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Die Herausbildung neuer Weltordnungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Jenseits von Hegemonie? Auf dem Weg zu einer neuen Multipolarität?

Hausarbeit 2014 10 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Essay

Jenseits von Hegemonie? Auf dem Weg zu einer neuen Multipolarität?

Auch die Herausbildung neuer Weltordnungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist mit dem „Aufstieg und Fall großer Mächte“ (Paul Kennedy) verbunden. Die akademische Debatte dazu ist kontrovers, die politische Praxis vielfältig und widersprüchlich.

Diskutieren Sie Barry Buzans These von einem „dezentrierten Globalismus“ und stellen Sie diese in den Kontext der zentralen Frage der internationalen Politik, jener nach Krieg und Frieden!

Einleitung

Die Frage nach der Ordnung ist ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Anliegen eines Gemeinwesens. Als normative Vorstellung über die Art, wie ein Gemeinwesen intern strukturiert ist, spiegeln Ordnung und Stabilität dessen Stärke sowohl nach innen als auch nach außen wider. Auf dieselbe Weise lassen sich die Beziehungen zwischen Staaten gestalten, die unter dem Begriff der „Weltordnung“ gefasst werden können. Vier Arten der Weltordnung sind uns bekannt. Während Anarchie und Weltstaat bisher nur theoretische Modelle blieben, haben Hegemonie und Multipluralität praktische Bedeutung erlangt. Aus der Antike kennen wir die Balance of Power zwischen Athen und Sparta. Aber die Realität der letzten Jahrhunderte kann ein dauerhaft auf Machtausgleich zielendes internationales politisches System nicht bestätigen. Stattdessen gingen die USA zu Beginn des 21. Jahrhunderts als Sieger des Kalten Krieges gegen die Sowjetunion hervor und galten seitdem als einzig gebliebene Supermacht. Diesem Konzept der unipolaren Weltordnung widersetzten sich jedoch bald einige Regionalmächte. So sprach der amerikanische Politikwissenschaftler Peter Katzenstein 2005 von einer „Welt von Regionen“. In enger Anlehnung stellt uns sein britischer Kollege Bary Buzan „eine [friedliche] Weltordnung ohne Supermächte“ (Buzan, 2013) vor.

Wie wird sich die Welt des 21. Jahrhunderts ordnen? Und wie sind die beiden Gegenmodelle Hegemonie und Multipolarität in diesem Kontext einzuordnen, wenn es um die zentrale Frage der internationalen Politik geht, der Frage nach Krieg und Frieden?

Bary Buzan: Der „dezentrierte Globalismus“

Barry Buzan stellt uns „eine Weltordnung ohne Supermächte“ vor. In seiner Theorie negiert der britische Politikwissenschaftler die weit verbreitete Ansicht, dass die USA die einzige Supermacht bleiben werden. Als Supermacht definiert er ein Staatswesen, dessen politische, wirtschaftliche, militärische und kulturelle Reichweite sich über das gesamte internationale System erstreckt. Seine Definition von einer Führungsmacht bzw. einem Hegemon möchte ich um zwei Komponenten ergänzen: Ein Hegemon stellt öffentliche Güter für die anderen Staaten bereit, wie z.B. Sicherheit oder eine internationale Finanzstabilität und -liquidität (Rittberger/A. Kruck/A. Romund, 2010). Zudem zeichnet sich ein Hegemon durch eine Gefolgschaft und Akzeptanz aus (Menzel, 2006), indem er sogenannte „ follower “ hat.

In seinem Text malt Buzan aber das Bild vom Ende der Weltherrschaft durch die USA, deren interne Bereitschaft und externe Legitimität als Führungsmacht langsam schwindet. Ein großer Kritikpunkt sieht er vor allem im „ american exceptionalism “, wonach Amerika internationale Verhaltensregeln aufstellt, sich an diesen aber selbst nicht halten möchte. Beispielhaft ist hierfür das amerikanische Vorgehen im Mittleren Osten und Nordafrika (MENA) zu nennen, das im Widerspruch zwischen Demokratieförderung und eigenen Wirtschaftsinteressen steht. Die USA, so Buzan, würden ihren Supermachtstatus, den sie seit dem zweiten Weltkrieg haben, verlieren. Gleichzeitig glaubt er aber nicht daran, dass ein anderer staatlicher Akteur an die Stelle der USA treten könne. China und die EU werden diese Position nicht erreichen können. China fehle es an technologischem und organisatorischem Fortschritt sowie an engen Freunden unter den Großmächten, um zum Hegemon aufsteigen zu können. Die EU genieße zwar ein besseres soziales Ansehen als die USA und stehe wirtschaftlich nach den USA weltweit an zweiter Stelle. Doch würde es an strukturellen Hürden und mangelndem Führungswillen scheitern.

Stattdessen würden viele Großmächte die Bildfläche des internationalen Geschehens betreten und ihre Arme nach Macht und Einfluss ausstrecken. Mehrere Staaten würden sich gegen die Unipolarität der USA stellen und regionale Politik betreiben. Diese Entwicklung bezeichnet der Politikwissenschaftler als „dezentralisierten Globalismus“, bei dem die Macht relativ gleichmäßig auf drei regionale Zentren verteilt werde: Die USA, EU und Ostasien. Buzan spricht sich klar für eine solche multipolare, regionale Weltordnung aus und ist optimistisch. Denn die Unipolarität störe seiner Meinung nach das globale Machtgleichgewicht und sei deshalb illegitim.

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Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656758891
ISBN (Buch)
9783656758907
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281906
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
Hegemonie Multipolarität IB Internationale Beziehungen Weltordnung internationales System Weltmacht BRICS Regionalismus USA Buzan Globalismus Frieden Krieg

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