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Nachhaltigkeit in Sportvereinen am Beispiel des SSV Ulm 1846

Bachelorarbeit 2011 73 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Hauptteil
2.1 Der nachhaltige Sportverein
2.1.1 ÖkologischeNachhaltigkeit
2.1.2 Soziale Nachhaltigkeit
2.2 Der SSV Ulm 1846 - Aufnahme des Ist-Zustandes und Handlungsempfehlungen
2.2.1 Vereinsporträt
2.2.2 Methodik
2.2.3 Ökologische Nachhaltigkeit
2.2.4 Soziale Nachhaltigkeit

3 Schlussbetrachtung

I Abkürzungsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

III Tabellenverzeichnis

IV Literaturverzeichnis

1 Einführung

1.1 Einleitung

Seit der UNCED-Konferenz (United Nations Conference on Environment and Development) von 1992 in Rio de Janeiro ist die Nachhaltigkeit ein bestimmendes politisches Aktions- ziel.[1] Auch bekannt als „Sustainable Development“ ist sie weltweit zum Schlüsselbegriff zu­kunftsfähigen Handelns von Staaten, Unternehmen und Institutionen geworden. Doch was genau bedeutet eigentlich Nachhaltigkeit?

Erstmals aufgetaucht ist der Begriff in der Forstwirtschaft, wo er eine ressourcenschonende und langfristig ergiebige Wirtschaftsweise bezeichnet hat. Durch den Raubbau am Wald wur­de der wichtige Rohstoff Holz knapp. Man war gezwungen, ein Konzept zu entwickeln, das dafür sorgt, dass ausreichend Bäume nachwachsen können. Inzwischen setzt sich die Er­kenntnis, zu der die Forstwirtschaft schon vor ein paar Jahrhunderten gekommen ist, in allen Bereichen des Wirtschaftens durch.[2]

In der Literatur besteht wenig Einigkeit darüber, was genau unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist. Die von Gro Harlem Brundtland, der damaligen norwegische Ministerpräsidentin geleitete Brundtland-Kommission hat eine dauerhafte nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung, definiert, „die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Ge­nerationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Zu Beginn der Diskussion um nachhaltige Entwicklung stand vor allem der Umweltschutzes im Vordergrund. Später wurde diese Perspektive nach und nach um weitere relevante Lebensbereiche erweitert, sodass das heutige Begriffsverständnis im so genannten Drei-Säulen-Modell neben der ökologi­schen auch eine wirtschaftliche und eine soziale Dimension der Nachhaltigkeit umfasst.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1-1 Dreieck derNachhaltigkeit [ArgeschuleHamburg]

Eine nachhaltige Entwicklung soll also die Verbesserung der ökonomischen und sozialen Le­bensbedingungen mit der langfristigen Sicherung der Lebensgrundlagen in Einklang bringen, damit auch künftige Generationen ihre Bedürfnisse erfüllen können.

Auch der Sport hat inzwischen einen nicht unerheblichen Einfluss auf eine nachhaltige Ent­wicklung, insbesondere was die ökologische und die soziale Dimension betrifft. Der Sport ist ein wichtiges Element des gesellschaftlichen Lebens und des sozialen Miteinanders. Für vie­le Menschen ist er heutzutage ein wesentlicher Bestandteil der Freizeitaktivitäten. Aus ge­sundheitlichen Gründen ist diese Entwicklung begrüßenswert. Allerdings führen die stetige Zunahme der Zahl der Sporttreibenden und die fortschreitende Differenzierung der Sportar­ten zu zunehmenden Belastungen für Natur und Umwelt. Allein im Sportstättenbereich be­trägt das Einsparpotenzial von Treibhausgasen nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit etwa 1 Million Tonnen pro Jahr.[4]

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der gesellschaftliche Bedeutung von Sportvereinen und den vielfältigen Konflikten zwischen Umwelt und Sport auseinander.

Im ersten Abschnitt wird die Soll-Situation beschrieben. In diesem Zusammenhang wird dar­gestellt, was heutzutage in Sportvereinen möglich ist, um eine ökologisch und sozial nach­haltige Entwicklung zu fördern. In zwölf Unterpunkten werden Maßnahmen zur Förderung der ökologischen Nachhaltigkeit beschrieben. Der erste Unterpunkt bezieht sich dabei auf or­ganisatorische Maßnahmen, die unabhängig von technischen Sanierungen und teuren In­vestitionen durchführbar sind. Anschließend wird auf die Umweltkommunikation im Hinblick auf Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit eingegangen. Die Unterpunkte Wasser, Heizung, Lüftung, Wärmedämmung und Beleuchtung behandeln energetische Maßnahmen zur Sen­kung des Energie- und Wasserverbrauchs, welche hauptsächlich durch technische Sanierun­gen realisiert werden können. Im Anschluss daran wird die Frage behandelt, welche regene­rativen Energien für die Deckung des hohen Energiebedarfs von Sportstätten in Frage kom­men. Hiernach wird auf eine umweltgerechte Begrünung eingegangen. Themen wie die Anla­ge naturnaherWiesen, Dachbegrünung sowie die Bepflanzung und die Befestigungssysteme von Parkplätzen und Wegen spielen hier eine zentrale Rolle. Der nächste Unterpunkt setzt sich mit der Pflege und dem umweltgerechten Betrieb von Rasen- und Kunststoffrasenflä­chen auseinander. Anschließend wird das Thema der Mobilität im Sport betrachtet und nach Maßnahmen gesucht, wie der durch den Sport bedingte PKW-Verkehr reduziert werden kann. Auch die umweltgerechte Durchführung von Veranstaltungen wird in dieser Arbeit aus­geführt. Abschließend werden Maßnahmen zum Umweltschutz im Büro und die Möglichkeit der Einführung eines Umweltmanagementsystems im Sportverein dargelegt.

Der Großteil der Unterpunkte zielt direkt oder indirekt darauf ab, Wasser, Strom, Heizenergie und CO2 einzusparen. Damit wird indirekt auch die ökonomische Dimension der Nachhaltig­keit angesprochen, da die Einspareffekte nicht nur zu einer Schonung der Umwelt und des Klimas, sondern über kurz oder lang ebenfalls zu niedrigeren Betriebskosten der Sportstät­ten führen, sodass hier eine klassische Win-Win-Situation besteht.

Die soziale Nachhaltigkeit stellt den kleineren, aber nicht weniger wichtigen Bestandteil des ersten Abschnitts dar. Hier stehen Themen wie Gesundheitsförderung, sozialer Zusammen­halt, sowie die Integration und Partizipation aller Mitglieder in einer Gesellschaft, der pädago­gische und gesellschaftliche Wert der Sportvereine und die Herkunft der Sportartikel im Vor­dergrund.

Im zweiten Abschnitt erfolgt dann die Aufnahme der Ist-Situation im SSV Ulm 1846. Nach ei­nem kurzen Porträt des Vereins und der Darstellung der Methodik wird hier in Anlehnung an die oben beschriebenen Unterpunkte darauf eingegangen, welche Maßnahmen bereits er­griffen wurden, welche Investitionen schon getätigt wurden und was in Zukunft noch gemacht und verbessert werden kann.

Im letzten Kapitel wird ein Fazit gezogen und die Ergebnisse zusammengefasst, welche ab­schließend noch in einem übersichtlichen Maßnahmenkatalog dargestellt werden.

Betrachtet wird in dieser Arbeit nur der SSV Ulm 1846. Die Fußballsparte wurde 2009 aus dem Hauptverein ausgegliedert und tritt seitdem als neuer eigenständiger Verein mit dem Namen „SSV Ulm 1846 Fußball“ auf. Dies war Voraussetzung für das Sanierungsprogramm des verschuldeten Vereins. In Folge dessen beschränken sich die betrachteten Sportanlagen auf die Jahnhalle, die Tennishalle, das Hallen- und Freibad, das Hans Lorenser Sportzentrum (HALO), die Geschäftsstelle sowie sämtliche Umkleidekabinen und Sanitäranlagen des SSV Ulm 1846. Die Anlagen der Fußballabteilung werden aus der Arbeit ausgeschlossen. Das be­trifft im besonderen die Sportfreiflächen mit den Fußballplätzen, dem Tennenplatz und den Flutlichtern. Ebenfalls nicht behandelt wird in dieser Arbeit das Thema „Neubau von Sport­stätten“, da dieser heutzutage eher die Ausnahme ist. Der Schwerpunkt wird auf die Sanie­rung und den effizienten Betrieb bestehender Anlagen gelegt.

Hauptteil

2.1 Der nachhaltige Sportverein

2.1.1 Ökologische Nachhaltigkeit

Wie bereits erwähnt wurde, liegt der Schwerpunkt der ökologischen Dimension der Nachhal­tigkeit auf dem Schutz der Umwelt. In erster Linie müssen dafür die folgenden drei Kriterien erfüllt werden:[5]

- Die Nutzung regenerativer Naturgüter darf auf Dauer nicht größer sein als ihre Regenera­tionsrate
- Die Nutzung nicht-regenerativer Naturgüter darf nur in dem Umfang erfolgen, wie ein physisch und funktionell gleichwertiger Ersatz in Form nachwachsender Ressourcen ge­schaffen wird
- Die Freisetzung von schädlichen Stoffen darf auf Dauer nicht größer sein als die Absor- bierungs- und Anpassungsfähigkeit der Natur.

Um diese Kriterien zu erfüllen und um die Zukunftsfähigkeit der menschlichen Gesellschaft zu sichern, existieren im Besonderen folgende drei Strategien:[6]

- die Effizienzstrategie
- die Suffizienzstrategie und
- die Konsistenzstrategie

Die Effizienzstrategie zielt auf eine eine bessere Ressourcenproduktivität ab, d.h. das Ver­hältnis der eingesetzten Ressourcen zu den mit ihnen erzielten Ergebnissen soll verbessert werden. Erreicht werden soll das durch verbesserte Technik und Organisation, Wiederver­wendung, Abfallvermeidung, usw. Der Nachteil dieser Strategie besteht darin, dass sie keine Verhaltensänderungen erfordert. Oft werden durch die effektivere Nutzung Produkte und Dienstleistungen oft erst zu günstigen Preisen möglich, was im Endeffekt zu einer vermehr­ten Nutzung und damit zu einer Überkompensierung der Einsparungen führt.

In Bezug auf die Verhaltensänderungen kommt deswegen die Suffizienzstrategie ins Spiel. Sie zielt auf eine ressourcenschonende Lebensweise mit einem geringeren Verbrauch an Ressourcen ab. Menschen sollen ihr Verhalten dahingehend ändern, dass sie die Ressour­ cen und Energie anders bzw. weniger nutzen. Voraussetzung dafür ist eine Veränderung des heutigen Lebensstils und ein Wertewandel.

Die Konsistenzstrategie verfolgt einen anderen Ansatz. Bei ihr geht es um die Vereinbarkeit von Natur und Technik. Die natürlichen und die industriellen Stoffwechselprozesse sollen ein­ander möglichst ergänzen oder sogar verstärken. Es soll eine geschlossene Kreislaufwirt­schaft aufgebaut werden, in der es keine Abfälle gibt, sondern nur wieder verwertbare Pro­dukte. Die Konsistenzstrategie zielt also nicht auf die Verringerung der Energie- und Materi­alflüsse ab, sondern nur auf deren Natur- und Umweltverträglichkeit.

Die drei Strategien ergänzen sich vielfältig, sind also komplementär. Um auf Dauer eine nachhaltige Entwicklung sichern zu können, müssen deswegen alle drei Strategien zusam­men betrachtet werden.

Auch im Sport kommen alle drei Strategien zum tragen. Sowohl der sparsamere bzw. effizi­entere Einsatz von Energie und die naturverträgliche Gestaltung der Material- und Energief­lüsse, als auch die Veränderung des Verhaltens der Sporttreibenden und der Verantwortli­chen im Verein werden in den folgenden Kapiteln erörtert.

Organisatorische Maßnahmen

Bei der Untersuchung von Energieeinsparpotenzialen wird das Hauptaugenmerk häufig nur auf größere bauliche und technische Maßnahmen gelegt, sodass argumentiert wird, man könne sich aus Mangel an finanziellen Mitteln kein Sparen leisten. Jedoch erfordern nicht alle Maßnahmen zur Verbesserung des Umweltschutzes und zur Senkung der Betriebskos­ten in Sportvereinen hohe Investitionssummen. Allein durch organisatorische Schritte können erhebliche Einsparungen erzielt werden, unabhängig von technischen Sanierungen und teu­ren Investitionen.

Ein erster und wichtiger Schritt ist die Aufnahme des Umweltschutzes als eigenen Punkt in die Vereinssatzung. Dadurch wird die Bedeutung des Themas hervorgehoben, sodass bei al­len täglichen Aufgaben und Entscheidungen Umweltaspekte berücksichtigt werden müssen. Auch bei Vorstandssitzungen sollte der Umweltschutz regelmäßig zur Sprache kommen.[7]

Als weitere organisatorische Maßnahme müssen konkrete Verantwortlichkeiten im Verein festgelegt werden. Ohne diese fühlt sich niemand wirklich zuständig, wenn es darum geht, aktiv zu werden. Als Verantwortliche kommen Hausmeister, Hallenwarte, oder auch geson­derte Umweltbeauftragte in Frage. Auch eine Aufteilung der Zuständigkeiten kann sinnvoll sein, insbesondere dann, wenn der Umweltbeauftragte ehrenamtlich tätig ist, da von ihm dann im Normalfall nicht alle zu erledigenden Aufgaben allein durchgeführt werden können.[8] Ein weiterer Schritt ist die Optimierung des Hallenbelegungsplans. Denn nicht alle Nutzer­gruppen haben dieselben Anforderungen was Beleuchtung, Lüftung und vor allem Hallen­temperatur angeht. Diese Tatsache sollte im Hallenbelegungsplan berücksichtigt werden. Eine wirksame Maßnahme hierbei ist die Einführung eines Stundenplans, bei dem jede Nut­zergruppe im Vorhinein ihre Anforderungen bezüglich der Hallentemperatur, der Lüftung und der Beleuchtung festlegt.[9] [10] Dadurch wird die Vergeudung von Energie vermieden, da Licht und Heizung nur zu den im Voraus geplanten Zeiten und nur für die vorher bestimmten Nut­zer eingeschaltet und danach wieder ausgeschaltet werden. Belegungspausen sollten wei­testgehend vermieden und ansonsten während der Leerzeiten das Licht abgeschaltet und die Heizung auf Nachtabsenkung gestellt werden.[2] Im besten Fall wird der Stundenplan com­putergesteuert, sodass die Ab- und Anschaltung der Beleuchtung und der Heizung automa­tisch ablaufen und keine Energie durch etwaige Versäumnisse der Mitarbeiter verschwendet wird. Hierbei muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Zeitschaltuhren richtig einge­stellt sind, die Systemzeit also mit der tatsächlichen Nutzungszeit übereinstimmt. Bei Mehr­fachhallen sollten die einzelnen Abteilungen der Halle separat regelbar sein. Genaueres hier­zu finden Sie im Unterpunkt „Heizung“ auf Seite 17.

Ebenfalls sehr wichtig ist die Verbrauchskontrolle. Der Wasser-, Strom- und Heizenergiever­brauch muss regelmäßig, in nicht allzu langen Abständen kontrolliert werden. In Verbrauch­sintensiven Bereichen ist es ratsam, Strom-Nebenzähler zu installieren und über die einzel­nen Zählerstände regelmäßig Buch zu führen. Bei gleich bleibender Nutzung sollten die Wer­te ungefähr konstant sein. Trifft dies nicht zu, muss die Ursache für die Verbrauchsschwan­kung gesucht werden. Oft gesehene Beispiele sind hier Wasserrohrbrüche oder undichte WC-Spülkästen. Zudem sollten die Verbrauchsmengen vergleichbarer Sportstätten über den Bezug von Parametern wie Nutzfläche oder Beckenfläche verglichen werden. Eine Auflistung solcher Parameter finden Sie in der Tabelle auf der nächsten Seite:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.1-1 Verbrauchskennwerte [Deutsche Bundesstiftung Umwelt (2007), S. 25]

Sollten die realen Verbrauchsmengen die Mittelwerte in der Tabelle signifikant übersteigen, muss der Grund dafür gesucht werden. Ursachen sind oft veraltete Technik oder schlechte Dämmung, aber auch Fehlnutzung wie beispielsweise zu hohe Temperaturen oder unnötige Beleuchtung.

Unbedingt beachtet werden muss zudem ein effizienter Betrieb der Anlagen. Allein dadurch können erhebliche Energieeinsparungen bewirkt werden. Hierfür sind Mitarbeiterschulungen notwendig, bei denen die technischen Betreuer der Anlagen einen vertieften Einblick in die Anlagentechnik erhalten und zudem für das Thema Umweltschutz sensibilisiert werden.[11] Im Unterpunkt „Umweltkommunikation“ auf S. 11 wird hierauf noch genauer eingegangen.

Eine weitere organisatorische Maßnahme besteht in der Einführung eines Hallenbuches. Wenn etwas kaputtgeht oder nicht mehr richtig funktioniert, wird das nämlich im Normalfall als erstes von den Nutzern (Sportler, Zuschauer) einer Sportstätte festgestellt. Von den tech­nischen Betreuern wird ein Mangel oft erst viel später bemerkt. Die Nutzung eines Hallenbu­ches ist eine unkomplizierte und wirksame Methode, um dem entgegenzuwirken. Es kann zum Beispiel im Eingangsbereich offen hingelegt werden. Hier können dann Anmerkungen zu Mängeln oder Defekten oder sonstige Anregungen aufgeschrieben werden, z.B. über de­fekte Fenster, die nicht geschlossen werden können oder tropfende Wasserhähne. Auch in diesem Zusammenhang ist es wieder wichtig, dass die Zuständigkeit für das Hallenbuch zweifelsfrei geklärt ist. In Frage dafür könnten der Hausmeister oder ein anderer Technik-Be­auftragter kommen. Dieser sollte die Einträge regelmäßig lesen, mit seiner Unterschrift quit­tieren und im besten Fall Kommentare über die weitere Vorgehensweise anbringen.

Umweltkommunikation

Der in Vereinen und Verbänden organisierte Sport verfügt über weitreichende Möglichkeiten, sowohl seine Mitglieder als auch seine Mitarbeiter zu erreichen und entsprechend zu sensibi­lisieren oder zu schulen. Um ihrer Verantwortung gerecht zu werden, müssen Sportvereine eine entsprechende Umweltbildung sowie Öffentlichkeitsarbeit durchführen.

Umweltbildung

Den Nutzern und den Verantwortlichen (Trainer, Übungsleiter, Hausmeister, Bademeister, Reinigungspersonal) im Sportverein fehlt in aller Regel das Wissen über einen umweltscho­nenden Umgang mit Energie, das Problembewusstsein selbst und oft auch die Motivation zum eigenen Engagement. Auch Kenntnisse im Umgang mit den technischen Einrichtungen sind häufig nur spärlich vorhanden, sodass die Möglichkeiten zum Energie sparen hier oft gar nicht ausgeschöpft werden. Es ist also wichtig, sowohl die Nutzer, als auch die Verant­wortlichen im Sportverein zu informieren und für das Thema Umweltschutz zu sensibilisie- ren.[12] Das Ziel ist dabei nicht eine bloße Aufklärung über die Umweltprobleme, sondern in erster Linie das Herbeiführen von Verhaltensänderungen.[13]

Bei den Nutzern sollte dabei auf Anregung statt auf Belehrung gesetzt werden. Eine „Zeige­finger-Pädagogik“ ist eher kontraproduktiv und stößt häufig auf Ablehnung. Die Nutzer kom­men zum Sport treiben und nicht, um sich Vorlesungen über Umweltschutz anzuhören. Es gilt, die Mitglieder für den Umweltschutz zu gewinnen, ihnen damit aber nicht auf die Nerven zu gehen. Kurze, prägnante Informationen reichen dabei oft schon aus, beispielsweise ein Hinweis an den Armaturen mit: „Umweltschutz: Zwei mal drücken = stopp“.[7]

Bei den Verantwortlichen im Sportverein können konkretere Maßnahmen ergriffen werden. Ein wichtiger Ansatzpunkt sind dabei Mitarbeiterschulungen, die das entsprechende Sach­wissen vermitteln. Schließlich können nur Mitarbeiter mit ausreichenden Umweltkenntnissen die ökologische Nachhaltigkeit im Sportverein verbessern. Die Inhalte der Schulungen kön­nen sich dabei auf viele Themen erstrecken. Den wichtigsten Bereich stellt die eingesetzte Technik dar, die zunehmend differenzierter und umfangreicher und damit auch häufig kompli­zierter und aufwendiger in der Bedienung wird. Die Einsparpotenziale einer guten, techni­schen Ausstattung eines Gebäudes können nur ausgeschöpft werden, wenn die Technik rich­tig bedient wird. Daher ist eine ausführliche Schulung der technischen Betreuer von beson­derer Bedeutung.

Ein weiteres wichtiges Thema für Mitarbeiterschulungen ist der richtige Umgang mit Reini­gungsmitteln. Trotz weitreichender Angebote an umweltschonenden Reinigungsmitteln wird nämlich immer noch sehr sorglos mit stark belastenden Reinigern umgegangen. Häufig wird nach dem Motto „viel hilft viel“ verfahren. Die Devise müsste aber vielmehr lauten: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“.[14] Eine bedarfsgerechte Dosierung kann ohne Verlust an Sau­berkeit und Hygiene bis zu 30 Prozent an Kosten einsparen. Angaben zur Dosierung und Verdünnung befinden sich auf dem Produkt und sollten genau befolgt werden. Ebenfalls sehr hilfreich können entsprechende Dosiersysteme sein. Die Überdosierung stark belastender Mittel führt häufig zu Schäden an den zu reinigenden Gegenständen, Belastungen des Ab­wassers, gesundheitlichen Gefahren sowie vermeidbaren Mehrkosten. Neben der richtigen Dossierung ist es natürlich wichtig, darauf zu achten, welche Reinigungsmittel eingesetzt werden. Allzweck- oder Neutralreiniger, Alkoholreiniger und Scheuermittel gelten als so ge­nannte „sanfte Reinigungsmittel“. Sie bestehen aus weniger bedenklichen Inhaltsstoffen als andere Reinigungsmittel und verfügen über eine ebenso gute Reinigungswirkung und Ge­brauchstauglichkeit. Komplett verzichten sollte man auf chlorhaltige Reiniger, z.B. Abflussrei­niger, da diese extrem umweltbelastend sind.[14] Auch auf WC-Duftsteine kann verzichtet wer­den. Ihr Beitrag zur Reinigung und Desinfektion geht gegen Null, sie belasten nur unnötig das Abwasser. Eine regelmäßige Lüftung oder Schälchen mit Aromaölen haben den selben Effekt ohne negative Nebenwirkungen.

Weitere Beispiele für Inhalte von Mitarbeiterschulungen sind die Vermeidung von Abfall, die richtige Pflege der Sportfreiflächen oder die umweltgerechte Durchführung von Veranstaltun­gen.

