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Erschließung des Textes "Woher kommen die olympischen Spiele?" von Isabelle Auerbach für eine 5. Klasse

Unterrichtsentwurf 2014 25 Seiten

Pädagogik - Unterrichtsvorbereitung allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Didaktische Grundlegung anhand von Forschungsliteratur

2. Formulierung des Lernziels

3. Sequentierung der Kenntnisse/Fertigkeiten-Komplexe
3.1 Zugang zum Text und zur Tätigkeit des Erschließens eröffnen
3.2 Überblick über Aufbau und Inhalte des Textes ermöglichen
3.3 Zur Untersuchung der faktualen Rede, ihrer Struktur und Bestandteile anleiten
3.4 Auf die Beschreibung des Textes als einer funktional und intentional organisierten Rede hinwirken
3.5 Zur Vertiefung des Texterschließungswissens anregen

4. Ausblick auf die nächste Unterrichtseinheit

5. Anlagen

6. Literaturverzeichnis

1. Didaktische Grundlegung anhand von Forschungsliteratur

Bevor auf das Erschließen eines faktualen Textes eingegangen wird, steht die Schwierigkeit der Abgrenzung von fiktionalen und faktualen Texten im Vordergrund. Auf den ersten Blick klingt dies nach einer leicht zu bewältigen Aufgabe, da in der Regel subjektive Vorstellungen darüber, was einen fiktionalen oder einen faktualen Text charakterisiert, vorhanden sind. Es zeigt sich allerdings, dass das Aufstellen von genauen Definitionen und strikten Abgrenzungen zwischen den beiden Textsorten kaum möglich ist.

So stellt Jost beispielsweise verschiedene Ansätze vor, die versuchen Unterschiede zwischen den Textsorten und Klassifikationssystemen herauszustellen.[1] Es zeigt sich, dass viele Ansätze das Zweckhafte als charakteristisch für einen faktualen Text ansehen. Die Klassifikation von Sachtexten von Christmann & Groeben spiegelt dieses wieder: Sie unterscheiden zwischen Lehr-, Persuasions- und Instruktionstexten.[2] Paule nennt den „deutlichen Verwendungszweck“[3] als wesentlichen Unterschied zwischen den Textsorten. Man muss allerdings konstatieren, dass nicht nur faktuale Texte einen Zweck verfolgen. Jeder Text enthält intentionales und zweckhaftes, sodass dieses Abgrenzungskriterium als nichtig angesehen werden kann.

Abgrenzungsversuche, die das Ästhetische bzw. den Realitätsbezug thematisieren, wie sie bei Jost weiter vorgestellt werden, sind ebenfalls nicht hinreichend zielführend.[4] Die Verknüpfung zwischen Ästhetik und fiktionalen Texten steht außer Frage, jedoch kann diese Verknüpfung ebenso zwischen der Ästhetik und faktualen Texten gezogen werden. Faktuale Texte können auf gleiche Weise ästhetisch formuliert werden, wie es bei fiktionalen Texten häufig der Fall ist und verzichten dementsprechend nicht auf die Ästhetik.

Dass ein Text völlig ohne Realitätsbezug besteht, ist auszuschließen, da dieser vom Rezipienten nicht zu entschlüsseln wäre. Es muss bedacht werden, dass auch ein fiktionaler Text von Schriftstellern der Zeit geschrieben wird. Trotzdem wird der Realitätsbezug häufig als charakteristisch für einen faktualen Text angesehen: „Sachtexte beziehen sich auf Sachverhalte der alltäglichen Wirklichkeit“[5].

Baurmann verweist allerdings auch auf die Aspekte des Wissens und der Kommunikationssituation. Die Wissensübermittlung von Sachtexten soll an dieser Stelle ausgeklammert werden, weil es sich auch hierbei nicht um ein ausschließendes Kriterium der faktualen Texte handelt.[6] Für den schulischen Kontext ist die Kommunikationssystem jedoch von Bedeutung. Baurmann spricht von einem Sachtext, wenn das Kommunikationsniveau fachextern und die Kommunikationspartner aus Experten und Laien bestehen.[7] Dies bedeutet, dass das Wissen in Form des Textes von Experten an Laien vermittelt wird. Dieser Prozess geschieht hier als Integration der neuen Informationen in das vorhandene Vorwissen. Auch unter dem Aspekt der Kommunikationssystem können weitere Klassifikationsüberlegungen angestellt werden, die hier nicht weiter von Bedeutung sind.[8]

