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Wie entwickelt sich die Kommunikation zwischen Islam und Christentum in Zeiten der Postsäkularität?

Deutschland zwischen Weltethoserklärung und Islamphobie

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Einführung zum Interreligiösen Dialog am Beispiel der interreligiösen Kulturwochen in Garbsen
1.1 Einführung zum interreligiösen Dialog
1.2 Interreligiöse Kulturwochen
1.3 Politisches Interesse am interreligiösen Dialog
1.4 Die Weltethoserklärung
1.5 Weitere interreligiöse Projekte

2. Relevanz des interreligiösen Dialogs für den interkulturellen Dialog in Deutschland
2.1 Stellenwert der Religion in der Gesellschaft
2.2 Angst vor dem Islam?
2.3 Religion und Tradition

3. Soziologie des Dialogs
3.1 Stereotypen von Muslimen
3.2 Mögliche Ursachen für Stereotypen

Literatur

Einleitung

„Der Islam gehört zu Deutschland“ (Christian Wulff 03.10.2010). Beim Hören dieses Satzes unseres Bundespräsidenten aus der Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit steht vielen deutschen Bürgern das Unverständnis ins Gesicht geschrieben. Wie kann er denn so etwas sagen? Türkischunterricht in Grundschulen, Islamunterricht und jetzt auch noch die Studiengänge zur Ausbildung von Imamen. „Wie konnte es nur soweit kommen?“, flüstert es in vielen Köpfen und Gesprächen immer wieder nicht nur zwischen den Zeilen. Bis heute ist die Diskussion über diesen Satz eine heiß umkämpfte Debatte, die nicht nur in der Politik geführt wird. Der Spiegel Online unterstützt mit dem Debattenbeitrag „Warum der Minister recht hat“ vom 06.03.20111 die Aussage unseres Innenministers Hans Peter Friedrich, der mit den Worten „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ eine klare Gegenposition zu den Worten des Bundespräsidenten einnimmt und somit weiter zum Überdenken dieses Satzes anstichelt.

Die Frage, die ich versuche zu stellen und zu ergründen, ist folgende:

Woher kommt die Angst, die wir verspüren, das unangenehme Gefühl, das wir als Deutsche als zum Großteil christlich sozialisierte Gesellschaft bekommen, wenn es um eben dieses Thema geht, wenn eben dieser Satz ausgesprochen wird? Was ist es, wovor wir Angst haben oder was uns Unbehagen bereitet?

Um die wichtigsten Sachverhalte darzustellen, zu erklären und einen hinreichenden Einblick in den interreligiösen Dialog zu geben, werde ich mich im weiteren Verlauf auf folgende Themen beziehen.

1. Einführung zum Interreligiösen Dialog am Beispiel der interreligiösen Kulturwochen in Garbsen
2. Relevanz des interreligiösen Dialogs für den interkulturellen Dialog in Deutschland
3. Soziologie des Dialogs

1. Einführung zum Interreligiösen Dialog am Beispiel der interreligiösen Kulturwochen in Garbsen

1.1 Einführung zum interreligiösen Dialog

Nach dieser doch sehr einseitigen Einleitung taucht die Frage auf, ob es im deutschen Schmelztiegel der Kulturen überhaupt einen Dialog zwischen diesen gibt und auch wenn es auf den ersten Blick oft anders scheint, ja es gibt ihn.

Schon alleine durch die immer größer werdende Anzahl an Schülern mit Migrationshintergrund findet heute schon im Grundschulalter eine Auseinandersetzung mit anderen Religionen und Kulturen in einem viel höheren Ausmaß statt als noch vor 10 Jahren. Doch nicht nur durch das sich verändernde Lebensumfeld entstehen Schnittstellen und Gelegenheiten für ein gegenseitiges Interesse und einen Austausch über Religion und Kult, sondern auch auf institutioneller Ebene wird Raum für Austausch, Gespräch und Aufklärung geschaffen.

Ein hervorragendes Beispiel für eine solche Bewegung der Verständigung und des gegenseitigen Interesses ist die Weltethosausstellung, die im Rahmen der interreligiösen Kulturwochen in Garbsen vom 06.05 bis zum 26.05.2011 im Rathaus der Stadt zu sehen war. Die Kulturwochen sowie die Ausstellung und das dazugehörige 20-tägige Programm2 entstanden unter 3 jahrelanger Vorbereitung und Zusammenarbeit des Integrationsbeirates der Stadt und verschiedensten Experten von Religion und Philosophie wie auch Politikern.

1.2 Interreligiöse Kulturwochen

Die Weltethosausstellung und der damit zusammenhängende Themenkomplex aus Podiumsdiskussionen, Lesungen, Besichtigungen, Theaterstücken und vielem mehr war, wie in 1.1 bereits geschildert, das Resultat aus einer dreijährigen interreligiösen und politischen Zusammenarbeit in Garbsen. In einer online Meldung der Stadt Garbsen über die beginnenden interreligiösen Kulturwochen heißt es:

Innenminister Uwe Schünemann warb für einen Dialog zwischen den Kulturen und warnte vor jeglicher Form von Extremismus. Bürgermeister Alexander Heuer, vertreten durch die stellvertretende Bürgermeisterin Erika Böker, verwies in seinem Grußwort auf die kulturelle Vielfalt Garbsens: "In unserer Stadt leben Menschen aus 95 Nationen. Sie alle haben eine religiöse und kulturelle Verwurzelung mitgebracht. Als Bürgermeister dieser Stadt setze ich mich dafür ein, dass wir dieser Vielfalt in gegenseitiger Achtung und Toleranz großen Raum geben, weil es unser Zusammenleben in Garbsen bereichert. Die Religionen können dabei ihren Beitrag leisten."3

1.3 Politisches Interesse am interreligiösen Dialog

Es ist also neben dem religiösen und spirituellen Interesse der Verständigung untereinander auch ein politisches Interesse gerade für eben die Religionen zu erkennen, welche besonders in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnen. Damit wird der Grundstein für ein miteinander leben gelegt, welches bis vor einigen Jahren nur ein nebeneinander her leben war.