ÖffentUchkeitsarbeit

Damit Umweltprobleme und ihre potenziellen Auswirkungen öffentlich wahrgenommen wer­den, ist Umweltkommunikation gefordert, und zwar nach innen wie nach außen, also sowohl gegenüber den eigenen Mitgliedern als auch gegenüber der Öffentlichkeit.[15] Umweltbewusst­sein hat in der Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Das Umweltengagement im Sportver­ein kann deshalb einen zusätzlichen Vorteil mit sich bringen, in dem es den Verein von den Mitbewerbern abhebt. Die Mitglieder werden dadurch in der Wahl ihres Vereins gestärkt, Nicht-Mitglieder könnten zu einem Vereinsbeitritt angeregt werden.

Die Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit sind sehr vielfältig. Anfangen kann man damit, eine dauerhafte Umweltrubrik in die Vereinszeitung aufzunehmen sowie aktuelle Informatio­nen zum Thema Umwelt auf dem schwarzen Brett oder auf einem extra „Umwelt-Brett“ be kanntzumachen. Bei der Werbung für Vereinsveranstaltungen wie Sportfeste, Reisen o.Ä. sollte die umweltfreundliche Organisation hervorgehoben werden. Weitere Instrumente sind Flyer, Broschüren, regelmäßige Newsletter, Vorträge oder Pressearbeit. Auch im Rahmen des Internetauftritts kann das Umweltengagement des Vereins betont werden. Jedoch sollte beim Ausmaß der Öffentlichkeitsarbeit nicht übertrieben werden. Der Fokus des Sportvereins sollte trotz der Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit immer noch auf der Ausübung von Sport liegen.

Wasser

Trinkwasser ist ein wertvolles Gut, dass durch den hohen Wasserverbrauch immer knapper wird. Ein sparsamer und bewusster Umgang mit Wasser ist deshalb wichtig und wirkt sich angesichts der steigenden Gebühren nicht nur positiv auf die Umwelt, sondern auch auf die Finanzen des Vereins aus.

Der größte Wasserverbrauch eines Sportvereins fällt im Sanitärbereich an. Dabei besteht hier ein enormes Einsparpotenzial. Bis zu 30 Prozent Trinkwasser können hier kostengünstig und ohne Komfortverlust eingespart werden.[13] Zusätzlich zur Wassereinsparung wird dabei in nahezu gleichem Umfang auch Heizenergie für die Erwärmung des Wassers eingespart. Neben der Beachtung einiger Verhaltensregeln ist das vor allem durch technische Hilfsmittel möglich.

Toiletten

Die Toilettenspülung macht häufig bis zu einen Drittel des Wasserverbrauchs in Sporthallen aus.[4] Bei älteren Toiletten verbraucht ein Spülgang 9 bis 12 Liter. Diese Menge wird aber in den meisten Fällen nicht benötigt. Um die Wassermenge je nach „Geschäft“ unterschiedlich bemessen zu können, sollten Spar- oder Stopptasten eingebaut werden. Mit diesen können Wassereinsparungen von bis zu 50 Prozent erreicht werden, die Amortisationszeit liegt bei weniger als einem halben Jahr. Im Fachhandel gibt es preiswerte Umrüstsätze, die problem­los nachträglich installiert werden können.[17]

Armaturen

Im Sanitärbereich sollte der erste Schritt darin bestehen, sämtliche Armaturen auf ihre Funk­tionsfähigkeit zu überprüfen. Ein tropfender Hahn zum Beispiel kann allein Kosten um die 40 Euro pro Jahr verursachen.[11] In den meisten Fällen ist dabei nur der Austausch der Dich­tung nötig, was schnell geschehen ist und wenig Geld kostet. Die Amortisationszeit beträgt hier nur wenige Tage, die Arbeitszeit zum Einbau der Dichtung bereits eingerechnet. Eine un­dichte WC-Spülung schlägt sogar noch heftiger zu Buche. Hier können jährlich leicht über 750 Euro unbemerkt verrinnen.[11] Ein weiterer Grund für einen zu hohen Wasserverbrauch könnte in einem Leck in der Wasserleitung bestehen. Solche können aufgespürt werden, in­dem alle Verbrauchsquellen geschlossen werden und anschließend geprüft wird, ob der Zäh­ler zum Stillstand kommt. Am einfachsten bewerkstelligen lässt sich so eine Prüfung über Nacht, da ohne Nutzung selbst die kleinste Differenz ein sicheres Indiz für Undichtigkeiten ist.[11]

Eine weitere preiswerte Möglichkeit um Wasser zu sparen ist der Einbau von Durchflussbe­grenzern und -konstanthaltern. Durchflussbegrenzer reduzieren, wie der Name schon sagt, den Wasserdurchfluss. Durch Durchflusskonstanthalter wird vermieden, dass bei steigendem Leitungsdruck die Durchflussmenge steigt. Beide Stücke sind als Zubehörteile im Fachhan­del erhältlich und ohne großen Aufwand nachträglich anzubringen. Eine Wassereinsparung von bis zu 50 Prozent kann durch sie erreicht werden.[16]

Einen großen Beitrag zur Wassereinsparung leisten zudem so genannte Selbstschlussarma­turen, wie sie in folgenden Abbildungen dargestellt sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1-1 Selbstschlussarmatur Waschbecken [REHADAT - Informationssystem zur beruflichen Rehabilitation]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1-2 Selbstschlussarmatur Dusche [Grohe AG]

Sie sorgen dafür, dass nur über einen festgelegten Zeitraum Wasser fließen kann. Die Fort­setzung erfolgt durch einen erneuten Handgriff. Sie wirken so nicht nur bei Vergesslichkeit, sondern üben zusätzlich einen sanften Druck auf die Duschdauer aus, ohne den Komfort er­heblich einzuschränken. In der Praxis haben sich Fließzeiten von 20 bis 30 Sekunden bei Duschen und 10 bis 15 Sekunden bei Waschtischen bewährt.[11] Die folgenden Skizze veran­schaulicht das Einsparpotenzial von Selbstschlussarmaturen noch einmal:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1-3 Einsparpotenzial bei Selbstschlussarmaturen [Eigene Darstellung in Anlehnung an Spindler et al. 2000, S. 357]

[...]


[1] vgl. Spindler et al. (2000), S. 11

[2] vgl. von Bechen (2011), S. 3

[3] vgl. Renn, Deuschle, Jäger, Weimer-Jehle (2007), S. 27

[4] > vgl. Spindler et al. (2004), S. 22

[5] vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit S. 7

[6] vgl. Spindler et al. (2004), S. 7 ff.

[7] vgl. Wilken, Neuerburg (1997), S. 19

[8] vgl. Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Stand: 05.08.2011, 13.00 Uhr

[9] vgl. Spindler etal. (2004), S. 102

[10] vgl. Spindler et al. (2004), S. 207

[2] vgl. von Bechen (2011), S. 3

[11] vgl. Spindler et al. (2004), S. 145 ff.

[12] vgl. Brinkmann (2009), S. 51

[13] vgl. Wilken, Neuerburg (1990), S. 47

[7] vgl. Wilken, Neuerburg (1997), S.19 ff.

[14] vgl. Wilken, Neuerburg (1997), S. 157

[15] vgl. Wilken, Neuerburg (2001), S. 7

[16] vgl. Wilken, Neuerburg (1997), S. 143 ff.

[4] vgl. Spindler et al. (2004), S. 22

[17] vgl. Feng Shui Forum, Ratgeberund Aktuelles

[11] vgl. Spindler et al. (2004), S. 145 ff.

[16] vgl. Wilken, Neuerburg (1997), S. 143 ff.

[11] vgl. Spindler et al. (2004), S. 145 ff.

Details

Seiten
73
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656760887
ISBN (Buch)
9783656856702
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281856
Institution / Hochschule
Universität Ulm – Institut für Wirtschaftswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
nachhaltigkeit sportvereinen beispiel

Autor

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