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Die Relevanz der lösungsorientierten Arbeit mit Kindern in einer Heimeinrichtung unter besonderer Berücksichtigung der Elternarbeit

Hausarbeit 2013 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der lösungsorientierte Beratungsansatz
1.1 Vom System zur Lösung
1.2 Unterschiedliche Klientel

2. Das Arbeitsfeld Heimerziehung
2.1 Das Konzept der Heimerziehung
2.2 Die Notwendigkeit von Elternarbeit in der Heimerziehung

3. Lösungsorientierung in der Heimerziehung
3.1 Möglichkeiten von lösungsorientierter Arbeit mit Heimkindern
3.2 Lösungsorientierte Elternarbeit in der Heimerziehung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Jeder Mensch hat Probleme“ ist ein Satz, der oft in der Gesellschaft verwendet wird. Das ist richtig. Die entscheidende Frage, die sich dabei stellt ist jedoch, wie jeder Mensch seine Probleme individuell lösen kann.

Die Konfrontation mit Problemen ist im Leben eines jeden Menschen allgegen-wärtig. Probleme können aber auch Chancen bieten, eine Einstellung zu ändern. Ob es im Freundeskreis, der Familie oder in einer Partnerschaft ist – es wird oft über Probleme geredet und meist besteht das Ziel darin, Ratschläge zu geben um somit Lösungen zu finden. Als Fachkraft der Sozialen Arbeit ist es besonders wichtig, mit Problemen umgehen zu können, und eine gute Haltung zu bewahren.

Viele Menschen haben Probleme, die oft so gravierend sind, dass sie zur Bewälti-gung dieser selbst nicht in der Lage sind und dafür die Hilfe eines Sozialarbeiters oder eines Psychotherapeuten aufsuchen. Bei letzterem wird meist das Problem analysiert und der Therapeut findet eine Lösung für das Problem. Wird der lö-sungsorientierte Ansatz betrachtet, ist es jedoch nicht Aufgabe des Therapeuten bzw. des Beraters, das Problem für den/ die KlientInnen zu lösen, sondern sie dazu zu bringen, den Fokus auf ihre eigenen Ressourcen und Stärken zu lenken und durch Aufdeckung dieser ihre Probleme mithilfe des Beraters selbst lösen zu können. Mit der an Ressourcen orientierten Therapie, der lösungsorientierten Kurztherapie, können Therapeuten bzw. Berater versuchen, Probleme gemeinsam mit dem Klienten zu lösen. Da die Interaktion zwischen Therapeut und KlientIn eher als Beratungssituation und weniger als Therapie anzusehen ist, wird im Fol-genden stets der Begriff „Berater“ anstelle der des „Therapeuten“ verwendet.

Da ich meine praktische sozialarbeiterische Vorerfahrung aus dem Bereich der Heimerziehung habe, finde ich es sehr spannend zu entdecken, wie mit Kindern in einer Heimeinrichtung und ihren Eltern gemeinsam durch verschiedene spieler-ische und sprachliche Methoden Lösungen entwickelt werden können, um eine Rückführung in die Familie durch Verbesserung der Familiensituation gewähr-leisten zu können.

Die Funktion des lösungsorientierten Konzepts, dessen Relevanz für die Arbeit mit Heimkindern und deren Eltern soll in der folgenden Hausarbeit erklärt und diskutiert werden und die Frage beantwortet werden, ob mit Kindern und Eltern ein lösungsorientiertes Arbeiten überhaupt möglich ist.

Dazu wird im ersten Kapitel auf das Konzept der Lösungsberatung eingegangen und allgemein erläutert, daneben werden die verschiedenen Typen von Klientel aufgezeigt. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Arbeitsfeld der Heim­erziehung, das zuerst beschrieben wird. Da hier die Elternarbeit eine wichtige Rolle spielt, wird auf diese ebenfalls eingegangen. Im dritten Kapitel wird die Möglichkeit der Umsetzung von lösungsorientierter Arbeit mit Kindern diskutiert und es werden Versuche aufgezeigt, wie mit Heimkindern und ihren Eltern anhand von verschiedenen Techniken lösungsorientiert gearbeitet werden kann. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Unterbringung in einer Heimeinrichtung unter den Bedingungen einer problematischen Familiensituation stattfand und durch lö-sungsorientiertes Arbeiten mit Eltern und Kindern versucht wird, eine Besserung der familiären Situation zu erreichen.

Aus Gründen der Einfachheit und der besseren Lesbarkeit wird auf Gender Main-streaming größtenteils verzichtet.

1. Der lösungsorientierte Beratungsansatz

1.1 Vom System zur Lösung

Das Konzept der lösungsorientierten Kurzzeittherapie entwickelte sich in den sechziger und siebziger Jahren aus der Systemtheorie und der systemischen The-rapie heraus, die von den Grundannahmen der Zirkularität, des Konstruktivismus und der Kybernetik 2. Ordnung geprägt war. Da eine Beschreibung dieser sowie der Systemtheorie den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, ist zu sagen, dass Therapeut und Klient in einem systemischen Zusammenhang stehen (Bamberger 2001: 9f) und durch die drei vorangegangenen Begriffe alles als System gesehen wird, „auf das es ankommt. Alle Symptome und Lösungen werden […] auf die Familie bezogen“ (Pfeifer-Schaupp, H. 1995: 49).

Bei dem Beratungskonzept der Lösungsorientierung ist zu betonen, dass dabei der Fokus -nicht wie bei anderen Therapiekonzepten und Therapiemethoden- auf Kompetenzen und Ressourcen des Klienten gelegt wird und nicht auf dessen Probleme oder Störungen (Bamberger 2001: 10). So kann sich schnell auf die po-sitiven Aspekte, nicht auf die Probleme konzentriert werden und durch die Akti-vierung eigener Ressourcen und Kompetenzen des Klienten kann er möglicher-weise selbst eine Lösung für sein Problem finden.

Eine Grundüberzeugung, die ein lösungsorientierter Berater bei der Durchführung der Therapie verinnerlicht haben muss, ist das ‚Milwaukee-Axiom‘. Es ist die Überzeugung, dass ein Problem am schnellsten und sichersten gelöst werden kann, wenn sich von Beginn der Therapie an auf die Lösung und nicht das Pro-blem fokussiert wird (ebd.: 11f). „Die ganze Kunstfertigkeit des Therapeuten be-steht darin, den Klienten in seiner Phantasie zu beflügeln, so dass er Änderungs-möglichkeiten zu sehen vermag und damit bereits einen ersten Schritt in einen Veränderungsprozess unternommen hat“ (ebd.: 13). Wenn Klienten beispielsweise nur die negativen Seiten ihres Lebens und ihre Probleme beklagen, wird nicht weiter nach diesen gefragt, sondern danach, welche positiven Aspekte daneben bestehen und was sich neben ihren Problemen gar nicht verändern soll. Durch eine ähnliche Situation entwickelte Steve de Shazer 1998 das Konzept der lö-sungsorientierten Beratung (ebd.: 12). Was die lösungsorientierte Beratung genau ist und was sie ausmacht, soll im Folgenden genauer erläutert werden.

Klienten kommen meist zu einer Therapie, um eine Lösung für ihre bestehenden Probleme zu erfahren. Meist werden diese detailliert analysiert; es wird versucht, die Problementstehung durch die vorausgehende Lebensgeschichte einzusehen und zu erklären.

Wenn vom wissenschaftlichen Ansatz ausgegangen wird, dann beginnt die Pro-blemlösung mit der Feststellung von der direkten Beziehung zwischen Problem und dessen Ursache. Das Problem wird analysiert und der Therapeut schlägt Lö-sungsangebote vor, die der Klient mehr oder weniger zu akzeptieren und umzu-setzen hat. Berg und DeJong bezeichnen diese Variante der Problemlösung als „problemlösenden Ansatz“ (Steiner, Berg 2011: 29f). Der Klient benennt somit seine Probleme; es wird nach dem gefragt, was nicht funktioniert, z.B. nach Ängsten, Versagenserlebnissen und vielen weiteren Defiziten, die den Klienten weiter in seine Problemsicht hineindrücken und seine „bedrückende Hilflosigkeit“ aktualisieren (Bamberger 2001: 16). Nach Bamberger (ebd.) wird dadurch das kla-gende Verhaltensmuster des Klienten verstärkt. Es gilt in der Therapie, Probleme zu beseitigen bzw. zu reparieren.

