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Ursachen der Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystemen

Seminararbeit 2014 19 Seiten

VWL - Arbeitsmarktökonomik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2 Marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem

3 Ursachen der Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlichen Systemen
3.1 Traditionelle Einteilung der Arbeitslosigkeit
3.2 Analyserahmen zur Erklärung dauerhaft fortbestehender Arbeitslosigkeit
3.2.1 Ein Modell mit gleichgewichtiger Arbeitslosigkeit
3.2.2 Sozial- und Steuerpolitik als mögliche Ursache eines Anstiegs der gleichgewichtigen Arbeitslosigkeit
3.2.3 „Mismatch“ als mögliche Ursache eines Anstiegs der gleichgewichtigen Arbeitslosigkeit
3.2.4 „Hysterese“ als mögliche Ursache eines Anstiegs der gleichgewichtigen Arbeitslosigkeit
3.3 Unzureichendes Nachfragewachstum als mögliche Ursache wachsender Arbeitslosigkeit

4 Zusammenfassung und Ausblick
4.1 Zusammenfassung
4.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Lohn und Beschäftigung bei unvollkommener Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt (Baßeler, et al., 2010 S. 823)

Abbildung 2: Verschiebung der Lohnsetzungskurve und Beschäftigungsanpassung (Baßeler, et al., 2010 S. 827)

Abbildung 3: Verschiebung der Arbeitsnachfragekurve und Beschäftigungsanpassung (Baßeler, et al., 2010 S. 828)

Abbildung 4: Stilisierte Beveridge-Kurve (Baßeler, et al., 2010 S. 831)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Auf der einen Seite verlieren täglich Arbeitnehmer ihre Stellung durch Kündigung oder Entlassung. Auf der anderen Seite werden aber auch Arbeitnehmer eingestellt, die zuvor arbeitslos gewesen waren. Dabei stellt die Arbeitslosigkeit nicht nur unmittelbar und nachhaltig einzelne Menschen vor große Probleme, sondern auch ganze marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaften. Da die meisten Menschen ihren Lebensunterhalt aus Arbeitseinkommen bestreiten und darin auch persönliche Erfüllung finden können, vermindert sich durch den Verlust des Arbeitsplatzes ihr Lebensstandard. Während für die Menschen psychische wie auch materielle Probleme die Folge sind, sieht sich die Gesellschaft mit dem Problem der Finanzierung der Arbeitslosigkeit konfrontiert. Dadurch wird dieses Thema immer wieder Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. (Baßeler, et al., 2010 S. 811; Mankiw, 1996 S. 151, 153; Mankiw, et al., 2012 S. 731)

Gemäß einer groben Schätzung von Wolfgang Franz[1] kostet „ein Arbeitsloser die Gesellschaft im Jahr im Durchschnitt circa 15.000 Euro“. Bei mehreren Millionen Arbeitslosen bedeutet das eine enorme Belastung für den Staatshaushalt. Dadurch vergrößert es das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung erheblich. So stellt die Arbeitslosigkeit „das eklatanteste Koordinationsproblem gegenwärtiger Wirtschaftssysteme überhaupt dar“. (Baßeler, et al., 2010 S. 811 f.)

1.2 Zielsetzung

Zielsetzung dieser Arbeit ist es, die Ursachen der Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystemen zu untersuchen.

1.3 Vorgehensweise

Die Vorgehensweise in dieser Arbeit ist rein monomethodisch und gründet ausschließlich auf einer Literaturrecherche.

2 Marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem

Bei einem marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem existiert eine „Volkswirtschaft, die ihre Ressourcen durch die dezentralisierten Entscheidungen zahlreicher Unternehmungen und Haushalte zuteilt, die zu diesem Zweck auf Märkten für Güter und Produktionsfaktoren (Arbeit und Kapital) zusammenwirken.“ Das bedeutet, dass „Unternehmungen entscheiden, welche Leute sie einstellen und was sie produzieren. Haushalte oder Familien entscheiden darüber, wo sie arbeiten und was sie mit ihren Einkommen kaufen wollen. Diese Unternehmungen und Haushalte wirken auf den Märkten zusammen, wobei sie durch Preise und Eigeninteressen bei ihren Entscheidungen geleitet werden.“ (Mankiw, et al., 2012 S. 11)

3 Ursachen der Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlichen Systemen

3.1 Traditionelle Einteilung der Arbeitslosigkeit

Traditionell wird bei der Arbeitslosigkeit zwischen verschiedenen Formen unterschieden. Dabei bilden „die vermeintlichen Ursachen der Arbeitslosigkeit das Unterscheidungskriterium“. (Baßeler, et al., 2010 S. 818)

Während das theoretische Gleichgewichtsmodell des Gesamtarbeitsmarktes annimmt, „daß alle Arbeitsanbieter und alle Arbeitsplätze ein identisches Profil aufweisen“ und demnach „gleichermaßen für alle Arbeitsplätze geeignet“ sind, sieht die Realität so aus, dass Arbeitnehmer unterschiedliche Präferenzen und Fähigkeiten, und Arbeitsplätze unterschiedliche Anforderungsprofile aufweisen. Da „der Informationsfluß in bezug auf Arbeitsplatzsuchende und offene Stellen unvollkommen“ ist, kann man einen Grund für die Arbeitslosigkeit darin finden, „daß es eine gewisse Zeit braucht, bis die Profile von Arbeitsanbietern und Arbeitsplätzen zusammen passen“. (Mankiw, 1996 S. 155)

„Gerade weil unterschiedliche Arbeitsplätze unterschiedliche Anforderungen stellen und mit einer unterschiedlichen Entlohnung verbunden sind, ist es durchaus möglich, daß Arbeitssuchende nicht die erste angebotene Stelle annehmen. Die Unterbeschäftigung, die dadurch entsteht, daß die Arbeitsplatzsuche einiger Zeit bedarf, nennt man friktionelle Arbeitslosigkeit.“ (Mankiw, 1996 S. 156)

Sie „entsteht bei dem Wechsel von Arbeitnehmern von einer Arbeitsstelle zur anderen“ und als „Folge kurzfristiger Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt“. (Baßeler, et al., 2010 S. 818)

Gemäß Mankiw (1996 S. 156) ist ein gewisses Maß an friktioneller Arbeitslosigkeit „in einer sich wandelnden Wirtschaft unvermeidbar“, da die Nachfrage nach den unterschiedlichen Gütern sich ständig ändert, und damit auch die Nachfrage nach Arbeit. Ein Beispiel hierfür ist der Rückgang der Nachfrage nach Schreibmaschinen, nach der Erfindung des Personalcomputers. Von einem sektoralen Wandel sprechen die Ökonomen, so Mankiw (1996 S. 156), bei einer „Verschiebung der Nachfrage zwischen Industrien oder Regionen“. Ein Beispiel hierfür ist die Erhöhung der Arbeitsnachfrage in der Ölproduktion in Texas aufgrund eines Anstiegs des Ölpreises, bei gleichzeitigem Rückgang der Arbeitsnachfrage in der Automobilproduktion in Michigan.

Arbeitnehmer können allerdings auch dann unerwartet ihren Arbeitsplatz verlieren, „ wenn ihr Unternehmen schlecht geführt wird, wenn ihre Arbeitsleistungen als unzureichend angesehen werden oder wenn ihre speziellen beruflichen Fähigkeiten nicht länger benötigt werden“. So kündigen Arbeitnehmer ihr Arbeitsverhältnis, „falls sich in anderen Bereichen bessere Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung zeigen oder falls sie - etwa aus familiären Gründen - umziehen müssen“. Zu friktioneller Arbeitslosigkeit kommt es demnach, solange „sich Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage zwischen Unternehmen verschieben“. (Mankiw, 1996 S. 156)

Die strukturelle Arbeitslosigkeit „wird durch Veränderungen der Wirtschaftsstrukturen und die sich dadurch verändernden Anforderungsprofile für die Beschäftigten verursacht“. So müssen z. B. Mitarbeiter in unterschiedlichen Branchen über verschiedene Qualifikationen verfügen. Als Hauptmerkmale der strukturellen Arbeitslosigkeit sind z. B. Arbeiter anzusehen, die über eine mangelnde Mobilität und eingeschränkte Flexibilität verfügen. Dies ist beispielweise dann der Fall, wenn sie nicht in der Lage, oder nicht bereit sind, in kurzer Zeit den Standort, den Beruf oder die Branche zu wechseln. In neuerer Literatur taucht in diesem Zusammenhang auch die qualifikationsmäßige und regionale Mismatch-Arbeitslosigkeit auf. (Baßeler, et al., 2010 S. 819)

Die saisonale Arbeitslosigkeit „entsteht durch schwächere wirtschaftliche Aktivitäten einzelner Wirtschaftsbereiche während bestimmter Jahreszeiten“. Der Agrarsektor, das Baugewerbe und die Tourismusbranche sind hiervon besonders betroffen. (Baßeler, et al., 2010 S. 819)

Während die friktionelle, strukturelle und saisonale Arbeitslosigkeit unter dem Begriff der natürlichen Arbeitslosigkeit zusammengefasst werden, wobei der Begriff keinesfalls suggerieren soll, dass die Arbeitslosigkeit etwas Naturgegebenes ist, trifft die konjunkturelle Arbeitslosigkeit „alle Branchen der Volkswirtschaft im Prinzip in gleicher Weise“. Sie „ist auf eine wiederkehrende Unterauslastung des Produktionspotenzials zurückzuführen. (Baßeler, et al., 2010 S. 818 f.)

3.2 Analyserahmen zur Erklärung dauerhaft fortbestehender Arbeitslosigkeit

Bei der Untersuchung der Ursachen der Arbeitslosigkeit in marktwirtschaftlichen Systemen können klassische wie auch neoklassische Modelle für die Betrachtung der tatsächlichen Arbeitsmarktsituation nicht herangezogen werden. Dies liegt daran, dass hier von vollständiger Flexibilität von Preisen, Löhnen und Zinsen ebenso ausgegangen wird, wie von stabilen Märkten, auf denen sich die Gleichgewichte fast ohne Zeitverzug einstellen. Mit diesen Modellen lassen sich zwar kurzfristige Unterbeschäftigungsgleichgewichte, allerdings keine dauerhaft bestehende (unfreiwillige) Arbeitslosigkeit erklären. (Baßeler, et al., 2010 S. 820)

3.2.1 Ein Modell mit gleichgewichtiger Arbeitslosigkeit

In Marktwirtschaften ist ein Verteilungskampf zwischen Gewinneinkommensempfängern und abhängig Beschäftigten möglich. Dieser wird über Löhne und Preise ausgetragen und kann leicht zu einer Lohn-Preis-Spirale eskalieren, sofern die Zentralbank dies durch die Geldversorgung zulässt. (Baßeler, et al., 2010 S. 821)

Arbeitslosigkeit kann dann entstehen, wenn die Zentralbank bei der Geldversorgung restriktiv vorgeht. So ist eine sinkende Arbeitsnachfrage der Unternehmen, durch Erhöhungen der Geldlöhne zu steigenden Reallöhnen, die Folge, weil „die Güterpreise nicht proportional zu den Geldlöhnen steigen können“. (Baßeler, et al., 2010 S. 821)

Gemäß Baßeler, et al. (2010 S. 821) verwenden Ökonomen für ein Unterbeschäftigungsgleichgewicht, bei dem ein Reallohnniveau, und damit ein Niveau der Beschäftigung, den Arbeitsmarkt zwar nicht räumt, „sich aber trotzdem unter den gegebenen Rahmenbedingungen im Zeitablauf nicht ändert“, unterschiedliche Bezeichnungen. Ihm zufolge sind die Begriffe quasi gleichgewichtige Arbeitslosenquote (Quasi Equilibrium Rate of Unemployment, QERU) und inflationsstabile Arbeitslosenquote (Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment, NAIRU) am weitesten verbreitet.

