Lade Inhalt...

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Michael Krinzeßa: Der Erste Weltkrieg als Voraussetzung für die Novemberrevolution
Abkürzungsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte zur Entstehung des Ersten Weltkriegs
3. Die Situation in Deutschland während des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs
4. Die Situation in Deutschland und an der Front im Verlaufe des Krieges
5. Schlussteil
Bibliographie

Manuel Franz: Der Friede von Brest-Litovsk im Kontext deutscher Kriegszielpolitik im Ersten Weltkrieg
I. Der Friede von Brest-Litovsk: Einleitende Erläuterungen zum Thema
II. Der Weg zu den Friedensverhandlungen: Hoffen auf den Separatfrieden
III. Die Friedensverhandlungen: Zwischen Verständigung und Siegfrieden
IV. Das Ergebnis der Verhandlungen: Der Friedensvertrag von Brest-Litovsk
V. Schlussbetrachtungen: Fazit und Ausblick
VI. Literatur- und Quellenverzeichnis
VII. Anhang

Bernd Paric: Der Versailler Vertrag und seine wirtschaftlichen Belastungen in der Nachkriegszeit
1. Einleitung
2. Chronologie des Friedensschlusses
3. Europa vor dem Krieg
4. Die wirtschaftliche Ausgangslage 1918
5. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Friedensschlusses
6. Schlussbetrachtung
7.Literaturverzeichnis
8. Anhang

Frank Walzel: Die Anfänge deutscher Außenpolitik in der Weimarer Republik. Ullrich Graf von Brockdorff-Rantzau und der Streit um die deutsche Kriegsschuld in Versailles
Einleitung
1. Grundlagen seiner Friedensstrategie
2. Anfangszeit bis zum 7. Mai 1919
3. „Gegenspieler“ des Außenministers
4. „Notenkrieg“ bis zum 16. Juni 1919 und Abreise
Schlussbetrachtung
Zeittafel
Literatur

Sibylle Leichtl: Die Finanzierung des Ersten Weltkrieges und Hyperinflation 1914-1923
1 Einleitung
2 Die Finanzierung des Ersten Weltkrieges
3 Geldwertverfall in den Nachkriegsjahren bis 1922/23
4 Der Zusammenhang von finanzieller Kriegsplanung und Inflation
Literaturverzeichnis

Jerome Zackell: Vorstellungen von Europa nach dem Ende des Ersten Weltkrieges
1. Einleitung
2. Der erste Weltkrieg als Katalysator und Hemmnis für die europäische Einigung
3. Paneuropa
4. Briand-Plan
5. Berührungspunkte und Unterschiede
6. Schlussbetrachtung
Literatur- und Quellenverzeichnis

Michael Krinzeßa: Der Erste Weltkrieg als Voraussetzung für die Novemberrevolution

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Am 3. November 1918 erschütterte eine Welle der Gewalt Deutschland. In Kiel eröffneten kai­sertreue Soldaten das Feuer auf eine Gruppe von Ma­trosen und Werftarbeitern, die gegen die Verhaftung von Matrosen am 31. Oktober demonstrierten.1 Auch im übrigen Deutschland gab es Demon­strationen. Wichtige militärische Anlagen wurden von den Aufständischen besetzt, das militärische, kaisertreue Führungspersonal (Offiziere und Un­teroffiziere) wurde entmachtet und die ersten Arbeiter- und Soldatenräte gebildet.2 Dies geschah, wie z.B. in Hamburg, teilweise unter Anwen­dung von Gewalt, da sich die monarchischen Kräfte diesen Zwangsmaß­nahmen der Revolutionäre widersetzten3. Immer mehr Menschen, darunter auch viele Soldaten, solidarisierten sich mit den Aufständischen, so dass die Re­volution nicht mehr aufzuhalten war4. Der Auslöser dieser Ereignisse war eine Meuterei, die von den Mannschaften der deutschen Kriegsflotte, En­de Oktober durchgeführt wurde. Diese widersetzten sich dem Befehl der deutschen Seekriegs­leitung, in See zu stechen, um gegen die englische Marine militärisch vorzugehen. Die Ma­trosen erkannten aufgrund der Überlegen­heit der Engländer die Sinnlosigkeit eines solchen Unterneh­mens und ver­hinderten durch passiven Widerstand das Auslaufen der Schiffe.5 Die Folge war eine Welle von Verhaftungen aufständischer Ma­trosen. Diese Maßnahme steigerte die Unzufriedenheit der restlichen See­leute und Werftarbeiter,6 und veranlasste sie daraufhin, den o. g. Aufstand zu wagen. Daraufhin erfolgten die ersten Verhaftungen. Der 3. November, der von der Geschichtsschreibung als Beginn der deutschen Novemberre­volution festgesetzt wurde, bedeu­tete für Deutschland das Ende der Mon­archie. Die traditionsreiche Epoche der mächtigen deut­schen Herrscher war damit endgültig beendet. Mit Wilhelm II. dankte der letzte deutsche Kaiser ab.

Es stellt sich nun die Frage nach den Ursachen und Gründen für diese zur Revolution tendie­rende Stimmung in Deutschland. Was veranlasste das deutsche Volk, diese Revolution tatsäch­lich durchzuführen?

Der direkte Auslöser war der Konflikt zwischen der Arbeiterschaft bzw. der Gewerkschaft auf der einen Seite und der Regierung, der reaktionären OHL bzw. der Unternehmerschaft auf der anderen Seite.

Schon im Wilhelminischen Kaiserreich war der Zwiespalt zwischen der Arbeiterschaft und dem besitzenden Bürgertum erkennbar7, doch die Si­tuation verschärfte sich im Ersten Weltkrieg. Es entstanden soziale Kon­flikte aufgrund des Scheiterns der deutschen Kriegswirtschaft8. Die Kluft zwischen den o. g. Gruppierungen vergrößerte sich dadurch zusehends. Diese Faktoren führten dann u. a. zur Revolution.

Es existierten jedoch tiefere Ursachen, die das deutsche Volk dieser Zeit prägten und in ihm je­nen Nährboden schufen, der dafür verantwortlich war, dass der deutsche Bürger die Skrupel verlor, die auftretenden Miss­stände notfalls auch mit Gewalt zu beseitigen. Der Schwerpunkt liegt hier in der Kriegsmüdigkeit des hungernden und am Sieg zweifelnden Volkes, sowie in den offenen Missständen in der Wirtschaft und in der Nah­rungsmittelversorgung, respektive in der Ernährungsfrage. Ebenfalls wird die Situation der Soldaten an der Front erörtert. Was dieses Thema be­trifft, ist ausreichend Literatur vorhanden. Es existieren auch einige be­merkens­werte Quellen dieser Zeit, die die prekäre Situation dieser Zeit recht ein­drucksvoll schildern. Vorsicht ist aber bei Darstellungen ehe­mals kommunistischer Staaten, unter anderem der DDR, geboten, denn hier findet eine erkennbare, extreme Glorifizierung der Arbeiterschaft und gleich­zei­tig eine "Verteufelung" des westlichen Kapitalismus und Impe­rialismus statt, so dass die Lite­ratur zu diesem Thema nicht unbedingt als objektiv zu bezeichnen ist. Das übrige Material dieser Darstellungen ist durchaus brauchbar. Im Folgenden werden die Ereignisse darge­stellt, die dafür verantwortlich waren, dass das deutsche Volk zur Revolution bereit war und die­ses riskante Unternehmen auch letztendlich durchführte.

2. Vorgeschichte zur Entste­hung des Ersten Welt­kriegs

"Ein Krieg, wie er auch ausgeht, hat eine Umwälzung al­les Bestehenden zur Folge. Ringsherum Verblendung, dicker Nebel über dem Volke. In ganz Europa das gleiche.9 " (Zitat) Schon Theobald von Bethmann Holl­weg, deutscher Reichskanzler von 1909-1917, er­kannte die möglichen Ausmaße eines bevorstehenden Großmächtekrieges. Die ökonomischen und sozialen Folgen eines länger andauernden Krieges wä­ren verheerend für alle Nationen, be­fürchtete der Militärhistoriker Jean de Bloch schon am Ende des 19. Jhdts.10 Angesichts der na­tionalistischen Tendenzen in den europäischen Staaten, dem zunehmenden Streben der Kolo­nialmäch­te nach territorialer Expansion zur Erweiterung der Wirt­schaftsräume (vgl. Kielmansegg / Kriegsziele) und den daraus resultieren­den politi­schen Spannungen der europäi­schen Großmächte, war in abseh­barer Zeit eine militärische Auseinandersetzung zu erwarten. Die Er­mor­dung des öster­reichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Ge­mah­lin in Sarajewo am 28. 06. 1914 durch südslawische Natio­nalisten11 war dann nur noch der Funke, der die zum Krieg tendierende, hochexplo­sive politische Stimmung in den europäischen Völ­kern zur Ex­plosion brachte. Mit den Schüssen von Sarajewo begann der 1. Weltkrieg.

3. Die Situation in Deutschland während des Ausbruchs des Ersten Welt­kriegs

3.1. Die Stimmung der deutschen Zivilbevölkerung zu Beginn des Krieges

Das Wachsen des "Nährbodens", der die deutsche Nation zur Revolution veranlasste, wird be­sonders deutlich, wenn man die Stimmung des deut­schen Volkes einschließlich der Reichswehr in Bezug auf den Krieg zu Be­ginn der Auseinandersetzung und im Verlauf des Weltkrieges be­trachtet. Während der zweiten Balkonrede Wilhelms II. am 1. August 1914 betonte der deut­sche Kaiser nochmals: "Ich kenne keine Parteien und auch keine Konfessionen mehr; wir sind heute alle deutsche Brüder und nur noch deutsche Brüder."12 Damit entsprach er exakt dem Volksgeist der deut­schen Nation, die immer noch stark unter dem Einfluss innerpolitischer Dif­ferenzen, insbesondere dem Gegensatz zwischen Arbeitern und Unter­nehmern13, stand.

Der deutsche Staatsbürger versuchte deshalb dem tristen Alltagsleben zu entfliehen. Er erkannte nun endlich den Sinn seiner Existenz14. Er konnte nun als Teil einer großen Gemeinschaft dazu beitragen, dass das Deutsche Reich die imperialistische Machtstellung in der Welt erhielt, die es ver­diente. Damit bestünde dann auch die Möglichkeit, die Einheit des deut­schen Volkes nun tatsächlich zu realisieren.15

Die deutsche Zivilbevölkerung war weitgehend von dem Eintritt Deutsch­lands in den Ersten Weltkrieg begeistert. In der Presse sprach man von Men­schenmassen, die den Kriegsbeginn begei­stert feierten16. Eine Berli­nerin schilderte eindrucksvoll die Ereignisse dieser Augusttage in ihrer Heimat­stadt. Dort jubelte ebenfalls eine begeisterte Menschenmenge we­gen des bevorste­henden Waffenkonflikts17. Sogar die Arbeiterschaft die noch vor Ausbruch des Krieges gegen einen bewaffneten Konflikt de­monstriert hatte, wurde von dieser Kriegsbegeisterung erfasst18. Ulrich Cartarius spricht in seiner Darstellung von einer regelrechten Hysterie, die teilweise in der Bevölkerung herrschte. Dies ging sogar so weit, dass ver­meintliche Ausländer verfolgt und sogar misshandelt wurden. Es entstand ein regel­rechter Fremdenhass, insbesondere gegen Fran­zosen19.

Doch gibt es auch negative Stimmen zum Ausbruch des 1. Weltkriegs. Der siebzehnjährige Wilhelm Eildermann schrieb am 1. August 1914 in seinem Tagebuch von klagenden Angehöri­gen, die die Kriegsdienst an der Front leistenden jungen Männer am Bahnhof verabschiede­ten20.

Der deutsche Staatsbürger war sich natürlich der möglichen Entbehrungen und Opfer bewusst, die ein solcher Krieg fordern könnte, denn schon Kai­ser Wilhelm II. betonte in seiner ersten Balkonrede am 31. Juli 1914, dass eine mögliche Auseinandersetzung zwischen den europäischen Völkern "Enorme Opfer an Gut und Blut (...)"21 für die Bevölkerung mit sich brächte. Dennoch überwogen die positiven Tendenzen. Diesen Fakt bestä­tigt unter anderem auch eindrucksvoll die Tatsache, dass in deutschen Zei­tungen Werbetexte für Kriegsaccessoires abgedruckt wurden, wie z.B.: die Kola-Dultz Werbung. Dieses Produkt half, so der Hersteller, "Überanstrengung und Erschöpfung" zu überwinden und gab "Mut und frohe Laune". Dazu passend wurde die Zeichnung eines erst erschöpft wirkenden, im zweiten Bild die eines zufriedenen, lächelnden deutschen Landsers abgedruckt22. Dem Leser dieser Werbeanzeige wurde das Bild eines tadellosen, perfekten Soldaten vorgetäuscht. Die Brisanz, die mit dem Begriff "Militär" in dieser Zeit wegen seiner zweifelhaften Tätig­keit während eines Krieges verbunden war, wurde völlig verdrängt. Solche un­scheinbar wirkenden Mittel zur Beeinflussung der Psyche eines Men­schen, die heutzutage recht weit verbreitet sind, verfehlten wahrscheinlich schon damals ihre Wirkung nicht. Der Deutsche wurde praktisch in jeder Situation im Alltagsleben mit dem Krieg und dessen positiven Seiten kon­frontiert. So ist es nicht erstaunlich, dass die breite Masse durchaus von diesem Krieg begeistert war.

3.2. Die Lage bzw. Stimmung in der deutschen Reichswehr zu Beginn des Krieges

Auch die Soldaten der Reichswehr waren von dem bevorstehenden, be­waffneten Konflikt begeistert. Die Vossische Zeitung vom 3. 8. 1914 be­richtet von einer großen Ansamm­lung Militärpflichtiger, die das Bezirks­kommando bevölkerten. Die jungen Männer waren entschlossen, ihr Va­terland tapfer zu verteidigen.23 Vor den Freiwilligenannahmestellen drängten sich die Menschenmassen, um für Deutschland in den Krieg zu ziehen, wie Photographien dieser Zeit bestä­tigen24. Einige Zeitungsartikel melden ebenfalls eine große Anzahl Freiwil­liger25. Forschungen beweisen zwar, dass die Zahl der Kriegsfreiwilligen nicht so hoch war, wie die Pro­paganda angab26. Dennoch beeindruckten diese Zahlen, auch wenn sie nicht korrekt waren, Teile der Zivilbevölke­rung in dem Maße, dass junge Burschen sich geradezu gezwungen sahen, auch eine Uniform zu tragen um für die deutsche Reichswehr Dienst zu leisten. Sie waren dem Grup­penzwang unterworfen, mitzuziehen um nicht als Außenseiter zu gelten27.

