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Friedrich Ebert und sein Aufstieg zum Reichskanzler

Hausarbeit 2012 22 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklungen der SPD bis zum Tod von Friedrich Ebert

3. Friedrich Ebert
3.1 Vom Sattlergesellen in den Parteivorstandes
3.2 Auf dem Weg vom Parteiführer zum Reichstagspräsidenten
3.3 Das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland

4. Friedrich Eberts Wirkung im 21. Jahrhundert
4.1 Allgemeine Wirkungen
4.2 Die Friedrich Ebert Stiftung

5. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Des Volkes Wohl ist meiner Arbeit Ziel“ (Mühlhausen 2008: 108). Dieser Leitspruch befindet sich auf dem Grabstein von Friedrich Ebert. Er wurde damals gewählt, da er seine Stellung und seinen politischen Charakter verdeutlicht.

In der folgenden Arbeit soll das Leben und das Werk Friedrich Eberts in der SPD analysiert werden. Zu Beginn wird die Geschichte der SPD bis zum Tod von Friedrich Ebert dargestellt. Durch diese Darstellung werden zeitliche und inhaltliche Informationen erlangt, die bei den weiteren Darbietungen als Hintergrundinformationen nützen. Des Weiteren ist es sinnvoll die Anfänge der SPD zu kennen, um den Grundgedanken der Sozialdemokraten zu verstehen. Im weiteren Verlauf wird dann das Leben von Friedrich Ebert detailliert in drei Abschnitten dargestellt. Die drei Abschnitte werden gewählt, weil sie jeweils einen entscheidenden Wendepunkt in Eberts Leben darstellen, die ausschlaggebend für das letztendlich erreichte Amt des Reichstagspräsidenten sind. In dem Abschnitt vom Sattlergesellen zum Sekretär des Parteivorstandes wird zu Beginn kurz die Kindheit Eberts angeführt und dann der Lebenslauf des jungen Sattlergesellen, der ihn auf Wanderschaft und als Besitzer einer Gastwirtschafft zeigt, bis er dann durch mühselige Arbeit zum Sekretär des Parteivorstandes in Berlin gewählt wird. Der zweite Abschnitt schließt an den ersten an und führt den Lebenslauf Eberts weiter. Es werden Höhen und Tiefen verdeutlicht, mit denen Ebert, und seine bereits gegründete Familie, zu kämpfen haben. Friedrich Eberts meistert alle Probleme und wird bei den Wählern immer attraktiver, sodass er dann im Jahr 1919 zum ersten deutschen Reichspräsidenten und somit zum Staatsoberhaupt der deutschen Republik gewählt wird. Das Leben und sein Agieren als Reichstagspräsident werden ausführlich in dem nächsten Abschnitt dargelegt und verdeutlicht. Hier anzumerken ist, dass immer bedacht werden muss, dass Friedrich Ebert in einer Zeit lebte und regierte, in der die Bevölkerung die Schäden des ersten Weltkrieg noch nicht verarbeitet hat und der Zweite Weltkrieg in den letzten Jahren von Eberts Wirkung schon vorbereitet wurde. In den Jahren, in denen Friedrich Ebert als Reichstagspräsident agiert, ergeben sich politisch und gesellschaftliche Veränderungen, allerdings lernt Ebert auch die andere Seite kennen, er erfährt bittere Verleugnungen und hat die Wut auf die Regierung zu tragen. Diese zwei Seiten, die Friedrich Ebert als Reichstagspräsident erfährt, werden im letzten Abschnitt des Lebens Friedrich Eberts dargestellt.

„Er hatte die sozialdemokratische Arbeit von der Pike auf gelernt und hatte sich dank seines überdurchschnittlichen Einsatzes von einer ehrenamtlichen in eine vollamtliche Funktion hochgearbeitet“ (Mühlhausen 2008: 19).

Nachdem das ausdrucksvolle Leben Friedrich Eberts ausführlich aufgezeigt wurde, wird nun seine Wirkung im 21. Jahrhundert analysiert. In dem Abschnitt der allgemeinen Wirkung werden verschiedene Punkte angeführt, die verdeutlichen, welche Wirkung Friedrich Ebert durch sein Handeln auf die Gesellschaft hat. Der letzte Punkt dieser Arbeit beschäftigt sich ganz speziell mit der Friedrich Ebert Stiftung. Durch diese Stiftung, die kurz nach seinem Tod gegründet wird, erweist man ihm die wohlmöglich größte Ehre, da sich die Ziele der Stiftung aus seinen Grundgedanken ergeben.

2. Die Entwicklungen der SPD bis zum Tod von Friedrich Ebert

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Einigkeit macht stark!“ So lautet der Schriftzug der Fahne des allgemeinen deutschen Arbeitervereins (ADAV), der am 23. Mai 1863 von Ferdinand Lassalle in Leipzig gegründet wurde. Schon seit 1848, seitdem die Industrialisierung Einzug in Deutschland genommen hatte, gab es immer wieder Revolutionen des Bürgertums gegen den aufstrebenden Kapitalismus (vgl. Diener, Christian et. al. 1992:5-11).

Karl Marx, ein bedeutender Soziologe, der die kapitalistischen Produktionsverhältnisse seiner Zeit kritisierte und somit davon ausging, dass die Gesellschaft auch von materieller Produktionstechnik bestimmt wird, entwarf zusammen mit Friedrich Engels, das kommunistische Manifest, welches die Gesellschaft in ihrer Zeit, mit den Kämpfen der Arbeiterbewegungen, theoretisch festigen wollte.

Nach Marx bewirken die kapitalistischen Produktionsverhältnisse eine Vertiefung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, die somit die Produktion durch die Arbeiterklasse und die Aneignung der Gewinne durch die Kapitalisten begrüßt (vgl. http://www.bpb.de).

Das unterdrückte Volk, welches rechtlos und arm in elenden Verhältnissen lebt, organisiert sich in den Jahren bis 1863, mit fortschreitender Industrialisierung und wirtschaftlichem Aufschwung, langsam eigenständig, gründet Arbeiterbewegungen, die politische Gestalt annehmen und erholen sich von der Niederlage der erfolglosen vorrangegangenen Revolution. Erst mit Lassalles Gründung des allgemeinen deutschen Arbeitervereins (ADAV) ergibt sich ein bedeutender Schritt zur Organisation der selbständigen politischen Arbeiterbewegung (vgl. Diener, et. al 1992: 11 - 15).

Die erste politische Arbeiterpartei ist auf die charismatische Persönlichkeit von Ferdinand Lassalles abgestimmt, zentralistisch aufgebaut und fordert in seinem Programm das allgemeine Wahlrecht für Männer (vgl. www.fes.de). Ferdinand Lassalle wurde Vorsitzender seines eigenen Vereins, stirbt dann aber ein Jahr später. Seine Gedanken und Ideale leben allerdings weiter. 1869 gründen August Bebel und Wilhelm Liebknecht die sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschland (SDAP) in Eisenach. Bebel und Liebknecht orientieren sich an den Schriften von Karl Marx und führen so die Gedanken von Lassalles fort. Im Gegensatz zu der ADAV ist die SDAP dezentral von unten nach oben organisiert, setzt sich für soziale Forderungen ein und verlangt die Demokratisierung von Gesellschaft und Staat, da die Zustände, politisch, wie sozial ungerecht, und zu bekämpfen sind. Die Ziele unterscheiden sich allerdings kaum von denen der ADAV (Vgl. Diener, Christian et. al 1992:16-17).

„Ihr organisatorischer Schwerpunkt liegt im industrialisierten Sachsen, während der ADAV hauptsächlich in Preußen und Bayern wirkt. Die neue Partei sieht in der politischen Freiheit die Vorbedingungen für die ökonomische Befreiung der Arbeiter und ihren Familien“ (Diener, Christian et. al. 1992:17). Weiterhin führten die gemeinsamen Erfahrungen, die die Parteien ADAV und SDAP im deutsch französischen Krieg machten, sowie das Erleben des Klassenkampfs, der von oben geleitet wurde, dazu, dass der Wille zur Einigung gestärkt wird und die Streitigkeiten hinfällig werden. Auf dem Einigungsparteitag im Mai 1975 in Gotha schließen sich die Parteien zur Sozialistischen Arbeiterpartei SAP zusammen und legen ein gemeinsames Parteiprogramm fest. (vgl. www.fes.de).

Die Zahl der Mitglieder nimmt seit dem Zusammenschluss rasant zu. Im Jahr 1877 erhält die Partei 9,1 % der Stimmen und hält somit Einzug in den Reichstag. Durch den Angriff auf Kaiser Wilhelm im Jahr 1878, der auf die Sozialdemokraten geschoben wird, ist es für den Reichskanzler Bismark möglich, dass Anti-Sozialisten-Gesetz durchzusetzen, welches zur Verhinderung der „gemeingefährlichen Umtriebe der Sozialdemokraten“(www.bpd.de) führen soll. Zwölf Jahre vergehen, in denen immer wieder Sozialdemokraten verfolgt, unterdrückt und sogar verhaftet werden, die Parteiordnung wird zerstört und Versammlungen der Sozialdemokraten werden verboten. Bis 1890 nimmt die Anzahl der Wähler der Sozialdemokraten allerdings so stark zu, dass sie Reichstagsmandate erhalten und letztendlich das Sozialistengesetz aufgehoben wird.

Nachdem der Reichskanzler Bismarck entlassen wird, organisiert sich die Partei im September 1880 neu und gibt sich den endgültigen Namen: Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD). Die Partei wird die Wählerstärkste Partei, mit 19,7% aller Stimmen. Die Schwerpunkte der Partei sind die Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiterschaft und der Kampf um das demokratische Wahlrecht (vgl. Diener, Christian et. al. 1992:18-29).

1891 beschließt die SPD das Erfurter Programm, welches „konkrete Forderungen zur Demokratiesierung der Gesellschaft und zur Verbesserung der sozialen Lebensverhältnisse der Arbeiter und ihren Familien“ (Diener, Christian et. al. 1992:31) fordert. Deutschland wird zu einem Industriestaat, es entstehen Ballungszentren und die Zahl der Industriearbeiter steigt enorm. Allerdings ist das Einkommen der Arbeiter weiterhin sehr gering und reicht nicht aus für ein menschenwürdiges Leben der Familien. Das Klassenbewusstsein und die Unterschiede zwischen arm und reich wachsen weiter, sodass sich immer mehr Menschen der SPD anschließen. Im Jahr 1913 verzeichnet die SPD eine Mitgliederzahl von knapp einer Million. Obwohl die SPD die größte Fraktion im Reichstag bildet, bleibt sie eine Industriearbeiter Partei, die auf die Menschen auf dem Land nur geringen Einfluss nimmt (vgl. Diener, Christian et. al. 1992:30-35). Die SPD ist eine „Partei eines spezifischen Milieus, in das man hineingeboren wurde und das industriell, großstädtisch, protestantisch, facharbeiterlich und – zunehmend - freigewerkschaftlich geprägt war“ (Lösche; Walter 1992:131-132).

Da in vielen Ländern und Kommunen des Reichs immer noch das undemokratische Wahlrecht gilt, schließen sich viele Bürger dem Imperialismus des Kaisers an. Bis 1914 beteuern die Sozialdemokraten die Gefahren des deutschen Strebens der Weltmacht und erklären sich gegen die Reichspolitik. „Kein Mann und kein Groschen für Kolonialabendteuer irgendeiner Art“ (Diener, Christian et. al. 1992:36) so heißt es in der SPD (vgl. Diener, Christian et. al. 1992: 35-37).

Der Zweite Weltkrieg konnte auch von den Sozialdemokraten nicht aufgehalten werden und beginnt 1914. Durch die Zustimmung der SPD zu Kriegskrediten entstehen in der Partei große Ungereimtheiten und schließlich spalten sich 1916 einige SPD-Abgeordnete ab und gründen die unabhängige Sozialdemokratische Partei (USDP). Die verbleibenden werden zur Mehrheitspartei und nennen sich MSPD.

1918 ist das deutsche Reich militärisch am Ende und die Sozialdemokraten sind feststehend an der Ausrufung der Republik und an der Umstellung der Weimarer Reichsverfassung beteiligt. Die SPD wird zu einer tragenden Säule der Weimarer Republik, die nun einer parlamentarischen Demokratie nachgeht, und stellt mit Friedrich Ebert[1] den ersten Reichspräsidenten (vgl. www.bpb.de). Am 9. November verkündet der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Deutsche Republik, der letzte kaiserliche Reichskanzler Prinz Max von Baden dankt Kaiser Wilhelm ab und Friedrich Ebert bekommt sein Amt. (vgl. Diener, Christian et. al. 1992: 38:49).

In kürzester Zeit gelangt es der SPD in der Weimarer Republik Reformen umzusetzen, um die im Kaiserreich jahrelang vergeblich gekämpft wurde. Das allgemeine Wahlrecht für Männer und Frauen, der achtstündige Arbeitstag, Schutzbestimmungen für Arbeiter, Tarifverträge, Koalitionsrechte und Arbeitslosengeld werden eingeführt. Die Frauen bekommen mehr Rechte und betätigen sich auf dem sozialen und pädagogischen Gebiet. Die Sozialdemokratischen Politikerinnen setzten sich für Gleichberechtigung, das Recht der ledigen Mutter und unehelicher Kinder, sowie für das Eherecht ein. Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und Freizeitvereine entstehen aus sozialdemokratischen Initiativen. Nicht zu übersehen sind allerdings die enormen Auswirkungen des Krieges, die sich nur schwer überwinden lassen. Allerdings werden Programme zur Stabilisierung entwickelt. 1925 wird die Wohnsiedlung Friedrich Ebert eingeweiht. Dieses und andere ehemaligen Elendsvierte werden zu großzügigeren, helleren und gesünderen Stadtvierteln umgebaut. 1925 stirbt Friedrich Ebert und Paul von Hindenburg wird neuer Reichspräsident (vgl. Diener, Christian et. al. 1992: 50-57).

3. Friedrich Ebert

3.1 Vom Sattlergesellen in den Parteivorstandes

Friedrich Ebert wird am 04. Februar 1871 in Heidelberg geboren. Seine Eltern sind der Schneidermeister Karl Ebert und seine Frau Katharina Ebert, die beide aus kleinbäuerlichen Familien stammen. Die Familie lebt in gesicherten, allerdings beengten Verhältnissen. Durch die Selbstständigkeit des Vaters musst Friedrich Ebert nie in Not oder Hunger leben. Die wirtschaftliche Lage der Familie ist trotzdem nicht die Beste, und Wohlstand gibt es auch nicht. Friedrich Ebert muss in seiner Kindheit allerdings nicht, wie viele andere Kinder aus proletarischen Familien, regelmäßiger Arbeit nachgehen.

Ab dem Jahr 1877 besucht er dann acht Jahre lang die Volksschule. Er ist ein mittelmäßiger Schüler, der nie besonders auffällt. Der junge Friedrich Ebert äußert bereits im Kindesalter den Wunsch nach einem Studium. Nach seiner Schulzeit beginnt er dann eine Lehre als Sattlermeister, die er allerdings vier Wochen vor Ende der Lehrzeit abbricht (vgl. Witt 1987: 21-24).

Nach diesem Abbruch begibt sich Ebert auf Wanderschaft durch ganz Deutschland und landet schließlich in Bremen. Seine fast dreijährige Wanderschaft ist in der schlechten ökonomischen Lage des Landes und der somit hohen Arbeitslosigkeit begründet. Weiterhin zieht ihn auf Wanderschaft durch Deutschland auch die Tatsache, dass er im Jahr 1889 in die Sozialdemokratische Partei und in die Gewerkschaft der Sattler eintritt. Die hohe Arbeitslosigkeit im Land führt dazu, dass sich Arbeiter zusammenschließen und sich Gewerkschaften und Vereine gründen (vgl. http://library.fes.de).

Aufmerksam auf die Parteiarbeit, die Sozialdemokratie und die Arbeit in den Gewerkschaften wird Ebert in Mannheim, als er auf seiner Wanderschaft bei seinem Onkel, Wilhelm Strötz, Rast macht. Dieser spielt eine ausschlaggebende Rolle in der Arbeiterbewegung Mitte der 1870er Jahre. Sein Onkel bringt ihn auch die Schriften von Karl Marx, Engels und Lassalle näher, die eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Sozialdemokratischen Partei einnahmen. Weiterhin wird Ebert durch das Lesen, der damals illegal aus London beschaffe Parteizeitung ‚Sozialdemokratie’, geprägt. Seit dem an beteilig er sich an jedem Ort seiner Wanderschaft an gewerkschaftlicher Arbeit und gründet sogar Zweigstellen (vgl. Witt 1987: 24-25).

[...]


[1] Geboren am 4. Februar 1871, gestorben am 28. Februar 1925

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656820376
ISBN (Buch)
9783656838616
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282666
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
2,3
Schlagworte
friedrich ebert aufstieg reichskanzler

Autor

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