringt, was einen gerade blockiert.

Eine weitere These ist die, daß man lernen kann, die verschiedenen Gestalten, aus denen sich die Persönlichkeit zusammensetzt, beim Schreiben gezielt zu aktivieren und einzusetzen. Zunächst sollte man aber den „persönlichen Einstieg“ in eine Thema wagen, denn über das Persönliche findet man leichter Zugang zum Sachlichen denn jene Anregungen, Einfälle und bildhaften Vergleiche, die ja gerade aus der persönlichen Sphäre kommen, machen einen sachlichen Text erst interessant.

Die Selbsterfahrungstexte, von denen im Buch aber primär gesprochen wird, sind nach v. Scheidt Zeugnisse der zunehmenden Selbstbefreiung des Menschen.

Die 18 Funktionen des Schreibens

Das Schreiben wird benützt, um die deutsche Sprache mit ihren überlieferten Formen und Inhalten zu lernen, um das nachzuahmen, was andere Leute als „korrektes Deutsch“ vorgegeben haben und leider ist das allgemeine Programm (=Curriculum) am Individuum und seinen Inhalten und Formen gar nicht interessiert. Das Schreiben wird von Anfang an reduziert auf das Festhalten und das Weitergeben von Informationen. Dies bezeichnet v. Scheidt als die Computer Funktion. Weiters nennt er als Funktion des Schreibens die Entlastung von seelischem Druck, und zwar durch das Hinausverlagern geistiger und seelischer Inhalte aus seiner Innenwelt in die Außenwelt des Papiers. Es gibt demnach eine Person, die erlebt und eine, die das Erlebte und Erinnerte in Worte faßt. Durch eine derartige Aufspaltung kann eine große emotionale Nähe erzeugt werden, deshalb zwei weitere Funktionen: die Spaltung und Emotionalisierung sowie die Distanzierung. Konfliktstiftende Inhalte können so zusammenwachsen und integriert werden (= Integrationsfunktion). Schreiben heißt auch Verdichtung und in die tiefsten Schichten des Unbewußten gelangen (= spirituelle Funktion /Vergeistigung). Dazu kommen noch die Funktionen der Sinnstiftung, des Erinnerns, der Materialisierung (= verwandeln von geistigen Zusammenhängen in niedergeschriebene Worte, Sätze...), der Verinnerlichung, des Loslassens, des langsamer werdens, des Zentrierens, des Strukturierens und der Konzentration.

Jeder Zehnte ein Schriftsteller?

Jene Menschen, durchaus auch Manager in führender Position und dgl., die zwar in der Schule gelernt haben, die Buchstaben richtig aufs Papier zu setzen, sind nach v. Scheidt eine Art Analphabeten „höherer Ordnung“. Ihr Problem ist es, daß sie selten fähig sind, das Gesagte auch in adäquater schriftlicher Form von sich zu geben. Analphabeten in diesem Sinne sind auch jene Männer, die 1. als Journalisten oder Schriftsteller kaum Zugang zu ihrem eigenen Innenleben und ein Mindestmaß an Kenntnissen ihres Unbewußten und ihrer Lebensgeschichte haben, 2. solche, die zwar sich selber gut kennen, aber nur in geringem Maße ihre Muttersprache pflegen, 3. die Unterhaltungsschriftsteller.

V. Scheidt setzt dieRhythmen der primitiven Kulturen mit dem Klappern einer Schreibmaschine oder einer Computertastatur gleich und behauptet, daß der Höhlenmaler wie der Schriftsteller vor dem Bildschirm eines computergestützten Schreibsystems denselben Gesetzmäßigkeiten des kreativen Prozesses gehorchen.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638301701
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28371
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Germanistik
Note
1
Schlagworte
Kreatives Schreiben Methodik Didaktik

Autor

Zurück

Titel: Kreatives Schreiben