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Romantische Liebe und tägliches Zusammenleben

Essay 2014 4 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

In meinem Essay soll es thematisch um die Frage gehen, ob die romantische Liebe vereinbar ist mit dem täglichen Zusammenleben und welche Spannungen durch die Aufgabenverteilung im Haushalt entstehen können. Zunächst möchte ich die romantische Liebe nach Tyrell definieren. Anschließend möchte ich Elliot/Merril mit den gesellschaftlich verankerten hohen Erwartungen an die romantische Liebe darstellen. Anschließend werde ich das Spannungsverhältnis zwischen Haushaltsführung und romantischer Liebe mit zwei verschiedenen Konzepten der Aufgabenverteilung. Bei diesen Konzepten möchte ich Unterschiede und Gemeinsamkeiten darstellen. Abschließend folgt ein Resümee über eheliche und romantische Liebe und über realistische Vorstellungen über den Alltag von Beziehungen.

Tyrell definiert romantische Liebe folgendermaßen: „Romantische Liebe verlangt, daß zwei gleichzeitig und dabei einer den anderen Lieben. Das ist für sich schon hoch voraussetzungsvoll“ Tryell 1987 S. 581). Zudem ist die romantische Liebe nach Tyrell zu beschreiben als eine exklusive und glückliche Erfahrung für die Liebenden mit der man aus der Einsamkeit „befreit“ wird (vgl. ebd.). Nach Elliot/Merill verinnerlichen wird das Konzept der romantischen Liebe schon in der frühsten Kindheit. Dies geschiet durch das soziale Umfeld oder den Medien. Beispielsweise wird in Hollywoodfilmen das heutige Bild der romantischen Liebe vermittelt. Liebesfilme haben meistens ein Happy-End in dem sich dich Protagonisten ewige Treue und Liebe schwören. Somit ist die romantische Liebe in den Köpfen der Individuen fast verankert. In der heutigen Gesellschaft ist die romantische Liebe beschreibbar als Liebe ohne Grenzen wie Status, Geld oder Herkunftsunterschiede (vgl. Elliot/Merril (kein Jahr angegeben) S. 1ff).

Die Hauptthese von Elliot/Merrill ist, dass die Zerrüttung der Familien auf einen romantischen Fehlschluss also auf zu unrealistischen Vorstellungen und Erwartungen an eine Liebesbeziehung oder Ehe zurückzuführen ist. Vielen stellen sich die Ehe als dramatisch, abwechslungsreich und spannend vor (vgl. ebd.

Durch die hohen Erwartungen an die romantische Liebe ist es für Paare schwierig mit Belastungen des Alltags umzugehen. Es gibt ein Überangebot an Wahlmöglichkeiten im Alltagsleben und in den Lebensplanungen. Nach Beck-Gernsheim treffen zwei Menschen, die durch verschiedene Gewohnheiten, Werte und ein anderes Sauberkeitsempfinden geprägt sind aufeinander. So entsteht ein großes Konfliktpotenzial.

Auch in der täglichen Aufteilung des Haushalts kann es zu Konflikten kommen: nach Laux geht die romantische Liebe mit großen Gefühlen einher, doch durch diese Liebesbekundungen ist noch nicht entschieden wer was im Haushalt macht (vgl. Laux 2008 S. 279). Wie entsteht die Verteilung von Hausarbeit in Beziehungen? Der Soziologe Jean-Claude Kaufmann hat zur Beantwortung dieser Frage mit Paaren Interviews geführt und diese ausgewertet. Für Kaufmann gibt es gesteigerte Ansprüche von Individuen an die Partnerschaft. Die Organisation des Alltags wird schwieriger. Aus diesem Grund sind Partnerschaften instabiler als früher. Anhand von schmutziger Wäsche untersucht Kaufmann die Arbeitsteilung. Schmutzige Wäsche produzieren beide und am Anfang der Beziehung muss ausgelotet werden, wer sich um die Wäsche kümmert (vgl. Kaufmann 1994 S. 8ff.).

Auf die Frage nach der Verteilung von Hausarbeit antworten Paaren, dass sich alles im Laufe der Zeit so ergeben hat. Nach Kaufmann ist diese Aussage eine Illusion. Paare treffen stillschweigende Übereinkünfte. Die Ökonomie der Ehe ist gekennzeichnet durch Selbsthingabe und Schuld. Selbsthingabe bedeutet, dass man Handlungen wie Abwaschen so tief verinnerlicht hat, dass man die Aufgaben automatisch macht. Das Ziel der Selbsthingabe und der Ausführung von Haushaltsaufgaben ist, dass der Partner nun zum „Geber“ wird und auch Aufgaben übernimmt. Ausgesprochen werden diese Erwartungen nicht direkt. Falls der Partner nicht zum Geber wird, entsteht eine eigene Schuldenrechnung. Diese dient laut Kaufmann der Wahrung der eigenen Interessen (vgl. Kaufmann 1994 S. 202). Dadurch, dass die Aufgaben im Haushalt teilweise täglich ausgeführt werden müssen kann es zu Motivationslosigkeit kommen und es bedarf eines neuen Antriebs. Dies führt Kaufmann am Beispiel der Familie Labarthe aus: Herr Labarthe macht den Haushalt größtenteils alleine. Selten übernimmt seine Frau das Kochen einer Mahlzeit. Trotz der täglichen Mehrarbeit übernimmt Herr Labarthe den Abwasch. Kaufmann begründet es folgendermaßen: (…) „sobald sie auch nur einen Moment lang eine Anstrengung unternimmt, vergißt er die Gesamtsituation der Lasten, um so seine Bringschuld zu ermessen. Es ist, als ob er diesen Vorwand benötige, um seine Hingabefähigkeit erneut zu mobilisieren“ (Kaufmann 1994 S. 205). Aufgaben im Haushalt werden übernommen, damit der andere es einem nachmacht. Falls dieses nicht passiert, kann Unzufriedenheit die Folge sein. Unzufriedenheit kann sich in zwei Erscheinungsformen äußern: zum einen durch eine Trennung vom Partner und zum anderen durch einen stillschweigenden Rückzug Beim stillschweigenden Rückzug löst man sich vom Partner, aber immer in der Hoffnung das der Partner die Probleme annimmt und sich ändert (ebd.).

Hunnick und Röhler haben ebenfalls das Spannungsverhältnis zwischen Liebe und Haushalt mit Paarinterviews untersucht. Die Autoren unterscheiden zwischen drei Paartypen. Der erste Typus ist der affektuell-traditionelle bei dem es eine traditionelle Arbeitsteilung nach den Geschlechterrollen gibt: der Mann ist für Reparaturen zuständig, die Frau für den Haushalt. Konfliktpotenzial ist das Bestreben nach Gleichheit der Partner durch nur einen Partner. Bei dem affektuell-vergesellschaftet Typus wird die Hausarbeit zur Verhandlungssache. Es gibt eine faire Arbeitsteilung, die die Vorliebe des Partners berücksichtigt. Ein Streit kann entstehen, wenn sich einer der beiden ähnlich dem Schema der ausgeführten Eheökonomie nach Kaufmann, ungerecht behandelt fühlt. Im dritten Typus, dem affektuell-pragmatischen wird die Hausarbeit nicht diskutiert. Die Liebe steht im Vordergrund. In diesem Fall ist die Bedrohung für die Beziehung das Erlischen der Liebe (vgl. Hunnick/Röhler 2005 S. 38f.).

In der Darstellung der Arbeitsteilung gibt es bei Kaufmann und Hunnick/Röhler Unterschiede: bei Hunnick/Röhler gibt es drei Typen von Aufteilungen mit unterschiedlichen Konfliktpotenzialen, während Kaufmann zwischen Selbsthingabe und Schuld unterscheidet. Bei Kaufmann kann es zu Motivationsschwierigkeiten kommen. Einen Typus der fairen Arbeitsteilung durch der Liebe im Vordergrund gibt es nicht. Bei Kaufmann leben die Paare mit der Illusion. Zudem verschiebt sich die Arbeitsteilung immer wieder zu ungunsten einer Person (vgl. Kaufmann 1994 S. 11) Es werden nur stillschweigende Übereinkünfte getroffen. Dagegen wird bei Hunnick/Röhler im zweiten Typus die Aufteilung diskutiert. Es wird alles fair aufgeteilt und wenn sich einer der Partner sich ungerecht behandelt fühlt wird es auch angesprochen. Allerdings heben alle drei Autoren hervor, dass die mangelnde Gerechtigkeit ein Faktor von Unzufriedenheit ist. Im ersten Typus kann es bei Hunnick/Röhler aus Ungerechtigkeit zu einem Emanzipationsstreben kommen und im zweiten Typus kann der Eindruck entstehen, dass einer mehr macht als der andere. Kaufmanns Definition von einer zufriedenen Partnerschaft ist, dass beide Partner sich gerecht behandelt fühlen und das Gefühl haben, dass beide ihr bestes im Alltag geben (vgl. Kaufmann 1994 S. 205ff.).

Durch das Zusammenleben im Alltag entwickele, sich nach Elliot/Merril sich aus romantischer Liebe eine eheliche Liebe: „Eheliche Liebe hat nichts mit dem Komplex romantischer Liebe zu tun, der vielmehr auf Fremdheit, Erregung und Faszination durch den anderen baut. Sie ist gewisser Weiser sogar das Gegenteil von romantischer Liebe (…)“ (Elliot/Merril kein Jahr angegeben S. 13). Nach Elliot/Merril sind die heutigen Vorstellungen der romantischen Liebe unrealistisch und werden verzehrt wahrgenommen. Paare können den Alltag im Gegensatz zu den Anfängen der romantischen Liebe als wenig aufregend und weniger leidenschaftlich erleben. Es gibt keine realistischen Vorstellungen mehr über das alltägliche Zusammenleben mit der Haushaltsführung wie Mahlzeiten zubereiten oder Wäsche waschen. Im Idealtypus kommt es zu einem fließenden Übergang zwischen romantischer Liebe und ehelicher Liebe im Alltag, wenn man ein gemeinsames Konzept zum Zusammenleben erarbeitet und Konfliktpotenziale beispielsweise in der Hausarbeit reduziert.

Literaturverzeichnis

Beck-Gernsheim, Elisabeth (1990). Von der Liebe zur Beziehung? Veränderungen im Verhältnis von Mann und Frau in der individualisierten Gesellschaft in: Ulrich Beck / Elisabeth Beck-Gernsheim, Das ganz normale Chaos der Liebe, Frankfurt.

Elliot, Mabel A./Merril, Francis E. (kein Jahr angeben): Der romantische Fehlschuss.

Hunnick, Johannes J./Röhler, H. Karl-Alexander (2005): Liebe und Arbeit in Paarbeziehungen, Würzburg.

Kaufmann, Jean-Claude (1994): Schmutzige Wäsche. Zur ehelichen Konstruktion von Alltag, Konstanz.

Laux, Bernhard (2008): In Verteidigung der Liebe. Konturen eines Familienleitbildes für die veränderte demographische und gesellschaftliche Situation im Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften. Band 49.

Tyrell, Hartmann (1987): Romantische Liebe, in: Dirk Baecker / A A / B B / C C / D D / E E / F F / G G (Hg.), Theorie als Passion. Niklas Luhmann zum 60. Geburtstag, Frankfurt.

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Details

Seiten
4
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656821052
Dateigröße
353 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282859
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Schlagworte
Liebe Paarbeziehung Alltag

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