Es ist festzuhalten, dass eine strikte Trennung von faktualen und fiktionalen Texten häufig nicht möglich ist. Faktuale Texte können fiktionale Elemente und fiktionale Texte können faktuale Elemente enthalten. Wichtig ist, dass Tätigkeiten wie beispielsweise die Analyse oder Interpretation nicht für bestimmte Textsorten ,reserviert‘ sind. So darf beispielsweise die Interpretation von faktualen Texten nicht ausgeschlossen werden. Auf diese Weise erhalten die Schüler ein Textsortenwissen, das ihre Fähigkeiten im Umgang mit Texten und der Sprache steigern kann. Dementsprechend ist auch das Erschließen eines faktualen Textes in der Schule enorm wichtig. Die folgenden Aufgaben sollen zeigen, wie die Schüler zur Erschließung eines faktualen Textes angeleitet werden können.

2. Formulierung des Lernziels

Die Schüler sollen den Text als informierende Rede charakterisieren, indem sie diese Einschätzung insbesondere am Satzbau (Attribuierung), den bevorzugt auftretenden Sprachhandlungsformen (Beschreiben/Erklären) sowie der Gliederung des Textes nachweisen und diese konzeptionellen Merkmale zu der Titelfrage des Textes in Beziehung setzen.

3. Sequentierung der Kenntnisse/Fertigkeiten-Komplexe

3.1 Zugang zum Text und zur Tätigkeit des Erschließens eröffnen

Der Zugang zum Text und zur Tätigkeit des Erschließens soll in diesem Fall über eine Zeichnung (s. Anlage 2) hergestellt werden. Die Zeichnung befindet sich in der Originalausgabe ebenfalls vor dem Text. Durch die Projizierung an eine Wand im Klassenzimmer kann die Zeichnung für alle Schüler gut sichtbar dargestellt werden. Diese Vorgehensweise verhindert ein mühsames und zeitaufwendiges Austeilen von Kopien, die im Ordner der Schüler abgeheftet werden. Nach der Betrachtung der Zeichnung sollen die Schüler diese beschreiben und erzählen, welche Rückschlüsse sie aus ihr ziehen.

Die Schüler können auf der Zeichnung erkennen, dass drei Sportler auf einem Podium stehen und sich bejubeln lassen. Besonders der Sportler auf dem ersten Platz präsentiert seine Stärke, indem er seine großen Armmuskeln darbietet. Dass der zweite und dritte Platz des Podiums, entgegen der verbreiteten Form, hier seitenverkehrt dargestellt sind, sollte nicht als Problem angesehen werden. Von besonderer Bedeutung jedoch ist die Bekleidung der Sportler. Anhand der T-Shirts können die Schüler erkennen, dass es sich um eine Ehrung der Olympischen Spiele handelt. Dies ist an den Olympischen Ringen auf den T-Shirts festzumachen. Das Vorwissen einiger Schüler der fünften Jahrgangsstufe sollte soweit vorhanden sein, dass dieses Motiv als Erkennungssymbol der Olympischen Spiele dient.

Der Weg zum Podium, der serpentinenartig den Berg hinaufläuft, könnte von den Schülern als Laufstrecke oder ähnliches entziffert werden. Der Berg wird vermutlich als Ort des Wettkampfes identifiziert. Das Gebirge Olymp könnte mit dem Berg in Verbindung gebracht werden. Ferner werden die sportlichen Leistungen, das Podium und die Spitze/ der Gipfel miteinander assoziiert. Die Schüler werden unter Umständen von eigenen sportlichen Erfahrungen oder Erlebnissen rund um die Olympischen Spiele erzählen.

Der obere Rand des Bildes bedarf ebenfalls einer genaueren Betrachtung. Dort verweilen der Gott Zeus und seine Frau Hera mit Trauben und einem Glas Wein auf zwei Wolken und beobachten die Sportler. Dass es sich hierbei um Zeus und Hera handelt, ist nur mit einem ausgeprägten Vorwissen in Bezug auf die antiken Olympischen Spiele oder der Lektüre des Textes zu erkennen. Die Gesichter von Zeus und Hera sehen vergnügt aus. Heras Finger zeigt direkt auf die Sportler. An dieser Stelle könnte ein besonders interessanter Punkt für die Schüler liegen, da sie auf den ersten Blick die Götter, soweit sie diese als Götter identifizieren, nicht in Verbindung mit den Sportlern bringen können. Ein Spannungsfeld entsteht, das sich erst durch die Lektüre des Textes wieder legt.