Für die Entstehung einer solchen gleichgewichtigen Arbeitslosenquote und für das dauerhafte Versagen des Lohnmechanismus sind besondere institutionelle Rahmenbedingungen von zentraler Bedeutung. Insbesondere in Westeuropa sind kollektive Tarifabschlüsse zwischen mit Marktmacht versehenden Interessengruppen (z. B. Arbeitsgeberverbände und Gewerkschaften) die maßgebende Kraft für die Festlegung der Löhne in der Realität. Aus den spezifischen Interessenslagen dieser Gruppen kann dann das Zustandekommen zu hoher (Real-)Löhne abgeleitet werden. (Baßeler, et al., 2010 S. 821)

Dies wird bei der Annahme deutlich, dass Gewerkschaften in der Lage sind, ihre Lohnvorstellungen weitgehend gegenüber den Unternehmen durchsetzen zu können und, „ein Unterlaufen der Tarifvereinbarungen zu unterbinden“. Dabei müssen Sie allerdings im Auge behalten, dass „die Arbeitsnachfrage der Unternehmen (und damit die Beschäftigung) umso geringer sein wird, je höher die durchgesetzten Löhne ausfallen“. Um eine Vollbeschäftigung im Tarifgebiet gewährleisten zu können, könnten die Gewerkschaften nun zwar „eine Lohnvereinbarung anstreben, bei welcher die resultierende Nachfrage der Unternehmen des Tarifgebietes gerade noch ausreicht, um Vollbeschäftigung“ zu erreichen, jedoch könnte dies aus Sicht der jeweiligen Gewerkschaft und deren Klientel nicht optimal sein. So könnte es für die Mehrheit der Mitglieder attraktiver sein, einen höheren Lohnsatz und damit ein höheres Einkommen zu bekommen, obwohl der Preis dafür wäre, dass ein Teil der Arbeitsanbieter arbeitslos werden würde. Durch den Glauben daran, selbst nicht von dieser Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, könnten die Mitglieder dieses Risiko bis zu einem gewissen Grad in Kauf nehmen. Dementsprechend werden die Gewerkschaften höhere Löhne durchsetzen, als wenn diese Vollbeschäftigung erreichen wollen würden. Dabei lässt sich eine positive Korrelation konstatieren. Je höher der gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsstand ist, desto höher fallen die in den Tarifverhandlungen durchsetzbaren Löhne aus. Eine Begründung dafür könnte sich in der Annahme finden, dass „mit sinkender gesamtwirtschaftlicher Arbeitslosenquote die relative Verhandlungsmacht der Gewerkschaften größer wird“. Ein weiterer Grund könnte die Zunahme der lohnpolitischen Aggressivität der Gewerkschaften sein, „weil die Wahrscheinlichkeit für den einzelnen Beschäftigten, notfalls außerhalb seines jeweiligen Tarifgebietes eine Beschäftigung zu finden, mit dem gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungstand ansteigt“. Während die Verhandlungsmacht der Gewerkschaft den Umfang der Durchsetzung optimaler Lohnvorstellungen bestimmt, findet die (Lohn-)Aggressivität „ihren Ausdruck in der Höhe dieser optimalen Lohnvorstellung“. (Baßeler, et al., 2010 S. 822)

In Abbildung 1 wird dieser Sachverhalt durch die kollektive Lohnsetzungskurve (LSK) dargestellt.

[...]


[1] „bekannter Deutscher Ökonom, Schwerpunkt Arbeitsmarktforschung, von 1994 - 1999 und seit 2003 Mitglied des Sachverständigenrats“ (Baßeler, et al., 2010 S. 812)

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656759355
ISBN (Buch)
9783656759362
Dateigröße
755 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281977
Institution / Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Iserlohn
Note
1,0
Schlagworte
VWL Volkswirtschaft Arbeitslosigkeit Martwirschaftliches Wirtschaftssystem Gründe Arbeitslosigkeit Ursachen Arbeitslosigkeit Marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem

Autor

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