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Die Auswirkungen leistungsloser Erfolge auf das Konzept der Anerkennung

Essay 2014 10 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Leistungsprinzip

Das Konzept der Anerkennung

Die Auswirkungen leistungsloser Erfolge auf das Konzept der Anerkennung

Vermarktlichung

Subjektivierung

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der folgende Text befasst sich mit der Frage, welche Auswirkungen leistungslose Erfolge auf das Konzept der Anerkennung haben. In Zeiten von zunehmender Subjektivierung und Vermarktlichung von Entscheidungen geraten alte Institutionen der Anerkennung ins Schwanken, Würdigung verliert an Bedeutung und vorrangig ist es die Bewunderung die von den Menschen einer Gesellschaft nun angestrebt wird. Dieser Text soll aufzeigen, welche Auswirkungen leistungslose Erfolge auf diese teils instabile Struktur haben. Im ersten Abschnitt gehe ich auf das Leistungsprinzip von Stephan Voswinkel (2003) ein und erkläre die verschiedenen Dimensionen der Leistung. Auch werde ich auf die Funktion der Zurechnung von Leistung nach der Erläuterung von Voswinkel eingehen. Um dem Thema dieser Arbeit näher zu kommen, folgt eine Definition von leistungslosen Erfolgen und die einhergehenden Probleme des Leistungsprinzip. Im zweiten Kapitel erläutere ich kurz das Konzept der Anerkennung, dass sich durch die Vermarktlichung von Entscheidungen und Subjektivierung ebenfalls wandelt. Im dritten Abschnitt analysiere ich die genauen Auswirkungen der leistungslosen Erfolge auf das Konzept der Anerkennung. Im Fazit werden die Ergebnisse dieser Analyse nochmal einmal zusammengefasst.

Das Leistungsprinzip

Zunächst ist festzustellen, was eine Leistung ausmacht. Voswinkel (2003) beschreibt in seinem Text die Leistung über einen Output, der von einer Person geschaffen wurde. Dieser Output kann in drei verschiedenen Dimensionen vorhanden sein: dem sachlichen, sozialen oder ökonomischen Output (vgl. Voswinkel 2003: 179f). So kann z. B. ein Werk, ein Sachgut oder eine Dienstleistung eine Leistung sein (vgl. Voswinkel 2003: 179). Der Output kann unter anderem in Form von Menge, gesellschaftlichem Verdienst, Gewinn oder Ertrag entstehen (vgl. Voswinkel 2003: 180). Neben der Output-Seite ist für eine Leistung auch ein Input der Person nötig, um einen Output in Form von Leistung zu erbringen. Der Input bezeichnet die Leistung, die eine Person in Form von Ressourcen oder Einsatz einbringt, um das gewollte Output zu produzieren. Zu dem Input wird unter anderem Talent, Qualifikation, Anstrengung oder auch Belastung gezählt (vgl. Voswinkel 2003: 180). Der Unterschied zwischen Einsatz und Ressourcen besteht darin, dass der Einsatz aktiv von der Person in den Leistungsprozess eingebracht wird, die Ressource dagegen schon, meist personengebunden, vorhanden ist. Das Leistungsprinzip besteht daher vorrangig aus Inputs und Outputs, die zusammen die Leistung ergeben. Welche Leistung generell als solche anerkannt wird, hängt von den sozialen Normen der jeweiligen Gesellschaft ab, die den Rahmen für Leistung bilden (vgl. Voswinkel & Wagner 2013: 78). Welche Leistung jedoch auch als gerecht von der Gesellschaft empfunden wird, lässt sich durch die „Equity-Konzeption“ oder auch „Reziprozitäts-Norm“ festhalten. Generell wird eine Leistung als gerecht akzeptiert, wenn Aufwand (Input) und Ertrag (Output) in gleichem Verhältnis zueinander stehen (vgl. Voswinkel 2003: 181). Wer eine Leistung erbringt, sollte nach diesem Prinzip auch eine Gegenleistung erhalten (vgl. Voswinkel 2003: 181). Diese Erkenntnis ist wichtig, um später auf das Problem der leistungslosen Erfolge zurückzukommen. Wie man Leistung und Erfolg zurechnet, beschreibt Voswinkel in seinem Text von 2003. So wird zwischen zwei verschiedenen Rahmenbedingungen für die Zurechnung von Leistung und Erfolg unterschieden: Dem klassischen und überholten tayloristischen Akkordsystem und den modernen Varianten von Zielvereinbarungen und anderen erfolgsabhängigen Formen. In einem tayloristischen Akkordsystem besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Leistung und dem Verdienst eines Arbeiters (vgl. Voswinkel 2003: 182). Der Vorteil besteht darin, dass der Arbeiter einen direkten Zusammenhang zwischen seiner Leistung und dem entsprechenden Lohn sieht. Rahmenbedingungen und andere Output-Dimensionen werden dabei allerdings nicht beachtet (vgl. Voswinkel 2003: 182). In der heutigen Arbeitsgesellschaft basiert die Zurechnung von Leistung zunehmend auf Zielvereinbarungen und anderen erfolgsabhängigen Formen. Bei den Zielvereinbarungen werden bestimmte Ziele bzw. Ergebnisse (Outputs) von Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorab vereinbart. Der dabei erbrachte Einsatz in Form von Art, Dauer oder Anstrengung wird allerdings nicht berücksichtigt (vgl. Voswinkel 2003: 182). Am Ende zählt nur der ökonomische Erfolg, also der messbare Output. Diese Arbeit befasst sich mit dem Thema, welche Auswirkungen leistungslose Erfolge auf das Konzept der Anerkennung haben. Dazu ist eine kurze Erläuterung zu leistungslosen Erfolgen nötig. Wie oben beschrieben, basiert Leistung auf einem Verhältnis zwischen Input des Arbeiters und dem Output des Leistungsprozesses. Das bedeutet, dass im Normalfall nach dem Leistungsprinzip vor dem Erfolg eine Leistung durch einen Input durch eine Person erbracht werden muss. Fehlt jedoch dieser Input und die Person erzielt trotzdem einen Erfolg, handelt es sich dabei um einen leistungslosen Erfolg, also einen, dem keine erbrachte Leistung voranging. Die Autoren Neckel und Dröge (2002) bezeichnen leistungslose Erfolge als „Aufmerksamkeits- oder Laufstegökonomie und Abenteuerkapitalismus“ (vgl. Neckel & Dröge 2002: 101). Dabei kommt es zu einer Aushöhlung des Leistungsprinzips: Sobald eine Person die ökonomische Spitze in der Gesellschaft erreicht hat, sorgen die „Winner-Take-All-Märkte“ dafür, dass derjenige ohne eigenes Zutun weiter nach oben getragen wird (vgl. Neckel & Dröge 2002: 98). Dies geschieht nach dem Prinzip „wer etwas hat bekommt noch mehr“. Dies hat aber auch den Nebeneffekt, dass diese Personen nicht mehr an ihrer Leistung, also dem Input und Output, gemessen werden, sondern nur noch an ihrem Erfolg, dem Output. Damit können sie auch Erfolge erzielen, die entweder nicht auf ihrer eigenen Leistung oder auf der Zufälligkeit der Märkte basieren und sind nicht mehr an das Leistungsprinzip gebunden (vgl. Neckel & Dröge 2002: 101). Dies sind leistungslose Erfolge, die auf Grund der Struktur der Märkte entstehen. Damit wird der Grundsatz des gerechten Leistungsprinzips unterwandert: Durch den Erfolg kommt es zu einer Gegenleistung, jedoch ohne dass zuvor eine persönliche Leistung erbracht wurde, da der Erfolg auf reiner Zufälligkeit basiert. Daraus resultiert bereits eine Aushöhlung des Leistungsprinzips. Eine weitere Variante der Aushöhlung durch leistungslose Erfolge ist der Nicht-ideale Input. Zu einem Input im Leistungsprozess gehört immer eine Ressource, die bereits vorhanden ist und ein Einsatz in Form von Anstrengung oder Belastung. Sobald allein durch die vorhandene Ressource ein Erfolg ohne Anstrengung erlangt werden kann, wird die Reziprozitäts-Norm des Leistungsprinzips ausgehöhlt. Beispiele hierfür sind der Zinses-Zins-Effekt oder unter dem Stichpunkt „Laufstegsökonomie“ entweder zweit- oder drittklassige TV-Berühmtheiten.

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Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656762386
ISBN (Buch)
9783656762416
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281660
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
leistungslose; Erfolge; Anerkennung; Konzept; Auswirkungen; Soziologie; Subjektivierung; Vermarktlichung;

Autor

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