Der Abmarsch der deutschen Landser aus ihren Kasernen in Richtung Verladebahnhof vollzog sich in einer derart ausgelassenen Stimmung, dass man meinen konnte, ein festlicher Anlass läge vor. Die durch die Straßen ziehenden Einheiten wurden von jubelnden Menschenmengen regelrecht gefeiert. Die Waffen der Soldaten waren mit Blumensträußen geschmückt und vom Bahnhof her waren patriotische Gesänge zu hören.28 Als die Ei­sen­bahnzüge nun die Heimat verließen und sich an die Front bewegten, waren die Landser überzeugt davon "wieder zu Hause" zu sein, "ehe das Laub fällt". Spätestens "Weihnachten" wären sie wieder "zu Hause" schallte es aus den Waggons, in denen die Mannschaften und Dienstgrade zur fran­zösischen Grenze transportiert wurden.

Vergleicht man nun die eben beschriebene Stimmung mit den ne­gativen Erfahrungen der Beteiligten im Verlauf des Krieges, wird deutlich, wel­chen Gefühlsschwankungen jedes einzelne Individuum unterworfen sein musste. Befanden sich die Menschen zu Beginn des Ersten Weltkrie­ges in einer euphorischen Hochstimmung, geprägt vom Nationalismus, der zu je­ner Zeit die Völker beherrschte und dem daraus resultierenden Ein­heits­gefühl29, mussten sie mit zunehmender Dauer des Krieges erfahren, dass die Realität unbarmherzig und grausam ist und mit den Vorstellungen und Erwartungen, die sie bei Ausbruch des Krieges hegten, nichts gemein hatte. Diese Tatsache prägte das deutsche Volk nachhaltig und machte es anfällig für revolutionäre Tendenzen.

4. Die Situation in Deutschland und an der Front im Verlaufe des Krieges

4.1. Vom Bewegungskrieg zum Stellungskrieg

In der militärischen Führung rechnete man mit einem kurzen "Völkerringen", denn die Erfahrung vergangener Kriege hatte gezeigt, dass diese zumeist mit einer entscheidenden Vernichtungsschlacht nach ver­hältnis­mäßig kurzer Dauer beendet wurden30. Der deutsche Generalstab wollte mit dem 1905 entwickelten "Schlieffen-Plan"31 den Gegner überra­schen und ihn somit schnell besiegen. Doch diese Strategien sollten schei­tern.

Nach dem traditionellen Schema europäischer Kriege griffen die Soldaten in Erwartung eines heldenhaften Kampfes in großen Verbänden an. Die Entscheidung wurde zumeist im Nahkampf gesucht. Ebenso versuch­ten die Kavalleristen den Durchbruch zu Pferde zu erreichen. Doch der Ein­satz neuer, technisch hochentwickelter Waffen,32 der im nächsten Kapi­tel noch genauer erörtert wird, machte diese Bestrebungen zunichte.

Außerdem stellte sich nach kurzer Zeit an der Front ein Munitionsmangel ein. Vor allem die Artilleriemunition wurde knapp. Die Artilleriebatterien waren somit gezwungen, die noch vorhandene Munition zu rationieren. Dies hatte wiederum negative Auswirkungen auf die Infanterie, da durch den teilweisen Ausfall der Artillerie, das deutsche Fußvolk seine wohl wichtigste Kampfunterstützungswaffe verlor. Die Artillerie war nämlich in der Lage, den Gegner durch massiven Beschuss niederzuhalten um damit dem Infanterist die Bewegungsfreiheit zu verschaffen, um weiter vorrüc­ken zu können.33 Der deutschen Reichswehr gelang es zwar an einigen Frontabschnitten Geländegewinne zu verzeichnen, was jedoch nur unter einer großen Anzahl von Opfern geschah. Viele deutsche Soldaten mussten ihr Leben lassen. Die Erfolglosigkeit der deutschen Angriffsbemü­hungen, gekennzeichnet durch die ständigen Versuche der deutschen In­fanterie, einen Durchbruch zu erzielen, die aber fast immer im feindlichen Feuer stecken blieben, demoralisierten den deutschen Soldaten zusehends. Au­ßerdem hatte er noch mit schlechtem Wetter und dem deshalb schlechten Zustand des Geländes zu kämpfen34.

Das endgültige Ende des Bewegungskrieges wurde am 10. November 1914 in der Schlacht bei Ypern besiegelt. Die deutsche Reichswehr ver­suchte zwar abermals einen Durchbruch zu erzielen, doch die Infanterie musste außer der mangelnden Unterstützung durch die Artillerie (aufgrund des Munitionsmangels) noch weitere Tücken des Krieges bewältigen. Ver­pflegungsengpässe und Krankheiten wie Ruhr und Typhus dezimierten das deutsche Heer zusätzlich. Trotz des erbitterten Versuches der Landser, den Feind im Nahkampf zu bezwingen, gab es keine Geländegewinne zu verzeichnen. Ypern wurde nicht genommen. Am 18. November 1914 brach die Oberste Heeresleitung (OHL) die Schlacht ab, die Fronten er­starrten und ein grausamer Stellungskrieg begann.35 Als die Frontsoldaten merkten, dass es im Gefecht weder vor noch zurück ging, begannen sie mit dem Ausbau befestigter Unterstände. Diese schützten die Landser vor feindlichen Angriffen, ebenso gegen Nässe und Kälte. Außerdem dienten diese Feldstellungen dazu, dass sich die Kriegsteilnehmer von den extrem hohen körperlichen und seelischen Anstrengungen erholen konnten, denen sie in den zahlreichen Kämpfen ausgesetzt waren und die sie sehr zer­mürbt hatten. Diesen Eindruck gewannen auch etliche Kommandeure der Frontverbände, die sich bei Truppenbesuchen einen Eindruck von dem morali­schen Zustand ihrer Männer machten.36

Doch auch jetzt wurden noch sinnlose Angriffe gegen den Feind geführt, wie zum Beispiel der deutsche Angriff auf Verdun. Es sei vorweggenom­men. Dieses Gefecht endete in einer Pattsituation. Nach anfänglichen Er­folgen der deutschen Truppen gelang es den Französischen Streitkräften unter Mobilisierung ihrer letzten Reserven diesen Raum zu verteidigen. Dennoch versuchten die Kriegsparteien unter ungeheuerem Materialver­brauch den Sieg zu erzwingen. Zahlreiche Teilnehmer dieser Schlacht be­richteten von menschenunwürdigen Zuständen, die in den Unterständen herrschten, vom zermürbenden Trommelfeuer der Artillerie, das den gan­zen Tag andauerte, der vernichtenden Feuerkraft des Maschinengewehrs (vgl.: Kapitel "Einsatz neuer Waffen"), die den Frontsoldaten in Angst und Schrecken versetzte. Die ständige Furcht des Landsers, von Ge­schoßsplit­tern oder Minen schwer verletzt oder gar getötet zu werden, zehrte an sei­nen seelischen Kräften. Der Verwesungsgeruch der Gefalle­nen machte das Leben an der Front unerträglich. Fehlende Nahrung und ausbrechende Krankheiten bedeuteten weitere Opfer.

Als diese sinnlose Vernichtungsschlacht endlich beendet wurde, gab es auf beiden Seiten eine große Anzahl von Verlusten. Allein die deutsche Armee hatte 337.000 Tote, Verwundete, Gefangene und Vermisste zu beklagen.37

Solche grausamen Schlachten zollten ihren Tribut in der Reichswehr. So war bei Truppenteilen der deutschen Armee ein extremes Absinken der Moral und Disziplin erkennbar38. Außerdem waren schon etliche Fälle von Befehlsverweigerung zu verzeichnen39. Viele Faktoren trugen zu einer sol­chen Eskalation bei. Die militärische Erfolglosigkeit ließ den Soldaten am Sinn des Kampfes zweifeln, denn es waren ja keine sichtbaren Gelände­gewinne zu verzeichnen. Das harte Schützengrabenleben, ständig im An­gesicht des Todes zu kämpfen, demoralisierte den Landser ebenso wie die Tatsache, seine Kameraden fallen zu sehen, vielleicht einen guten Freund zu verlieren. Erschreckende Nachrichten Angehöriger per Feldpost über die miserablen Zustände in der Heimat ließ die Stimmung des Solda­ten auf einen Tiefpunkt sinken. Eine lähmende Kriegsmüdigkeit befiel die deutschen Streitkräfte.40 Truppenteile, die von der Ostfront in den Westen verlegt wurden, waren sich der erschütternden Zustände an der West­front bewusst. Im August 1918 berichteten Vertreter des deutschen und österrei­chischen Oberkommandos von rebellionsartigen Zuständen beim Abzug von Truppenverbänden aus der Ukraine. Deutsche Soldaten führ­ten ge­meinsam mit der dortigen Bevölkerung und Truppenteilen der K. und K. Monarchie Demonstrationen gegen die herrschende Kriegslage durch. Beim Verladen auf die Waggons jener Eisenbahnzüge, die die In­fanteri­sten nach Westen transportieren sollten, waren Rufe gegen die herr­schende Oberschicht der kaiserlichen Monarchien zu hören. Ebenfalls war die verbale Forderung nach einer Revolution vernehmbar41.

4.2. Der Einsatz neuer Waffen

Der Einsatz neuer, technisch hoch entwickelter Waffen wurde im Ersten Weltkrieg notwendig, um durch eine extrem hohe Feuerkraft, zunehmende Motorisierung und verbesserte Durchschlagskraft die Starrheit der Fronten zu überwinden und endlich wieder den Bewegungskrieg zu erreichen. Doch diese neuen Kampfmittel verstärkten durch ihre vernichtende Wir­kung auch den Schrecken des Krieges.

Im Bewusstsein vergangener Kriege griffen die Soldaten Schulter an Schulter, in geschlossenen Verbänden und ohne Deckung den Gegner an. Das 1883 von Hiram Maxim entwickelte automatische Maschinengewehr 42 führte solche veralteten Angriffsformen ad absurdum. Die anstürmen­den Landser konnten sich gegen das Dauerfeuer des MG´s nicht schützen und fielen "reihenweise", im wahrsten Sinne des Wortes.43 Die Maschi­nenge­wehre erreichten eine so hohe Feuerkraft, dass sie wassergekühlt werden mussten.

Tanks, die Vorläufer des Panzers, wurden von den Eng­ländern haupt­sächlich entwickelt, um durch die verbesserte Motorisie­rung einen Durchbruch im Stellungskrieg zu erreichen44. Diese Tanks wa­ren durch Infanteriewaffen beinahe unverletzbar und konnten nur durch einen Artil­lerievolltreffer außer Gefecht gesetzt werden. Solch "stählerne Ungetüme" waren aber auch der Schrecken des Frontsoldaten. Der im Schützengraben kämpfende Landser sah sich im Gefecht einem bisher un­bekannten, rie­senhaft wirkenden gepanzerten Gefährt gegenüber, das in der Lage war jegliches Hindernis, aber auch Menschen niederzuwalzen. Dieser Waffe war der Infanterist hilflos ausgesetzt. Er konnte sie mit sei­nen Handfeu­erwaffen nicht bekämpfen, fand aber auch gegen deren ver­nichtende Wirkung keinen Schutz. Weitere Kampfgeräte, die im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kamen, waren neuartige Minenwerfer, Flammen­werfer, Handgranaten und Giftgas. Letzteres Kampfmittel wurde zwar auf Befehl der deutschen militärischen Führung am 31. Januar 1915 an der Ostfront erstmals eingesetzt,45 doch auch die Engländer und Franzosen be­saßen solche Kampfstoffe. Zuerst wurde das Gas in einem sogenannten Abblas­verfahren zum Einsatz gebracht. Bei widrigen Wet­terverhältnissen jedoch bestand die Gefahr, dass der Wind sich drehte und die Gaswolken auf die eigenen Stellungen zugetrieben wurden. Deshalb setzte man im Verlauf des Krieges Gasgeschosse ein, die von der Artillerie abgefeuert wurden. Die Gasmaske war der einzige wirksame Schutz gegen die gifti­gen Däm­pfe. Im Prinzip war die Anzahl der Toten bei Gasangriffen we­sentlich ge­ringer als bei der Verwendung von Explosivgeschossen. Die psychische Belastung bei Gasalarm war aber sehr groß, da diese gefährli­chen Kampfmittel fast unsichtbar und nur durch einen bläulich-weißen Nebel erkennbar waren. Gas tötete lautlos, ohne offensichtliche Verletzungen. Für den Soldaten war es unfassbar, seine Kameraden unter Einwirkung dieser heimtückischen Waffe sterben zu sehen, obwohl sie von keinerlei Geschoßsplittern getroffen wurden.46 Das prominenteste Opfer solcher Einsätze von Giftgas war Adolf Hitler, der am 13. Oktober 1918 fast er­blindete, als die englische Artillerie seinen Regimentsabschnitt mit Gelb­kreuzgranaten attackierte47. Gebräuchliche Kampfstoffe waren auf fran­zösischer Seite das Phosgen, auch als Grünkreuz bekannt, das eine Lun­genschädigung bewirkt, in deren Folge es zum Erstickungstod bzw. Herz­stillstand kommen kann. Die Engländer setzten unter anderem ätzende Kampfstoffe wie Gelbkreuz ein. Die Wirkung dieser Kampfstoffe erstreckt sich auf die Schleimhäute der Augen und Atmungsorgane, sowie auf die Körperhaut. Bekannte Vertreter der Gelbkreuzgruppe waren Lost, Lewisit und das Senfgas.48

Zusammenfassend sei bemerkt, dass die modernen Waffenentwicklungen zwar wahrscheinlich einen Beitrag dazu leisteten, Fortschritte zur Über­windung des Stellungskrieges zu erzielen, dennoch war der Leidtragende wieder einmal der Frontsoldat. Die Wirkungsweise dieser Waffen war bis zu ihren ersten Einsätzen relativ unbekannt, umso grausamer war dann das Ergebnis. Die Truppen an der Front waren sozusagen "Testpersonen" ei­nes skrupellosen Oberkommandos der Streitkräfte, dessen wahnwitzige Idee es war, mit allen Mitteln den Krieg zu beenden und die eigene Nation zum Sieg zu führen. Auf das Leben der im Schützengraben aktiv am Kampf beteiligten Menschen wurde keine Rücksicht genommen. Dieser Tatsache war sich im Grunde genommen jeder einzelne deutsche Soldat bewusst, egal welcher Truppengattung er auch entstammte. Der Landser war zwar immer noch bereit sein Heimatland zu verteidigen, dennoch trat bei ihm eine gewisse Kriegsmüdigkeit auf, die durch das menschenun­würdige, harte Leben an der Front verursacht wurde und seine patriotische Grundeinstellung erheblich erschütterte.

4.3. Untergang der deutschen Kriegswirtschaft

Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde in Deutschland eine enorme militärische Aufrüstung durchgeführt. Die militärische Führung nahm an, dass der Krieg von kurzer Dauer wäre. Deshalb konzentrierte sie sich auf die Verbesserung der Kampfkraft und der Mobilisierung der Streitkräfte. Die ebenfalls wichtige wirtschaftliche Kriegsvorbereitung wurde deshalb total vernachlässigt.49 In Darstellungen aus der Deutschen Demokratischen Republik wird sogar behauptet, es war die preußische Tradition, die dem Militärischen jeglichen Vorrang gegenüber dem Zivilen einräumte und da­durch den o. g. Fehler verursachte50. Mit Beginn des Stellungskrieges, nach der Schlacht bei Ypern am 10. November 1914, scheiterte auch das Kon­zept der militärischen Führung. An der Westfront traten Engpässe bezüg­lich der Munitionsversorgung, insbesondere bei der deutschen Artil­lerie, auf51. Die Versorgung des Heeres mit Munition war abhängig von den zur Produktion notwendigen Rohstoffen. Deutschland war aber durch die englische Blockade nicht mehr in der Lage, Material aus dem Ausland zu beziehen52. Auch war die Anzahl der Arbeiter von dem Re­servebedarf der Streitkräfte an der Front abhängig. Mit dem "Hindenburgprogramm" sollte der Nachschub an kriegsnotwendigem Ma­terial gesichert werden. Das Kriegshilfsdienstgesetz sollte die o. g. Arbeiter­frage regeln. Dieses Gesetz führte aber zu Kontroversen zwischen der Ar­beiterschaft und den Unternehmen (siehe Einleitung), die dann sekundär zu einer vorrevolutio­nären Stimmung in Deutschland führten53.

Auch in der Landwirtschaft traten Probleme auf. Aufgrund des Mangels an Arbeitskräften und Zugtieren, diese fanden an der Front Verwendung, konnte die Ernte nicht mehr rechtzeitig eingefahren werden. Enorme Er­tragseinbußen waren die Folge. Die Seeblockade verminderte die Einfuhr von Produkten aus neutralen Ländern.54

Im Verlauf des Krieges wurden Saatgut und Dünger immer knapper. Ebenfalls entstanden Engpässe in der Futtermittelversorgung. Das Vieh musste hungern und war für die schwere Arbeit in der Landwirtschaft nur bedingt einsatzbereit. Die von der Regierung verlangten hohen Produkti­onsleistungen und das Arbeiten auf ausgelaugtem Boden mit unzureichen­den Mitteln bedeutete eine hohe physische Belastung für den Landarbei­ter.55

Um den Mangel an Arbeitskräften zu beseitigen, setzte die Regierung so­gar Jugendliche, Frauen und Kriegsgefangene ein. Die schlechte Lage wurde durch diese Maßnahme aber nicht wesentlich verbessert56. 1915 wurde dann in Deutschland die Kriegszwangswirtschaft eingeführt57.

4.4. Ernährungspolitik bzw. Nahrungsmittelversorgung des deutschen Volkes und des Soldaten an der Front

Aufgrund des miserablen Zustandes der deutschen Wirtschaft, insbeson­dere der Landwirtschaft, verschlechterte sich die Nahrungsmittelversor­gung in Deutschland zusehends. 1915 wurden im Rahmen der Kriegs­zwangswirtschaft seitens der Regierung erste Sparmaßnahmen befohlen. Der Landwirt durfte von der Getreideernte nur so viel behalten, wie ihm der Staat als Selbstversorger erlaubte. Den Rest davon musste er der All­gemeinheit zur Verfügung stellen. Die jeweilige Gemeinde war für die Versorgung ihrer Einwohnerschaft mit Getreide zuständig. Entstandene Überschüsse wurden an eine Reichsgetreidestelle abgeliefert. Diese ver­teilte dann die restlichen Erträge an Gemeinden, die zur Selbstversorgung nicht in der Lage waren.58 Als weitere Maßnahme zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung des Volkes wurden Brot und Mehl rationiert59. In der Öffentlichkeit wurden Vorschläge zum Sparen beim Kochen publi­ziert. Sogenannte Volksküchen hatten die Aufgabe, die deutsche Bevölke­rung recht preisgünstig mit warmen Mahlzeiten zu versorgen60. Dennoch war ein großer Teil der Betroffenen, einschließlich einiger Parteien, mit dem Ergebnis der durchgeführten Sparmaßnahmen nicht zufrieden. Die Sozialdemokraten forderten die Regierung auf, die Zwangswirtschaft kon­sequenter durchzuführen um die explosionsartig gestiegenen Preise zu kontrollieren und eine gleichmäßige Versorgung des deutschen Volkes zu gewährleisten.

Diese Kontroversen führten zu einer Anspannung der politischen Lage in Deutschland. Die schon vorhandenen Spannungen zwischen der Regie­rung und den radikalen Linksparteien verschärften sich. Dies bedeutete gleichzeitig, dass der Nährboden auf politischer Ebene für eine po­tentielle Revolution wuchs.61

Im Winter 1916/17 erreichte die Not in der Bevölkerung ihren Höhepunkt. Da es im Sommer 1916 viel regnete, fiel die Kartoffelernte in Deutschland extrem schlecht aus. Im darauffolgenden Winter mussten deshalb die Kar­toffeln durch Steckrüben ersetzt werden. Dieser für die hungernden Men­schen katastrophale Zeitraum wird historisch auch als "Kohl- bzw. Steckrübenwinter" bezeichnet. Die ohnehin schon knappen Lebensmittel­rationen wurden weiter gekürzt.62 Diese Tatsache war speziell für die schwer arbeitenden Männer des Bergbaus erschütternd, die aufgrund ihrer harten, körperlichen Tätigkeit einen höheren Kalorienverbrauch als der Normalbürger hatten und somit von einer ausreichenden kohlenhydrat- und proteinreichen Nahrungsmittelversorgung abhängig waren. Ihre tägli­che Förderleistung war von der körperlichen Gesamtkonstitution des ein­zelnen Arbeiters abhängig. Die abgebauten Rohstoffe wiederum waren essentiell für die funktionierende Munitionsversorgung des deutschen Hee­res. Die unzurei­chende Lebensmittelversorgung des Arbeiters hatte des­halb Streiks zur Folge. Verantwortlich dafür waren einerseits die men­schenunwürdigen Lebensverhältnisse, die Entbehrungen und der Hunger der Werktätigen. Andererseits motivierte die Nachricht vom Sieg der Fe­bruarrevolution in Russland den Arbeiter, ebenfalls diesen Schritt zu gehen, sich gegen die Obrigkeit in Deutschland zu erheben und notfalls eine Re­volution zu riskieren.63

Von der katastrophalen Nahrungsmittelversorgung, von den Entbehrungen und der Not 64 war aber auch der Normalbürger betroffen. Aufgrund der extremen Unterernährung 65 häuften sich Krankheitsfälle, die aus dem Mangel essentieller Nahrungsmittel und der daraus folgenden Schwä­chung des körperlichen Immunsystems resultierten. Das epidemieartige Auftreten von Grippe, Typhus, Ruhr und Tuberkulose kostete vielen Men­schen das Le­ben66. In Deutschland starben ungefähr 458.000 Menschen an solchen Krankheiten67. In einem Bericht über die Wirkung der Hun­gerblockade in Deutschland schrieb der Amerikaner George E. R. Geyde im Februar 1919, angesichts einer Inspektionsreise ins Deutsche Reich im Auftrag sei­ner Regierung, von untragbaren Zuständen in den dortigen Krankenhäu­sern, die zu Notlagern für die vom Hunger betroffenen Men­schen wur­den68. Auch an der Front wurde die schlechte Nahrungsmittel­versorgung zum Problem. Die physisch extrem geforderten deutschen Landser hatten durch den Mangel an Lebensmitteln kaum noch Energie, den täglichen, schweren körperlichen Anforderungen des Lebens an der Front zu genü­gen. Kriegsmüdigkeit und Gedrücktheit breitete sich in der Truppe aus. Die Soldaten sahen angesichts ihres körperlichen und seeli­schen Zerfalls kaum noch Sinn in einer Fortsetzung des Krieges69. Peter Graf Kiel­mans­egg bezeichnete treffend den Hunger in Deutschland als "Waffe der Alli­ierten", die zermürbend auf die Psyche der deutschen Bevölkerung wirkte. Der Hunger hatte einen destruktiven Einfluss auf die körperliche und seeli­sche Widerstandskraft eines großen Teils des Volkes. Die Fähig­keit, den Belastungen des Weltkrieges gewachsen zu sein, war dadurch in ihren Grundfesten erschüttert. Kielmansegg definiert den Hunger als "eine der wesentlichen Quellen wachsender politischer Unruhe und zunehmen­der Verschärfung der sozialen Gegensätze in dem überlasteten und er­schüt­ter­ten Bau des Kaiserreiches.70 "

5. Schlussteil

Der erste Weltkrieg und sein Verlauf waren ausschlaggebend für die politi­sche Entwicklung in Deutschland, die ohne diese prägnanten Ereignisse wahrscheinlich eine ganz andere Richtung eingeschlagen hätte. Das deut­sche Volk hätte die reaktionäre Politik der Monarchisten weiterhin gebilligt und sich weiterhin der preußischen Hierarchie gebeugt. Trotz der vorhan­denen Missbilligung dieses Systems durch den deutschen Staatsbürger wäre dieser wohl niemals das Risiko einer Revolution eingegangen, deren Aus­gang nicht zu berechnen gewesen wäre. Die Furcht vor einer mögli­cher­weise progressiven, aber unbekannten Regierungsform und den daraus re­sultierenden Folgen für das Individuum war in dem traditionell konser­va­tiven deutschen Geist immer vorhanden. So wäre Deutschland wahr­scheinlich eher mit dem Status Quo zufrieden gewesen.

So aber war das deutsche Volk in seinen patriotischen und ideologischen Grundfesten zutiefst erschüttert. Durch die grausame Realität wurde sich der Deutsche erst richtig bewusst, welchem maroden politischen System er eigentlich untertan war. Der ausgelassenen Euphorie der Anfangstage des Weltkrieges folgte alsbald die Ernüchterung. Der deutsche Frontsoldat, der bisher fast willenlos und aufopferungsvoll dem kaiserlichen Deutschland diente, der seiner militärischen Führung fast ohne Zweifel vertraute, fiel angesichts der aussichtslosen militärischen Lage an der Front, unter dem Einfluss der schrecklichen Ereignisse, die er im Schützengraben erlebte, in eine Kriegsmüdigkeit, die ihn am Sinn dieser Auseinandersetzung zweifeln ließ und das bedingungslose Vertrauen in seine Vorgesetzten zerstörte. Der deutsche Landser war nun nicht mehr bereit, sich in das totalitäre Sy­stem von Befehl und Gehorsam einzufügen, wie auch die revolutionären Vorfälle in Kiel zeigten (vgl. Einleitung).

Die deutsche Zivilbevölkerung war von diesem Zermürbungsprozess, dem Verfall ihrer Ideale auch betroffen. Not und Elend in der Heimat machten die Lebensbedingungen unerträglich. Der Hunger und die daraus resultie­renden Krankheiten zerstörten den Menschen nicht nur physisch, sondern auch seelisch. Er war nicht mehr fähig, gegen die die Moral zersetzenden destruktiven Kräfte die von ihm Besitz ergriffen, Widerstand zu leisten. Somit verlor er auch jegliche Skrupel, notfalls mit Gewalt gegen das der­zeitige politische System vorzugehen, um die vorhandenen Missstände zu beseitigen.

Die politischen Kontroversen zwischen Proletariat und herrschender Klas­se trugen zwar auch ihren Teil dazu bei, dass die Novemberrevolution schließlich stattfand. Die primären, tieferen Ursachen jedoch, die das deut­sche Volk überhaupt in die Bereitschaft versetzten, das Risiko einer Revo­lution auf sich zu nehmen, die den geeigneten Nährboden dafür schufen, sind ausschließlich in dem sich wiederholenden Kreislauf von moralischem Zerfall, Kriegsmüdigkeit und der die Ideale zerstörenden Unzufriedenheit bezüglich der damaligen Zustände in Deutschland zu suchen.

Bibliographie

Quellen:

Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918 hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982

Geschichte in Quellen. Weltkriege und Revolutionen 1914-1945, hrsg. von Wolfgang Lautemann und Manfred Schlenke, München 19793

August 1914. Ein Volk zieht in den Krieg, hrsg. von Berliner Geschichts­werkstatt, Berlin 1989

Darstellungen:

Wilfrid Bade, Deutschland erwacht. Werden, Kampf und Sieg der NSDAP, Hamburg 1933

Monika Bönisch u. a., August 1914. Ein Volk zieht in den Krieg, hrsg. von Berliner Geschichtswerkstatt, Berlin 1989

J. S. Drabkin, Die Novemberrevolution 1918 in Deutschland, Berlin 1968

Willibald Gutsche / Fritz Klein / Joachim Petzold, Der Erste Weltkrieg. Ursachen und Verlauf. Herrschende Politik und Antikriegsbewegung in Deutschland, Köln 1985

Hellmut Haubold, Gesund sein – Gesund bleiben. Ein volkstümliches Hausbuch für den gesun­den und kranken Menschen. Zweiter Teil, Berlin O. J.

Joe J. Heydecker, Der große Krieg 1914-1918. Von Sarajewo bis Ver­sailles, Berlin 1988

Andreas Hillgruber / Jost Dülffer, Ploetz. Geschichte der Weltkriege. Mächte, Ereignisse, Ent­wicklungen 1900-1945, Freiburg 1981

Günter Hortzschansky u. a., Illustrierte Geschichte der deutschen Novem­berrevolution 1918/1919, Berlin 1978

Peter Graf Kielmansegg, Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802

Peter Knoch, Kriegsalltag. Die Rekonstruktion des Kriegsalltags als Auf­gabe der historischen Forschung und der Friedenserziehung, Stuttgart 1989

Eberhard Kolb, Vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, Köln 1972

Michael Salewski, Verdun und die Folgen. Eine militär- und geistesge­schichtliche Betrachtung, in: Wehrwiss. Rdsch. 25 (1976), S.89-96.

Wolfgang Schieder, Erster Weltkrieg: Ursachen, Entstehung, Kriegsziele, Köln 1969

Michael Stürmer, Das kaiserliche Deutschland, Düsseldorf 19772

Volker Ullrich, Kriegsalltag und deutsch Arbeiterschaft 1914-1918, in: GWU43 (1992) S.220-230.

Manuel Franz: Der Friede von Brest-Litovsk im Kontext deutscher Kriegszielpolitik im Ersten Weltkrieg

I. Der Friede von Brest-Litovsk: Einleitende Erläuterungen zum Thema

„Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei einerseits und Rußland andererseits erklären, daß der Kriegszustand zwischen ihnen beendet ist. Sie sind entschlossen, fortan in Frieden und Freundschaft miteinander zu leben.“71

Dieser erste Artikel des am 3. März 1918 unterzeichneten Friedensvertrags von Brest-Litovsk steht symbolisch für das Ende von mehr als dreieinhalb Jahren Blutvergießen an der Ostfront im Ersten Weltkrieg.

Einhergehend mit der allgemeinen Fokussierung auf die westlichen Kriegsschauplätze unter Vernachlässigung der Kampfhandlungen im Osten72 wird diesem Friedensschluss heute häufig viel weniger Beachtung geschenkt als etwa dem Versailler Vertrag. Dabei hatte er durchaus eine herausragende Bedeutung für die weitere geschichtliche Entwicklung im Osteuropa des 20. Jahrhunderts. Selbst heute noch sind seine territorialen Bestimmungen zum Teil konstituierend für die politische Landkarte dieser Region.

Deshalb ist es ratsam, sich näher mit dem Frieden von Brest-Litovsk und vor allem seinem Zustandekommen zu befassen. Unter welchen Bedingungen kam es zum Friedensschluss? Welche widerstreitenden Interessen spielten dabei eine Rolle und welches hat sich schließlich durchgesetzt? Was für Ergebnisse brachte der Vertrag letztlich und was hatten diese für Folgen?

Zur Beantwortung dieser Fragen ist angesichts des begrenzten Umfangs einer Proseminar-Hausarbeit eine Einschränkung auf die deutsche Perspektive sinnvoll, da das Reich als bedeutendstes Mitglied der Mittelmächte ihre Politik gegenüber Ostmitteleuropa maßgeblich prägte.73 Dieses Vorgehen schließt kleinere Exkurse auf die russische Sichtweise nicht aus, sofern sie dem umfassenderen Verständnis dienen. Ebenso bietet es sich an, einen inhaltlichen Schwerpunkt auf die verschiedenen Kriegsziel-Konzeptionen bezüglich Osteuropa zu setzen, um Muster deutscher Ostpolitik im Ersten Weltkrieg herauszuarbeiten.

Methodisch erscheint ein dreiteiliger Aufbau angemessen, um zum Schluss zu einer fundierten Beantwortung der Fragestellungen zu kommen: Zunächst wird der Weg zu den Friedensverhandlungen unter besonderer Berücksichtigung der ambivalenten Kriegszielvorstellungen innerhalb des Reichs skizziert. Im Anschluss erfolgt eine Analyse der unterschiedlichen deutschen Konzeptionen in Brest-Litovsk sowie des konkreten Verhandlungsablaufs. Schließlich werden dessen Ergebnisse und die Reaktionen darauf in Abhängigkeit zum zuvor Erarbeiteten vorgestellt.

Die verwendete Literatur basiert zu großen Teilen auf den Monographien der deutschen Geschichtswissenschaft der 1960er Jahre, wo nach einhelliger Meinung „Pionierarbeit“74 zum Thema geleistet worden ist. Nichtsdestotrotz wurden auch die Werke neuerer Autoren berücksichtigt. Als Quellen dienten neben dem obligatorischen Vertragstext selbst hauptsächlich Protokolle sowie Denkschriften zeitgenössischer Politiker, Diplomaten und Militärs.

II. Der Weg zu den Friedensverhandlungen: Hoffen auf den Separatfrieden

Die Verhandlungen und Ergebnisse von Brest-Litovsk müssen im Kontext ihrer Vorgeschichte betrachtet werden: Nur unter Kenntnisnahme der außenpolitischen Situation im Winter 1917/18 und der inneren Debatten im Deutschen Reich über die Kriegsziele gegenüber Russland ist ein tiefer gehendes Verständnis möglich.

II.1. Überblick über die politische und militärische Situation in Ostmitteleuropa zur Jahreswende 1917/18"

Nachdem in der Februarrevolution 1917 die innenpolitischen Spannungen Russlands deutlich offenbart wurden, setzte die deutsche Führung gezielt auf eine Stärkung der revolutionären Kräfte beim Kriegsgegner, da dieser nun als „das schwächste Glied in der feindlichen Kette erschien“75 und aus der Entente herausgelöst werden sollte, wie Außenminister76 Kühlmann77 anmerkte. Daher unterstützte man Lenin78 bei der Einreise nach Russland finanziell und logistisch.

Der Bolschewisten-Führer gewann dort bei den unzufriedenen Massen zunehmend an Einfluss und wurde durch die Parole „Brot und Frieden“, die sich klar von der kriegsbefürwortenden Politik der bürgerlichen Kerenski79 -Regierung abhob, populär. Dies „bereitete der neuen Revolution, für die Lenin unermüdlich agitierte, den Boden.“80 Als seine Bolschewisten dann ab dem 7. November in der Oktoberrevolution die Macht übernahmen bemühte er sich in seinem „Dekret über den Frieden“ sofort um eine Beendigung des Krieges – freilich unter der Prämisse, dass dies „ohne Annexionen [...] und Kontributionen“81 geschehen solle.

Angesichts der militärischen Lage erschien den Russen ein Friedensschluss unabdingbar: Nachdem die Kampfhandlungen an der Ostfront zunächst durch einen Bewegungskrieg mit größeren wechselseitigen Landgewinnen ohne entscheidenden Vernichtungsschlag geprägt gewesen waren82, hatte sich das Blatt im Jahr 1917 nämlich zusehends gewendet: Als die Kerenski-Offensive gegen Galizien im Juli scheiterte und seine Armee durch die „Kriegsmüdigkeit der russischen Soldaten“83 im Zerfall begriffen war, gelangen den Mittelmächten immense Vorstöße in das Hinterland des Gegners. Deshalb ersuchte die neue russische Führung um einen Waffenstillstand, der dann am 15. Dezember in Kraft trat. Die Truppen der Mittelmächte waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine Linie von Kurland bis nach Bessarabien vorgedrungen.

In dieser Situation, die durch den beginnenden russischen Bürgerkrieg noch verschärft wurde84, baten die Bolschewisten um Verhandlungen, um zu dem von Deutschland lang erhofften Separatfrieden zu kommen. Sie begannen am 22. Dezember 1917 in der besetzten Stadt Brest-Litovsk in Weißrussland.

II.2. Kriegsziele im Osten vor der Jahreswende 1917/18: Forderungen von Reichsleitung, Militär, Industrie und gesellschaftlichen Gruppen

Schon lange vor der Kriegswende an der Ostfront gab es deutsche Planspiele, wie im Falle eines Sieges über Russland die Zukunft Ostmitteleuropas aussehen sollte. Diese Kriegsziele waren jedoch kein Konsens in der deutschen Führung und Gesellschaft. Stattdessen gab es verschiedenste Überlegungen und Denkrichtungen der jeweiligen Protagonisten, die je nach persönlichem Schwerpunkt recht unterschiedlich ausfallen konnten.

Reichskanzler Bethmann Hollweg85 etwa sah als allgemeines Ziel des Krieges die „Sicherung des Deutschen Reiches nach [...] Ost auf erdenkliche Zeit. Zu diesem Zweck muß [...] Rußland von der deutschen Grenze nach Möglichkeit abgedrängt und seine Herrschaft über die nichtrussischen Vasallenvölker gebrochen werden.“86 In seinem berühmt gewordenen „Septemberprogramm“ von 1914 konzentrierte er sich jedoch auf die Forderungen im Westen und formulierte lediglich, dass „die Rußland gegenüber zu erreichenden Ziele später geprüft“87 werden sollten.

Ähnlich wie Bethmann Hollweg blieb die gesamte zivile Führung des Reichs, einschließlich der Diplomaten des Auswärtigen Amtes und der Parteipolitiker des Reichstags, vage in ihrer Ostpolitik: Die Kriegsziele variierten je nach aktueller militärischer Lage zwischen recht umfangreichen Annexionsplänen88 und einer status-quo-ante-bellum-Verständigung89, um zu einem Separatfrieden zu kommen.

Die Forderungen des Militärs waren dagegen wesentlich konkreter: Geleitet von strategischen Überlegungen für den Fall eines weiteren Krieges in der Zukunft90 machte die Oberste Heeresleitung unter anderem in einem Gutachten vom 23. Dezember 1916 unmissverständlich klar, was sie für Vorstellungen hatte. So sollten Teile Polens annektiert und dessen Rest in Abhängigkeit zu Deutschland gehalten werden. Außerdem wurden Gebietserweiterungen im Baltikum angemahnt, um dort Flottenstützpunkte für die uneingeschränkte Beherrschung der Ostsee zu errichten.91

Ebenso machten sich Vertreter der Industrie Gedanken über die Gestaltung Osteuropas nach dem Krieg und ließen sich dabei von der „Notwendigkeit, das deutsche Rohstoffpotential für die Zukunft sicherzustellen“92 leiten. Erzberger93 etwa forderte 1914 die „Zersplitterung des russischen Kolosses“ und die „Befreiung der nicht-russischen Völkerschaften ´vom Joch des Moskowitertums` unter deutscher militärischer Oberhoheit“94. Thyssen95 sprach sich neben Annexionen im Baltikum sogar für Gebietserweiterungen bis in den Kaukasus aus, um die dort vorhandenen reichen Bodenschätze nutzbar zu machen.96

Eine „führende Stellung in der Formulierung der Kriegsziele“97 hatte auch der Alldeutsche Verband inne, der durch „krasse[...] und vielfach utopische[...] Forderungen“98 auffiel. Diese waren territorial noch ambitionierter als die der Industrie und „übertraf[en] sie in ihrer Radikalität“99. So sollte etwa „eine ´ethnische Säuberung` in den zu annektierenden Gebieten durch die rücksichtslose Umsiedlung nichtdeutscher Bevölkerung erreicht werden“100. Man betrachtete Osteuropa als potentiellen „agrarischen Siedlungsraum [...], damit eine geburtenfreudige Bauernbevölkerung Deutschlands Volkstum erhalte.“101

Dagegen vertrat man auf der anderen Seite des gesellschaftlich-politischen Spektrums, in der Sozialdemokratie, einen ganz anderen Ansatz: Die SPD widersetzte sich von Anfang an jedem Versuch, den Konflikt zu einem Eroberungskrieg zu machen. Sie setzte auf einen Verständigungsfrieden mit den Gegnern und forderte lediglich, dass die territoriale Integrität des Deutschen Reichs gewahrt bleiben müsse.102 Im Übrigen vertrat sie die Meinung, „daß Annexionen volksfremder Gebiete gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker verstoßen“103 und lehnte sie deshalb ab.

III. Die Friedensverhandlungen: Zwischen Verständigung und Siegfrieden

Ausgehend von der militärisch-politischen Situation in Ostmitteleuropa und der Kriegszielfrage erscheint eine Analyse der Friedenskonferenz von Brest-Litovsk, welche – mit Unterbrechungen – vom 22. Dezember 1917 bis zum 3. März 1918 stattfand, unabdingbar. Neben der Betrachtung der unterschiedlichen deutschen Friedenskonzeptionen muss dabei auch auf den durchaus wendungsreichen Verhandlungsablauf an sich eingegangen werden.

III.1. Die unterschiedlichen deutschen Konzeptionen während der Verhandlungen

Ebenso wie es in der deutschen Führung während des gesamten Krieges Dissens über die Kriegsziele gab, war man sich auch in Brest-Litovsk zunächst nicht einig, wie der zu erreichende Friedensvertrag eigentlich aussehen sollte. Vielmehr fand im Hintergrund der Verhandlungen ein „unablässiger Kampf“104 zwischen OHL und Auswärtigem Amt um das richtige Konzept statt. So standen sich bald zwei Strömungen gegenüber, die sich jeweils an den Vorstellungen ihrer prominentesten Vertreter orientierten: Anhänger eines „Kühlmann-Friedens“ respektive eines „Hindenburg105 -Friedens“.

Außenminister Kühlmann und seine Anhänger versuchten, „auf dem Selbstbestimmungsrecht der Völker fußend“106, Annexionen zu vermeiden. Sie waren der Meinung, dass direkte Gebietsaneignungen, besonders in Polen, nur zu neuen Nationalitätenkonflikten innerhalb des Reichs führen würden.107 Stattdessen sollten die von Russland abzutretenden Gebiete autonome staatliche Strukturen ausbilden, jedoch in enger Anbindung an die Mittelmächte bestehen.108 Insgesamt forderte er moderate Gebietsverluste des ehemaligen Zarenreiches, da Kühlmann „in der Abschnürung Rußlands von der Ostsee die [...] Gefahr eines späteren Krieges“109 sah. Wie sehr er bereits für die Nachkriegszeit plante, wird auch deutlich, wenn man sein Plädoyer für die „Anbahnung von Handelsbeziehungen“110 mit dem bisherigen Kriegsgegner betrachtet. Der Diplomat war sich bei all seinen Überlegungen über die außenpolitischen Konsequenzen bei den Westmächten bewusst, die bei einem zu harten Frieden im Osten in ihren Aversionen gegen Deutschland nur noch bestärkt werden würden.111 Insgesamt trug Kühlmanns Konzept für Brest-Litovsk weitestgehend Züge eines „Verständigungsfriedens, [der] im Wertehorizont des europäischen Staatensystems verankert und insofern ´traditionell` war“112, also beispielsweise an den Prämissen des Wiener Kongresses anknüpfte.113

Hindenburg und andere Mitglieder der OHL setzten dagegen auf ein ganz anderes Vorgehen in Brest-Litovsk. Ihre Überlegungen waren vom „militärischen Sicherungsgedanken“114 geprägt. Besonders deutlich wird dies etwa, als der Generalfeldmarschall auf die Frage Kühlmanns, wozu Annexionen im Baltikum sinnvoll seien, einmal antwortete: „Ich brauche sie zur Entfaltung meines linken Flügels im nächsten Krieg.“115 Hier erkennt man, dass Hindenburg auf umfangreiche direkte Annexionen setzte, um bestmöglich auf potentielle Konflikte der Zukunft, mit denen er fest rechnete, vorbereitet zu sein.116 Er hatte hierbei vor allem größere Teile Polens und des Baltikums im Auge117. Zusätzlich zu den territorialen Forderungen kamen auch noch wirtschaftliche hinzu: Das Militär wollte sich einen Zugriff auf die Rohstoffvorkommen Osteuropas für den Rüstungsbedarf sichern. Dazu sollten etwa Stützpunkte am Schwarzen Meer zur Sicherung der Erdölzufuhr errichtet werden. Auch bekundete man Interesse an Reparationszahlungen zur Finanzierung eines kostspieligen Flottenbaus in der Zukunft.118 Neben den geostrategischen Überlegungen kam beispielsweise bei Ludendorff119, der in Friedensfragen einen streng annexionistischen Kurs fuhr, auch noch völkisches Gedankengut hinzu, das sich in ethnischem Ostraumdenken niederschlug.120 Insgesamt kann zusammengefasst werden, dass Hindenburgs Konzeption für Brest-Litovsk einem typischen Siegfrieden entsprach, der größtmögliche deutsche Machtausdehnung121 bei gleichzeitiger „Paralyse Rußlands“122 zum Ziel hatte.

III.2. Überblick über den Ablauf der Verhandlungen

Die Verhandlungen in Brest-Litovsk, die durch eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen zwischen den Mittelmächten und Russland unterbrochen wurden, lassen sich grob in zwei Phasen einteilen.

Die erste Runde der Konferenz begann am 22. Dezember 1917 mit Zusammentritt der beiden Delegationen, die auf deutscher Seite von Kühlmann, auf russischer zunächst von Joffe123, dann von Trotzki124 selbst angeführt wurden. Während die Delegierten der Mittelmächte noch zwischen den verschiedenen Friedenskonzeptionen schwankten, hatten sich die Bolschewisten bereits auf ein Programm festgelegt: Sie forderten einen Verzicht auf Annexionen und Reparationen, die Räumung aller besetzten Gebiete sowie die Achtung des Selbstbestimmungsrechts der Völker.125

Nach einigen Wochen der Konsultationen, die hier noch auf gleichberechtigter Ebene zwischen beiden Parteien stattfanden126, forderte die deutsche Seite am 19. Januar 1918 die Abtretung Polens, Litauens und Livlands als wesentlichen Inhalt eines Friedensvertrags. Daraufhin hielten die Russen Rücksprache mit der bolschewistischen Führung. Hier konnte man sich nicht zwischen der Annahme der Bedingungen, wie etwa Lenin sie forderte, und der Weiterführung der Kampfhandlungen entscheiden.127 Also setzte man auf eine „rhetorische Verzögerungstaktik“128, in der Hoffnung, dass die Mittelmächte bald durch eine Niederlage an der Westfront oder eine sozialistische Revolution im Innern als Machtfaktor ausgeschaltet sein würden. Diese reagierten auf das Vorgehen der Russen jedoch am 9. Februar mit einem Separatfrieden zwischen ihnen und der inzwischen nach Sezession strebenden Ukraine, welche dadurch als unabhängig anerkannt, aber „de facto ein deutsches Protektorat wurde“129. Trotzki rief daraufhin die Parole „Weder Krieg noch Frieden aus“, was auf den Abbruch der Verhandlungen, die einseitige Beendigung des Kriegszustands und eine Demobilisierung der russischen Armee hinauslief.130

Die Mittelmächte antworteten auf das ungewöhnliche Vorgehen der Bolschewisten mit der Aufkündigung des Waffenstillstands und der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen am 18. Februar. Aufgrund des fast nicht vorhandenen Widerstands machten ihre Truppen große Landgewinne und hielten bald das gesamte Baltikum, Weißrussland und die Ukraine besetzt. Von der Hauptstadt Petrograd, die am 2. März bombardiert wurde, trennten sie nur noch wenige Kilometer. Aufgrund dieser kritischen Situation kapitulierte die bolschewistische Führung schließlich vor einem deutschen Ultimatum.131 Begründet wurde dies damit, dass man vor die Alternative zwischen „Atempause und Untergang der Revolution“132 gestellt worden sei.

Am 1. März traf die russische Delegation zur Wiederaufnahme der Verhandlungen in Brest-Litovsk ein. Nun war man nicht mehr gleichberechtigter Konsultationspartner, sondern wurde aufgefordert, alle Forderungen der Mittelmächte ohne Diskussion anzunehmen. Lenin beugte sich und so kam es am 3. März 1918 zur Unterzeichnung des Friedensvertrags von Brest-Litovsk.133

IV. Das Ergebnis der Verhandlungen: Der Friedensvertrag von Brest-Litovsk

Zur abschließenden Analyse der deutschen Kriegszielpolitik in Osteuropa ist ein Blick auf die konkreten Bestimmungen von Brest-Litovsk essentiell, damit im Anschluss ein Überblick über die verschiedenen deutschen Reaktionen auf den Vertrag die Ausführungen zum Thema vervollständigen kann.

IV.1. Die Bestimmungen und Auswirkungen des Vertrags

Der Friedensvertrag134 regelte – neben den üblichen diplomatischen Gepflogenheiten wie etwa den Gefangenenaustausch135 – im wesentlichen die territorialen Verluste des ehemaligen Zarenreiches: Die betroffenen Regionen sollten „nicht mehr der russischen Staatshoheit“ unterstehen und frei von entsprechender Einmischung sein, da „das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn [...] das Schicksal dieser Gebiete im Einvernehmen mit der ansässigen Bevölkerung“ zu regeln gedachten.136 Diese Bestimmungen bezogen sich maßgeblich auf Polen, Litauen, Kurland und einen Teil Livlands. Hinzu kam die Abtretung einiger ostanatolischer Provinzen, die fortan türkisches Einflussgebiet werden sollten.137 Des Weiteren musste Russland die Unabhängigkeit der Ukraine anerkennen sowie Estland und den Rest Livlands militärisch räumen138, was auch diese Gebiete „de facto unter deutsche Verwaltung“139 stellte.

In einem Ergänzungsvertrag vom 27. August 1918 verzichteten die Bolschewisten dann endgültig auf das gesamte Baltikum und akzeptierten sogar die Loslösung Georgiens. Außerdem war Finnland mittlerweile unabhängig geworden. Ebenfalls hinzu kam eine russische Zahlung in Höhe von 6 Milliarden Mark. Im Gegenzug räumte Deutschland Weißrussland und verzichtete auf eine Intervention im Bürgerkrieg.140

Die Auswirkungen des Friedensschlusses für Russland waren immens: Es musste „den größten Teil der Eroberungen wieder abtreten, die das Land seit der Mitte des 17. Jahrhunderts gemacht hatte; [im Westen] schrumpften seine Grenzen auf die des Moskowiter Reiches“141. Dies beinhaltete den Verlust von „26% seiner Bevölkerung, 27% des anbaufähigen Landes, 26% des Eisenbahnnetzes, 33% der Textilindustrie, 73% der Eisenindustrie und 75% der Kohlenbergwerke“142.

Doch auch Deutschland musste die Auswirkungen des von ihm diktierten Friedens tragen: Ihm fielen 750 000 Quadratkilometer an ehemaligem russischen Staatsgebiet zu, dessen größter Teil bis zur endgültigen Klärung seiner staatsrechtlichen Zukunft verwaltet werden musste.143 Ebenso stellte die wirtschaftliche Nutzbarmachung dieser Territorien für die weitere deutsche Kriegsführung im Westen ein Problem dar. Besonders folgenreich war jedoch, dass durch die schiere Größe der erworbenen Gebiete in Osteuropa und deren politische Instabilität starke Truppenverbände dort zu Zwecken der Besatzung gebunden wurden. Diese fehlten also für eine militärische Entscheidung an der Westfront.144 So konnte der Separatfrieden im Osten nicht den strategischen Nutzen bringen, den man sich in Deutschland während des gesamten Krieges erhofft hatte.145

IV.2. Rezeption des Vertrags im Deutschen Reich: Reaktionen von OHL, Kühlmann und Reichstagsparteien

Auch wenn die Reaktionen auf den Friedensvertrag in der Breite der Bevölkerung grundsätzlich affirmativer Natur waren146, kann man innerhalb der deutschen Führung doch unterschiedliche Rezeptionen ausmachen. Auch die Vertreter der verschiedenen Reichstagsparteien äußerten sich je nach der von ihnen vertretenen politisch-gesellschaftlichen Strömung ambivalent bei der Ratifizierungsdebatte um den Vertrag. Hier lassen sich wesentliche Unterschiede anhand der Kriegszielvorstellungen und Friedenskonzeptionen der jeweiligen Protagonisten ausmachen.

Die OHL etwa war grundsätzlich sehr zufrieden mit dem Verhandlungsergebnis von Brest-Litovsk: Man hatte Russland als Gegner ausgeschaltet, es durch die Gebietsverluste entscheidend geschwächt und blickte nun hoffnungsfroh auf die Westfront, wo sich die militärische Situation durch die deutsche Entlastung im Osten augenscheinlich gebessert hatte.147 Aus strategischer Perspektive war dies ein großer Erfolg. Auch wenn Ludendorff nicht all seine Forderungen durchsetzen konnte – so gab es beispielsweise Gedankenspiele nach Petrograd und Moskau zu marschieren, um den Bolschewismus dort auszulöschen148 – fühlte sich das Militär doch als treibende Kraft hinter dem Friedensvertrag.149

Außenminister Kühlmann dagegen stand dem Endergebnis von Brest-Litovsk wesentlich reservierter gegenüber: Der seiner Meinung nach durch „nachträglich angemeldete Änderung[en] verschlechterte[...] Vertrag“150 müsste erst noch beweisen, was von ihm „als endgültig gesichert übrigbleiben würde“151. Folglich sah Kühlmann ihn „nur als Provisorium an“152 und hatte wenig Lust ihn als deutscher Verhandlungsführer eigenhändig zu unterschreiben153, was auf eine sehr begrenzte Identifikation mit dem Beschlossenen hindeutet.

Die Vertreter der rechten Reichstagsparteien, der Konservativen und Nationalliberalen, begrüßten den Vertrag zwar grundsätzlich, kritisierten „seine Bedingungen aber als nicht weitgehend genug“154. So äußerten sie sich zwar zustimmend darüber, dass „in erster Linie den Bedürfnissen des Deutschen Reichs, vor allen Dingen der militärischen Grenzsicherung [...] Rechnung getragen“155 wurde. Allerdings hätten sie sich noch zusätzliche finanzielle Kriegsentschädigungen der Russen gewünscht.156

Den Parteien der Mitte, Zentrum und Linksliberale, stellte sich „die Selbstbestimmungsklausel im Vertrag von Brest-Litowsk“157 als Zustimmungsgrund bei der Ratifizierung dar. Sie mahnten zwar mehr Rücksichtnahme auf die Interessen der betroffenen Bevölkerung in den ehemals russischen Gebieten an158, votierten ansonsten aber für die parlamentarische Annahme des Friedensschlusses.

Einzig die sozialistischen Reichstagsfraktionen von SPD und USPD nahmen eine kritischere Haltung ein: Die Mehrheitssozialdemokraten sahen vor allem eine Brest-Litovsker „Annexionsmentalität“159, die freundschaftlichen Beziehungen zu Russland in der Zukunft im Weg stehen könnte.160 Außerdem kritisierten sie, dass der Reichstag beim Zustandekommen des Friedens nicht beteiligt gewesen war.161 Dennoch enthielten sie sich bei der Abstimmung lediglich, da „durch diesen Vertrag der Krieg im Osten tatsächlich beendet“162 worden sei. Einzig die Unabhängigen Sozialdemokraten stimmten dagegen, da sie das Verhandlungsergebnis als nicht vereinbar mit den Vorstellungen eines Verteidigungskrieges und dem deutschen Ansehen in der Welt betrachteten.163

V. Schlussbetrachtungen: Fazit und Ausblick

Neben einem Resümee des Erarbeiteten und dem Aufgreifen der eingangs formulierten Fragen bietet sich ein Ausblick auf die Bedeutung des Brest-Litovsker Friedens für die weitere geschichtliche Entwicklung Osteuropas als Schlussbetrachtung an.

V.1. Fazit: Der ambivalente Charakter des Friedensvertrags

Als Ergebnis dieser Hausarbeit soll eine Antwort auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen deutscher Kriegszielpolitik im Ersten Weltkrieg und dem Friedensvertrag von Brest-Litovsk stehen.

Auf den ersten Blick erscheint die Klärung dieser Fragestellung eindeutig: Betrachtet man die unterschiedlichen deutschen Konzepte im Vorfeld des Separatfriedens im Osten und schaut sich dann die konkreten Bestimmungen des Vertrags an, so scheinen sich die Verfechter eines Siegfriedens durchgesetzt zu haben. Immerhin beherrschten die Mittelmächte nun einen Großteil Osteuropas164 – „ihr Einflussgebiet erstreckte sich [...] bis nach Finnland, nach Narwa, in die Ukraine und in den Kaukasus hinein“165. Das war zum Teil mehr als selbst die ambitioniertesten Kriegsziele vor dem Winter 1917 vorsahen. Daher war – wie schon aus den oben beschriebenen Reaktionen des Außenministers hervorgeht – der Vertrag aus dieser Perspektive nicht nur kein „Kühlmann-Frieden“, sondern sogar eher ein „Ludendorff-“ als ein „Hindenburg-Frieden“. Er erscheint hier geradezu symptomatisch für das oftmals vorhandene „Übergewicht des Militärischen über die Politik“166 im Kaiserreich.

Dementsprechend negativ fällt auch seine Bewertung in weiten Teilen der Geschichtswissenschaft aus. Brest-Litovsk gilt als einer der „unglücklichsten Friedensschlüsse[...] der Geschichte“167 und wird als „Macht- und Gewaltfrieden“168, bei marxistischen Autoren auch als annexionistisch-imperialistischer „Raubfrieden“169 bezeichnet.

Um zu einem differenzierteren Gesamtbild zu kommen, muss man jedoch auch bedenken, dass unter ethnischen Gesichtspunkten „aus dem Bereiche des ehemaligen russischen Kaiserreiches nur nichtrussische Gebiete herausgenommen wurden [...]; das eigentliche großrussische Gebiet wurde nicht angetastet“170. Hinzu kommt, dass der „Auflösungsprozeß des russischen Reiches [...] bereits seit der Februarrevolution 1917 in vollem Gange“171 war. Ebenso sollte man auch nicht vergessen, dass in der ersten Phase der Friedensverhandlungen ein Kühlmannscher Verständigungsfriede mit milderen Bedingungen im Bereich des Möglichen lag, ein solcher jedoch durch Trotzkis ungeschicktes Vorgehen und dem einseitigen Abbruch der Konsultationen von bolschewistischer Seite aus konterkariert wurde.172

Anstatt einer definitiven Antwort soll angesichts dieses ambivalenten Charakters von Brest-Litovsk daher eine Frage das Fazit dieser Hausarbeit abschließen: „Der Brester Friede mit Rußland war sicherlich ein Machtfriede, in dem militärisch-strategische und auch wirtschaftliche Gesichtspunkte überwogen; aber war ein Verständigungsfriede mit dem bolschewistischen Rußland überhaupt möglich, mit einem gänzlich anders gearteten sozial-politischen System, das Brest-Litovsk als Agitationsbühne für die proletarische bolschewistische Weltrevolution benützte und das politische und soziale System der Mittelmächte zerstören wollte?“173

V.2. Ausblick: Die Bedeutung des Friedensvertrags für die Geschichte Osteuropas

Unabhängig von der Frage nach den Charakteristika Brest-Litovsks sollte auch seine tiefere Bedeutung für die osteuropäische Geschichte nicht außer Acht gelassen werden. So wurden die Bestimmungen des Vertrags zwar durch den Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 annulliert174, sie wirkten jedoch noch lange fort: Die vom Russischen Reich abgefallenen Völker nutzten das Machtvakuum nach der deutschen Niederlage im Westen und bildeten schnell neue Staaten, die die politische Landkarte Ostmitteleuropas grundlegend veränderten. Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen wurden unabhängig, gerieten jedoch immer wieder in Konflikte mit dem mächtigen Nachbarn im Osten. Dies schlug sich beispielsweise im Sowjetisch-Polnischen Krieg nieder. Andere durch Brest-Litovsk kurzzeitig autonom gewordene Territorien wie die Ukraine und Georgien dagegen wurden dem russischen Staatsgebiet gewaltsam wieder einverleibt. Insgesamt sorgten die durch den Friedensvertrag vorweggenommenen Grenzverläufe im gesamten 20. Jahrhundert für politische Spannungen, die nicht zuletzt am Vorabend des Zweiten Weltkriegs eine Rolle spielen sollten.175 Manche Historiker interpretieren aus dem Friedensschluss sogar eine Kontinuitätslinie zum nationalsozialistischen Deutschland und seinem „aggressiven ´Drang nach Osten`“176.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Brest-Litovsk mehr als nur der von den Deutschen lang erhoffte Separatfrieden im Ersten Weltkrieg war. Vielmehr setzte es eine „Ereignis- und Kausalkette“ in Gang, die „nachhaltig und [...] fortdauernd“177 war: Nicht zuletzt stellte der Friedensvertrag die „lebenswichtige[...] Atempause für Lenin zur Konsolidierung seiner Macht“ dar und markiert daher den „Anbruch des neuen Weltstaatensystems Sowjetrussland-USA“178 mit, das die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen sollte.

VI. Literatur- und Quellenverzeichnis

VI.1. Literaturverzeichnis

BAUMGART, Winfried: Brest-Litovsk und Versailles. Ein Vergleich zweier Friedensschlüsse. In: Historische Zeitschrift, 210 (1970), S. 583-619.

DERS.: Deutsche Ostpolitik 1918. Von Brest-Litovsk bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Wien/München 1966.

BIHL, Wolfdieter: Österreich-Ungarn und die Friedensschlüsse von Brest-Litovsk. Wien/Köln/Graz 1970.

DOERING-MANTEUFFEL, Anselm: Ostmitteleuropa, Brest-Litovsk und die europäische Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg. Zur Bedeutung der Historiographie der sechziger Jahre für die Gegenwart. In: ELZ, Wolfgang/NEITZEL, Sönke (Hrsg.): Internationale Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Winfried Baumgart zum 65. Geburtstag. Paderborn u.a. 2003, S. 205-215.

FISCHER, Fritz: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Sonderausgabe. Düsseldorf 1967.

GLOECKNER, Eduard: Vor 75 Jahren, In: Europäische Sicherheit, 42 (1993), S. 129-131.

GROß, Gerhard: Die vergessene Front. Der Osten 1914/15. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung. Paderborn u.a. 2006.

HERING, Rainer: Konstruierte Nation. Der Alldeutsche Verband 1890-1939. Hamburg 2003.

KOCHANEK, Hildegard: Friede von Brest-Litovsk. In: HIRSCHFELD, Gerhard/KRUMEICH, Gerd/RENZ, Irina (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Paderborn 2009, S: 506-508.

MEYER, Fritjof: „Lenin arbeitet nach Wunsch“. Der Zusammenbruch des Zarenreichs. In: BURGDORFF, Stephan/WIEGREFE, Klaus (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Die Urkatastophe des 20. Jahrhunderts. München 2004, S. 121-126.

PETZOLD, Joachim: Ludendorff oder Kühlmann. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Oberster Heeresleitung und Reichsregierung zur Zeit der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 12 (1964), S. 817-832.

SALEWSKI, Michael: Der Erste Weltkrieg. Paderborn u.a. 2003.

STONE, Norman: Ostfront. In: HIRSCHFELD/KRUMEICH/RENZ (Hrsg.): Enzyklopädie, S. 762-764.

VON RAUCH, Georg: Geschichte des bolschewistischen Russland. 3. Aufl. Wiesbaden 1955.

WHEELER-BENNETT, John: Brest-Litovsk. The Forgotten Peace. March 1918. London 1956.

VI.2. Quellenverzeichnis

BIHL, Wolfdieter (Hrsg.): Deutsche Quellen zur Geschichte des Ersten Weltkriegs. Darmstadt 1991.

LINKE, Horst Günther (Hrsg.): Quellen zu den deutsch-sowjetischen Beziehungen. Darmstadt 1998.

MARHEFKA, Edmund/HAMMERSTEIN, Hans/STEIN, Otto (Hrsg.): Der Waffenstillstand 1918-1919. Das Dokumentenmaterial der Waffenstillstandsverhandlungen von Compiègne, Spa, Trier und Brüssel. Notenwechsel, Verhandlungsprotokolle, Verträge, Gesamttätigkeitsbericht. Berlin 1928.

VON HINDENBURG, Paul: Aus meinem Leben. Illustrierte Volksausgabe. Leipzig 1934.

VON KÜHLMANN, Richard: Erinnerungen. Heidelberg 1948.

VII. Anhang

VII.1. Karte: Territoriale Verluste Russlands durch den Friedensvertrag von Brest-Litovsk

Entnommen aus: http://cla.calpoly.edu/~lcall/brest_litovsk.jpg (24.03.2010).

Grau eingefärbte Flächen: Vom ehemaligen Russischen Reich durch den Vertrag von Brest-Litovsk abgelöste Gebiete bzw. im Falle Livlands und Estlands zunächst nur militärisch geräumte Gebiete.

Bernd Paric: Der Versailler Vertrag und seine wirtschaftlichen Belastungen in der Nachkriegszeit

1. Einleitung

Es ist still geworden um den Versailler Vertrag. Einzig und allein im Bundeshaushalt weist ein versteckter Restposten von wenigen Millionen Euro auf jenen Friedensschluss hin, der seinerzeit nicht weniger als die friedliche Koexistenz der europäischen Mächte und der Welt regeln sollte. Der „Schandfrieden“ wurde in Deutschland zum Synonym für eine ganze Generation. Er ist Geschichte. Die Zeit heilte die tiefen Wunden, die schmerzhaften Verluste, sie ließ neue Generationen heranwachsen, die sich ohne Scheuklappen und Emotionen mit der Materie befasste. Unzählige Historiker nahmen sich ihm an und versuchten den zähen Nebel der Vergangenheit zu lichten, Legenden zu zerstören und neue Erkenntnisse der Welt zugänglich zu machen. Kein Friedensvertrag in der deutschen Historie bewegte wohl mehr Menschen, erzeugte so viel Hass und Zorn. Warum nur? Alles begann so Verheißungsvoll, als der von aller Welt gefeierte Messias den Weg ins alte Europa fand. Im Gepäck jene 14 berühmten Punkte, die den Weltfrieden bringen sollten. Es wurde ein Schauspiel erster Güte, das sich sechs Monate lang in Paris abspielte. Als hätten die talentiertesten Literaten die Feder geschwungen, um ein großes Werk zu schreiben. Der Versailler Vertrag ist im Grunde ein tragisches Schauspiel eines großen Mannes, der seine eigenen Fähigkeiten überschätzte und der dafür bestraft wurde. In seinem idealistischen Streben nach einem Verständigungsfrieden, konnte er auf dem europäischen Schlachtfeld der Diplomatie nicht gewinnen. Es war ein Abschied mit viel Pathos. Wilson verließ die Verhandlungen und überließ die Geschicke Großbritannien und Frankreich. Die wirtschaftlich bei weitem stärkste Macht und Hauptgläubigernation Europas zog sich zurück und gab ihrer Doktrin der „splending isolation“ den Vorzug. Sie werden es sicher bereut haben. Ein Viertel Jahrhundert später werden sie ihren Fehler nicht wiederholen. Amerika wird seine schützende Hand über das abendländische Europa legen. Der Versailler Vertrag hatte es schwer. Niemand war mit ihm zufrieden. Den Deutschen freilich widerfuhr die größte Ungerechtigkeit in der Menschheitsgeschichte. Ganz Unrecht hatte das Reich damit nicht. Die im Artikel 231 manifestierte Alleinschuld ist aus heutiger Sicht nicht mehr haltbar. Doch muss ein Friede gerecht sein, um den allgemeinen Ansprüchen zu genügen? Aus geschichtswissenschaftlichen Gesichtspunkten wird ein Friede primär danach beurteilt, ob er ein stabiles politisches Gleichgewicht über eine längere Zeitperiode gewährleisten kann. Die Frage nach der Gerechtigkeit ist damit eher den oben genannten Prinzipien unterzuordnen. Paradoxerweise war nicht nur das besiegte Deutschland vollkommen unzufrieden mit dem Diktat. Auch die „Großen Drei“ des Friedensschlusses konnten sich nicht so recht mit ihrem Friedenwerk anfreunden. Dies lässt tiefe Einblicke zu und deutet darauf hin, dass der Vertrag aus unzähligen Kompromissen gezimmert wurde. Es hätte jedoch vermutlich weit aus schlimmer für das Deutsche Reich kommen können, falls Wilson und Lloyd George, Frankreichs Hardliner Foch und Klotz gewähren ließen. So ist zu konstatieren, dass dem deutschen Volk die Stellung einer europäischen Großmacht durchaus zugestanden worden ist. Inwieweit die Restriktionen des Vertrages die weitere wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands beeinträchtigte und welche Chancen und Risiken der Pariser Friedensschluss mit sich brachte, soll in dieser Arbeit erörtert werden. Dabei wird ein besonderer Wert der Kohle- und Reparationsfrage beigemessen, ihrer Ausführbarkeit und gesamtwirtschaftlichen Folgen für die deutsche Volkswirtschaft. Eingehend Platz wird dabei der kontroversen Diskussion zwischen Keynes und Mantoux gewährt werden. Abschließend wird eine gegenläufige Hypothese behandelt, welche eine Durchführbarkeit der Reparationsleistungen unter Umständen für möglich hält. Zuvor soll jedoch in Kapitel 2 auf die chronologischen Ereignisse des Friedensschlusses eingegangen werden. Um die Analyse der vertraglichen Bestimmungen nicht in einem leeren Kontext stehen zu lassen, ist es erforderlich die wirtschaftliche Entwicklung Europas vor dem Krieg zu skizzieren, vor allem deshalb, weil Keynes unter anderem seine Kritik an der Zerstörung der wirtschaftlichen Einheit Europas fest macht. Weiterhin ist es erforderlich in Kapitel 3 die Ausgangslage der deutschen Wirtschaft nach dem Krieg zu schildern, um auch hier einen besseren Einblick für in die Problematik dieses Zeitabschnittes zu erhalten.

2. Chronologie des Friedensschlusses

Zu Beginn scheint es sinnvoll, den Verlauf der Pariser Friedensverhandlungen in aller Kürze zu schildern, um einen Gesamtüberblick über das komplizierte Zustandekommen zu geben. Grundlage dieser Verhandlungen zwischen den Alliierten und Deutschland waren die berühmten 14 Punkte des amerikanischen Präsidenten Wilson. Urheber dieser 14 Punkte war George Creel, Vorsitzender des Committee on Public Information. Creel teilte die Friedensbedingungen in vierzehn Punkte und übermittelte sie dem Präsidenten.179

Ausgangspunkt war die Bitte der deutschen Reichsleitung unter dem Reichskanzler Max von Baden, nach Vermittlung eines Waffenstillstandes auf Basis der 14 Punkte. Am 3. Oktober 1918 erging daher das Gesuch an den amerikanischen Präsident Wilson, Friedensverhandlungen anzubahnen. Welche Merkmale wies dieses Friedensprogramm auf, das Wilson am 18. Januar 1918 verkündete und auf das sich Deutschland nun berief? Es ist festzustellen, dass es sich im Grunde um „Muß“ und „Soll-Forderungen“ handelte. Die Schaffung eines Völkerbundes, die Wiederherstellung Belgiens, der Wiederaufbau zerstörter Gebiete Frankreichs und die Rückgabe Elsass-Lothringen wurden unter anderem als unverhandelbar angesehen. Die Errichtung eines unabhängigen polnischen Staats war eine von mehreren „Soll-Forderung“(siehe Anlage I).180 Neben diesen Bestimmungen kamen noch „Vier Grundsätze“ und „Fünf besondere Sätze“ hinzu. Dieser Note vom 11. Februar 1918 stand die Feststellung voran, dass es „keine Annexionen, keine Kontributionen, keine Strafbestimmungen“ geben solle.181 Insgesamt konnte die deutsche Seite hoffen, mit einem blauen Auge davonzukommen. Freilich kam es, wie wir heute wissen, ganz anders. Am 18. Januar 1919 wurde die formelle Vorkriegskonferenz in der französischen Hauptstadt eröffnet. An den Verhandlungen nahmen 27 Siegerstaaten teil, den besiegten Mächten wurde die Teilnahme verwehrt. Die eigentlichen Entscheidungen wurden im Obersten Rat der „Großen Zehn“, später der „Großen Vier“ (Wilson, Lloyd George, Clemenceau, Orlando) getroffen. Die im Vorfeld proklamierten 14 Punkte traten dabei immer mehr in den Hintergrund. Nicht nur die schier unglaublich hohe Anzahl an Partikularinteressen des Viererrates führten zu immer größeren Gegensätzen, auch die zahlreichen während des Krieges geschlossenen Verträge erschwerten die Entscheidungsfindung erheblich. Zu nennen wäre hier exemplarisch der Londoner Vertrag von 1915. Hierin verpflichteten sich die Westmächte die Ansprüche Italiens an der Adria zu unterstützen. Dies wiederum stellte den Grundsatz der nationalen Selbstbestimmung in Frage, auf den sich der neugegründete jugoslawische Staat berief. Wilsons Intervention und direkter Appell an das italienische Volk, „Konzessionsbereitschaft“ zu zeigen führte dazu, dass Orlando die Verhandlungen für 14 Tage verließ.

