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Der Ausstieg aus der Atomenergie. Eine planerische Herausforderung

Hausarbeit 2012 16 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Bedeutung des Themas

2. Kreislaufwirtschaft
2.1. Definition
2.2. Geschichte
2.3. Pflichten
2.4. Ablauf

3. Zusammenhang zwischen der Kreislaufwirtschaft und der Kernenergie

4. Risiken und Chancen des Atomausstiegs für den Industriestandort Deutschland
4.1. Steigende Strompreise
4.2. Klimabelastung
4.3. Engpass an Stromversorgung
4.4. Positiv betroffene Branchen
4.5. Schwächung des Oligopols der großen Stromanbieter

5. Implikationen für die Planungspraxis
5.1. Wie sollen sich die Unternehmen nun verhalten?
5.2. Energiemanagement der Bundesrepublik Deutschland

1.Bedeutung des Themas

Das „Tohoku“-Erdbeben vor der japanischen Pazifikküste am 11. März 2011 zählt zu den größten Naturkatastrophen der Erdgeschichte. Das Beben, das eine Stärke von 9,0 erreichte, tötete tausende Menschen und war Ursache zweier weiterer Unglücke. Zunächst wurde ein Tsunami ausgelöst, der weite Teile der japanischen Ostküste zerstörte und anschließend sorgte das Erdbeben für eine Kernschmelze in einigen Reaktoren des „Fukushima-Daiichi“-Kernkraftwerks. Angesichts der noch heute mit radioaktiven Stoffen verseuchten Region rund um das ukrainische Kraftwerk bei Tschernobyl ist es fraglich, ob die Gegend um Fukushima jemals wieder zur Normalität und einem Leben ohne jegliche Kontamination zurückkehren kann. Die Kernschmelze in den japanischen Reaktoren sorgte in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung für ein Umdenken bezüglich des Erhalts oder Abschaltens der eigenen Kernkraftwerke. Die Katastrophe in Japan hatte hierzulande so große Angst zur Folge, dass in den darauffolgenden Wochen und Monaten „Die Grünen“ – seit Jahren ein Gegner von Atomenergie – in der deutschen Politiklandschaft einen regelrechten Aufschwung erlebten und Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg der bundesweit erste grüne Ministerpräsident überhaupt wurde. Auch in der Bundespolitik sorgte die Katastrophe in Japan für einen Kurswechsel und die Regierung, bestehend aus CDU/CSU und FDP, die bis dato eigentlich ein Befürworter der Kernenergie war, machte die erst im Herbst zuvor festgelegte Laufzeitverlängerung einiger Atomkraftwerke wieder rückgängig und beschloss, dass bis 2022 alle Kraftwerke abgeschaltet sein müssen. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, welche Chancen und Risiken sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland durch den Atomausstieg ergeben. Außerdem sollen die Grundlagen der Kreislaufwirtschaft näher betrachtet werden und in welchem Zusammenhang diese mit der Atomenergie steht.

2. Kreislaufwirtschaft

2.1. Definition

Da der Begriff der „Kreislaufwirtschaft“ in der vorliegenden Seminararbeit eine wichtige Grundlage darstellt und es somit relevant ist, diesen zu verstehen, wird er zunächst definiert:

„[…] Im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft [soll] das bisherige lineare System der Güterherstellung vom Produzenten zum Verbraucher durch ein zyklisches System ersetzt werden. Kernidee dieses zyklischen Wirtschaftens – der Kreislaufwirtschaft – ist es, ähnlich wie die Natur Kreisläufe zu entwickeln, die sich in gewisser Weise „selbst am Leben erhalten““ (Arnold et al. 2004, S. B 6-1).

2.2. Geschichte

Betrachtet man den oben angesprochenen Kreislauf, den die natürlichen Ressourcen des Planeten Erde durchlaufen, zeigt sich, wie „intelligent“ unsere Natur bereits seit Milliarden von Jahren ihre eigenen Stoffe wiederverwertet. Bünemann et al. erklären dies wie folgt:

„Abgefallenes Laub, abgestorbene Pflanzen zum Beispiel werden in einem fein abgestimmten Kreislauf zu den Boden feuchthaltendem und düngendem Humus und zur Nahrungsgrundlage für neue Pflanzen“ (Bünemann et al. 1997, S. 1) .

Dennoch erkannte die Menschheit die Vorteile der Keislaufwirtschaft erst in den 70er Jahren. Ein Schlagwort, welches damals die Runde machte, war das Ende der „Wegwerfgesellschaft“ (vgl. Bünemann et al. 1997, S. 2). Doch trotz dieser Erkenntnis dauerte es noch gut 20 Jahre bis das Kreislaufwirtschaftsgesetz in seiner ersten Fassung von der Bundesregierung verabschiedet wurde (vgl. Rinschede und Wehking 1995, S. 29). Diese Version wurde nach und nach immer wieder überarbeitet, weshalb die aktuelle seit Februar diesen Jahres in Kraft ist.

2.3. Pflichten

Welche Aufgaben und Pflichten die Kreislaufwirtschaft besitzt, erläutert folgender Absatz:

„Die Kreislaufwirtschaft umfasst die Vermeidung und Verwertung von Abfällen sowie das Bereitstellen, Überlassen, Sammeln, Einsammeln durch Hol- und Bringsysteme,

Befördern, Lagern und Behandeln von Abfällen zur Verwertung. Die Beseitigung ist nicht Bestandteil der Kreislaufwirtschaft“ (Bünemann et. al 1997, S. 31).

Noch etwas mehr ins Detail bezüglich der Pflichten geht § 7 des Kreislaufwirtschaftsgesetztes. Hier wird explizit erwähnt, dass der Besitzer bzw. der Erzeuger des Abfalls zur Verwertung verpflichtet ist. Zusätzlich ist die ordnungsgemäße und schadlose Verwertung der Abfälle für alle Beteiligten verpflichtend vorgeschrieben (vgl. Bundesministerium der Justiz 2012).

2.4. Ablauf

Folgende Graphik des Vereins deutscher Ingenieure stellt den bisherigen Produktlebensweg dar, der als „linear“ bezeichnet wird:

Abbildung 1: Offener Produktlebensweg (Verein deutscher Ingenieure 2001, S. 6)

Für diese Art der Produktion ist charakteristisch, dass die genutzten Rohstoffe genau einmal im Unternehmen verwendet, in die für den Verbraucher gedachte Neuware integriert und dieser die nicht mehr benötigte Altware über kurz oder lang als Abfall entsorgt. Diese Art der Produktion wird auch „offen“ genannt.

Im Gegensatz dazu steht der zyklische Produktlebensweg, der in sich geschlossen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Zyklischer Produktlebensweg (Verein deutscher Ingenieure 2001, S. 6)

Dieses angestrebte und deutlich nachhaltigere Modell der Produktion kann zwar ebenfalls nicht verhindern, dass Teile der verwendeten Rohstoffe als Abfälle entsorgt werden müssen, doch die nicht mehr gebrauchte Altware wird hier komplett als „neue“ Ressource in die Produktion zurückgeführt und sorgt so für einen Kreislauf, der bei weitem umweltschonender und kostensparender ist als das obige Modell.

3.Zusammenhang zwischen der Kreislaufwirtschaft und der Kernenergie

Nun gilt es zu untersuchen, ob und wenn ja, in welchem Zusammenhang die Kreislaufwirtschaft und die Atomenergie zueinander stehen. Betrachtet man die Entsorgung von Atommüll, welche über die sogenannte „Endlagerung“ geschieht, stellt man fest, dass diese beiden Dinge eigentlich nicht miteinander in Einklang zu bringen sind. Denn Endlagerung umfasst laut Menzer nur „die endgültige Verbringung radioaktiver Abfälle in eine hierfür vorbereitete Lagerstätte“ (Menzer 1997, S. 6, zitiert nach Büdenbender et al. 1999, S. 650). Wie im Gliederungspunkt 2.3 bereits erwähnt, ist ein Grundsatz der Kreislaufwirtschaft allerdings die Verwertung der Abfälle, welche hier überhaupt nicht existiert. Auch die schadlose Weiterverarbeitung der Abfälle ist in Frage zu stellen, da es für das Erdreich langfristig gesehen sicher nicht ohne Folgen ist, dass Atommüll über einen derart langen Zeitraum im Erdinneren deponiert wird.

4. Risiken und Chancen des Atomausstiegs für den Industriestandort Deutschland

4.1. Steigende Strompreise

Nun gilt es zu analysieren, welche Chancen und Risiken sich für den Industriestandort Deutschland aus dem Atomausstieg ergeben. Dabei sehen viele einen möglichen Anstieg der Strompreise als Hauptgefahr. Dass diese Vermutung nicht an den Haaren herbeigezogen ist, zeigt folgende Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln:

„88,4 Prozent der Umweltexperten der Wirtschaft, die im April 2011 hierzu befragt wurden, sehen höhere Strompreise als wahrscheinliche Konsequenz einer Rücknahme der Laufzeitverlängerungen an“ (Institut der deutschen Wirtschaft Köln 2011) .

Das Institut geht noch weiter ins Detail und legt dar, in wie weit bereits eine geringe Erhöhung der Strompreise die Ausgaben der Industrie in Deutschland erhöhen würde: „Ein Anstieg der Strompreise um 1 Cent würde für die Industrie zu Mehrkosten in Höhe von 1,8 Milliarden Euro führen“ (Institut der deutschen Wirtschaft Köln 2011). Klar ist, wenn an einer Stelle die Ausgaben steigen, müssen an einer anderen Einsparungen gemacht werden, weshalb dann weniger Geld für Dinge wie Forschung und Entwicklung vorhanden wäre.

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Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656823506
ISBN (Buch)
9783656856597
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282918
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt – Professur für Wirtschaftsgeographie
Note
2,3
Schlagworte
Atomenergie Kreislaufwirtschaft Fukushima regenerative Energien

Autor

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