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Wird die „Selbstregulierung“ nach Norbert Elias und das „Über-Ich“ nach Sigmund Freud vom Internet beeinflusst?

Hausarbeit 2014 12 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Die Theorie von Norbert Elias

2.1 Der Prozess der Zivilisation

2.2 Selbstregulierung

3.Drei-Instanzen-Modell nach Sigmund Freud

4.Der Vergleich der Selbstregulierung mit dem Internet
4.1 Sinkende Schamschwelle
4.2 Internetspiele

5.Fazit

6.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jedem Menschen wird vom Kindesalter an, moralisches Denken und Handeln beigebracht. In dem Moment, wo wir uns jedoch in einer Situation befinden, in der die Moral, der Lust im Weg steht, fragt man sich was denn nun das „richtige“ sei. Woher kommt das Wissen über „richtig“ und „falsch“ und wie werden diese beeinflusst? Vor allem, wie sehr werden sie von den Medien beeinflusst

Mit der Antwort dieser Fragen haben sich viele Soziologen und Psychologen beschäftigt. Einer von Ihnen ist Norbert Elias, der sein bedeutendstes Werk „Über den Prozess der Zivilisation“ (1939) geschrieben hat. Der Soziologe erwähnt, in wie fern unsere Selbstkontrolle von der Zivilisation abhängt und von ihr geprägt wird. Um es auch von der psychologischen Ebene zu betrachten, werde ich den als Begründer der Psychoanalyse bekannten Sigmund Freud aufgreifen und seine Theorie, die als „Drei- Instanzen-Modell“ bezeichnet wird, mit der Theorie von Elias vergleichen. Die Theorie von Elias kokettiert sehr mit dem "Über-Ich" Freuds - immerhin sieht jener Autor die gesamte Entwicklung der westlichen Hemisphäre als eine Art "Etablierung" besagter Instanz. Das bedeutet je mehr sich Westeuropa zivilisierte, desto mehr war der Menschentyp "Westeuropäer" im technischen Fortschritt begriffen. Umso mehr technischer Fortschritt geschah, umso mehr mussten Arbeitsprozesse zer- und geteilt werden (siehe Marx` "Entfremdung"). Für erfolgreiche Arbeitsabläufe, die sukzessive aus den Familienstrukturen herausgehoben wurden, mussten nun an sich Fremde kooperieren können - man musste folglich zusammen arbeiten, leben, ja miteinander auskommen können. Deswegen flossen mehr und mehr Ge- und Verbote ins "Über-Ich", scheinbar soziales Verhalten wurde begünstigt, scheinbar "asoziales" reglementiert. Interessant hierbei ist, dass die Triebstruktur des Menschen sich wieder und wieder "legale" Freiräume schafft, um dem "Es" doch noch huldigen zu können (siehe Internet). In wie fern die Theorien in der Zeit des Internets noch anwendbar sind und ob die Peinlichkeitsschwelle, die laut Elias ein wichtiger Faktor für die Selbstregulierung ist, weiter vorrückt, werde ich in meiner Wissenschaftlichen Arbeit bearbeiten.

2. Die Theorie von Norbert Elias

2.1 Der Prozess der Zivilisation

Kein Mensch ist von Natur aus zivilisiert, jedoch besteht hierfür bei jedem die Naturelle Anlage, die Elias als „individuelle Selbstregulierung“ bezeichnet, welches ein wichtiger Faktor für die Zivilisation ist (Elias 2003: 446). Die Zivilisation hier, wird von Elias im Sinne von einer „[...] langfristige[n] Veränderungen der Verhaltensstandarde“ gedeutet, um die Assoziationen und Vorurteile des Wortes zu neutralisieren (Elias 2006: 334). Die Zivilisation ist nichts, was von Menschen bewusst durch Erziehung oder Planung hervorgebracht worden ist(Elias 1980: 313). Faktoren, die zu sozialen Veränderungen führen sind z.B. technischer Fortschritt, Differenzierung der Gesellschaft wie auch Konkurrenz- und Ausscheidungskampf zwischen Menschen und Menschengruppen (Elias 1980: 315 f.). Diese sozialen Veränderungen führen zu von Elias als „Figuration“ bezeichneten Phänomen(Elias 2003: 88-91).

