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Das Arbeitsfeld Streetwork im historischen und theoretischen Kontext

Hausarbeit 2012 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definition Streetwork

2. Historische Entwicklung Streetwork
2.1 USA
2.2 Deutschland

3. Theoretische Aspekte und Beispiele von Streetwork
3.1 Allgemeine theoretische Aspekte von Streetwork
3.2 Methoden von Streetwork
3.3 Ziele von Streetwork
3.4 Beispiele von Streetwork

4. Ressourcenorientierung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wie nicht nur in den Medien oft festzustellen ist, ist Soziale Arbeit heutzutage ein sehr gefragtes und wichtiges Berufsfeld. Immer mehr Menschen benötigen Hilfe und Unterstützung in ihrer Lebensführung und Lebenslaufbewältigung. Vor allem Kinder und Jugendliche haben es sehr schwer, sich in der heutigen Leistungsgesellschaft dem Druck zu stellen, immer mehr Leistung erbringen zu müssen um den gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Normen gerecht zu werden. Viele können oder möchten diesem Druck aus z.B. familiären, schulischen Gründen etc. nicht standhalten, entziehen sich ihm und landen oft auf der Straße. Hilfe oder soziale Anlaufstellen meiden sie. Hier setzt das Arbeitsfeld „Streetwork“ (übersetzt Straßensozialarbeit) an.

Im Folgenden soll diese Methode der sozialen Arbeit beschrieben und diskutiert werden. Dazu wird im ersten Kapitel der Begriff „Streetwork“ definiert. Im zweiten Teil wird auf die historische Entwicklung des Arbeitsfeldes in den USA und in Deutschland eingegangen. Darüber hinaus erklärt der dritte Teil die theoretischen Aspekte, die Methoden und Ziele von Streetwork und verdeutlicht sie anhand von zwei Beispielen.

Da ein großer Teil von Streetwork in der Jugendarbeit eine wichtige Rolle spielt, wird der Fokus meist auf die Arbeit mit Jugendlichen bezogen, um das Thema zu verdeutlichen.

Wie in jedem Arbeitsfeld der sozialen Arbeit ist auch die Ressourcenorientierung in der Arbeit mit Menschen sehr wichtig, insbesondere bei Jugendlichen, die oft keine Perspektive für sich selbst sehen. Somit wird im vierten Kapitel ebenfalls auf den Aspekt der Ressourcenorientierung eingegangen.

1. Definition Streetwork

Streetwork, übersetzt ‚Straßensozialarbeit‘ oder ‚Street Corner Work‘, kann auch als „aufsuchende Sozialarbeit“ (Galuske 2007: 268) bezeichnet werden und ist eine verwendete Methode der mobilen Jugendarbeit/ Straßensozialarbeit. Sie „erfüllt eine Brückenfunktion zwischen gesellschaftlichen Werte- und Normvorstellungen bzw. Ausgrenzungsmechanismen“ (Dölker, Gillich 2009: 23) und entwickelte sich um 1920 in den USA, damals wurde der Fokus allerdings nur auf die Arbeit mit kriminellen Jugendlichen gelegt. Die SozialarbeiterInnen arbeiten nicht nur in bestimmten sozialen Einrichtungen mit den Klienten, der größte Teil der Arbeit findet auf der Straße statt. Sie begeben sich in die Lebensfelder der jeweiligen Zielgruppen oder ‚Szenen‘, dessen Sozialleben größtenteils auf der Straße stattfindet (Steffan 1988: 10). Daraus lässt sich erschließen, dass Streetwork ein niederschwelliges Angebot ist, da die Klienten helfende Angebote ohne großen Selbstaufwand in Anspruch nehmen können (Thole 2000: 130). Dies zeigt, dass sich diese Methode der sozialen Arbeit von anderen abgrenzt, weil sich die Handelnden auf das Umfeld ihrer Zielgruppen einstellen können (Galuske 2007: 268). Somit befinden sich die Arbeitsplätze der Streetworker „in Bahnhöfen und auf öffentlichen Plätzen, in Fußgängerzonen, Schnellrestaurants, Spielhallen, Diskotheken, Bars, Kneipen, Red-Light-Vierteln, Jugendfreizeiteinrichtungen oder ganz einfach auf der Straße. Daneben suchen Straßensozialarbeiter […] ihre Zielgruppe auch in den privaten Rückzugsräumen auf (sog. Privatszene)“ (Steffan 1988: 10).

Hauptklientele und Zielgruppen der Streetwork sind „gegenwärtig hauptsächlich […] sozial benachteiligt[e], stigmatisiert[e] oder kriminalisiert[e] Zielgruppen, spezielle Jugendszenen (Rocker, Punks, Skins, rechtsradikale Jugendliche, Fußballfans, Mädchen, Stadtteilcliquen, Jugend-Gangs etc.), DrogenkonsumentInnen, Nichtsesshafte, Stricher, weibliche Prostituierte und – im Zusammenhang mit der HIV-Prävention – Homosexuelle/Schwule“ (Krauß, G. 1996: 591).

Durch dieses Konzept der aufsuchenden Jugend- und Sozialarbeit bekommen schwierige Zielgruppen die Möglichkeit, helfende Angebote und Möglichkeiten in Anspruch zu nehmen, die sie von selbst nicht aufsuchen würden.

