Lade Inhalt...

Leben und Werk von Anthony Trollope

Essay 2014 153 Seiten

Biographien

Leseprobe

Inhalt

Anthony Trollope (1815 – 1882)

Surveyor’s clerk in Irland – Die ersten Romane (1841 – 1851)
The Macdermots of Ballycloran (1847)
The Kellys and the O'Kellys (1848)
La Vendée (1850)
The Noble Jilt

Post-Missionen – Surveyor in Irland – Erfolge (1851 –1859)
The Warden (1855)
The New Zealander
Barchester Towers (1857)
The Three Clerks (1858)
Doctor Thorne (1858)
The Bertrams (1859)
The West Indies and the Spanish Main (1859)
Tales of all Countries. First Series. (1861)

Zurück in London – Die Magazine (1859 – 1867)
Framley Parsonage (1861)
Tales of all Countries. Second Series. (1863)
Orley Farm (1862)
North America (1862)
The Struggles of Brown, Jones, and Robinson (1870)
Rachel Ray (1863)
The Small House at Allington (1864)
Can You Forgive Her? (1864)
Miss Mackenzie (1865)
The Belton Estate (1866)
Hunting Sketches (1865)
Travelling Sketches (1866)
Clergymen of the Church of England (1866)
The Claverings (1867)

Abschied von der Post – Herausgeber des St. Paul’s Magazine – Unterhauskandidatur (1867 – 1871)
Nina Balatka (1867)
The Last Chronicle of Barset (1867)
Lotta Schmidt, and other Stories (1867)
Linda Tressel (1868)
Phineas Finn, the Irish Member (1869)
He Knew He Was Right (1869)
The Vicar of Bullhampton (1870)
An Editors’s Tales (1870)
The Commentaries of Caesar (1870)
Sir Harry Hotspur of Humblethwaite (1871)
Ralph the Heir (1871)
The Golden Lion of Granpère (1872)

Berufsschriftsteller und Weltreisender (1871 – 1875)
The Eustace Diamonds (1873)
Australia and New Zealand (1873)
Phineas Redux (1874)
Lady Anna (1874)
Harry Heathcote of Gangoil (1874)
The Way We Live Now (1875)
Twenty Letters to The Liverpool Mercury
The Prime Minister (1876)
The American Senator (1877)
An Autobiography (1883)

Schwindender Ruhm und letzte Anstrengungen (1875 – 1882)
South Africa (1878)
How the „Mastiffs“ Went to Iceland (1878)
Is He Popenjoy? (1878)
An Eye for an Eye (1879)
Thackeray (1879)
John Caldigate (1879)
Cousin Henry (1879)
The Duke’s Children (1880)
The Life of Cicero (1880)
Dr Wortle’s School (1881)
Ayala‘s Angel (1881)
Why Frau Frohmann Raised Her Prices and other Stories (1882)
The Fixed Period (1882)
Marion Fay (1882)
Kept in the Dark (1882)
Lord Palmerston (1882)
London Tradesmen
Mr. Scarborough’s Family (1883)
An Old Man’s Love (1884)
Nicht in Sammelbände aufgenommene Erzählungen
The Landleaguers (1883)

Epilog

Vorwort

Im Mittelalter unterschied sich das englische Parlament kaum von den Land- und Reichstagen anderer Länder. Neben dem Adel und der hohen Geistlichkeit gehörten der nur gelegentlich einberufenen Versammlung auch einige wenige Vertreter der Städte an. Wie in Deutschland verlor der König an Macht, aber anders als bei uns ging in England damit die Zentralgewalt nicht verloren, sondern auf das Parlament über. Im Oberhaus saßen die Peers und einige ihrer jüngeren Geschwister, die die kirchliche Laufbahn einschlagen hatten und Lord Bischöfe wurden. Ihre Erben begannen im Unterhaus. Sie wurden von den Grundbesitzern der Umgebung oder den Honoratioren abhängiger Städte (pocket boroughs) pflichtschuldigst gewählt.

Weil die Peerswürde reale Bedeutung hatte, galt ein strenges Erstgeburtsrecht. Über den mit dem Titel verbundenen Besitz (entailed property) durften die Peers nicht verfügen. Sie durften nichts veräußern und auch nicht testamentarisch darüber bestimmen. Nichtadlige Grundbesitzer (Squires) übernahmen diese Form der Besitzsicherung. „entail“ ist ein ganz wichtiger Begriff bei Trollope. In seinen Romanen sind einige Squires unglücklich, weil sie ihren Besitz nicht ihrer Tochter, ihrem unehelichen Sohn oder – wenn der ältere mißraten ist – einen jüngern Sohn hinterlassen können. Andere schwanken zwischen Neigung und gefühlter Pflicht, weil ihre Vorfahren nicht die entsprechenden erbrechtlichen Bestimmungem getroffen haben und sie selbst entscheiden müßen. Trollopes Zeitgenosse Ruskin verwendet entail in einen noch größeren Sinn: „Gott hat uns die Erde für unser Leben geliehen, unser Eigentum an ihr ist beschränkt (it is a great entail). Sie gehört denen die nach uns kommen… (The Lamp of Memory 9) – Für jüngere Söhne und die Mitgift der Töchter mußten aus den Erträgen angesparte Mittel und das, was die Mutter in die Ehe mitgebracht hatte, reichen. Die anglikanische Kirche war ein Versorgungsinstitut für jüngere Söhne der Aristokratie. Mit kirchlichen Ämtern war Besitz verbunden, von dessen Erträgen sie sehr gut lebten, den sie aber nicht veräußern oder vererben konnten. Die kirchlichen Pflichten wurden durch Hilfsgeistliche besorgt.

Nicht erst im 19. Jahrhundert geriet das System in die Krise. Industrien konnten nicht wachsen, weil die Grundbesitzer ihr Land (entailed property) nicht verkaufen konnten. In den Hafenstädten und dem industriell früh entwickelten Nordengland wandten sich die Menschen früh von der anglikanischen Staatskirche ab und gingen zu den Dissenterkirchen. Die anglikanische Kirche spaltete sich in High- und Low Church. Der prominenteste Vertreter der High Church, John Henry Newman, konvertierte 1845 zum Katholizismus. Die Armee, deren Offiziersstellen käuflich waren, versagte im Krimkrieg. (Der Krimkrieg ist auch deshalb der bisher einzige Krieg, dessen bekannteste Gestalt eine Frau, die in Deutschland als Krankenschwester ausgebildete Florence Nightingale, ist.)

In Romanen wurde die Not der Hilfsgeistlichen beklagt, die nicht heiraten konnten, während der nominelle Pfarr-Herr im Ausland seine reichen Pfründen verzehrte. Andere Romane dramatisierten die Grausamkeiten des Erstgeburtsrechts: Jüngere Söhne mußten darben, die Töchter konnten nicht heiraten, weil der mißratene Erbe alles verspielte. – Die wackeren Honoratioren der kleinen Städte wählten nicht mehr jeden Spieler und Säufer von Sohn, die ihnen der benachbarte Grundherr als Kandidaten vorsetzte. Die selbstbewußten Bürger aufstrebender Städte akzeptierten nicht länger, daß Städte, deren Blütezeiten Jahrhunderte zurück lag und die jetzt nur noch wenige Wähler hatten (rotten boroughs), im Unterhaus besser vertreten waren als ihre aufstrebenden Gemeinwesen. Die Söhne verarmter Peers heirateten die Töchter reicher Kaufleute, mitunter auch reiche Amerikanerinnen! Es wurden, teilweise begleitet von großen Demonstrationen, verschiedene reform bills verabschiedet. (Trollope zeigt – unter dem Eindruck des Hyde Park riot im Juli 1867 – solche Unruhen in Phineas Finn.) Die Wahlkreise wurden neu geordnet, das Wahlrecht (durch die Reform Acts von 1832 und 1867) immer weiter ausgedehnt. Allzu üppige kirchliche Pfründen wurden durch die Ecclesiastical Commissioners Acts ab 1840 beschnitten. Findige Anwälte fanden Mittel, erbrechtliche Bestimmungen zu durchlöchern und entailed property zu veräußern.

Trollope ist der Chronist des Wandels. Die Erzählung Mrs. General Talboys (1862), in der vom Recht auf Scheidung die Rede ist, konnte in einer von Thackeray herausgegebenen Zeitschrift nicht erscheinen. In The Belton Estate (1866) greift der Antiheld das neue Scheidungsgesetz an. Cousin Henry (1879) ist bereits Sohn einer geschiedenen Frau. – Aaron Trow (1862) wurde als Führer eines Arbeiteraufstandes verbannt, in Ralph the Heir (1871) kandidiert ein Vertreter der Arbeiterklasse für die Liberalen und in The Duke’s Children (1880) stellt es sich für den Helden als Irrweg heraus, wegen des drohenden Kommunismus für die Konservativen zu kandidieren.

Trollope ist der Chronist des Wandels. Er befürwortet ihn, aber er zeigt auch seine Ambivalenz. Er begrüßt jeden Fortschritt (im Bereich des Postwesens beansprucht er seinen Anteil), aber er beklagt, daß Nützlichkeit, Zweckmäßigkeit und Leistung das Ehrenhafte verdrängen. Junge Menschen wurden bei der Post nicht eingestellt, weil andere in speziellen Instituten für die Prüfung paukten! Gestandene Leute wurden jüngeren Spezialisten unterstellt! – Trollope verspottet gelegentlich weibliche Emanzipationsbestrebungen. Aber an anderen Stellen zeigt sich sein ernstes Anliegen, Frauen vor Ausbeutung zu schützen.

Niemand kann das System mit reichen, faulen Pfarr-Herrn und hungernden Hilfsgeistlichen, die alle Arbeit machen, verteidigen. Aber die Low Church- Reformer brachten enge, oft heuchlerische Frömmelei mit sich. Während die alten Kirchenmänner wie ihre älteren Brüder, die Squires, leben wollten, wurden jetzt wieder Kirchen gebaut! – Niemand kann es gutheißen, daß rücksichtslose Herrenreiter die Ernte zertrampeln. Doch die Erfordernisse der Fuchsjagd sorgten für den Erhalt von Wäldern. – Niemand will es gutheißen, daß Lord Soundso automatisch gewählt wird. Doch welche Interessen hat der Kaufmann, wie unabhängig ist der Anwalt, der an seiner Stelle ins Unterhaus einzieht? – Niemand kann ererbte Privilegien verteidigen. Aber ist die neue Teilung der Menschen nach „Leistung“ nicht gefährlicher als die frühere, mehr ornamentale nach ererbtem Rang?

Trollope atmete dieselbe Luft wie Karl Marx oder Charles Darwin. Er hat mehr von der Welt gesehenen als jeder andere Autor seiner Zeit. Seine Mutter lebte in Amerika und Italien, einer seiner Söhne in Australien. Er hat auch – in Irland während der großen Hungersnot, im Amerikanischen Bürgerkrieg und in einer Kommission, die notleidenden Autoren und ihren Hinterbliebenen half, – sehr viel Elend gesehen. Er hat erfolglos für das Parlament kandidiert. Als hart arbeitender Autor ist Trollope der Antipode solcher Genies wie Oscar Wilde (deren Werke nur wenige Bändchen füllen) und unzähliger sich überschätzender Kraftmeier. Seine Vielschreiberei stand seiner Übersetzung in andere Sprachen und einer angemessenen Würdigung in der Literaturgeschichte im Wege. Welcher Verfasser einer englischen Literaturgeschichte oder einer Abhandlung über den Viktorianischen Roman macht sich die Mühe auch nur die Hälfte seiner 47, oft sehr langen Romane zu lesen! Man sieht in Trollope oft nur den Autor der als Provinzposse und -idylle gelesenen Barchester-Romane. – Die regelmäßige Art, in der Trollope arbeitete (er selbst verglich das Romaneschreiben mit dem Schuhe machen), führte zu weiteren Vorurteilen. Aber ist nicht ein Autor, der morgens vor einem vollen Tag und einem in anregender Gesellschaft verbrachten Abend schnell vierzig Seiten schreibt, sehr viel wahrscheinlicher ein unmittelbarer Zeuge seiner Zeit, als jemand, der seine Werke bewußt und sorgfältig plant und dabei auf seine künstlerische Individualität größten Wert legt?

In einem Krimi (P.D. James, Tod an heiliger Stätte) wurde die Anfangsszene von Barchester Towers beschrieben. Ich fand das Buch in einer schönen Ausgabe, die ich mir bis zum Urlaub aufhob. Und so wurde ich im September 2009 in Heringsdorf Trollopianer! Noch im selben Urlaub fand ich in Greifswald einen anderen Trollope-Roman und in einem Band mit englischen Erzählungen, der mir in einen Antiquariat in die Hände fiel, war Trollope gleich doppelt vertreten. Nach dem Urlaub bestellte ich zwei weitere Bücher. Es gab nur noch die beiden auf deutsch, eines auch nur antiquarisch. Ich entschloß mich, die bisher nicht übersetzten Barchester-Romane im Original zu lesen. Und dann auch alle anderen Trollope-Romane… Und die Erzählungen, Briefe, Reisebücher und Biographien. Und die Werke seiner Zeitgenossen wie Thackeray, George Eliot und Wilkie Collins.

An Platons Dialogen und Ciceros Werken hatte ich eine bestimmte Art der Darstellung entwickelt, die ich auch auf Trollope anwende: Ich erzähle nach und zitiere, was mir wichtig erscheint. Ich verrate dabei, wie der Roman ausgeht. Ich nehme nicht an, daß allzu viele meiner Leser die Absicht haben, den ganzen Trollope zu studieren, deshalb macht das nichts.

Folgen Sie mir in Trollopes Welt! Reisen sie mit der Postkusche durch Irland, mit dem Schiff nach Amerika oder Australien – und mit der Underground Railway durch London! Tanzen Sie mit Feemy und Captain Ussher zu irischen Fiedeln in Ballycloran, mit Burgo und Lady Glencora auf einem Londoner Ball oder mit Marie Melmotte vor dem Kaiser von China… Tanzen sie Walzer mit Lotta Schmidt oder gar mit Lady George den Kappa-kappa…

Ich danke Jörg Peißker für seine Anregungen

Berlin-Friedrichshagen, den 22. September 2014

Hans Belde

Coverbild:

By Trollope (An autobiography (free pdf from archive.org))[Public domain], via Wikimedia Commons

Anthony Trollope (1815 – 1882)

Rev. Anthony Trollope, Rektor von Cottered und Vikar von Rushden in Hertfordshire, war der jüngste Sohn von Sir Thomas Trollope, 4. Baronet Trollope, von Casewick Hall in Lincolnshire. Er heiratete die Tochter des reichsten Mannes in seiner Gemeinde, Adolphus Meetkerke. Sein Sohn Thomas Anthony Trollope besuchte das Winchester College, studierte am New College in Oxford, wurde Fellow und ließ sich als Barrister in Lincolns Inn nieder. (Das New College wurde 1379 von William von Wykeham, Bischof von Winchester und Lordkanzler unter Edward III., gegründet.)

William Milton war der Sohn eines Sattlers aus Bristol. Er kam nach Winchester und Oxford, wurde Fellow und bekam später eine Pfründe, die das New College vergeben konnte. Er wurde Vikar von Heckfield. