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Der Film "Perinbaba". Frau Holle jenseits von Grimms Märchen

Hausarbeit 2012 9 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frau Holle

3. Analyse
3.1 Frau Holle und die Natur
3.2 Jakub als Trickster

4. Conclusio

5. Bibliographie

1. Einleitung

Im Folgenden gehe ich auf eine Märchen-Verfilmung von Frau Holle näher ein, die als Grundlage die Interpretation von Wilhelm Grimm angibt (vgl. Web: Frau Holle) aber in ihrer Repräsentation erheblich von dieser abweicht. Der Mythmaker, Juraj Jakubisko (Regie), bringt eine männliche Figur, Jakub, bei Frau Holle als Handlungsträger ein, der sich in ein Mädchen namens Elisabeth auf der Erde verliebt und ihr in schwierigen Zeiten zur Seite stehen will. Ebenso spielt neben Frau Holle noch eine weitere magische Figur eine Rolle: Frau Hippe, die Sensenfrau oder auch „Geväterin Tod“ genannt. Dann gibt es noch den „Prinzipal“, ein angehöriger eines Wanderzirkus, der fliegen und in die Zukunft blicken kann. Die Handlungsträgerinnen, die böse Stiefmutter und ihre Tochter Dora, sind genauso vom Grimm-Märchen übernommen worden wie ihr Ende.

Besonders interessant finde ich den Frau Holle-Mythos abseits der Gebrüder Grimm-Dar- stellung, da es rund um diese Handlungsträgerin viel mehr Geschichten und Volks- erzählungen gibt, wobei das Märchen von der Goldmarie und der Pechmarie nur einen winzig kleinen Teil der Berichte von einer Frau Holle, Frau Hel, Perchta oder Holda - um nur einige Namen zu nennen - ausmacht. So hat zum Beispiel Karl Paetow eine Sammlung von Volks- sagen und Märchen rund um Frau Holle herausgebracht, die er „ (..) unter Heranziehung ver- schiedener Quellen sowie m ü ndlicher Ü berlieferung (..) “ darlegt. (Paetow 1964). Dr. Viktor Waschnitius meint dazu in seiner Abhandlung zu diesem Thema: „ Unter den mythischen Ge- stalten des deutschen Volksglaubens, die J. Grimm und die auf ihn folgende mythologische Forschung ans Licht gebracht haben, ist Holda, meist als Frau Holle, am lebhaftesten in das Bewu ß tsein unseres Volkes aufgenommen worden. “ (Waschnitius 1913:9). Heide Göttner- Abendroth nahm diese beiden Werke als Grundlage für ihre Forschung bezüglich der großen Göttinnen-Mythen und erzählt und interpretiert in ihrem Werk die Geschichte des Göttinnen- Mythos in Mitteleuropa neu, um auf eine matriarchale Zeit vor der Christianisierung Europas aufmerksam zu machen bzw. eine solche Theorie zu begründen. (vgl. Göttner-Abendroth 2005)

2. Frau Holle

Auf der Erde herrscht tiefster Winter. Frau Hippe, „Geväterin Tod“, treibt ihr Unwesen und freut sich über die durch eine Lawine tödlich Verunglückten, als sie bemerkt, dass ein kleiner Junge das Unglück überlebt hat. Jakub sitzt in einem Schlitten, fasst sie an der Nase und lacht dabei schelmisch. Frau Holle beobachtet das Geschehen durch ihre Fernrohr und beschließt, dass sie so einen gewitzten Buben gut gebrauchen kann. Sie holt sich Jakub zu sich in ihr Reich und rettet ihn so vor dem sicheren Tod.

Dort wird Jakub in sämtliche Geheimnisse des Wettermachens sowie in den Kreislauf des Jahres und des Lebens der Menschen eingeweiht. Er hilft Frau Holle beim Schnee machen, in- dem er mit ihr in das Federbett springt, bis es auf der Erde schneit. Das Orgelspiel von Frau Holle macht den Wind. Er lernt, wie er Eisblumen an den Fensterscheiben der Menschen "wachsen" lassen und wie er einen Regenbogen am Horizont zaubern kann. Auch sonst er- klärt Frau Holle ihm, wie gut er es hat, dass er kein Mensch mehr ist, denn "Menschen sterben" (Film: Frau Holle).

Durch Frau Holles Zauberkugel kann Jakub die Menschen auf der Erde beobachten. Am liebsten sieht er Elisabeth, einem kleinen Mädchen, beim heranwachsen zu. Manchmal lässt er zu ihrer Freude Eisblumen am Fenster wachsen oder er schickt ihr einen Regenbogen, um sie in traurigen Zeiten aufzumuntern. Oder aber er ärgert sie, in dem er sie mit einem Schneeball mitten im Frühling bewirft. Die Jahre vergehen und als die Mutter des Mädchens stirbt und eine neue (Stief-)Mutter und Schwester ihr das Leben schwer machen, beschließt Jakub, zurück auf die Erde zu gehen, um Elisabeth zu heiraten. Dies sehr zum Missgefallen von Frau Holle, denn diese möchte Jakub gerne für immer bei sich behalten. Deshalb verabreicht Jakub, der in Frau Holle´s zeitlosem Reich nicht mehr gewachsen ist und immer noch im Körper eines kleinen Jungen steckt, ihr ein Schlafmittel, stiebitzt ihr den Schlüssel zum ver- botenen Turm, der das Tor zur menschlichen Welt darstellt und macht sich mit ihrem ewigen Bettbezug als Transportmittel auf die Erde davon. Auf dieser Reise holt ihn die Zeit ein; er wächst bis er schließlich als erwachsener Mann auf der Erde ankommt.

Dort geht er als Knecht in den Dienst von Elisabeth´s Vater, um sie vor den Gemeinheiten und der harten Arbeit, die ihr von der Stiefverwandtschaft aufgetragen wird, zu schützen.

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Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656757306
ISBN (Buch)
9783656757313
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281516
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
3
Schlagworte
film perinbaba frau holle grimms märchen

Autor

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Titel: Der Film "Perinbaba". Frau Holle jenseits von Grimms Märchen