Lade Inhalt...

Mögliche Ursachen von Arbeitslosigkeit und das wirtschaftspolitische Instrumentarium zu ihrer Bekämpfung

Hausarbeit 1995 24 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Arbeitslosigkeit
1.1. Begriff und Messung der Arbeitslosigkeit
1.2. Die Ermittlung der "realen" Arbeitslosenzahl

2. Ursachen von Arbeitslosigkeit
2.1. Natürliche Arbeitslosigkeit
2.1.1. Friktionelle Arbeitslosigkeit
2.1.2. Strukturelle Arbeitslosigkeit
2.1.2.1. Demographische Ursachen
2.1.2.2. Technologische Arbeitslosigkeit
2.1.2.3. Regionale Arbeitslosigkeit
2.1.2.4. Veränderte Berufsstrukturen und Qualifizierungsanforderungen
2.1.2.5. Sektoraler Strukturwandel
2.1.2.6. Nachfrageverschiebungen durch Bedarfsstrukturänderungen
2.1.2.7. Außenwirtschaftliche Einflußfaktoren
2.1.2.8. Institutionelle Regelungen
2.1.2.9. Lohnstrukturverzerrungen
2.2. Konjunkturelle Arbeitslosigkeit
2.2.1. Keynesianische Arbeitslosigkeit
2.2.2. Klassische Arbeitslosigkeit
2.3. Saisonale Arbeitslosigkeit

3. Instrumente zur Eindämmung oder Verhinderung von Arbeitslosigkeit mit Hilfe der Wirtschaftspolitik
3.1. Wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Nachfrageankurbelung
3.2. Angebotsorientierte Strategien zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit
3.3. Verringerung des Arbeitsvolumens
3.4. Flexible Verteilung und Gestaltung von Arbeitszeiten
3.5. Strukturpolitische Strategien

Literaturverzeichnis

1. Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland ist seit Mitte der siebziger Jahre zu einem zentralen gesellschaftlichen Problem geworden. Die Arbeitsmarktsituation hat sich nach der deutschen Wiedervereinigung extrem verschlechtert, da zu der seit langem anhaltenden hohen strukturellen Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern eine plötzlich stark angestiegene konjunkturelle Arbeitslosigkeit in den alten Bundesländern infolge der Rezession seit Anfang der neunziger Jahre hinzugekommen ist.1) Die daraus resultierenden Probleme werden mit zunehmender Intensität in Wissenschaft und Politik diskutiert und erfolgsversprechende Lösungsansätze gesucht, um die Zahl der Arbeitslosen stark dezimieren zu können.2) Verschiedene Ursachen von Arbeitslosigkeit sowie einige wirtschaftspolitische Instrumente zu deren Bekämpfung werden im weiteren Verlauf dieser Ausführungen vorgestellt. Zunächst aber werden Begriff und Messung sowie Gründe für Über- und Unterschätzungen von Arbeitslosigkeit erläutert, um eine allgemeine Grundlage für die nachfolgenden Ausführungen zu schaffen.

1.1. Begriff und Messung der Arbeitslosigkeit

Grundsätzlich kann Arbeitslosigkeit in dem Sinne definiert werden, daß alle Personen, die erwerbsfähig und arbeitssuchend aber momentan nicht erwerbstätig sind, als Arbeitslose bezeichnet werden. Diese allgemeine Definition wird zwar weitgehend international anerkannt, liegt aber nicht den veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen der Bundesrepublik Deutschland zugrunde.3) Die dort publizierte Arbeitslosenquote erfaßt lediglich den prozentualen "Anteil der [bei den Arbeitsämtern] registrierten Arbeitslosen an der Gesamtzahl der abhängigen Erwerbspersonen".4) Insofern sind Arbeitslose im Sinne der Arbeitsmarktzahlen nur solche Personen, die sich auch arbeitslos gemeldet haben.5)

1.2. Die Ermittlung der "realen" Arbeitslosenzahl

Um die tatsächliche Anzahl aller Arbeitslosen im Sinne der allgemeinen Definition von Arbeitslosigkeit6) zu ermitteln, ist zunächst die sog. versteckte Arbeitslosigkeit zu berücksichtigen. Diese besteht zum einen aus Personen, die arbeitslos sind und sich nicht bei den Arbeitsämtern gemeldet haben. Man bezeichnet diese Personengruppe auch als "stille Reserve", dazu gehören z. B.:

- ausländische Arbeitnehmer, die aufgrund ihrer Erwerbslosigkeit in ihre Heimatländer zurückkehren,
- Jugendliche, die ihre schulische Ausbildung wegen mangelnder Lehrstellen oder Arbeitsplätze verlängern,
- Arbeitswillige, die vom Einkommen ihrer Partner oder Familie leben, weil sie keinen Arbeitsplatz finden,
- ältere Arbeitslose, die in den Vorruhestand gehen, da sie schlechte Aussichten auf einen geeigneten Arbeitsplatz haben.7)

Andererseits müssen bei der Ermittlung der tatsächlichen Arbeitslosenzahl noch weitere Formen der versteckten Arbeitslosigkeit berücksichtigt werden. Beispiele dafür sind:

- Kurzarbeiter,
- Personen, die nach Verlust ihres Arbeitsplatzes eine minderwertigere Tätigkeit ausüben
- Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz behalten, obwohl sie "bei strikt ökonomisch-effizienter Gestaltung des Wirtschaftsprozesses freigesetzt werden könnte[n]"8)

Dieses zuletzt beschriebene Phänomen nennt man auch "verdeckte Arbeitslosigkeit", die insbesondere in der ehemaligen DDR "aufgrund des früheren planwirtschaftlichen Prinzips der Beschäftigungsgarantie" in großem Ausmaß vorzufinden war.9) Wenn alle Formen der versteckten Arbeitslosigkeit bei der Ermittlung der realen Arbeitslosenzahl berücksichtigt und den registrierten Arbeitslosen hinzuaddiert sind, muß auch eine gewisse Überschätzung der tatsächlichen Erwerbslosenzahl korrigiert werden. Diese Überschätzung resultiert daraus, daß einige Arbeitslose sich beim Arbeitsamt registrieren lassen, ohne eine neue Tätigkeit aufnehmen zu wollen. Man nennt solche Personen auch freiwillige Arbeitslose. Dazu zählen z. B.:

- Personen, die aus familiären Gründen in nächster Zeit nicht arbeiten wollen und nur Unterstützungsleistungen ausnutzen,
- ältere Arbeitslose, die ab dem 60. Lebensjahr in den Vorruhestand treten wollen und als Vorraussetzung dafür mindestens ein Jahr arbeitslos gewesen sein müssen,
- Personen, die unter den herrschenden Arbeitsmarktbedingungen keine Arbeit finden, bei der sich eine Besserung der finanziellen Lage gegenüber dem Bezug von Unterstützungszahlungen einstellen würde.10)

2. Ursachen von Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit ist ein komplexes Problem, das aufgrund verschiedenster Ursachen entsteht, die sich teilweise gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken oder kontrovers zueinander stehen und sowohl kurz- als auch langfristige Arbeitslosigkeit auslösen oder vergrößern. Diese unterschiedlichen Ursachen werden seit langem in Wissenschaft und Politik neu definiert, diskutiert und erläutert, wobei einige gegenläufige Meinungen bezüglich der Hauptursachen für Arbeitslosigkeit existieren. Im folgenden werden die bekanntesten Erklärungsmodelle zur Entstehung von Arbeitslosigkeit vorgestellt.

2.1. Natürliche Arbeitslosigkeit

Der Begriff der "natürlichen Arbeitslosigkeit"11) umfaßt zwei Arten von Arbeitslosigkeit, nämlich die friktionelle und die strukturelle Arbeitslosigkeit.12) Diese beiden Formen sind "realwirtschaftlich begründet [...] und [haben] keine monetären oder konjunkturellen Ursachen".13) So kann ein gesamtwirtschaftliches Arbeitsmarktgleichgewicht vorhanden sein, wenn Überschußangebot- und nachfrage an Arbeit gleich groß sind.14)

2.1.1. Friktionelle Arbeitslosigkeit

Die friktionelle Arbeitslosigkeit, auch Fluktuations- oder Sucharbeitslosigkeit genannt, wird durch den Zeitbedarf bestimmt, den ein Arbeitnehmer zur Suche und Annahme eines neuen Arbeitsplatzes benötigt.15) Da keine vollständige Transparenz am Arbeitsmarkt vorliegt, brauchen sowohl Anbieter als auch Nachfrager eine gewisse Zeit zur Informationsbeschaffung.16) Ein Arbeitnehmer, der sich auf die Suche nach einer neuen Stelle begibt, kündigt somit seinen bisherigen Arbeitsplatz, denn nach der Suchtheorie der Arbeitslosigkeit kann eine Person nicht gleichzeitig arbeiten und auf Stellensuche gehen.17)

Die friktionelle Arbeitslosigkeit ist bei hohem Beschäftigungsgrad meist von kurzer Dauer (1,5 - 3 Monate), denn in der Regel kündigt ein Arbeitnehmer nur dann freiwillig sein letztes Arbeitsverhältnis, wenn er gute Chancen sieht, sich beruflich zu verbessern oder zu verändern. Das Ausmaß dieser Form von Arbeitslosigkeit ist aber auch abhängig von der allgemeinen Konjunkturlage, denn die Suchzeit nach einem neuen Arbeitsplatz wird bei sinkendem Beschäftigungsgrad tendenziell länger und die Fluktuation geht bei einer negativen Konjunkturlage zurück.18)

2.1.2. Strukturelle Arbeitslosigkeit

Die strukturelle Arbeitslosigkeit entsteht aufgrund von Divergenzen von Angebot und Nachfrage auf Teilarbeitsmärkten sowie mangelnder Mobilität und Flexibilität der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Außerdem ist die Anpassungsfähigkeit von Qualifikationen der Arbeitskräfte oft unzureichend.19) Die vielfältigen Ursachen für solche Diskrepanzen liegen in Strukurwandlungen in den verschiedensten Bereichen. Einige dieser Ursachen werden im folgenden näher beschrieben.

2.1.2.1. Demographische Ursachen

Die demographische Entwicklung in einem Land hat einen großen Einfluß auf die Zahl der Beschäftigten und der Arbeitslosen. Das Erwerbspersonenpotential in der Bundesrepublik hat von 1985 - 1991 um ca. 1,5 Millionen Menschen zugenommen, und zwar insbesondere durch:

- den steigenden Anteil arbeitender Frauen in den alten Bundesländern,
- eine hohe Zahl von Zuwanderern (Ausländer, deutsche Aus- und Übersiedler aus dem Ausland),
- den Eintritt geburtenstarker Jahrgänge in das Arbeitsleben.20)

Wenn das Angebot an zusätzlichen Arbeitskräften nicht durch neue Arbeitsplätze gedeckt werden kann, entsteht eine demographisch bedingte strukturelle Arbeitslosigkeit.

2.1.2.2. Technologische Arbeitslosigkeit

Der technologische Fortschritt beeinflußt die Arbeitsmarktentwicklung in zweierlei Hinsicht. Zunächst können durch technologische Innovationen Rationalisierungen ermöglicht werden, die die Nachfrage nach Arbeitskräften sinken lassen und Arbeitsplatzabbau zur Folge haben können. Andererseits kann ein sich allmählich vollziehender technischer Wandel zur Folge haben, daß die damit verbundenen geringeren Faktoreinsatzkosten zu einer Absatzausweitung aufgrund sinkender Preise und schließlich zu einer steigenden Beschäftigung führen.21)

2.1.2.3. Regionale Arbeitslosigkeit

Abhängig von der jeweiligen Wirtschaftsstruktur sind die Arbeitslosenquoten in verschiedenen Regionen unterschiedlich hoch. Dies ist dadurch zu erklären, daß Regionen die von einem einzigen, womöglich schrumpfenden, Wirtschaftszweig abhängig sind, ein wesentlich höheres Beschäftigungsrisiko haben, als Regionen, die eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur aufweisen; denn letztere haben eher die Möglichkeit, die Arbeitsplatzverluste in einem schrumpfenden Wirtschaftszweig durch neue Arbeitsplätze in anderen Branchen zu kompensieren.22)

[...]


1 vgl. Friedrich, Horst/Wiedemeyer, Michael, S. 9

2 ders., S. 11

3 vgl. Görgens, Egon, S. 102

4 vgl. Friedrich/Wiedemeyer, S. 15

5 vgl. Blümle, Gerold/Patzig, Wolfgang, S. 302

6 siehe unter 1.1: Begriff und Messung der Arbeitslosigkeit

7 vgl. Friedrich/Wiedemeyer, S. 15-16; siehe auch Blümle/Patzig, S. 304

8 vgl. Friedrich/Wiedemeyer, S. 16

9 wie zuvor

10 vgl. Görgens, S. 106

11 vgl. Friedman, M., S. 1-17

12 siehe auch Baßeler, Ulrich/Heinrich, Jürgen/Koch, Walter, S. 277

13 zitiert nach Siebke, Jürgen/Thieme, H. Jörg, S. 143

14 ebenda

15 vgl. Görgens, S. 44

16 vgl. Siebke/Thieme, S. 143

17 vgl. Westphal, Uwe, S. 59

18 vgl. Gerlach, Wolfgang/Henning, Wilfried, S. 157f.

19 vgl. Friedrich/Wiedemeyer, S. 79f.; siehe auch Baßeler/Heinrich/Koch, S. 277 sowie Görgens, S. 81

20 vgl. Friedrich/Wiedemeyer, S. 80-81; siehe auch Westphal, S. 63-65

21 dies., S. 84

22 vgl. Engelen-Kefer, Ursula, S. 110 u. 124-125; siehe auch Görgens, S. 86

Details

Seiten
24
Jahr
1995
ISBN (eBook)
9783638117074
ISBN (Buch)
9783638637930
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2826
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Bochum gGmbH – Fachbereich Volkswirtschaftslehre
Note
2,0
Schlagworte
Arbeitslosigkeit Wirtschaftspolitk Arbeitslosenzahl Keynes Strukturpolitik Arbeitszeit Arbeitsvolumen Strukturwandel Lohnstruktur Arbeitslosenquote

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Mögliche Ursachen von Arbeitslosigkeit und das wirtschaftspolitische Instrumentarium zu ihrer Bekämpfung