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Das Konzept des Primary Nursing. Geschichtliche Entwicklung, Ziele und Grundlagen

Akademische Arbeit 2007 32 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1. Definition des Primary Nursing

2. Geschichtliche Entwicklung von Primary Nursing

3. Ziele von Primary Nursing
3.1. Patientenbezogene Ziele
3.2. Personalbezogene Ziele
3.3. Betriebsbezogene Ziele

4. Kernelemente von Primary Nursing
4.1. Verantwortung
4.2. Fallmethode
4.3. Direkte Kommunikation
4.4. Verantwortung für die Pflegeerbringung

5. Primary Nursing im Krankenhaus

6. Rollen und Aufgaben im Primary Nursing
6.1. Die Pflegedienstleitung
6.2. Die Stationsleitung
6.3. Die Primary Nurse
6.4. Die Associated Nurse
6.5. Weitere Dienste

7. Phasen im Primary Nursing
7.1. Phase der Orientierung und Informationssammlung
7.2. Phase der Identifikation, Pflegeplanung und Pflegezielsetzung
7.3. Phase der Nutzung und Pflegedurchführung
7.4. Phase der Ablösung und Evaluation der Zielerreichung

8. Einbindung von Primary Nursing ins Krankenhaus

9. Anforderungsprofil der Primary Nurse und der Associated Nurse
9.1. Sozialkompetenz
9.2. Integrative Kompetenz
9.3. Fach- und Methodenkompetenz

10. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Das deutsche Sozial- und Gesundheitswesen befindet sich in einem Strukturwandel, aus dem für die Krankenhäuser eine schwierige Umbruchsituation, verbunden mit einem außerordentlichen Reformdruck resultiert. Der Strukturwandel im Sozial- und Gesundheitswesen wird geprägt durch die Einführung der G-DRGs (German Diagnosis Related Groups) zur Finanzierung von Krankenhausleistungen. Bei den G-DRGs handelt es sich um eine an der Diagnose orientierte Fallpauschale pro Behandlungsfall, deren Umsetzung seit 2004 für alle Krankenhäuser in Deutschland verbindlich ist. Hierdurch haben sich die Schwerpunkte innerhalb der Krankenhäuser verändert. Kürzere Verweildauern, höhere Fallzahlen sowie die Ausweisung von Art und Anzahl der Leistung erfordern eine komplette Neuorientierung in der Planung, der Gestaltung und der Steuerung von Krankenhausleistungen bzw. in der Patientenversorgung.[1]

Der Strukturwandel und der zunehmende Wettbewerbsdruck veranlassen Gesundheitsunternehmen neue Managementmethoden einzuführen. Dabei sind einerseits Prozesse so kostengünstig wie möglich zu gestalten und andererseits die Patienten durch die Qualität der Leistungen an das Krankenhaus zu binden. Damit ein Krankenhaus zu den Gewinnern gehört, muss es sich frühzeitig den neuen Herausforderungen stellen, mit guter Qualität um Kunden werben und mit neuen Managementmodellen Prozesse und Abläufe verbessern. Nur eine Reorganisation der Gesundheitsdienstleistungen, unter Beachtung ihrer Prozesse, bereitet den Weg zu einer wirklichen Reform.

Inmitten dieser Entwicklung steht die Krankenpflege, die als größte Berufsgruppe, mit Schnittstellen zu allen Bereichen des Krankenhauses, die Prozesse im Krankenhaus wesentlich mitgestaltet.[2] Es stellt sich daher die Frage, wie eine Modernisierungsstrategie aussehen kann, die von der Pflege ausgeht und auf das Krankenhaus ausstrahlt. Nur durch eine Prozessoptimierung ist es möglich, die Erlöse zu sichern, unnötige Kosten zu vermeiden und gleichzeitig die Behandlungsqualität zu steigern. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss in den Krankenhäusern eine entsprechende Organisationsform gefunden werden, die eine Verbesserung der Organisationsstrukturen erlaubt.