Wird jedoch der problemlösungsorientierte Ansatz angewandt, zeigt sich, dass Problem und Lösung unabhängig voneinander sind (ebd.: 20); alltägliche Proble-me wie z.B. ein ständiges Verschlafen des morgendlichen Unterrichts können eine tiefere Bedeutung haben, dessen Ursache womöglich nichts mit dem Problem zu tun hat (Steiner, Berg 2011: 30). Die lösungsorientierte Kurztherapie beschäftigt sich mit der Entfaltung und Erweiterung der Kompetenzen des Klienten (Bam-berger 2001: 20f). Es wird sich von Beginn an auf mögliche Lösung(en) für das Problem und eine bessere Zukunft konzentriert, um die Vergangenheit mit ihren Problemen auf sich beruhen lassen zu können und eine „neue Geschichte zu kon-struieren, die wahr werden kann“ (ebd. 21). Insbesondere die von Beginn an be-stehende Fokussierung auf die Kriterien für das Ziel der Behandlung ist eines der prägnantesten Merkmale der lösungsorientierten Kurztherapie (Steiner, Berg 2011: 78).

Eine erste Sitzung lässt sich durch fünf verschiedene Fragen gliedern, die dem Klienten gestellt werden können. Es wird nach dem gewünschten Ergebnis der Sitzung gefragt, welche überzeugende Erklärung Klient und Therapeut für die Zielerreichung haben und was der Klient schon zur Erreichung des wünschens-werten Ergebnisses beigetragen hat. Danach wird besprochen, welche kleinen Schritte zur Erreichung des Ziels vorgenommen werden müssen und zuletzt, wie nahe der Klient seinem Ziel bis jetzt schon gekommen ist (ebd.: 43). Um sich auf diese Themen zuzubewegen, werden spezielle Fragetechniken angewandt. Diese werden im dritten Kapitel mit der Arbeit mit Kindern und Eltern verknüpft und näher erläutert.

Damit eine lösungsorientierte Beratung stattfinden kann, muss der Berater eine Vielzahl von Kompetenzen aufweisen, insbesondere Empathievermögen und eine wertschätzende Haltung gegenüber den KlientInnen und ihren Problemen, sowie die Fähigkeit, Ressourcen zu aktivieren, Selbstwirksamkeit aufzubauen und vor allem einen Möglichkeitssinn zu entwickeln (Bamberger 2001: 22ff). Daraus geht der Leitsatz „Lösungen konstruieren statt Probleme analysieren (ebd.: 21)“ hervor. KlientInnen werden stets als die Experten für ihr Leben und ihre Handlungen ge-sehen. Da in dieser „Therapievariante“ weniger therapiert, sondern der Klient eher zum eigenen Finden von Lösungen angeregt wird, ist der Therapeut eher als ein Berater zu verstehen, weshalb im Folgenden der Begriff ‚Berater‘ anstelle des ‚Therapeuten‘ verwendet wird.

1.2 Unterschiedliche Klientel

In der Lösungsorientierten Beratung werden unterschiedliche Typen der Klientel beschrieben. Um passende Aufgaben für seine Klienten zu formulieren, führte Steve de Shazer in seinem Team die Unterscheidung von „Besuchern“, „Klagen-den“ und „Kunden“ ein (Sparrer 2009: 70).

