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Entwicklung von Selbstkompetenz in der Pflegeausbildung

Am Beispiel der Bezugspflege

Hausarbeit 2014 18 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Berufliche Handlungskompetenz als Ziel der Ausbildung
2.1. Selbstkompetenz in den Sozialwissenschaften
2.2. Verantwortung und Verantwortungsbewusstsein
2.3. Beurteilung/Erfassung von Verantwortungsbewusstsein

3. Ziele der Bezugspflege

4. Zusammenhang Selbstkompetenz und Bezugspflege

5. Heranführen des Schülers an die Bezugspflege
5.1. Verantwortungstransfer in Stufen

6. Fazit

1. Einleitung

Die steigende Arbeitsbelastung der Pflegkräfte und die stetig, durch neue Erkenntnisse und Forschung, größer werdenden Aufgabenbereiche der Pflegefachkräfte zeigen wie wichtig es ist, sich in der praktischen Ausbildung gezielt und ausführlich mit Dingen wie Verantwortungsbewusstsein, Kritikfähigkeit, Selbstreflektion sowie Normen und Werten zu befassen. Um eine Möglichkeit dieses im Praxisalltag umzusetzen soll es in dieser Arbeit unter anderem gehen. Ich befasse mich im speziellen mit dem Punkt Verantwortungsbewusstsein.

Grund für die Wahl dieser Thematik ist vor allem mein eigenes Interesse an diesem Thema, welches sich in einer Fachweiterbildung zum Praxisanleiter entwickelte. Nach der Unterrichtseinheit berufliche Handlungskompetenz stellte sich mir die Frage, welchen Einfluss ein Praxisanleiter überhaupt auf die Selbstkompetenz hat. In meiner eigenen Ausbildung schien ein Großteil der Praxisanleiter und Mentoren der Meinung gewesen zu sein, dass jemand Dinge wie Verantwortungsbewusstsein oder Kritikfähigkeit entweder hat oder nicht. Auch erlebe ich, dass ein Großteil der Kollegen in der Praxis diese Kompetenzen einfach voraussetzt. Kritik an Schülern wird häufig ungefiltert und mit einem selbstverständlichen Apell zur Selbstreflektion und anschließendem „abstellen“ des Fehlverhaltens kommuniziert. Das heißt in diesem Fall es gibt Ärger. Der Glaube durch Sanktionen eine Verhaltensänderung herbeizuführen mag vielleicht im Strafrecht angebracht zu sein, ist aber meiner Meinung nach in der Ausbildung zum Altenpfleger in den meisten Fällen nicht sinnvoll.

Während ich mich mit der Thematik Kompetenz und den dazu existierenden verschiedenen Modellen beschäftigte, merkte ich wie wenig zugängliche Fachliteratur es speziell zum Thema Selbstkompetenz gibt. „Der Begriff „Selbstkompetenz“ ersetzt den bisher verwendeten Begriff „Humankompetenz“. Er berücksichtigt stärker den spezifischen Bildungsauftrag der Berufsschule und greift die Systematisierung des DQR auf.“ (Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe. 23. September 2011. S. 15). Auch die Begriffe „Individualkompetenz“ und „Persönlichkeitskompetenz“ sind bei den Recherchen in diesem Zusammenhang immer wieder gefallen und behandeln im Großen und Ganzen dasselbe Thema.

Sie werden sowohl in der Pädagogik als auch im Management immer wieder als Überbegriff für eine Sammlung von persönlichen Einstellungen, Fähigkeiten und Eigenschaften genommen. Trotzdem ist keiner dieser Begriffe genau definiert oder normiert. (vgl. Jochen Krautz, Fromm Forum 13/2009)

Ich werde in dieser Arbeit zunächst die Begriffe berufliche Handlungskompetenz und Selbstkompetenz anhand von derzeit gängigen Definitionen aus den Sozialwissenschaften beschreiben und ihren Bezug zur Pflegeausbildung darstellen. Dann werde ich den Aspekt Verantwortungsbewusstsein und seine Relevanz in der Ausbildung beleuchten. Im nächsten Teil stelle ich in einer Kurzfassung die Bezugspflege vor und beschreibe den Zusammenhang mit Selbstkompetenz und Verantwortungsbewusstsein. Im Folgenden pädagogischen Teil soll dargestellt werden wie ein Schüler an die Bezugspflege herangeführt werden kann und welche Möglichkeiten der Auswertung und Beurteilung es gibt. Dieses Konzept erprobe ich aktuell in der Praxis und somit werde ich meine Erfahrungen in mein Fazit einfließen lassen.

2. Berufliche Handlungskompetenz als Ziel der Ausbildung

„Ziel der Altenpflegeausbildung ist der Erwerb beruflicher Handlungskompetenz.“ (Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend (BMFSFJ) Mai 2010).

