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Klosterwirtschaft und Besitztümer der Zisterzienser unter besonderer Berücksichtigung der Klöster Himmerod und Otterberg

Seminararbeit 2004 32 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Die Wirtschaft des Zisterzienserordens
2.1 Arbeit
2.2 Conversi
2.3 Eigenwirtschaft
2.4 Wirtschaftsgebäude
2.5 Grangien
2.6 Grangien (außerhalb)
2.7 Grangien (innerhalb)
2.8 Stadthöfe

3 Beispiele für die Wirtschaft der Zisterzienser
3.1 Handel
3.2 Viehhaltung
3.3 Weinbau
3.4 Wasserwirtschaft

4 Wirtschaftswesen des Klosters Otterberg
4.1 Handelsstraßen
4.2 Grangien
4.3 Stadthöfe

5 Wirtschaftswesen des Klosters Himmerod
5.1 Grangien
5.2 Stadthöfe

6 Vergleich der Wirtschaft am Beispiel Landwirtschaft

7 Der Besitz der Klöster Otterberg und Himmerod im 12. und 13. Jahrhundert
7.1 Besitz Otterberg
7.2 Besitz Himmerod

8 Schlusswort

9 Quellenbearbeitung
9.1 Quelle 179
9.2 Quelle 175

A Anhang
Karte 1 : Grundriss der Klosteranlage Otterberg
Karte 2 : Grundriss der Klosteranlage Himmerod
Karte 3 : Der Otterberger Grundbesitz zu Beginn des 13.
Jahrhunderts
Karte 4 : Filiation Citeaux-Eberbach-Otterberg
Lateinische Quellen

B Bibliographie

1 Vorwort

Seit jeher galten die Zisterzienser als „landhungrig“.

Ihr Land erhielten sie oftmals durch Tausch, denn nicht jede Landschenkung lag in der Nähe ihres Klosters. So tauschten sie andere Landstücke und ergänzten dadurch die fehlenden Gebiete rund um die Abtei.

Während meiner Recherchen zur Lage der Zisterzienser Klöster, stieß ich auf folgenden, alten Spruch:

Bernardus valles,

colles Benedictus amabat,

Franciscus vicos,

magnas Ignatius urbes.

Bernhard liebte die Täler,

Benedikt die Hügel,

Franziskus die Dörfer,

Ignatius die großen Städte.

Der Besuch einer Klosteranlage lässt zwar die oben beschriebene Lage erkennen, erinnert heute aber kaum noch an das aufregende Leben der Mönche vor Jahrhunderten. Oftmals ist nur noch ein Rest der Grundmauern zu sehen, was dem Besucher keinen Eindruck über das hektische Treiben im Mittelalter geben kann. Sollte man doch noch ein Kloster finden, indem die Mönche nach alter Tradition leben, so ist es dennoch ein anderes Leben, als jenes, dass ihre Vorgänger in der Gründungsphase lebten.

Der Ort, an dem die Mönche ihre Klöster errichteten hatte einen maßgeblichen Einfluss auf ihre wirtschaftliche Existenz. Denn der Anbau und Vertrieb ihrer Güter war abhängig von Bodenverhältnissen, Klima, Beschaffenheit der weiteren Umgebung und von den Möglichkeiten einer Handelsbeziehung.

Die Zisterzienser beherrschten das Handwerk der Landwirtschaft sehr schnell und mit großem Erfolg. Später zeigten sie ihr Geschick in der Wasserwirtschaft, was sich vor allem in der Begradigung von Flussläufen und der Nutzung des Wassers als Energiequelle zeigte.

Das Leben der Zisterzienser war von je her ein aufregendes, entstand ihr Orden doch aus der Reformbewegung der Benediktiner:

Im Jahre 1098 gründete Robert von Molesme den Orden der Zisterzienser mit dem Ziel, das Mönchideal des Benedikt von Nursia zu leben. Um dieses Ideal auch stets zu verfolgen und nicht in „schändliche“ Gewohnheiten zu verfallen, wurde der Tagesablauf der Zisterziensermönche in einem strengen Zeitplan festgehalten.

Ein fester Bestandteil hierin war die Handarbeit.

Da Arbeit als „Abarbeitung der Erbsünde“ angesehen wurde, war es nicht verwunderlich, dass die Wirtschaft der Zisterzienser sehr rasch ihr ganzes Leben bestimmte. Das Wirtschaftsleben galt als Verwirklichung des Mönchsideals, und hatte nicht den Sinn, einen wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen. Allein der Gedanke der Eigenbewirtschaftung stand hinter dem Aufbau von Grangien und Stadthöfen.

