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Übersetzungsproblematik bei Lexikologie und Übersetzung aus dem Spanischen

Hausarbeit 2014 21 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Érase una vez

2 Lexikologie und Übersetzung
2.1 Lexikologie
2.1.1 Definition
2.1.2 Wortschatz
2.1.3 Lexikographie
2.1.4 Wörterbücher
2.2 Übersetzung
2.2.1 Relevanz
2.2.2 Dolmetscher/ Übersetzer
2.2.3 Übersetzungsproblematik
2.2.3.1 Keine Möglichkeit der wörtlichen Übersetzung
2.2.3.1.1 Hintergrundforschung
2.2.3.1.2 Sprichwörter und feststehende Wendungen
2.2.3.1.3 Kontextabhängigkeit bzw. Mehrdeutigkeit
2.2.3.1.4 Mangel an adäquatem Pendant in der Zielsprache und Eigennamen
2.2.3.2 Eindeutigkeit bzw. Möglichkeit einer wörtlichen Übersetzung
2.2.3.3 Übersetzungsanspruch
2.2.3.4 Rückübersetzung

3 ...y fueron felices y comieron perdice

4 Literaturverzeichnis

5 Anhänge

1 Érase una vez...

Mit diesen Worten beginnt das typische spanische Märchen. Auch deutsche Geschichten dieser Art geben sich durch diese Eröffnungsphrase gleich als solche zu erkennen, nur heißt es dann ,Es war einmal...‘ Wenn ein Deutscher also ein spanisches Märchen liest bzw. hört, dürfte die Folgerung, dass Érase una vez... dem deutschen ,Es war einmal...‘ entspricht, nicht schwerfallen. Genauso problemlos sollte es einer Person, die des Spanischen mächtig ist, möglich sein, die Phrase ser la oveja negra de la familia zu verstehen und ins Deutsche zu übertragen. Die wörtliche Übersetzung ,das schwarze Schaf in der Familie sein‘ bedarf an dieser Stelle keine weitere Interpretation oder Erläuterung, da man diese Redensart genauso auch hierzulande kennt und verwendet. Selbst jemandem ohne Spanischkenntnisse dürfte diese Formulierung keine Schwierigkeiten bereiten, indem er zur Übersetzung ein herkömm- liches zweisprachiges Wörterbuch zurate zieht. Anders verhält es sich allerdings mit dem Ausdruck estar como una cabra. Schlägt man hier die einzelnen Wörter im Lexikon nach, wird man zwar für jedes ebenfalls eine wahrscheinlich eindeutige Übersetzung finden, jedoch ruft deren Aneinanderreihung ,wie eine Ziege sein‘ eine andere Interpretation hervor, als der spanische Vergleich intendiert. Die Bezeichnung eines Mitmenschen als „Ziege“ kommt im Deutschen eher einer Beleidigung nahe („dumme Ziege“). Oder es wird damit jemand als Person charakterisiert, die schwer zufriedenzustellen ist und die „meckert wie eine Ziege“. Aufgrund dieser üblichen Assoziation lässt sich nicht so einfach auf die korrekte Übersetzung schließen. Denn was ein Spanier meint, wenn er sagt „estás como una cabra“, müsste man im Deutschen etwa mit „du bist ja verrückt“ oder „sei nicht albern“ wiedergeben. An diesem Beispiel lässt sich gut illustrieren, dass das Wissen um die Bedeutung der einzelnen Begriffe manchmal nicht ausreicht und der Blick in ein herkömmliches zweisprachiges Wörterbuch alleine keine befriedigende Lösung liefert, um den eigentlichen Sinn der in der Fremdsprache vorliegenden Wörter zu erfassen. In einer solchen Situation kann es zu Komplikationen kommen, die durch die Übertragung eines Textes aus einer Ausgangssprache in eine Ziel- sprache entstehen und es liegt ein Fall der Übersetzungsproblematik vor. Mit dieser Problematik möchte ich mich schwerpunktmäßig in der folgenden Abhandlung auseinander- setzen und nach genauerer Betrachtung des Begriffs Lexikologie, auch in Verbindung mit der Lexikographie, eine Auswahl an

2 Lexikologie und Übersetzung

2.1 Lexikologie

2.1.1 Definition

Morphologische Strukturen, Kollokationen und Phraseologie, Umgangs- und Jugendsprache, Wortschatzunterschiede in verschiedenen Varietäten des Spanischen sowie Erbwörter, Dup- letten und Kultismen stellen nur eine Auswahl an Themen dar, die im Rahmen des sprach- wissenschaftlichen Proseminars „Lexikologie des Spanischen“ behandelt wurden. Allerdings lässt diese Selektion schon einen Eindruck entstehen, was sich hinter dem Begriff der Lexikologie verbirgt. Nach B. Pöll ist diese linguistische Disziplin „die Wissenschaft vom Wortschatz und seinen Strukturen“ (Pöll, S.17). Dies zeigt auch die Etymologie des Terminus: der Wortteil „Lexiko-“ leitet sich vom gr. lexikos (λεξικóς) ,das Wort betreffend‘ ab, während „-logie“ vom gr. logos (λόγος) ,die Lehre‘ kommt (www.duden.de). Kurz gesagt, ist die Lexikologie also die Lehre, die sich mit Wörtern beschäftigt oder wie der deutsche Romanist und Linguist H. Geckeler sie in seiner Einführung in die spanische Sprachwissenschaft etwas genauer definiert:

Die Lexikologie ist der Zweig der Sprachwissenschaft, der sich mit der materiellen und inhaltlichen Erforschung und Beschreibung des Lexikons - d. h. des Wortschatzes- einer oder mehrerer Sprachen befasst. (Dietrich/ Geckeler, S.100)

2.1.2 Wortschatz

Das zentrale Element ist hierbei zweifelsfrei der Wortschatz, welchem an dieser Stelle eine genauere Betrachtung zuteil werden muss. Vereinfacht lässt sich der Bestand an Wörtern einer Sprache in zwei Kategorien aufspalten, wobei dem individuellen Sprachbesitz das kollektive Reservoire lexikalischer Einheiten gegenübersteht. Ersterer ist im mentalen Lexikon ge- speichert, wie der Name schon sagt von Person zu Person verschieden und wird im Rahmen der Sprachproduktion bzw. -rezeption realisiert. Das mentale Lexikon kann als ein „Speicher von Wissen über alle Wörter einer Sprache im Langzeitgedächtnis“ (Schwarz, S.70) betrachtet werden und stellt die Grundlage für das modelllinguistische Lexikon dar. Letzteres dient neben der linguistischen Theoriebildung dem „Versuch, Strukturen des Wortschatzes aufzudecken“ (Pöll, S.15) und ist Teil der zweiten Kategorie, d.h. des kollektiven Reservoirs lexikalischer Einheiten, welches die Gesamtheit der Wörter einer Sprache enthält. Hierbei darf man unter dem Begriff der Gesamtheit allerdings nur dieses Vokabular verstehen, das der unmittelbaren Gestaltung der außersprachlichen Wirklichkeit entspricht.

Zum Lexikon in diesem Sinne gehören also nicht alle „Wörter“ einer Sprache, sondern nur diejenigen, die in dieser Sprache für die gemeinte außersprachliche Wirklichkeit selbst stehen Nur die Lexemwörter gehören mit vollem Recht zum Lexikon und somit zum Gegenstand der Lexikologie. (Dietrich/ Geckeler, S.100)

Der Terminus Lexikon kann also zum einen als Synonym zum Begriff Wortschatz verwendet werden, zum anderen bezeichnet er aber auch das, was man sich im Allgemeinen unter einem Nachschlagewerk vorstellt. In letzterem Fall versteht man darunter eine Sammlung verschiedener Wörter zu ausgewählten Themen, die in einer bestimmten Ordnung und meist alphabetisch aufgeführt sind. Bei der Ausführung der folgenden Gliederungspunkten steht der Aspekt des Lexikons als Wörterbuch im Mittelpunkt.

2.1.3 Lexikographie

Während es nun die Aufgabe eines Lexikologen ist, den Wortschatz einer Sprache zu untersuchen, obliegt dem Lexikographen dessen Dokumentation und somit die Erstellung von Wörterbüchern (Kabatek/ Pusch, S.140). An dieser Stelle kommt die Lexikographie ins Spiel. Obwohl diese als eigenständiger Teilbereich in der Sprachwissenschaft angesehen wird, liegt eine unabdingbare Verknüpfung der beiden linguistischen Disziplinen vor, da ein Auskommen der Lexikologie ohne Lexikographie nicht möglich wäre und umgekehrt. Ergo geht man in der Annahme nicht fehl, dass die Entstehung von Wörterbüchern gemeinsames Resultat der beiden Disziplinen ist.

2.1.4 Wörterbücher

Ohne die Existenz von zweisprachigen Wörterbüchern wäre das Erlernen einer Fremdsprache eine wesentlich beschwerlichere Angelegenheit. Auch die Übertragung von der einen in eine andere Sprache würde sich dann um einiges komplizierter gestalten. Wäre da nicht die Möglichkeit, unbekannte Wörter nachschlagen zu können. Mit einem bilingualen Lexikon liegt uns hier schon ein Prototyp der Wörterbuchvielfalt vor und die Palette der Wörterbuchtypen soll noch um ein paar Beispiele erweitert werden.

Neben zwei- und mehrsprachigen gibt es zu jeder schriftlich realisierten Sprache im Normalfall auch monolinguale Lexika. Diese werden auch Definitionswörterbücher genannt, da sie die Inhalte in der selben Sprache beschreiben und meist Anwendungsbeispiele liefern.

Manchmal werden die Einträge mit Zitaten als fundierte Hinweise auf die Verwendung ergänzt, wie es beispielsweise im einsprachigen spanischen Wörterbuch der Real Academia Española (RAE) der Fall ist. In ihrem Diccionario de autoridades dienen Zitate von Schriftstellern als Beispiele, um die jeweiligen Definitionen zu belegen und zu untermauern.

GRITAR. v. n. Levantar la voz más de lo acostumbrado, quejándose, amenazando o avisando. Covarr. siente sale del Italiano Gridare. Latín. Vociferari. Clamare. Quiritare. CERV. Quix. tom. 2. cap. 53. Gritando todos a grandes voces, Arma, arma, señor Gobernador. (www.rae.es)

Hier wird das spanische Verb gritar ,schreien‘ zuerst definiert und dann dessen Gebrauch anhand eines Zitats aus dem berühmten spanischen Klassiker Don Quijote von Miguel de Cervantes veranschaulicht.

Ebenfalls einsprachig angelegt sind Lexika, die bestimmten Zwecken dienen. Dazu zählen z.B. Neologismen-, Etymologie- oder Antonym- bzw. Synonymwörterbücher, in denen entsprechend Wortneuschöpfungen, Wortherkunft und Wörter mit gegenteiliger bzw. sinngemäßer Bedeutung die Hauptrolle spielen. Ganz besonders Fachwörterbücher ver- vielfachen den Bestand an derartigen Nachschlagewerken, da die verschiedensten Fachgebiete über eigene Differenzwörterbücher verfügen, in denen ausschließlich fachspezifische Begriffe aufgelistet sind. Die Bandbreite derer erstreckt sich von der medizinischen über die technische, chemische oder biologische bis hin zur wirtschaftswissenschaftlichen Aus- richtung. Hiermit ist nur ein Bruchteil der tatsächlichen Quantität der Möglichkeiten ihrer Orientierung erwähnt, auf der Fachwörterbücher im Allgemeinen basieren können. Da im Folgenden das Hauptaugenmerk auf verschiedenen Fällen der Übersetzungsproblematik liegen wird, muss den für den Vorgang des Übersetzens relevanten Wörterbuchtypen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dazu gehören in erster Linie natürlich bilinguale Lexika. Auch einsprachige Definitionswörterbücher, wofür das zuvor genannte der RAE ein Beispiel ist, sind allerdings essentiell. Warum ein mehrsprachiges Nachschlagewerk bei der Übersetzung von Texten oft nicht ausreicht, soll im anschließenden Teil der Arbeit gezeigt werden.

2.2 Übersetzung

2.2.1 Relevanz

Yo soy un hombre sincero, de donde crece la palma, y antes de morirme quiero echar mis versos del alma. (José Martí, 1891)

Bei diesem Textauszug handelt es sich um die erste Strophe eines der berühmtesten spanisch- sprachigen Lieder, dessen Melodie wohl jedem schon einmal begegnet ist - ob im Radio, im Fernsehen oder in der Fußgängerzone, gesungen von Straßenmusikern. Der ein oder andere wird sogleich einstimmen können, sobald er die ersten Töne des Klassikers Guantanamera hört. Spanischsprechern dürfte es dann nicht schwer fallen, den Inhalt zu verstehen, ohne dass es einer Übersetzung bedarf. Aber auch Spanischunkundige finden Gefallen an diesem Song und singen mit, selbst ohne zu wissen, was sie da genau singen. So verhält es sich meistens mit Liedern, die der Unterhaltung dienen. Was uns ein Lied sagen will, rückt oft in den Hintergrund, da es bei Musik doch in erster Linie auf die Melodie und den Rhythmus ankommt. Dass es sich hierbei um einen Klassiker handelt, der sich auf ein 1891 vom kubanischen Schriftsteller und Poet José Martí, der heute als kubanischer Nationalheld gilt, verfasstest Gedicht namens Versos sencillos bezieht, wird das Publikum einer Tanz- veranstaltung wohl kaum interessieren, während es sich dazu auf der Tanzfläche bewegt. Wenn man allerdings ein Theater besucht oder sich einen Film ansieht, möchte man in der Regel schon verstehen, worum es darin geht oder wovon die Dialoge der Darsteller handeln. In diesem Fall wird eine Person, die kein Spanisch spricht, nicht auf ihre Kosten kommen, wenn das gesehene Stück in der Fremdsprache präsentiert wird. Es sei denn, die Vorstellung ist mit Untertiteln ausgestattet, welche die Übersetzung enthalten. Dank der Synchronisation von Filmen ist es uns heute möglich, einige ursprünglich englisch- oder auch spanisch- sprachige Streifen auch auf deutsch anschauen zu können. Natürlich gilt dies auch für jede andere Sprache, jedoch möchte ich mich in dieser Arbeit auf spanisch-deutsche Beispiele beschränken, wobei Spanisch als die Ausgangssprache und Deutsch als die Zielsprache fungieren werden. Wie das Sortiment aus Filmen und Serien, so hat sich auch die Auswahl an Literatur durch die Übertragung fremdsprachlicher Texte vervielfacht. So hat aktuell jeder die Gelegenheit, Werke berühmter Autoren, wissenschaftliche Arbeiten, genauso wie Unter- haltungsliteratur in seiner Muttersprache lesen zu können, sofern eine entsprechende Übersetzung des Textes vorliegt.

Film und Literatur machen natürlich nur einen, wenn auch einen sehr wesentlichen, Anteil an der Gesamtheit der Gebiete aus, in denen die Umwandlung einer Sprache in eine oder mehrere andere nicht mehr wegzudenken ist. Im Wirtschafts- und Handelssektor, wo die internationale Ausrichtung der Unternehmen fast schon obligatorisch ist, würde die Kommunikation ohne das Verständnis der verschiedenen Sprachen nicht funktionieren. Genauso wenig, wie die Zusammenarbeit von Organisationen, die über ihre Landesgrenzen hinweg kooperieren. Auch die Forschung, gerade in Bereichen der Medizin oder der Technik, profitiert von der Möglichkeit, bereits in einer Fremdsprache vorliegende Erkenntnisse dank ihrer Übersetzung verwenden zu können. Schon diese limitierte Anzahl an Beispielen demonstriert den hohen Stellenwert und die Notwendigkeit des Übersetzens. Dies wird von der Existenz eines eigenen Berufsfeldes zu diesem Aufgabengebiet noch unterstrichen.

2.2.2 Dolmetscher/ Übersetzer

Berufsbilder, bei denen die Hauptaufgabe darin besteht, Texte oder Gespräche aus der einen in die andere Sprache zu überführen, sind heute elementarer Bestandteil des Arbeitsmarktes und gewinnen aufgrund der fortschreitenden Globalisierung immer mehr an Relevanz. Die gängigsten Berufsbezeichnungen in dieser Sparte sind Dolmetscher oder Übersetzer, in deren Tätigkeitsbereich immer das Übersetzen die zentrale Komponente ausmacht.Während das Operieren eines Dolmetschers einem externen Betrachter wie ein identischer Schaffens- vorgang zur Arbeitsweise eines Übersetzers vorkommen mag, verlangen die beiden Disziplinen aus der „Insider-Perspektive“ eine ganz klare Abgrenzung voneinander: Es rückt hier die Frage nach dem Übersetzungsanspruch in den Vordergrund. Der wohl größte Unterschied liegt ganz nüchtern formuliert darin, dass Dolmetscher auf mündlichem, Übersetzer hingegen auf schriftlichem Wege für die Verständigung zwischen verschieden- sprachigen Parteien verantwortlich sind. Beim Dolmetschen liegt dabei das Hauptaugenmerk auf der Simultanität und der Schnelligkeit des Agierens, während von einem Übersetzer Akribie und Zuverlässigkeit erwartet werden. So in etwa beschreiben es entsprechende Bildungseinrichtungen auf ihren Internetseiten im Wesentlichen (z.B. www.dolmetscher- schule.de). Um den Kontrast einmal zu verdeutlichen, stelle man sich folgende Situation vor: Auf einer live übertragenen Pressekonferenz macht ein spanischer Politiker von dieser Sentenz Gebrauch: Mi modelo no es Jauja; mi modelo tampoco es Esparta.

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656759607
ISBN (Buch)
9783656763468
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281594
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Neuphilologisches Institut/ Romanistik
Note
1,3
Schlagworte
übersetzungsproblematik lexikologie übersetzung spanischen

Autor

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Titel: Übersetzungsproblematik bei Lexikologie  und Übersetzung aus dem Spanischen