Lade Inhalt...

Schlüsselkompetenzen für die Soziale Arbeit. Gruppendynamik und der Wert gruppenpädagogischer Übungen

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Schlüsselkompetenzen
1.1 Definition
1.2 Methodenkompetenz
1.3 Personale Kompetenz
1.4 Kommunikative Kompetenz

2. Gruppendynamische Prozesse
2.1 Definition Gruppendynamische Prozesse
2.2 Was ist eine Gruppe?
2.3 Der Zielpool
2.3.1 Der persönliche Zielpool
2.3.2 Der Gruppenzielpool
2.4 Der Gruppenvertrag
2.5 Evolution des Gruppenvertrags
2.5.1 Variation
2.5.2 Selektion
2.6 Gruppenphasen
2.7 Rollen

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Soziale Arbeit ist heute ein immer stärker gefragtes Berufsfeld, was aufgrund der steigenden sozialen Probleme in der Gesellschaft in den Medien und der Presse immer deutlicher wird. Seit ihrem Beginn vor einem Jahrhundert hat die professionelle Soziale Arbeit sich auf die menschlichen Bedürfnisse konzentriert und die Entwicklung der Stärken der Menschen vorrangig unterstützt. Voraussetzung für ein professionelles Handeln der SozialarbeiterInnen ist das Vorhandensein bestimmter Schlüsselkompetenzen, welche in Verbindung miteinander und professionellem Arbeiten erst sozialarbeiterisches Handeln darstellen. Sie sind grundlegend für SozialarbeiterInnen für die professionelle Arbeit mit Menschen, aber auch grundlegend für jeden Einzelnen, um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Außerdem steigert das breite Vorhandensein von Schlüsselkompetenzen die Wettbewerbsfähigkeit eines Sozialarbeiters. Da es viele verschiedene Schlüsselkompetenzen gibt, sollen im Folgenden nur drei beschrieben werden, die sich am besten auf das Beispiel der Gruppendynamischen Prozesse beziehen lassen: die methodische, personale und kommunikative Kompetenz.

Die Anwendung, Förderung und der Aufbau von Schlüsselkompetenzen wird anhand des Praxisbeispiels der gruppendynamischen Prozesse verdeutlicht, wobei der gruppendynamische Prozess selbst, die Gruppe und Gruppenphasen beschrieben werden, wie auch der Zielpool, der Gruppenvertrag, die Evolution von Gruppen und die Phasen des Gruppenprozesses. Darüber hinaus wird auf die verschiedenen Rollen in einer Gruppe eingegangen und zwischen sozialer, psychologischer und gruppendynamischer Rolle differenziert.

Außerdem werden die beschriebenen Punkte durch praxisnahe Beispiele aus dem Seminar ‚Gruppendynamische Prozesse anhand von Spielen und Übungen erleben, erkennen und reflektieren‘, im Folgenden als ‚Gruppendynamische Prozesse‘ bezeichnet, verdeutlicht.

1. Schlüsselkompetenzen

1.1 Definition

Schlüsselkompetenzen sind die „Grundlage für die Sicherung des Berufsbildes der Sozialen Arbeit“ (Leinenbach, Stark-Angermeier 2008: 7) und „beschreiben die generalisierte Kompetenz von Sozialarbeiter[Innen] nach Abschluss des Studiums“ (Maus, Nodes, Röh 2008: 13). Sie sind Voraussetzung und ‚Schlüssel‘ dafür, dass SozialarbeiterInnen professionell in Verbindung mit beruflicher Praxis und Lebenserfahrung handeln. Sie zeichnen sich durch das Beitragen zu „wertvollen Ergebnissen für die Gesellschaft und die Menschen [aus,] helfen den Menschen dabei, wichtige Anforderungen unter verschiedenen Rahmenbeding-ungen zu erfüllen [und] sind nicht nur für die Spezialisten, sondern für alle wichtig“ (DeSeCo 2005: 6).

SozialarbeiterInnen müssen nach einem erfolgreichen Studienabschluss über bestimmte Schlüsselkompetenzen verfügen, da sich Praxisfelder stets wandeln und entwickeln und deshalb gerade SozialarbeiterInnen mit einem breiten Kompetenzprofil gefragt sind (Leinenbach, Stark-Angermeier 2008: 7f). „Schlüsselkompetenzen müssen regelmäßig überprüft werden und im Falle von notwendigen Veränderungen z.B. auf Grund von wissenschaftlichen Erkennt-nissen, gesellschaftlichen und politischen Wandlungen oder neuen Erkenntnissen aus der Praxis entsprechend angepasst werden“ (ebd. 9).

„Soziale Arbeit ist Menschenrechtsprofession. Es geht um die Unterstützung, Begleitung und Hilfe für Menschen, die von der Gesellschaft ausgegrenzt werden oder aufgrund von sozialen wirtschaftlichen und (sozial)politischen Rahmen-bedingungen von Ausgrenzung bedroht sind. In diesen Tätigkeitsfeldern ist ausschließlich die sozialarbeiterische Kompetenz Voraussetzung für die berufliche Tätigkeit“ (Maus, Nodes, Röh 2008: 15). Diese sozialarbeiterische Kompetenz zeichnet sich durch die Kombination der einzelnen Schlüsselkompetenzen aus. Das pure Vorhandensein dieser reicht jedoch nicht für SozialarbeiterInnen aus, da sie im Hilfeprozess von Klienten sozialprofessionell miteinander verbunden werden müssen und somit erst angewendet werden können (ebd. 11ff). Schlüsselkompetenzen sind der Kern und die Grundlage der Sozialen Arbeit; sie können während des Bachelor Studiengangs erworben werden und damit wird die Grundlage für das berufliche Handeln gesetzt. Im Masterstudiengang kann eine Erweiterung oder Vertiefung der Kompetenzen stattfinden und während der Berufspraxis können sie spezialisiert und ebenfalls erweitert werden (ebd. 13f).

Einige Schlüsselkompetenzen werden als gleichbedeutend angesehen, allerdings überschneiden und beeinflussen sie sich gegenseitig. Das Verfügen über die strategische Kompetenz lässt es zu, sein Wissen mit Handlungskompetenzen im Berufsalltag zu verbinden und erst so kann sozialarbeiterisches Handeln entstehen, damit Probleme der Klienten erkannt, analysiert und gelöst werden können (Maus, Nodes, Röh 2008: 43ff).

Neben den sozialpädagogischen, sozialrechtlichen, sozialadministrativen und berufsethischen Kompetenzen gibt es die personale, kommunikative und Methodenkompetenz (ebd. 5). Die letzteren drei werden im Folgenden genauer beschrieben, da sie im Hinblick auf die in Punkt 2 beschriebenen Gruppen-dynamischen Prozesse am Wichtigsten sind und sie insbesondere dadurch gefördert und gestärkt werden können.

1.2 Methodenkompetenz

Als Methodenkompetenz können Werkzeuge und Techniken bezeichnet werden, die nötig sind, um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Sie „bezeichnet die Befähigung und Bereitschaft zu zielgerichtetem, strukturiertem und effektivem Vorgehen bei der Bearbeitung von Aufgaben und Problemen. Dazu gehört es, gelernte Denkmethoden, Arbeitsverfahren, Lösungs- oder Lernstrategien fachlicher und überfachlicher Natur selbstständig anwenden, reflektieren und weiterentwickeln zu können“ (Hechenleitner, Schwarzkopf 2006). Somit können Verfahren und Techniken in der Sozialen Arbeit den jeweiligen Klienten zugeordnet und auf sie abgestimmt werden, um sie bei der Problembewältigung wie auch der Gestaltung und Verbesserung ihres Lebensalltages zu beraten und zu unterstützen.

Als wichtigste Fähigkeiten, die der Methodenkompetenz zugeordnet werden können, sind die sprachliche Kompetenz z.B. bei der Beratung (Einzelfallhilfe, soziale Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit), Lernkompetenz (Wissen aneignen und es umsetzen können), Technologische Kompetenz (z.B. mit einem Computer umgehen können). Vor allem bezeichnet die Kompetenz die Fähigkeit, gelernte Dinge anwenden und Wissen und Informationen aufeinander bezogen einsetzen zu können (Maus, Nodes, Röh 2008: 49ff).

1.3 Personale Kompetenz

Die Personale Kompetenz, oder auch Selbstkompetenz, umfasst Aneignungs- und Lernfähigkeiten, insbesondere in Bezug auf die professionelle Arbeit mit der Klientel des Sozialarbeiters. Durch sie werden entscheidende Persönlichkeits-eigenschaften für die persönliche Identitätsbildung und das individuelle Verständnis entwickelt (Maus, Nodes, Röh 2008: 77ff). Dazu gehören Fähigkeiten wie selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten und Selbstreflexion, welche ein effektives Selbstmanagement voraussetzen. Des Weiteren ist bei der Arbeit mit Klienten eine optimistische Orientierung an ihren Ressourcen wie auch Empathiefähigkeit, um sich in ihre Situation hinein zu fühlen, wichtig, damit professionelle, auf den Klienten abgestimmte Hilfe geleistet werden kann. Dafür ist wiederum die Fähigkeit zum Aufbau von zwischenmenschlichen Kontakten Voraussetzung. Vor allem in der Arbeit mit Gruppen bei z.B. Gruppen-dynamischen Prozessen ist es wichtig, teamfähig, kooperationsbereit und kritik-fähig zu sein, wie auch Kritik und Lob an Klienten oder Mitglieder einer Gruppe formulieren zu können (ebd. 79f).

Die Personale wie auch die im Folgenden beschriebene kommunikative Kompetenz lassen sich der Sozialen Kompetenz unterordnen, da sich diese durch die Eigenschaften beider auszeichnet (ebd. 78).

1.4 Kommunikative Kompetenz

Die kommunikative Kompetenz (auch sozialkommunikative genannt) beschreibt die Fähigkeit des Einzelnen, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. „Kommunikative Kompetenz beschreibt die Beherrschung und Beachtung der mit nonverbaler, verbaler und symbolischer Kommunikation einhergehenden Regeln, Strukturen und Prozessen“ (ebd. 80). Dies geschieht vor allem durch die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen und aufrecht zu erhalten, Kommunikations-fähigkeit mit Einzelnen und Gruppen wie auch Teamfähigkeit. Daneben zeichnet sie sich durch Fähigkeiten zum Konfliktmanagement sowie Kritikformulierung und Kritikfähigkeit aus (ebd.). Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es gerade bei dieser Kompetenz darauf ankommt, in Gruppen oder mit einzelnen Personen kreativ kooperieren und kommunizieren zu können (Leisgang, Kehler 2006).

Um die Förderung und Erkennung von Kompetenzen an einem Beispiel zu zeigen, werden die zuvor erklärte personale, kommunikative und methodische Kompetenz anhand von Gruppendynamischen Prozessen deutlich gemacht.

2. Gruppendynamische Prozesse

2.1 Definition Gruppendynamische Prozesse

Der Begriff „Gruppen-‚Dynamik‘ bedeutet […], dass sich in einer Gruppe etwas ‚bewegt‘ bzw. verändert“ (Oehler 2007: 31). Diese Veränderung findet durch Interaktionen der Gruppenmitglieder statt, sie lernen sich durch gruppeninterne Kommunikation kennen und bauen Beziehungen untereinander auf, sodass sich die inneren Strukturen der Gruppe verändern (ebd. 31f).

Die Bezeichnung der Gruppendynamischen Prozesse bezeichnet eine Vielfalt an Begriffen. Wenn von der sozialpsychologischen Sicht der Gruppendynamik ausgegangen wird, ist sie „die Bezeichnung für die in jeder Gruppe ablaufenden Prozesse, […] die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesen Prozessen und [die] Bezeichnung für die Verfahren, mit deren Hilfe Gruppenprozesse beeinflusst werden sollen“ (Rechtien 2007: 5). Letzteres beschreibt die gruppendynamischen Methoden wie z.B. Brainstorming, Rollenspiele, Kommunikationsübungen. Die Mitglieder innerhalb einer Gruppe kommen sich durch kommunikative Kompe-tenzen näher, gleichen ihre Meinungen an und entwickeln gemeinsame Ziele (ebd. 5f). Schon allein eine Theaterpädagogische Übung wie der ‚Raumlauf‘, der in unserer Seminargruppe stets zu den Warm-Ups gehörte, ist ein Beispiel für Gruppendynamik, denn die Mitglieder waren gemeinsam in Bewegung und interagierten dabei.

2.2 Was ist eine Gruppe?

Eine Gruppe kann viele Formen haben (Seminargruppe, Schulgruppen etc.). Die kleinste Form einer Gruppe ist eine Triade, also drei Personen. Ab einer Größe von ca. 20 Mitgliedern wird von einer Großgruppe gesprochen, dessen Mitglieder sich über einen überdauernden Zeitraum regelmäßig zusammenfinden (König, Schattenhofer 2006: 15). Durch Anwenden ihrer kommunikativen Kompetenzen, unmittelbar durch „face-to-face- Kontakt“ (Rechtien 2007: 5), verfolgen sie meist mehrere gemeinsame Ziele (König, Schattenhofer 2006: 15). Gruppen entwickeln innerhalb dieses regelmäßigen Zeitraums ein „Wir-Gefühl“ (ebd.) und „ein System gemeinsamer Normen und Werte als Grundlage der Kommunikations- und Interaktionsprozesse“ (ebd.). Die Teilnehmer erweitern „[…] durch Erfahrungs-lernen ihre Kenntnis individueller, institutioneller und gruppenbezogener Gegebenheiten [und verbessern] so ihre soziale Kompetenz“ (Rechtien 2007: 6), dies wird auch als „Gruppendynamisches Laboratorium“ (ebd.) bezeichnet. Als ein Team, in dem jeder bestimmte „Rollen, Funktionen und Positionen“ (ebd. 5) hat, erfüllen Gruppen durch Kooperation (Arbeits-) Aufgaben als soziales System mit ihrer eigenen Dynamik. „Das Team bietet den Einzelnen viel Freiheit und Spielraum, sich auszuprobieren und gibt Sicherheit im Dazugehören“ (Stahl 2007: 261). Es kann die Zusammenarbeit insbesondere durch Reflexion auf Sach- und Beziehungsebene beeinflussen (König, Schattenhofer 2006: 18f).

Im Seminar ‚Gruppendynamische Prozesse‘ stellte sich heraus, dass die kommunikative Kompetenz der Mitglieder durch die regelmäßigen Feedbacks innerhalb der Gruppe gestärkt wurde, denn „[d]ie Teilnehmer einer Gruppe können nur so viel voneinander lernen, wie sie sich als Information gegenseitig zur Verfügung stellen“ (König, Schattenhofer 2006: 105f). Darüber hinaus wurde mit jeder Stunde deutlicher, wie sich aus den Anfangs gebildeten Kleingruppen ein großes Team entwickelte, das stets alle Aufgaben gemeinsam löste. Ebenfalls wurden alle Übungen immer reflektiert, sodass sich die Teilnehmer nochmals darüber klar werden konnten, was gemacht wurde, wie es gemacht wurde und ob es beim nächsten Mal besser gemacht werden kann. Somit ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Teamarbeit in der Gruppe die Fähigkeit zur (Selbst-) Reflexion wie auch zur Teamarbeit, was wiederum Eigenschaften der Personalen und Kommunikativen Kompetenz sind. Sie können durch erfolgreiche Zusammen-arbeit in einer Gruppe durch diese selbst für jeden Einzelnen aufgebaut und gestärkt werden. Dass soziale Kompetenzen durch die Arbeit mit und in Gruppen trainiert, verbessert und erweitert werden, wird auch durch den Austausch zwischen den Gruppenmitgliedern deutlich. Durch ihn kann der Einzelne lernen, wie er von anderen wahrgenommen wird und er selbst andere wahrnimmt, womit seine Selbst- und Fremdwahrnehmung gestärkt werden kann. Denn „[e]rst in den Augen der anderen können wir uns selbst kennen lernen“ (ebd. 103f). Darüber hinaus entsteht im Laufe der Zeit „ein Geflecht aufeinander bezogener sozialer Rollen, die auf das Gruppenziel gerichtet sind“ (ebd. 15). Die Rollen werden später beschrieben, auf den Zielpool wird im Folgenden eingegangen.

2.3 Der Zielpool

„Das zielgerichtete Miteinander ist die wesentliche und hinreichende Voraus-setzung, um von Gruppe sprechen zu können“ (Stahl 2007: 3). Jedes Mitglied einer Gruppe besitzt persönliche Ziele, die innerhalb und mit Hilfe der Gruppe erreicht werden sollen. Aufgrund dessen werden Gruppen gegründet, damit einfacher gemeinsam und nicht alleine ein Ziel erreicht werden kann (Stahl 2007: 2). Dabei unterscheidet sich eine Gruppe z.B. von einer losen Ansammlung, denn in ersterer verfolgen die Mitglieder ihre Ziele durch gemeinsame Interaktion und Kommunikation auf Beziehungsebene, in letzterer wird meist nur ein gemeinsames Ziel erreicht, aber ohne den Willen, dies durch das Eingehen von Beziehungen oder Kommunikation zu erreichen (ebd.). Dabei können die Ziele sehr verschieden sein, wie z.B. Spaß haben während eines Spiels in einer Seminargruppe oder ein Versuch zur Beeinflussung der Politik (Stuttgart 21).

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656768340
ISBN (Buch)
9783656768357
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282451
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,0
Schlagworte
schlüsselkompetenzen soziale arbeit berücksichtigung gruppendynamik wert übungen

Autor

Zurück

Titel: Schlüsselkompetenzen für die Soziale Arbeit.  Gruppendynamik und der Wert gruppenpädagogischer Übungen