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Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeitserwartungen und Stress

Masterarbeit 2014 126 Seiten

BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Das Konzept der Selbstwirksamkeit
2.1.1 Definitionen und Abgrenzung
2.1.2 Allgemeine und spezifische Selbstwirksamkeit
2.1.3 Individuelle und kollektive Selbstwirksamkeit
2.1.4 Entstehung und Beeinflussung von Selbstwirksamkeit
2.1.5 Rahmenbedingungen von Selbstwirksamkeitserwartungen
2.2 Stress
2.2.1 Definitionen und Abgrenzung
2.2.2 Das transaktionale Stressmodell
2.2.3 Die Stressmessung
2.3 Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeitserwartungen und Stress
2.3.1 Selbstwirksamkeit als Ressource gegen Stress
2.3.2 Die gegenseitige Beeinflussung von Selbstwirksamkeit und Stress
2.3.3 Empirische Befunde

3 Forschungsfrage und Thesen
3.1 Forschungsfrage
3.2 Thesen

4 Untersuchungsmethode
4.1 Theoretischer Hintergrund
4.1.1 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
4.1.2 Frequenzanalyse
4.2 Datenerhebung
4.2.1 Operationalisierung
4.2.2 Auswahl der Abstracts und Stichprobe

5 Auswertungsergebnisse
5.1 Ergebnisse aus dem „allgemeinen“ Bereich
5.1.1 Ergebnisse der Rubrik „Publikationsinformationen“
5.1.2 Ergebnisse der Rubrik „Forschungseinrichtung“
5.1.3 Ergebnisse der Rubrik „Stichprobe“
5.1.4 Ergebnisse der Rubrik „Methodischer Ansatz“
5.1.5 Ergebnisse der Rubrik „Formen der Selbstwirksamkeit“
5.2 Ergebnisse aus dem „thesenrelevanten“ Bereich
5.2.1 Ergebnisse der Rubrik „Art der Stressmessung“
5.2.2 Ergebnisse der Rubrik „Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeit und Stress“
5.2.3 Ergebnisse der Rubrik „Effekte von Interventionsmaßnahmen auf Selbstwirksamkeit und Stress“
5.2.4 Zusammenfassung der „thesenrelevanten“ Ergebnisse

6 Diskussion
6.1 Interpretation der „thesenrelevanten“ Ergebnisse
6.1.1 Ergebnisinterpretation der Rubrik „Art der Stressmessung“
6.1.2 Ergebnisinterpretation der Rubrik „Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeit und Stress“
6.1.3 Ergebnisinterpretation der Rubrik „Effekte von Interventionsmaßnahmen auf Selbstwirksamkeit und Stress“
6.1.4 Zusammenfassung der Ergebnisinterpretation und Beantwortung der Forschungsfrage

7 Fazit und Ausblick

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhang

1 Problemstellung

Nahezu jede zweite Frühverrentung in Deutschland im Jahr 2012 ist auf psychische Erkrankungen zurückzuführen (Bundespsychotherapeutenkammer 2013, 4). Dieses Ergebnis ist erschreckend und alarmierend zugleich. Der Schaden dürfte für die Volkswirtschaft, die sozialen Systeme und vor allem für die Betroffenen selbst, enorm sein.

In einer repräsentativen Befragung von Erwerbstätigen in Deutschland gaben 46 Prozent der ca. 35.000 Befragten an, dass Stress und Arbeitsdruck in den letzten beiden Jahren in ihrem Arbeitsumfeld zugenommen haben. Ferner gaben 20 Prozent der Befragten an, dass sie praktisch immer oder häufig bis an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit gehen müssen. Jeder[1] Zweite fühlt sich an seinem Arbeitsplatz folglich immer oder häufig starkem Termin und Leistungsdruck ausgesetzt (Jansen 2000, 5ff.).

Zu den anstrengendsten Berufen mit erhöhter psychosozialer Beanspruchung zählen im Allgemeinen diejenigen, in denen zwischenmenschliche Beziehungen eine große Rolle spielen. Vor allem Lehrkräfte sind solchen hohen psychischen Belastungen ausgesetzt. Neben der Dienstunfähigkeit und dem vorgezogenen Ruhestand als Folge einer psychischen Erkrankung, gilt es zu beachten, „dass ohne Lehrergesundheit eine hohe Qualität des Lehrens und Lernens auf Dauer nicht möglich ist“ (Schaarschmidt 2009, 605).

Schaarschmidt (2009, 607ff.) konnte in einer bundesweit angelegten Studie mit 7.413 Lehrkräften zeigen, dass in der Berufsgruppe der Lehrer eine besonders problematische Beanspruchungssituation vorliegt und deshalb die Lehrerarbeit mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Zeitdruck oder Verwaltungsaufgaben sind Beispiele für Stressoren, mit denen Lehrpersonen konfrontiert sind (Golyszny, Kärner & Sembill 2012, 222). Auch in den Unterrichtspausen ist häufig keine Erholung möglich, oftmals ist die Stresseinwirkung in diesen Phasen durch Trubel und Lärm sogar am höchsten (Schaarschmidt 2009, 605).

Die Gesunderhaltung des eigenen Körpers sowie der Seele sollte folglich als Basis für die Leistungsfähigkeit des Menschen und deshalb als oberstes Ziel angesehen werden um sowohl private, als auch berufliche Anforderungen, erfolgreich meistern zu können (Bundespsychotherapeutenkammer 2013, 33).

Nach Laux & Schütz (1996, 11ff.) wird unser Stresserleben wesentlich von den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen beeinflusst. Diese helfen uns, Belastungen zu bewältigen oder zu verhindern. Personen, deren Ressourcen zur Belastungsbewältigung nicht ausreichen, erleben demzufolge Stress.

Selbstwirksamkeitserwartungen[2] werden in der Fachliteratur einerseits als wichtige personale Ressource gegen Stress angesehen (Schwarzer 1996, 30; Schwarzer 2004, 2f.; Schwarzer & Hahn 1994, 187; Jerusalem 2009, 180). Andererseits werden sie jedoch auch durch (chronische) Belastungen beeinflusst (Schmitz & Schwarzer 2002, 205).

Empirische Studien zur Selbstwirksamkeit deuten auf einen negativen Zusammenhang zwischen dem Grad der Selbstwirksamkeit einer Person und deren subjektiven Stresserleben hin (Greenglass & Burke 2000; Jerusalem 1990; Jerusalem 1994). Menschen mit einer hohen Selbstwirksamkeit dürften demzufolge ein geringeres subjektives Stresserleben aufweisen als Menschen mit geringer Selbstwirksamkeit.

Selbstwirksamkeitserwartungen könnten somit maßgeblich zu einem konstruktiven Umgang mit Stress beitragen und einen wichtigen Ansatz für die Stressbewältigung aufzeigen. Deshalb soll im weiteren Verlauf der Arbeit der Forschungsfrage nachgegangen werden, ob Selbstwirksamkeitserwartungen, wie in der Fachliteratur beschrieben, eine wirkungsvolle Ressource gegen Stress darstellen können. Hierfür sollen entsprechende Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeitserwartungen und Stress im Rahmen einer empirischen Abstract- bzw. Literaturanalyse herausgearbeitet werden.

