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Russische Gaslieferungen an die EU

Wie groß ist die gegenseitige Abhängigkeit und welche Folgen haben politisch bedingte Vertragsbrüche?

Bachelorarbeit 2014 43 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Vergleich der Wirtschaft Russlands und der Europäischen Union mit Fokus auf Energieex- und Importe
2.1 Analyse der russischen Wirtschaft mit Fokus auf Energieexporte
2.2 Analyse der europäischen Wirtschaft mit Fokus auf Energieimporte

3. Politische Beziehungen zwischen Russland und der EU

4. Alternativen zu Gasimporten aus Russland
4.1 Betrachtung alternativer Gaslieferanten: Zentralasien
4.2 Betrachtung alternativer Gaslieferanten: Naher Osten und Afrika
4.3 Betrachtung von Lösungsansätzen zur kurzfristigen Versorgungsüberbrückung: Erdgasspeicher

5. Bestehende Verträge und Abkommen

6. Historische politische Ereignisse mit kurz- sowie langfristigem Einfluss auf Energieex- und importe
6.1 Der Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine im Januar 2006
6.2 Der Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine im Januar 2009
6.3 Die Ölkrise von 1973/1974

7. Untersuchung möglicher Auswirkungen bei Änderung oder Abbruch von Verträgen und Lieferungen

8. Limitationen, aktueller Ausblick sowie Implikationen und Fazit
8.1 Limitationen der Arbeit
8.2 Ausblick auf aktuelle Entwicklungen
8.3 Implikationen für die Forschung und Praxis
8.4 Fazit

Literaturverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1a - Szenarien für die EU und Russland bezüglich russischer Gasexporte

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der Motivation für die Wahl des Themas dieser Bachelorarbeit liegt der allgemein als „Krim Krise“ bezeichnete Konflikt zwischen der Ukraine und Russland zugrunde. Dieser fand seinen Anfang als am 23.02.2014 der bisherige Präsident der Ukraine Viktor Janukowitsch in Folge von Protesten gestürzt und eine Interimsregierung eingesetzt wurde. Die zu diesem Zeitpunkt noch zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim steht im Mittelpunkt des Konflikts, bei dem es um die Anbindung des Gebietes an Russland geht. (Süddeutsche Zeitung, 2014). Die Konfliktparteien sind auf der einen Seite die Ukraine, welche politisch und finanziell von der EU und der Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO) unterstützt wird und auf der anderen Seite die Russische Föderation. Kämpfe zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten haben den Konflikt auf die Ebene eines Bürgerkriegs gehoben (Süddeutsche Zeitung, 2014).

Vor diesem Hintergrund ist der Schwerpunkt dieser Arbeit die Bearbeitung der Frage, ob Russland die Möglichkeit in Erwägung ziehen könnte seine Erdgaslieferungen in die EU zu stoppen oder dies androhen könnte und welche Folgen eine solche Maßnahme für die beide Seiten hätte. Zunächst finden ein Vergleich sowie eine Analyse der beiden Volkswirtschaften statt, gefolgt von der Beschreibung der politischen Beziehungen. Anhand dieses Vorwissens werden dann alternative Bezugsquellen von Erdgas evaluiert und bestehende Verträge und Abkommen untereinander aufgezählt. Danach folgt ein bedeutender Punkt zur Bearbeitung der zentralen Frage, in dem historische politische Ereignisse untersucht werden, die Einfluss auf Energielieferungen hatten. Im Anschluss daran erfolgt eine Bewertung und Evaluation der vorher dargelegten Informationen, verbunden mit dem Aufstellen von Hypothesen und Szenarien, um daraus Handlungsmöglichkeiten abzuleiten.

2. Vergleich der Wirtschaft Russlands und der Europäischen Union mit Fokus auf Energieex- und Importe

Im Folgenden werde ich zunächst die wirtschaftliche Situation der beiden Akteure sowie deren Verflechtungen miteinander beschreiben, um einen Überblick über die Relevanz und die Einordnung meiner Fragestellung zu ermöglichen.

2.1 Analyse der russischen Wirtschaft mit Fokus auf Energieexporte

Beginnen werde ich mit der Analyse der russischen Wirtschaft anhand von Indikatoren wie dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) und ausländischen Direktinvestitionen.

