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Alea Iacta Est(o). Caesar und die römische Republik von 52 v.Chr. bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges

Seminararbeit 2012 25 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Caesars Probleme 52/51 v.Chr. – Vercingetorix in Gallien und Gegenwind aus Rom
1.1 Die Lage in Gallien: Das letzte Aufbegehren!?
1.2 Die innenpolitische Lage in Rom 52/51

2. Auf dem Weg zum Bürgerkrieg – 50/49
2.1 Auf der Suche nach Kompromissen – das Jahr 50
2.2 Die letzten Verhandlungen
2.3 Rubicon - Der letzte Schritt in den Bürgerkrieg

3. Abschließende Betrachtung zum Ausbruch des Bürgerkrieges

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Einleitung

Alea iacta est – der Würfel ist gefallen!

Jeder dürfte wohl schon einmal von dem heute etwas abgewandelten Sprichwort, „die Würfel sind gefallen“, welches dem berühmten römischen Feldherren und Politikers Gaius Julius Caesar zugesprochen wird, Gebrauch gemacht haben. Es steht in direktem historischem Zusammenhang zu einem weiteren Sprichwort: „den Rubicon überschreiten“. Der griechische Geschichtsschreiber Plutarch und sein römischer Kollege Sueton zeichneten uns das Bild, aus dem diese Sprichwörter hervorgegangen sind. Mit den Worten: „der Würfel ist gefallen!“ überschritt Caesar mit seinen Soldaten Anfang Januar des Jahres 49 v.Chr.[1] den Grenzfluss Rubicon und machte damit den letzten Schritt in den römischen Bürgerkrieg. Inwieweit jedoch die korrigierte Version: „Der Würfel soll geworfen sein!“ sich besser in die historische Betrachtung einfügt, soll ein Aspekt dieser Arbeit sein. Außerdem folgt die Seminararbeit der Kernfrage: Wie kam es dazu, dass Caesar gegen die bestehende Ordnung in Rom rebellierte und am Ende Römer gegen Römer zu Felde zogen?

Besonders über Caesar und dessen Wirken in der römischen Republik haben wir bemerkenswert viele Quellen. Diese Quellenvielfalt liefert uns ein relativ klares Bild dieser Zeit. Der Hausarbeit liegen neben wichtiger Sekundärliteratur von Experten wie Christian Meier, Martin Jehne und Kurt Raaflaub, auch die einschlägigen Quellen über die Geschehnisse dieser Jahre zugrunde. Ich stütze meine Ausführungen auf Caesars eigene Berichte über den Gallischen- und den Bürgerkrieg, die Briefsammlung seines Zeitgenossen und Senators Cicero, auf die Geschichtsschreibungen aus dem 1. und 2. Jahrhundert des griechischen Historikers Plutarch, des römischen Kaiserbiographen Sueton und des römischen Geschichtsschreibers Appian sowie auf die Bücher 40/41 des Senator und Geschichtsschreiber aus dem 2. und 3. Jahrhundert Cassius Dio.

Den Startpunkt dieser Hausarbeit setzt der Aufstand des Vercingetorix in Gallien im Jahre 52. Caesar, der sich im sogenannten ersten Triumvirat mit Crassus und Pompeius verbündete und 59 das Konsulat bekleidete, führte als Statthalter seit mehr als fünf Jahren Krieg in Gallien. Durch viele Rechtsbrüche während seines Konsulats hatte sich Caesar einige Feinde in Rom gemacht. Noch war der große Feldherr aber nicht angreifbar. Das Blatt sollte sich allerdings bald zu Ungunsten Caesars wenden. Steigen wir nun direkt im Jahre 52 in den historischen Prozess ein.

1. Caesars Probleme 52/51 v.Chr. – Vercingetorix in Gallien und Gegenwind aus Rom

1.1 Die Lage in Gallien: Das letzte Aufbegehren!?

„Nochmal erhebt sich Kampfgeschrei von beiden Seiten. Da taucht im Rücken der Feinde die römische Reiterei auf, die Caesar […] dorthin gesandt hatte. In diesem Augenblick endlich wendet sich die Schlacht. Die Gallier der Ersatzarmee werden durch den plötzlichen Schrecken übermannt, brechen den Angriff ab und geraten in Flucht. Als sie das sehen, ziehen sich auch die Männer des Vercingetorix zurück. Die Römer sind inzwischen zu erschöpft, um den Fliehenden zu folgen. Nur die Reiterei erreicht noch die Nachhut und tötet viele der Gegner. Das gallische Heer löst sich auf. Die Schlacht ist verloren, das Land hat seine Freiheit verwirkt.“[2]