Der Aufbau dieser empirischen Arbeit stellt sich wie folgt dar:

Nach der Problemstellung folgt mit Kapitel 2 der theoretische Teil der Arbeit, in dem die Grundlagen für die darauffolgende Untersuchung gelegt werden. Der Theorieteil beginnt mit der Beschreibung des Konzepts der Selbstwirksamkeit. Dies beinhaltet die Definition grundlegender Begriffe, die Abgrenzung der Selbstwirksamkeitserwartung gegenüber der Ergebniserwartung, das Aufzeigen verschiedener Formen der Selbstwirksamkeit, die Beschreibung der Entstehung und Beeinflussung von Selbstwirksamkeit sowie das Aufzeigen der Relevanz von Rahmenbedingungen. Anschließend werden die für das Stressverständnis wichtigen Begriffe definiert, verschiedene Stresstheorien voneinander abgegrenzt, das transaktionale Stressmodell vorgestellt sowie verschiedene Möglichkeiten von Stressmessungen beschrieben. Am Ende des Theorieteils werden Hinweise aus der wissenschaftlichen Literatur, die Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeitserwartungen und Stress betreffen, aufgezeigt sowie diverse untersuchungsrelevante Forschungsbefunde vorgestellt. Kapitel 3 stellt schließlich den Übergang vom theoretischen zum empirischen Teil dar. In diesem Kapitel wird die Forschungsfrage beschrieben sowie auf Basis der theoretischen Grundlagen Thesen aufgestellt. Anschließend werden in Kapitel 4 zuerst die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring sowie die Frequenzanalyse in Grundzügen erläutert. Danach folgen die Operationalisierung und die Beschreibung der Vorgehensweise bei der Auswahl der Abstracts sowie die Stichprobe. Kapitel 5 beinhaltet die Beschreibung und Darstellung aller Auswertungsergebnisse und Kapitel 6 die Interpretation der Befunde, inklusive der Beantwortung der Thesen sowie der Forschungsfrage. Abschließend erfolgt in Kapitel 7 ein Rückbezug zur Fragestellung sowie eine Limitation und Relativierung der Untersuchung. Ferner werden Hinweise auf mögliche weiterführende Analysen gegeben.

2 Theoretischer Hintergrund

Der theoretische Teil dieser Arbeit beginnt mit der Beschreibung des Konzepts der Selbstwirksamkeit. Dies beinhaltet die Definition grundlegender Begriffe, die Abgrenzung der Selbstwirksamkeitserwartung gegenüber der Ergebniserwartung, das Aufzeigen verschiedener Formen der Selbstwirksamkeit, die Beschreibung der Entstehung und Beeinflussung von Selbstwirksamkeit sowie das Aufzeigen der Relevanz von Rahmenbedingungen. Im weiteren Verlauf werden die für das Stressverständnis wichtigen Begriffe definiert, verschiedene Stresstheorien voneinander abgegrenzt, das transaktionale Stressmodell vorgestellt sowie verschiedene Möglichkeiten von Stressmessungen beschrieben. Zum Schluss werden Hinweise aus der Fachliteratur, die Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeitserwartungen und Stress betreffen, aufgezeigt, sowie diverse untersuchungsrelevante Forschungsbefunde vorgestellt.

2.1 Das Konzept der Selbstwirksamkeit

Ab und zu erscheinen uns Hindernisse unüberwindbar. Gute Beispiele dafür finden sich im Leistungssport, wo Zeitlimits, Sprunghöhen und Distanzen oftmals als unüberwindbar angesehen werden. So war man z.B. lange Zeit der Überzeugung, dass es keinem Menschen möglich wäre, eine Meile unter vier Minuten zu laufen. Da niemand es jemals geschafft hatte, wurde angenommen, dass der menschliche Organismus nicht in der Lage sei, diese Zeit zu unterbieten. Diese psychologische Barriere wurde erstmalig im Jahre 1954 von Roger Bannister durchbrochen. Die Nachricht, dass Bannister eine halbe Sekunde schneller war, verbreitete sich in Windeseile. Der Bann war gebrochen und es folgte ein Weltrekord auf den anderen. Dieses Beispiel aus dem Leistungssport soll verdeutlichen, dass für die Leistungsfähigkeit des Körpers oftmals psychische Barrieren entscheidend sind (Bandura 1997, 396; Schwarzer & Jerusalem 2002, 28).

Im Jahre 1977 veröffentlichte Albert Bandura einen Artikel unter der Überschrift „Self-Efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change“ in dem er das Konzept der Selbstwirksamkeit erstmalig vorstellte (Bartholdt & Schütz 2010, 98; Fuchs 2005, 21; Schwarzer 1996, 35).

Die Bedeutung der Selbstwirksamkeit für das menschliche Verhalten und Erleben soll in den folgenden Abschnitten detailliert erläutert werden. Dazu werden zuerst die grundlegenden Begriffe definiert sowie die Selbstwirksamkeitserwartung gegenüber der Ergebniserwartung[3] abgegrenzt. Anschließend erfolgt eine Differenzierung des Konstrukts nach seinem Grad an Generalität oder Spezifität sowie der Ebene der Überzeugungen. Ferner werden vier wesentliche Quellen für den Erwerb von Selbstwirksamkeit und die Notwendigkeit von geeigneten Rahmenbedingungen beschrieben.

2.1.1 Definitionen und Abgrenzung

Wie bereits in der Problemstellung erwähnt, werden Selbstwirksamkeitserwartungen in der Fachliteratur als wichtige personale Ressource gegen Stress gesehen (Schwarzer 2004, 2f.; Schwarzer & Hahn 1994, 187; Jerusalem 2009, 180). Was jedoch sind eigentlich Ressourcen und Selbstwirksamkeitserwartungen? Nachfolgend werden die Begriffe Ressourcen, Stressoren und Selbstwirksamkeit definiert sowie die Selbstwirksamkeitserwartung gegenüber der Ergebniserwartung abgegrenzt.

Ressourcen: Ressourcen sind „Mittel, die eingesetzt werden können, um das Auftreten von Stressoren zu vermeiden, ihre Ausprägung zu mildern oder ihre Wirkung zu verringern“ (Zapf & Semmer 2004, 1041f.).

Stressoren: Als Stressoren werden allgemein alle Störgrößen bezeichnet, „die das psychische und physische Gleichgewicht in irgendeiner Form gefährden“ (Renneberg, Erken & Kaluza 2009, 140).

Selbstwirksamkeit: Bandura (1997, 3, Kursivdruck im Original) definiert den Begriff Selbstwirksamkeit wie folgt: „ Perceived self-efficacy refers to beliefs in one´s capabilities to organize and execute the courses of action required to produce given attainments”. Bartholdt & Schütz (2010, 98) beschreiben Selbstwirksamkeit als „die Überzeugung, bestimmte Handlungen erfolgreich ausführen zu können.“ Schwarzer (2004, 12) definiert Selbstwirksamkeit „als die subjektive Gewissheit, neue oder schwierige Anforderungssituationen auf Grund eigener Kompetenz bewältigen zu können.“ Bei dieser Definition wird explizit darauf hingewiesen, dass es sich nicht um Routineaufgaben handelt, sondern um solche, deren Bewältigung ein gewisses Mindestmaß an Anstrengung und Ausdauer erfordern.

Nach der sozial-kognitiven Theorie von Bandura (1997) werden kognitive, emotionale, motivationale und aktionale Prozesse durch persönliche Überzeugungen gesteuert (Schwarzer 2004, 12; Schwarzer & Jerusalem 2002, 35).

Bandura (1997, 22) beschreibt zwei Erwartungshaltungen, welche für die Einschätzung der Effektivität eigener Handlungen eine entscheidende Rolle spielen: „Efficacy Beliefs“ (Wirksamkeitsüberzeugungen bzw. Kompetenzerwartungen) und „Outcome Expectancies“ (Ergebniserwartungen bzw. Konsequenzerwartungen). Die Darstellung in der Abbildung 1 zeigt die Beziehung zwischen den beiden Komponenten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 1: Beziehung zwischen Wirksamkeitsüberzeugungen und Ergebniserwartungen (Bandura 1997, 22)

icacy Beliefs: Die „Efficacy Beliefs“ sind ein Maß für die persönlichen

Überzeugungen der eigenen Wirksamkeit einer Person, für wie kompetent sie sich im Hinblick auf ein gewisses Ziel hält. Sie fallen je nach Herausforderungsgrad der zu bewältigenden Situation („Level“), nach dem Allgemeinheitsgrad der Einschätzungen („Generality“) und nach Stärke der Einschätzungen („Strenght“) unterschiedlich aus (Bandura 1997, 42f.; Fuchs 2005, 25; Schwarzer 1996, 24).

Outcome Expectencies: Neben den „Efficacy Beliefs“ sind auch die „Outcome Expectencies“, die sogenannten Ergebniserwartungen zu nennen. Bei Ergebnis-erwartungen handelt es sich um „Wenn-dann-Überlegungen“: „Wenn ich x tue, dann werde ich (voraussichtlich) y erhalten“ (Fuchs 2005, 26). Eine Person wird, je nachdem welches Ergebnis oder welche Konsequenz mit einem Verhalten verbunden ist, anders handeln. Es geht sozusagen um die gedanklich vorweggenommene Konsequenz einer Handlung. „Outcome Expectencies“ sind eng verbunden mit physischen Bedingungen („Physical“), mit Selbsteinschätzungen („Self-evaluative“) und mit sozialen Faktoren („Social“) (Bandura 1997, 21f.; Fuchs 2005, 26).

Hat eine Person Angst davor ins Wasser zu gehen, weil sie nicht schwimmen kann, so kann dies an mangelhafter Wirksamkeitsüberzeugung liegen. Die Person ist sich darüber im Klaren, dass gezielte Bewegungen im Wasser („Handlung“) bewirken, dass man an der Wasseroberfläche bleibt („Ergebnis“) und dass man Spaß dabei haben kann („Folge“), jedoch fehlt ihr das Vertrauen diese Schwimmbewegungen selbst auszuführen oder zu erlernen (Schwarzer 1996, 20).

Im Hinblick auf einen konstruktiven Umgang mit Stress könnte beispielsweise eine Lehrkraft der Überzeugung sein, dass die Anwendung von gezielten Entspannungstechniken („Handlung“) hilft, weniger Stress zu erleben („Ergebnis“). Die Kompetenzerwartung könnte in diesem Beispiel die Überzeugung sein, die Entspannungstechniken korrekt anwenden und sich entspannen zu können (Bartholdt & Schütz 2010, 98).

2.1.2 Allgemeine und spezifische Selbstwirksamkeit

Das Konstrukt Selbstwirksamkeit lässt sich nach seinem Grad an Generalität oder Spezifität beschreiben (Schwarzer 2004, 18; Schwarzer & Jerusalem 2002, 40). Im folgenden Abschnitt werden die allgemeine, die situationsspezifische und die bereichsspezifische Selbstwirksamkeitserwartung beschrieben.

„Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung umfasst alle Lebensbereiche und soll eine optimistische Einschätzung der generellen Lebensbewältigungskompetenz zum Ausdruck bringen“ (Schwarzer & Jerusalem 2002, 40; Kursivdruck im Original). Folgende Aussagen aus der Skala „WIRKALL_r“ von Jerusalem & Schwarzer (1999, 13) charakterisieren das Konzept: (a) „Wenn sich Widerstände auftun, finde ich Mittel und Wege, mich durchzusetzen.“, (b) „Die Lösung schwieriger Probleme gelingt mir immer, wenn ich mich darum bemühe.“, (c) „Auch bei überraschenden Ereignissen glaube ich, daß ich gut damit zurechtkommen werde.“

Situationsspezifische Selbstwirksamkeitserwartungen zeichnen sich aus „durch die Formulierung einer subjektiven Gewissheit, eine konkrete Handlung auch dann erfolgreich ausführen zu können, wenn bestimmte Barrieren auftreten“ (Schwarzer & Jerusalem 2002, 39f.). Items aus einer Skala zur Messung situationsspezifischer Selbstwirksamkeitserwartungen können z.B. folgendermaßen lauten: „Ich bin sicher, dass ich das ganze Wochenende an meiner Masterarbeit arbeiten kann, auch wenn andere mich zum Schwimmengehen einladen“ oder „Ich bin sicher, dass ich eine Zigarette ablehnen kann, wenn andere mich zum Rauchen verführen wollen“ (Schwarzer 2004, 18).

Zu den bereichsspezifischen Selbstwirksamkeitserwartungen zählen beispielsweise die studiumsspezifische Selbstwirksamkeitserwartung oder die Lehrerselbstwirksamkeits-erwartung. Die studiumsspezifische Selbstwirksamkeitserwartung betrifft die Kompetenzerwartungen von Studenten im Umgang mit schulischen Anforderungen. Formulierungen aus der Skala „WIRKSTUD“ von Jerusalem & Schwarzer (1986, 28) lauten: (a) „Im Studium bin ich jederzeit in der Lage, die erforderlichen Leistungen zu erbringen.“ oder (b) „Wenn ich mich genügend vorbereite, gelingt es mir immer, gute Prüfungsleistungen zu erzielen.“ Items zur Lehrerselbstwirksamkeit aus der Skala „WIRKLEHR“ von Schwarzer & Schmitz (1999, 60) lauten beispielsweise: (a) „Ich weiß, daß ich es schaffe, selbst den problematischsten Schülern den prüfungsrelevanten Stoff zu vermitteln.“ oder (b) „Selbst wenn mein Unterricht gestört wird, bin ich mir sicher, die notwendige Gelassenheit bewahren zu können.“ Lehrpersonen mit einem geringen Maß an Selbstwirksamkeit kümmern sich wenig um lernschwache Schüler, ziehen einfache aber sichere Unterrichtsformen vor und sind auf Grund ihres geringen Vertrauens in ihre eigenen Kompetenzen insgesamt wenig motiviert, guten und verständlichen Unterricht zu halten (Schwarzer & Jerusalem 2002, 40). Lehrpersonen mit hoher Selbstwirksamkeit unterstützen Schüler bei der Erzielung von Lernfortschritten, fördern lernschwache Schüler und gestalten einen insgesamt herausfordernden, erfolgreichen und verständlichen Unterricht, weil sie sich selbst mehr zutrauen und stärker motiviert sind (Schwarzer & Jerusalem 2002, 40).

2.1.3 Individuelle und kollektive Selbstwirksamkeit

Neben dem Grad an Generalität oder Spezifität ist eine weitere Dimension von Relevanz, die eine Differenzierung zwischen individuellen und kollektiven Erwartungen ermöglicht. Diese zusätzliche Dimension wird nachfolgend beschrieben.

Bei individuellen Erwartungen geht es um das Vertrauen in die eigene Kompetenz neue oder schwierige Handlungen erfolgreich ausführen zu können, wohingegen es bei kollektiven Erwartungen vielmehr um die Einschätzung der Gruppen-Selbstwirksamkeit geht. Die Gruppen-Selbstwirksamkeit ergibt „sich aus der Koordination und Kombination der verschiedenen individuellen Ressourcen zu einem gemeinsamen Wirkungspotenzial“ (Schwarzer 2004, 18; vgl. auch Zaccaro et al. 1995, 311).

Bandura definiert die kollektive Selbstwirksamkeit als „die von einer Gruppe geteilte Überzeugung in ihre gemeinsamen Fähigkeiten, die notwendigen Handlungen zu organisieren und auszuführen, um bestimmte Ziele zu erreichen“ (Bandura 1997, 476; Schmitz & Schwarzer 2002, 195; Schwarzer 2004, 19).

Formulierungen aus der Skala „WIRK_KOL“ von Schwarzer & Jerusalem (1999, 84) zur Erfassung der kollektiven Lehrerselbstwirksamkeit lauten beispielsweise: (a) „Ich habe das Vertrauen, daß wir Lehrer es an unserer Schule gemeinsam schaffen werden, pädagogische Projekte in die Tat umzusetzen, auch wenn Schwierigkeiten auftreten.“ oder (b) „Da wir dieselben pädagogischen Absichten verfolgen, können wir Lehrer auch mit „schwierigen“ Schülern an dieser Schule klarkommen.“ Ein Lehrerkollegium, dass sich durch eine hohe kollektive Selbstwirksamkeit auszeichnet, wird sich eher zutrauen, schwierige Reformen umzusetzen und sich auch leichter von Rückschlägen erholen, falls die gemeinsamen Bemühungen fehlschlagen (Schwarzer & Jerusalem 2002, 41).

2.1.4 Entstehung und Beeinflussung von Selbstwirksamkeit

Da die Selbstwirksamkeit ein wesentlicher Faktor für die kompetente Selbst- und Handlungsregulation ist, ist es wichtig, diese zu stärken bzw. aufzubauen. Hierfür gilt es zu klären, wie Selbstwirksamkeitserwartungen entstehen bzw. beeinflusst werden können (Schwarzer 2004, 19; Schwarzer & Jerusalem 2002, 42).

Nach Bandura (1977, 191; 1995, 3ff.) gibt es vier wesentliche Quellen für den Erwerb von Selbstwirksamkeitserwartungen: direkte Erfahrungen, indirekte Erfahrungen, Überredung und Gefühlserregung.

Diese vier Quellen können wie folgt beschrieben werden (Bandura 1977, 191; Bandura 1995, 3ff; Schwarzer 1996, 21f; Schwarzer & Jerusalem 2002, 42ff.):

1. Direkte Erfahrungen im Sinne von eigenen Erfolgserlebnissen sind das stärkste Mittel, um Selbstwirksamkeitserwartungen aufzubauen. Wichtig dabei ist, dass die Lernenden die Erfolge ihrer eigenen Anstrengung und Kompetenz zuschreiben. Erfolge bewirken eine Stärkung der Selbstwirksamkeit wohingegen Misserfolge diese schwächen. Sind jedoch erst einmal starke Selbstwirksamkeitsüberzeugungen entstanden, haben einzelne Misserfolge kaum mehr negativen Einfluss auf die Selbstwirksamkeit. Das Setzen von Nahzielen und/oder das Ausführen von Handlungselementen, deren Schwierigkeitsgrad optimal dosiert ist, kann dabei helfen Erfolgserlebnisse wahrscheinlich zu machen.

2. Indirekte Erfahrungen sind schwächer und verwundbarer als direkte Erfahrungen, jedoch auch ein gutes Mittel, um Selbstwirksamkeitserwartungen aufzubauen. Oftmals gibt es nicht genügend Chancen um direkte Erfahrungen zu machen. In diesem Fall ist es empfehlenswert Modellpersonen zu beobachten, die schwierige Situationen erfolgreich meistern. Man macht sozusagen stellvertretende Erfahrungen und zieht dabei Rückschlüsse auf die eigene Kompetenz („Das kann ich auch“). Modelle haben insbesondere dann eine gute Wirkung, wenn sie dem Lernenden in verschiedenen Attributen, wie z.B. Geschlecht oder Alter, ähnlich sind.

3. Überredung („Du kannst das“) ist eine symbolische Erfahrung, die daraus resultiert, dass man sich von anderen überzeugen lässt, Vertrauen in die eigene Kompetenz zu haben. Wenn eine Autoritätsperson, z.B. ein guter Freund oder ein Lehrer, eine solche Überredung vornimmt, entspringt vielleicht die Motivation, es zu probieren und Zeit und Mühe zu investieren. Die Überredung ist eine noch schwächere Quelle von Selbstwirksamkeitserwartungen als die indirekte Erfahrung.

4. Gefühlserregung ist die schwächste Informationsquelle zur Beeinflussung von Kompetenzerwartungen. So kann z.B. eine ängstliche Erregung im Körper als Hinweis auf die eigene unzureichende Kompetenz gesehen werden, um die Belastungen auszuhalten. Es wäre also hilfreich, sich Fertigkeiten anzueignen, um schwierige Situationen kognitiv besser kontrollieren zu können. Entsprechende Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, anspruchsvolle Situationen bewältigen zu können, senken die Erwartung körperlicher Erregung im Vorfeld und dann auch die tatsächlich erlebte Erregung in der konkreten Situation.

Des Weiteren ist es nach Schwarzer (1998, 158ff.) und Landmann (2005, 222f.) möglich Selbstwirksamkeitserwartungen durch spezielle Interventionsmaßnahmen bzw. Trainings gezielt zu stärken bzw. aufzubauen.

2.1.5 Rahmenbedingungen von Selbstwirksamkeitserwartungen

Es wäre falsch, anzunehmen, dass alle Quellen für den Erwerb von Selbst-wirksamkeitserwartungen automatisch diese beeinflussen, vielmehr ist die persönliche Bewertung der Gesamtsituation bzw. der Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung (Schwarzer & Jerusalem 2002, 48). Die Relevanz dieser Rahmen-bedingungen soll im folgenden Abschnitt an einigen Beispielen verdeutlicht werden.

Die subjektive Einschätzung von Rahmenbedingungen beeinflusst die Kompetenz-erwartung wesentlich. So ist es beispielsweise essentiell, wie man die Bedeutung der eigenen Fähigkeiten für die geforderte Leistung beurteilt, wie schwierig einem die Problemstellung erscheint, welche Anstrengung man aufbringen musste, ob die Unterstützung anderer benötigt wurde, wie ähnlich einem die beobachteten Modelle sind oder wie glaubwürdig einem die Person erscheint, die einen Überredungsversuch startet (Schwarzer & Jerusalem 2002, 48f.).

In schulischen Lernumwelten beispielsweise, ist die Selbstwirksamkeit natürlich nicht die einzige Einflussvariable für Lernen und Leistung. Das Leistungsverhalten wird vielmehr auch von Fähigkeiten, von Vorwissen und den erwarteten Konsequenzen sowie deren Anreizen mitbeeinflusst. Wenn Fähigkeiten oder Vorwissen nicht vorhanden sind, nützt Selbstwirksamkeit relativ wenig, da sie eine erhebliche Überschätzung eigener Möglichkeiten bedeutet. So kann ein Schüler der 8. Jahrgangsstufe in der Regel kaum Kennzahlen in Statistik richtig interpretieren, auch wenn ihm eine Autoritätsperson oder Freunde einreden, er könne es, wenn er nur wolle. Ferner ist Selbstwirksamkeit wenig hilfreich, wenn sie sich auf Fähigkeiten bezieht, die zur Erreichung bestimmter Ergebnisse nicht passen. Ein Student kann sich beispielsweise für sehr sportlich und sozial kompetent halten. Jedoch ist fraglich, inwieweit er mit einem auf dieser spezifischen Selbstwirksamkeit basierenden Verhalten das Resultat einer Statistikklausur beeinflussen kann. Des Weiteren ist Selbstwirksamkeit wenig verhaltensrelevant, wenn kompetentes Verhalten nicht reizvolle Ziele näher bringt. Wenn ein Student beispielsweise davon überzeugt ist, dass er auch mit dem besten Abschluss keinen Arbeitsplatz erhält, sieht er wenig Grund sich trotz vorhandener Kompetenzüberzeugungen für das Erzielen guter Noten besonders anzustrengen.

2.2 Stress

Die für diese Arbeit relevanten Begriffe in Bezug auf Stress werden nachfolgend definiert. Außerdem werden verschiedene Stresstheorien voneinander abgegrenzt und das transaktionale Stressmodell vorgestellt, bevor verschiedene Verfahrensweisen von Stressmessungen beschrieben werden.

2.2.1 Definitionen und Abgrenzung

Mit dem Begriff Stress wird in der Alltagssprache recht beliebig umgegangen (Bartholdt & Schütz 2010, 23; Schwarzer 2004, 153; van Dick 2006, 27). Auch in der Fachliteratur existiert bislang eine uneinheitliche Verwendung diverser Begrifflichkeiten zum Stressverständnis (Bartholdt & Schütz 2010, 23; Nitsch 1981, 17). Zum besseren Verständnis im Rahmen dieser Arbeit werden im Folgenden die grundlegenden Begriffe definiert.

Belastungen: Belastungen sind alle möglichen Formen von Umweltanforderungen bzw. potentielle Stressoren (van Dick & Stegmann 2007, 35).

Beanspruchung: Fühlt sich eine Person unter den Umweltanforderungen, also den Stressoren, tatsächlich belastet, weil diese die eigenen Ressourcen überschreiten, spricht man von Beanspruchung (van Dick & Stegmann 2007, 35).

Stress und Stressoren: Nach Schwarzer (2004, 153) kann man „Stress entweder als einen schädigenden Umweltreiz, als eine Belastungsreaktion des Organismus oder als ein transaktionales Geschehen auffassen.“ Alle drei Ansätze sind weit verbreitet und haben ihre Daseinsberechtigung. Ein schädigender Umweltreiz kann z.B. eine Hitze- oder Kältewelle, eine Infektion, ein tätlicher Angriff oder das Versagen in einer Klausur sein. „Mehr oder weniger komplexe Situationen werden als Stressereignisse oder Stressoren aufgefasst“ (Schwarzer 2004, 153, Kursivdruck im Original). Die Grundidee dieses inputorientierten Ansatzes liegt in der Annahme von äußeren Anforderungen, also kritischen Ereignissen, die uns das Leben erschweren. Im Reaktionsansatz, wird Stress als Output verstanden. „Stress ist [demnach] die unspezifische Reaktion des Körpers auf jede Anforderung, die an ihn gestellt wird“ (Selye 1988, 58). Dieser Ansatz stellt die physiologische Belastungsreaktion in den Mittelpunkt, wird jedoch in der Gesundheitspsychologie heute kaum noch weiterverfolgt. Der transaktionale Ansatz hat sich dagegen weitgehend durchgesetzt. Diese Theorie, der eine Wechselwirkung von Person und Umweltsituation zugrunde liegt, schreibt den kognitiven Prozessen und der Stressbewältigung eine primäre Bedeutung zu (Schwarzer 2004, 153).

Da Selbstwirksamkeitserwartungen auf kognitiver Ebene entstehen (vgl. 2.1.1) und der transaktionale Ansatz, wie eben beschrieben, kognitive Prozesse in den Mittelpunkt stellt, soll dieser im weiteren Verlauf der Arbeit fokussiert werden.

2.2.2 Das transaktionale Stressmodell

Lazarus & Launier (1981, 214) haben ein Modell zur Stressentstehung entwickelt, welches die subjektive Bewertung einer Situation in den Mittelpunkt stellt, das transaktionale Stressmodell. Dieser modelltheoretische Ansatz soll nachfolgend erläutert und dargestellt werden.

In der transaktionalen Stresstheorie hängt das Stresserleben einer Person im Wesentlichen von zwei Bestimmungsfaktoren ab. Zum einen davon, wie die Person ihre Umweltsituation bewertet, und zum anderen, wie sie ihre zur Verfügung stehenden Bewältigungsstrategien einschätzt (Lazarus & Launier 1981, 214). „Von Stress ist nach diesem Modell immer dann zu sprechen, wenn eine Person eine Situation als subjektiv bedeutsam und zugleich deren erfolgreiche Bewältigung als unsicher einschätzt (Renneberg, Erken & Kaluza 2009, 139). Im transaktionalen Stressmodell (vgl. Abbildung 2) werden zwei Bewertungsarten unterschieden, welche sich gegenseitig beeinflussen sowie gleichzeitig ablaufen können: die primäre und die sekundäre Bewertung (Bartholdt & Schütz 2010, 27; Lazarus & Launier 1981, 233ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das transaktionale Stressmodell (Bartholdt & Schütz 2010, 28)

Primäre Bewertung: Bei der primären Bewertung schätzt die Person das Ereignis hinsichtlich ihres eigenen Wohlbefindens ein. Das Ereignis kann dabei als irrelevant, günstig oder stressend bewertet werden. Ist die Situation für den Bewertenden irrelevant oder gar günstig, muss er nicht reagieren, da keine Schädigung zu befürchten ist. Bewertet er hingegen das Ereignis als stressend, ist eine Anpassungsreaktion erforderlich. Ein stressendes Ereignis kann als schädigend, bedrohlich oder herausfordernd eingeschätzt werden. Schädigung/Verlust liegt dann vor, wenn bei der Person bereits eine Schädigung oder ein Verlust eingetreten ist. Bei einer Bedrohung ist bislang weder Schädigung noch Verlust eingetreten, wird jedoch antizipiert. Die Bewertung als Herausforderung liegt dann vor, wenn die Situation bewältigt werden kann, wenngleich unter großer Anstrengung (Bartholdt & Schütz 2010, 27f.; Lazarus & Launier 1981, 233ff.).

Beispiel: Max Müller ist seit kurzem Referendar an einer kaufmännischen Berufsschule in Bamberg. Schon nach 14 Tagen kommt der Schulleiter auf ihn zu und bittet ihn die nächsten vier Wochen einen krank gewordenen Kollegen im Unterricht zu vertreten. Max Müller hatte bislang nur wenige eigene Unterrichtsversuche. Ferner hat er fast keine Vorkenntnisse im Bereich Rechnungswesen. Max Müller kann dieses Ereignis nun unterschiedlich bewerten. Bewertet er es als irrelevant oder günstig, könnten seine Gedanken beispielsweise lauten: „Kein Problem, das ist für mich alles Routine“ („irrelevant“) oder „Klasse, dass er mich gefragt hat“ („günstig“). Bewertet er das Ereignis als stressend lauten seine Gedanken möglicherweise: „Die nächsten Abende sind damit gestorben“ („Schädigung/Verlust“), „Hoffentlich geht das gut“ („Bedrohung“) oder „Jetzt kann ich endlich mal zeigen, was ich kann“ („Herausforderung“).

Sekundäre Bewertung: Die sekundäre Bewertung bezieht sich auf die Bewältigungsressourcen. Es wird eingeschätzt, welche Bewältigungsfähigkeiten und –möglichkeiten bestehen um die Situation zu meistern. Kommt die Person zu dem Ergebnis, dass ihre Bewältigungsressourcen ausreichen, wird sie keinen Stress erleben. Befürchtet sie jedoch, dass ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht groß genug sind, entsteht Stress (Bartholdt & Schütz 2010, 29; Lazarus & Launier 1981, 238ff.; Renneberg, Erken & Kaluza 2009, 139).

Beispiel: Im Sinne einer sekundären Bewertung könnten Max Müller folgende Gedanken durch den Kopf gehen: „Bisher habe ich meine Unterrichtsversuche immer gut gemeistert“, „Was ich in Rechnungswesen noch nicht kann, kann ich lernen“ oder „Wie krieg ich das nur auf die Reihe? Ich kenne mich in Rechnungswesen doch gar nicht aus“.

Coping-Strategien: In Abhängigkeit beider Bewertungsergebnisse entscheidet sich die Person für eine Strategie zur Bewältigung der Situation (Bartholdt & Schütz 2010, 29; Lazarus & Launier 1981, 255ff.). Diese Bewältigungs- bzw. Coping-Strategien zielen darauf ab, Kräfteungleichgewichte in Person-Umweltsituationen zu vermeiden (Lazarus 1991, 112; Lazarus & Folkman 1987, 141ff.). Zapf & Semmer (2004, 1061f.) beschreiben Coping als „… jede Bemühung, die Stresssituation zu mildern, abzuändern oder zu beenden, und zwar unabhängig vom Erfolg dieser Bemühungen.“

Neubewertung: Wurde die Coping-Strategie angewendet erfolgt eine Neubewertung der Situation (vgl. Abbildung 2). Jeder Bewältigungsversuch einer Person beeinflusst ihre Umwelt. Dies hat zur Folge, dass diese wiederrum neu bewertet wird. Es entsteht sozusagen ein transaktionaler Prozess (Bartholdt & Schütz 2010, 30; Lazarus & Launier 1981, 240f.).

2.2.3 Die Stressmessung

Stress kann sich auf unseren Organismus in vielfältiger Weise mit unterschiedlichen Folgen auswirken, weshalb es notwendig ist, Stressphänomene auf verschiedenen Ebenen zu messen (Renneberg, Erken & Kaluza 2009, 144). Nachfolgend werden sowohl Stressmessungen auf subjektiver Ebene mittels Fragebögen und Tests als auch physiologische Messmethoden beschrieben.

Es gibt sehr unterschiedliche Verfahrensweisen um das Ausmaß von Stress zu erfassen (Schwarzer 2004, 155). Legt man ein relationales Stresskonzept zugrunde, kann sich die Messung auf vier unterschiedliche Aspekte des Stressprozesses beziehen (Cohen, Kessler & Gordon 1997, 11; Weber 2002, 583):

1. Die Erfassung von Stressoren,
2. die Erfassung subjektiver Stresseinschätzungen,
3. die Erfassung emotionaler Stressreaktionen und
4. die Erfassung biologischer Stressreaktionen.

(1) Erfassung von Stressoren:

Bei der Erfassung von Stressoren werden gewöhnlich drei Klassen stresshafter Ereignisse unterschieden (Weber 2002, 583): „Kritische“ oder „einschneidende“ Lebensereignisse, chronisch stresshafte Lebensbedingungen und kleinere alltägliche Stressereignisse.

Kritische Lebensereignisse: Kritische Lebensereignisse („critical life events“) sind Ereignisse, die einen erhöhten Anpassungsaufwand erfordern und starke Veränderungen bewirken (z.B. Haftstrafe oder Ehescheidung). „Lebensereignisse gelten als besonders gesundheitsgefährdend, wenn sie sich innerhalb eines umgrenzten Zeitraums, etwa einem Jahr, häufen“ (Weber 2002, 583). Die Erfassung erfolgt in der Regel über Ereignis-Checklisten bzw. Fragebögen. Eine methodische Alternative dazu stellen Interviewverfahren dar (Schwarzer 1993, 22ff.; Weber 2002, 584).

Chronischer Stress: Chronischer Stress beinhaltet eine über einen längeren Zeitraum anhaltende Belastung. Die Messung von chronisch stresshaften Lebensbedingungen erfolgt mittels Fragebogenverfahren. Gewisse Formen von chronischem Stress, wie z.B. hohe Wohndichte und Lärm, können auch objektiv erfasst werden (Weber 2002, 584).

Kleinere alltägliche Stressereignisse: Die sogenannten „daily hassles“ stellen im Vergleich zu den kritischen Lebenssituationen eher kleinere alltägliche stresshafte Situationen und Belastungen dar (z.B. Gartenarbeit oder steigende Preise). Es wird angenommen, dass sie auf Grund ihrer Häufigkeit eine größere Gefährdung für die Gesundheit darstellen, als die selteneren Lebensereignisse. Alltagsereignisse werden hauptsächlich über Ereignis-Checklisten erfasst. Eine methodische Alternative dazu stellt die Aufzeichnung von strukturierten Tagebüchern dar (Schwarzer 1993, 27; Weber 2002, 584).

(2) Erfassung subjektiver Stresseinschätzungen:

Zur Erfassung subjektiver Stresseinschätzungen existieren nur wenige Instrumente. Die Stresshaftigkeit einer aktuell erlebten Situation wird dabei mittels Fragebogen gemessen (Schwarzer 1993, 22; Weber 2002, 584).

(3) Erfassung emotionaler Stressreaktionen:

Stressbezogene negative Emotionen sind Ärger, Niedergeschlagenheit oder Angst. Solche emotionalen Zustände werden hauptsächlich durch Befragungen, mit Hilfe einer Liste von Adjektiven (z.B. „verärgert“ oder „bekümmert“), erfasst (Weber 2002, 585).

(4) Erfassung biologischer Stressreaktionen:

„Als physiologische Maße der Stressdiagnostik werden z.B. die basalen Kortisolwerte (Morgen- und Tagesprofil) bestimmt. Hierzu werden sowohl Blutproben als auch Speichelproben auf die Konzentration der Steoridhormone (v.a. Kortisol) überprüft“ (Renneberg, Erken & Kaluza 2009, 144).

2.3 Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeitserwartungen und Stress

Im Folgenden wird die in der Fachliteratur beschriebene wechselseitige Abhängigkeit zwischen Selbstwirksamkeitserwartungen und Stress beschrieben. Ferner werden drei Studien, in denen die Selbstwirksamkeit und das Stresserleben von Personen untersucht wurden, vorgestellt.

2.3.1 Selbstwirksamkeit als Ressource gegen Stress

In diesem Abschnitt werden die Hinweise aus der Fachliteratur, dass Selbst-wirksamkeitserwartungen eine wirkungsvolle Ressource gegen Stress darstellen, näher beschrieben.

Die Handlungsmöglichkeiten oder Optionen über die eine Person verfügt basieren vor allem auf ihren persönlichen, sozialen und materiellen Ressourcen. Oftmals ist gerade die subjektive Kompetenz die wichtigste persönliche Ressource. Schwarzer (1996, 30) weist darauf hin, dass sich genau an dieser Stelle die transaktionale Stresstheorie mit der Selbstwirksamkeitstheorie überschneidet. Seiner Argumentation zufolge ist eine Person weniger verwundbar gegenüber Belastungen je stärker ihre Kompetenz-erwartung ausgeprägt ist. Damit spricht er der Selbstwirksamkeitserwartung bei der Stressbewältigung eine bedeutende Rolle zu. Seiner Auffassung nach bestimmt die „Kompetenzerwartung in Relation zur Situationsstärke … die Auswahl von Streßbewältigungsstrategien sowie die Anstrengung und Ausdauer, mit der Bewältigungsversuche unternommen werden“ (Schwarzer 1996, 30).

In einer Vielzahl von Beiträgen renommierter Wissenschaftler und Forscher, wie z.B. Jerusalem (2009, 180); Schwarzer (2004, 2f.) oder Schwarzer & Hahn (1994, 187) werden Selbstwirksamkeitserwartungen als eine wichtige personale Ressource mit protektiven Charakter gegen Stress beschrieben.

2.3.2 Die gegenseitige Beeinflussung von Selbstwirksamkeit und Stress

Neben der unter 2.3.1 postulierten protektiven Funktion von Selbstwirksamkeits-erwartungen gegen Stress, bleibt offen, ob diese auch durch (chronische) Belastungen beeinflusst werden, und falls ja, welche Kausalrichtung dominiert. Nachfolgend wird eine Aussage aus einer wissenschaftlichen Quelle, welche sich mit diesen Fragen auseinandersetzte, zitiert.

Schmitz & Schwarzer (2002, 205) weisen in diesem Kontext darauf hin, „dass sich Selbstwirksamkeitserwartungen und Burnout [als Folge von chronischen Belastungen] vermutlich gegenseitig im Laufe des Berufslebens bedingen, wobei jedoch die protektive Wirkkraft der Selbstwirksamkeitserwartung etwas höher zu veranschlagen ist.“

Nach dieser Aussage, dürften (chronische) Belastungen auch die Selbstwirksamkeit einer Person beeinflussen, wobei der Einfluss der Selbstwirksamkeit überwiegen sollte.

2.3.3 Empirische Befunde

Das Konzept der Selbstwirksamkeit wurde bereits in verschiedenen Handlungsfeldern und auf zahlreiche Situationen erfolgreich angewendet (Schwarzer & Jerusalem 2002, 36). Nachfolgend werden drei Studien vorgestellt, in denen die Effekte der Selbstwirksamkeit in Bezug auf das Stresserleben von Personen gemessen wurden.

In einer Untersuchung von Jerusalem (1990) wurden den Probanden über neun Durchgänge hinweg schlechte Leistungen bei der Bearbeitung von Intelligenz- und Anagrammaufgaben zurückgemeldet. Während dieser Durchgänge wurden zusätzlich Fragen dazu gestellt, inwiefern sich die Probanden durch die Aufgaben heraus-gefordert oder bedroht fühlen. Des Weiteren, ob sie Kontrollverlust erleben und wie sie sich ihre Leistungen erklären. Teilnehmer mit einer hohen Selbstwirksamkeit zeigten sich relativ stressresistent. Sie schrieben ihre Misserfolge externen Faktoren zu und hielten einen psychischen Zustand der Herausforderung aufrecht. Teilnehmer mit niedriger Selbstwirksamkeit wiesen bereits zu Beginn ungünstigere Stresseinschätzungen auf, die sich im Verlauf weiter verschlechterten. Von einem anfänglichen Zustand der Herausforderung wechselten sie im Laufe der Zeit zu Zuständen starker Bedrohung und später auch Kontrollverlust. Im Gegensatz zu den Teilnehmern mit hoher Selbstwirksamkeit interpretierten sie ihr Versagen als Beleg ihrer persönlichen Inkompetenz, was diese negative Entwicklung zusätzlich verstärkte (Schwarzer & Jerusalem 2002, 38f.).

Als weiteres Beispiel sei Jerusalem (1994) aufgeführt, der im Rahmen einer Längsschnittstudie das Stresserleben und die Stressbewältigung von 235 Übersiedlern nach dem Fall der Berliner Mauer analysierte. Die „Ergebnisse sprechen dafür, daß eine hohe Ausprägung von Selbstwirksamkeit eine protektive Ressource gegenüber den Belastungseinschätzungen darstellt, während bei niedriger Selbstwirksamkeit eine entsprechende Vulnerabilität bzw. Streßanfälligkeit vorzuliegen scheint“ (Jerusalem 1994, 132, Kursivdruck im Original).

Greenglass & Burke (2000, 371) erhoben in ihrer Studie Daten von 1.363 Beschäftigten der Krankenpflege in Kanada. Die Befragten waren zum Zeitpunkt der Erhebung einer erheblichen Doppelbelastung ausgesetzt. Einerseits mussten sie durch Personalkürzungen zusätzliche Arbeit übernehmen und andererseits erlebten sie gesteigerte Arbeitsplatzunsicherheit. Die Befunde zeigten bei Personen mit hoher Selbstwirksamkeit ein geringeres subjektives Stresserleben, geringere Anzeichen von Depression sowie eine höhere Arbeitszufriedenheit als bei Personen mit geringer Selbstwirksamkeit.

3 Forschungsfrage und Thesen

Nachfolgend werden die Fragestellung sowie vier Thesen, welche im Rahmen dieser empirischen Arbeit untersucht werden, aufgestellt.

3.1 Forschungsfrage

In diesem Abschnitt wird die zentrale Forschungsfrage dieser Arbeit beschrieben.

Wie bereits in der Problemstellung dargelegt, ist das zentrale Ziel dieser Untersuchung Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeitserwartungen und Stress herauszuarbeiten, um zu sehen, ob Selbstwirksamkeitserwartungen, wie in der Fachliteratur beschrieben (vgl. 2.3.1), eine wirkungsvolle Ressource gegen Stress darstellen.

Folglich lautet die zentrale Forschungsfrage dieser empirischen Arbeit:

- Können Selbstwirksamkeitserwartungen eine wirkungsvolle Ressource gegen Stress darstellen?

3.2 Thesen

Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden im Folgenden Thesen aufgestellt, welche anschließend einer empirischen Überprüfung unterzogen werden.

Wie bereits unter 2.2.3 beschrieben, kann die Stressmessung sowohl auf subjektiver Ebene mittels Fragebögen und Tests als auch auf physiologischer Ebene (z.B. Kortisolmessung) erfolgen. Durch Befragungen ist die Erfassung von Stressoren, subjektiven Stresseinschätzungen sowie emotionalen Stressreaktionen möglich. Biologische Stressreaktionen werden durch physiologische Daten erhoben.

Die einfachste und vermutlich häufigste Erhebungsmethode dürfte sein, die Personen nach ihrem Stressniveau oder mit welchen kritischen Lebensereignissen sie in ihrem Leben konfrontiert wurden zu fragen.

These 1 (T1) lautet somit:

- T1: Die Stressmessung erfolgt in mindestens 90 % der Studien auf subjektiver Ebene.

Selbstwirksamkeitserwartungen werden in der Fachliteratur als wichtige personale Ressource gegen Stress mit protektiver Wirkkraft beschrieben (vgl. 2.3.1 und 2.3.2). Ferner deuten diverse Forschungsbefunde darauf hin, dass ein hohes Maß an Selbstwirksamkeit das Stresserleben einer Person reduzieren kann (vgl. 2.3.3).

Auf Grundlage dieser Hinweise werden die Thesen 2 und 3 (T2, T3) wie folgt aufgestellt:

- T2: Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Grad der Selbstwirksamkeit einer Person und deren Stresserleben.

- T3: Personen mit einer hohen Selbstwirksamkeit haben ein geringeres Stresserleben als Personen mit einer niedrigen Selbstwirksamkeit.

Folgt man den Ausführungen unter 2.1.4, ist anzunehmen, dass Selbstwirksamkeits-erwartungen gezielt gestärkt bzw. aufgebaut werden können und spezielle Interventionsmaßnahmen bzw. Trainings diesen Entwicklungsprozess positiv unterstützen dürften.

These 4 (T4) lautet somit:

- T4: Selbstwirksamkeitserwartungen können durch Interventionsmaß-nahmen gezielt gestärkt bzw. aufgebaut werden.

4 Untersuchungsmethode

Nachfolgend werden die theoretischen Grundlagen für die Durchführung einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring sowie einer Frequenzanalyse aufgezeigt. Des Weiteren werden der Bereich der Operationalisierung und die Vorgehensweise bei der Auswahl der Abstracts sowie die Stichprobe beschrieben.

4.1 Theoretischer Hintergrund

Im Folgenden werden die theoretischen Grundlagen für die Durchführung einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring sowie einer Frequenzanalyse als Analysetechnik beschrieben.

4.1.1 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

Dieser Abschnitt beinhaltet die Beschreibung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.

Nach Maring (2000, 2) stellt die qualitative Inhaltsanalyse „einen Ansatz empirischer, methodisch kontrollierter Auswertung auch größerer Textcorpara dar, wobei das Material, in seinen Kommunikationszusammenhang eingebettet, nach inhaltsanalytischen Regeln ausgewertet wird, ohne dabei in vorschnelle Quantifizierungen zu verfallen.“

Folgende Punkte charakterisieren die qualitative Inhaltsanalyse und können als wesentlich angesehen werden (Mayring 2008, 42ff.):

- Die Einbettung des Datenmaterials in den Kommunikationszusammenhang,
- eine systematische, regelgeleitete Vorgehensweise,
- das Kategoriensystem als zentrales Analyseinstrument,
- die Anpassung an den Untersuchungsgegenstand und die konkrete Studie,
- die Überprüfung der spezifischen Instrumente durch Testläufe,
- die Einbeziehung des aktuellen Forschungsstandes bei allen Verfahrensentscheidungen,
- die Einbeziehung quantitativer Analyseschritte sowie
- die Ergebniseinschätzung nach Gütekriterien.

Auf weitere Ausführungen bzw. vertiefende Erläuterungen soll an dieser Stelle verzichtet werden.[4]

4.1.2 Frequenzanalyse

Im Rahmen dieser Untersuchung wird die Frequenz- bzw. Häufigkeitsanalyse als Analysetechnik angewendet. Auf Grund dessen wird im Folgenden die grundlegende Vorgehensweise bei einem solchen Auswertungsverfahren beschrieben.

Eine Grundtechnik inhaltsanalytischer Verfahren stellt die Frequenzanalyse (Häufigkeitsanalyse) dar. „Die einfachste Art inhaltsanalytischen Arbeitens besteht darin, bestimmte Elemente des Materials auszuzählen und in ihrer Häufigkeit mit dem Auftreten anderer Elemente zu vergleichen“ (Mayring 2008, 13). Die Erfassung der relevanten Textbestandteile erfolgt dabei mit umfassenden Kategoriensystemen. Die Auszählung kann computergestützt geschehen (Mayring 2008, 13f.).

Nach Mayring (2008, 14) wird das Ablaufmodell einer solchen Frequenzanalyse wie folgt beschrieben:

1. Formulierung der Forschungsfrage.
2. Festlegung der Materialstichprobe.
3. Bestimmung des Kategoriensystems, d.h. Definition der Textbestandteile, deren Häufigkeit geprüft werden soll.
4. Definition der Kategorien.
5. Festlegung der Analyseeinheiten (Kodier-, Kontext- und Auswertungseinheit).
6. Kodierung, d.h. Durchgang des Materials mithilfe des Kategoriensystems
7. Verrechnung, d.h. Identifizieren und Vergleichen der Häufigkeiten
8. Darstellung und Interpretation der Resultate

Auf weitere Ausführungen bzw. vertiefende Erläuterungen soll an dieser Stelle verzichtet werden.[5]

4.2 Datenerhebung

Im nächsten Abschnitt werden die Operationalisierung und die Vorgehensweise bei der Auswahl der Abstracts sowie die Stichprobe beschrieben.

4.2.1 Operationalisierung

Um allgemeine Informationen innerhalb der Rubriken „Publikationsinformationen“, „Forschungseinrichtung“, „Stichprobe“, „Methodischer Ansatz“ und „Formen der Selbstwirksamkeit“ zu erhalten sowie die unter 3.2 aufgestellten Thesen einer empirischen Prüfung unterziehen zu können, ist eine Operationalisierung der Variablen notwendig. Hierfür werden zuerst die kategorisierten Variablen aufgelistet, bevor die Operationalisierung sowie die Vorgehensweise bei der Kodierung anhand eines Beispiels erläutert werden. Ferner wird die Vorgehensweise bei der Erhebung von Korrelationskoeffizienten, die die Stärke des Zusammenhangs zwischen Selbstwirksamkeit und Stress abbilden sollen, beschrieben.

Folgende Variablen wurden kategorisiert:

- v1a Datenbank
- v1b Publikationsjahr
- v1c Publikationssprache
- v2a Forschungseinrichtung
- v3a Location
- v3b Probandenzahl
- v3c Probandenzielgruppe
- v3d Probandendurchschnittsalter
- v3e Probandengeschlecht
- v4a Datenerhebungsmethode
- v4b Bezugszeitpunkt
- v5a Stressmessung
- v6a Grad an Generalität oder Spezifität
- v6b Individuelle vs. kollektive Erwartungen
- v7a Korrelationen zwischen Selbstwirksamkeit und Stress
- v7b Stressunterschiede zwischen Personen mit hoher und niedriger Selbstwirksamkeit
- v8a Effekte von Interventionsmaßnahmen auf Selbstwirksamkeit und Stress

Die Variablen v1a bis v4b, v6a und v6b beziehen sich auf den „allgemeinen“ Bereich (Publikationsinformationen, Forschungseinrichtung, Stichprobe, Methodischer Ansatz und Formen der Selbstwirksamkeit) und die Variablen v5a, v7a, v7b und v8a auf den „thesenrelevanten“ Bereich (Art der Stressmessung, Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeit und Stress und Interventionsmaßnahmen) dieser Untersuchung.

Operationalisierung der Variablen „Stressmessung“ (vgl. Tabelle 1) sowie die Vorgehensweise bei der Kodierung:

Um die Variable „Stressmessung“ für die Frequenz- bzw. Häufigkeitsanalyse erfassbar zu machen, wurden die Kategorien „Subjektive Ebene“ sowie „Subjektive und physiologische Ebene“ gebildet. Der Kodierer hatte in diesem speziellen Fall zwei Möglichkeiten die relevante Textstelle gemäß den Ankerbeispielen und spezifischen Kodierregeln zuzuordnen:

(1) Die Studie enthielt Hinweise auf eine Stressmessung auf subjektiver Ebene (Ankerbeispiel: „Zur Evaluation kamen Fragebogenskalen zum Einsatz“ (Lohaus, Fridrici & Maass 2009, 16)) und wurde der Kategorie 1 „Subjektive Ebene“ zugeordnet oder
(2) die Studie enthielt Hinweise die sowohl auf eine Stressmessung auf subjektiver als auch auf physiologischer Ebene (z.B.: „Teachers … were asked to fill in questionnaires at home and to sample early morning saliva” (Schwerdtfeger, Konermann & Schönhofen 2008, 363)) schließen lassen und wurde infolgedessen der Kategorie 2 „Subjektive und physiologische Ebene“ zugeordnet.

Alle im Rahmen dieser Untersuchung verwendeten Kategorienschemen (vgl. die Tabellen 3 bis 10) sind im Anhang dieser Arbeit dargestellt. Auf weitere Beispiele soll deshalb an dieser Stelle verzichtet werden.

Erhebung von Korrelationskoeffizienten aus Zusammenhangsberechnungen zwischen selbstwirksamkeitsbezogenen und stressbezogenen Variablen:

Um Informationen über die Stärke des Zusammenhangs zwischen Selbstwirksamkeit und Stress zu erhalten, wurden die Abstracts oder Artikel nach Korrelationskoeffizienten durchsucht und die Werte in eine Excel-Tabelle übertragen. Zusätzlich wurden die Korrelationskoeffizienten nach der allgemeinen, der bereichsspezifischen sowie der situationsspezifischen Selbstwirksamkeit geclustert. Die dazugehörigen Tabellen 11 bis 14 befinden sich im Anhang. Um die Vorgehensweise an dieser Stelle zu veranschaulichen, wird ein kleiner Ausschnitt der Erhebung in Tabelle 2 dargestellt.

Tabelle 1: Exemplarische Darstellung des Kategorienschemas „Art der Stressmessung“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Tabelle 2: Ausschnitt der Tabelle 11 „Darstellung der Stärke des Zusammenhangs zwischen Selbstwirksamkeit und Stress“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

4.2.2 Auswahl der Abstracts und Stichprobe

Nachfolgend werden die Vorgehensweise bei der Auswahl der Abstracts sowie die Stichprobe beschrieben.

Im Rahmen dieser Untersuchung wurde auf eine quantitative Literaturanalyse von wissenschaftlichen Abstracts bzw. Artikeln zurückgegriffen.

Die systematische Recherche der Abstracts erfolgte über die Datenbanken PsycINFO, PSYNDEX und PsycARTICLES aus dem Fachgebiet Psychologie. Hierfür wurde das Datenbank-Infosystem (DBIS) verwendet.

Um in einem ersten Schritt potenzielle Abstracts bzw. Artikel zu identifizieren, wurden die oben genannten Datenbanken mithilfe einer Stichwortsuche (z.B. Selbstwirksamkeit, Selbstwirksamkeitserwartungen, self-efficacy, Stress, Stresserleben, Stressbelastung, Belastung, Belastungserleben und Burnout) durchsucht. Anschließend wurden die Beiträge anhand des Titels und des Abstracts auf inhaltliche Stimmigkeit mit dem Untersuchungsthema überprüft.

Grundsätzlich wurde darauf geachtet, dass nur „Peer Reviewed Journals“ sowie die aktuellsten Beiträge zuerst in die Analysestichprobe mit aufgenommen wurden.

Die Stichprobe umfasst 80 Abstracts aus dem Veröffentlichungszeitraum 1982 bis 2014, 60 davon inklusive der dazugehörigen Artikel.

Zur Segmentierung und Kategorisierung der Texte wurde das Analyseprogramm MAXQDA eingesetzt. Die statistische Auswertung der extrahierten Sekundärdaten erfolgte mittels Excel.

5 Auswertungsergebnisse

Im Folgenden werden sowohl die Auswertungsergebnisse aus dem „allgemeinen“ als auch aus dem „thesenrelevanten“ Bereich beschrieben und dargestellt.

5.1 Ergebnisse aus dem „allgemeinen“ Bereich

Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Auswertungsergebnisse aus dem „allgemeinen“ Bereich, betreffend die Rubriken „Publikationsinformationen“, „Forschungseinrichtung“, „Stichprobe“, „Methodischer Ansatz“ sowie „Formen der Selbstwirksamkeit“ beschrieben und dargestellt.

5.1.1 Ergebnisse der Rubrik „Publikationsinformationen“

Im Folgenden Abschnitt werden die Häufigkeiten, die die „Datenbank“, das „Publikationsjahr“ sowie die „Publikationssprache“ betreffen, beschrieben.

Datenbank:

Bei der inhaltsanalytischen Abstractanalyse wurden 80 Abstracts aus dem Fachgebiet Psychologie über das Datenbank-Infosystem (DBIS) extrahiert. 41 Abstracts entstammen der Datenbank PsycINFO, 25 Abstracts der Datenbank PsycARTICLES sowie 14 Abstracts der Datenbank PSYNDEX.

[...]


[1] In der nachfolgenden Arbeit wird zur Wahrung der Übersichtlichkeit und besseren Lesbarkeit auf die zusätzliche Verwendung der weiblichen Form verzichtet.

[2] Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden die Begriffe Selbstwirksamkeitserwartungen, Selbstwirksamkeit, Kompetenzerwartungen und Wirksamkeitsüberzeugungen synonym verwendet.

[3] Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden die Begriffe Ergebniserwartung und Konsequenzerwartung synonym verwendet.

[4] Für weitere Informationen siehe Mayring (2000; 2008)

[5] Für weitere Informationen siehe Maring (2008)

Details

Seiten
126
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656767237
ISBN (Buch)
9783656767244
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282399
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Schlagworte
Selbstwirksamkeit Selbstwirksamkeitserwartungen self-efficacy Stress Stresserleben Stressbelastung Belastung Belastungserleben Burnout

Autor

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Titel: Interdependenzen zwischen Selbstwirksamkeitserwartungen und Stress