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Mensch und Tier. Die Grundlagen der Tiergestützten Pädagogik und Arbeit mit Tieren

Akademische Arbeit 2006 25 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort:

1. Grundlagen der Mensch-Tier-Beziehung
1.1. Wurzeln der Mensch-Tier-Beziehung
1.2. Kommunikation zwischen Mensch und Tier
1.3. Heilender Prozess in der Interaktion Mensch-Tier

2. Tiergestützte Pädagogik und Therapie
2.1. Zur Klärung der Begriffe „Therapie“ und „tiergestützt“
2.2. Lernen mit Tieren
2.3. Tiere als therapeutische Begleiter

3. Rahmenbedingungen für die Arbeit mit Tieren
3.1. Herkunft der Tiere
3.1.1. Tiere des Therapeuten
3.1.2. Tiere des Klienten
3.1.3. Tiere der Institution oder aus dem Tierheim
3.2. Hygienische Anforderungen
3.2.1. Tiere als Infektionsquelle
3.2.2. Tiere als Erschwernis im Alltag der Institution
3.2.3. Rechtsnormen für die institutionelle Arbeit mit Tieren

4. Schlusswort

6. Quellennachweis

Vorwort:

Die vorliegende Arbeit „Mensch und Tier. Die Grundlagen der Tiergestützten Pädagogik und Arbeit mit Tieren“ beschäftigt sich mit den grundlegenden Auswirkungen der Interaktion zwischen Mensch und Tier. Der Ursprung dieser, sowie der Wandel der Interaktion zwischen Mensch und Tier im Laufe des Zeitgeschehens wird ebenso beleuchtet wie die heute bekannten Forschungsergebnisse und der daraus folgende Einsatz in der Sozialen Arbeit.

In einem Großteil der deutschen Haushalte werden die unterschiedlichsten Haustiere wie Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Fische oder Terrarientiere gehalten, wobei zum Teil horrende Summen für die Tierhaltung ausgegeben werden.

Warum findet das Halten von Haustieren einen so immensen Zuspruch? Welche Auswirkungen der Tiere auf den Menschen werden erwartet? Warum wird in bestimmten (Lebens-)Situationen auf die Präsenz von Tieren Wert gelegt? Warum wünscht sich der Großteil der Kinder ein Haustier? Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

„Jeder Mensch hat ein angeborenes Bedürfnis, mit Tieren umzugehen. Bereits seit Jahrhunderten haben Tiere in der Therapie ihren Platz. Katzen werden schon seit der Antike vor allem bei nervlichen und psychischen Problemen eingesetzt. Seit den 60er Jahren wird wissenschaftlich an Universitäten untersucht, welchen gesundheitsfördernden Einfluss Tiere auf den Menschen haben können. Dabei fand man heraus, dass sich der Umgang mit Vierbeinern positiv auf die psychische Gesundheit auswirkt.

Die Tiertherapien erlebten so ihre Geburtsstunde.“ (www.br-online.de, o. V., aufgerufen am 09.01.06)

Auffallend ist, dass das Hingezogensein zu Tieren in allen Fällen von Kindesbeinen an bei jedem Kind zu finden ist, die spätere Ausprägung doch zu großen Stücken von der Erziehung durch die Eltern bzw. die Sozialisation des Kindes abhängt.

Umso wichtiger ist der gezielt herbeigeführte Kontakt zwischen Mensch und Tier mit all den sich daraus ergebenden Möglichkeiten um Lernerfahrungen in den verschiedensten (Lebens)Bereichen tätigen zu können.

1. Grundlagen der Mensch-Tier-Beziehung

1.1. Wurzeln der Mensch-Tier-Beziehung

Schon sehr früh in der Geschichte der Menschheit ist der Umgang mit Tieren anzutreffen, um sich durch den erwirtschafteten Nutzen Vorteile in verschiedenster Hinsicht zu erlangen.

Zum einen natürlich, um durch das Töten eines Tieres Nahrung zu erhalten, später aber, im Zuge der Sesshaftwerdung der Menschen durch Domestikation von Tieren diese wohnortnah und somit jederzeit verfügbar zu haben. Als erste dieser domestizierten Tiere sind das Schaf, die Ziege und der Hund, also der Wolf, zu nennen. (Späth, 2000, Seite 16). Schafe und Ziegen dienten hierbei zum einen als Fleisch- bzw. als Milchlieferanten, zum anderen zum Beispiel zur Beseitigung von Busch- Strauchwerk um spätere Ackerflächen freizuhalten. Natürlich trugen die Schaf- und Ziegenhäute auch dazu bei, dass der Mensch kältere Klimazonen bevölkern und dort überleben konnte. Erst verhältnismäßig spät kamen dann die heute üblichen Rinder als Milch- und Fleischlieferanten – aber viel wichtiger – als Zugtier zum Vorschein.

Außer als Nahrungslieferanten dienten Tiere auch seit der Antike in der Mythologie und der Religion der Menschen. Zum einen galten sie als Opfertiere zugunsten der herrschenden Gottheiten, zum anderen wurden Götter häufig in Tiergestalt dargestellt, oder von Tieren begleitet. „Selbst Bacchus, der Gott des Weines, wurde im Ziegengespann sitzend dargestellt. Die Ziege wurde das Hauptopfertier der Menschen für Zeus und seiner Gattin Hera, welche gern Ziegenfleisch aß“ (Späth, 2000, Seite 18).

Auch heute sind Tiere in Sprichwörtern und Sinnbildern zu finden, sprechen wir doch auch vom „Sündenbock“, dem „Schwarzen Schaf“, dem „dummen Huhn“, usw.

Neben diesen „Nutztieren im eigentlichen Sinn“ nahm der Wolf, bzw. der daraus resultierendem Hund eine besondere Stelle schon seit Beginn der Haustierwerdung ein.

Er diente als elementarer Begleiter zur Jagd und zum Schutz der Menschengemeinschaft von anderen Tieren oder feindlichen anderen Gruppen. Auch zum Hüten des Viehs oder zum Transport von Waren wurden und werden Hunde eingesetzt.

Man nutzte die Fähigkeit der andauernden Sozialisation im Wolfsrudel, wodurch Hunde zu treuen und permanenten Weggefährten wurden. Außerordentlich deutlich ist diese Sonderstellung des Hundes auch daran zu erkennen, dass dieser allein von allen anderen bis dahin gehaltener Haustiere Zutritt zu den Wohnbereichen der Menschen zugesprochen bekam, der den anderen Tieren versagt blieb.

Er wurde in das Familienleben integriert und wurde mehr und mehr zum Spielgefährten der Kinder. Schon hier ist das Bedürfnis der Kinder ersichtlich, außerhalb des Spielens mit Gleichaltrigen, die vorhandene Zeit mit Tieren zu verbringen.

Dieses Privileg der Haustierhaltung im heutigen Sinne, nämlich im Sinne von Spielgefährten oder als Beschäftigung in der Freizeit, blieb damals den Königshäusern vorbehalten. Hier war es auch, wo exotische Tiere aus fernen Ländern zur Belustigung der Menschen herbeigeschafft wurden, die Raubkatzen in den Kolossen, aber auch das Meerschweinchen aus dem fernen Neu Guinea seien hierfür Beispiele.

Der Großteil der Bevölkerung hatte aber weder Zeit, noch Geld, noch den Bedarf sich Tiere als Spielgefährten zu halten. Da diese sowieso aus landwirtschaftlich geprägten Familienstrukturen stammten, war hier permanenter und unmittelbarer Kontakt zum Tier zwingend erforderlich.

Hier war der Bezug zum Tier von dem erwarteten Nutzen geprägt, d. h. der Versicherung für die (Groß-)Familie weiterhin überleben zu können. Wurde hier zwar für die heutigen Verhältnisse eine geringe Anzahl von Tieren gehalten, wurde doch auf eine Vielzahl der unterschiedliche Tierarten Wert gelegt was zur Pluralität der erzeugten Lebensmittel beitrug, und man so von der allgemeinen Wirtschaft unabhängiger war. Heute wird dieser Pluralität der Lebensformen auch in der Landwirtschaft zunehmende mehr Beachtung gewidmet, heute unter dem neuen Aspekt der „Biodiversität“ bekannt und diskutiert.

Der Bezug zum Tier und der Natur war unmittelbar, da sich eine Krankheit oder der Tod eines Tieres ebenso unmittelbar auf das Wohlergehen der Familie niederschlug. Dementsprechend war auch der Umgang mit den Tieren von Fürsorge und Achtung der Tiere als Lebewesen bestimmt.

Der Umgang mit Tieren war für die Menschen bis vor dem zweiten Weltkrieg und in weiten Teilen Deutschlands auch noch lange Zeit im Rahmen kleinbäuerlicher Strukturen nicht wegzudenken und bestimmte zu großen Teilen den Tages- bzw. den Jahresablauf. Auch für die Kinder gehörte es zum Alltag, das Vieh zu versorgen und die ihnen aufgetragene Arbeit auf Hof und Feld zu verrichten. „War es doch immer ein Erlebnis, mit den Kühen zum Ackern aufs Feld zu fahren“ (mündl. Mitteilung eines ehem. Landwirtes).

1.2. Kommunikation zwischen Mensch und Tier

Die Tatsache, dass Menschen Beziehungen zu Tieren aufbauen können, die denen zu anderen Menschen qualitativ gleichen, ist für viele Verhaltensforscher gleichzeitig auch der entscheidende Hinweis darauf, dass Tiere auch als therapeutische Helfer eingesetzt werden können. Damit solch eine Therapie mit Tieren wirkt, ist das Empfinden der betreffenden Person ausschlaggebend, es handle sich um Partnerschaft. Dass Menschen ihren lieb gewonnenen Vierbeinern Namen geben, ist z. B. das äußere Zeichen für Empfindungen dieser Art.

Diese innige Verbindung zu den Tieren ist den Menschen im Laufe der Industrialisierung immer mehr verloren gegangen. Durch die Pluralität der möglichen Beschäftigungsmöglichkeiten und den Erhalt des Status quo war man auf das Halten von landwirtschaftlichen Nutztieren zum Erhalt bzw. zur Verbesserung der familienwirtschaftlichen Lage immer weniger angewiesen. Die bis dahin vorherrschende innige Beziehung zu den Tieren beschränkte sich nun immer mehr auf bestimmte Personengruppen, welche sich berufsmäßig noch mit der Nutztierhaltung beschäftigten. Einem Großteil der Bevölkerung war es hingegen möglich, Lohn und Brot in einer nahe liegenden Stadt zu verdienen.

Nun war es auch erdenklich, außerdem bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands, die erwirtschafteten finanziellen Mittel zur Gestaltung der eigenen Freizeit zu verwenden, was mit einer Verlagerung der vorherrschenden Wertvorstellungen wie dem Drang zur Individualisierung, der Möglichkeit zur Exploration usw. einherging.

Ein Zurück aus dieser Situation, hinein in die vermeintlich einengende Tierhaltung im Sinne der Landwirtschaft ohne Urlaub, Ferien oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, kam den Meisten nicht in den Sinn.

Seit den letzten zehn bis 20 Jahren – mag es im Zuge der „Biowelle“ geschehen – findet man immer häufiger Menschen, die den Bezug zur Landwirtschaft und vor allem zu der damit verbundenen Tierhaltung suchen.

Warum wollen sich diese Menschen „das Leben schwer“ machen? Tag und Nacht zu arbeiten und sich dabei Sorgen um das Wohlergehen der Tiere machen?

Hierbei ist entscheidend, dass die anwesenden Tiere mehr und mehr als Gegenüber mit eigenen Rechten, Gefühlen und damit verbundenen Wahrnehmungen angesehen werden.

Hinsichtlich der früheren Entwicklungen, Tiere möglichst effizient als Versuchstier oder aber als „Produktionseinheit Muttersau“ zu betrachten, wird durch das verändere Gegenübertreten dem tierischen Mitgeschöpf gegenüber ebenfalls die Verantwortung, das Tier den entsprechenden Bedürfnissen zufolge zu pflegen und mögliches Übel von ihm abzuhalten. „Wird Schmerz allgemein als Übel angenommen, so ist die Leidensfreiheit eines jeden Wesens anzustreben.“ (Otterstedt, 2003, Seite 28; vergl. Koltermann, 1994, Seite 162).

„Seit dem 1. August 2002 ist in Artikel 20a (Umweltschutz) des Bundesdeutschen Grundgesetzes (GG) die Schutzwürdigkeit auch der Tiere als Staatsziel verankert. Deutschland nahm damit eine Vorreiterrolle innerhalb der Europäischen Union (EU) ein. Die jetzige Fassung lautet:

Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung. “ (aus Wikipedia, Suchbegriff Tierrechte, aufgerufen am 26.08.2007)

Warum liegt den Menschen nun etwas an den Empfindungen der Tiere, wo sie diese doch lange Zeit leugneten und die Tiere dementsprechend behandelten?

Ein jeder der gut 23 Mio. Heimtierhaltern[1] in Deutschland wird diese Frage ohne weiteres beantworten können.

Ist doch der mit einem Mäntelchen bekleidete und einer rosa Schleife auf dem Kopf tragende kleine Hund einer älteren Dame oft der einzige Gesprächspartner nach dem Tod des Ehegatten. Wird in einem anderen Fall für die geliebte Katze noch ein Blättchen Petersilie an den Rand des Fressnapfes (oder des Porzellantellers?) gelegt, wie in der bekannten Fernsehwerbung propagiert.

Woher kommt diese (nicht selten übertriebene) Hinwendung zu einem Haustier? Seit nicht nur die (digitale) menschliche Sprache als Mittel zur Kommunikation zwischen Mensch und Tier als einziges Kommunikationsmittel betrachtet und somit negiert wurde, sondern auch die nicht an Worte gebundene analoge Kommunikation unterschieden wurde, zeigen sich auch neue Wege in der Kommunikation zwischen Mensch und Tier. (vergl. Watzlawick et. al. , 1969)

Hierbei spielen Gesten, die Mimik, die Sprache der Augen des Gesichtsausdruckes oder der Ton der Stimme eine tragende Rolle. Hier kommt es weniger auf den Inhalt (Inhaltsaspekt) der zu vermittelnden Botschaft als auf das „Wie“, also den Beziehungsaspekt der Kommunikation an. Klassisch sieht man das z. B. an einer Mutter (oder einem Vater) mit ihrem Säugling, mit welchem sie sich unaufhörlich „unterhält“. Der Beziehungsaspekt, also das „Wie“ spielt hier die weitaus größere Rolle.

Diese Eigenschaft findet man auch bei der Kommunikation zwischen Menschen und den meisten Tieren. So wird ganz selbstverständlich mit dem jeweiligen Haustier gesprochen, obwohl es den digitalen, also durch Sprache verschlüsselten Teil der Kommunikation, nicht im eigentlichen Sinne versteht. Viel mehr findet man hier eine Zuwendung des Menschen zu den Tieren durch dessen liebevolle Behandlung, das Streicheln und dessen Fürsorge.

Im Gegenzug sind Tiere ebenfalls wie Menschen in der Lage, ihre Gefühle analog auszudrücken. So können sie Freude, Schmerz u. ä. durch Einsatz ihrer Mimik oder Gestik ausdrücken und sind in dieser Beziehung auf gleicher Ebene mit den Menschen anzusiedeln. Dies sieht man an einem freudig mit dem Schwanz wedelnden Hund oder einem neugierig schnuppernden Kaninchen sehr deutlich.

[...]


[1] Quelle: Industrieverband Heimtierbedarf e. V. (IVH)

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656820512
ISBN (Buch)
9783656820529
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282998
Institution / Hochschule
Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
Note
1,3
Schlagworte
mensch tier grundlagen tiergestützten pädagogik arbeit tieren

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Titel: Mensch und Tier. Die Grundlagen der Tiergestützten Pädagogik und Arbeit mit Tieren