In hartnäckigen und durch Kompromisse geprägten Auseinandersetzungen zwischen den Siegermächten kam es schließlich, auch vor dem Hintergrund einer Verschärfung der internationalen Lage, respektive der bolschewistischen Gefahr, zu einem Abschluss der Verhandlungen. Am 18. April erging an die deutsche Delegation die Einladung, die Friedensbedingungen in Versailles entgegen zu nehmen.182 Bereits die Zugfahrt nach Frankreich war eine einzige Anklage und sollte den Vertretern des Reiches aufzeigen, was der deutsche Militarismus an Zerstörung angerichtet hatte. Unter Führung von Brockdorf-Rantzau nahmen die Deutschen am 07.05.1919 das fertige Vertragswerk entgegen. Nach äußerst zähen und turbulenten Diskussionen stimmte die deutsche Nationalversammlung mit 227 zu 138 Stimmen für die Annahme des Friedensschlusses. Kurz vor Ablauf des Ultimatums telegraphierten die Deutschen das Ergebnis an die Alliierten. Außenminister Hermann Müller und Justizminister Bell oblag die Bürde nach Versailles zu reisen183. Der Erste Weltkrieg wurde am 28.06.1919 durch die Ratifizierung des Vertrages formal zum Abschluss gebracht.

Die Reparationsfrage konnte während den Friedensverhandlungen nicht geklärt werden, da es den Siegermächten nicht gelang, einen einheitlichen Betrag auszuhandeln. Während die amerikanische Seite maßvolle Geldleistungen einforderte, jonglierten die Franzosen mit exorbitanten Summen umher. Infolgedessen wurde beschlossen der Alliierten Reparationskommission die Aufgabe zu übertragen eine Summe festzulegen.184 In über fünfzehn alliierten Konferenzen ,zehn deutsch-alliierten Verhandlungen, 25 Notenwechseln und mehreren Tagungen von Sachverständigenkommissionen erreichte man am 29. Januar 1921 folgendes Ergebnis: Das deutsche Reich wurde verpflichtet insgesamt 226 Milliarden Goldmark, sowie 12 Prozent des jährlichen Wertes der deutschen Exporte abzuleisten. Der Beginn der Zahlungen wurde auf den 1. Mai 1921 festgelegt und sollte bis in Jahre 1963 andauern. Nach Besetzung der Städte Düsseldorf und Duisburg, sowie heftigen politischen Auseinandersetzungen zwischen Sieger und Besiegten, wurde die astronomische Forderung schließlich auf 132 Milliarden GM und 26 Prozent der Exportwerte reduziert.185

3. Europa vor dem Krieg

Um Keynes Kritik in den folgenden Kapiteln besser nachvollziehen zu können, ist es förderlich das Europa vor dem Krieg in groben Zügen zu schildern. Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der Industrialisierung. Kaum ein Ereignis prägte diese Epoche stärker und führte zu größeren Veränderungen der Wirtschaftsordnung. Die Dampfmaschine revolutionierte nicht nur die Produktionsprozesse, sondern gleichzeitig auch die Gesellschaft. Alte ständische Privilegien wurden durch die neue Marktgesellschaft zurückgedrängt. Das Herausbilden sozialer Klassen führte schließlich zur Proletarisierung von Millionen von Menschen und war damit die umfassendste gesellschaftliche Veränderung, die sich seit Beginn der Neuzeit in der westlichen Welt vollzogen hat. Der im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern eher rückständige deutsche Agrarstaat entwickelte sich prächtig und schloss zu den führenden Industrienationen auf.186 Die Bevölkerung Deutschland lag 1870 bei ungefähr 40 Millionen. Unmittelbar vor dem Esten Weltkrieg zählte das Reich bereits 68 Millionen Menschen, wobei ein jährlicher Zuwachs von circa 850000 die weitere Entwicklung deutlich machte. Um die stetig ansteigende Zahl an Menschen ernähren und beschäftigen zu können, musste die deutsche Volkswirtschaft „ständig mit Volldampf arbeiten“. Die Habsburger Monarchie nahm eine ähnliche Entwicklung, jedoch in einem weniger intensiven Tempo. Das österreichisch-ungarische Volk vermehrte seine Einwohner von 1890 bis 1914 um 10 Millionen auf wenigstens 50 Millionen. Mitteleuropas außerordentliche Entwicklung führte dazu, dass die Bevölkerung Deutschlands und Österreich-Ungarns nahezu identisch mit der ganz Nordamerikas war. Auch in Russland fand ein ungeheuer dynamisches Bevölkerungswachstum statt. Aus 100 Millionen Menschen 1890 wurden vor Kriegsausbruch ungefähr 150 Millionen. Des Weiteren ergab sich ein positiver Saldo bei den Geburten von jährlich 8 Millionen. Annähernd 300 Millionen lebten zu Beginn des 20. Jahrhunderts in jenen drei genannten Reichen. Störungen waren in diesem Wirtschaftsraum durch Grenzen und Zolltarife äußerst gering. Alle Währungen basierten auf dem Goldstandart und erleichterten somit „die Bewegung des Kapitals und des Handels“ ungemein. Es herrschte in diesem Gebiet fast „vollkommene Sicherheit des Eigentums und der Person“. Eine solche „Sicherheit und Gleichförmigkeit“ ermöglichte einen florierenden Warenaustausch. Das deutsche Reich bildete das Zentrum des europäischen Wirtschaftssystems. Die gegenseitigen Verflechtungen zwischen Deutschland und seinen Anrainerstaaten waren enorm. Deutschland war der beste Kunde von Russland, Norwegen, Holland, Belgien, der Schweiz, Italien und Österreich-Ungarns. An zweiter Stelle der Rangliste folgten Großbritannien, Schweden und Dänemark. Es war der wichtigste Exporteur für Russland, Norwegen, Holland, Schweden, Dänemark, Schweiz, Italien, Österreich-Ungarn, der zweitwichtigste Großbritanniens, Belgiens und Frankreichs.187

Die bereits im 19. Jahrhundert begonnene außenwirtschaftliche Verflechtung förderte das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand Europas. Die Produktionsstandorte unterschieden sich im Hinblick auf die Faktorausstattung, Boden, Arbeit, Kapital und Humankapital. Eine steigende außenwirtschaftliche Verflechtung ermöglichte eine Vertiefung der Arbeitsteilung und dadurch die Verlagerung der Produktion eines Gutes an die Standorte, an denen die erforderlichen Produktionsfaktoren besonders reichlich vorhanden waren. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, Güter effizienter und kostengünstiger herzustellen. Gefördert würden diese Entwicklungen durch technologische Innovationen. Hierbei sind in besonderem Maße die sinkenden Transportkosten entscheidend. Infolge des Ausbaus des Kanalnetzes konnte eine starke Ausweitung der Binnenschifffahrt erreicht werden. Insofern ergab sich eine Preisreduktion gegenüber dem Straßentransport von 50–75%. Verbilligte und beschleunigte Seetransporte waren nun auch auf den Weltmeeren möglich. Die neuen Dampfschiffgenerationen mit Stahlrümpfen ermöglichten immer größere und leistungsstärkere Schifftypen. Der Eisenbahnbau trug in einem noch höheren Maße zur Mobilität bei. Nach Bauabschluss der Hauptlinien in 1840er–1880er Jahren wurde die Eisenbahn das wichtigste, billigste und schnellste Verkehrs- und Transportmittel. In Deutschland sanken die Bahnfrachtpreise sukzessive von 1850–1880 um gut 50%.188

[...]


1 Günter Hertzschansky u.a. (Hrsg.), Illustrierte Geschichte der deutschen Novemberre­volution 1918/1919, Berlin 1978, S.81, 82.

2 Ebenda, S.86 ff.

3 Ebenda, S.93.

4 Ebenda, S.86.

5 Ebenda, S.75.

6 Ebenda, S.81.

7 Jürgen Kocka, Das kaiserliche Deutschland, Düsseldorf 19772, S.265 ff.

8 Hans-Jürgen Puhle, Ebenda, S.340 ff. Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982, S.43-47.

9 Zitiert nach Jost Dülffer (Hrsg.), Ploetz. Geschichte der Weltkriege. Mächte, Ereignisse, Entwicklungen 1900-1945, Freiburg 1981 S.14.

10 Jost Düllfer (Hrsg.), Ploetz. Geschichte der Weltkriege. Mächte, Ereignisse, Entwick­lungen 1900-1945, Freiburg 1988, S.14.

11 Brockhaus Bd. 24, S.27.

12 Zitiert nach Ulrich Cartarius (Hrsg.), Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, München 1982, S.15.

13 Jürgen Kocka, Das kaiserliche Deutschland, Düsseldorf 19772, S.265 ff.

14 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.147.

15 Gerd-Walter Fritsche, Kriegsalltag. Die Rekonstruktion des Kriegsalltags als Aufgabe der historischen Forschung und der Friedenserziehung, Stuttgart 1989, S.155.

16 Jost Dülffer (Hrsg.), Ploetz. Geschichte der Weltkriege, Freiburg 1988, S.10, 11.

17 Monika Bönisch u.a., August 1914. Ein Volk zieht in den Krieg, Berlin 1989, S.40, 41.

18 Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982, S.11.

19 Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982, S.11, 15.

20 Gerd-Walter Fritsche, Kriegsalltag, Stuttgart 1989, S.114.

21 Zitiert nach Ulrich Cartarius (Hrsg.), Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Do­kumente 1914-1918, München 1982, S.13.

22 Monika Bönisch u.a., August 1914. Ein Volk zieht in den Krieg, Berlin 1989, S.237.

23 Ebenda, S.77.

24 Ebenda, S.78.

25 Ebenda, S.236.

26 Ebenda, S.234, 235.

27 Monika Bönisch u.a., August 1914. Ein Volk zieht in den Krieg, Berlin 1989, S.234.

28 Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982, S.10.

29 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.146, 147.

30 Gerd Walter Fritsche, Kriegsalltag, Stuttgart 1989, S.115.

31 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S. 24.

32 Gerd Walter Fritsche, Kriegsalltag, Stuttgart 1989, S.115.

33 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S. 64,89.

34 Ebenda, S.67.

35 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.68.

36 Ebenda, S.62, 63, 90.

37 Willibald Gutsche u.a. (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg. Ursachen und Verlauf. Herr­schende Politik und Antikriegsbewegung in Deutschland, Köln 1985, S.142, 143.

38 J.S.Drabkin (Hrsg.), Die Novemberrevolution 1918 in Deutschland, Berlin 1968, S.73.

39 Willibald Gutsche u.a. (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg. Ursachen und Verlauf. Herr­schende Politik und Antikriegsbewegung in Deutschland, Köln 1985, S.142.

40 J.S.Drabkin (Hrsg.), Die Novemberrevolution 1918 in Deutschland, Berlin 1968, S.73.

41 Ebenda, S.74.

42 Brockhaus Bd. 14, S.274.

43 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.) Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.45.

44 Willibald Gutsche u.a. (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg. Ursachen und Verlauf. Herr­schende Politik und Antikriegsbewegung in Deutschland, Köln 1985, S.145.

45 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.90, 91.

46 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.90, 91.

47 Wilfrid Bade, Deutschland erwacht. Werden, Kampf und Sieg der NSDAP, Hamburg 1933, S.11.

48 Hellmut Haubold (Hrsg.), Gesund sein - Gesund bleiben × Ein volkstümliches Haus­buch für den gesunden und kranken Menschen. Zweiter Teil, Berlin O.J., S.371, 372.

49 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S. 162.

50 Willibald Gutsche u.a. (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg. Ursachen und Verlauf. Herr­schende Politik und Antikriegsbewegung in Deutschland, Köln 1985, S.75.

51 Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982, S.43, 44.

52 Gerhard Ritter, Vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, Köln 1972, S.44.

53 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.188, 191 ff.

54 Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982, S.44, 45.

55 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.173, 181, 182.

56 Ebenda, S.183.

57 Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. Ulrich Cartarius, München 1982, S.44.

58 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.174.

59 Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Car­tarius, München 1982, S.260, 273, 274.

60 Monika Bönisch u.a., August 1914. Ein Volk zieht in den Krieg, Berlin 1989, S.167.

61 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.175.

62 Willibald Gutsche u.a. (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg. Ursachen und Verlauf. Herr­schende Politik und Antikriegsbewegung in Deutschland, Köln 1985, S.186.

63 Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982, S. 272, 273, 277.

Willibald Gutsche u.a. (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg. Ursachen und Verlauf. Herrschende Politik und Antikriegsbewegung in Deutschland, Köln 1985, S.186, 187.

64 Monika Bönisch u.a., August 1914. Ein Volk zieht in den Krieg, Berlin 1989, S.165.

65 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.181.

66 Willibald Gutsche u.a. (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg. Ursachen und Verlauf. Herr­schende Politik und Antikriegsbewegung in Deutschland, Köln 1985, S.186.