Berufliche Handlungskompetenz beschreibt die Fähigkeit und Bereitschaft des Menschen, in beruflichen Situationen sach- und fachgerecht, persönlich durchdacht und in gesellschaftlicher Verantwortung zu handeln, d.h. anstehende Probleme zielorientiert auf der Basis von Wissen, Erfahrungen und Einstellungen sowie durch eigene Ideen selbständig zu lösen, die gefundenen Lösungen zu bewerten und zugleich die eigene Handlungsfähigkeit weiter zu entwickeln. (Comenius-Institut 1997)

Die Kultusministerkonferenz führte in einer Handreichung im Jahre 2011 die Handlungskompetenz als oberstes Bildungsziel ein. Laut KMK teilt sich die Handlungskompetenz zunächst in die Bereiche Fachkompetenz, Selbstkompetenz und Sozialkompetenz.

Fachkompetenz beinhaltet das Wissen und Können welches man sich in seiner beruflichen Laufbahn durch Erfahrung und gezieltem Lernen aneignet um Aufgaben oder Probleme im Berufsalltag selbstständig, zielgerichtet, methodengeleitet und sachgerecht bewältigen zu können. (vgl. KMK, 2011, S. 15)

Selbstkompetenz ist die „Bereitschaft und Fähigkeit, als individuelle Persönlichkeit die Anforderungen und Einschränkungen in Familie, Beruf und öffentlichem Leben zu klären, zu durchdenken und zu beurteilen, eigene Begabungen zu entfalten sowie Lebenspläne zu fassen und fortzuentwickeln.“ (KMK, 2011, S. 15)

Sozialkompetenz beschreibt die „Bereitschaft und Fähigkeit, soziale Beziehungen zu leben und zu gestalten, Zuwendungen und Spannungen zu erfassen und zu verstehen sowie sich mit anderen rational und verantwortungsbewusst auseinanderzusetzen und zu verständigen.“ (KMK, 2011, S. 15)

Immanenter Bestandteil dieser Kompetenzen sind laut KMK Methodenkompetenz, kommunikative Kompetenz und Lernkompetenz. Das bedeutet dass diese nachträglich aufgeführten Kompetenzen den „Hauptkompetenzen“ anhaften und durch ein Zusammenspiel dieser überhaupt nur entstehen können. Die für berufliche Handlungskompetenz relevanteste ist die Methodenkompetenz.

Methodenkompetenz ist die „Bereitschaft und Fähigkeit zu zielgerichtetem, planmäßigem Vorgehen bei der Bearbeitung von Aufgaben und Problemen (zum Beispiel bei der Planung der Arbeitsschritte)“ (KMK, 2011, S. 15)

Die KMK hat diese Definitionen in seiner Handreichung als didaktisches Ziel aller Ausbildungsberufe vorgegeben. Berufliche Handlungskompetenz als Ziel der Altenpflegeausbildung bedeutet also, dass der Schüler speziell diese 4 Kompetenzen hinsichtlich dieses Berufsfeldes erlernt und erweitert um auf jede Situation und Aufgabenstellung in der Pflege adäquat zu reagieren und zu Handeln. Anhand folgender Beispiele will ich die Begriffe für die Pflege noch einmal greifbarer machen.

Fachkompetenz:

- Zielgerichtete Planung und Überprüfung von pflegerischen Handlungen.
- Arbeiten unter Einbeziehung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Pflege(theoretischen) Zusammenhängen
- Fachwissen zur Begründung des eigenen Handelns

Selbstkompetenz:

- Fähigkeit zur Selbstreflexion
- Verantwortungsbewusstsein
- Bewusste Wahrnehmung ethischer Problematiken die sich im Pflegealltag entwickeln können

Sozialkompetenz:

- Aufnehmen von Beziehungen zu Patienten und Kollegen
- Anwenden von gelernten Kommunikationstechniken
- Arbeiten als Teil eines Teams und finden seiner Position darin

Methodenkompetenz:

- Zielorientiert arbeiten
- Vorbereiten, durchführen und nachbereiten von Pflegehandlungen logisch zu planen und durchzuführen
- Setzen von Prioritäten

2.1 Selbstkompetenz in den Sozialwissenschaften

Eine allgemeingültige Definition zu finden ist nahezu unmöglich. Selbstkompetenz kommt in vielen Bereichen der Wissenschaft vor. Jeder dieser Bereiche hat eine für seine Ansprüche passende Definition. Die für mich plausibelste Definition stammt von Lenbert.

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Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656765431
ISBN (Buch)
9783656765448
Dateigröße
920 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281944
Institution / Hochschule
Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg
Note
2
Schlagworte
Pflege Pflegewissenschaft Pädagogik Didaktik Ausbildung

Autor

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Titel: Entwicklung von Selbstkompetenz in der
Pflegeausbildung