Die Russische Föderation ist mit 16.377.742 km² aus geographischer Sicht das größte Land der Erde (Saunders & Strukov, 2010: 3). Betrachtet man die russische Wirtschaft auf Basis makroökonomischer Zahlen, entsteht allerdings ein anderes Bild. Das BIP pro Kopf betrug in Russland 14.727 US$ im Jahr 20111. Zum Vergleich lag im selben Jahr das BIP pro Kopf der Vereinigten Staaten bei 44.375 US$ und das Deutschlands bei 34.627 US$2 (Stat, 2014: 2). Der Exportanteil am BIP lag in Russland zwischen 2005 und 2012 im Durchschnitt bei ungefähr 30%3 und macht damit einen nicht unerheblichen Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung aus (OECD, 2013: 1). Über 65% des gesamten russischen Exportes bestand im Jahr 2008 aus Gas- und Öl-Produkten und mehr als 56% der insgesamt exportierten Waren wurden in Mitgliedsstaaten der europäischen Union (EU) transportiert (Havlik, 2010: 20–21). Da die Importe der Russischen Föderation zwischen 2005 und 2011 durchgehend ca. 20% des BIP4 ausmachten, besaß Russland in diesem Zeitraum auch stets einen positiven Außenbeitrag5 (OECD, 2013: 1). Hier lässt sich erkennen, dass der Exportsektor, insbesondere die Exporte in die EU, von großer Bedeutung für die russische Wirtschaft sind. Was außerdem eine Abhängigkeit vom Ausland in Bezug auf die Wirtschaft kennzeichnet, ist die Tatsache, dass russische Unternehmen ausländisches Kapital benötigen, um alle vorhandenen Erdgasfelder zu erschließen und so die Nachfrage längerfristig decken zu können. Nach Schätzungen der Weltbank wird hier eine Summe von 230 Milliarden US$ benötigt. Dabei spielen ausländische Direktinvestitionen eine wichtige Rolle, denn neben Geld wird durch diese auch notwendiges technisches Know-how bereitgestellt (Havlik, 2010: 8–9). Auch wenn die ausländischen Direktinvestitionen in Russland in den letzten Jahren gestiegen sind6 (OECD, 2013: 1), so gibt es weiterhin negative Einflüsse die den Zufluss ausländischen Kapitals hemmen. Insbesondere das Problem einer grassierenden Korruption im öffentlichen und privatwirtschaftlichen Sektor, welches in Russland stark verbreitet ist, hat einen hemmenden Einfluss. Weitere Probleme, von denen in Russland investierende Unternehmen berichten, sind hohe Kriminalität, Hürden bei bürokratischen Prozessen sowie strenge Aufsichtsbehörden (Kuzmina, Volchkova, & Zueva, 2014: 23). Was außerdem gegen höhere ausländische Direktinvestitionen für die Erschließung von Gasfeldern spricht, ist die bislang noch nicht durch Russland erfolgte Ratifizierung des Energiecharta-Vertrags, welcher unter anderem den Schutz und die Förderung von ausländischen Investitionen im Energiesektor garantieren würde (Sussman, 2008: 1). Auf diesen Vertrag wird später genauer in dem Kapitel „bestehende Verträge und Abkommen“ eingegangen. Anzumerken ist, dass ein großer Teil, nämlich über 60%, der ausländischen Direktinvestitionen aus der EU kommen und diese deshalb den wichtigsten Investor in Russland darstellt (Harth & Woyke, 2008: 99). Zudem betont ein weiterer Fakt die Bedeutung des Exports für Russlands Wirtschaft. Russland setzt einen großen Teil seines geförderten Erdgases auf dem Binnenmarkt ab, da es trotz jüngster Veränderungen in der wirtschaftlichen Struktur, wie dem gewachsenen Dienstleistungssektor, noch zu den energieintensivsten Volkswirtschaften der Welt gehört (Astrov, 2010: 19). Dieser heimische Energiesektor ähnelt allerdings stärker einer Planwirtschaft als einem freien Markt, bei welchen Angebot und Nachfrage durch Preisfluktuationen reguliert würden. So setzt etwa Gazprom, ein Energieunternehmen, das sich zu 51% in staatlicher Hand befindet, jährlich ein bestimmtes Volumen an Erdgas fest, welches es an die Kunden zu festgesetzten Preisen liefern wird. In Russland findet im Gassektor eine Quersubventionierung der viel niedrigeren Erträge im Inland durch die Exporterträge statt. So war der Preis für Erdgas, das nach Europa exportiert wurde, 2006 fast 6-mal so hoch wie der Preis auf dem russischen Binnenmarkt. Dieses Beispiel veranschaulicht die Bedeutung der Exporte im Energiesektor (Locatelli, 2008: 9;11;12). Da zudem noch keine Pipelines nach China existieren, sind für Russland bezogen auf andere große Industrienationen die Exportalternativen zur EU begrenzt (Leonard, 2007: 8).