Klienten, die zur Beratung erscheinen und kein spezifisches Problem benennen können, weil sie von jemandem geschickt oder mitgebracht worden sind, werden als ‚Besucher‘ bezeichnet. Hier ist eine Lösungsfindung schwierig, da es kein konkretes Problem gibt, das geschildert und gelöst werden kann und der ‚Be-sucher‘ in den meisten Fällen wenig Bereitschaft zur Mitarbeit zeigt. In diesem Fall ist es für den Lösungsberater wichtig, auch diese Haltung des Klienten zu akzeptieren und zu versuchen, ihn durch verschiedene offene Fragen, wie z.B. „Haben sie eine Idee, warum XY möchte, dass wir miteinander ins Gespräch kom-men? Und was halten sie selbst von dieser Idee?“ oder „Gibt es etwas, das ich für Sie im Augenblick tun könnte?“ (Bamberger 2001: 44) zu einem Gespräch einzu-laden. Mithilfe von offenen Fragen kann ein Gespräch zustande kommen (ebd.) und ‚Besucher‘ können doch noch zu ‚Kunden‘ werden. Das Klientel der ‚Kla-genden‘ beschreibt diejenigen, die mit konkreten Problemen in ein Gespräch kommen und oft nicht ‚über den Tellerrand hinaus‘ schauen können. Sie klagen über ihre Probleme und sehen die Schuld in anderen, wenn diese sich ändern würden, schiene das Problem gelöst. Hier muss ein Berater wieder durch einla-dende Fragen intervenieren, indem er z.B. wertschätzt, wie genau der/die ‚Kla-gende‘ seine/ ihre problematische Situation schildern kann, aber auch danach fragt, worauf sich genau konzentriert werden soll. Ob überlegt werden soll, was getan werden kann, um die Situation besser ertragen zu können oder ob vielleicht kleine Schritte zur Veränderung gemacht werden sollen (ebd.: 45). Somit kann der Berater versuchen, dem Klagenden neue Perspektiven und Sichtweisen aufzuzei-gen und Wünsche für mögliche Ziele herausfiltern und formulieren. ‚Kunden‘ kommen im Gegensatz zu den anderen Kliententypen freiwillig zur Beratungs-stelle/ Therapie. Sie können ihre Ziele klar formulieren und bringen eigene Ideen zur Erreichung dieser mit. Jedoch können Klagende und BesucherInnen sich stets zu KundInnen weiterentwickeln, wenn sie für sich erste Ideen und Handlungs-möglichkeiten zur Zielerreichung formulieren können und im Laufe der Sitzung(-en) Motivation für Hilfeannahme und Beratung aufbringen können (Sparrer 2009: 70ff). Da sich im Folgenden auf Kinder, die in einer Heimeinrichtung leben und deren Eltern konzentriert wird, ist zu sagen, dass diese als BesucherInnen ange-sehen werden, da sie meist unfreiwillig an Therapiesitzungen teilnehmen bzw. Kinder oft gegen ihren Willen einer Therapie überwiesen werden (Steiner, Berg 2011: 220).

Bei allen unterschiedlichen Typen von Klientel kann gesagt werden, dass es im-mer möglich ist, eine Lösung für ihr Problem zu finden bzw. dass sie selbst Lö-sungen für ihr(e) Problem(e) (er-)finden, auch wenn das Problem selbst unbekannt ist – denn Problem und Lösung sind unabhängig voneinander (Bamberger 2001: 20).

2. Das Arbeitsfeld Heimerziehung

2.1 Das Konzept der Heimerziehung

Die Unterbringung in einem Heim der Jugendhilfe nach §§27, 34 KJHG setzt meist voraus, dass Probleme in der Erziehung bzw. eine problematische Familien-situation vorliegen, dessen Gründe anfangs oft nicht genau festzustellen sind. Um eine Verbesserung der Bedingungen in der Herkunftsfamilie zu erreichen, ist eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Kind, Eltern und Mitarbeitern der Institution von großer Bedeutung. Ohne ausreichende Elternarbeit sind eine Verbesserung der Familiensituation und eine mögliche Rückführung kaum absehbar. Deshalb soll im Folgenden auf das Arbeitsfeld „Heimerziehung“ unter Berücksichtigung der Elternarbeit eingegangen werden.

Heimerziehung unter Fremdunterbringung ist von verschiedenen Formen geprägt. Neben den klassischen Heimgruppen (Regelgruppen) auf einem Gelände mit Verwaltung, therapeutischen Dienstleistungen und freizeitpädagogischen Ange-boten werden Außenwohngruppen, Mädchengruppen und betreute Wohnformen angeboten, wobei Außenwohngruppen und betreute Wohnformen von Jugend-lichen in Anspruch genommen werden können, die klassischen Regelgruppen sind für jüngere Kinder vorgesehen (Günder 2011: 75f). Da sich im Folgenden auf die Arbeit mit jüngeren Kindern in einer Heimeinrichtung und ihren Eltern konzen-triert werden soll, wird von einer Unterbringung in einer klassischen Wohnform im Sinne der Regelgruppe ausgegangen.

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Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656768289
ISBN (Buch)
9783656768296
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282455
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,7
Schlagworte
relevanz arbeit kindern heimeinrichtung berücksichtigung elternarbeit

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