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Deviantes Verhalten am Beispiel der Persönlichkeitsstörung Borderline

Hausarbeit 2014 31 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erläuterung von Devianten Verhalten
2.1. Beschreibung von Deviantem Sozialverhalten
2.2 Dimensionen von deviantem Verhalten

3. Grundinformationen zu der Persönlichkeitsstörung Borderline
3.1 Das Erscheinungsbild der Borderline Störung
3.2 Begleiterscheinungen einer Borderlineerkrankung
3.2.1 Chronische Suizidalität
3.2.2 Pädagogischer Umgang mit suizidalem Verhalten
3.2.3 Selbstverletzendes Verhalten
3.2.4 Pädagogischer Umgang mit selbstverletzenden Verhalten

4. Interventionsmöglichkeiten bei der Persönlichkeitsstörung Borderline
4.1 Die Beziehungsgestaltung
4.2 Die Ziel Vereinbarung
4.3 Die Gefühlswelt von Borderline Erkrankten
4.4 Der Umgang mit Reizen
4.5 Das Fachkräfte Team

5. Sozialarbeiterische Anforderungen in der Arbeit mit psychisch gestörten Jugendlichen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Themenschwerpunkt deviantes Verhalten am Beispiel der Persönlichkeitsstörung Borderline. Mit der Fragestellung

Wie können Borderlineerkrankte Jugendliche pädagogisch unterstützt werden?

Im ersten Kapitel beschreibe ich, dass „deviantes Verhalten“ bzw. Delinquenz durch zwei unterschiedliche Aspekte betrachtet werden kann. Zu einem der ätiologischer Ansatz der sich darauf bezieht, dass die Schuld beim Täter gesucht wird. Der Mensch ist für sich und sein Verhalten selbst verantwortlich.

Zum anderen wird von dem Interaktionsansatz gesprochen. In diesem Ansatz wird sich mit der Fragestellung befasst, warum der Täter kriminell wurde (vgl. Leuphana Universität Skript vom 2.11.13, o. S.).

Auch wird in dem ersten Kapitel deutlich, dass deviantes Verhalten nicht ausschließlich was mit kriminellen Handlungen zu tun hat. Deviantes Verhalten beinhaltet eher alles, was nicht der Norm und/oder der Wertvorstellung der Gesellschaft entspricht (vgl. Leuphana Universität Skript vom 2.11.13, o. S.). Dadurch ergibt sich eine Beschreibung von „deviantem Sozialverhalten“. In diesem Kapitel gehe ich auf die Klassifizierung des ICD 10 und des MAS ein.

In dem Kapitel „Dimensionen von deviantem Verhalten“ verdeutliche ich, dass auch zwischen unterschiedlichen Milieus unterschieden wird.

Auch ist der Aspekt institutionell gebundene soziale Abweichung interessant zu beleuchten. In dem Themengebiet der „Dimensionen von Devianten Verhalten“ wird der Übergang zu der Persönlichkeitsstörung Borderline deutlich.

In dem Kapitel „Grundinformationen zu der Persönlichkeitsstörung Borderline“ erkläre ich, wie es dazu kommt, dass Kinder und Jugendliche eine Persönlichkeitsstörung entwickeln. Auch stelle ich erste typische Merkmale einer Persönlichkeitsstörung vor.

In dem Unterkapitel das „Erscheinungsbild der Borderlinestörung“ vertiefe ich dieses Themengebiet. Es wird eine Auflistung von typischen Borderlinesymptomen folgen.

Dieses Krankheitsbild beinhaltet in der Regel noch andere psychische Auffälligkeiten. Diese werden als Begleiterscheinungen betrachtet. Häufig sind es sie Begleiterscheinungen die vorrangig pädagogisch, aber auch therapeutisch behandelt werden müssen.

Mit zwei dieser typischen Begleiterscheinungen, „chronische Suizidalität“ und „selbstverletzendes Verhalten“ befasse ich mich ausführlicher. Dies beinhaltet eine Beschreibung des pädagogischen Umgangs mit Jugendlichen, welche in diesen Bereichen Auffälligkeiten vorweisen.

Im darauf folgenden Kapitel befasse ich mich mit den „Interventionsmöglichkeiten bei der Persönlichkeitsstörung “Borderline“. Fünf verschiedene Arbeitsmethoden stelle ich vor, die für die betroffenen Jugendlichen hilfreich sind, um an ihrer Erkrankung arbeiten zu können.

Abschließend thematisiere ich den Schwerpunkt der „sozialarbeiterischen Anforderungen in der Arbeit mit psychisch gestörten Jugendlichen“.

Zum einfacheren Leseverständnis habe ich die Hausarbeit in der männlichen Schreibform erarbeitet, Selbstverständlich sind auch immer die weiblichen Personen angesprochen.

2. Erläuterung von Devianten Verhalten

Um Deviantes Verhalten genauer erörtern zu können, muss berücksichtigt werden, dass Devianz bzw. Delinquenz in zwei unterschiedlichen Ansätzen zu etablieren sind. Zum einem wird der ätiologischer Ansatz und zum anderen der Interaktionsansatz benannt.

Bei dem ätiologischen Ansatz wird sich auf die Person bezogen. Die Verantwortung liegt beim Täter, allerdings werden auch Anhaltspunkte im Verhalten und dem Umfeld gesucht. Hier stellt sich z.B. die Frage, warum wurde der Täter kriminell? Nach diesem theoretischen Aspekt wird davon ausgegangen, dass es eine Ursache für deviantes Verhalten gibt. Das beinhaltet verschiedene Erklärungsansätze, wie biologische (z.B. Hirnforschung), psychologische (z.B. Entwicklungspsychologie) und soziologische (z.B. differenzielles Lernen). Auch wird davon ausgegangen, dass ein Zusammenhang zwischen der Person und dem Handeln vorliegt. Daraus erschließt sich die „Defizit-These“. Es wird davon ausgegangen, dass, wenn Einfluss auf die Personen und Ursachen (z.B. Elternhaus, Schule, Kita, Peers, Drogen, Freizeit) genommen wird, ein zukünftiges Abweichendes Verhalten ausgeschlossen werden könnte.

Wenn nun der Interaktionsansatz genauer betrachtet wird, erscheint es, dass in dieser Verfahrensweise der Schwerpunkt eher auf den Frage liegt, wie wurde der Betroffene z.B. kriminell. Es wird schwerpunktmäßig auf die verschiedenen Instanzen sozialer Kontrolle eingegangen.

Die Normalitäts-These belegt, das ein gewisses Maß an delinquenten Verhalten im Jugendalter bis zu einer bestimmten Grenze als normal anzusehen ist. Viele Verhaltensmuster erledigen sich während des Heranwachsens von alleine (vgl. Leuphana Universität Skript vom 2.11.13, o. S.).

Abweichendes Verhalten (Devianz) ist alles, was nicht der Norm oder Wertvorstellungen einer Gruppe, Gemeinschaft, oder der Gesellschaft entspricht. Abweichendes Verhalten muss nicht gleich illegal veranlagt sein. So kann zum Beispiel eine psychische Erkrankung auch als Abweichung der Norm entsprechen. Wenn bestimmte Verhaltensmuster gegen die öffentliche Anerkennung und Verhaltensregeln verstoßen, ist das abweichende das sozial Unerwünschte. Da sich allerdings der soziale Wandel durchweg vollzieht, ändert sich auch die Normalität und somit auch das sogenannte abweichende, also das, welches nicht der Norm entspricht.

Devianz wird ausschließlich an wahrnehmbaren Eigenheiten festgemacht. Dazu zählt der Körper des Menschen als Erscheinungsbild (Tätowierungen, Piercing, Frisur, Kleidung u.ä.), aber auch das Körperverhalten (Mimik, Gestik). Durch das offensichtliche Erscheinungsbild und das Körperverhalten ist der Mensch dazu in der Lage, anderen gegenüber seine innere Haltung und Einstellung deutlich zu machen. Die eigene Inszenierung dient dazu sich in der Gruppe zu integrieren.

Aus verschiedenen, kaum kaschierbaren, Gegebenheiten (Mann/Frau, alt/jung, deutsch/Migrant) wird dem Menschen bereits ein bestimmtes Verhaltensmuster zugewiesen. Das liegt daran, dass die äußerlichen Gegebenheiten sozial bewertet werden und somit ein bestimmtes Verhalten erwartet wird.

Inszeniertes abweichendes Verhalten stammt häufig von Jugendlichen die durch ihre Risikobereitschaft (illegale Autorennen, extrem Sport), oder sehr auffälliges äußeres Erscheinungsbild (z.B. Gothic, Punks) ihre Neugier und das Bedürfnis Grenzen auszutesten befriedigen wollen. Junge Männer möchten mit diesem Verhalten ihre Geschlechtsidentität beweisen.

Bei Mädchen oder jungen Frauen zeigt sich das abweichende Verhalten eher in psychischen Erscheinungsbildern bei dem eine Körperschädigung vollzogen wird (z.B. Essstörungen, Selbst verletzendes Verhalten) (vgl. Leuphana Universität Skript vom 2.11.13, o. S.).

2.1. Beschreibung von Deviantem Sozialverhalten

Seit den sechziger Jahren ist die WHO (Weltgesundheitsorganisation) bemüht, die Diagnostik und Klassifikationen von Erkrankungen weltweit zu vereinheitlichen. Dies geschieht durch das ICD 10 (International Classification of Diseases, 10. Revision) (vgl. Boumann 2008, S.11).

„Für den Bereich der psychischen Störungen und Verhaltensstörungen (einschließlich Störungen der psychischen Entwicklung) ist die Abteilung für psychische Gesundheit der WHO zuständig.“ (Boumann 2008, S. 11)

Um nach dem ICD 10 klassifiziert werden zu können, muss ein wiederkehrendes und anhaltendes Verhalten beobachtet werden. Dazu zählt unter anderem, aggressives und aufsässiges Verhalten. Außerdem umfasst es massive Verletzungen der altersentsprechenden Erwartungen. Auch muss es weit über den „kindlichen Unfug“ hinausgehen.

Einzelne dissoziale Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen, oder kriminelle Handlungen rechtfertigt eine Diagnostik nach dem ICD 10 nicht. Häufig sind Störungen des Sozialverhaltens (SSV) mit anderen erheblichen psychosozialen Umständen verbunden z.B. erhebliche Schulschwierigkeiten.

Um eine Diagnostik im Bereich der SSV zu vollziehen, ist es von großer Bedeutung, dass das Alter und das Entwicklungsniveau des Kindes berücksichtigt wird. So ist es zum Beispiel normal, dass ein drei Jähriges Kind auf offener Straße einen Wutanfall bekommt, für einen 14 Jährigen wäre so ein Verhalten bereits eine sehr starke Verhaltensauffälligkeit.

Eine Diagnose sollte gestellt werden, wenn das Auffällige Verhalten länger als sechs Monate anhält.

Das Multiaxiale Klassifikationsschema (MAS) hat beispielhafte Verhaltensweisen klassifiziert. Mögliche Symptome einer Störung im Sozialverhalten sind (vgl. Boumann 2008, S. 12-13):

„1. für das Entwicklungsalter ungewöhnlich häufige und schwere Wutausbrüche;
2. häufiges streiten mit Erwachsenen;
3. häufige aktive Ablehnung und Zurückweisung von Wünschen und Vorschriften Erwachsener;
4. häufiges, offensichtliches Ärgern anderer;
5. häufiges Verantwortlich machen anderer für die eigenen Fehler oder für eigenes Fehlverhalten;
6. häufige Empfindlichkeit oder Sichbelästigtfühlen [SIC] durch andere;
7. häufig Ärger oder Groll;
8. häufige Gehässigkeit oder Rachsucht;
9. häufiges Lügen oder Brechen von Versprechen, um materielle Vorteile und Begünstigungen zu erhalten oder um Verpflichtungen zu vermeiden;
10. häufiges Beginnen von körperlichen Auseinandersetzungen (außer Geschwister Konflikte);
11. Gebrauch von gefährlichen Waffen;
12. häufiges Draußenbleiben [SIC] in der Dunkelheit entgegen dem Verbot der Eltern (beginnend vor dem 13. Lebensjahr);
13. körperliche Grausamkeit gegenüber anderen Menschen;
14. Tierquälerei;
15. absichtliche Destruktivität gegenüber dem Eigentum anderer (außer Brandstiftung);
16. absichtliches Feuerlegen mit dem Risiko oder der Absicht, ernsthaften Schaden anzurichten;
17. Stehlen von Wertgegenständen ohne Konfrontation mit dem Opfer, entweder zu Hause oder außerhalb;
18. häufiges Schuleschwänzen, beginnend vor dem 13. Lebensjahr;
19. Weglaufen von den Eltern oder elterlichen Ersatzpersonen, mindestens zweimal oder einmal länger als eine Nacht (außer dies geschieht zur Vermeidung körperlicher oder sexueller Misshandlung);
20. jede kriminelle Handlung, bei der ein Opfer direkt geschädigt wird;
21. Zwingen einer anderen Person zu sexuellen Aktivitäten;
22. häufiges Tyrannisieren anderer (z.B. absichtliches Zufügen von Schmerzen oder Verletzungen, einschließlich andauernder Einschüchterung, Qualen oder Belästigung);
23. Einbruch in Häuser, Gebäude oder Autos.“

Laut MAS sollen für die Diagnosestellung „einige“ der o.g. Symptome gegeben sein, allerdings reichen die Symptome unter 11., 13., 15., 16., 20., 21., 23. auch allein. (Boumann 2008, S. 13-14)

Ein eventuelles Störungsbild von SSV kann genauer differenziert werden, wenn unterschieden wird, ob die soeben genannten Symptome bereits in der Kindheit (vor dem 10. Lebensjahr), oder erst während der Adoleszenz aufgetreten sind.

Um den Schweregrad einer Störung des Sozialverhaltens besser feststellen zu können, werden die oben genannten Kriterien in deren Häufigkeit ermittelt. Außerdem wird begutachtet ob der Schaden an andere leicht, mittel oder schwer ist (vgl. Boumann 2008, S. 14).

2.2 Dimensionen von deviantem Verhalten

Wie in den beiden vorherigen Kapiteln deutlich definiert wurde, hat abweichendes Verhalten eine Vielzahl von Gesichtern. Eine eindeutige Normverletzung ist also nicht klar definierbar. Um ausführlich von Devianz oder Delinquenz (kriminelle Handlungen) sprechen zu können, muss immer der kulturelle und soziale Kontext genau betrachtet werden. So wird z.B. in den unterschiedlichen sozialen Herkunftsmilieus unterschiedlich auf deviantes Verhalten reagiert. Es geht sogar soweit, das bei einer Verurteilung von delinquenten die Tatbeurteilung sowie die Bewährungs- und Rehabilitationsprognosen zurück auf das Herkunftsmilieus zu führen ist. So werden z.B. Jugendliche die aus einem schwierigen Milieu stammen härter bestraft als Jugendliche die aus gut situierten Familien stammen.

Zu dem Großraumgebiet der Delinquenz gehört noch die unter Gruppierung sozial abweichendes Verhalten.

In den vergangenen Jahren begann es, dass die Pädagogen und die Sozialpädagogen vermehrt mit asymmetrischen Interaktionen arbeiteten, damit sozial abweichendes Verhalten nicht gleich als negativ deklariert wird.

Menschen gelten in der Gesellschaft bereits als dissozial oder auch als asozial, wenn sie die traditionellen Muster der Lebensführung nicht einhalten, wenn sie biografisch scheitern oder sozial und kulturell nicht mithalten können.

Solche massiven Stigmata beeinträchtigen den Menschen mehr, als strafrechtliche Sanktionen. Daher ist es die Aufgabe von allen pädagogischen Bereichen den Menschen bei ihrer Entstigmatisierung behilflich zu sein.

Interessant zu beobachten ist, das in der Schule, sowie auch in der Jugendhilfe (institutionell gebundene soziale Abweichung) abweichendes Verhalten eine ganz andere Rollenzuschreibung hat, wie in der öffentlichen Gesellschaft. So haben zum Beispiel Jugendliche die häufig die Schule schwänzen, den Unterricht stören, oder anderen aggressiv gegenüber treten, in ihren Peergroups einen ganz anderen Stellenwert als außerhalb des geschützten Rahmens. Häufig ist zu erleben, dass die Jugendlichen durch ihre Delinquenz einen positiven Status innehaben (subkulturell).

Diese subkulturellen Dynamiken können bei Jugendlichen bewirken, dass viele antisoziale Handlungen nur durchgeführt werden, um der Peergroup zu gefallen. Manche Dinge werden nur unter dem Druck der Gruppe durchgeführt, häufig würden einzelne Personen dies nicht umsetzen z.B. Mobbing.

Ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld in der Pädagogik ist das abweichende Verhalten bei Kindern und Jugendlichen die sich gegen die Betroffenen selbst richten. Hierbei handelt es sich um selbstgefährdende und selbstdestruktive Handlungen. Diese sind zwar nicht in erster Linie strafrechtlich verfolgbar, werden aber sozial mehr geächtet.

Selbstgefährdende und selbstdestruktive Handlungen beinhalten eine vermehrte Risikobereitschaft, selbstzerstörerische Handlungen (z.B. Ritzen), Abhängigkeit erzeugende Handlungen (z.B. Drogenabhängigkeit und Medikamentenmissbrauch) bis hin zum Selbstmord (vgl. Böhnisch 2010, S. 12-14).

In den folgenden Kapiteln werde ich anhand der Persönlichkeitsstörung Borderline verdeutlichen, welche Auswirkungen abweichendes Verhalten gegen sich selbst beinhaltet. Und in wieweit Sozialarbeiter den Jugendlichen unterstützend behilflich sein können.

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Details

Seiten
31
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656761983
ISBN (Buch)
9783656762393
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281649
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,3
Schlagworte
Borderliner Verhaltensstörung

Autor

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