Darüber hinaus wird seitens der Klienten oft mehr Vertrauen in Streetworker gesetzt, als in beratende Einrichtungen, da ein Streetworker mit einer akzeptierenden Grundhaltung und „einer grundsätzlichen Akzeptierung des subkulturellen Lebensstils“ (Steffan 1988: 14) auf den jeweiligen Klienten eingeht. Das anfängliche Ziel ist es nicht, einen z.B. Drogenabhängigen zum Besuch einer Beratungs- oder Therapiestelle zu motivieren, oder sogar Clean-Ansprüche (Anspruch, mit dem Drogenkonsum aufzuhören) zu stellen, sondern seine Lebensweise zu akzeptieren und dabei Interesse und Sympathie zu zeigen (ebd. 13ff). In jeder Lebenssituation und Problemlage werden die Klienten ernst genommen und unterstützt, soweit es möglich ist. Diese Unterstützung kann z.B. durch psychosoziale Stabilisierung oder Interventionen zur Verhinderung von Verelendung stattfinden. Bei den Betreuten kann sich ebenfalls der Wunsch entwickeln, früher oder später aus den bestimmten Szenen auszusteigen, auch in dieser Situation erhalten die Ausstiegswilligen die nötige Unterstützung (ebd. 15).

Anhand der Statistiken der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/ Streetwork Baden-Württemberg e.V. von 2008 ist erkennbar, dass überwiegend männliche Zielgruppen in Baden-Württemberg in der mobilen Jugendarbeit erreicht wurden. Darüber hinaus zeigt die folgende Grafik, in welchem Alter sich die meisten Klienten der Streetwork befinden, der Altersschwerpunkt lag 2008 zwischen 14 und 17 Jahren, was verdeutlicht, wie jung die Hauptklientel der Streetworker ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 (Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg e.V.)

2. Historische Entwicklung Streetwork

2.1 USA

Streetwork ist, wie der Begriff vermuten lässt, eine aus den USA um Mitte 1920 stammende Methode der sozialen Arbeit (Specht 1979: 38). Mit dem Ziel, kriminelle Jugendgruppen (Gangs) zur Verhaltensänderung zu motivieren, entwarf man den ‚area-worker‘ oder ‚detached-worker‘ (ebd.). Diese hatten die Aufgabe, losgelöst (detached) von ihrer Institution die jeweiligen Jugendgruppen an ihren Treffpunkten oder auf der Straße aufzusuchen und ihnen nahe zu bringen, dass sie den falschen, schlechteren Lebensweg gewählt haben. Um resozialisiert zu werden, musste der Jugendliche „entweder vollkommen dem Einfluß der Bande entzogen oder die Bande selbst […] resozialisiert werden“ (ebd.), da davon ausgegangen wurde, dass der schlechte Einfluss stets von dem sozialen Umfeld ausgeht.

Als „Chicago Area Project“ (CAP) wurden die Anfänge des Streetworks von Clifford Shaw (Soziologe der University of Chicago) 1934 weitergeführt, indem er die Lebensläufe krimineller Jugendlicher und das soziale Geschehen in hochkriminellen Bezirken analysierte und Konzepte zur Förderung einer positiven Jugendentwicklung und Prävention von Jugendkriminalität entwarf. In diesem Konzept wurde der Fokus nicht nur auf ausgebildete Sozialarbeiter wie Area-, Detached- und Street-Corner-Worker gelegt (Gusy et al. 1994: 38), sondern Probleme in schwierigen Bezirken Chicagos sollten durch Gemeinwesenarbeit, also nachbarschaftlich von den Bewohnern selbst gelöst werden. Ein Beispiel sind die von den Bewohnern selbst realisierten Jugendhilfeeinrichtungen. Dabei war Shaw der Überzeugung, dass die Jugendkriminalität durch Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Lebenslage reduziert werden könne (CAP 2011). Diese Form der sozialen Arbeit dominierte in den USA bis Ende der 30er Jahre (Gusy et al. 1994: 39f).

Nach Shaws Streetwork Projekt entstanden noch einige Nachfolgeprojekte, die ebenfalls Prävention von Jugendkriminalität und Reduktion von Jugendbanden (Street Gangs) zum Ziel hatten (Specht, 1979: 41- 79), z.B. nach M. W. Klein (1971) das „Roxbury-Project“ oder „Midcity-Project“ in Boston (1954-1957) und „The Group Guidance Project” in Los Angeles (1961-1965).

In Anlehnung an die CAP-Konzeption wurde in diesen Projekten das Leitbild des ‚Area- oder Detached-Workers‘ stets fortgeführt, die weiterhin kriminelle und gefährdete Jugendliche oder ‚Gangs‘ auf der Straße kontaktierten mit der Absicht, sie zu resozialisieren und der Kriminalität vorzubeugen. Es wurde insbesondere die aufsuchende Arbeit, also das Aufsuchen der Klienten auf den Straßen von Sozialarbeitern, stärker fokussiert, weniger die im CAP angewendete Gemeinwesenarbeit (Specht, 1979: 41- 79). Diese Formen wurden weiter aufgeteilt in z.B. Street Corner Work, Street Work, Street Gang Work, Gang Work, Street Club Work.

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Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656768906
ISBN (Buch)
9783656769422
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282453
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,0
Schlagworte
arbeitsfeld streetwork kontext

Autor

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