So lebhaft beschreibt einer der berühmtesten Althistoriker Deutschlands, Christian Meier den Ausgang der letzten Schlacht des sogenannten Vercingetorix‑Aufstandes bei Alesia. Dieser letzte großangelegte Aufstand der gallischen Stämme im Jahr 52 wurde von dem Averner Vercingetorix angeführt. Sein römischer Gegenspieler Gaius Julius Caesar[3] widmete das gesamte 7. Buch seines „lateinischen Klassikers“comentarii de bello gallico dem gallischen Aufstand und Vercingetorix, welchen er dort selbst als „junger Mann von höchstem Einfluss“[4] beschrieb . Für Caesar stand eine Menge auf dem Spiel, denn eine Niederlage in Gallien hätte auch das Aus für seine politische Karriere bedeutet. Er hatte den gallischen Krieg provoziert und seit 58 auch zahlreiche Schlachten erfolgreich geschlagen, aber mit dem Aufbegehren der gallischen Stämme unter Vercingetorix wurde deutlich, dass Gallien noch längst nicht befriedet war. Später wird er in seinem Buch die Schuld für den Ausbruch des Aufstandes auf die innenpolitische Lage in Rom schieben, welche sich immer mehr gegen Caesar zu richteten schien.[5] Wenn man die Lage jedoch etwas nüchtern ins Auge fasst, dann wird dies nicht der einzige Grund gewesen sein. Man mag sich gut vorstellen können, welchen Freiheitsdrang die unterdrückten Gallier gehabt haben müssen. So konnte ihre letzte Konsequenz nur ein erneutes Greifen zu den Waffen sein. Dank der überlegen Kriegskunst, vor allem im logistischen Bereich und der oft gerühmten Fähigkeiten des großen Feldherren Caesar, gingen die römischen Truppen siegreich aus dem Vercingetorix-Aufstand hervor. Der feindliche Feldherr wurde für den nächsten Triumphzug gefangen genommen und in Rom feierte man den Sieg mit einem zwanzigtägigen Dankesfest (supplicatio).[6]

Aber war der Vercingetorix-Aufstand wirklich das letzte Aufbegehren der gallischen Stämme? Nein – unter einer Fahne, wie die des Averners haben sie sich so schnell nicht wieder vereinen können, jedoch rüsteten sie nun einzeln zum Krieg, um im ganzen Land kleinere Schlachten gegen die Römer zu schlagen. Dies blieben allerdings nur kleine Nachwehen des Krieges von 52 und spätestens 51 bekam Caesar die Lage wieder in den Griff. Auch wenn von einer Befriedung Galliens nun immer noch nicht die Rede sein kann und die Gallier sicher jeder Zeit bereit gewesen wären, sich gegen die Römer zu rüsten, so kann man Caesar jedoch bescheinigen, dass er mit gewisser Härte, aber auch gut gestreuter Milde und Belohnungen für Verbündete, eine gewisse Ruhe im transalpinischen Raum hergestellt hatte. Diese relative Beruhigung brauchte er auch, denn in den folgenden Jahren sollte sich die innenpolitische Lage für ihn mehr und mehr zuspitzen.[7]

