Lade Inhalt...

Unterrichtsstunde zu Peter Fox "Schwarz zu Blau" (Großstadtlyrik, Klasse 10, Gymnasium)

Berlin – „Du kannst so schön schrecklich sein“. Eine Hass-Liebe

Unterrichtsentwurf 2014 16 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Themenverteilungsplan für den Prüfungszeitraum vom 07.02.2014 bis 27.02.2014

2. Unterrichtsentwurf zur Prüfungslehrprobe im Fach Deutsch - Vorspann zur Unterrichtsstunde
2.1 Angaben zur Unterrichtsstunde
2.2 Unterrichtlicher Zusammenhang
2.3 Sachanalyse

3. Geplanter Unterrichtsverlauf
3.1 Didaktisch-methodische Analyse
3.2 Bezug zu den Bildungsstandards
3.2.1 Sprechen:
3.2.2 Schreiben:
3.3.3 Lesen/Umgang mit Texten und Medien:
3.3.4 Umgang mit literarischen und nicht literarischen Texten

4. Unterrichtsziele:

5. Literatur

6. Stundenentwurf: Peter Fox – „Schwarz zu Blau“ – Berlin – „Du kannst so schön schrecklich sein“ –Eine Hass-Liebe

7. Materialien/Anhang

1. Themenverteilungsplan für den Prüfungszeitraum vom 07.02.2014 bis 27.02.2014

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Unterrichtsentwurf zur Prüfungslehrprobe im Fach Deutsch - Vorspann zur Unterrichtsstunde

2.1 Angaben zur Unterrichtsstunde

Die Unterrichtsstunde der Prüfungslehrprobe ist eingebettet in die zwölfstündige Unterrichtseinheit zum Thema „Großstadtlyrik zu ausgewählten literarischen Epochen“. Sie ist die neunte Stunde der Unterrichtseinheit, die im Regelfall im Doppelstundenmodell unterrichtet wird.

Der thematische Fokus spannt dabei den Bogen vom Beginn des 20. Jahrhunderts – der Ausgangspunkt der Urbanisierung und der Moderne – bis ins 21. Jahrhundert. Während sich der lyrische Schwerpunkt im Unterricht vor dem Hintergrund der Epochen[1] „Naturalismus“, „Expressionismus“ und „Neuer Sachlichkeit“ eher „klassischen Werken“ zuwendet, wird in Bezug auf die „Post-Moderne“ der deutsche Sprechgesang ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Um der „epochenübergreifenden“ Thematik „Großstadt“ in ihrer Komplexität gerecht zu werden, wird neben der inhaltlichen und sprachlichen Analyse lyrischer Texte ein theoretischer „Überbau“ angestrebt, der auf der einen Seite dem lyrischen Sujet ein philosophisch-soziologisches Fundament verleiht, auf der anderen Seite jedoch auch den Wissenshorizont der Schülerinnen und Schüler in Bezug auf den fachwissenschaftlichen Umgang mit lyrischen Texten erweitert (u.a. Arno Holz: Kunst=Natur-X, Peter Sloterdijk: Sphären III – Schäume, Georg Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben).

Der thematische Sprung von der „Neuen Sachlichkeit“ in die Hip-Hop-Kultur des postmodernen Deutschland wird auf diese Weise „abgefangen“ und durch die vergleichende Betrachtung sinnstiftend zu einem „großen Ganzen“ zusammengefügt. Neben diesen Aspekten wird außerdem dem Schülerwunsch entgegengekommen, Lyrik „mal etwas anders“ aufzubereiten.

In Bezug auf die vorliegende Unterrichtsstunde wurde ein vordergründig analytischer Zugang gewählt, der versucht, sich dem lyrischen Werk „Schwarz zu Blau“ (Peter Fox) in seinem Charakter als Lied, aber auch in seiner Eigenschaft als lyrischem Text zu nähern. Ziel ist es dabei, sowohl die Musik als Medium menschlicher Empfindungen zu erfahren, als auch den tieferen Sinngehalt des Werkes zu interpretieren.

Der methodische Schwerpunkt liegt dabei auf einer schülerzentrierten, arbeitsteiligen Textanalyse, welche die einzelnen Komponenten am Ende der Stunde zu einem Gesamtbild zusammenführt. Durch die Hinzunahme von Auszügen des theoretischen Textes „Die Großstädte und das Geistesleben“ (Georg Simmel, 1903) werden in der Problematisierungsphase die gewonnenen Erkenntnisse auf eine Metaebene gehoben, welche es ermöglicht, über die soziologischen Tiefenstrukturen der Gesellschaft in der Großstadt – die wiederum Großstadtlyrik konstituiert – zu reflektieren.

2.2 Unterrichtlicher Zusammenhang

Dieses Kapitel enthält persönliche bzw. vertrauliche Informationen und kann aus datenschutzrechtlichen Gründen nur zum Teil veröffentlicht werden.

[…]

Eine Evaluation zu Beginn der Unterrichtseinheit hat zudem gezeigt, dass die Erwartungen mancher Schülerinnen und Schüler an den Lyrikunterricht eher kritisch sind (Stichworte, z. B.): „langweilig“, „unnötig“, „unverständlich“). Um dem entgegenzuwirken, wurden auf der einen Seite verstärkt handlungsorientierte Methoden zur Erschließung von Texten angewendet, zum anderen aber auch vorausschauend der Hip-Hop als gleichwertiger, lyrischer Anteil in die Unterrichtseinheit eingebettet. Um dieser Heterogenität in Bezug auf die Leistungsunterschiede innerhalb der Klasse gerecht zu werden, wurde ferner eine feste Gruppensitzordnung eingeführt, die diesen Aspekt berücksichtigt und dadurch binnendifferenziertes Arbeiten ermöglicht.

2.3 Sachanalyse

Das Lied „Schwarz zu Blau“ von Peter Fox stammt aus dem Jahr 2008 (Single eingespielt: 2009). In seiner Gesamtheit kann das Werk als „Großstadt-Hymne“ interpretiert werden, welche durch ihre antithetische Sichtweise den urbanen Raum zum einen als Moloch und Ort der sozialen Missstände, zum anderen aber auch als vertrautes Umfeld und „Lebenselixier“ verklärt.

Inhaltlich beschreibt das Lied den Weg eines lyrischen Ichs, das am frühen morgen – vom Feiern erschöpft – durch die Großstadt Berlin geht und seine Sinneswahrnehmungen beschreibt bzw. verarbeitet. Die vom Text vorgegebene, in sozialer Hinsicht deprimierende Atmosphäre wird auf der einen Seite durch treibende, dancehall-lastige Partybässe begleitet, während die Streich- und Blasinstrumente musikalisch ein spannungsgeladen-diffuses Hintergrundbild zeichnen. Der Umstand, dass in der ES-Dur- (Strophen) bzw. F-Dur- (Hookline) Komposition das für den Hörer entscheidende Intervall nicht angespielt wird, erzeugt beim Hören eine irritierende Zwischenebene, welche das Lied nicht eindeutig in Moll oder Dur erklingen lässt. Eine freudige bzw. traurige Stimmung ist so über die Musik nicht explizit auszumachen. Das Lied selbst lässt beide Sichtweisen zu.

Analysiert man den Text, so konzentrieren sich die Strophen auf die Sinneswahrnehmungen des lyrischen Ichs, während in der Hookline (Refrain) das Beobachtete reflektiert wird. Die ersten beiden Strophen verarbeiten in der Wahrnehmung des lyrischen Ichs hauptsächlich die sozialen Um- und Missstände in Berlin: Schmutz, Exzess, Gewalt und Kälte werden dabei lyrisch mit sozialen Randgruppen aller Art verwoben und vom lyrischen Ich reserviert bzw. auf Distanz stehend erlebt (V. 1-17). In der darauffolgenden Hookline wird die soeben in aller Hässlichkeit beschriebene Stadt jedoch als vertrautes Gegenüber („Guten morgen Berlin, du…“, V. 18) angesprochen, das zwar „dreckig und grau“ (V.19) erscheint, gleichzeitig aber auch - fast schon verniedlichend - als „schön schrecklich“ (V.20) definiert wird.

Die Schlussfolgerung des lyrischen Sprechers aus diesem Umstand ist, sich den Ermüdungserscheinungen hinzugeben (V.23) und die Nacht mit all ihrem Schmutz, metaphorisch durch die Farbe Schwarz gekennzeichnet (V.25), durch den beginnenden Tag, hier mit der symbolischen Farbe der Reinheit (Blau) gezeichnet (V.25), wahrzunehmen.

Die dritte Strophe beschreibt dann wiederum die Sinneseindrücke des lyrischen Ichs in Bezug auf die Anonymität, Entfremdung und Vereinsamung des Individuums in der Großstadt. Einzig und allein eine Bäckerei (Strophe 4), welche kontrastierend die Grenze zwischen innen und außen markiert, bietet die Möglichkeit, der kalten Realität zu entfliehen, um sich Träumen hinzugeben (V.36).

In dieser geschützten Atmosphäre erscheint die Großstadt „eben doch gar nicht so hart, wie du denkst“ (V. 41). Der C-Teil der Hookline kann als persönliches Resümee des lyrischen Sprechers interpretiert werden. Die entfremdenden Sinneseindrücke der Großstadt am Morgen werden einer abschließenden Reflexion unterzogen, wobei die Lebensnotwendigkeit des urbanen Raums den finalen Schlusspunkt bildet (V. 55f). An dieser Stelle kulminieren die sich widersprechenden Betrachtungsweisen und machen das Lied, trotz aller Abneigung, zur „Liebeserklärung“ an die Heimatstadt.

Auf lautlicher Ebene sind, neben dem Metrolekt, besonders die vielfach auftretenden Alliterationen (z.B. „Kotze am Kotti (V. 6) und andere Äquivalenzstrukturen (z.B. „seh‘…sich satt fressen“) hervorzuheben, welche dem Textinhalt in seiner Härte entsprechen. Antithetische Gegenüberstellungen (z.B. „Du kannst so schön schrecklich sein“ V.20) und fast schon liebevolle Personifikationen (z.B. „Guten Morgen Berlin, du…“ V.18) brechen wiederum diese Charakteristik und fügen sich somit in das Gesamtbild einer Antagonistischen Wahrnehmung von Großstadt ein.

[...]


[1] Dass die Epochenzuordnung einzelner Texte u.U. problematisch erscheint, wurde mit den SuS im bisherigen Verlauf der UE bereits thematisiert. Zur Thematik, dass eine Klassifizierung bzw. Zuordnung auf Grund der Übersichtlichkeit sinnvoll sein kann, vgl. Karl Riha, Deutsche Grosstadtlyrik, Zürich 1983, S. 15.

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656831501
ISBN (Buch)
9783656829140
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281655
Institution / Hochschule
Staatl. Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Gymn), Tübingen
Note
1,0
Schlagworte
unterrichtsstunde peter schwarz blau großstadtlyrik berlin eine hass-liebe

Autor

Zurück

Titel: Unterrichtsstunde zu Peter Fox "Schwarz zu Blau" (Großstadtlyrik, Klasse 10, Gymnasium)