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Elektronische Marktplätze im B2B E-Commerce. Auswahlstrategien für kleine und mittelgroße Unternehmen

Studienarbeit 2005 47 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Vorwort

Anmerkung des Autors

Glossar

1.Einführung

2.Grundlagen
2.1 E-Business und E-Commerce
2.2 Electronic-Commerce im engeren Sinn
2.3 Business-to-Business (B2B)
2.4 Vom traditionellen Markt zum elektronischen Marktplatz
2.4.1 Der traditionelle Markt
2.4.2 Der elektronische Markt
2.4.3 Der elektronische Marktplatz
2.5 Die 6 Kommunikations-Dienste des elektronischen Marktplatzes
2.6 Der elektronische B2B-Marktplatz zwischen Angebot und Nachfrage

3.Typologien elektronischer Business-to-Business Marktplätze
3.1 Elektronische Geschäftsmodelle
3.1.1 Angebotsgetriebene Marktplätze (Sell-Side Marktplätze)
3.1.2 Nachfragegetriebene Marktplätze (Buy-Side Marktplätze)
3.1.3 Beidseitige Marktplätze
3.2 Vertikale und horizontale Marktplätze
3.2.1 Vertikale Marktplätze
3.2.2 Horizontale Marktplätze
3.3 Geographische Ausbreitung der Marktplätze
3.3.1 Internationale Marktplätze
3.3.2 Europaweite Marktplätze
3.3.3 Nationale Marktplätze
3.3.4 Regionale Marktplätze
3.4 Zugangsmöglichkeiten zu elektronischen Marktplätzen
3.4.1 Offene Marktplätze
3.4.2 Halboffene Marktplätze
3.4.3 Geschlossene Marktplätze

4.Funktionen elektronischer Business-to-Business Marktplätze
4.1 Virtuelles Branchenbuch
4.2 Elektronische Börsen
4.3 Ausschreibungen
4.4 Schwarze Bretter
4.5 Katalogsysteme
4.6 Elektronische Auktionen
4.7 Power-Group-Buying

5. 2.3 Typ C: Integration unterschiedlichster Funktionsbereiche im Marktplatz

6.Elektronische B2B-Marktplätze für kleine und mittelgroße Unternehmen
6.1 E-Business Prognosen
6.2 E-Commerce und kleine und mittelgroße Unternehmen
6.3 Erfolgskriterien kleiner und mittelgroßer Unternehmen für elektronische B2B-Marktplätze

7.Analyse und Auswahlstrategien eines B2B-Marktplatzmodells für KMUs
7.1 Marktplatztypologien für KMUs
7.1.1 Angebots,- Nachfrage- und beidseitig getriebenen Marktplätzen
7.1.2 Vertikale vs. horizontale Marktplätze
7.1.3 Geographische Marktplatzausrichtungen
7.1.4 Marktplatz-Zugangsmöglichkeiten für KMUs
7.2 Marktplatztypen und Marktplatzgruppen für den Mittelstand
7.2.1 Marktplatztypen für kleine und mittelgroße Unternehmen
7.2.2 Marktplatzgruppen und Marktplatzfunktionen für KMUs

8.Abschließende Empfehlungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Anhang 1: Praxisbeispiel: „maex-online.de“

Anhang 2: „maex-online“-Broschüre

Zusammenfassung

E-Commerce im B2B-Bereich beschränkt sich als Teilmenge des E-Business auf die elektronische Übertragung von Verfügungsrechten im Handelsprozess zwischen zwei Unternehmen. Der elektronische Marktplatz stellt in diesem Szenario eine computernetzbasierte Vermittlungsinstanz zwischen vielen Anbietern und mehreren Nachfragern (oder umgekehrt) dar, indem er verschiedene Kommunikationsdienste zur Verfügung stellt, um Transaktionsprozesse zwischen den Marktplatzbenutzern anzustoßen.