1.2 Die innenpolitische Lage in Rom 52/51

Im Rom der Fünfziger Jahre verlief nicht alles zugunsten des gallischen Statthalters Caesar. Zwar konnte der bereits 60 geschlossene Dreibund[8] zwischen Pompeius, Crassus und Caesar 56/55 erneuert werden, aber besonders zwischen Pompeius und Caesar begannen sich Spannungen aufzubauen. Der Senat sah Caesar als größeres Übel und söhnte sich mit dem in Rom verweilenden Pompeius zusehends aus. Dies und der offensichtlich aufkommende Neid Pompeius auf die großen Erfolge des Feldherrn Caesar brachte ihre Freundschaft ins Wanken.[9] Doch Julia, die Tochter Caesars und Frau des Pompeius, war immer noch ein wichtiges Bindeglied und konnte die Männer in manch verfahrener Situation wieder zusammen führen. Als diese im August 54[10] bei der Geburt ihres Kindes starb, hinterließ ihr unerwarteter Tod eine starke Bruchline zwischen den beiden Männern. Hinzu kam, dass Crassus, der Dritte im Bunde, in einem Feldzug gegen die Parther auf dem Feld blieb.[11] Crassus bekam in der Abmachung von Lucca die Statthalterschaft über Syrien und wollte mit einem Krieg gegen die Parther auf militärischer Ebene mit Pompeius und Caesar gleichziehen. Das kostete ihm das Leben und stellte die Verhältnisse im antiken Rom auf den Kopf. Damit brach am 15. Juni 53 bei der Schlacht von Carrhae das sogenannte erste Trimvirat auseinander.[12] Das Loch, welches der einflussreiche Crassus hinterließ war nicht zu stopfen. Jedoch der Tod der Julia hätte mit einer neuen familiären Bindung zwischen Caesar und Pompeius verschmerzt werden können. Caesar bot seinem alten Freund Pompeius seine Nichte Octavia zur Frau und wollte im Gegenzug Pompeius Tochter Pompeia ehelichen.[13] Pompeius ging auf diese erneute Familienpolitik Caesars nicht ein und heiratete Cornelia, die Tochter des Quintus Caecilius Metellus Scipio. Diese Verbindung war durchaus symbolträchtig, da Scipio zum engen Kreis der Optimaten zählte und damit ein erklärter Gegner Caesars war.[14]

In Rom herrschte derweil innenpolitisches Chaos. Gewalt und Bestechung standen auf der Tagesordnung, besonders wenn es um Politik und Wahlen ging. Für das Jahr 52 bewarben sich wieder zwei gewaltbereite Kandidaten für die höchsten Staatsämter. Der Optimat Titus Annius Milo für das Konsulat und der Popular Publius Clodius Pulcher für die Prätur. Clodius sollte ein politisches Gegengewicht zur anwachsenden Macht des Pompeius bilden, da Caesar in Gallien alle Hände voll zu tun hatte. Soweit kam es jedoch nicht, denn Milo ermordete Clodius am 18. Januar 52 auf der Via Appia. In Folge dessen brachen erneute Unruhen aus. Cassius Dio berichtet uns, dass die Massen durch die Reden der Volkstribune auf dem Forum so in Rasche gerieten, dass sie fast „die ganze Stadt in Asche legte[n]“[15]. Sie zündeten das Senatsgebäude und den vorher dort aufgebarten Clodius an und wollten danach sogar das Haus des Mörders selbst anzünden. Der Senat hielt sogleich eine Sitzung auf dem Palatin ab und übertrug den Schutz der Stadt Pompeius und den Volkstribunen. Außerdem beschloss der Senat, dass ein interrex gewählt werden sollte.[16]

All das bedeutet im antiken Rom Notstand und damit durfte Pompeius mit seinen Truppen in die Stadt einrücken, um die Ordnung wieder herzustellen. Pompeius war in der Rolle, die er für sich selber sah, nämlich der große Retter der über den Dingen steht. Dass ihn der Senat so ins Vertrauen zieht, sollte ihn nur noch weiter von Caesar entfernen. Aber die Senatoren gingen noch weiter. Um Pompeius nicht zum Diktator machen zu müssen und Caesar keine politische Plattform vor der aufgebrachten Öffentlichkeit zu geben, übertrug man Pompeius ein neuartiges Amt. Er wurde am 25. Februar 52 zum consul sine collega[17]. Dies war ein Kompromiss zwischen der klaren Ablehnung Catos und seiner Anhänger, Pompeius die Diktatur anzutragen und der Forderung Caesars und seiner Vertreter, in Rom ein gemeinsames Konsulat der beiden verblieben Triumvirn einzurichten.[18]

Damit Caesar sich durch das alleinige Konsulat des Pompeius nicht zu benachteiligt sah, drückte Pompeius mit Hilfe der Volkstribune den Beschluss durch, dass Caesar sich für 48 in absentia für das Konsulat bewerben durfte.[19] Diese außergewöhnliche Möglichkeit, für Caesar sich in Abwesenheit um ein Amt bewerben zu dürften, verhindert, dass Caesar als Privatmann nach Rom kommen musste, um sich zu bewerben. Er wäre so weiterhin Statthalter gewesen und danach nahtlos wieder in die römische Innenpolitik zurückgekehrt. Solch eine Bewerbung in Abwesenheit war jedoch verfassungswidrig, da eine persönliche Vorstellung als Konsulatsbewerber von Nöten war.[20] Ein Gesetz des Crassus von 55 legte bereits fest, dass über Caesars Nachfolger in Gallien erst am 1. März 50 verhandelt werden durfte. Da über die spätere Statthalterschaft eines Konsuls vor seiner Wahl entschieden werden musste (lex sempronia) und diese Mitte eines Jahres stattfand, konnten erst die Amtsträger des Jahres 49, die im Sommer 50 gewählt wurden, als Nachfolger Caesars bestimmt werden. Deren prokonsularische Amtsgewalt hätte damit am 1.1.48 begonnen und wenn Caesar in Abwesenheit im Sommer 49 zum Konsul für das Jahre 48 gewählt wurden wäre, hätte es für seine Gegner keinen Raum für eine Anklage gegen ihn gegeben, denn er wäre zu keinem Zeitpunkt ein Privatmann und damit ohne Amtsimmunität gewesen.[21]

Pompeius machte diesen Plan mit seinen Gesetzten als consul sine collega dann aber zu Nichte. Zunächst stellte er die Ordnung in Rom wieder her und ließ Gesetze gegen Gewalt und Bestechung verabschieden. Danach widmete er sich der Ausbeutung in den Provinzen. Da ein Wahlkampf in Rom sehr teuer werden konnte, war es zusehends der Regelfall, nach einem Amt in der Magistratur, seine zugewiesen Provinz dafür zu nutzen, seine finanziellen Mittel wieder aufzufrischen. Nach dem neuen Gesetz (lex de provinciis) musste eine fünfjährige Pause zwischen Prätur oder Konsulat und einer Statthalterschaft eingelegt werden.[22] Dies zog zwei entscheidende Folgen nach sich: zum einen konnten die Konsuln für ihre Taten sofort zur Rechenschaft gezogen werden, da sie nicht wie Caesar 58 einfach in ihre Provinz fliehen konnten. Zum anderen konnte Caesar jederzeit nach dem 1. März 50 ein Nachfolger geschickt werden, denn nun kamen ja alles Prätoren und Konsuln vor 55 dafür in Frage. Aber es kam noch härter, denn Pompeius erneuerte ein Gesetz (lex de iure magistratuum), welches die persönliche Bewerbung für ein Amt in der Magistratur wieder strikt vorschrieb. Als die Volkstribune ihn daran erinnerten, dass man Caesar erst per Volksbeschluss eine Bewerbung in absentia gestattet hatte, tat Pompeius so, als hätte er dies vergessen und ließ an das bereits in Bronze gegossen Gesetz eine Fußnote über den Ausnahmefalle des gallischen Statthalters anbringen. Diese Fußnote besaß natürlich keinerlei Rechtsverbindlichkeit.[23]

Der Bruch zwischen den ehemaligen Verbündeten wurde immer deutlicher auch da sich Pompeius nach einem halben Jahr als Konsul ohne gleichberechtigten Amtskollegen wieder einen zweiten Amtsträger ins Boot holte. Denn auch diese Wahl hatte, wie schon die Heirat mit Cornelia, eine Signalwirkung. Er nahm sich seinen Schwiegervater, den harten Optimaten Quintus Caecilius Metellus Scipio zum Kollegen.[24] Pompeius näherte sich den Optimaten immer mehr an, was auch dadurch deutlich wurde, dass sein politischer Berater ausgerechnet Cato wurde.

All das musste Caesar wohl veranlasste haben, sich ernsthafte Sorgen über seine Zukunft zu machen. Es drohte die Gefahr, dass er als Privatmann nach Rom zurückkehren musste. Dann wäre ihm mit Sicherheit der Prozess gemacht worden. Seine Sorge war folglich nicht unberechtigt, denn seine Feinde warteten nur darauf, den Konsul von 59 in die Finger zu bekommen, und ihre Chancen standen gut, denn nachdem man Pompeius zusehends auf die Seite der Optimaten holen konnte, war Caesar angreifbarer geworden. Wie im Falle des ermordeten Clodius hätte man wohl auch einen Prozess unter militärischen Schutz durchgeführt, um Caesar für seine Rechtsbrüche während seines Konsulats 59 ins politische Exil zu schicken.[25]

Das Jahr 52 endete für Caesar mit weiteren kleineren Feldzügen in Gallien, deshalb musste er im Winter dort bleiben. Die Gesetze des Pompeius des Jahres 52 waren keinesfalls unnütz. Wenn man sie losgelöst von der Situation Caesars betrachte, waren sie wichtige Reformen für die römische Politik. Jedoch die Perspektive Caesars zeigt, dass die Verhältnisse sich 52 stark zu wandeln begannen. Pompeius bekam außergewöhnliches Vertrauen vom Senat ausgesprochen, stellte die Ordnung in Rom wieder her und konnte sein prokonsularisches Imperium über die spanischen Provinzen um weiter fünf Jahre verlängern lassen. Caesar hingegen sieht sich in der Gefahr, nach seinem Prokonsulat als Privatmann in Rom berechtigter Weise angeklagt zu werden.[26]

Das Jahr 51 begann wiederrum mit einer Flanke gegen Caesar. Der neue Konsul von 51 Marcus Claudius Marcellus hielt vor dem Senat eine Rede gegen Caesar, in der er formal den gallischen Krieg als beendet ansieht und ihm ein Nachfolger geschickt werden müsse. Wie schon ausgeführt, war Gallien sicher noch nicht befriedet, aber allein die Behauptung stellte Caesars Statthalterschaft in Frage. Weiterhin sah er die Caesar gewährte Bewerbung in absentia als rechtswidrig an, denn das im Vorjahr durch Pompeius eingebrachte Gesetz müsse allgemeine Gültigkeit haben. Auch der Zusatz, dass für Caesar eine Ausnahme gemacht werden sollte, sei nicht bindend, da er nicht durch einen Volksbeschluss ratifiziert wurde.[27] Die caesarianischen Volkstribunen und der Mitkonsul des Marcellus, Servius Sulpicius unterstützten den Antrag jedoch nicht. Sie begründeten es unteranderem mit dem Gesetz von 55 nachdem erst am 1. März 50 über einen Nachfolger Caesars entschieden werden durfte. Somit stand Marcellus weitestgehend allein da. Dennoch war hiermit eine weitere Verschärfung in der Auseinandersetzung zwischen Republikanern und Caesarianern zu beobachten. Besonders auffällig hierbei ist die unklare Positionierung des Pompeius, wodurch er weiter auf die Seite der Gegner Caesars rutscht. Auch Cicero stellte im achten Brief seines Briefwechsels mit seinem Freund Atticus fest, dass Pompeius sprichwörtlich zwischen zwei Stühlen sitzt und es nicht vermochte klare Entscheidungen zu treffen.[28] Gründe dafür waren wohl zum einen, dass Pompeius sich über den Dingen stehend glaubte und als der große und weise Vermittler auftreten wollte. Andererseits stand er den Absichten seines alten Verbündeten wohl auch etwas misstrauisch gegenüber.[29]

Am 29. September 51 zeigte sich nun die Konsequenz aus dem Statthaltergesetz des Pompeius von 52 (lex de provinciis). Der Senat lehnte zwar die im April gestellten Forderung des Marcellus, Caesar sofort einen Nachfolger zu senden, ab, aber man beschloss, sofort am 1. März 50 über einen Nachfolger zu konferieren. Damit schickte man Caesar eine eindeutige Botschaft. Sein Kommando in Gallien würde im nächsten Jahr auslaufen und danach würde er ohne offizielles Amt und der damit verbunden Immunität dastehen. Cicero ging in einen Brief an seinen Freund Caelius sogar soweit, dass er diesen 29. September als Startpunkt des Bürgerkrieges setzte.[30]

[...]


[1] v.Chr. – Alle Jahreszahlen dieser Seminararbeit beziehen sich auf die Zeit „vor Christus“

[2] MEIER, Christian: Caesar, Berlin 1982. S.397.

und zum Ausgang der letzten Schlacht: vgl. CAESAR: Der Gallische Krieg, 7, 69-89.

[3] Im Folgenden nur noch Caesar.

[4] Vgl. CAESAR: Der Gallische Krieg, 7, 4, 1.

[5] Vgl. ebd. 7, 1.

[6] Vgl. JEHNE, Martin: Caesar, München 2011 (2. Aufl.) S.66-69.

[7] Vgl. MEIER: Caesar, S.398-402.

[8] Sogenanntes Erstes Triumvirat zwischen Caesar, Pompeius und Crassus 60 v.Chr.; „[…] einen Bund, zu dem Zweck, daß nichts im Staate geschehen solle, was einem von ihnen mißfiele.“ SUETON: Gaius Julius Caesar, 19, 2.

[9] Vgl. JEHNE, Martin: Der große Trend, der kleine Sachzwang und das handelnde Individuum / Caesars Entscheidungen, München 2009. S.83f.

[10] Zeitangabe: August 54 – vgl. WILL, Wolfgang: Julius Caesar. Eine Bilanz, Stuttgart 1992. S.123.

[11] Vgl. CASSIUS DIO: Römische Geschichte, 40, 44, 2-3.

[12] Vgl. BALTRUSCH, Ernst: Caesar und Pompeius, Darmstadt 2011 (3., bibliograph. aktualis. Aufl.), S.85 und vgl. MEIER, Christian: Res publica amissa. Eine Studie zu Verfassung und Geschichte der späten römischen Republik, Frankfurt 1988 (2. Aufl.), S.287.

[13] SUETON: Gaius Julius Caesar, 27, 1.

[14] Vgl. JEHNE: Caesar S.66; Entscheidung des Pompeius, die Heirat abzulehnen fiel wohl Ende Januar 52 v.Chr. – vgl. WILL: Julius Caesar. Eine Bilanz, S.128.

[15] CASSIUS DIO: Römische Geschichte, 40, 49, 2.

[16] Vgl. CASSIUS DIO: Römische Geschichte, 40, 48-49 und zur Vertiefung der Ereignisse Vgl. WILL: Julius Caesar. Eine Bilanz, S.124ff.

[17] Consul sine collega – Konsul ohne Amtskollegen. Sueton schriebt hierzu: „Der Senat hatte deshalb beschlossen, es solle nur ein Konsul, und zwar Gnäus Pompjeus, gewählt werden.“ SUETON: Gaius Julius Caesar, 26, 1.

[18] Vgl. CASSIUS DIO: Römische Geschichte, 40, 50, 3-5.

[19] Vgl. ebd. 40, 51, 2.

[20] Zur Verfassungswidrigkeit des plebiscitum de petitione Caesaris vgl. CICERO: Atticus-Briefe, 7, 1, 4.

[21] Vgl. WILL: Julius Caesar. Eine Bilanz, S.129.

[22] Vgl. CASSIUS DIO: Römische Geschichte, 40, 56, 1 – „Er bestätigte auch den kurz zuvor gefaßten Beschluß, wonach diejenigen, welche in der Stadt ein Amt bekleidet hatten, erst nach Ablauf von fünf Jahren für ein Kommando draußen in der Provinz ausgelost werden sollten.“

[23] Vgl. CASSIUS DIO: Römische Geschichte, 40, 56, 1 – „Gesetz über Wahlen, das all denen, die ein Amt anstrebten, auf jeden Fall vor der Volksversammlung zu erscheinen befahl, so daß keiner in Abwesenheit gewählt werde.“; vgl. (für den gesamten Absatz) JEHNE: Caesar, S. 72f.

[24] Vgl. CASSIUS DIO: Römische Geschichte, 40, 51, 2.

[25] Vgl. JEHNE: Der große Trend, S. 85f und vgl. CASSIUS DIO: Römische Geschichte, 40, 60, 1.

und vgl. SUETON: Gaius Julius Caesar, 29, 2 und im Besondern den gesamten Aufsatz von G. R. Stanton - vgl. STANTON, G. R.: Why did Caesar cross the Rubicon?, in: Historia 52 (2003), S.67-94 und zur genaueren Beschäftigung mit den Rechtsbrüchen Caesars in seinem ersten Konsulat 59 - vgl. MEIER, Christian: Die Ohnmacht des allmächtigen Dictators Caesar, Frankfurt 1980. S. 50ff.

[26] Vgl. MEIER: Caesar, S. 398f; Verlängerung der Statthalterschaft über die spanischen Provinzen vgl. CASSIUS DIO: Römische Geschichte, 40, 56, 2.

[27] Vgl. SUETON: Gaius Julius Caesar, 28, 2-3.

[28] Vgl. CICERO: Atticus-Briefe, 8, 4, 4.

[29] Vgl. RAAFLAUB: Dignitatis contentio, S.27f. und vgl. BALTRUSCH: Caesar und Pompeius, S.87f.

[30] Vgl. CICERO: An seine Freunde, 8, 8.

Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656818205
ISBN (Buch)
9783656818212
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282384
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Römische Antike Caesar Römischer Bürgerkrieg Pompeius

Autor

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Titel: Alea Iacta Est(o). Caesar und die römische Republik von 52 v.Chr. bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges