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Die Darstellung des Turmbaus zu Babel in der Bildkunst des 15. bis 18. Jahrhunderts

Seminararbeit 2014 19 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Überlieferung und die Verbindung mit Weltwunderdarstellungen

3. Die Darstellungen des Turms von Babel in der Bildkunst zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert
3.1. Darstellung aus der Bouquechardiére-Handschrift
3.2. Pieter Bruegel der Ältere: Der Turmbau zu Babel
3.3. Lucas van Valckenborch: Turmbau zu Babel
3.4. Hendrick van Cleve: Turmbau zu Babel
3.5. Monsú Desiderio: Der Turmbau zu Babel

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Die Geschichte des Turmbaus zu Babel nimmt einen nur sehr kurzen Abschnitt von neun Versen im ersten Buch Mose im Alten Testament ein. Dennoch hat diese kurze Erwähnung Künstler vom Mittelalter bis in moderne Zeiten inspiriert, die Erzählung vom gigantischen Bauwerk bildlich umzusetzen.

Es gibt nur wenige Quellen, die von seinem tatsächlichen Aussehen berichten. Durch diesen Umstand entstand ein nahezu unbegrenzter Gestaltungsraum für Künstler, die sich vornahmen, den Turm bildlich darzustellen.

So ging das Motiv durch verschiedene Epochen. In der Folgenden Arbeit werden Turmdarstellungen aus dem Zeitraum zwischen dem 15. Jahrhundert und dem 18. Jahrhundert untersucht. Es werden nicht nur die Unterschiede zwischen den Werken, aber auch ihre Gemeinsamkeiten untersucht.

Ebenso wird auf die Symbolik und die Bedeutung des Turmes eingegangen, die dieser in den verschiedenen Werken einnimmt.

Hierbei wird darauf ausgegangen, dass sich die Perspektive auf den Turm und seine Geschichte im Laufe der Zeit verändert und dass verschiedene Schwerpunkte gesetzt werden. Dennoch kann es Elemente geben, die sich im Laufe der Darstellungsgeschichte herausgebildet haben und an denen sich verschiedene Künstler bedienen.

Diese Thesen sind in den folgenden Bildanalysen zu prüfen, nachdem zunächst kurz auf die Überlieferung des Turmbaus und der Verbindung des Babelturms mit den Weltwundern der Antike eingegangen wird.

1. Überlieferung und die Verbindung mit Weltwunderdarstellungen

Obwohl üblicherweise nicht mit dem Weltwunderkanon in Verbindung gebracht, teilt sich der Turm von Babel mit den monumentalen Bauten aus den Weltwunderlisten doch einige prägnante Eigenschaften: zum Einen ist die Größe des Turms, wie sie in den Überlieferungen beschrieben wird, ebenso überragend wie die der Weltwunder. Eine andere Gemeinsamkeit mit einigen anderen Weltwundern ist der Standort in der Stadt Babel.1 So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Turm von Babel in einigen Weltwunderlisten tatsächlich Eingang fand. So zählte beispielsweise auch Gregor von Tours das biblische Bauwerk zu den Weltwundern.2

Die Verbindung zu diesen monumentalen Bauten der Antike sorgte auch dafür, dass der Turm in Bildwerken oft in ähnlicher Weise präsentiert wird. Darstellungselemente, die sich der Turm von Babel mit den anderen Weltwundern teilt, sind zum Beispiel die starke Betonung auf die Monumentalität des Bauwerkes, die Anwesenheit eines Königs und Bauherren sowie die Illustration der Arbeiten am Bauwerk.3

Im Unterschied zu den anderen Weltwundern bekamen der Turm und seine Errichtung durch die biblische Überlieferung eine weitere Bedeutungsdimension, die bei den anderen zu den Weltwundern zählenden Bauten nicht vorhanden ist.

Zu finden ist die Geschichte vom Turmbau im ersten Buch Mose. Sie erzählt von der Gründung der Stadt Babel, dem Bau des Turms und die darauffolgende Sprachverwirrung als Strafe Gottes.4

Die enthaltene moralische Belehrung über den Hochmut verleiht dem Turm ein nicht unerhebliches Maß an symbolischer Aussagekraft, macht ihn sogar zum Symbol für Überheblichkeit und der Nichtigkeit menschlicher Schaffenskraft.

Durch die Bibelgeschichte wird außerdem ein zusätzlicher Überlieferungskontext geschaffen, der dafür sorgt, dass das Thema auch außerhalb der üblichen Weltwunderdarstellungen künstlerisch umgesetzt wird und darüber hinaus ein breites Spektrum an Deutungen eröffnet.

2. Die Darstellungen des Turms von Babel in der Bildkunst zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert

2.1. Darstellung aus der Bouquechardiére-Handschrift

Dank der biblischen Geschichte vom Turm zu Babel wurde die legendäre Errichtung dieses Baus im Zuge der Verbreitung des Christentums vielfach künstlerisch Umgesetzt5. Hauptsächlich fanden sich diese Darstellungen in Miniaturen aus Bibelhandschriften oder Weltchroniken wie die Bouquechardiére-Handschrift (Abb.1).

Im Mittelalter wird noch nicht viel Wert auf die Betonung der Ausmaße des Turmes gelegt: „Die moralische Interpretation, nämlich die Bestrafung der menschlichen ‚superbia‘ durch Gott, bleibt meist gradlinig der Bibelauslegung verhaftet.“6

Beispielhaft für die mittelalterliche Turmdarstellung ist auch die Abbildung aus der französischen Bouquechardiére-Chronik. Entstanden ist die nur 20,2 x 26,8 cm große Miniatur aus Deckfarben auf Pergament in der Normandie zwischen 1460 und 1470. Zu sehen ist das Werk heute im Berliner Kupferstichkabinett.7

Der Blick fällt zunächst auf den Herrscher Nimrod, welcher als größte Figur im Bild mittig in den Vordergrund gesetzt wurde.

Rechts im Bild ist der Turmbau zu sehen, mit dem sieben Arbeiter beschäftigt sind, die unterschiedlichen Handwerkszweigen angehören. So ist zum Beispiel ein Steinmetz am Fuße des Bauwerks beschäftigt.

Am oberen Rand des Bildes ist mittig eine von Engeln umringte Figur zu sehen. Sie ist in päpstlicher Tracht gekleidet und hält einen Reichsapfel in der linken Hand. Darunter ist ein Engel dargestellt, welcher auf den Turm deutet. Diese Szene stellt das göttliche Urteil über die Menschen dar: Die Figur an höchster Stelle des Bildes stell Gott dar, der seinen Engel schickt, um die Sprachverwirrung zu stiften, wie es in der Bibel beschrieben wurde.

Links im Hintergrund erstreckt sich eine prächtige mittelalterliche Stadt.

Den mittelalterlichen Miniaturmalern war eine realistische Gestaltung des Turmes weniger wichtig, als die Illustrierung der biblischen Erzählung und der Vermittlung des moralischen Inhalts. Daher ist der Turm in diesem Werk als eher zweitrangiges Bildelement in geringer Größe im Mittelgrund angelegt. Ebenso wird das göttliche Urteil explizit in Form eines Engels, der auf den Turm deutet, dargestellt. Die Hauptakteure der Geschichte, Nimrod und Gott und seine Engel erhalten prominentere Positionen auf der Mittelachse des Bildes. Nimrods überdimensionale Größe kann durch die im Mittelalter übliche Bedeutungsperspektive erklärt werden. Weiterhin könnten ihn die Miniaturmaler der Beschreibung des Herrschers in der Bibel treu geblieben sein, denn im Buch Genesis wird er als „Gewaltiger Jäger vor dem Herrn“8 eingeführt.

Mit seiner zeitgenössischen Rüstung und der Hellebarde bildet der Herrscher Babels einen Gegenpol zur Gottesdarstellung in päpstlicher Robe. Der Auftritt Nimrods als Krieger könnte außerdem eine weitere Anspielung auf die Erzählungen aus der Bibel sein, in denen Nimrod als Tyrann eingeführt wird, der die heilige Stadt Jerusalem zerstörte.9

Wie weiterhin zu sehen ist, geht die mittelalterliche Darstellung des Turmbaus nicht nur auf die moralische Lehre der Bibelgeschichte ein, sondern nutzt das Thema auch, um zeitgenössische Bauvorgänge und Architektur bildlich festzuhalten. Teilweise geschah dies auch aus einer Not heraus, denn im mittelalterlichen Abendland war kaum etwas über orientalische Kultur und Architektur bekannt.10

Die Wiedergabe mittelalterlicher Bauvorgänge erfolgt dafür umso detaillierter. Diese Tendenz, vorzugsweise zeitgenössische Bautechniken in den Turmbaubildern abzubilden, bleibt in den folgenden Jahrhunderten erhalten.

2.2. Pieter Bruegel der Ältere: Der Turmbau zu Babel

Im 16. Jahrhundert bildete sich in den Niederlanden eine stark abgewandelte Darstellungsweise des Turmbaus heraus.

Pieter Bruegel der Ältere gehörte hierbei zu den Malern, die den größten Einfluss auf die Turmbaubilder der folgenden Jahrhunderte hatten. Seine Turmbaudarstellungen fanden viele Nachahmer und wirkten stilbildend.11

Das noch heute bekannteste Werk ist „Der Turmbau zu Babel“ (Abb.2), welches um 1563 entstanden ist und heute im Wiener Kunsthistorischen Museum hängt.12

Gegenüber den Miniaturen aus dem Mittelalter hat das Gemälde mit 114x155 cm nicht nur ein wesentlich größeres Format, sondern es wurde auch mit einem komplett anderen Schwerpunkt umgesetzt.

Hier dominiert der monumentale Turm die Bildfläche, geht am oberen Rand sogar über die Bildfläche hinaus.

Diese Größe, sowie der runde Grundriss des Turmes sind unübliche Elemente in der bisherigen Darstellungstradition. Ein möglicher Ursprung für das gewandelte Aussehen könnte die Begeisterung für antike Architektur sein, welche in der Renaissance aufflammte.13 Die Ähnlichkeit zwischen Bruegels Turm und dem Kolosseum in Rom sind unmissverständlich.

Die linke Seite des Turms wirkt weitgehend fertiggestellt, während auf der rechten Seite noch das Innenleben aus rotem Backstein zu sehen ist. Dieser Teil scheint bei näherer Betrachtung fast schon wieder im Verfall begriffen zu sein. Auffällig ist hier der Fels, der auf der Mittelachse des Bildes aus der Fassade des Bauwerkes herausragt, sowie die kleineren Steinformationen, die im unfertigen Teil auf der rechten Turmseite liegen.

Bruegel setzte das monumentale Bauwerk auf den Mittelgrund in eine Weltlandschaft, die sich weit in den Hintergrund erstreckt. Während auf der linken Seite des Turmes eine zeitgenössische flämische Stadt liegt, ist auf der rechten Seite eine beschiffte Meeresbucht zu sehen.

[...]


1 Vgl. Wegener, Ulrike B.: Die Faszination des Maßlosen. Der Turmbau zu Babel von Pieter Bruegel bis Athanasius Kircher. Hildesheim u.a. 1995, S.97.

2 Vgl. Wegener, S. 98.

3 Vgl. Wegener, S. 101f.

4 Vgl. Deissler, Alfons, Anton Vögtle (hrsg.): „Neue Jerusalemer Bibel: Einheitsübersetzung mit dem Kommentar der Jerusalemer Bibel“. Freiburg 1996, Gen 11, 1-9.

5 Vgl. Klengel-Brandt, Evelyn: „Der Turm von Babylon. Legende und Geschichte eines Bauwerks.“ Leipzig 1982, S. 7f.

6 Wegener, S. 11.

7 Vgl. Wullen, S. 96.

8 Wullen, S. 45.

9 Vgl. Wullen, S.45.

10 Vgl. Klengel, S. 8.

11 Vgl. Wullen, S: 85.

12 Vgl. Marijnissen, Roger H., u.a.: Brueghel. Das Vollständige Werk. Köln 2013, S. 210.

13 Vgl. Wullen, S. 13.

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656769996
ISBN (Buch)
9783656770008
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282268
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Caspar-David-Friedrich-Institut
Note
1,7
Schlagworte
darstellung turmbaus babel bildkunst jahrhunderts

Autor

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Titel: Die Darstellung des Turmbaus zu Babel in der Bildkunst des 15. bis 18. Jahrhunderts