2.2 Analyse der europäischen Wirtschaft mit Fokus auf Energieimporte

Die EU besteht seit dem Beitritt von Kroatien am ersten Juli 2013 aus 28 Mitgliedsstaaten (Holzner, 2013: 2). Betrachtet man die EU als eine Wirtschaftseinheit, besaß diese im Jahr 2012 weltweit das größte BIP7 vor China an dritter und den U.S.A. an zweiter Stelle(OECD, 2014: 1).Es liegt also nahe, dass ein Wirtschaftsraum dieser Größe einen sehr hohen Energiebedarf hat. Der Bruttoinlandsenergieverbrauch der zu dem Zeitpunkt noch 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union von 1 683 495 ktoe (Tausend Tonnen Öl Einheiten) im Jahr 2012 wurde zu mehr als 85% aus Importen8 gedeckt (Eurostat, 2014: 8). Hier wird in Folge eine starke Abhängigkeit der Europäischen Union von Importen im Energiesektor deutlich, insbesondere weil die eigene Förderung von Erdgas innerhalb der EU seit Jahren rückläufig ist. Das Vereinigte Königreich z.B. ist vom ehemalig größten Förderland der EU zum Nettoimporteur geworden und auch die Niederlande, als zweitgrößtes Förderland, rechnen mit einem Rückgang der Fördermengen in den kommenden Jahren (Engerer, Holz, Richter, Hirschhausen, & Kemfert, 2014: 487). Von den insgesamt acht verschiedenen Energiequellen, zu denen unter anderem fossile Brennstoffe und nukleare Energie zählen, machte Gas einen Anteil von knapp 24%9 aus (Eurostat, 2014: 8). Im Falle der EU gilt es jedoch die geographischen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten zu betrachten. Der Anteil am Import russischen Gases divergiert stark zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten. Die Slowakei und Rumänien zum Beispiel sind in Bezug auf ihren Gasverbrauch, der 30% und 35% des jeweiligen Primärenergiemix ausmacht, zu 100% von Russlands Gaslieferungen abhängig. Die wirtschaftlichen Kernländer der EU hingegen wie z.B. Deutschland und Frankreich beziehen rund 68% aller russischen Gasexporte in die EU. Der prozentuale Anteil am Energiemix dieser Länder ist allerdings geringer als in den osteuropäischen Ländern. So bezieht beispielsweise Deutschland lediglich knapp 40% seiner Gasimporte aus Russland was allerdings immer noch einen hohen Anteil darstellt, der schwer zu substituieren ist (Engerer et al., 2014: 483). Wenn man nicht nur Gas sondern alle Güter und Dienstleistungen betrachtet, ist Russland der viertgrößte Handelspartner der EU (Hughes, 2006: 8).

Nach der Analyse der Wirtschaft sowie der Verflechtung beider Parteien, welche es in Kapitel 5 noch zu konkretisieren gilt, wird im folgenden Kapitel diese Sichtweise nun um die politische ergänzt, um das Verständnis für das Verhältnis zwischen der EU und Russland zu erweitern.

3. Politische Beziehungen zwischen Russland und der EU

Als 1995 Finnland der EU beitrat, wurde Russland das erste Mal ein direkter Nachbar der europäischen Union (Moshes, 2003: 8). Schon vorher wurden bereits Beziehungen zwischen der EU und Russland aufgebaut. Nach dem Zerfall der Sowjetunion stellte die EU einigen Staaten des ehemaligen Sowjetblocks Hilfe zu Verfügung, um dortige Marktreformen und den Prozess der Demokratisierung zu fördern. Zu diesen Staaten zählten Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien und Bulgarien. Diese Länder wurden als große potentielle neue Märkte und mögliche Beitrittskandidaten gesehen, da dort ein großer Druck in der Bevölkerung für Reformen herrschte. Dahingegen wurde gegenüber den Mitgliedern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten, zu denen unter anderem Weißrussland, die Ukraine und Russland gehören, eine andere Politik praktiziert, denn dort war aufgrund der Abhängigkeit der EU von den Ressourcen Russlands die Machtverteilung eine andere. Die EU fokussierte ihre Politik hier nur auf die Sicherung und Stabilisierung der wichtigen Handelsbeziehungen (Hughes, 2006: 2–3). Die Bedenken gegenüber Russland in Themengebieten wie Demokratie und Menschenrechten wurden von dem wirtschaftlichen Nutzen dieser Handelsbeziehung übertrumpft. Die Symmetrie dieser Verbindung hat sich im Laufe der Zeit geändert (Hughes, 2006: 1). Durch steigende Öl und Gaspreise hat sich die Beziehung dahingehend verändert, dass Russland nun selbstbewusster und unnachgiebiger in Verhandlungen auftritt. Die größte Schwäche der EU dagegen ist die Uneinigkeit unter den Ländern bezüglich einer gemeinsamen Politik gegenüber Russland. Diese unterschiedlichen Einstellungen gegenüber Russland reichen einerseits von dem Benutzen des Vetorechts, um jegliche Verhandlungen mit Russland zu blockieren, wie es bei Polen und Litauen der Fall ist. Andererseits gehen sie auch bis zum unterwandern von gemeinsamer EU-Politik, weil eine spezielle strategische Partnerschaft mit Russland in Bezug auf wirtschaftliche Interessen besteht, wie es bei den Ländern Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien der Fall ist (Leonard, 2007: 2; 7).

4. Alternativen zu Gasimporten aus Russland

Innerhalb dieses Kapitels wird als erstes die Wichtigkeit von Erdgas als Energieträger begründet. Anschließend werden alternative Importregionen sowie kurzfristige Möglichkeiten der Gasversorgung innerhalb Europas beleuchtet.

Zunächst ist anzumerken, dass im Rahmen der Energiediversifizierung der EU der Anteil der erneuerbaren Energien an der Primärenergieerzeugung in den letzten Jahren drastisch zugenommen hat (Eurostat, 2012: 1). Im Zeitraum von 2002 bis 2010 ist die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien um über 70% angestiegen und übertraf im Jahr 2010 die Energieerzeugung aus Erdgas und festen Brennstoffen. Jedoch ist dies unter dem Aspekt zu betrachten, dass die erneuerbaren Energien lediglich einen Anteil des, schrumpfenden Sektors der Primärenergieerzeugung ausmachen, was im vorherigen Kapitel bereits aufgezeigt wurde. Unter Einbezug dieses Trends ist es unwahrscheinlich, dass in Zukunft die eigene Erzeugung erneuerbarer Energien die wachsende Energienachfrage decken kann. Ein Indikator hierfür ist, dass die Energieimporte der EU zwischen 2002 und 2010 fast durchgängig gestiegen sind10 (Eurostat, 2012: 1-2; 4). Dieser Erkenntnis folgend, soll sich die weitere Betrachtung verstärkt auf den Import von Energieträgern beziehen.

Dabei ist besonders Erdgas zu berücksichtigen, das auch aufgrund seines Preises als Energieträger in großen Mengen importiert wird. Der Vergleich von Erdgas- mit Strompreisen im Jahr 2011 innerhalb der EU zeigt, dass die durchschnittlichen Strompreise für Privathaushalte bei 0,184€ je kWh und für industrielle Verbraucher bei 0,112€ je kWh lagen. Im Gegensatz dazu betrugen die Preise für Erdgas in Privathaushalten im Durchschnitt lediglich 0,064€ je kWh und für industrielle Verbraucher 0,038€ je kWh, was einer Preisdifferenz von ca. 34% entspricht (Eurostat: 6–7). Dieses für die vorherigen Jahre repräsentative Beispiel beleuchtet die Attraktivität von Erdgas.

Welche Möglichkeiten bestehen also hypothetisch und bereits in der Praxis für andere Bezugsquellen von Erdgas als Alternative zu Lieferungen aus Russland?

4.1 Betrachtung alternativer Gaslieferanten: Zentralasien

Alternativen bieten einige Staaten aus Zentralasien, welche über Gasvorkommen verfügen. Zu diesen Staaten gehören Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan und Aserbaidschan. Hier ist zu beachten, dass die Möglichkeit der Diversifizierung der Versorgung von der Existenz und vor allem vom Verlauf von Pipelines abhängt. Bereits in den späten 1990er Jahren wurden in Zusammenarbeit der EU mit den U.S.A. Pläne entwickelt, um eine Pipeline von Turkmenistan, welches im Jahr 2006 immerhin auf Platz sechs der wichtigsten Erdgasexportländer stand, durch das Kaspische Meer in die Türkei und die EU zu bauen (Wetzel, 2008: 8). Russland antizipierte dieses Vorhaben und vollendete 2002 den Bau der sogenannten Bluestream Pipeline, welche von russischem Gebiet aus durch das Schwarze Meer bis in die Türkei führt. Der türkische Markt war zu dieser Zeit nicht annähernd groß genug, besaß also keine Energienachfrage, welche groß genug war, um den Bau einer zweiten Pipeline zu rechtfertigen, weshalb die Pläne der EU und U.S.A. damit erfolgreich von Russland verhindert wurden. Im selben Jahrzehnt wurden allerdings, erneut durch die Unterstützung der U.S.A., zwei Pipelines für Gas und Öl von Aserbaidschan durch Georgien in die Türkei gebaut. Diese Pipelines brachten zum größten Teil Vorteile für Aserbaidschan, welches sich aus der Abhängigkeit Russlands lösen konnte(Zeyno Baran, 2010: 135–138). Die übrigen Staaten Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan verbleiben in kompletter Abhängigkeit von Russland, da alle Pipelines, welche Gas aus diesen Ländern transportieren, durch russisches Territorium verlaufen(Götz, 2006: 2). Erst im Jahr 2007 vereinbarte Russland mit Kasachstan und Turkmenistan einen Vertrag, welcher den Bau neuer Pipelines durch russisches Territorium anstatt durch das Kaspische Meer beinhaltet (Rutland, 2008: 209). Diese Staaten, sowie Usbekistan, haben als Energielieferanten bzw. Geschäftspartner trotzdem rein hypothetisch die Wahl zwischen der EU, welche eine Diversifizierung der Bezugsstaaten von Gas anstrebt (Wetzel, 2008: 2) und Russland, das die großen Mengen Gas, welche in die EU exportiert werden, für politische und ökonomische Vorteilsgewinnung nutzt und diese nicht aufgeben will (Zeyno Baran, 2010: 132). Mit welchem von diesen beiden Akteuren die zentral asiatischen Staaten ihre Zusammenarbeit intensivieren, können diese im Prinzip frei entscheiden. Ein großer Nachteil der EU gegenüber Russland ist, dass die einzelnen Mitgliedstaaten des Staatenverbundes unterschiedliche Prioritäten bezüglich ihrer Energiepolitik haben und sich außerdem schwer tun, Kompetenzen in diesem Bereich auf EU-Ebene zu heben(Zeyno Baran, 2010: 140). Kritisch zu betrachten ist zudem die von der EU geförderte Zusammenarbeit mit den zentralasiatischen Staaten, um dort Menschenrechte, demokratische Werte und Rechtstaatlichkeit nach westlichem Vorbild zu stärken, was von der EU als Voraussetzung für wirtschaftliche Beziehungen im allgemeinen und in Folge auch für Transaktionen im Energiesektor gesehen wird (Wetzel, 2008: 2). Das Vorantreiben von politischen Reformen muss nämlich auch von grundlegenden Veränderungen in der politischen, wirtschaftlichen und physischen Infrastruktur begleitetet werden, um Gefahren wie Terrorismus, Extremismus und ansteigender Kriminalität abzuwenden (Zeyno Baran, 2010: 137).

Russland hingegen schenkt diesen Aspekten wenig Beachtung und tritt im Gegensatz zur EU als möglicher Handelspartner mit klar umrissenen Organisationsstrukturen und großer Bestimmtheit auf (Zeyno Baran, 2010: 140). Anhand dieser Erkenntnisse kann man also schließen, dass im konkreten Fall der Diversifizierung der europäischen Energieversorgung Richtung Zentralasien eine umfangreichere Betrachtung sinnvoll ist.

[...]


1 Vgl. S. 36, Anhang; Abbildung 1

2 Vgl. S. 36, Anhang; Abbildung 1

3 Vgl. S. 37, Anhang; Abbildung 2

4 Vgl. S. 37, Anhang; Abbildung 2

5 (Exporte-Importe = Außenbeitrag) (Horvath, Weerth, and K. Frfr. von Weizsäcker, Robert (2012))

6 Vgl. S. 37, Anhang; Abbildung 2

7 Vgl. S.38 Anhang; Abbildung 3

8 Vgl. S.38 Anhang; Abbildung 4

9 Vgl. S.38 Anhang; Abbildung 4

10 Vgl. S.39 Anhang; Abbildung 5

Details

Seiten
43
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656755579
ISBN (Buch)
9783656755586
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281612
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Makrotheorie & Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Note
2,0
Schlagworte
russische gaslieferungen abhängigkeit folgen vertragsbrüche

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