67 J.S.Drabkin (Hrsg.), Die Novemberrevolution 1918 in Deutschland, Berlin 1968, S.71.

68 Geschichte in Quellen. Weltkriege und Revolutionen 1914-1945, hrsg. von Wolfgang Lautemann und Manfred Schlenke, München 19793, S.158.

69 Ebenda, S.100.

70 Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.172.

71 Friedensvertrag von Brest-Litovsk, Auszug. In: LINKE, Horst Günther (Hrsg.): Quellen zu den deutsch-sowjetischen Beziehungen. Darmstadt 1998, S. 53-56, hier: S. 53.

72 Vgl. GROß, Gerhard: Die vergessene Front. Der Osten 1914/15. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung. Paderborn u.a. 2006, S. 2.

73 Vgl. BIHL, Wolfdieter: Österreich-Ungarn und die Friedensschlüsse von Brest-Litovsk. Wien/Köln/ Graz 1970, S. 18.

74 DOERING-MANTEUFFEL, Anselm: Ostmitteleuropa, Brest-Litovsk und die europäische Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg. Zur Bedeutung der Historiographie der sechziger Jahre für die Gegenwart. In: ELZ, Wolfgang/NEITZEL, Sönke (Hrsg.): Internationale Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Winfried Baumgart zum 65. Geburtstag. Paderborn u.a. 2003, S. 205-215, hier: S. 205.

75 Vgl. Telegramm Kühlmanns an den Verbindungsoffizier des Auswärtigen Amtes im Großen Hauptquartier, Auszug. In: LINKE (Hrsg.): Quellen deutsch-sowjetische Beziehungen, S. 32.

76 Im damaligen Sprachgebrauch eigentlich „Staatssekretär des Auswärtigen“; entspricht heute dem Außenminster.

77 Richard von Kühlmann (1873-1948): von August 1917 bis Juli 1918 Staatssekretär des Auswärtigen Amtes.

78 Wladimir Iljitsch Uljanow (1870-1924), genannt Lenin: Führer der Bolschewisten und Gründer der Sowjetunion.

79 Alexander Fjodorowitsch Kerenski (1881-1970): Chef der russischen Übergangsregierung zwischen Februar- und Oktoberrevolution .

80 MEYER, Fritjof: „Lenin arbeitet nach Wunsch“. Der Zusammenbruch des Zarenreichs. In: BURGDORFF, Stephan/WIEGREFE, Klaus (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg. Die Urkatastophe des 20. Jahrhunderts. München 2004, S. 121-126, hier: S. 124.

81 Dekret Lenins über den Frieden, Auszug. In: LINKE (Hrsg.): Quellen deutsch-sowjetische Beziehungen, S. 29-31, hier: S. 29.

82 Vgl. STONE, Norman: Ostfront. In: HIRSCHFELD, Gerhard/KRUMEICH, Gerd/RENZ, Irina (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Paderborn 2009, S. 762-764, hier: S. 762.

83 GLOECKNER, Eduard: Vor 75 Jahren, In: Europäische Sicherheit, 42 (1993), S. 129-131, hier: S. 130.

84 Vgl. VON RAUCH, Georg: Geschichte des bolschewistischen Russland. 3. Aufl. Wiesbaden 1955, S. 126.

85 Theobald von Bethmann Hollweg (1856-1921): deutscher Reichskanzler von 1909-1917.

86 FISCHER, Fritz: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Sonderausgabe. Düsseldorf 1967, S. 93.

87 Septemberprogramm Bethmann Hollwegs, Auszug. In: BIHL, Wolfdieter (Hrsg.): Deutsche Quellen zur Geschichte des Ersten Weltkriegs. Darmstadt 1991, S. 61-62, hier: S. 62.

88 Vgl. FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 167 f.

89 Vgl. Denkschrift von Loebell, Auszug. In: BIHL (Hrsg.): Quellen Erster Weltkrieg, S. 78-85, hier: S. 80 ff.

90 Vgl. DOERING-MANTEUFFEL: Ostmitteleuropa, S. 206.

91 Vgl. FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 263.

92 FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 97.

93 Matthias Erzberger (1875-1921): Politiker, hatte enge Verbindungen zum Thyssen-Konzern.

94 FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 97.

95 August Thyssen (1842-1926): Industrieller, Leiter einer der größten europäischen Montankonzerne.

96 Vgl. FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 97.

97 Ebd., S. 141.

98 Ebd., S. 133 f.

99 HERING, Rainer: Konstruierte Nation. Der Alldeutsche Verband 1890-1939. Hamburg 2003, S. 135.

100 Ebd.

101 FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 138.

102 Vgl. Beschlüsse von SPD-Reichstagsfraktion und -Parteiausschuß. Leitsätze zur Friedensfrage. In: BIHL (Hrsg.): Quellen Erster Weltkrieg, S. 134-135, hier: S. 135.

103 Ebd.

104 BAUMGART, Winfried: Brest-Litovsk und Versailles. Ein Vergleich zweier Friedensschlüsse. In: Historische Zeitschrift, 210 (1970), S. 583-619, hier: S. 596.

105 Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (1847-1934): Generalfeldmarschall und seit 1916 Chef der OHL.

106 VON KÜHLMANN, Richard: Erinnerungen. Heidelberg 1948, S. 523.

107 Vgl. Hoffmann, Erinnerungen, Auszug. In: BIHL (Hrsg.): Quellen Erster Weltkrieg, S. 338-340.

108 Vgl. FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 419.

109 BAUMGART: Brest-Litovsk und Versailles, S. 600.

110 Niederschrift über die Besprechung Hertlings mit den Vertretern sämtlicher Reichstags-Parteien, Auszug. In: LINKE (Hrsg.): Quellen deutsch-sowjetische Beziehungen. S. 34-38, hier: S. 38.

111 Vgl. BAUMGART: Brest-Litovsk und Versailles, S. 595 f.

112 DOERING-MANTEUFFEL: Ostmitteleuropa, S. 205.

113 Vgl. BAUMGART: Brest-Litovsk und Versailles, S. 585.

114 Ebd., S. 599.

115 Vgl. WHEELER-BENNETT, John: Brest-Litovsk. The Forgotten Peace. March 1918. London 1956, S. 109.

116 Vgl. DOERING-MANTEUFFEL: Ostmitteleuropa, S. 206.

117 Vgl. FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 422.

118 Vgl. ebd., S. 421 f.

119 Erich Ludendorff (1865-1937): Stellvertreter Hindenburgs als Chef der OHL.

121 Vgl. DOERING-MANTEUFFEL: Ostmitteleuropa, S. 206.

122 SALEWSKI, Michael: Der Erste Weltkrieg. Paderborn u.a. 2003. S. 284.

123 Adolf Abramowitsch Joffe (1883-1927): sowjetischer Diplomat und Weggefährte Trotzkis.

124 Lew Dawidowitsch Bronstein (1879-1940), genannt Leo Trotzki: sowjetischer Außenminister („Volkskommissar des Auswärtigen“) und Gründer der Roten Armee.

120 Vgl. BAUMGART: Brest-Litovsk und Versailles, S. 600.

125 Vgl. Erklärung der russischen Delegation auf der ersten Vollsitzung der Friedenskonferenz in Brest-Litowsk, Auszug. In: LINKE (Hrsg.): Quellen deutsch-sowjetische Beziehungen, S. 38 f.

126 Vgl. BAUMGART: Brest-Litovsk und Versailles, S. 603.

127 Vgl. KOCHANEK, Hildegard: Friede von Brest-Litovsk. In: HIRSCHFELD/KRUMEICH/RENZ (Hrsg.): Enzyklopädie, S: 506-508, hier: S. 507.

128 GLOECKNER: Vor 75 Jahren, S. 131.

129 Ebd.

130 Vgl. Telegramm Plehns an das Auswärtige Amt, Auszug. In: LINKE: Quellen deutsch-sowjetische Beziehungen, S. 44.

131 Vgl. GLOECKNER: Vor 75 Jahren, S. 131.

132 Protokoll der Sitzung des ZK der RSDAP, Auszug. In: LINKE: Quellen deutsch-sowjetische Beziehungen, S. 50-53, hier: S. 51.

133 Vgl. GLOECKNER: Vor 75 Jahren, S. 131.

134 Der Friedensvertrag ist im Wortlaut bei BIHL: Österreich-Ungarn und die Friedensschlüsse, S. 146-149 abgedruckt. Die folgenden Zitate beziehen sich – wenn nicht anders gesagt - auf die dort aufgeführten Artikel.

135 Vgl. Art. VIII.

136 Art. III.

137 Vgl. Art. IV.

138 Vgl. Art. VI.

139 BIHL: Österreich-Ungarn und die Friedensschlüsse, S. 177.

140 Vgl. BAUMGART, Winfried: Deutsche Ostpolitik 1918. Von Brest-Litovsk bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Wien/München 1966, S. 297 f.

141 GLOECKNER: Vor 75 Jahren, S. 131.

142 VON RAUCH: Geschichte des bolschewistischen Russland, S. 111.

143 Vgl. GLOECKNER: Vor 75 Jahren, S. 131.

144 Vgl. BAUMGART: Brest-Litovsk und Versailles, S. 601.

145 Vgl. KOCHANEK: Friede von Brest-Litovsk. In: HIRSCHFELD/KRUMEICH/RENZ (Hrsg.): Enzyklopädie, S. 508.

146 Vgl. FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 446.

147 Vgl. VON HINDENBURG, Paul: Aus meinem Leben. Illustrierte Volksausgabe. Leipzig 1934, S. 240 f.

148 Vgl. BAUMGART: Brest-Litovsk und Versailles, S. 600.

149 Vgl. Aufzeichnung Bauers, Auszug. In: BIHL (Hrsg.): Quellen Erster Weltkrieg, S. 408.

150 VON KÜHLMANN: Erinnerungen, S. 550.

151 Ebd., S. 547.

152 Ebd.

153 Vgl. ebd., S. 550.

154 FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 445.

155 Zweite Beratung des Friedensvertrags von Brest-Litovsk am 22. März 1918. In: Verhandlungen des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. II. Session. Band 311. Stenographische Berichte. Von der 126. Sitzung am 11. Oktober 1917 bis zur 147. Sitzung am 17. April 1918. Berlin 1918, S. 4536-4566, hier: S. 4540.

156 Vgl. ebd.

157 FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 445.

158 Vgl. Beratung des Friedensvertrags. In: Verhandlungen des Reichstags, S. 4537.

159 FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 445 f.

160 Vgl. Beratung des Friedensvertrags. In: Verhandlungen des Reichstags, S. 4536.

161 Vgl. ebd.

162 Ebd.

163 Vgl. FISCHER: Griff nach der Weltmacht, S. 446.

164 Siehe Karte im Kapitel VII.1. dieser Hausarbeit.

165 BIHL: Österreich-Ungarn und die Friedensschlüsse, S. 119.

166 DOERING-MANTEUFFEL: Ostmitteleuropa, S. 206.

167 VON RAUCH: Geschichte des bolschewistischen Russlands, S. 110.

168 BIHL: Österreich-Ungarn und die Friedensschlüsse, S. 118.

169 PETZOLD, Joachim: Ludendorff oder Kühlmann. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Oberster Heeresleitung und Reichsregierung zur Zeit der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 12 (1964), S. 817-832, hier: S. 831.

170 BIHL: Österreich-Ungarn und die Friedensschlüsse, S. 117 f.

171 BAUMGART: Brest-Litovsk und Versailles, S. 607.

172 Vgl. BAUMGART: Brest-Litovsk und Versailles, S. 604.

173 BIHL: Österreich-Ungarn und die Friedensschlüsse, S. 119.

174 Vgl. MARHEFKA, Edmund/HAMMERSTEIN, Hans/STEIN, Otto (Hrsg.): Der Waffenstillstand 1918-1919. Das Dokumentenmaterial der Waffenstillstandsverhandlungen von Compiègne, Spa, Trier und Brüssel. Notenwechsel, Verhandlungsprotokolle, Verträge, Gesamttätigkeitsbericht. Berlin 1928, S. 39.

175 Vgl. VON RAUCH: Geschichte des bolschewistischen Russlands, S. 159-404.

176 DOERING-MANTEUFFEL: Ostmitteleuropa, S. 206.

177 BAUMGART: Brest-Litovsk und Versailles, S. 619.

178 Ebd.

179 Vgl. Brateson, Gregory: Von Versailles zur Kybernetik, in: Gerd Krumeich (Hg.), Versailles 1919. Ziele – Wirkung – Wahrnehmung, München : Herbig, 2002, S. 11

180 Vgl. Klaus Schwabe(Hg): Quellen zum Friedensschluß von Versailles, Darmstadt 1997, S.2-3

181 Vgl. Harald Nicolson/J.M. Keynes: Die Konferenz, in: Gerd Krumeich (Hg.), Versailles 1919. Ziele – Wirkung – Wahrnehmung, München : Herbig, 2002, S. 57

182 Vgl. Klaus Schwabe(Hg), Quellen zum Friedensschluß von Versailles, Darmstadt 1997, S.16-18

183 Vgl. Hirsch, Ferdinand (Hg.), Gebhardts Handbuch der Geschichte. Von der Reformation bis zu Gegenwart, Bd. 2 (2,4), Stuttgart-Berlin-Leipzig 1909, S.209-210

184 Vgl. Eyck, Erich, Geschichte der Weimarer Republik. Vom Zusammenbruch des Kaisertums bis zur Wahl Hindenburgs, Stuttgart 4 1962. S. 163

185 Vgl. Henning, Friedrich-Wilhelm: Das industrialisierte Deutschland 1914-1992(Wirtschafts- und Sozialgeschichte Bd. 2),Paderborn-München-Wien 185 u.a. 1993, S. 73-74

186 Vgl. North, Michael (Hg.), Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Ein Jahrtausend im Überblick, München 2000. S. 280-281.

187 Vgl. Keynes, John Maynard: Krieg und Frieden: Die wirtschaftlichen Folgen des Versailler Vertrages, Berlin2 2006. S.49-50

188 Vgl. Pfister, U., Welthandel, 1850–1914 zwischen Freihandel und Zollschutz, http://www.uni-muenster.de/Geschichte/hist-sem/SW-G/materialien/weltwirt2/S02_Handel.pdf (20.03.2007)

Details

Seiten
159
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656765790
ISBN (Buch)
9783956871313
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282262
Note
Schlagworte
zeitenwende erster weltkrieg folgen ur-katastrophe jahrhunderts

Autoren

Teilen

Zurück

Titel: Zeitenwende Erster Weltkrieg. Die Folgen der Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts