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Anglizismen in deutschen Sportzeitschriften am Beispiel der "BRAVO Sport" und des "Kickers"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 29 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Definition von Anglizismus

3) Anglizismen im Deutschen: Historisches, Gründe und Besonderheiten
3.1) Historischer Überblick über den englisch-deutschen Sprachkontakt
3.2) Gründe für den Einfluss des Englischen auf das Deutsche
3.3) Besonderheit des englischen Spracheinflusses

4) Empirische Untersuchung der Anglizismen-Verwendung
4.1) Portrait der ausgewählten Medien
4.1.1) Portrait BRAVO Sport
4.1.2) Portrait Kicker
4.2) Beschreibung der Vorgehensweise
4.3) Auswertung und Analyse
4.4) Probleme bei der Datenerhebung und -analyse

5) Fazit

6) Literaturverzeichnis

7) Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1) Einleitung

„Souvenir-Shop“, „Beach-Hütte“, „Captain’s Snack-Bar“, „Bier-House“, „Sightseeing-Kutschfahrten“, „Kids-Paradies“, „Beauty-Farm“, „Sailing-Schule“ und „Diving Kurse“ – wie in der folgenden Karikatur von Friedrich Retkowski[1] wird man im alltäglichen deutschen Sprachgebrauch vermehrt mit englisch-sprachigen Elementen konfrontiert. Der deutsche Wortschatz scheint überlaufen zu sein mit Anglizismen, sodass in diesem Durcheinander an fremdsprachlichen Wörtern der eine oder andere schon mal irritiert sein kann (wie der Mann in der Karikatur, der das deutsche Wort „Kurabgabe“ nicht mehr zu kennen scheint und es für ein Wort aus dem Englischen hält) und Anglizismen von deutschen Wörtern nicht mehr unterscheiden kann.

Abb.1: Karikatur: „Zeitgeist-Irritationen“ von Friedrich Retkowski

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grund genug für mich, mich empirisch mit Anglizismen und dessen Auftreten im Deutschen zu beschäftigen. Im Rahmen des Hauptseminars „Entlehnung und Integration“ werde ich deshalb in der folgenden Hausarbeit die beiden Sportzeitschriften „BRAVO Sport“ und „Kicker“ in Bezug auf deren Anglizismen-Verwendung untersuchen und vergleichen.

Die vorliegende Arbeit setzt sich dabei aus einem theoretischen und einem empirischen Teil zusammen. Zunächst erfolgt eine Einführung in den Begriff Anglizismus mithilfe verschiedener Definitionen bekannter Sprachwissenschaftler. Im nächsten Punkt wird ein historischer Abriss über den englisch-deutschen Sprachkontakt geliefert, ehe danach auf die Gründe für den Einfluss des Englischen auf das Deutsche und die Besonderheiten des englischen Spracheinflusses eingegangen wird.

Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt jedoch auf der empirischen Untersuchung, in der die Anglizismen-Verwendung der beiden deutschen Sportzeitschriften BRAVO Sport und Kicker verglichen werden. Dabei werden die beiden Zeitschriften zuerst portraitiert und vorgestellt. Danach wird die Vorgehensweise beim Herausfiltern der Anglizismen während der empirischen Untersuchung beschrieben. Im Mittelpunkt steht die Auswertung und Analyse der empirischen Untersuchung. Abgerundet wird die empirische Untersuchung, indem die eventuell auftretenden Probleme bei der Datenerhebung und -analyse geschildert werden. Abschließend werden im Fazit einerseits noch einmal die wichtigsten Ergebnisse der empirischen Untersuchung präsentiert und andererseits wird der Versuch unternommen, einen Ausblick darzustellen, indem beschrieben wird, inwieweit Anglizismen auch in Zukunft den deutschen Wortschatz weiter erobern werden.

2) Definition von Anglizismus

Um überhaupt eine Analyse über die Anglizismen-Verwendung in den Zeitschriften Kicker und BRAVO Sport durchzuführen, ist es zuerst notwendig, wichtige Begrifflichkeiten zu klären. Im Folgenden werde ich deshalb zunächst den Fachbegriff Anglizismus genauer definieren, um danach im dritten Kapitel dessen Geschichte und Einfluss auf die deutsche Sprache darzustellen.

Der Duden definiert den Begriff Anglizismus als eine „englische Spracheigentümlichkeit in einer anderen Sprache“ (Duden 2006:184). Für einen groben Überblick reicht die Duden-Übersetzung sicherlich aus. Um die Eigenschaften, Besonderheiten und Verwendungen von Anglizismen genauer zu verstehen, muss man jedoch tiefer in die Materie eingehen. Nachfolgend sollen einige Definitionen von Sprachwissenschaftlern den Begriff näher beschreiben.

Schon in den 60er Jahren beschäftigte sich der deutsche Anglist Broder Carstensen[2] mit dem Thema Anglizismus. In einer seiner Arbeiten definiert er Anglizismus wie folgt:

„Ein Anglizismus ist ein Wort aus dem britischen oder amerikanischen Englisch im Deutschen oder eine nicht übliche Wortkomposition, jede Art der Veränderung einer deutschen Wortbedeutung oder Wortverwendung (Lehnbedeutung, Lehnübertragung, Lehnschöpfung, Frequenzsteigerung, Wiederbelebung) nach britischem oder amerikanischen Vorbild“ (Carstensen 1965:30).

Eine weitere Möglichkeit der Beschreibung des Wortes Anglizismus ist die folgende vom deutschen Sprachwissenschaftler, Horst Zindler[3], aufgestellte und nach Ulrich Busse[4] immer noch gültige Definition von Anglizismus:

„Ein Anglizismus ist ein Wort aus dem britischen oder amerikanischen Englisch im Deutschen oder eine nicht übliche Wortkomposition, jede Art der Veränderung einer deutschen Wortbedeutung oder Wortverwendung (Lehnbedeutung, Lehnübersetzung, Lehnübertragung, Lehnschöpfung, Frequenzsteigerung, Wiederbelebung) nach britischem oder amerikanischem Vorbild“ (Busse 1993:15, nach Zindler 1959:2).

Die beiden Definitionen sind sicherlich richtig und auch ohne weiteres heute noch gültig. In Bezug auf meine Arbeit halte ich aber die Wortbestimmung von Wenliang Yang[5] für noch treffender. In seiner Dissertation von 1990 beschreibt Yang Anglizismus als einen „Oberbegriff von Entlehnungen aus dem amerikanischen Englisch, dem britischen Englisch sowie den übrigen englischen Sprachbereichen wie Kanada, Australien, Südafrika u.a.“ (Yang 1990:7).

Ferner differenziert Yang unter dem Begriff Anglizismus drei verschiedene Typen: Konventionalisierte Anglizismen, Anglizismen im Konventionalisierungsprozess und Zitatwörter, Eigennamen und Verwandtes. Unter der ersten Gruppe versteht Yang Anglizismen, die sich im deutschen Wortschatz etabliert haben und deshalb allgemein üblich sind und als bekannt vorausgesetzt werden. Zwar verhalten sich diese in der Artikulationsart und/oder Orthographie häufig anders als das einheimische Wortgut wie z.B. Computer, Manager, Keks, Rock’n’Roll, Jeans oder Sex, nichtsdestotrotz seien die Anglizismen nach dem Sprachgefühl vieler Deutscher aber keine Fremdwörter mehr (s. Yang 1990:9).

In die zweite Gruppe ordnet Yang Anglizismen, die vielen Deutschen fremd vorkommen, aber trotzdem in Zeitschriften (wie beispielsweise bei seiner Analyse im Nachrichtenmagazin Der Spiegel) auftauchen. Deshalb stellt er die Hypothese auf, „dass diese Anglizismen nach einiger Zeit entweder konventionelle Wörter werden oder aus dem deutschen Sprachgebrauch verschwinden werden“ (Yang 1990:9). Als Beispiele für Anglizismen dieser Kategorie führt Yang Factory, Gay und Underdog an (s. Yang 1990:9).

Die dritte Gruppe beinhaltet Zitatwörter, Eigennamen und Verwandtes. Sie „werden nur einer bestimmten Situation oder in Zusammenhang mit Amerika, England, Kanada oder anderen englischsprachigen Ländern gebraucht. Beispiele hierfür sind Boat People, High School, Highway, US-Army, Western u.a.” (Yang 1990:9).

3) Anglizismen im Deutschen: Historisches, Gründe und Besonderheiten

3.1) Historischer Überblick über den englisch-deutschen Sprachkontakt

Die deutsche Sprache ist geprägt von vielen verschiedenen fremdsprachlichen Einflüssen. In dieser Hinsicht stellt das Englische keine Besonderheit dar. Das Spezifische des englischen Einflusses auf die deutsche Sprache liegt in dem enormen Ausmaß, das die Beeinflussung angenommen hat sowie der Tatsache, dass so ziemlich alle „großen“ Sprachen weltweit davon betroffen sind.

Im Folgenden soll ein geschichtlicher Überblick über den englisch-deutschen Sprachkontakt sowie die Gründe des englischen Einflusses auf die deutsche Sprache und die Besonderheiten des englischen Spracheinflusses auf das Deutsche erörtert werden. Ulrich Busse zufolge

„reicht der kulturelle und sprachliche Austausch zwischen Großbritannien und Deutschland weit in die Vergangenheit zurück. Er beginnt auf der englischen Seite mit der Landnahme der angelsächsischen Stämme im 5. Jahrhundert n. Chr.[6] und auf der deutschen Seite mit der anglo-irischen Mission durch Bonifatius im 8. Jahrhundert[7] “ (Busse 2008:37).

Nach Busse ist das Verhältnis von Aufnahme und Abgabe der Entlehnungen jedoch damals wie heute keinesfalls ausgeglichen. Über Jahrhunderte hinweg hat zwar auch das Englische viele Wörter aus anderen Sprachen entlehnt, die Anzahl an Germanismen blieb allerdings im Englischen stets gering. Das Deutsche hingegen ist und war schon immer sehr empfänglich für Anglizismen. Allerdings stieg der Anteil an Anglizismen zunächst recht langsam an, während er in der neueren Zeit bis heute deutlich zunahm (s. Busse 2008:37f).

Chronologisch gesehen, ist es kaum möglich den Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache konkret zu erfassen. Mithilfe der Werke von Ulrich Busse (Anglizismen im Deutschen) und Sabine Kupper[8] (Anglizismen in deutschen Werbeanzeigen) versuche ich dennoch in der folgenden Passage die wesentlichen Entlehnungsphasen zu beschreiben.

Nach Busse ist der Einfluss des Englischen auf das Deutsche im Mittelalter noch recht gering. Lediglich englische Begrifflichkeiten aus der Kirchensprache, aufgrund der anglo-irischen Mission, und Fachausdrücke aus der Seefahrt (Boot, Lotse und Dock) wurden ins Deutsche übernommen (s. Busse 2008:38).

„Bis zum 18. Jahrhundert bleibt der Einfluss des Englischen auf das Deutsche marginal“ (Busse 2008:38), fährt Busse fort. Allerdings räumt er ein, dass England ab Mitte des 17. Jahrhunderts, vor allem nach der Hinrichtung Karls I., wie aus dem Nichts im Mittelpunkt des Interesses steht (s. Busse 2008:38).

Die Kontakte Deutschlands und Englands auf geistiger und kultureller Ebene wurden nach Busse im 18. Jahrhundert verstärkt. So fanden Anglizismen durch literarische Übersetzungen den Weg in den deutschen Sprachgebrauch. Für Busse ist dies der erste Höhepunkt in der englisch-deutschen Lehnbeziehung (ebd.:38).

Sabine Kupper sieht mit Bezug auf den Forschungen von Ute Moeller-Schina[9] die erste Hochphase des Einwanderns von Anglizismen ins Deutsche früher als Busse. Sie rückt das 17. Jahrhundert in den Vordergrund, da sich durch die beginnende Weltgeltung Englands der Einfluss Englands auch in sprachlicher Hinsicht bemerkbar machte. In dieser Zeit, in der England zur bedeutenden See- und Handelsmacht wurde, und unter Königin Elisabeth I. der Aufbau zum mächtigen Kolonialreich begann, kam es vermehrt zu sprachlichen Entlehnungen. Diese betrafen zunächst nur die englische Lebensweise. Als England jedoch auch in den Naturwissenschaften und dank Christopher Marlowe, William Shakespeare, Thomas Hobbes und John Locke auch in der Literatur und Philosophie, also in kultureller Hinsicht, an Bedeutung gewann, vergrößerte sich der Einfluss Englands auf Deutschland und somit auch des Englischen auf das Deutsche (s. Kupper 2007:46).

Durch den zunehmenden Prestige-Gewinn Englands steigerte sich auch das deutsche Interesse am Gesellschafts- und Geisteslebens Englands. Daraufhin wurde Ende des 17./ Anfang des 18. Jahrhunderts Englisch erstmals an deutschen Schulen unterrichtet. Im Jahr 1686 erschien die erste deutschsprachige Grammatik der englischen Sprache und 1706 das erste englisch-deutsche Wörterbuch (Kupper 2007:46f.).

Die nächste Hochphase der Aufnahme englischer Wörter in den deutschen Wortschatz steht nach Busse im Zeichen der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. „Viele Wortentlehnungen sind zugleich Sachentlehnungen und dokumentieren Englands führende Rolle auf wirtschaftlichem Gebiet, insbesondere in den Bereichen Eisenbahnwesen, Schiffbau, Stahlproduktion und Textilindustrie“ (Busse 2008:39). Als Beispiele führt Busse hier Dampfmaschine, Lokomotive, Klipper, Bessemerstahl und Corduroi an (s. Busse 2008:39).

Hinsichtlich der Zunahme englischen Wortguts ins Deutsche im Zuge der Industriellen Revolution sind sich Busse und Kupper einig, denn auch nach Kupper war zum Ende des 18. und vor allem im 19. Jahrhundert ein Zustrom englischen Wortguts im Deutschen auf den Gebieten der Technik, des Handels, der Wirtschaft und des Geldwesens zu beobachten. Nach Kupper ist dies den Entwicklungen der Industrialisierung geschuldet. Auch hier hatte England eine Vorreiterrolle inne, denn während die Industrialisierung in Deutschland erst Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzte, begann die Industrialisierung in England schon zum Ende des vorherigen Jahrhunderts (s. Kupper 2007:47).

[...]


[1] Friedrich Retkowski ist ein Karikaturist, der für den Verein Deutsche Sprache Karikaturen veröffentlicht. Die abgebildete Karikatur trägt den Namen „Zeitgeist-Irritationen“ und ist auf der Homepage des Vereins Deutsche Sprache: http://www.vds-ev.de/karikaturen-ag-lit/759-karikaturen-retkowski-4 zu finden.

[2] Broder Carstensen (1926-1992) veröffentlichte in den 60er, 70er und 80er Jahren zahlreiche Werke, die sich mit Anglizismen und dem Einfluss der englischen Sprache auf das Deutsche beschäftigten.

[3] Horst Zindler stellte 1959 eine Definition von Anglizismus auf, die nach Ulrich Busse bis heute gültig und anwendungsgerecht ist.

[4] Ulrich Busse ist Professor an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg und ist dort der Lehrstuhl-Inhaber für Englische Sprachwissenschaft. Seit den 90er Jahren setzt er sich bis heute in seinen Werken mit dem englischen Einfluss auf die deutsche Sprache auseinander.

[5] Wenliang Yang ist heute Professor an der Technischen Universität Braunschweig und schrieb 1990 seine Dissertation mit dem Thema „Anglizismen im Deutschen“.

[6] Der Angelsächsischen Chronik zufolge sollen die Stämme der Angeln, Sachsen und Jüten im Jahre 449 in England gelandet sein.

[7] Der heilige BONIFATIUS (672/673-754) wurde von PAPST GREGOR II. 719 mit der Germanenmisson beauftragt; er starb als Märtyrer in der Friesenmission.

[8] Sabine Kupper arbeitet als freie Redakteurin und Autorin. Sie veröffentlichte 2008 die empirische Studie „Anglizismen in deutschen Werbeanzeigen“.

[9] Ute Moeller-Schina beschäftigte sich in ihrem Werk „Deutsche Lehnprägungen aus dem Englischen, von der althochdeutschen Zeit bis 1700“ mit der Geschichte des Einflusses der englischen Sprache auf das Deutsche.

Details

Seiten
29
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656817185
ISBN (Buch)
9783656856528
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282522
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Schlagworte
anglizismen sportzeitschriften beispiel bravo sport kickers

Autor

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Titel: Anglizismen in deutschen Sportzeitschriften am Beispiel der "BRAVO Sport" und des "Kickers"