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Das Konzept der Attributionstheorien und die Auswirkungen auf das menschliche Leben und Verhalten

Seminararbeit 2012 15 Seiten

Psychologie - Medienpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Funktion von Attributionen

4. Heiders „naive Handlungsanalyse“

5. Das Konzept der Kausaldimensionen.
5.1 Die Lokationsdimension
5.2 Die Stabilitätsdimension
5.3 Die Kontrollierbarkeitsdimension

6. Stadienmodell attributionaler Aktivität

7. Attribution und Erwartungsänderung

8. Attribution und Selbstwert.

9. Attributionsstile

10. Fazit

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Alle menschlichen Handlungen haben eine oder mehrere der folgenden Ursachen: Zufall, Notwendigkeit, Zwang, Gewohnheit, Vernunft, Leidenschaft und Verlangen.“ (Aristoteles, zitiert nach Rudolph, 2009, S. 112).

Die Frage nach den Ursachen von Ereignissen, die Aristoteles auf diese Weise zusammenfassend beantwortete, stellt sich jeder Mensch jeden Tag in vielen verschiedenen Situationen. So fragen wir uns beispielsweise „Warum hat sich diese Person so verhalten?“, „Aus welchem Grund weint das Kind?“, „Ist die Person versehentlich gestolpert oder hat er mich etwa aus Rücksichtslosigkeit angestoßen?“, „Kommt sie immer zu spät oder ist etwas dazwischen gekommen?“ oder auch „Was ist der Grund für den Misserfolg in der Klausur?“.

Dieses Ergründen der Ursachen für beobachtbares Verhalten des Menschen ist Gegenstand der Attributionstheorie. Sie beschreibt die Methode der Ursachenzuschreibung (engl. to attribute = zuschreiben), die der Mensch Ereignissen und Verhalten zuordnet, wie er darauf aufbauend Bewertungen seiner Beobachtungen vornimmt, um seine alltägliche Umgebung zu verstehen, sie kontrollier- und vorhersehbar zu machen (Stiensmeier-Pelster & Heckhausen, 2010).

Zum Verständnis der Auswirkungen von Attributionen auf Erleben und Verhalten ist es besonders wichtig zu verstehen, wie dieser Prozess der Ursachenzuschreibung funktioniert.

Diese Arbeit betrachtet zunächst das grundlegende Konzept der Attributionstheorien und geht dabei auf die naive Handlungsanalyse von Fritz Heider (1958) ein. Anschließend wird der Aspekt der attributionalen Theorien aufgegriffen und anhand des Konzeptes der Kausaldimensionen nach Weiner erklärt, wie sich diese Ursachenzuschreibungen auf das menschliche Leben und Verhalten auswirken.

Im Anschluss wird das Stadienmodell attributionaler Aktivität von Stiensmeier-Pelster dargestellt, sowie ein kurzer Überblick über die Bedeutung der Erwartungsänderung, des Selbstwertes und die verschiedenen Attributionsstile gegeben.

2. Definition

Attributionen werden in der Psychologie allgemein definiert als die Zuschreibung von Ursache und Wirkung von Handlungen und stellen zentrale Bestimmungsgrößen in Bezug auf Emotion und Motivation dar (Rudolph, 2009).

Attributionstheorien sind wissenschaftliche Theorien, die beschreiben, wie Menschen ihre Umwelt und sich selbst wahrnehmen und aus diesen Beobachtungen resultierend ihr eigenes und auch das Verhalten der Mitmenschen erklären. Es werden zwei grundlegende Ansätze unterschieden. Attributionstheorien befassen sich damit, wie Menschen ihre Umwelt, sowie sich selbst wahrnehmen und daraufhin Ursachenzuschreibungen vornehmen. Attributionale Theorien hingegen beschäftigen sich mit den Auswirkungen der Ursachenzuschreibungen auf unser Erleben und Verhalten (Rudolph, 2009).

3. Funktion von Attributionen

Warum fragen Menschen in bestimmten Situationen nach den Ursachen von Ereignissen oder suchen die Gründe für ein bestimmtes Verhalten? Würden wir die Geschehnisse in unserer Umwelt einfach registrieren, ohne die dazugehörigen Informationen erfahren zu wollen, wäre der Mensch nicht in der Lage seine Umwelt zu verstehen und sie darüber hinaus zu kontrollieren und vorherzusagen. Nur wenn der Mensch versteht warum etwas geschieht, kann er eingreifen und gegebenenfalls etwas verändern. Wenn eine Person beispielsweise eine wichtige Prüfung nicht besteht, dann will sie den Grund ihres Misserfolgs erfahren. Denn nur dann kann die Ursache für den Misserfolg in der Prüfung verändert und somit auch ein anderes Ergebnis erreicht werden (Rudolph, 2009).