Eine Möglichkeit stellt die Einführung von Primary Nursing dar. Primary Nursing ist ein Konzept der Pflegeorganisation, welches in Deutschland seit Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts in der Praxis umgesetzt wird, zunehmend an Bedeutung gewinnt und viel versprechende Perspektiven bietet. Die Besonderheit des Konzeptes liegt darin, dass eine qualifizierte Pflegende die komplette Verantwortung für die personengebundene, fallbezogene Versorgung einer bestimmten Anzahl von Patienten übernimmt.

Das Organisationskonzept Primary Nursing ist noch relativ unbekannt. Daher wird das Konzept in der vorliegenden Arbeit vertiefend dargestellt. Nach einer Begriffsklärung und-abgrenzung sowie einem kurzen Überblick über die geschichtliche Entwicklung werden die Ziele, die Kernelemente und die Organisation von Primary Nursing beschrieben. Außerdem werden die Phasen sowie die Rollen und Aufgaben im Organisationskonzept Primary Nursing geklärt und die mögliche Einbindung von Primary Nursing ins Krankenhaus aufgezeigt. Abschließend wird das Anforderungsprofil für die Mitarbeiter dargestellt.

Die in der Literatur vorhanden Definitionen von Primary Nursing sind nahezu identisch und angelehnt an die Definition der Pionierin des Primary Nursing, Marie Manthey. Interessant ist, dass für die Bestandteile der Begriffe Primary und Nursing kaum Definitionen in der Literatur zu finden sind. Dieses könnte daran liegen, dass den englischsprachigen Autoren die Begriffe bezüglich der Definition selbstverständlich sind und somit kein Klärungsbedarf besteht.

1. Definition des Primary Nursing

Definition Primary

Die Übersetzung des englischen Wortes Primary bedeutet so viel wie primär, grundlegend.[3] Die deutsche Übersetzung primär bedeutet so viel wie zuerst vorhanden, ursprünglich, an erster Stelle stehend, erstrangig, vorrangig, grundlegend, wesentlich.[4]

Definition Nursing

Das englische Wort Nursing bedeutet so viel wie Krankenpflege.[5]

Definition Primary Nursing und Begriffsabgrenzung

Primary Nursing ist eine Methode der Pflegeorganisation, die dazu dient, die rund um die Uhr Verantwortung für die Versorgung bestimmter Patienten einer Station, einer bestimmten Pflegenden zu übertragen. Diese Pflegende wird als Primary Nurse (PN) bezeichnet. Durch eine tägliche Arbeitszuweisung nach der Fallmethode soll die PN mit der Pflege ihrer Patienten beauftragt werden. Hierbei sind ihr Kompetenzen und Handlungsverantwortung zu übertragen. Die PN soll für ihre Patienten die komplette Verantwortung vom Tag der Aufnahme bis zum Tag der Entlassung und zwar 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche, übernehmen. Sie wird damit zu einem wichtigen Bindeglied und ist Ansprechpartnerin für Patienten, Angehörige und allen an der Behandlung und Betreuung des Patienten beteiligten Personen und Berufsgruppen. Ist die PN nicht im Dienst, delegiert sie die pflegerischen Aufgaben an eine andere qualifizierte Pflegende, die so genannte Associated Nurse (AN), die die Pflege nach den Vorgaben der PN weiterführt.[6]

In der deutschsprachigen Literatur werden die Begriffe Primary Nursing und Bezugspflege teilweise synonym verwendet.[7]

Schlettig und von der Heide definieren Bezugspflege dadurch, dass jeder Patient eine für ihn zuständige Pflegende hat. Hierdurch soll die Anonymität der Pflegenden überwunden und eine individuelle Pflege ermöglicht werden. Die kontinuierliche Zuständigkeit soll für den Patienten von seiner Aufnahme bis zur Entlassung bzw. Verlegung von der Station bestehen bleiben. Die Bezugspflegende soll dem Patienten und allen Mitarbeitern namentlich bekannt sein. Sie trägt die volle Verantwortung für den gesamten Pflegeverlauf mit dem die Pflegeplanung, die Pflegedurchführung und die Pflegedokumentation verbunden sind.[8]

