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Wahnsinn in der Literatur. Viktor Erofeevs "Leben mit einem Idioten"

Hausarbeit 2013 12 Seiten

Literaturwissenschaft - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsangabe

I Einleitung

1. Auszüge aus der Vita

2. Definition von Wahnsinn
2.1 Wahnsinn und Geisteskrankheit in der UdSSR

3. Wahnsinn in der Erzählung

II Schlusswort

III Literaturverzeichnis

I Einleitung

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

(Albert Einstein, 1879-1955)

Dieses Zitat spricht die reinste Form des Wahnsinns an, doch in meiner Arbeit geht es um die unreinsten und verschrobensten Formen des Wahnsinns. In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit Viktor Erofeevs Erzählung „Leben mit einem Idioten“ beschäftigen. Zu Beginn dieser Hausarbeit werde ich einen kurzen Einblick in das Leben von Erofeev, den Einfluss des Vaters und auch Tätigkeiten seines Bruders, welche Parallelen zu Viktor Erofeevs Leben aufweisen, wiedergeben.

Der Hauptteil der Hausarbeit wird daraus bestehen den Wahnsinn zunächst einmal im Allgemeinen zu definieren. Zum einen die umgangssprachliche und die volkstümliche Definition und zum anderen aber auch die juristische. Ebenso einen kurzen Rückblick in das 15. und 17. Jahrhundert und die damalige Einstellung zum Wahnsinn. Zum Hauptteil dieser Hausarbeit gehört auch, wie die UdSSR Wahnsinn und Geisteskrankheit definiert hat und wie sie mit solchen Menschen oder solchen die sie für Wahnsinnige gehalten haben, umgegangen sind.

Zum Ende der Hausarbeit gehe ich auch auf die Erzählung „Leben mit einem Idioten“ ein. Diese enthält einige Szenen des Wahnsinns und der Geisteskrankheit. Ich werde nur einige prägnante herausnehmen und versuchen den Wahnsinn darin aufzuzeigen und Erklärungen dafür zu finden.

1. Auszüge aus der Vita

Viktor Vladimirovic Erofeev wurde als Sohn von Wladimir Erofeev am 19. September 1947 in Moskau geboren. Sein Vater war seinerzeit der persönliche französische Übersetzer des sowjetischen Regierungschefs Josef Stalin und auch Berater des ehemaligen Außenminister Wjatscheslaw Molotow. Später war er Botschafter in Afrika und Österreich und Vizepräsident der UNESCO. Er war überzeugter Kommunist. Die Familie Erofeev verbrachte aufgrund der diplomatischen Vertretungen des Vaters viel Zeit im Ausland. Als Kind verbrachte Erofeev drei Jahre in Paris und lebte in anderen Ländern, weshalb er fließend Englisch und Französisch sprechen lernte. Er genoss alle Privilegien der Nomenklatura.1 Während seiner Kindheitsjahre in Paris bekam er Einblicke in die Literatur, die in der Sowjet Union verboten wurde. Er las Bücher von Autoren wie Vladimir Nabokov und Marquis de Sade.2

Viktor Erofeev studierte bis 1970 Literaturwissenschaften an der an der Moskauer Lomonossow-Universität, danach forschte er am Institut der Weltliteratur und promovierte 1975 mit einer Dissertation über „Dostojewski und der französische Existenzialismus“, welches in der Sowjet Union später als eigenes Buch herauskam. Viktor Erofeevs Werke sind oftmals Dostojewskis Werken und Themen ähnlich.3

Ab Mitte der 70er Jahre war Erofeev literarisch tätig und schrieb zahlreiche Werke wie „Leben mit einem Idioten“, „Moskauer Schönheit“, „Der gute Stalin“ und „De profundis“. 1979 beteiligte er sich an dem Literaturalmanach Metropol, zusammen mit den Schriftstellern Wassili Aksjonow, Andrei Bitow, Fasil Iskander und Jewgeni Popow wollte er Texte von anerkannten Schriftstellern mit Texten von noch relativ unbekannten Autoren aus dem Untergrund kombinieren. Daraus wurde ein großer Skandal, der Schriftstellerverband hielt eine Vorstandsversammlung ab und es begann eine monatelange Kampagne gegen den Literaturalmanach; die Schriftsteller wurden beschimpft und ihre Werke als „Pornographie des Geistes“ betitelt, der Almanach als politische Provokation bezeichnet. Da er sich trotz mehrmaliger Aufforderung nicht von dem Almanach lossagen und öffentliche Reue bekunden wollte, wurde Erofeev aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen, was damals den „literarischen Tod“ für einen Schriftsteller bedeutete. Dadurch verlor sein Vater seine Stelle als Diplomat in Wien. Doch Erofeev sah es gelassen; es hätte schlimmer kommen können.4

Alle seine Werke wurden zensiert und erst als Gorbatschow in den 1980er mit seiner „Glasnost i Perestrojka“ Politik das Ende des Kalten Krieges einleitete, konnte Viktor Erofeev seine Werke veröffentlichen. Sein erster Roman „Moskauer Schönheit“ kam in 100.000 Auflagen heraus, welche innerhalb von zwei Tagen ausverkauft waren.5

Auch Erofeevs Bruder Andrej setzte sich in der Öffentlichkeit ein. Er organisierte als Kurator für Moderne Kunst die Ausstellung „Verbotene Kunst 2006“ zusammen mit Juri Samodurow an der Staatlichen Tretjakow-Galerie. Diese thematisierte die Zensur und Selbstzensur im russischen Kunstbetrieb, moralische Meinungsführerschaft und eine tolerante Gesellschaft. Die gezeigten Werke enthielten religiöse und politische Motive die sich vermischten, Kritiker sprachen von Gotteslästerung und Satanismus.6 7

Heute schreibt Viktor Erofeev für zahlreiche Zeitungen, wie „New York Review of Books“, „New Yorker“ sowie für „Geo“, „Die Zeit“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Auch ist er der Herausgeber der ersten Nobokov Ausgabe. 8 Er lebt in Moskau, zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter Maja. Aus der ersten Ehe hat er einen Sohn, der für ihn seine Bücher tippt.9

2. Definition von Wahnsinn

Volkstümlich versteht man unter Wahnsinn alle Geistes- und Gemütsstörungen und Verwirrtheitszustände die von Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen begleitet werden. Wenn man den Wahnsinn im 15. Jahrhundert noch als ein Erlebnis im Zustand der Freiheit sieht, schlägt das Mitte des 17. Jahrhundert plötzlich um, die Welt des Wahnsinns wird die Welt der Ausgeschlossenen.

„Große Internierungshäuser werden geschaffen (und zwar in ganz Europa), die nicht einfach dazu bestimmt sind, Irre aufzunehmen, sondern eine ganze Reihe höchst verschiedenartiger Individuen, zumindest nach den Kriterien unserer Wahrnehmung:

[...]


1 Vgl. munzinger.de

2 Vgl. coe.net

3 Vgl. erofeyev.ru

4 Vgl. Wikipedia.de

5 Vgl. Spiegel.de

6 Vgl. Munzinger.de

7 Vgl. Zeit.de

8 Vgl. Berlinverlag.de

9 Vgl. Erofeyev.ru

Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656832041
ISBN (Buch)
9783656828891
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283320
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Slavistik
Note
1,2
Schlagworte
wahnsinn literatur viktor erofeevs leben idioten

Autor

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Titel: Wahnsinn in der Literatur. Viktor Erofeevs "Leben mit einem Idioten"