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Gewerbesteuer Kommunaler Standortwettbewerb und effizienzorientierte Besteuerung

Seminararbeit 2004 25 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Problemstellung und Vorgehensweise

2 Die effiziente interregionale Allokation
2.1 Die effiziente räumliche Kapitalallokation
2.2 Die effiziente räumliche Unternehmensallokation
2.3 Zwischenergebnis zu den Bedingungen effizienter Allokation

3 Das Effizienz sichernde regionale Steuersystem
3.1 Die effiziente Kapitalbesteuerung
3.2 Die effiziente Unternehmensbesteuerung
3.3 Zwischenergebnis zur Effizienz sichernden Besteuerung

4 Das Effizienz sichernde Steuersystem und kommunaler Standortwettbewerb
4.1 Die Folgen eines unzureichenden Instrumentariums
4.2 Das Problem des Landrentenabflusses aus einer Region
4.3 Das Vorliegen ungleicher Regionengrößen im Standortwettbewerb

5 Die Gewerbesteuer: ein effizientes Instrument?
5.1 Einzelbewertung des Instruments der Gewerbesteuer
5.2 Kontextbewertung des Instruments der Gewerbesteuer

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 4.1 Standortwettbewerb und unzureichendes Instrumentarium

Abbildung 4.2 Vorteil des Wettbewerbs für kleine Regionen

1 Problemstellung und Vorgehensweise

Nach der modernen finanzwissenschaftlichen Theorie besitzt der Staat im wesentlichen drei Aufgaben. Diese Aufgaben bestehen in der Erfüllung einer Allokationsfunktion, also in der Gewährleistung einer effizienten Verwendung volkswirtschaftlicher Ressourcen. Zweitens hat der Staat die Aufgabe der Distribution. Er soll eine gerechte Verteilung von Gütern herbeiführen. Und drittens soll der Staat zyklischen Schwankungen entgegenwirken und so eine Stabilisierungsfunktion erfüllen.[1]

In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) besteht ein föderalistisches Staatssystem. Die Aufgaben sind auf die verschiedenen Gebietskörperschaften, d. h. auf den Bund, die Länder und die Gemeinden verteilt.

Das Grundgesetz (GG) der BRD sichert in Art. 28 Abs. 2 GG den Gemeinden eine eigenverantwortliche Regelung der „Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft“ zu. Diese Selbstverwaltung schließt eine finanzielle Eigenverwaltung ein (jur.: Finanzhoheit der Gemeinden). Zur Wahrnehmung dieser Selbstverwaltung werden den Gemeinden verschiedene Instrumente zur Verfügung gestellt. Insbesondere regelt Art. 106 GG den „Instrumenten-Mix“.

Mit dieser Arbeit soll untersucht werden, ob mit den vorhanden Instrumenten, im speziellen mit dem Instrument der Gewerbesteuer, eine Gemeinde, die sich im kommunalen Standortwettbewerb mit anderen Gemeinden befindet, in die Lage versetzt wird, eine Effizienz sichernde Besteuerung durchzuführen und damit die Bedingungen effizienter Allokation zu erfüllen.

Für die nachfolgenden Betrachtungen ist einführend die Frage zu klären, was unter einer effizienten Allokation zu verstehen ist. Ein Maßstab für Effizienz ist das Kriterium der Pareto-Optimalität. Ein Pareto-Optimum liegt vor, wenn ausgehend von einem Zustand – dem Pareto-Optimum – kein Individuum besser gestellt werden kann, ohne dass ein anderes schlechter gestellt wird.[2] Eine Allokation soll demnach als effizient bezeichnet werden, wenn sie Pareto-optimal ist, also durch eine Reallokation kein Individuum besser gestellt werden kann, ohne ein anderes schlechter zu stellen.

Der Standortwettbewerb kommunaler Regionen ist durch die hohe interregionale Mobilität der Haushalte, Unternehmen und des Kapitals gekennzeichnet. Im folgenden ist die Betrachtung auf Unternehmen und Kapital beschränkt, weil für die Bewertung der Gewerbesteuer die Analyse der Haushalte eine untergeordnete Rolle spielt.

Die Arbeit ist einschließlich dieser Einleitung in sechs Kapitel gegliedert. Es wird untersucht, in welchen Umfang der Staat im Besonderen auf kommunaler Ebene aktiv werden sollte. Unter modeltheoretischer Annahme idealer Bedingungen – vollkommener Wettbewerb, vollkommene Mobilität – kann gezeigt werden, dass eine effiziente Allokation auch ohne den Staat herbeigeführt werden kann. Vgl. hierzu Richter (2002), Abschnitt 2. Er zeigt, dass in einem Modell vollkommenen Wettbewerbs von Landentwicklern eine effiziente Allokation öffentlicher Güter ohne Staatstätigkeit möglich ist. Die modelltheoretischen Vorraussetzungen sind aber in der Realität nicht anzutreffen oder stark einzuschränken. Der Staat muss deshalb eingreifen und die effiziente Bereitstellung lokal öffentlicher Güter sicherstellen. Vgl. dazu Richter (2002), Abschnitt 3.1 bis 3.3.

Wenn der Staat eingreifen muss, ist sein Handeln eng mit der Fragestellung nach Bedingungen für eine effiziente räumliche Allokation verbunden. Zunächst sind neben den Bedingungen einer effizienten Bereitstellung öffentlicher Güter und Vorleistungen deswegen insbesondere Bedingungen effizienter räumlicher Allokation zu bestimmen, die der Staat bei seinem Handeln beachten muss. Diese Bedingungen sollen in Abschnitt 2 dargestellt werden.

Es schließt sich die Frage nach einer Effizienz sichernden Besteuerung an. Wie eine dezentrale Besteuerung eine effiziente räumliche Allokation und Bereitstellung öffentlicher Güter gewährleisten kann, ist somit Thema des dritten Abschnitts.

In Abschnitt 4 wird untersucht, ob Wettbewerb von Gemeinden eine effiziente Besteuerung ermöglicht. Hier steht die Frage im Mittelpunkt, ob Gemeinden bei Vorhandensein eines Effizienz sichernden Instrumentariums eventuell durch Bedingungen des Wettbewerbs an einer effizienten Besteuerung gehindert werden. Es soll gezeigt werden, ob und wann Korrekturen übergeordneter Gebietskörperschaften angezeigt sind.

Der fünfte Abschnitt wendet die Ergebnisse der Abschnitte 2 bis 4 auf das Instrument der Gewerbesteuer an und beurteilt sie nach den herausgearbeiteten Kriterien. Fazit dieser Arbeit und Ausblick sind dem sechsen Abschnitt zu entnehmen.

2 Die effiziente interregionale Allokation

Da Gemeinden um die Ansiedlung von Unternehmen und Kapital konkurrieren, soll(en) diese(s) auf eine effiziente Allokation untersucht werden.

Zu den nachfolgenden Unterpunkten dieses Kapitels vgl. insbesondere Wellisch (1995) Abschnitt 2, aber auch Richter (2002), der mit einem anderen Ansatz zu gleichen Ergebnissen kommt.

2.1 Die effiziente räumliche Kapitalallokation

Unter der Annahme, dass zwischen zwei (oder mehreren) Regionen lediglich der Faktor Kapital mobil ist, lassen sich die Bedingungen effizienter räumlicher Kapitalallokation übersichtlich darstellen.

Die Aufgabe eines fiktiven Planers soll darin bestehen einen exogenen Kapitalstock K effizient auf die Regionen i = 1,..., I zu verteilen. Die Produktion eines privaten homogenen Gutes erfolgt durch Einsatz des Faktors Kapital und der immobilen Ressource Li (Land) und lässt sich durch die linear-homogene Produktionsfunktion Fi(Li, Ki) beschreiben.

Die Kapitalallokation ist dann effizient, wenn die Gesamtproduktion über alle Regionen durch eine Reallokation nicht weiter erhöht werden kann. Es ist das Maximum der Funktion S Fi(Li, Ki) gesucht. Mit Hilfe des Lagrange-Ansatzes führt dies unter Beachtung der Restriktion K = SKi zu

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gleichung (1.1) zeigt die Effizienzbedingung. Sie besagt, dass unter Beachtung der Nebenbedingung zur Erreichung einer effizienten Allokation die Grenzproduktivität des Kapitals in allen Regionen gleich groß sein muss. Die Produktion erreicht ihr Maximum und kann folglich nicht weiter erhöht werden. Damit wurde die erste Bedingung für räumlich effiziente Allokation bestimmt. Zu selbem Ergebnis kommt auch Richter (2002), S. 711. Eine grafische Lösung für die effiziente Kapitalallokation auf zwei Regionen findet sich bei Wellisch (1995), S. 22.

2.2 Die effiziente räumliche Unternehmensallokation

Nach dem in Abschnitt 2.1 gezeigt wurde, wie Kapital effizient auf die Regionen zu verteilen ist, soll nun die Unternehmensverteilung untersucht werden. Die Verteilung mobiler Unternehmen ist nach Wellisch (1995) dann als eigenständiges allokatives Problem anzusehen, wenn nicht nur der gesamte Produktionsertrag einer Region betrachtet wird. Spielen neben diesem Ertrag die Anzahl und somit auch die Größe der Unternehmen am Standort eine Rolle, muss sie als eigenständiges allokatives Problem berücksichtigt werden. Vgl. dazu die Ausführungen bei Wellisch (1995), S. 23.

Zur Analyse der effizienten räumlichen Unternehmensverteilung sei wieder ein fiktiver zentraler Planer betrachtet, der diesmal eine exogen vorgegebene Menge M gleichartiger Unternehmen auf die Regionen mit i = 1,..., I effizient zu verteilen hat.

Die Gleichartigkeit der Unternehmen sei durch die Verwendung derselben Produktionstechnologie [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] determiniert, mit der die Unternehmen ein homogenes privates Gut produzieren. Die Produktion erfolgt unter Einsatz der Landressource li sowie Kapital ki und des in der Region i angebotenen lokal öffentlichen Produktionsfaktors gi. Per definitionem soll Fi(li, ki, gi) konkav in li und ki sein.

Die durch die Bereitstellung lokal öffentlicher Faktoren verursachten Kosten seien durch die Funktion Hi(gi, mi) beschrieben und werden somit durch den Umfang der lokal öffentlichen Güter und die Anzahl der Unternehmen bestimmt. Durch die Berücksichtigung der Anzahl der Unternehmen kann Rivalität um die bereitgestellten Vorleistungen abgebildet werden. Gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]= 0, ist g ein reines öffentliches Gut. Es treten in diesem Fall keine Überfüllungskosten auf. Dass heißt, die zusätzliche Ansiedlung eines Unternehmens verursacht in Bezug auf die Bereitstellung von g keine weiteren Kosten. Anderes ist es, wenn [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]> 0. In diesem Fall entstehen sogenannte Grenzballungskosten oder Kosten der räumlichen Überfüllung. Der Ausdruck [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gibt die Höhe der Kosten an, die ein zusätzlich in der Region i siedelndes Unternehmen verursacht. Die Unternehmen sind in der Nutzung von g rival. Es liegt ein unreines öffentliches Gut vor.

[...]


[1] Vgl. hierzu Wellisch (1999), S. 54.

[2] Vgl. zum Pareto-Kriterium Wellisch (1999), Abschnitt 2.1.

Details

Seiten
25
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638300728
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28226
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Lehrstuhl für betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Finanzwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Gewerbesteuer Kommunaler Standortwettbewerb Besteuerung Seminar

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Titel: Gewerbesteuer Kommunaler Standortwettbewerb und effizienzorientierte Besteuerung