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Schrumpfende Städte. Probleme und Gegenmaßnahmen

An deutschen und internationalen Beispielen

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Das Phänomen der schrumpfenden Stadt

2 Beispiele für schrumpfende Städte
2.1 Schrumpfende Städte in Deutschland
2.1.1 Leipzig
2.1.2 Wilhelmshaven
2.2 Vergleich Ost/Westdeutschland
2.3 Schrumpfende Städte international
2.3.1 Detroit
2.3.2 Liverpool

3 Probleme
3.1 Finanzielle Probleme
3.2 Wohnungsleerstand
3.3 Weitere Probleme

4 Maßnahmen
4.1 Leitbilder
4.1.1 Aufwertung, Revitalisierung und Stabilisierung der Innenstadt
4.1.2 Urbanisierung
4.1.3 Nachhaltige, Kompakte Stadt
4.1.4 Perforierte Stadt
4.1.5 Transformierte Stadt
4.2 Stadtumbau Ost, Stadtumbau West

5 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung Leipzig

Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung Wilhelmshaven

Abbildung 3: Bevölkerungsentwicklung 1990-2001 in %

Abbildung 4: Bevölkerungsentwicklung 2005-2025 in %

Abbildung 5: Bevölkerungsentwicklung Detroit

Abbildung 6: Bevölkerungsentwicklung Liverpool

Abbildung 7: Prognose zur Altersstruktur in Deutschland

1 Das Phänomen der schrumpfenden Stadt

Das Phänomen der schrumpfenden Städte ist kein neuer Trend, vielmehr ist es ein zeitloses und auch globales Phänomen. Städte, deren Bevölkerung abnimmt, gab es dementsprechend schon immer. Unter der Stadtschrumpfung versteht man im Grunde die negative Änderung einer oder mehrerer statistischer Größen. Hauptsächlich wird hierbei die Bevölkerungszahl zu Grunde gelegt, allerdings können auch andere ökonomische Variablen, wie beispielsweise die Zahl der Arbeitsplätze, herangezogen werden. Es ist ein mehrdimensionaler Prozess, bei dem sich demographische, gesellschaftliche, physisch- materielle sowie wirtschaftliche Gegebenheiten gegenseitig beeinflussen und so eine Schrumpfungskette hervorrufen. Zu beachten ist, dass Stadtschrumpfung keineswegs als Synonym für Suburbanisation, Desurbanisation oder Counterurbanisation verstanden werden kann. Die Debatten haben außerdem nur einen partikularen Charakter, da der Fokus bei schrumpfenden Städten auf den Kernstädten liegt (Killisch, Siedhoff 2005, S.60).

In dieser Arbeit sollen zunächst einige Beispiele, deutsche sowie internationale Städte, vorgestellt werden, auf die daraus resultierenden Probleme eingegangen werden und zuletzt noch Maßnahmen erläutert werden, die schrumpfende Städte einleiten, um dem Schrumpfungsprozess entgegen zu wirken.

2 Beispiele für schrumpfende Städte

2.1 Schrumpfende Städte in Deutschland

Auch in Deutschland bereiten schrumpfende Städte schon jetzt Probleme. Oft wird nur über Schrumpfungsprozesse in neuen Bundesländern gesprochen, was jedoch nicht ganz korrekt ist. Zunächst sollen hier einige deutsche Städte kurz vorgestellt werden und auf die Ursachen ihrer Schrumpfung eingegangen werden.

2.1.1 Leipzig

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung Leipzig

Quelle: Zahlen aus Wikipedia 2011a

Wie aus Abbildung 1 hervorgeht, wuchs Leipzig im Zuge der Industrialisierung auf 718.200 (1940) Einwohner an. Durch den zweiten Weltkrieg, der in vielen deutschen Städten seine Folgen hatte, verlor Leipzig 20% seiner Bevölkerung. Seit dem nimmt die Bevölkerungszahl stetig ab, unterbrochen wird diese Schrumpfung in manchen Jahren durch eine leichte Erhöhung der Einwohner. Seit der Wende 1990 stieg die Abnahme der Bevölkerung schneller an. 1998 lebten noch 437.101 Menschen in Leipzig. Die Anzahl der Einwohner nimmt seit dem wieder zu, allerdings deshalb, weil die Stadt Leipzig Eingemeindungen vorgenommen hat, um den Schrumpfungsprozess zu stoppen (Heineberg 2004, S.42ff).