Kellnhauser stellt fest, dass bei der Übersetzung der Originalliteratur Begriffe genannt werden, die durch den Originaltext nicht zu rechtfertigen sind. Der Begriff Bezugspflege sei nicht mit dem Begriff Primary Nursing gleichzusetzen. Bei der Bezugspflege stehe als wesentliches Element eine zwischenmenschliche Beziehung im Vordergrund. Bei Primary Nursing gehe es hingegen vielmehr um eine Kontinuität der Pflege und um Verantwortungsübernahme. Daher schlägt Kellnhauser als treffendere Übersetzung der Originalliteratur den Begriff Primär-Pflege vor, der so viel wie Erst-Pflege oder auch Erst-Verantwortung bzw. Haupt-Verantwortung bedeute. In diesem Sinne würden bereits Begriffe wie Primär-Arzt, Primär-Versorgung oder Primär-Einsatzgebiet im deutschsprachigen Bereich verwendet.[9]

Schlussfolgerung zur Definition Primary Nursing

Bei Primary Nursing handelt es sich um ein System der pflegerischen Versorgung von Patienten auf Stationsebene. Die PN ist dabei die Schlüsselperson im Behandlungsprozess. Primary Nursing ist der Definition zufolge ein fallbezogenes, patientenorientiertes und prozessorientiertes Erkennen, Planen und Durchführen von Pflege. Im Rahmen der Definition nehmen die charakterisierenden Kernelemente einen besonderen Stellenwert ein. Diese sind Verantwortung, Patientenzuteilung im Sinne der Fallmethode, direkte Kommunikation und die Umsetzung der geplanten Pflege durch die verantwortliche Pflegende. Da bei Primary Nursing Kontinuität der Pflege und Verantwortungsübernahme im Vordergrund stehen, wird der Aufbau einer zwischenmenschlichen Beziehung begünstigt. Hierdurch werden Parallelen zur Bezugspflege hergestellt. Die Definition von Primary Nursing verdeutlicht, dass es ein System darstellt, welches Pflegenden ermöglicht, in ihrem Verantwortungsbereich eigenverantwortlich und eigenständig zu agieren und den Behandlungsprozess als gleichberechtigte Partner im therapeutischen Team mitzugestalten.

2. Geschichtliche Entwicklung von Primary Nursing

Das Organisationskonzept Primary Nursing entstand Anfang der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts in den USA. Es lässt sich nicht zweifelsfrei nachvollziehen, wer genau mit dem Organisationskonzept begonnen hat. Trotz anders lautender Hinweise in der Literatur wird Marie Manthey als Begründerin des Primary Nursing bezeichnet. Sie führte Primary Nursing Ende 1968 an den Kliniken der University of Minnesota ein.[10]

Hintergrund bildeten zahlreiche Ansätze, die eine Umstrukturierung der Pflegeorganisation erforderlich machten. Grund dieser Entwicklung war eine zunehmende Unzufriedenheit der Patienten mit dem Krankenhaus, der Ärzte mit der Pflege und insbesondere der Pflege, die mit sich selbst und mit allen anderen unzufrieden war. Pflegende fühlten sich durch die Art und Weise, wie das Krankenhaus und die Pflege organisiert waren, in ihrer Arbeit eingeschränkt. Manthey, die zu dieser Zeit als Pflegedienstleiterin tätig war, kritisierte zudem die Unzulänglichkeit des damals praktizierten Pflegesystems. Hierdurch erhielten Patienten eine fragmentierte, unpersönliche und diskontinuierliche Pflege und Pflegende fühlten sich angesichts ihrer Arbeit entmutigt und frustriert. Ferner herrschte ein akuter Personalmangel.[11] Um diesen Zustand zu verändern, entwickelte Manthey mit ihren Mitarbeitern ein Organisationsmodell, bei dem jedem Patienten vom Tag der Aufnahme bis zum Tag der Entlassung eine Pflegende fest zugeordnet wurde. Diese Pflegende war für die Pflege des Patienten und die Koordination der Versorgung zuständig. Dieses System wurde Primary Nursing genannt.[12] Primary Nursing wurde in den USA in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts zum meistverwendeten Organisationssystem, fand in vielen Ländern Zuspruch und verbreitete sich über Australien nach Großbritannien und von dort aus in die skandinavischen Länder, Nordirland und in die Niederlande. In Deutschland gewinnt Primary Nursing seit Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts an Bedeutung.[13] Das Evangelische Amalie Sieveking Krankenhaus und das Allgemeine Krankenhaus Barmbeck in Hamburg sowie das Therapiezentrum in Burgau gehörten zu den ersten Krankenhäusern, die Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts mit der Umsetzung von Primary Nursing begannen.[14] Im Juni 2000 wurde das Primary Nursing Netzwerk Deutschland gegründet. An diesem Netzwerk beteiligen sich Einrichtungen, die Primary Nursing bereits eingeführt haben oder solche, die sich auf eine Implementierung vorbereiten.[15]

3. Ziele von Primary Nursing

Die Humanisierung der Krankenhauspflege beschreibt Manthey als ihr Hauptziel für die Implementierung von Primary Nursing. Primary Nursing gibt Pflegenden einen Rahmen für die Praxis und bietet die Möglichkeit, dass alle Patienten eine zielgerichtete, kompetente und individuell angepasste Pflege erhalten, an der sie aktiv beteiligt werden.[16]

Mit der Einführung von Primary Nursing wird das Ziel verfolgt, jedem Patienten eine persönliche Begleitung zu geben. Hierdurch soll der Anonymität und dem Ausgeliefertsein entgegengewirkt werden. Zudem sollen die Prozesse wirtschaftlich und effektiv gesteuert werden. Diese Ziele spielen insbesondere durch die Einführung der G-DRGs eine wichtige Rolle, da die Krankenhausaufenthalte, aufgrund der Leistungsdichte mit zunehmend verkürzten Verweildauern, immer komplexer werden.[17]

Josuks beschreibt die Ziele von Primary Nursing bezogen auf den Patienten, das Personal und die Organisation.

3.1.Patientenbezogene Ziele

Als wichtigstes patientenbezogenes Ziel ist die Zufriedenheit des Patienten zu nennen. Patienten und Angehörige erhalten eine feste Ansprechpartnerin in der Pflege, wodurch ein Gefühl von Sicherheit vermittelt wird. Es wird ein Vertrauensverhältnis hergestellt, welches eine individuelle, koordinierte und zielorientierte Pflege ermöglicht.

3.2. Personalbezogene Ziele

Die Berufs- und Arbeitszufriedenheit gehört zu den personalbezogenen Zielen. Sie kann durch die Übernahme von Verantwortung für die eigene Tätigkeit erreicht werden. Durch Primary Nursing werden eine qualitative Weiterentwicklung der Pflege, die Kontinuität in der Durchführung pflegerischer Tätigkeiten und das bewusste Wahrnehmen von Erfolgen in der Pflege des Patienten erreicht. Primary Nursing kann darüber hinaus die Einarbeitung neuer Mitarbeiter und die Anleitung von Auszubildenden begünstigen und zu einer Verringerung der Fluktuation führen.