„Als Figurationen bezeichnet Elias die Interdependenzgeflecht, die die einzelnen Menschen und ihre Motive aneinander binden und sie dazu bringen, in einer ganz spezifischen Weise, in der sie vielleicht nicht handeln würden, wenn sie wirklich völlig frei, also frei von sozialen Abhängigkeiten wären.“ (Baumgart und Eichener: 1991: 102).Folglich führt der steigende Konkurrenzdruck und der Zwang zur Produktivitätssteigerung dazu, dass sich jedes Mitglied der Gesellschaft ihr einordnet und mit seinen Handlungen, die an ihn gerichtete Erwartung zu erfüllen versucht (Kim 1995: 196). Um den Erwartungen in der Gruppe gerecht zu werden, muss jedes Mitglied berechenbar und rational handeln, was letztendlich zur Selbstregulierung führt, die Elias bei jedem Menschen von Natur aus veranlagt sieht(Kim 1995: 196-197; Elias 2003: 446). Das Zusammenwirken dieser Einzelnen Umstände, die im Laufe der Geschichte sich zu vermehren scheinen, sind die einzelnen Teile ohne die eine Zivilisation nicht existieren könnte(Elias 1980: 316). Denn Zivilisation ist weder etwas „vernünftiges“, „rationales“ oder „irrationales“ (Elias 1980: 316). Sie wird durch die Eigendynamik des Beziehungsgeflechtes erhalten (Elias 1980: 316).

Mit steigender Dichte des Interdependenzgeflechtes und der steigenden Anzahl an Beteiligten, ist die Existenz des Einzelnen in der Gruppe, der die Selbstkontrolle nicht vollständig im Griff hat, bedroht (Elias 1980: 321-322). Infolge dessen werden bereits in jungen Jahren dem Kind die Handlungsketten, die ein Verhalten mit sich bringt, bewusst und es ordnet sich den Gesetzmäßigkeiten der Zivilisation unter (Elias 1980: 322).

2.2 Selbstregulierung

Elias schreibt, dass der gesellschaftliche Zwang der Grund für den Selbstzwang ist (Elias 1980: 316). Da dieser uns seit der Kindheit begleitet, nehmen wir ihn als Selbstverständlich und von Natur aus gegeben wahr (Elias 1980: 312). Dabei bestimmen gerade diese Gebote und Verbote, die wir meist ohne Bedenken akzeptieren, den Wandel der Zivilisation (Elias 1980: 324). „Nicht die Zivilisation ist das eigentlich fest Bestehende, sondern der sich verändernde Zwang zum Selbstzwang und das Erlernen individueller Selbstregulierungen im Zusammenleben mit anderen Menschen“ (Korte 2004: 126). Denn mit dem Fortschritt der Technik finden die Beziehungen zwischen Fremden Menschen häufiger statt, was unabdinglich zum Wandel der Ge- und Verbote und gleichzeitig zum Wandel der Zivilisationsstruktur führt (Kim 1995: 66f.). Diese Beobachtung kann man Rückblickend zur Zeit der Industrialisierung einordnen. Die Menschen, die den Großteil ihres Leben mit der Familie verbrachten, waren in den Fabriken mit dem Umgang der zahlreichen fremden Mitarbeiter überfordert. Denn die Benimmregeln waren zumeist anders als bisher bekannt. Somit wurde das soziale Geflecht der Menschen untereinander immer größer, was zur bereits genannten, erhöhten Selbstregulierung führte und diese sich auf die nächsten Generationen ausweitete.

