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Vom Comic zum Film. Marvel und McLuhans Medientheorie

Hausarbeit 2014 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vom Comic zum Film
2.1 Die Entwicklung des Printmediums
2.2 Das Marvel Universum
2.3 Vom kalten zum heißen Medium
2.4 Die filmische Umsetzung
2.5 Die umgekehrte Adaption

3. Schlussgedanke

4. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Wenn der Begriff Comicverfilmung genannt wird kommt den meisten als erster Gedanke die typische Superheldengeschichte in den Sinn. Nicht verwunderlich, da in den letzten zehn Jahren gerade dieses Genre in Hollywood nicht nur einen erheblichen Zuwachs bekommen, sondern auch enorme Zuschauer Massen in die Kinos gelockt hat. Es ist fast so als ob die Geschichten im Comic viele weltbekannte Sehenswürdigkeiten repräsentieren und nun werden Abbildungen von diesen in Las Vegas nachgestellt, nur dass sie diesmal mit einer Vielzahl von modernen Aspekten wie passender Beleuchtung oder zusätzlichen Effekten ausgestattet sind. Damit sei auf keinen Fall dahingestellt, dass Filme in ihrer Grundform besser und weiterentwickelter sind als Comics oder die Adaptionen von eben diesen einen höheren Stellungswert einnehmen sollten. Dafür sind die beiden Medien zu grundverschieden. Jedes für sich hat seine speziellen Qualitäten und Schwächen und vor allem auch seine Fangemeinden. Sicher gibt es grundsätzlich Liebhaber von bestimmten Comiccharakteren, die sich jederzeit über das Erscheinen ihres Helden freuen, egal in welcher Form. Jedoch ist die Menge von Comicinteressierten, die von der Umsetzung auf der Kinoleinwand nicht begeistert sind, da sie der Vorlage nicht gerecht wird, auch nicht zu verachten. Und neben der herkömmlichen Diskussion zwischen Print und Film Favorisierenden, die sich inzwischen schon in der Gesellschaft etabliert hat, gibt es auch, nicht zuletzt aufgrund der im Moment so inflationären Entwicklung dieses Filmgenres, eine bestimmte junge Zielgruppe, die zwar in die Kinos geht aber mit den dazugehörigen Comics nichts anfangen kann. Der kanadische Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan setzt mit seinen Theorien, die als Grundstein für die Medientheorie gilt, genau an diesem Punkt an und behauptet, dass es der Inhalt der Übertragung ist, der die Menschen vom eigentlichen Sinn der Medien ablenkt.

„For the “content” of a medium is like the juicy piece of meat carried by the burglar to distract the watchdog of the mind. The effect of the medium is made strong and intense just because it is given another medium as “content”.1 Es stellt sich also die Frage ob die Präsentation der Geschichten rund um die Superhelden die entscheidendere Rolle bei der Nutzung spielt oder die Art und Weise der Korrektheit der inhaltlichen Wiedergabe. In der folgenden Arbeit soll daher anhand dieser Denkweise versucht werden die Repräsentativität der Gegenüberstellung zwischen Comic und dazugehörigen Film auf die Probe zu stellen und herauszufinden, ob der Inhalt oder das Medium den Weg vorgibt.

2. Vom Comic zum Film

2.1 Die Entwicklung des Printmediums

Die Verbindung zwischen Comic und Film lässt sich durch die zahlreichen Erfolge, die im letzten Jahrzehnt im Kino erzielt wurden nicht leugnen, doch eigentlich existiert eine solche symbiotische Konvergenz schon um einiges länger. Um den Ursprüngen der Comicadaption näher zu kommen setzen wir die modernen Kinohits von Marvel ans Ende und betrachten schrittweise ihre

Entstehungsgeschichte anhand einiger ausgewählter Schlüsselmomente. Der US- Amerikaner George Herriman erschuf mit der Verfilmung seiner Comic-Strip Serie Krazy Kat im Jahr 1916 eine der ersten Comicadaptionen in der Geschichte des Films. Durch dieses Werk war schon eine Grundvoraussetzung für diese medialen Verwandlungen gegeben, von denen später noch einige folgen sollten. Es wurde möglich einen Comic, der von dem US-Amerikanischen Comic-Künstler Scott McCloud beschrieben wird als „zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/oder eine ästhetische Wirkung beim Betrachter erzeugen“2, zu einem Film und damit einem vollkommen anderen Medium zu wandeln. Da Gegenstand dieser Arbeit aber hauptsächlich die Verbindung zwischen Comic und Realfilm sein soll sind die Tim und Struppi- Verfilmungen von Jean-Jacques Vierne 1961 und von Philippe Condroyer 1964 erwähnenswerter. Die im französischen Original Les aventures de Tintin genannte Comicreihe von dem Belgier Georges Prosper Remi gilt als eine der erfolgreichsten und bedeutendsten Serien in Europa.3 Als Randnotiz an dieser Stelle sei dennoch auf den, meist auf einer einheimischen Manga Vorlage basierenden, japanischen Anime Kult hingewiesen der ungefähr die Hälfte aller in Japan produzierten Filme ausmacht und als ein fester und permanenter Bestandteil der audiovisuellen Adaption angesehen werden kann. Eigentlich erschien die erste Comicadaption schon 1941 in Form des Films The Adventures of Captain Marvel, der als Film-Serial über mehrere Monate verteilt von Studio Republic Pictures produziert wurde. Doch die Figur „Captain Marvel“ ist ironischerweise kein optimales Musterbeispiel für die hier angebrachten Rückblicke auf die Marvel Vorgeschichte, da sie zwar anfangs zum gleichnamigen Comic Konzern gehörte, aber in den frühen 1970er Jahren vom rivalisierenden DC-Verlag erworben wurde. Als Vorreiter für den traditionellen Marvel Superheldenfilm gilt daher der 1944 erschienene und der damals noch Timely Comics genannten Firma entsprungene schwarz-weiß Serial Film Captain America4. Denn passend zur Betitelung „The first Avenger“ in der modernen Neuauflage aus dem Jahr 2011 war er der erste Held seiner Liga überhaupt, der es in die Kinos geschafft hat. Gemeinsam haben die beiden Figuren die comicsoziologischen Aspekte ihrer geschichtlichen Hintergründe, die auch bei neuzeitlichen Comics immer noch von Bedeutung sind. Diese sind sowohl abhängig von der Zeit in der sich die Story abspielt als auch von der Zeit in der das Werk veröffentlicht wird. Passende Beispiele hierfür sind der ständig währende Kampf gegen die Nazis, mit dem sich Captain America damals wie heute auseinandersetzen muss oder die Kubakrise, mit der sich die jungen X-Men im ebenfalls von Marvel stammenden Film aus dem Jahr 2011 X-Men: First Class5 befassen.

2.2 Das Marvel Universum

Der US-amerikanische Comicverlag, Marvel Comics, wird zu den weltweit größten und umsatzstärksten Verlagen dieses Genres gezählt. Die für die Kinoerfolge verantwortlichen, dazugehörigen Marvel Studios sind eine Tochtergesellschaft der geschlossenen Marvel Entertainment Gesellschaft und inzwischen zur Walt Disney Company gehörend. Die Bezeichnung „Universum“ ist fast schon nicht mehr ausreichend in diesem Fall, da der Comic Gigant, der seine mediale Vielfalt seit über siebzig Jahren permanent ausgebaut hat, genauer gesehen ein sogenanntes „Multiversum“ sein Eigen nennen darf. Es existiert eine Vielzahl von fiktiven Charakteren und Welten, die für sich schon eine enorme Bezifferung ergeben, doch durch ihre nicht immer identische Existenz in verschiedenen anderen erdachten Universen ergibt sich eine noch enormere Bandbreite von Erzählinhalten und Charakterprofilen.6 Aus diesem Grund ist eine Gegenüberstellung des Printmediums Comic mit einem zugehörigen filmischen Werk angebracht um zu erkennen in welchen Bereichen die inhaltlichen Unterschiede erkennbar werden und welche Aspekte dabei von Bedeutung sind. Der Comicautor und Schöpfer von zahlreichen Marvel-Helden, Stan Lee, hat in Zusammenarbeit mit Jack Kirby und Steve Ditko, zwei weiteren Größen aus diesem Bereich, ein erstaunliches Universum und komplexe Charaktere erdacht, von denen „Spider-Man“ der wahrscheinlich bekannteste ist. Lee, der aus dem anfangs kleinen Verlag Marvel Comics ein weltberühmtes Medienunternehmen machte und regelmäßig in Form von diversen Cameo-Auftritten in den neuen Marvel Kinostreifen zu sehen ist, äußert sich zu der erweiternden Beziehung des Comics zum Film in einem Interview mit der Denver Post Online wie folgt:

„Some people will say, ´Why read a comic book? It stifles the imagination. If you read a novel you imagine what people are like. If you read a comic, it’s showing you.´ The only answer I can give is, ´You can read a Shakespeare play, but does that mean you wouldn’t want to see it on the stage?´”7

Hauptaugenmerk bei der diesbezüglichen Analyse liegt auf den Comic Figuren „Captain America“, „Iron Man“, „Thor“ und „Hulk“, von denen es jede für sich inzwischen bereits mehrfach in filmischer Form auf die Leinwand geschafft hat. Die Comic Adaptionen um die Superhelden des Marvel Verlag bilden in dieser Hinsicht eine bisher noch nie da gewesene Konstellation an miteinander verketteten Filmen, welche ihre komplette Tragweite sogar noch nicht vollständig erreicht haben. Durch bereits existierende Vorankündigungen für zukünftige Marvel-Filme lässt sich erkennen dass die momentane Auswahl an Verfilmungen nur ein Teil des noch geplanten gesamten Filmspektrums des Unternehmens ist. Gegenstand dieser Arbeit soll es daher sein die Entwicklung dieser Konstellation zu betrachten und die Unterschiede zwischen dem Ursprungs- und Endmedium herauszustellen. Dies wird vorerst als eine allgemeine Beobachtung der beiden separaten Komponenten erfolgen und anschießend gezielt als Illustration im Hinblick auf die nach den Comics entstandenen Neuen Medien8.

[...]


1 McLuhan, M., Understanding Media, (Cambridge: MIT Press, 1964), S. 32 4

2 McCloud, S., Comics richtig lesen, (Hamburg: Carlsen Verlag, 2001), S. 28

3 Farr, M., Auf den Spuren von Tim und Struppi, (Hamburg: Carlsen Verlag, 2006)

4 Clifton, E., English, J., Captain America, (United States: Republic Pictures, 1944) 5

5 Vaughn, M., X-Men: First Class, (USA: 20th Century Fox, Marvel Entertainment, 2011)

6 http://marvel.com/corporate/about/

7 Wenzel, J., http://blogs.denverpost.com/nerd/2013/05/23/stan-lee-talks-marvel-dc- comics-and-more-in-advance-of-denver-comic-con-headlining-slot/288/

8 Manovich, L., The Language of New Media, (USA, MIT Press, 2001), S.27 7

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656819547
ISBN (Buch)
9783656819554
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282652
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,3
Schlagworte
Avengers Assemble Marvel McLuhan Medientheorie Comic Film Adaption heißes Medium kaltes Medium

Autor

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