4. Heiders „naive Handlungsanalyse“

Fritz Heider (1896-1988), bedeutender Begründer der Attributionstheorien, prägte den Begriff des „naiven Wissenschaftlers“. Dieser beschreibt den Menschen als sogenannten Alltagspsychologen, der seine Umgebung verstehen und kontrollieren möchte und aus diesem Grund Erklärungen für seine Beobachtungen der Umwelt kreiert. Die naive Handlungsanalyse beschreibt unsere „[…] intuitiven Annahmen über das Zusammenwirken von Ursachenfaktoren in Bezug auf angestrebte Handlungsergebnisse.“ (Rudolph, 2009, S. 115). Parallel zu Lewins phänomenologischem Ansatz kann treffend gefolgert werden: „Es ist nicht die objektive Umwelt, die unser Verhalten determiniert, sondern unsere subjektive Wahrnehmung derselben.“ (Rudolph, 2009, S. 114).

Dienen der Charakter oder andere Persönlichkeitseigenschaften (Personenfaktoren) der handelnden Person selbst als Ursache des Verhaltens, so spricht man von interner Attribution. Beeinflusst aber die Situation das Verhalten einer Person, werden äußere Umstände als Erklärung herangezogen und man s pricht von externer Attribution. Nach Heider neigt der Mensch dazu verstärkt intern zu attribuieren und wesentlich seltener die Ursache von Verhalten im Außen bzw. der Situation zu sehen (Aronson, Wilson & Akert, 2008). Diese voreilige, einseitige Art der Attribution wird als fundamentaler Attributionsfehler bezeichnet.

5. Das Konzept der Kausaldimensionen

Um die vielen, möglichen Ursachen und deren Konsequenzen für das Erleben und Verhalten zu systematisieren, bedient sich der Mensch der Kausalitätsdimensionen, worunter gemeinsame Merkmale von Ursachen zusammengefasst werden (Rudolph, 2009).

Es werden 3 Ursachendimensionen unterschieden: die Lokationsdimension, die Stabilitätsdimension und die Kontrollierbarkeitsdimension, die im Folgenden näher betrachtet werden.

5.1 Die Lokationsdimension

Bereits Heider unterscheidet in seiner naiven Handlungsanalyse zwischen Personen- und Umweltfaktoren. Eine Ursache ist also entweder in der Person oder in der Situation lokalisiert. Die Unterscheidung zwischen internaler und externaler Attribution, um alltägliche Handlungen zu erklären, wird als Lokationsdimension bezeichnet. Diese Dimension hat dichotomen Charakter, das bedeutet, eine Ursache ist entweder in der Person, also internal oder in der Umwelt bzw. external lokalisierbar (Rudolph, 2009).

Mit der Lokationsdimension werden laut Weiner bestimmte Ursachen als gleich eingestuft, die allerdings einen bedeutenden Unterschied darstellen. Beispiele hierfür sind Anstrengung und Fähigkeit. Beide Ursachen werden den Personenfaktoren zugeschrieben und somit internal eingestuft. Jedoch macht es einen Unterschied, ob zum Beispiel Erfolg oder Misserfolg aufgrund fehlender Fähigkeiten oder aufgrund von zu geringer Anstrengung zu verzeichnen ist (Rudolph, 2009).

5.2 Die Stabilitätsdimension

Die zweite Ursachendimension, die Stabilitätsdimension, unterscheidet zwischen stabilen und variablen Ursachen. Stabile Ursachen bleiben über die Zeit hinweg konstant. Erlernte Fähigkeiten, wie Fahrradfahren oder ein Musikinstrument spielen, werden einmal erworben und kaum wieder verlernt. Sie sind daher konstant. Unter variablen Ursachen hingegen versteht man solche, die nicht konstant sind und folglich über die Zeit hinweg leicht verändert werden können.

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656827856
ISBN (Buch)
9783656828495
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283200
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für Mensch-Computer-Medien
Note
1,4
Schlagworte
Attribution Attributionstheorien Verhalten

Autor

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Titel: Das Konzept der Attributionstheorien und die Auswirkungen auf das menschliche Leben und Verhalten