Die zunehmende Affektkontrolle ruft den sanfteren (gewaltloseren) Umgang mit den Mitmenschen hervor, was nach Elias das zentrale Element des Prozesses der Zivilisation ist (Münch 2004: 366). Jedoch gibt es in unserer Gesellschaft Ausnahmen, wo der Verlust der Kontrolle erlaubt und sogar gefordert wird. Hierzu gehört der Fußballfan im Stadion, der seine Emotionen durch das Anfeuern der Lieblingsmannschaft, auslebt. Denn im Stadion sind im Vergleich zum Arbeitsleben, andere Bezugsgruppen, die andere Erwartungen haben. Daraus kann man schließen, dass trotz der erhöhten Forderung an Selbstregulierung, der Mensch dennoch Orte braucht, wo man diesem Zwang nicht ausgesetzt ist.

3. Drei-Instanzen-Modell nach Sigmund Freud

Bei dem sogenannten „Drei-Instanzen-Modell“ geht es um die drei verschiedenen Instanzen, die laut Freud den „psychischen Apparat“ des Menschen darstellen (Freud 1972: 9). Das „Es“ ist die Instanz, der unsere Triebe und Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Aggression und sexuelles Verlangen, zugehören (Lohmann und Pfeiffer 2006: 121f.). Sie ist uns unbewusst (also nicht bewusst Abruf- oder Steuerbar) und besteht bereits seit der Geburt und ist daher die älteste der drei Instanzen (Freud 1972: 9f.). Freud unterteilt das Es in zwei Triebarten, dem „Eros“ und dem „Todestrieb“ (Freud 1923: 22ff.). Der Eros-Trieb ist für das Verbinden, das sexuelle Verlangen, und die Erhaltung gedacht (Freud 1923: 23). Der Todestrieb jedoch, für die Zerstörung und Aggression (Freud 1923: 23f.).

Diese Zwei gegensätzlichen Triebe teilen dem „Ich“, der zweiten Instanz, ihre Bedürfnisse mit (Lohmann und Pfeiffer 2006: 122). Das Ich ist jene Instanz, wo die Wahrnehmung, Erinnerung, das Denken, also die bewussten Vorgänge stattfinden (Tillmann 1989: 60). Somit kommt es immer wieder zu einem Konflikt zwischen dem Ich und dem Es, wo dann entschieden wird, wer die Kontrolle übernimmt (Freud 1923: 19f.). Falls beispielsweise das Es dem Ich mitteilt, dass der Hunger gestillt werden muss, überlegt das Ich ob man dieser Tätigkeit sofort nachgehen soll, oder man sie auf einen späteren Zeitpunkt verschieben kann. Die Dritte und letzte Instanz ist das „Über- ich“ und wird durch die Erziehung, den Vorbildern, der Tradition und den sozialen Ansprüchen geprägt (Freud 1972: 10f.). Diese leitet in gewissen Situationen die moralischen Bedenken an das Ich weiter (Freud 1972: 11). Derweil kann es zu einem Konflikt zwischen dem Es und dem Über-Ich mit dem Ich kommen. Falls das Es das Bedürfnis der Aggression ausleben möchte, aber das Über-Ich moralischen Bedenken in der Situation hat, entscheidet das Ich, beide Instanzen wahrnehmend, was es in der Situation tun soll. Bestimmt wird diese Entscheidung vor allem dadurch, welcher der beiden Instanzen (Es und Über-Ich) ausgeprägter ist. Das Es und das Über-Ich bestehen aus den Einflüssen des bisher Erlebten, also der Erfahrung aus der Vergangenheit (Freud 1972: 11). Wobei das Ich von den Reizen und Wahrnehmungen der momentanen Situationen, also der Gegenwart abhängt (Freud 1972: 11f.). Daher kann eine gewaltlose, gute Erziehung und Umgang mit dem Kind, dem Über-Ich die „Macht“ gegenüber dem Es geben (Bally 1961: 85).

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Details

Seiten
12
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656817949
ISBN (Buch)
9783656856542
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282303
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,7
Schlagworte
Sigmund Freud Norbert Elias Über-Ich Selbstregulierung

Autor

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