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Ein, zwei, viele Geschlechter? Das Geschlechterverständnis von der Antike bis zur Gegenwart

Bachelorarbeit 2014 45 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Antike
2.1 Die enkephalo-myelogene Samenlehre
2.2 Die Wärmetheorie
2.3 Die Rechts-Links-Theorie
2.4 Die Pangenesislehre
2.5 Die Hämatogene Samenlehre
2.6 Die Zweisamenlehre
2.7 Die Einsamenlehre
2.8 Die weiblichen Hoden
2.9 Die Lehre vom unterkühlten Mangelzustand der Frau

3. Mittelalter

4. Aufklärung
4.1 Der natürliche Platz der Frau
4.2 Präformationstheorien
4.3 Epigenese
4.4 Vollkommene weibliche Menschen
4.5 Die chemische Physiologie
4.6 Das evolutionsbedingte Geschlechterverständnis
4.7 Das weibliche Skelett

5. Gegenwart
5.1 Das Geschlecht in der Embryonalentwicklung
5.1.1 Hodenentwicklung
5.1.2 Eierstockentwicklung
5.2 Chromosomen und Gene
5.3 Geschlecht als soziales Konstrukt

6. Zusammenfassung

7. Ausblick

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Many People would agree […] that the sexes do not need to be explained and that, in fact, trying to explain the existence of two sexes can get in the way of understanding (Kessler und McKenna, 1978: VII).

As we got about our daily lives, we assume that every human being is either a male or a female. We make this assumption for everyone who ever lived and for every future human being (dies., 1978: 1)

Eigentlich ist das mit dem Geschlechterunterschied doch ganz einfach, oder nicht? Es gibt Frauen und es gibt Männer. Frauen haben eine Vagina, Männer einen Penis. Diese schlichte Unterscheidung nach dem biologischen Geschlecht (sex) war und ist bis heute aber nicht immer so simpel.

In der Geschlechterforschung ist oft von ‚Geschlechterkonstruktion‘ die Rede, die insbesondre in Anbetracht der historischen Entwicklung deutlich wird. In dieser Arbeit wird die Konzeption der Geschlechter von der Antike bis zur Ge- genwart, gegliedert in vier nach Epochen unterteilten Kapiteln, betrachtet. Als erstes wird die ‚Antike‘ behandelt, deren Gelehrte vor über zweitausend Jahren den Grundstein für die Geschlechterforschung gelegt haben. Wichtige Vertreter dieser Zeit waren zum Beispiel Aristoteles, der in seiner Einsamenleh- re die Frau als ‚Missbildung‘ beschrieb, die lediglich eine Vorstufe des vollkom- menen Mannes darstelle. Als zweites Beispiel dient Galen, der die Ge- schlechtsorgane von Frau und Mann als identisch definierte, die sich bloß in der Lage unterscheiden. Die weiblichen Genitalien seien dabei aufgrund von man- gelnder Hitze nach innen gekehrt, die des Mannes hätten den perfekten, nach außen gekehrten Zustand erreicht.

Die zweite Epoche, die in dieser Arbeit behandelt wird, ist das ‚Mittelalter‘. In dieser Zeit bauten die Geschlechterkonstruktionen inhaltlich auf den antiken Theorien auf. Aufgrund der Sakralisierung wurden die Lehren durch religiöse, aber auch durch mystische Aspekte ergänzt.

Daran anschließend folgt in dieser Darstellung die Zeit der ‚Aufklärung‘. Damit geht ein Wendepunkt des Geschlechterverständnisses einher, der die altertüm- lichen Theorien mehr und mehr aus dem Diskurs vertrieb. Frauen und Männer werden nun als eigenständige Geschöpfe betrachtet, mit unterschiedlichen Ge- schlechtern. Die Forschung stützt sich größtenteils darauf, Differenzen anato- misch zu erklären. Auch wenn die Frau noch immer oftmals als ‚schwächer‘ an- gesehen wird, ist die biologisch begründete Hierarchie nicht mehr so stark aus geprägt, wie in den Jahrhunderten davor.

Die letzte Epoche ist die ‚Gegenwart‘, welche in dieser Arbeit beginnend etwa im 20.Jh. behandelt wird. Inhaltlich wird es hauptsächlich um moderne Embryo- logie gehen, welche die Geschlechterforschung aktuell dominiert. Überdies hin- aus wird auch ein Blick auf die soziale Konstruktion des Geschlechts geworfen, die, wie diese Arbeit verdeutlichen wird, untrennbar von biologisch- medizinischen Theorien ist.

Die Schwerpunkte dieser Arbeit liegen bei den Kapiteln ‚Antike‘ und ‚Aufklärung‘ gelegt, da die Antike thematisch das Fundament für unzählige weitere Theorien darstellt und sich in der Aufklärung dann der wohlmöglich größte Bruch in der Geschlechterkonstruktion vollzieht. Beide Epochen bieten damit die Basis für darauffolgende theoretische Überlegungen zu dieser Thematik.

Die Fragen, die den Hauptteil inhaltlich prägen, beziehen sich auf den Unterschied zwischen naturphilosophischen und biologisch-medizinischen Theorien. Dabei soll geklärt werden, ob sich diese Lehren mehr auf Analogien oder auf Differenzen der Geschlechter stützen. Abgeschlossen wird die Arbeit mit der Frage, ob eine soziale Hierarchie der Geschlechter aus einem natürlichen, biologischen Unterschied resultiert.

Das Hauptwerk, das dieser Arbeit zugrunde liegt, ist die Dissertation „ Making sex revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive “ von Heinz-Jürgen Voß aus dem Jahre 2010.

Der Biologe möchte mit seinem Buch zeigen, dass auch die biologischmedizinische Forschung zum Thema Geschlecht von der sozialen Dichotomie beeinflusst und geprägt ist. Das führt zu der Annahme, dass auch das biologische Geschlecht von der Gesellschaft konzipiert ist. Voß versucht daher, die Zweigeschlechtlichkeit aufzubrechen.

In seiner Abhandlung schenkt Voß der Problematik des „Hermaphroditismus“ viel Aufmerksamkeit. Dieser wird in der vorliegenden Arbeit allerdings nicht thematisiert, da dieser Aspekt der Geschlechtlichkeit ein zu weitreichendes Themengebiet darstellt, welches sich ebenfalls durch die gesamte Historie zieht.

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Details

Seiten
45
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656853732
ISBN (Buch)
9783656853749
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283589
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Schlagworte
geschlechter geschlechterverständnis antike gegenwart

Autor

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Titel: Ein, zwei, viele Geschlechter? Das Geschlechterverständnis von der Antike bis zur Gegenwart