Es kann konstatiert werden, dass die Schüler einige Aspekte der Zeichnung aus ihren subjektiven Erfahrungen und ihrem Wissen wiedererkennen. Einige Punkte, wie beispielsweise die beschriebenen Götter Zeus und Hera, werden ihnen noch nicht bekannt sein, sodass hier das Interesse der Schüler weiter gesteigert werden kann. Die Sportler auf dem Podest und die Olympischen Ringe werden im besonderen Maße das Interesse der sportaffinen Schüler wecken.

3.2 Überblick über Aufbau und Inhalte des Textes ermöglichen

Nachdem die Illustration den Zugang zum Text und zur Tätigkeit des Erschließens eröffnet hat, wird der Text (s. Anlage 1) im folgenden Schritt an die Schüler verteilt. Jedem Schüler wird eine Kopie des Textes vorgelegt. Zur Erleichterung der Kommunikation wurden die Zeilen des Textes zuvor nummeriert. Die erste Lektüre des Textes geschieht im Klassenverband und erfolgt laut durch die einzelnen Schüler. Eine zweite, leise Lektüre kann daraufhin folgen.

Im Anschluss ist es unbedingt von Nöten, dass unbekannte Wörter geklärt werden, um ein unverfälschtes Textverständnis zu ermöglichen. Besonders ist dabei auf die Halbinsel Peloponnes zu verweisen. Die Bezeichnung der Halbinsel erfolgt mit dem bestimmten Artikel ,der‘, sodass es zu Verwirrungen auf Seiten der Schüler kommen kann. Beispielsweise könnte die Aussage „und zwar in der Stadt Olympia – die liegt auf dem Peloponnes in Griechenland“ (Zeile 12f.) den Eindruck erwecken, dass die Stadt Olympia auf dem Berg Peloponnes liegt, da es im Deutschen üblicher ist Berge mit dem bestimmten Artikel und der Präposition ,auf‘ zu bezeichnen. Der Berg der Illustration zu Beginn könnte diesen Irrtum verstärken. Von daher ist hier eine Klärung unbedingt notwendig. Desweiteren könnten die Wörter „Thermen“ und „Schatzhäuser“ (Zeile 22) erklärungsbedürftig sein, da sie im Sprachalltag von Kindern vermutlich nicht vorzufinden sind.

Die Gliederung des Textes nach inhaltlichen Sinnabschnitten ermöglicht einen Überblick über den Aufbau und Inhalt des Textes. Dabei sollen die Schüler die Elemente herausarbeiten, die sinnbildlich für die Olympischen Spiele stehen. Dies wird in einem Tafelbild festgehalten (s. Anlage 3). Der erste Abschnitt des Textes (Zeile 1-7) thematisiert sowohl das Motto der Olympischen Spiele als auch das Ziel: die Medaillen. Der zweite Abschnitt (Zeile 8-28) behandelt die Entstehung in der Antike. Dabei werden die relevanten Aspekte, wie beispielsweise die Zeit, der Ort oder der Sinn der Olympischen Spiel dargestellt. Hier kann durch die Einführung der Götter Zeus und Hera der Bezug zur Zeichnung hergestellt werden. Die verschiedenen Disziplinen der antiken Spiele werden im dritten Abschnitt (Zeile 29-39) vorgestellt. Dass die antiken Olympischen Spiele lediglich für Männer angelegt waren, wird im vierten Abschnitt dargestellt (Zeile 40-50). Bevor im sechsten Abschnitt (64-75) der Bezug zu den heutigen Olympischen Spielen hergestellt wird, beschreibt der fünfte Abschnitt (Zeile 51-63) das olympische Feuer als Sinnbild der Olympischen Spiele. An ihm wird auch das Aussetzen der Olympischen Spiele bis zum Jahr 1896 verdeutlicht. Schließlich erhalten im letzten Abschnitt (Zeile 76-83) die Medaillen als herausragendes Ziel der Olympischen Spiele wieder Einzug in den Text. Anhand dieser Gliederung können die Schüler erkennen, dass der Text eine Rahmenstruktur aufweist. Nicht nur die Thematik der Medaille sondern auch das Motto in lateinischer Sprache „Citius, altius, fortius“ (Zeile 1, 81) verweisen darauf. Zudem fällt auf, dass sich im Schlussabschnitt viele sinnbildlichen Symbole der Olympischen Spiele (Goldmedaille, Fackel, Stadion, Flagge, Ringe, Motto) wiederfinden.

3.3 Zur Untersuchung der faktualen Rede, ihrer Struktur und Bestandteile anleiten

Bei der Untersuchung der faktualen Rede fällt auf, dass der Text über eine große Anzahl an Adjektiven verfügt. Allein auf der ersten Seite des Textes (S.45) kann man in nur 22 Zeilen weit über zwanzig Adjektive (inkl. des lateinischen Mottos der Olympischen Spiele) finden. Eine Auflistung aller Adjektive im Text ist nicht von Nöten, da die Häufigkeit dieser im Text beachtlich ist. Auffällig ist zudem, dass die attributive Verwendung der Adjektive die am häufigsten angewandte Form im Text ist. Die Schüler können nun dahingehend angeleitet werden, dass sie diese Besonderheit der sprachlichen Gestaltung erkennen und mögliche Gründe dafür herausarbeiten.

Dies kann geschehen, indem sie die in 3.2 herausgearbeiteten charakteristischen Symbole herausschreiben und die verwendeten Adjektive ergänzen. In Anlage 4 wurde dies beispielhaft für das olympische Feuer getan.

Einerseits erkennen die Schüler auf diese Weise die Menge an Adjektiven des Textes, andererseits erfassen sie, dass die Verwendung der Adjektive im Text unterschiedliche Funktionen erfüllen kann. Am Beispiel des olympischen Feuers ist zu erkennen, dass die attributive Verwendung der Adjektive an dieser Stelle neben der Vereindeutigung auch eine veranschaulichende Funktion erhält. Die Schüler erkennen, dass bei der Gestaltung der faktualen Rede Mittel benutzt wurden, um eine bloße Aneinanderreihung von Fakten und damit einhergehend ein langwieriges Lesen des Rezipienten zu vermeiden. Herauszustellen ist die Beifügung „ein weiter Weg!“ (Z. 71), da an dieser Stelle des Textes die deutlichste Wertung vorliegt. Eine ähnliche Wertung, die an dieser Stelle aber nicht thematisiert werden soll, findet sich zudem in der Präpositionalphrase „Zum Glück“ (Z. 59f.) auf der letzten Seite des Textes. Ferner können die Schüler semantisch feststellen, dass viele positiv konnotierte Adjektive benutzt werden (bspw. prächtig, prunkvoll, sportlich, riesig, berühmt, ewig), die weiterhin einen wertenden Eindruck beim Rezipienten herstellen. Fragwürdige oder kritische Aspekte der Olympischen Spiele werden allein dadurch schon ausgeklammert und es entsteht ein zusagendes Bild von den Olympischen Spielen.

Wie bereits erwähnt, stellen die Schüler fest, dass die Adjektive im Text verschieden Aufgaben übernehmen und die semantischen Textart- und Sprachhandlungsformcharakteristika durchkreuzen. Die faktuale Rede erhält durch die Adjektive u.a. Veranschaulichungen, Vereindeutigungen sowie Wertungen. Der attributiven Verwendung können die prädikative und adverbiale Verwendung von Adjektiven im Satz gegenübergestellt werden (z.B. „Denn in der Antike war es Frauen strengstens verboten, das Stadion zu betreten. Auch die Athleten, die keuchend und schwitzend die Wettkämpfe bestritten, waren alle Männer“ (Z. 44ff.)), um die oben genannten Effekte zu verstärken. Allerdings ist hierbei darauf zu achten, dass nicht die Tätigkeit, das Adjektiv hinsichtlich seiner Leistung im Text zu bestimmen der Unterrichtsgegenstand ist, sondern die Tätigkeit des Texterschließens. Die Frage, warum in diesem Text die Verwendung der Adjektive eine wichtige Rolle einnimmt, ist zentral.

[...]


[1] Vgl. R. Jost: Sachtexte versus literarische Texte?. Baltmannsweiler 2005. S. 19f.

[2] Vgl. U. Christmann/N. Groeben: Anforderungen und Einflussflaktoren bei Sach- und Informationstexten. Weinheim und München 2002. S.150

[3] G. Paule: Sachtexte lesen und schreiben – Fächerverbindungen nutzen. Freiburg 2003. S.347

[4] Vgl. R. Jost, 2005, S.20f.

[5] J. Baurmann: Sachtexte lesen und verstehen. Seelze 2009. S. 11

[6] Vgl. ebd., S.10ff.

[7] Vgl. ebd., S.1.

[8] Vgl. ebd., S.12

Details

Seiten
25
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656818243
ISBN (Buch)
9783656838494
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282394
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,3
Schlagworte
Unterrichtsentwurf Latein Isabelle Auerbach Olympische Spiele

Autor

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