2.1.2 Wilhelmshaven

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung Wilhelmshaven

Quelle: Zahlen aus Föbker, Thieme 2007, S.14ff

Pendant zum ostdeutschen Leipzig ist die westdeutsche Stadt Wilhelmshaven. Wilhelmshaven war von der Marine geprägt, sie wuchs als Flotten-, Hafen- und Werfstandort auf 133.041 im Jahr 1940 an. Wie Leipzig verlor auch Wilhelmshaven viele Einwohner durch den zweiten Weltkrieg. So lag die Bevölkerung 1946 nur noch bei 89.717. Die Stadt musste sich neue wirtschaftliche Alternativen suchen, da sie durch die Demilitarisierung ihren Standort der Marine verlor, dieser Einschnitt ist auch in Abbildung 2 zu erkennen. Nach dem Verlust des Marinestandorts nahm die Bevölkerung wieder zu. 1971 zählte Wilhelmshaven 102.627 Einwohner. Als die arbeitsintensiven Betriebe, wie die der Textilindustrie, in eine Krise gerieten, nahm die Arbeitslosenquote zu, wodurch zwangsläufig auch die Einwohnerzahl sank, da die Bevölkerung in anderen Städten mehr Chancen sahen. Außerdem kann man in Wilhelmshaven auch beobachten, wie sich der negative natürliche Saldo auf die Einwohnerzahl auswirkt. Seit 30 Jahren liegt die Zahl der Geburten unter der der Sterbefälle. 2008 zählt Wilhelmshaven noch 81.411 Einwohner (Föbker, Thieme 2007, S.14f).

2.2 Vergleich Ost/Westdeutschland

Wie bereits erwähnt, wird der Schrumpfungsprozess von Städten oft als Problem der neuen Bundesländer verstanden. Allerdings ist das nicht korrekt, wie am Beispiel der westdeutschen Stadt Wilhelmshaven bereits gezeigt wurde.

Sachsen, Sachsen- Anhalt und Thüringen bußen nicht nur aufgrund der geringen Geburtenrate einen Teil ihrer Bevölkerung ein, auch die Wanderungsverluste machen ihnen sehr zu schaffen. Vor allem Baden- Württemberg, Berlin, Hamburg und Bayern profitieren davon, sie verzeichnen Wanderungsgewinne. In Mitteldeutschland nimmt die Bevölkerung weiter ab, das Durchschnittsalter der verbleibenden Bevölkerung nimmt weiter zu. Junge und qualifizierte Menschen ziehen weg, sie sehen in den alten Bundesländern mehr Chancen. Dadurch wird der Geburtenrückgang in den neuen Bundesländern weiter zunehmen. 40% der Fortzügler aus Sachsen- Anhalt haben Abitur, 45% die Mittlere Reife. Diesen Abfluss von Geist und Wissen nennt man auch Braindrain (Friedrich, Schultz 2007, S.28f).

In den neuen Bundesländern sind also auch die Wanderungsverluste von Bedeutung. In den alten Bundesländern liegt das Problem in vielen Städten hingegen bei der Alterung der Bevölkerung. Auch hier liegt die Zahl der Geburten deutlich unter der der Sterbefälle, wodurch die Einwohnerzahlen in vielen Städten abnehmen (Heineberg 2004, S.42).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bevölkerungsentwicklung 1990-2001 in %

Quelle: Kemper 2004, S.21.

Abbildung 3 zeigt die Bevölkerungsentwicklung Deutschland zwischen 1990 und 2001 in Prozent. Wiederum wird bestätigt, dass wachsende und schrumpfende Städte in Ost- wie auch in Westdeutschland auftreten. Abbildung 4 hingegen zeigt eine Prognose über die Bevölkerungsentwicklung zwischen 2005 und 2025. Die Gebiete, die schrumpfen, werden demnach zu nehmen und sich räumlich weiter ausbreiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Bevölkerungsentwicklung 2005-2025 in %

Quelle: Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung 2011

Laut Kemper lassen sich vier verschiedene Stadttypen unterscheiden. Typ A hat einen negativen natürlichen Saldo, Wanderungsverluste und insgesamt eine Bevölkerungsabnahme. Typ B hat ebenso einen negativen natürlichen Saldo, allerdings einen Wanderungsgewinn, trotzdem wieder eine Bevölkerungsabnahme. Typ C verzeichnet wieder einen negativen natürlichen Saldo, aber einen Wanderungsgewinn und insgesamt eine Bevölkerungszunahme. Typ D hat einen positiven natürlichen Saldo, einen Wanderungsgewinn und die Bevölkerung nimmt zu. 17 Städte gehören demnach Typ A an, 13 davon sind in Nordrhein- Westfalen zu finden, dazu kommen noch Mannheim, Ludwigshafen, Chemnitz und Berlin. Zu Typ B können 5 Städte zugeordnet werden, Dortmund, Oberhausen, Bremen, Saarbrücken und Leipzig. Bei den schrumpfenden Städten, also den Typen A und B, kann man also sowohl ost- als auch westdeutsche Städte finden. 14 Städte können Typ C zugeordnet werde, das wären Hannover, Hamburg, Bielefeld, Düsseldorf, Aachen und Leverkusen, Darmstadt, Wiesbaden, Karlsruhe, Heidelberg, Fürth, Nürnberg und schließlich auch Dresden und Potsdam aus den neuen Bundesländern. Zu Typ D zählen die süddeutschen Städte Stuttgart, Frankfurt und München, außerdem noch Köln, Hamm und Bonn. Letztendlich bleibt also zu sagen, dass sowohl in neuen als auch in den alten Bundesländern Wachstum sowie Schrumpfung eine Rolle spielen können. Es ist verbunden mit den selektiven Wanderungen, der Altersstruktur der Bevölkerung und auch mit den wirtschaftlichen Funktionen einer Stadt (Kemper 2004, S.23).

2.3 Schrumpfende Städte international

Schrumpfende Städte stellen nicht nur ein Problem für deutsche Städte. Auch andere Industrienationen sind davon betroffen. Hier sollen zwei Beispiele, Detroit und Liverpool, kurz betrachtet und erläutert werden.

2.3.1 Detroit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Bevölkerungsentwicklung Detroit

Quelle: Zahlen aus Wikipedia 2011b

Detroit zählt zu den Städten des manufacturing belts, eine Region Nordostamerikas, wo die Industrie sehr ausgeprägt ist. Die Industrialisierung ging hier sehr schnell von statten, wodurch die meisten Städte einem explosionsartigem Wachstum unterlagen. Abbildung 5 zeigt die Einwohnerentwicklung Detroits. So zählte Detroit 1910 noch 465.766 Einwohner, bis 1930 hatte sich die Zahl schon mehr als verdreifacht und lag bei 1.568.662. Ford, Chrysler und General Motors wählten Detroit als ihren Unternehmenssitz. Die Stadt wuchs weiter an, bis 1950 das Bevölkerungsmaximum von 1.849.568 erreicht wurde. Seit dem befindet sich Detroit in einem Schrumpfungsprozess. Bis 2010 verlor die Stadt mehr als die Hälfte ihrer Einwohner. Derzeit liegt die Bevölkerungszahl bei 713.777. Die massive Deindustrialisierung, die internationale Konkurrenz, sowie auch der Kostendruck, veranlasste Unternehmen ihre Produktionsstätten zu verkleinern, zu verlagern oder sogar zu schließen, Arbeitsplätze gingen verloren. Das brachte viele Einwohner dazu, die Stadt zu verlassen (Föbker, Thieme 2007, S.17ff).

2.3.2 Liverpool

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Bevölkerungsentwicklung Liverpool

Quelle: Zehner 2010, S.34

Liverpool wuchs vor allem aufgrund der geographischen Lage an der Westküste Englands stark an. Im 19 Jahrhundert galt Liverpool als Gateway to the Empire, Tabak, Melasse, Wolle, Rum und Zucker wurden über den Liverpooler Hafen nach England eingeführt. So wurde die englische Stadt auch zum 2 wichtigsten Verkehrsknoten Punkt Groß Britanniens und übernahm die Vorherrschaft im Handel mit afrikanischen Sklaven. 1931 erreichte die Einwohnerzahl ihr Maximum mit 856.000 Einwohnern (s. Abb. 6). Dann, nach dem Ende des 2. Weltkriegs, nahm die Bedeutung des Liverpooler Hafens immer weiter ab und auch die Bevölkerungszahl ging aufgrund der fehlenden Arbeitsplätze drastisch zurück. Der Verlust der Kolonien und die damit fehlenden Exportmärkte, die Countainerrevolution und die Deindustrialisierung des Nordwestens beschleunigten diesen Prozess. Innerhalb von 60 Jahren verlor der Liverpooler Hafen 80% der Arbeitsplätze. Nach den Unruhen 1981 wurde Liverpool zusehends zu einer no go area, Investoren blieben fern. 1991 zählte die Stadt nur noch 452.000 Einwohner. Heute sind Kultur, Tourismus und Bildung die neuen Wachstumssektoren, Liverpool hat heute 436.000 Einwohner (Zehner 2010, S.34ff).

3 Probleme

Die Stadtschrumpfung macht den betroffenen Kommunen häufig Probleme. Im Folgenden sollen die schwerwiegendsten Probleme angesprochen und thematisiert werden.

3.1 Finanzielle Probleme

Durch die Schrumpfung und dem damit verbundenen Einwohnerzahlrückgange wird auf kommunaler Ebene die Finanzsituation stark geschwächt. Im Normalfall können die Einnahmerückgänge nicht durch die Ausgabenminderungen gedeckt werden.

- Nimmt die Bevölkerungszahl ab, so nimmt auch die Zahl der Lohn- bzw. Einkommenssteuerzahlenden ab. Es können zudem überproportionale Verluste auftreten wenn Personen mit höheren Steuerleistungen wegfallen.

- Schlüsselzuweisungen, die die Kommunen zum kommunalen Finanzausgleich erhalten, nehmen ab, da sie nach der Bevölkerungszahl aufgeteilt werden.

- Sofern Beiträge und Gebühren nutzungs-, personen- oder verbrauchsbezogen erhoben werden, gehen die Einnahmen bei Bevölkerungsrückgang zurück. Werden diese allerdings nach dem Kostendeckungsverfahren ermittelt, so kommt es zu höheren Gebühren, die erhöhten Gebühren könnten jedoch die Zahl der Nutzer sinken.

- Es treten Kostenremanenzen für die öffentliche Infrastruktur sowie für öffentliche Verwaltungsaufgaben auf. Was bedeutet, dass die Ausgabenrückgänge bei Bevölkerungsrückgängen nicht so stark zurückgehen, wie sie bei einer steigenden Bevölkerungszahl zunehmen würden. Das heißt also, dass die Pro- Kopf- Ausgaben im Verhältnis ansteigen würden (Killisch, Siedhoff 2005, S.60f).

3.2 Wohnungsleerstand

Durch die Abnahme der Bevölkerung nimmt zwangsläufig auch die Nachfrage an Wohnungen ab. In Ostdeutschland standen 2005 18% des Wohnungsbestandes leer. Die Folgen, die sich daraus ergeben, sind nicht zu verachten:

- Für Vermieter bedeutet der Rückgang der Nachfrage, dass die Rentabilität ihrer Besitze abnimmt und dadurch ihre Investitionsfähigkeit vermindert wird. Im schlimmsten Fall ist die unternehmerische Existenz bedroht.
Die leerstehenden Wohnungen können zu Einnahme- bzw. Mietausfällen führen. Die Vermieter haben trotzdem fixe Kosten, wie für Instandhaltung oder Pflege. Egal ob eine Wohnung also bewohnt ist oder nicht, sie verursacht für den Besitzer Kosten. Stehen die Wohnungen leer, kann der Vermieter die Kosten nicht decken. Selbst ein Rückbau, also der Abriss der nicht gebrauchten Wohnungen, verursacht enorme Kosten. Für den Vermieter kann das dann zur Folge haben, dass seine Kreditwürdigkeit sinkt und die Grundstückspreise abnehmen.
- Das betrifft jedoch nicht ausschließlich die Vermieter leerstehender Wohnungen, denn die leer stehenden Wohnungen können das Mietniveau senken. Ein Differenzierungs- und Segmentierungsprozess könnte die Folge sein. Das bedeutet, die Gebiete mit Wohnungsüberschuss und Qualitäts- bzw. Lagenachteile verlieren weiter an Wert, senken weiter das Mietniveau und es ist zu erwarten, das der Leerstand der Wohnungen zunehmen wird.

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Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656824077
ISBN (Buch)
9783656838944
Dateigröße
742 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282908
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
schrumpfende städte probleme gegenmaßnahmen beispielen

Autor

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Titel: Schrumpfende Städte. Probleme und Gegenmaßnahmen