3.3. Betriebsbezogene Ziele

Zu den betriebsbezogenen Zielen gehört die Dezentralisierung von Machtstrukturen. Pflegedienstleitung (PDL) und Stationsleitung (SL) delegieren die pflegerische Verantwortung an die Pflegenden. Ein weiteres Ziel ist die ökonomische Betriebsführung. Dieses wird beispielsweise erreicht, indem eine wirtschaftliche Personalbesetzung im Rahmen eines geeigneten Personalmix erfolgt oder effektiv gesteuerte Prozesse einen wirtschaftlichen Arbeitsablauf ermöglichen.[18]

4. Kernelemente von Primary Nursing

Manthey beschreibt zum besseren Verständnis von Primary Nursing die vier Kernelemente Verantwortung, Fallmethode, direkte Kommunikation und Verantwortung für die Pflegeerbringung. Diese Elemente bilden die Basis des Primary Nursing.

4.1. Verantwortung

Die eindeutige und persönliche Übernahme der Verantwortung für das Treffen von Entscheidungen in der pflegerischen Versorgung des Patienten wird als Kernstück des Primary Nursing beschrieben. Die PN entscheidet eigenverantwortlich darüber, wie die ihr zugeteilten Patienten pflegerisch versorgt werden, und zwar kontinuierlich und für die gesamte Zeit des Aufenthaltes ihrer Patienten. Neben dieser Planungsentscheidung soll die PN die Pflege ihrer Patienten soweit wie möglich selbst übernehmen. Entscheidend für die Übernahme der Verantwortung durch die PN ist, dass die PN allen Beteiligten, d. h. Patienten, Angehörigen, Ärzten sowie den Mitgliedern des Gesundheitsteams namentlich bekannt ist.

Bei der Übernahme der Verantwortung durch die PN sind drei wesentliche Bereiche zu berücksichtigen:

- Der erste Verantwortungsbereich beinhaltet, dass die PN die Verantwortung dafür übernimmt, dass alle notwendigen Informationen über ihre Patienten zur Verfügung stehen. Dabei muss sie wichtige von unwichtigen Informationen unterscheiden können.
- Im zweiten Verantwortungsbereich trägt die PN die Verantwortung für die Planungsentscheidungen. Sie ist verantwortlich dafür, dass für die Zeit ihrer Abwesenheit, Anweisungen zur Pflegedurchführung für ihre Vertretungen zur Verfügung stehen. Hierbei ist die Pflegeplanung im Rahmen des Pflegeprozesses von großem Nutzen.
- Der dritte Verantwortungsbereich beinhaltet die Planung der Entlassung durch die PN. Sie trägt die Verantwortung dafür, dass der Patient nach der Entlassung sicher und effektiv versorgt wird.

Mit Übernahme der Verantwortung tritt die PN aus einer kollektiven in eine persönliche Verantwortung. Dieses ist der wesentliche Unterschied zu allen anderen pflegerischen Versorgungssystemen, in denen die Entscheidungsfindung und die Übernahme der Verantwortung kollektiv erfolgen.[19] Wichtige Voraussetzung für die Übernahme der Verantwortung ist, dass der PN Autorität und Autonomie übertragen werden, da sie ansonsten nicht rechenschaftspflichtig für ihr Handeln sein kann.[20]

4.2. Fallmethode

Die Arbeitszuweisung nach der Fallmethode ist das zweite Kernelement des Primary Nursing. Die Fallmethode bezieht sich darauf, wie die pflegerischen Aufgaben im Schichtbetrieb verteilt werden, wobei die Arbeitszuweisung nach der Fallmethode patienten- und nicht tätigkeitsorientiert ist. Es geht um die kontinuierliche Betreuung der Patienten durch die für sie zuständige PN bzw. deren Vertretungen. Es erfolgt also eine tägliche Patientenzuweisung auf die zur Verfügung stehenden Pflegenden. Ist die PN im Dienst, übernimmt sie die individuelle und ganzheitliche Pflege ihrer Patienten. In Abwesenheitszeiten wird sie durch entsprechend qualifizierte Pflegende vertreten, die die Pflege nach den Vorgaben der PN durchführen. Hierdurch wird eine Kontinuität in der pflegerischen Versorgung erreicht und ein Klima des Vertrauens geschaffen.[21]

4.3. Direkte Kommunikation

Mit dem dritten Kernelement nimmt die PN eine Schlüsselposition in der Kommunikation mit allen an der Versorgung des Patienten Beteiligten ein. Sie hat die Verantwortung, sämtliche Informationen über den Patienten an das therapeutische Team weiterzugeben und sich gleichzeitig alle notwendigen Informationen zu besorgen. Die PN ist somit für alle Mitglieder des therapeutischen Teams und die Angehörigen ihrer Patienten zentrale Ansprechperson. In einigen Fällen muss sich die PN auch als Anwalt der Patienten verstehen, indem sie auf den Informationsbedarf des Patienten eingeht und ihn in die Entscheidungsfindung einbezieht. Dieses kann einen Einfluss auf die Reduzierung von Schadensfällen im Krankenhaus haben und damit ein wichtiger Schritt zur Vermeidung von gerichtlichen Auseinandersetzungen sein, welche häufig durch mangelnde Information der Patienten entstehen.[22]

4.4. Verantwortung für die Pflegeerbringung

Im vierten Kernelement übernimmt die PN die Verantwortung für die Qualität der geleisteten Pflege und zwar 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche. Sie ist somit sowohl für die Pflegeplanung als auch für die Pflegeausführung ihrer zugeteilten Patienten verantwortlich. Hierfür ist es erforderlich, dass sie selbst so oft wie möglich die Pflege ihrer Patienten übernimmt. Die Entscheidung über die pflegerische Versorgung trifft die PN, in Absprache mit ihren zugeteilten Patienten autonom. Die Bedürfnisse und die Situation des Patienten werden in der Pflegeplanung erfasst und die Durchführung und die Ergebnisse dokumentiert. Die Pflegeprozessplanung wird damit zu einem wichtigen Informations- und Kommunikationsinstrument zwischen PN und ihren Vertretungen, damit die Pflege auch in Abwesenheitszeiten der PN kontinuierlich weitergeführt werden kann.[23]

[...]


[1] Vgl. Bücker, 2005, S. 9 f

[2] Vgl. Büssing, 1997, S. 19

[3] Vgl. Schoch u.a., 2000, S. 768

[4] Vgl. Wermke u.a., 2005, S. 840

[5] Vgl. Schoch u.a., 2000, S. 730

[6] Vgl. Ersser/Tutton, 2000, S. 5

[7] Vgl. Andraschko, 1996, S.4

[8] Vgl. Schlettig/Heide, 1995, S. 10

[9] Vgl. Kellnhauser, 1998, S. 634

[10] Vgl. Ersser/Tutton, 2000, S. 22

[11] Vgl. Manthey, 2005, S. 47

[12] Vgl. ebenda, S. 59 f

[13] Vgl. Tewes, 2002, S. 41

[14] Vgl. Fischer, 2002, S. 70

[15] Vgl. Fischer u.a., 2001, S. 542 f

[16] Vgl. Ersser/Tutton, 2000, S. 34 f

[17] Vgl. Krüger u.a., 2006, S. 92

[18] Vgl. Josuks, 2003, S. 18 f

[19] Vgl. Manthey, 2005, S. 62 ff

[20] Vgl. Ersser/Tutton, 2000, S. 8

[21] Vgl. Manthey, 2005, S. 64 ff

[22] Vgl. Manthey, 2005, S. 67 f

[23] Vgl. Manthey, 2005, S. 69 f

Details

Seiten
32
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656824794
ISBN (Buch)
9783668140035
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283311
Institution / Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin – Institut für Management im Gesundheits- und Sozialwesen
Note
1,0
Schlagworte
konzept primary nursing geschichtliche entwicklung ziele grundlagen

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