Die Versorgung der Klöster durch Eigenwirtschaft verschlechterte sich jedoch zunehmend und entwickelte sich letztlich zu einer Bewahrung vor dem „Zusammenbruch“. Aus diesem Grund wurden 1152 Neugründungen untersagt. Zudem waren viele Klöster in immer mehr Geldgeschäfte und Marktbindungen verwickelt, so dass sich viele Arbeiter hoch verschuldeten. Als Reaktion hierauf brach man im 13. Jh. mit den Grundsätzen der Eigenwirtschaft von Cîteaux, nur von der eigenen Arbeit leben zu wollen. Im Jahre 1208 erlaubte man daher die Verpachtung von Betrieben an Fremde.

Dies war nur der Beginn einer Umstrukturierung der zisterziensischen Wirtschaft. Es folgten Jahre der Aufregung, Höhepunkte und letztendlich doch der Untergang für die einst so erfolgreich geführte Eigenwirtschaft der Ordensbrüder.

Die nachfolgende Arbeit soll einen kurzen, allgemeinen Einblick in die Wirtschaftführung der Zisterzienser geben. Am Beispiel der Abteien Otterberg und Himmerod wird erläutert, welche Bedeutung vor allem die Grangien und Stadthöfe hatten.

Im Anschluss daran folgt ein Überblick über die Besitztümer der Abteien Otterberg und Himmerod, um die wirtschaftliche Kraft, aber auch Gründe für die Auswahl der angebauten Produkte aufzuzeigen.

Im Anhang sind Karten zum Besitz, Lage und Ausstattung der Klöster beigefügt, um die Aussagen der Texte zu veranschaulichen.

2 Die Wirtschaft des Zisterzienserordens

2.1 Arbeit

Arbeit hatte bei den Zisterziensern nicht nur einen wirtschaftlichen Nutzen, sondern galt als Maßnahme gegen den Müßiggang. In der Benediktusregel, Kapitel 48 steht geschrieben: „Otiositas inimica est animae“ (Müßiggang ist der Seele Feind), und weiterhin in der Capitula 15:[1]

„Monachis nostri ordinis debet provenire victus de labore manuum, de cultu terrarum, de nutrimento pecorum.“[2]

Im Tagesablauf der Mönche war daher die Handarbeit fest eingeplant und folgte nach dem Prim und dem Non für ca. 2 ½ Stunden. Aelred von Rielvaux sah Arbeit sogar als „Buße für die Erbsünde“.

Dennoch mussten die Ordensbrüder ihre Arbeit nicht gänzlich alleine verrichten. 1119 wurde im „Exordium parvum“ und in der „Charta caritatis prior“ festgehalten, dass die Mönche die Hilfe von Conversi (Laienbrüdern) annehmen durften, um die Arbeit während der Ernte zu verrichten.

2.2 Conversi

Konversen waren gern gesehen, da man durch sie den Kontakt zur weltlichen Welt vermeiden konnte. Obwohl sie keine vollwertigen Mitglieder waren und nicht bezahlt wurden, arbeiteten die Laienbrüder mit größter Motivation für ihr Kloster. Dafür wurde ihnen der Einzug in das Paradies versprochen. So steht es in der Bendiktusregel Kapitel 72 (Der gute Eifer der Mönche) geschrieben.

Die Arbeit der Conversi war vielfältig und beinhaltete neben der Arbeit in den Granigen „das Züchten von Rindern und Schafen, das Roden [...], Anbau von Getreidefeldern, Instandhaltung [...] und Verkauf von Produkten [...].“[3]

Im Kodex von Trient ist die Stellung der Conversi festgehalten (Capitula 20 – 22): „[...] Wir betrachten sie als unsere Mitbrüder [...] jedoch kann ein Konverse nicht Mönche werden.“[4]

Wie wichtig Conversi waren, zeigt die Anzahl der Mitglieder in Clairvaux 1135: Damals lebten hier 200 Mönche und 300 Conversi, in Le Dunes waren es um 1300 180 Mönche und fast doppelt so viele Conversi.[5]

2.3 Eigenwirtschaft

Jedes Kloster war ein Eigenbetrieb, welcher von den Mönchen, unabhängig von der weltlichen Wirtschaft, betrieben wurde.

Die Zisterzienser beriefen sich bei der Art ihrer Wirtschaftsführung zunächst auf den Hl. Benedikt und die von ihm verfasste „Benediktinerregel“.

Demnach durften die Zisterziensermönche folgende Tätigkeiten ausführen: „land-, forst und wasserwirtschaftliche Arbeiten, innerklösterliche Verrichtungen (Waschen, Nähen, Backen, Bücherschreiben, Krankenversorgung usw.“[6] Tätigkeiten im Bereich der Malerei und der Viehzucht, sowie der Verkauf von Wein waren hingegen verboten.

Nach dem Regelbruch im Jahre 1208 änderten sich jedoch viele dieser Bestimmungen. So findet sich in der Capitula 15 die Erlaubnis Weingärten, zur Produktion von Eigenbedarf, anzulegen.

Gegen Ende des 13. Jh. war die Arbeit der Zisterzienser eher gewerblich und rückte dadurch den agrarischen Aspekt der Selbstversorgung in den Hintergrund, was zu einer Rückständigkeit der agrarischen Handwerkskunst führte.

2.4 Wirtschaftsgebäude

Aufgrund ihrer Lage waren die Zisterzienserklöster von der Außenwelt abgeschieden, was den Handel mit der weltlichen Welt erschwerte und auch ihren Regeln nach verboten war. Somit musste jedes Kloster die notwendigen Güter selbst herstellen.

In Otterberg baute man hierzu beispielweise eine Klostermühle, einen Fruchtspeicher, eine Schmiede und sogar ein eigens Klosterspital.[7]

In Himmerod befinden sich ebenfalls Mühlen, ein Fruchtspeicher und eine Schmiede. Diese Ausstattung konnte in der Regel jedes Zisterzienser-Kloster aufweisen. Sie war unumgänglich, wollte man die Eigenbewirtschaftung beibehalten.

2.5 Grangien

Um ihre Eigenwirtschaft besser betreiben zu können, legten die Zisterzienser zunächst Grangien an. Deren Größe unterschied sich je nach Klosterlage und der dadurch gegebenen ländlichen Struktur um das Kloster herum. In Himmerod umfassten die Grangien 450 bis 600 Morgen Land, in Wales hingegen gab es Grangien von bis zu 10.000 Morgen Land. Die Anzahl der deutschen Grangien belief sich auf 10 bis 20, je Kloster.[8] Die nahegelegenen Grangien hatten den Vorteil, dass sie durch die Klostermauern besser geschützt waren und zudem die Arbeitskräfte aus dem anliegenden Kloster im Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern ausgebildet waren.

2.6 Grangien (außerhalb)

Für die wirtschaftliche Entwicklung der Klöster waren die Grangien und Höfe von großem Wert, da nur die Felder in der Nähe der Klöster in Eigenwirtschaft bearbeitet werden konnten. Die umliegenden Felder mussten verpachtet werden, was wiederum einen Kontakt mit der weltlichen Welt bedeutet hätte. Um dies zu vermeiden legte jedes Kloster Grangien und Höfe an. Als Arbeiter dienten hier die Conversi, welche von dem Grangienmeister (oder Zellerar) beaufsichtigt wurden. Später bestimmte der Zellerar einen der Conversi zu seinem Stellvertreter, damit dieser ähnliche Aufgaben verrichten konnte, wie die Grangienmeister.

Nicht weiter als eine Tagesreise weit, sollten die Höfe von der Abtei entfernt liegen. Die Gründe hierfür waren zum einen die Kontrolle der Arbeiter und zum anderen den Landarbeitern die Teilnahme am Gottesdienst an den Sonntagen zu ermöglichen. Es konnte jedoch vorkommen, dass eine Grangie bis zu 100 km weit entfernt lag.

Die Lage der Grangie konnte sich das Kloster häufig nicht selbst aussuchen, da die meisten Besitztümer aufgrund von Schenkungen erworben wurden. (siehe Kapitel 7)

Nur durch Tausch konnte die Abtei eine Grangie in ihrer Nähe erhalten und diese zur Bewirtschaftung an die Konversen geben. Die Zisterzienser nutzen ihre außerhalb liegenden Grangien vor allem für die Lagerung von Wein, welcher oft in hohem Maße verbraucht wurde.

[...]


[1] Der „Kodex von Trient“ beinhaltet drei Abschnitte, die später als Exordium Cistercii (Cap. 1-2), Summa Cartae Caritatis (Cap. 3-6) und Capitula (Cap. 7-26) bezeichnet wurden.

[2] Dt.: Die Mönche unseres Ordens müssen ihren Lebensunterhalt durch Arbeit, Ackerbau und Viehzucht verdienen.

[3] Kinder, 1997, S. 337.

[4] Brem / Altermatt, 1998, S. 55.

[5] Kinder, 1997, S. 338.

[6] Kurze, 1976.

[7] Außerhalb lagen ein Fischerhaus und ein Forsthaus

[8] Ribbe, 1980, S. 206f.

Details

Seiten
32
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638300940
ISBN (Buch)
9783638692076
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28266
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Kultur- und Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Klosterwirtschaft Besitztümer Zisterzienser Berücksichtigung Klöster Himmerod Otterberg Mittelalter Pfälzische Spätmittelalter

Autor

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Titel: Klosterwirtschaft und Besitztümer der Zisterzienser unter besonderer Berücksichtigung der Klöster Himmerod und Otterberg