Dieser Umstand zeigt zum Einen die zunehmende Ernsthaftigkeit, mit der sich dem Dialog zugewendet wird, zum Anderen die Bereitschaft sich endlich auch mit Kulturen und Religionen zu beschäftigen, die lange als nicht in unsere Gesellschaft gehörig abgestempelt wurden.

Fakt ist, dass sich unsere Gesellschaft, ob wir nun wollen oder nicht im Wandel befindet. Einfach nur wegsehen und zu hoffen, dass sich die entstehenden Probleme von selbst lösen, funktioniert schon lange nicht mehr und somit ist jeglicher Dialog nicht einfach nur wünschenswert sondern sogar dringend notwendig. Erst in der Begegnung wird der Entstehung von Stereotypen, Vorurteilen und Intoleranz vorgebeugt und erst hier entsteht eine wirkliche Basis für ein Zusammenleben. Es heißt also Gemeinsamkeiten entdecken, Mauern einreißen und somit durch Verständnis und Zusammenarbeit die Berührungsängste verlieren.

1.4 Die Weltethoserklärung

Doch was ist diese Weltethoserklärung denn nun und warum ist sie gerade für den interreligiösen Dialog so wichtig?

Zunächst gilt es, den Begriff des Weltethos zu erklären.

Weltethos, das ist die Vision eines globalen Bewusstseinswandels im Ethos: Menschen - ob weltweit, national oder lokal - sind für ein friedliches Zusammenleben auf gemeinsame elementare ethische Werte, Maßstäbe und Haltungen angewiesen.

Solche Werte finden sich in allen großen religiösen und philosophischen Traditionen der Menschheit. Sie müssen nicht neu erfunden, wohl aber den Menschen neu bewusst gemacht, sie müssen gelebt und weitergegeben werden.4

Aufbauend auf diesem Gerüst erhebt sich nun die Weltethoserklärung.

Inspiriert vom »Projekt Weltethos« verabschiedete 1993 das Parlament der Weltreligionen in Chicago die »Erklärung zum Weltethos«. Erstmals in der neueren Geschichte der Religionen verständigen sich Repräsentanten aller Weltreligionen auf Kernelemente eines gemeinsamen Ethos:

das Prinzip Menschlichkeit,

- die »Goldene Regel« der Gegenseitigkeit,
- die Verpflichtung auf Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit,

Wahrhaftigkeit und die Partnerschaft von Mann und Frau.5

Die Weltethoserklärung ist also eine interreligiöse Erklärung, die auf gemeinsame Grundwerte verweist und versucht ein gemeinsames Ethos, einen gemeinschaftlichen Moralkodex der Religionen und somit auch eine Grundlage für ein gemeinsames Fundament verschiedenster Religionen zu schaffen.

1.5 Weitere interreligiöse Projekte

Die interreligiösen Kulturwochen und die Weltethosstiftung sind bei weitem nicht die einzigen Projekte, die auf eine solche Verständigung setzen.

Weitere wichtige Projekte sind z.B. das Abrahamische Forum, welches seit der Gründung am 6. Februar 2001 also nunmehr seit 10 Jahren für eine enge Zusammenarbeit von Juden, Christen und Muslimen steht.

Es mag viele überraschen: Seit nunmehr 10 Jahren arbeiten Juden, Christen und Muslime in Deutschland eng zusammen: im Zeichen Abrahams, den alle drei Religionen als „Vater“ ihres Glaubens anerkennen und verehren. Sie nehmen Stellung zu umstrittenen Fragen in Deutschland, organisieren die wechselseitige Teilnahme an religiösen Festen und Feiern, schaffen Netzwerke von Kommunikation und Information. Und sie tun das in Respekt vor der Eigenständigkeit und Andersheit einer jeden Religion, aber sie tun das ebenso in einem gemeinsamen Geist.

[...]


1 Warum der Minister recht hat. Ein Debattenbeitrag von Matthias Matussek, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749307,00.html (aufgerufen am 14.07.2011).

2 Programm im Anhang beigefügt

3 Interreligiöse Kulturwochen Eröffnet, Online Meldung der Stadt Garbsen vom 10.05.2011, http://www.garbsen.de/internet/page.php?site=14&id=904002417&rubrik=904000029 (aufgerufen am 14.07.2011).

4 Stiftung Weltethos Tübingen, Was ist Weltethos? http://www.weltethos.org/data-ge/c-10-stiftung/10a-definition.php ( aufgerufen am 14.07.2011).

5 S.o.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656833871
ISBN (Buch)
9783656833888
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283703
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Katholische Theologie
Note
2,0
Schlagworte
kommunikation islam christentum zeiten postsäkularität deutschland weltethoserklärung islamphobie

Autor

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