Kriterien eines elektronischen Marktplatzes bestehen zunächst im Aufbau und in der Ausrichtung des Marktplatzes. Modelle Angebots- und Nachfragegetriebener Marktplätze treffen sich in der Mitte und bilden einen beidseitig ausgerichteten elektronischen Marktplatz, auf dem Anbieter und Nachfrager agieren und Handelsbeziehungen untereinander eingehen. Weitere Marktplatzausrichtungen bilden vertikale, rein Branchenorientierte Plattformen, und horizontale Marktplätze, die mehrere Branchen bedienen. Die geographischen Ausrichtungen erstrecken sich von regionalen bis hin zu internationalen Internet-Marktplätzen. Zugänge zu elektronischen Marktplätzen können frei zugänglich (offen), eingeschränkt (halboffen) oder geschlossen sein durch z.B. private Netzwerke.

Marktplatzfunktionen, die elektronische B2B-Marktplätze den Unternehmen bieten, sind Marktmechanismen, die auch auf „realen“ Märkten gelten. Sechs generelle Funktionen sind virtuelle Branchenbücher, elektronische Börsen, Ausschreibungen, Schwarze Bretter, Katalogsysteme, Auktionen und Power-Group-Buying.

Einsparungen von Transaktionskosten in Einkaufs- und Vertriebsprozessen bis hin zu unternehmensinternen Prozesskosten lassen sich durch die Integration elektronischer Marktplätze in unternehmensinterne IT-Systeme erzielen. Hierbei werden Integrationsgrade des Marktplatztypen A (keine Integration, nur Transaktionskosteneinsparung), B (leichte bis starke Integration) und C (sehr starke Integration) unterschieden. Diese drei Typen entsprechen drei aktuellen Marktplatzgruppen: den B2B-Portalen, den B2B-Trading Networks und den Sourcing-Service Providern.

Mehr als 40% deutscher Mittelstandsunternehmen planten bzw. planen 2004/2005 steigende Investitionen in E-Business und E-Commerce. Erfolgskriterien für KMUs, wie Individualisierung des Produktangebots, Schnelligkeit und Flexibilität durch regionale Marktnähe gelten auch auf dem „elektronischen“ Markt.

Die beschriebenen Marktplatzkriterien wurden nun auf die Erfolgskriterien von KMUs hin analysiert. Daraus wurden mögliche Auswahlstrategien für die Teilnahme an einem elektronischen Marktplatz von KMUs entwickelt. Die wesentlichen Auswahlstrategien für KMUs liegen in der Teilnahme an einem beidseitig getriebenen Marktplatz mit vertikaler (Branchenorientierter) und regionaler Ausrichtung. Es eignen sich offene und halboffene Marktplätze. KMUs sollten Marktplätze des Typs A, Transaktionskosteneinsparungen, favorisieren. Durch die Teilnahme an B2B-Portalen stehen börsencharakterliche Funktionen wie Katalogsysteme, Schwarze Bretter, Auktionen und Ausschreibungen zur Verfügung.

Abschließende Empfehlungen richten sich zunächst an die Förderung allgemeiner und offener Software-Standards durch die Marktplatzbetreiber, um auch KMUs eine günstigere unternehmensinterne Prozessintegration zu ermöglichen. Weiter sollten Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten auf dem elektronischen Marktplatz vertieft werden. Außerdem sollten KMUs neben der Teilnahme an einem elektronischen Marktplatz parallel Crossmarketing in begleitenden Medien betreiben und den persönlichen Kundenkontakt weiter aufrecht halten. Das Praxisbeispiel im Anhang 1 beschreibt hierzu gute Ansätze.

Vorwort

Im Rahmen meines Absatzwirtschaftsstudiums an der Fontys Internationale Hogeschool Economie verfasste ich vorliegende Studienarbeit über elektronische Marktplätze im Business-to-Business-E-Commerce.

Der Bericht richtet sich in erster Linie an diejenigen, die sich für moderne Geschäftsmodelle aus Bereichen des E-Business und E-Commerce interessieren. Außerdem liefert dieser auf Fachliteratur gestützte Bericht Studenten der Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsinformatik einen Einblick in die Bereiche der elektronischen B2B-Marktplätze.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Praktikumsbetrieb, der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH dafür bedanken, dass ich die Möglichkeit hatte, mir einen sehr guten Einblick von ihrem Internet-Marktplatz „maex-online“ zu verschaffen. Die gewonnenen Erkenntnisse halfen mir sehr bei der Ausarbeitung des Praxisbeispiels dieser Arbeit.

Gleichzeitig bedanke ich mich bei meinem betreuenden Dozenten, Herrn Ulrich Scholz, der mir stets Ratschläge und Empfehlungen bei der Erstellung dieser Studienarbeit gab.

Mönchengladbach, im Oktober 2005 Michael M. Reiner

Anmerkung des Autors

Elektronische Marktplätze im Business-to-Business-E-Commerce stellen ein sehr umfangreiches, komplexes Thema im ständig wandelnden Informationszeitalter dar. Dies belegen viele Literaturquellen dieser Arbeit. Trends und Prognosen über zukünftige Entwicklungen elektronischer Marktplätze – gerade für kleine und mittlere Unternehmen - ließen sich nur schwer von Studien aus den Jahren 2002-2004 ableiten. Die momentane Entwicklung der Marktplätze ist nach einem leichten Aufschwung im letzten Jahr ein wenig undurchsichtig, da kaum aktuelle Studien und Prognosen aus diesem Jahr vorliegen. Aus diesem Grunde werden nur wenige aktuell geltende Praxisbeispiel oder -verweise im Bericht genannt.

Glossar

Backend Integration Sämtliche Prozesse, die über einen elektronischen Marktplatz durchgeführt werden, sind von der reinen Webanwendung über ERP-Systeme mit unternehmensexternen und –internen Prozessen (z.B. Abrechnungs-, Bestellsysteme) verknüpft.

Business-to-Business Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen

Business-to-Consumer Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen und Endverbrauchern

C-Artikel C-Artikel sind nach den Kriterien der ABC-Analyse die Artikel, die einen hohen Mengenanteil, aber einen geringen Wertanteil der Gesamtbeschaffung eines Unternehmens ausmachen. C-Artikel haben einen geringeren strategischen Wert und zeichnen sich häufig durch stark schwankenden Bedarf und ein niedriges Beschaffungsrisiko aus.[1]

EDI (Electronic Data Interchange) Bezeichnung eines Austauschformates für die elektronische Vermittlung strukturierter Geschäftsdaten (seit den 70ern). So können mit EDI z.B. Rechnungen, Bestellungen oder Lieferscheine elektronisch übermittelt und beim Empfänger direkt weiterverarbeitet werden.[2]

ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning Systeme) Softwaresysteme für die Integration und Automatisierung von Geschäftsprozessen eines Unternehmens (z.B. SAP-Unternehmenssoftware)[3]

Extranet Ein Extranet ermöglicht Partnern, Zulieferern und Kunden eines Unternehmens den Zugriff auf interne Web-Applikationen.[4]

VPN (Virtual Private Network) Privates virtuelles Netz, das auf der vorhandenen Struktur eines oder mehrere Netze aufsetzt.[5]

1. Einführung

Während des Absatzwirtschaftsstudiums an der Fontys Internationale Hogeschool Economie bearbeitet der Student eine theoretische Studienarbeit, die sich über 10-11 Monate zieht. Hauptziel besteht darin, sich in dieser Zeit mit einem selbst gewählten theoretischen Thema zu befassen, in dem individuelle Interessen liegen. Das Modul besteht aus den Phasen der Literaturrecherche, der Verfassung des Berichts und der abschließenden Diskussion über das Thema mit betreuenden Dozenten und Mitstudierenden.

Der vorliegende Bericht bildet somit die zweite Phase dieses Moduls. Er beinhaltet eine Beschreibung und Analyse elektronischer Marktplätze im Business-to-Business-E-Commerce sowie anschließende Auswahlstrategien für eine effektive und erfolgreiche Teilnahme kleiner und mittelgroßer Unternehmen (KMUs) an einem elektronischen Marktplatz.

Kapitel 2 beschäftigt sich mit grundlegenden Begriffen dieser Arbeit wie E-Business, E-Commerce, Business-to-Business, elektronischer Marktplatz und speziellen Kommunikationsdiensten auf einem elektronischen Marktplatz.

Ab Kapitel 3 beginnt die Beschreibung verschiedener B2B-Marktplatzkriterien.

Im dritten Kapitel wird auf Kriterien eingegangen, die den Aufbau und die Ausrichtung elektronischer Marktplätze betreffen. Zunächst werden Angebots,- Nachfragegetriebene und beidseitig ausgerichtete Marktplätze mit den möglichen Marktplatzbetreibern vorgestellt. Danach werden vertikale und horizontale Marktplatzausrichtungen beschrieben sowie geographische Ausrichtungen und Zugangsmöglichkeiten elektronischer Marktplätze.

Funktionen elektronischer B2B-Marktplätze werden in Kapitel 4 vorgestellt. Sie unterstützen Einkaufs- und Vertriebsprozesse für bestimmte Produkte und Dienstleistungen auf elektronischen Marktplätzen. Sechs generelle Funktionen lassen sich unterscheiden: Virtuelles Branchenbuch, Elektronische Börse, Ausschreibungen, Schwarze Bretter, Katalogsysteme, Auktionen und Power-Group-Buying.

Kapitel 5 beschreibt zunächst den Gründungsrückgang elektronischer B2B-Marktplätze in den letzten Jahren und dessen Ursachen. Daraus entstanden neue Entwicklungspotenziale für die Marktplätze, indem sie sich auf Schwerpunkte im Angebot spezialisierten. Hieraus entwickelten sich drei unterschiedliche Marktplatzgruppen im B2B-Bereich, die auf bestimmten Marktplatztypen (A-C) basieren.

In Kapitel 6 wird die Analyse der bisher beschriebenen Marktplatzkriterien auf kleine und mittelgroße Unternehmen (KMUs) vorbereitet. Zunächst werden aktuelle E-Business Prognosen und die momentane Entwicklung des E-Commerce für KMUs herausgestellt. Danach folgt die Beschreibung der Erfolgskriterien von KMUs, die bei der Teilnahme an elektronischen Marktplätzen zu beachten sind.

In Kapitel 7 werden dann die Marktplatzkriterien – Marktplatztypologien, -funktionen, -typen und zugehörige -gruppen – auf die KMU-Erfolgskriterien hin analysiert und mögliche Auswahlstrategien für eine elektronische Marktplatzteilnahme von KMUs entwickelt. Ziel dieses Kapitels ist es somit ein effektives elektronisches Business-to-Business-Marktplatzmodell für den Mittelstand heraus zu arbeiten.

Kapitel 8 vertieft bestimmte Auswahlempfehlungen eines Marktplatzmodells für kleine und mittelgroße Unternehmen. Hier werden sowohl Empfehlungen ausgesprochen, die in dieser Arbeit herausgestellten Problemen entgegenwirken können, als auch ergänzende Empfehlungen für KMUs bei der Teilnahme an einem elektronischen B2B-Marktplatz. Zum besseren Gesamtverständnis wird danach im Anhang 1 anhand des Praxisbeispiels „maex-online“ ein zusammenhängendes effektives Marktplatzmodell für KMUs beschrieben.

2. Grundlagen

Im folgenden Kapitel werden zunächst grundlegende Begriffe dieser Arbeit wie E-Business, E-Commerce, Business-to-Business und elektronischer Marktplatz erläutert. Berücksichtigt werden noch gewisse Kommunikationsdienste, die von einem elektronischen Marktplatz grundsätzlich unterstützt werden sollten. Um einen genaueren Themen bezogenen Überblick zu bekommen, werden die Begriffe am Ende dieses Kapitels in einen Gesamtzusammenhang gebracht.

2.1 E-Business und E-Commerce

Bevor nachher auf die zentrale Frage eingegangen wird, was überhaupt elektronische Marktplätze im Business-to-Business-E-Commerce sind, sollte zunächst der Begriff E-Commerce (Electronic-Commerce) definiert werden. Um E-Commerce verständlich zu erläutern, wird der Oberbegriff E-Business (Electronic-Business) in die Betrachtung mit einbezogen. Denn E-Commerce ist in gesonderter Weise im E-Business „enthalten“: Die Differenzierung der Begriffe E-Commerce und E-Business analysierten die Autoren Voigt, Landwehr und Zech 2003 anhand einer Auswahl unterschiedlicher Definitionen aus den Jahren 1997 – 2002. Demnach ist E-Commerce auch eine „Form“ des E-Business. Deswegen wird folgende Definition des E-Business von Mesenbourg auch aus diesem Grunde gewählt, da das Wort E-Commerce einen Bestandteil dieser Definition bildet:

„E-Business is any process that a business organization conducts over a computer-mediated network. [...] E-Business infrastructure is the share of total economic infrastructur used to support processes and conduct e-commerce.“ [6]

Electronic-Business „leitet“ oder „führt“ demnach E-Commerce aus. E-Business ist eine Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeit basierend auf der Internet-Technologie, unternehmensinterne und –externe Prozesse zu gestalten und abzuwickeln.[7] Unternehmensberater Gartner sieht E-Business weiter als Möglichkeit durch Einsatz digitaler Technologien und des Internets als hauptsächlicher Kommunikationsweg die Position des Unternehmens kontinuierlich zu optimieren.[8] Ähnlich betrachtet dies auch Meffert, der E-Business dem „E-Commerce „im weiteren Sinne“ gleichsetzt. Hier wird E-Business als jede Art wirtschaftlicher Tätigkeit auf der Basis elektronischer Verbindungen verstanden.[9] Meffert verwendet zur Abgrenzung der beiden Begriffe, E-Business und E-Commerce, die Kriterien der verwendeten Technologie und der Art der Aktion zwischen den Wirtschaftssubjekten.

Abbildung 1: Abgrenzung der Begriffe E-Business und E-Commerce

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter E-Business fällt also nicht nur die Durchführung einer Transaktion (z.B. der Verkauf oder die Vermietung), sondern auch der reine Kontakt oder Datenaustausch über elektronische Medien. So fällt beispielsweise schon der einfache geschäftliche E-Mail-Austausch unter E-Business-Aktivitäten. Als Medien werden neben dem Internet auch unternehmensinterne und –externe Netze sowie Telefon, Fax und Fernsehen gesehen.[10]

Abschließend kann festgestellt werden, dass zum E-Business neben dem eigentlichen Handelsaustausch auch Aktivitäten gehören, die sich nicht ausdrücklich auf die Übereignung von Benutzungsrechten beziehen, wie beispielsweise Verwaltungsprozesse oder jede Art von digitaler Kommunikation (z.B. E-Mail).[11]

2.2 Electronic-Commerce im engeren Sinn

Gartner beschränkt sich in seinen Aussagen hinsichtlich des Electronic-Commerce auf die einfache Nutzung des Internets, digitaler Kommunikation und IT-Anwendungen, um den Prozess des Kaufens zu ermöglichen.[12] Er vernachlässigt hierbei jedoch den absatzwirtschaftlichen Aspekt. Rebstock versteht E-Commerce dahingegen als die Bezeichnung von verschiedenen Möglichkeiten, Vorgänge im Absatzbereich mittels elektronischer Kommunikationsmedien abzuwickeln.[13] Eine Kombination aus Sichtweisen sowohl des Vertriebs- als auch des Beschaffungsbereichs von Waren und Dienstleistungen sollte demnach bei einer umfassenden Definition des E-Commerce berücksichtigt werden. Electronic-Commerce wird in der Literatur meist mit „elektronischem Handel“ oder „elektronischem Geschäftsverkehr“ übersetzt. Das Begriffselement „Electronic“ bildet den technologischen Aspekt – die Realisierung von Aktivitäten über Computernetzwerke. Die Zweckbestimmung liegt im Begriff „Commerce“, die bestimmte kaufmännisch, rechtliche Transaktionsprozesse der Handelsteilnehmer beinhaltet.[14]

Transaktionsprozesse der E-Commerce Teilnehmer laufen, wie auf dem „realen Markt“, in drei wesentlichen Transaktionsphasen ab. Die Informationsphase dient zum gegenseitigen Austausch von Informationen der Teilnehmer. In der Vereinbarungs- oder Anbahnungsphase werden Verträge abgestimmt und geschlossen, die später in der Abwicklungsphase durch Zahlungs- und Logistikabwicklung erfüllt werden sollen.[15] Ein wesentlicher Vorteil von elektronischen B2B-Marktplätzen, wie später in dieser Arbeit beschrieben, ist die Einsparung von Transaktionskosten im Geschäftsverkehr. Betreiber[16] elektronischer Marktplätze sollten die Zielsetzung haben, dass ihr Marktplatz alle Transaktionsphasen unterstützt, um ihn als „ganzheitlichen“ Marktplatz bezeichnen zu können.[17]

Zusammenfassend kann gefolgert werden, dass sich E-Commerce als Teilmenge des E-Business nur auf die reine Übertragung von Verfügungsrechten zwischen den Marktpartnern bezieht.[18] Deswegen eignet sich folgende Definition für die Beschreibung des E-Commerce:

„Electronic commerce is any transaction completed over a computer-mediated network that involves the transfer of ownership or rights to use goods or services.” [19]

In der Definition wird der Begriff des Electronic-Commerce auf die netzbezogene Transaktion von Benutzungs- oder Verfügungsrechten über den eigentlichen Handelsaustausch von Gütern oder Dienstleistungen beschränkt.

2.3 Business-to-Business (B2B)

Folgend wird nun geklärt, welche Funktionen E-Commerce im Business-to-Business Bereich ausüben kann. Grundsätzlich existieren im E-Commerce drei Gruppen von Akteuren:

- Private Endverbraucher (Consumer),
- Unternehmen (Business) und
- Öffentliche Institutionen (Administration)

Die Marktteilnehmer agieren miteinander sowohl als Anbieter als auch als Nachfrager. So ergibt sich eine Matrix mit insgesamt neun Transaktionsbereichen im E-Commerce:

Abbildung 2: Transaktionsbereiche des Electronic-Commerce

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an Hermanns/Sauter, 1999, S. 28.

Den wohl bekanntesten Marktbereich bildet die Business-to-Consumer (B2C) Beziehung. Sie bezeichnet den Austausch – meistens von Waren – zwischen Unternehmen und Endverbrauchern. Die Konzentration liegt hierbei im elektronischen Vertrieb. Immer noch aktuelle Erfolgsbeispiele hierzu sind z.B. Internet-Versandhäuser wie Otto, Quelle und Amazon.[20] Eine relativ schnelle und erfolgreiche Entwicklung zeichnete sich in den letzten Jahren im Consumer-to-Consumer Bereich ab. Die Internet-Auktionsplattform E-Bay machte dies möglich, auf der vorrangig Konsumenten untereinander Güter in Echtzeit versteigern können.[21]

Ein sich immer weiter entwickelnder Transaktionsbereich ist der elektronische Business-to-Business Bereich.[22] Dieser Bereich bezeichnet den Handelsaustausch zwischen Unternehmen untereinander.

Die Anbieter im Business-to-Business Bereich erwarten vom E-Commerce insbesondere Effizienzsteigerungen durch eine schnellere Abwicklung von Prozessen und eine signifikante Kostensenkung durch die automatisierte Abwicklung von Transaktionen auf elektronischem Wege.[23] Einsatzbereiche im B2B-E-Commerce liegen in der Beschaffung und im Vertrieb.

Auf die anderen in Abbildung 2 dargestellten Transaktionsbereiche wird explizit nicht eingegangen werden, da diese keine Themenschwerpunkte dieser Arbeit darstellen.[24]

2.4 Vom traditionellen Markt zum elektronischen Marktplatz

Aus dem Begriff des traditionellen Marktes lässt sich der elektronische Markt herleiten. Daraus wird der elektronische Marktplatz definiert.

2.4.1 Der traditionelle Markt

Das historische Vorbild des traditionellen Marktes ist die Agorá, der Marktplatz des antiken Athen. Nach dieser Auffassung sind Märkte ursprünglich Plätze, auf denen sich autonome Wirtschaftssubjekte zum Informationsaustausch, zum Abschluss von Vereinbarung und zur Durchführung von Gütertransaktionen treffen.[25] Nach der volkswirtschaftlichen Theorie ist der Markt ein abstrakter Ort des Tauschens, an dem aggregiertes Angebot und aggregierte Nachfrage zu einer bestimmten Zeit aufeinander treffen.[26] Die betriebswirtschaftliche Perspektive stellt den Markt aus Sichtweise des Unternehmens dar. Sie unterteilt ihn in Absatz- und Beschaffungsmarkt.[27]

2.4.2 Der elektronische Markt

Ein elektronischer Markt ist eine besondere Form des traditionellen Marktes. Beim traditionellen Markt nehmen Personen die Marktkommunikation und –koordination wahr während dies beim elektronischen Markt computergestützt erfolgt. Durch die zunehmende weltweite Vernetzung von Computernetzen entsteht ein virtueller Handelsraum – das weltweite Internet –, in dem Produkte und Dienstleistungen präsentiert, angeboten und vertrieben werden können.[28] Der Terminus „elektronischer Markt“ entstand bereits in den siebziger Jahren im Bereich der Finanzmärkte. Unter den Begriff des elektronischen Marktes fielen erste elektronische Systeme zur Unterstützung und transaktionssenkenden Automatisierung des Wertschriftenhandels.[29]

2.4.3 Der elektronische Marktplatz

Aus dem elektronischen Markt lässt sich nun der elektronische Marktplatz definieren:

Ein elektronischer Marktplatz stellt eine Vermittlungs- und Koordinationsinstanz dar, indem er die Aktivitäten mehrerer Anbieter und Nachfrager auf einer computernetzbasierten Plattform bündelt.[30] Auf beiden Marktseiten müssen mehrere oder viele Teilnehmer vorhanden sein, damit ein „eindeutiger“ Marktplatz identifiziert werden kann.[31]

[...]


[1] Richter/Nohr, 2002, S. 147.

[2] Vgl. Richter/Nohr, 2002, S. 148.

[3] Vgl. Schneider/Schnetkamp, 2001, S. 248.

[4] Vgl. Richter/Nohr, 2002, S. 148.

[5] Richter/Nohr, 2002, S. 150.

[6] Vgl. Voigt/Landwehr/Zech, 2003, S. 8.

[7] Vgl. Scheffler, 2000, S. 5.

[8] Vgl. Pinci, S. 3, veröffentlicht im Internet (Abfrage: 30. Aug. 2005).

[9] Vgl. Meffert, 2000, S. 917.

[10] Vgl. Meffert, 2000, S. 918.

[11] Vgl. Voigt/Landwehr/Zech, 2003, S. 7.

[12] Vgl. Pinci, S. 3, veröffentlicht im Internet (Abfrage: 30. Aug. 2005).

[13] Vgl. Voigt/Landwehr/Zech, 2003, S. 5.

[14] Vgl. Voigt/Landwehr/Zech, 2003, S. 6-7.

[15] Vgl. Lampe, 1999, S. 3.

[16] Erklärung des Begriffs „Marktplatzbetreiber“ findet in Kapitel 3 statt.

[17] Vgl. hierzu Kapitel 3.

[18] Vgl. Voigt/Landwehr/Zech, 2003, S. 8.

[19] Vgl. Voigt/Landwehr/Zech, 2003, S. 8.

[20] Siehe hierzu z.B. www.amazon.de.

[21] Siehe hierzu www.e-bay.de.

[22] Siehe hierzu die Ausführungen in Kapitel 5.

[23] Meffert, 2000, S. 919.

[24] Erläuterungen zu weiteren Transaktionsbereichen können in Hermanns/Sauter, 1999, S. 13-29 nachgelesen werden.

[25] Vgl. Voigt/Landwehr/Zech, 2003, S. 16.

[26] Vgl. Lampe, 1999, S. 3.

[27] Vgl. Voigt/Landwehr/Zech, 2003, S. 17.

[28] Richter/Nohr, 2002, S. 22.

[29] Vgl. Voigt/Landwehr/Zech, 2003, S. 18.

[30] Vgl. Richter/Nohr, 2002, S. 23.

[31] Vgl. Gemeint ist hier der beidseitige Marktplatz, vgl. hierzu Kapitel 3.1.3.

Details

Seiten
47
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656826385
ISBN (Buch)
9783656826392
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283040
Institution / Hochschule
Fontys University of Applied Sciences
Note
7.5
Schlagworte
E-Commerce E-Business B2B

Autor

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