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Menschen mit Migrationshintergrund. Benachteiligung, rechtliche und politische Situation in Deutschland.

Hausarbeit 2014 23 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forscherfrage und Zielsetzung
1.3 Stand der Forschung in Bezug auf die PISA und IGLU Studien
1.4 Aufbau der Arbeit

2 Begriffsannäherung im Kontext von Migration, Migrationshintergrund und Bildung
2.1 Unterschiedliche Sichtweisen zu Migration
2.2 Der umstrittene Terminus Migrationshintergrund
2.3 Annäherung an den Bildungsbegriff

3 Zahlen und Daten zu MigrantInnen in Deutschland
3.1 MigrantInnen in der Schule
3.2 MigrantInnen auf dem Arbeitsmarkt

4 Rechtliche Rahmenbedingungen im Zusammenhang von Migration
4.1 Das Menschenrecht auf Bildung
4.2 Aspekte des SGB II
4.3 Arbeitsförderung durch das SGB III
4.4 Sozialhilfe für AusländerInnen nach dem SGB XII

5 Soziale Ungleichheit
5.1 Benachteiligung von MigrantInnen im Bildungssystem
5.2 Die Arbeitsmarktsituation der MigrantInnen

6 Migrationspolitik zur Förderung der Integration
6.1 Integrationspolitische Maßnahmen
6.2 Probleme und Herausforderungen der Integrationspolitik

7 Fazit
7.1 Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
7.2 Ausblick: Welche Rolle spielt die Soziale Arbeit für Menschen mit Migrationshintergrund?

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

„Noch nie waren weltweit so viele Menschen bereit, aufgrund von Kriegen, Umweltkatastrophen, Bürgerkriegen und anderen Bedrohungen gezwungen und aufgrund der technologisch bedingten Veränderung von Raum und Zeit in der Lage, ihren Arbeits- oder Lebensmittelpunkt, sei es vorrübergehend oder auf Dauer, zu verändern: Wir leben im Zeitalter der Migration“ (Castles/Miller 1993 in Mecheril 2004, S. 7). Leider werden jedoch in der Bundesrepublik Deutschland verschiedene Migrationsphänomene nicht immer positiv angesehen. Außerdem wird von der Mehrheitsgesellschaft immer wieder verlangt, dass sich MigrantInnen integrieren sollen (vgl. Luft 2009, S. 259). Ob MigrantInnen benachteiligt sind, zeigt sich maßgeblich am Beispiel der Institution Schule. Seit der Schulleistungsstudie PISA ist nämlich bekannt, dass SchülerInnen mit Migrationshintergrund häufig schlechter abschneiden als SchülerInnen ohne Migrationshintergrund (vgl. Hamburger 2005, S. 7). Des Weiteren sind Menschen mit Migrationshintergrund häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen (vgl. Färber 2008, S. 7). Daher wird in dieser Arbeit die Situation der Menschen mit einem Migrationshintergrund im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt aus mehreren Perspektiven beleuchtet.

1.2 Forscherfrage und Zielsetzung

Meine Forschungsfrage zum Thema Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland lautet: Wie ist die Lage der MigrantInnen in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt?

Ziel dieser Arbeit ist es einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen, in Bezug auf die Menschenrechte und das SGB I, II und XII, die sozialen Benachteiligungen und die Migrationspolitik der Menschen mit Migrationshintergrund zu geben. Bei der Recherche von Literatur habe ich verschiedene AutorInnen aus unterschiedlichen Disziplinen, wie zum Beispiel der Sozialen Arbeit, Soziologie, und Erziehungswissenschaft herangezogen. Erwähnen möchte ich hierbei den Autor Paul Mecheril, der interessante Beiträge zur Migrationspädagogik liefert (vgl. Mecheril 2004, o.A.). Darüber hinaus beziehe ich mich u.a. auf das Statistische Bundesamt und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

1.3 Stand der Forschung in Bezug auf die PISA und IGLU Studien

Die Erforschung von Benachteiligungen in der Schule, können Anhand der PISA -und IGLU-Studien erfasst werden. Diese zeigen, dass die Integration der SchülerInnen mit Migrationshintergrund ins Schulsystem nicht optimal verläuft. Bereits im Grundschulalter zeigen sich deutliche Unterschiede in der Lesekompetenz zwischen SchülerInnen mit und ohne Migrationshintergrund. Entscheidend für eine Erklärung dieser Gegebenheiten sind die sozialen Hintergründe und vor allem die Sprachprobleme der SchülerInnen mit Migrationshintergrund (vgl. BAMF 2008, S. 5).

1.4 Aufbau der Arbeit

In der vorliegenden Arbeit werde ich im ersten Kapitel zunächst einmal einige bedeutende Begriffe zum Thema erläutern, um im zweiten Kapitel auf die aktuellen Zahlen und Daten zu MigrantInnen in Deutschland einzugehen. Danach lege ich im dritten Kapitel die rechtlichen Rahmenbedingungen im Zusammenhang von Migration dar. Dabei stehen die Menschenrechte sowie das SGB II, III und XII im Vordergrund. Das vierte Kapitel thematisiert die sozialen Ungleichheiten hinsichtlich der Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt. Als Grundlage hierfür, dienen die Schulleistungsstudien PISA und IGLU. Zuletzt widme ich mich der Migrationspolitik. Im Fokus stehen dabei die Integrationspolitik mit ihren Problemen und Herausforderungen. In meinem Fazit werden die wichtigsten Punkte zusammengefasst und anschließend die Rolle der Sozialen Arbeit für MigrantInnen aufgeführt.

2 Begriffsannäherung im Kontext von Migration, Migrationshintergrund und Bildung

Im Vorfeld müssen nun erst einmal die Begriffe Migration, Migrationshintergrund und Bildung aus verschiedenen Sichtweisen näher erläutert werden. Der erste Abschnitt thematisiert den Migrationsbegriff. Im zweiten und dritten Abschnitt werden die zentralen Termini Migrationshintergrund und Bildung veranschaulicht.

2.1 Unterschiedliche Sichtweisen zu Migration

Jochen Oltmer versteht unter Migration eine längerfristige Verlagerung des Aufenthalts „von Individuen, Familien, Gruppen oder auch ganzen Bevölkerungen“ (Oltmer 2013, S. 31). Hierfür gibt es unterschiedliche Ursachen. Dazu gehören die Arbeits -und Bildungswanderung, Heirats -und Wohlstandswanderung und Zwangswanderung (vgl. ebd.). Weiterhin versteht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unter Migration, eine Person die Ihren „Lebensmittelpunkt räumlich verlegt“ (BAMF 2012, S. 14). Darüber hinaus wird der Begriff der internationalen Migration als Auswanderung über Staatsgrenzen definiert (vgl. ebd.). Franz Hamburger erwähnt im Handbuch der Sozialarbeit/Sozialpädagogik fünf Gruppen von Migrationsursachen. Die erste Migrationsursache ist demnach durch Kriege und Naturkatastrophen (Zwangsmigration) verschuldet. Der zweite Grund von Migration liegt in schwierigen Wirtschafsverhältnissen, Arbeitslosigkeit[1] und materielle Armut (Arbeitsmigration). Weitere Motive um Auszuwandern sind sowohl politische als auch religiöse Verfolgungen (Zwangsmigration). Darüber hinaus spielen auch die sozialen Umstände eine enorme Rolle. Zuletzt wird angeführt, dass auch Individuelle Gründe zum Wohnortwechsel führen können (vgl. Hamburger 2001, S. 1212–1213).

2.2 Der umstrittene Terminus Migrationshintergrund

Laut dem Statistischen Bundesamt gelten „alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“ (vgl. Statistisches Bundesamt 2013, S. 6) als Menschen mit Migrationshintergrund. Dazu gehören zugewanderte AusländerInnen erster Generation, sowie in der Bundesrepublik Deutschland geborene AusländerInnen der zweiten oder dritten Nachkommenschaft. Außerdem betrifft es Spätaussiedler, sowie Eingebürgerte und Deutsche die nicht zugewandert sind, aber einen Migrationshintergrund haben (vgl. Meier-Braun, Weber 2013, S. 236). Eine weitere Ansicht zum Terminus Migrationshintergrund, ist durch die vom 13.10.2010 in Kraft getretene Migrationshintergrund-Erhebungsverordnung (MighEV) festgelegt worden. Demzufolge liegt ein Migrationshintergrund dann vor, wenn erstens die Person nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Zweitens wenn die Person nicht in Deutschland geboren ist und nach 1949 in die Bundesrepublik Deutschland zugewandert ist. Und drittens wenn ein Teil der Eltern nicht in der Bundesrepublik Deutschland geboren und nach 1949 zugewandert ist. Diese Verordnung ist für die Statistischen Aufgaben der Bundesagentur für Arbeit gedacht und in § 236 Abs. 1 des SGB III geregelt (vgl. Molitor o.a.).

Deniz Baspinar kritisiert in der Tageszeitung „Die Zeit“, dass durch die Definition Migrationshintergrund die Gesellschaft in ein „Wir“ und „Ihr“ geteilt wird. Außerdem führt er auf, dass durch die Statistiken “echte“ deutsche mit MigrantInnen verglichen werden (vgl. Baspinar 2010, S. 1) Des Weiteren kritisiert Meier-Braun, dass Menschen die in Deutschland geboren sind, als MigrantInnen abgestempelt werden. Trotz dieser Tatsachen setzte sich der Begriff Migrationshintergrund in den vergangenen Jahren durch (vgl. Meier-Braun, Weber 2013, S. 236).

2.3 Annäherung an den Bildungsbegriff

Da in dieser Arbeit der zentrale Fokus auf die Bildungs- und Arbeitsmarktsituation von MigrantInnen liegt, werde ich den Begriff Bildung aus mehreren Sichtweisen näher erläutern. Es gibt unzählige Sichtweisen zum Bildungsbegriff, die in dieser Arbeit im Einzelnen nicht aufgeführt werden können. Somit beschränke ich mich auf drei, welche meines Erachtens den Bildungsbegriff gut beschreiben.

Die Kommission der Europäischen Gemeinschaft hat im Memorandum über lebenslanges Lernen, drei Auslegungen zum Bildungsbegriff vorgeschlagen. Formale Bildung findet sowohl in Bildungs- als auch Ausbildungseinrichtungen statt. Dort können von Individuen Zertifikate und Abschlüsse erworben werden. Die non-formale Bildung bezieht sich auf die Programme, die außerhalb der Bildungs- oder Ausbildungssysteme stattfinden. Diese übernehmen die Jugendverbände, Gewerkschaften und Organisationen, in dem sie vielfältige Angebote zur Verfügung stellen. Bei der informellen Bildung stehen weder Institutionen noch Verbände im Vordergrund. Dabei handelt es sich um einen lebenslangen Prozess, der vom Subjekt ausgeht und im täglichen Leben als natürliche Begleiterscheinung einhergeht (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2000, S. 9-10)

Daniel Goeudevert hingegen beschreibt Bildung als „ein aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess, in dessen glücklichen Verlauf eine selbständige und selbsttätige, problemlösungsfähige und lebenstüchtige Persönlichkeit entstehen kann.“ (Goeudevert 2001, o.A.) Somit ist Bildung nicht nur eine Wissensaneignung, die in Institutionen geschieht, sondern ein Hilfsmittel sich selbst zu entfalten. Außerdem befähigt Bildung, sich kritisch-reflexiv und distanziert mit Informationsmaterial auseinanderzusetzen.

Eine bedeutende Ansicht zu Bildung formulierte Wolfgang Klafki. Er beschreibt Bildung als „Erschlossensein einer dinglichen und geistigen Wirklichkeit für einen Menschen – das ist der objektive oder materiale Aspekt; aber das heißt zugleich: Erschlossensein dieses Menschen für diese seine Wirklichkeit. – das ist der subjektive und der formale Aspekt zugleich im ‚funktionalen‘ wie im ‚methodischen‘ Sinne.“ (Matthes 2011, S. 75)

[...]


[1] Arbeitslos sind nach § 16 des SGB II Personen die momentan keiner Arbeit nachgehen und „sich bei der Agentur für Arbeit als Arbeitslos gemeldet haben.“

Details

Seiten
23
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656818854
ISBN (Buch)
9783656818861
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282545
Institution / Hochschule
Hochschule Esslingen
Note
1,7
Schlagworte
Migration Migrationshintergrund Schule

Autor

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Titel: Menschen mit Migrationshintergrund. Benachteiligung, rechtliche und politische Situation in Deutschland.