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Deutsche Physiker im englischen Exil 1933-1945

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Hauptteil
II.1 Gründe für das Exil der deutschen Physiker
II.2 Einwanderungspolitik und Umfeld in Großbritannien
II.3 Emigration der deutschen Physiker bis 1937
II.4 Auswirkung der physikalischen Wissenschaftsmigration

III Fazit

IV Quellen und Literatur

I Einleitung

Infolge der rassefeindlichen Politik der nationalsozialistischen Führung ab 1933 traten enorme Flüchtlingsströme fort von Deutschland auf. Dies betraf auch die Wissenschaftler der deutschen Universitäten. Es wird geschätzt, dass bis zu 2000 Deutschland während des Dritten Reichs verlassen haben.[1] Der Exodus der Wissenschaft hat auch die Aufmerksamkeit der werdenden Exilforschung auf sich gezogen. In dieser beschäftigte man sich bislang vor allem mit herausragenden Einzelschicksalen und hat umfassende Listen der betreffenden Akademiker aufgestellt; kollektiv-systematische Abhandlungen sind noch Mangelware.[2] Je nach untersuchter Wissenschaftsdisziplin liegen mehr oder weniger ausführliche Forschungen vor. Das Exil der Physiker ist durch die Natur des Fachs darunter gut erkundet. Dennoch fehlt ein Überblick, der die Fragen nach Fluchtgründen, Exilbedingungen und Wirkung zusammenfasst. Der USA als quantitativ wichtigstes Aufnahmeland für Wissenschaftler wurde viel Beachtung geschenkt. Großbritannien spielte aber gerade für die Physiker eine eminente Rolle. So soll in der folgenden Untersuchung eine Charakterisierung des britischen Exils für deutsche Physiker das Ziel sein. Zuerst werden dafür die Gründe für das Exil erläutert und die politische Lage Deutschlands ab 1933 dargestellt. Darauf folgt eine Betrachtung des Aufnahmelands Großbritannien, die die britische Asylpolitik und das Netzwerk der Hilfsorganisation beinhaltet. Danach wird dem konkreten Fall der Physiker, die nach Großbritannien auswanderten, nachgegangen, um schließlich die Wirkung dieses Exodus auf Deutschland und Großbritannien abschätzen zu können.

II Hauptteil

II.1 Gründe für das Exil der deutschen Physiker

Um das Exil der deutschen Physiker nachzuzeichnen, soll zuerst eine Ursachenanalyse betrieben werden. Die Gründe der Auswanderung liegen insbesondere im politischen Umbruch Deutschlands durch die Nationalsozialisten. Mit dem Ermächtigungsgesetz im März 1933 änderte sich die allgemeine Situation in Deutschland schlagartig. Von nun an war der demokratische Gesetzgebungsprozess ausgehebelt, wovon die Nationalsozialisten in der Folge schnell Gebrauch machten. Die universitären Wissenschaftler waren insbesondere vom Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 07. April 1933[3] betroffen. Dieses sorgte für zahlreiche Entlassungen, aber auch für die Entstehung einer perspektivisch unsicheren Situation für die Berufstätigen, die nicht vollends mit dem Nationalsozialismus mitzogen. Die Paragraphen 4-6 stehen maßgeblich für die sich ankündigende Entlassungswillkür gegen all jene, die nicht nur gesellschaftlich, sondern auch wissenschaftlich nicht konform mit den nationalsozialistischen Idealen gingen. Schließlich durften Beamte gar ohne Angabe von Gründen aus dem Dienst entlassen werden.[4] Die gesetzlich begründeten Entlassungen wurden von Boykotten der Studentenschaften vorbereitet und begleitet. Außerdem weitete sich die Anwendung des Gesetzes auch auf nicht-beamtete Forscher aus.[5]

Im Rahmen der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik fand auch eine „Politisierung von Forschung und Lehre“ statt, die mit der Entstehung einer allgemeinen „völkischen Wissenschaft“ einherging.[6] Die damit an Relevanz gewinnende „Deutsche Physik“ stellte für die bislang erfolgreichen Physiker nach und nach ein auch wissenschaftlich unzumutbares Arbeitsumfeld her. Diese Disziplin folgte nicht allgemein festgelegten Erkenntnismethoden wie Empirie und Objektivität, sondern völkisch-nützlichen Grundsätzen. Die sich entwickelnde Dominanz der Deutschen Physik ließ die zuweilen exzellente Arbeit der theoretischen und experimentellen traditionellen Physik stillstehen.

Wenn auch die ungewöhnlich schnellen politischen und wissenschaftlichen Entwicklungen 1933 berechtigten Anlass für die Emigration der Physiker gaben, sind diese Motive noch nicht erschöpfend. Bereits vor dem Ermächtigungsgesetz gab es eine hohe akademische Arbeitslosigkeit. Deutschland war schon länger „Netto-Exporteur von Wissenschaftlern“.[7] Also griffen auch wirtschaftliche Gründe in den akademischen Migrationsfluss ein. Weil sich die Wissenschaftler dadurch auf Auswanderung wenigstens gedanklich einstellen mussten, etwa mit Hilfe des Aufbaus internationaler Netzwerke oder des Erwerbs von Fremdsprachenkenntnissen, fiel es vielen leicht, Deutschland zu verlassen, als die politischen Rahmenbedingungen dies erforderten.

II.2 Einwanderungspolitik und Umfeld in Großbritannien

Die politischen Rahmenbedingungen im Aufnahmeland haben den denkbar größten Einfluss auf die Exilanten. Wie dargestellt werden die deutschen Emigranten ab 1933 vom „Push“-Faktor wesentlich geleitet. Trotz dieses Zwanges, ob real oder unterschwellig, gab es Aspekte, die bestimmte Länder interessanter als andere machen und einen gewissen „Pull“-Effekt erzeugen. Die britische Einwanderungs- und Asylpolitik der 1930er Jahre ist nur durch einen Widerspruch zu verstehen. Vor dem ersten Weltkrieg, in der viktorianischen Ära stand das liberale Großbritannien in der Tradition eines offenen, aufnahmebereiten Landes. Der erste Weltkrieg und dessen Vorjahre ab 1905 ließen die Stimmung und die Gesetzgebung hin zu einer restriktiven Einwanderungspolitik kippen.[8] Selbst nach Ende des Krieges wurden die Einwanderungs- und gar Einreisebestimmungen weiter verschärft, so dass Einreisende und ausländische Ansässige einer Beamtenwillkür per Gesetz unterworfen waren.[9] So fanden auch nach 1933 zahlreiche Abweisungen gegenüber Deutschen statt. 1935 waren es 365, 1937 438 Fälle.[10] Ein wichtiger Einflussfaktor war auch die Angst vor der Wegnahme von Arbeitsplätzen durch Deutsche. 1933 waren immerhin knapp 20 % aller versicherten britischen Arbeiter ohne Anstellung.[11] Diese restriktive Politik lockerte sich erst 1938 nach geduldeten Gebietsgewinnen Nazideutschlands und der Reichskristallnacht. So wuchs Großbritannien rasch zum attraktiven Aufnahmeland und zählte bis 1945 bis zu 80 000 Immigranten.[12] Zwischenzeitlich, als Großbritannien ab 1939 eine besondere Bedrohung durch „enemy aliens“ spürte, wurden die meisten Deutschen in Lagern interniert. Diese Maßnahme war allerdings von kurzer Dauer, weil nach dem Untergang des Transportschiffes „Arandora Star“, auf dem sich internierte Flüchtlinge befunden hatten, die allgemeine Stimmung umschlug, so dass bereits bis August 1941 mehr als die Hälfte der Internierten freigelassen wurden.[13]

[...]


[1] Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933-1945: S. 683.

[2] Pap>

[3] Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933, in: Münch, Ingo von (Hg.): Gesetze des NS-Staates 1994 Paderborn, 3. Auflage, S. 26-28.

[4] Lundgreen: S. 12.

[5] Ebenda.

[6] Lundgreen: S. 15.

[7] Fischer (1998): S. 829.

[8] Strickhausen: S. 251.

[9] Vlg. Aliens Act von 1905; Aliens Registration Act von 1914 und Aliens Restriction Act von 1919.

[10] Strickhausen: S. 251.

[11] Hirschfeld: S. 28.

[12] Strickhausen: S. 254.

[13] Strickhausen: S. 258.

Details

Seiten
12
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656768098
ISBN (Buch)
9783656768128
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v282238
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Historisches Seminar
Note
1,5
Schlagworte
deutsche physiker exil

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Titel: Deutsche Physiker im englischen Exil 1933-1945