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Ethnotourismus und touristische Authentizität am Beispiel der Maoris in Neuseeland

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ethnotourismus zwischen Inszenierung und Authentizität

2. Ethnotourismus - Interkulturelle Begegnungen
2.1 Formen und Hintergründe
2.2 Merkmale und Motive

3. Ethnotourismus und Authentizität
3.1 Authentizität im Tourismus
3.2 Differenzierte Authentizitätskonzepte

4. Ethnotourismus am Beispiel der Maoris in Neuseeland
4.1 Ethnotourismus & Authentizität in Neuseeland
4.2 Te Puia Cultural Performance Experience - ein Erfahrungsbericht

5. Ethnotourismus - Inszenierte Kulturbegegnung

6. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Typen von Authentizität im Tourismus (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Wang, 1999, S.352)

Abb. 2 Karte Neuseeland (Quelle: www.neuseeland-individuell.com)

Abb. 3 Maorisches Versammlungshaus (eigene Aufnahme)

1. Ethnotourismus zwischen Inszenierung und Authentizität

Fremde Länder und exotische Reisen sind heutzutage nicht mehr nur Abenteuertouristen und Fernreisenden vorbehalten. Getrieben von dem Hunger nach neuen Erfahrungen und Erlebnissen hat sich ein weit verbreitetes Interesse an andersartigen Kulturen entwickelt. Viele Menschen reisen zu indigenen Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt, um Einblick in ihre Lebensweise zu erhalten. Ein Begriff, der im Rahmen dieser ethnotouristischen Reisen benutzt wird, ist ÄAuthentizität“. Authentizität gilt als Antriebsmotor für Urlaube dieser Art und wird von Soziologen, Ethnologen und Tourismusexperten in Verbindung mit dem Begriff ÄInszenierung“ vielfältig diskutiert. Inszenierung gilt als eine Ämarktgerechte Umsetzung eines tourismusrelevanten Themas mit unterschiedlichen Einrichtungen, Akteuren, Partnern und Medien auf Grundlage einer klaren Handlungsanweisung“ (Steinecke, 1997, S.8). Die gleichzeitige Nennung von Inszenierung und Authentizität gilt demzufolge eigentlich als ein Paradoxon. Indem man es kenntlich macht und strukturiert umsetzt, verliert etwas Authentisches und Echtes sein ursprüngliches Wesen (vgl. Lenz, 2010, S.101). Vor dem Hintergrund des Ethnotourismus stellt sich die Frage, inwieweit sich im Rahmen eines Urlaubs das Wissen und die Kenntnis über eine fremde Kultur auf authentische Art und Weise erweitern lassen. Betrachtet der Tourist eine Kultur lediglich oberflächlich, oder ist es für ihn möglich, einen wirklich tiefen Einblick zu erhalten?

Diese Fragestellung möchte ich mit Blick auf die Kultur der Maoris in Neuseeland diskutieren. Das Kapitel 2 dient hierbei zunächst zur Vorstellung des Ethnotourismus unter Darstellung der historischen Hintergründe, der Motive und den Formen dieses Reisetyps. Im anschließenden Kapitel 3 wird der Begriff Authentizität und seine Rolle im Tourismus diskutiert. Abschließend dient Kapitel 4 einer umfassenden Darstellung der zuvor angesprochenen Themen mit Bezug auf das Fallbeispiel der Maoris in Neuseeland.

2. Ethnotourismus - Interkulturelle Begegnung

Der Tourismus bietet ein breites Spektrum an differierenden Reisetypen. Eine favorisierte Variante stellt der Ethnotourismus dar, in dessen Vordergrund interkulturelle Begegnungen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen stehen.

2.1 Formen und Hintergründe

Das touristische Interesse gilt beim Ethnotourismus dem ÄAufenthalt bei einer fremden ethnischen Gruppe, speziell einer politisch und ökonomisch marginalen - oft tribalen - Gruppe“ (Kievelitz, 1989, S.29). Im Vordergrund einer solchen Reise steht demnach das Kennenlernen einer fremden Kultur und ihrem Alltagsleben. Indigene Bevölkerungen sind bei diesem Typ der Reise direkt in das touristische Geschehen eingebunden und stellen die eigentliche touristische Attraktion dar. In den häufigsten Fällen führen solche Reisen zu Bevölkerungen, die in Rückzugsräumen, wie z.B. Inseln oder Regenwäldern, angesiedelt sind. Diese sogenannten Äregions of refuge“ (Berghe, 1994, S.343-352, zitiert nach Rothfuß, 2004, S.58) haben aufgrund ihrer geographisch isolierten Lage bis heute ihre ursprünglichen kulturellen Charakter wahren können und heben sich dadurch stark von den immer globalisierteren Orten dieser Welt ab.

Nicht zu verwechseln ist der Ethnotourismus mit dem Kulturtourismus. Bei letzterer Form spielt der Aufenthalt bei der ethnischen Gruppe keine Rolle, vielmehr macht sich der Reisende über Ädie Begegnung mit speziellen Kulturgütern“ (Scholze, 2009, S.54) mit einer fremden Kultur vertraut und nähert sich somit auf indirektem Wege der besuchten Ethnie. Der Besuch eines Museums, das ethnische Kunstgegenstände ausstellt, kann den Drang nach Exotik und fernen Kulturen bereits stillen (vgl. Rothfuß, 2004, S.58).

Der Anreiz, den der Ethnotourismus auf die Touristen ausübt, findet seine Wurzeln im Äklassischen völkerkundlichen Verständnis“ (Kievelitz, 1989, S.29). Dieses Phänomen geht auf das Zeitalter der Entdeckungsreisen im Zuge der Kolonialisierung zurück. Vornehmlich außereuropäische Kulturen rückten zu dieser Zeit in den Blickwinkel des gesellschaftlichen Interesses und wurden daraufhin von der Wissenschaft im Rahmen von Feldforschungen ergründet (vgl. Fillitz, 2002, S.3-6). Dabei entwickelte sich innerhalb der breiten Bevölkerung ein zunehmendes Interesse an den indigenen Kulturen. Die Vorstellung des ÄEdlen Wilden“, der im Einklang mit der Natur und fernab der Zivilisation lebt, ist seitdem ein in den Köpfen der Menschen fest verankertes Bild, welches auch heute noch indirekt und unbewusst präsent ist. Getrieben vom sogenannten ÄRousseaukomplex“ (Rothfuß, 2004, S.87), d.h. auf der Suche nach den primitiven, wenig entwickelten Kulturen, versuchen die zivilisationsmüden Menschen ihrer eigenen Kultur zu entkommen. Sie folgen ihren Sehnsüchten und Vorstellungen, die sie in naturnahen und fremden Kulturen verwirklicht sehen.

Unter dem Begriff Ethnotourismus werden heutzutage verschiedene Reiseaktivitäten und -angebote zusammengefasst, wobei sich drei typische Formen dieser Art des Tourismus unterscheiden lassen.

Eine Variante stellen Äabenteuerliche, naturnahe Reisen“ (Harron & Weiler, 1992, S.86) dar, die einen Besuch bei geographisch entlegenen Gruppen beinhalten. Den Gästen wird während ihrer Reise ein touristisches Rahmenprogramm geboten, welches neben Besichtigungen und Sehenswürdigkeiten auch in die Bräuche und Riten der Kultur einführt. Oftmals stehen Tourismusprojekte im Vordergrund, über die die Reisenden ihren persönlichen sozial- oder umweltverträglichen Beitrag für die Region leisten können (vgl. Bartha, 2006, S. 16-17).

Die Teilnahme an Äorganisierten Halbtages- und Tagesausflügen“ (Rothfuß, 2000, S. 141), die zu Repräsentanten indigener Völker führen, stellen eine weitere Form des Ethnotourismus dar. Hierbei erfolgt kein Miterleben des Alltags eines fremden Kulturkreises sondern lediglich die Teilnahme an Vorführungen spezieller Riten oder Tänze der Bereisten.

Die Besichtigung von ÄCultural bzw. Heritage Centers“ (Moscardo & Pearce, 1999, S. 422) sind eine weitere Möglichkeit des interkulturellen Kontakts während einer Reise. Das Kennenlernen eines anderen Kulturkreises ist bei einer solchen Form nicht der Anlass der Reise, dennoch deutet die Teilnahme an diesen Aktivitäten auf das ernste Interesse des Reisenden hin (vgl. Bartha, 2006, S.17).

2.2 Merkmale und Motive

Die Form des Ethnotourismus weißt einige charakteristische Merkmale und Motive auf, die im vorherigen Kapitel bereits skizziert wurden und an dieser Stelle nun etwas differenzierter dargestellt werden.

Ein wesentliches Merkmal des Ethnotourismus stellt die Konzentration auf Exotik sowie Abenteuer und Kultur dar (vgl. Kievelitz, 1989, S.31). Die Reisenden, die sich für diese Form des Tourismus entscheiden, wollen ihren eigenen hektischen Alltag für einen festgelegten Zeitraum verlassen und in die Welt einer fremden Kultur eintauchen. Eine entscheidende Rolle spielt bei einer solchen Reise die persönliche Begegnung, die der Tourist so intensiv wie möglich empfinden möchte (vgl. Scholze, 2009, S.54). Der Reisende verfolgt nicht nur das Ziel, sein Wissen über eine Kultur zu bereichern, was ihm auch beim Lesen eines Buches oder Sehen eines Filmes möglich wäre. Vielmehr wird er von dem Bedürfnis getrieben, die Kultur durch den

Besuch von indigenen Dörfern, der Teilnahme an folkloristischen Bräuchen und Zeremonien oder ähnlichem auf direktem Wege zu erleben. Dabei ist es charakteristisch für den Ethnotourismus, dass diese ÄEinsicht in das Alltagsleben der Kultur“ (Kievelitz, 1989, S.32) nur in eine Richtung erfolgt. Ein Austausch, bei dem die Touristen ihre eigene Kultur erklären und darstellen, findet nicht statt.

Ein weiteres Charakteristikum des Ethnotourismus stellt die ÄMachtungleichheit zwischen den indigenen Völkern, den Touristen und den Reiseagenturen“ (Trupp & Trupp, 2009, S.10) dar. In den meisten Fällen wird die Vermarktung ethnotouristischer Reisen über Veranstalter organisiert und abgewickelt. Dabei treten die Veranstalter als Mittler auf, die in ihren Reiseprogrammen die Wünsche und Vorstellungen der Touristen verwirklicht sehen möchten. Ein Großteil der ethnischen Gruppen ist von solchen Arrangements abhängig und verdient auf diesem Weg seinen Lebensunterhalt.

3. Ethnotourismus und Authentizität

Authentizität spielt im Tourismusgeschehen eine zentrale Rolle, die auf den ersten Blick nicht als Solche zu erkennen ist. Im vorliegenden Kapitel wird die Verknüpfung von Authentizität und Tourismus herausgearbeitet und ein Überblick über die Entwicklung der touristischen Authentizitätskonzepte gegeben.

3.1 Authentizität im Tourismus

Die heutige Gesellschaft fühlt sich in ihrem Alltag einer immer stärker werdenden Entfremdung ausgesetzt. Die zunehmende Automatisierung und Technisierung am Arbeitsplatz, die aufgrund der neuen Kommunikationsmedien schrumpfenden persönlichen Kontakte und die daraus resultierende soziale Rolle, führen zu einem Verlust des eigenen Ich in den Weiten der modernen Gesellschaft. Als Ausweg bietet sich für viele Betroffene nur noch ein Raumwechsel auf Zeit, Äum einen Ausgleich für all das zu finden … fahren wir weg“ (Mundt, 2006, S.118).

Ursprünglich entstammt der Begriff Authentizität der Museumswelt. Nachgebildete Objekte sollen einen Gegenstand oder Ähnliches authentisch repräsentieren und auf diesem Weg Originalität darstellen, oder aber sie sind ein originales Stück Geschichte (vgl. Egger & Herdin, 2010, S.262).

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Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656823223
ISBN (Buch)
9783656823230
Dateigröße
846 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282912
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt – Lehrstuhl für Kulturgeographie
Note
1,3
Schlagworte
ethnotourismus authentizität beispiel maoris neuseeland

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Titel: Ethnotourismus und touristische Authentizität am Beispiel der Maoris in Neuseeland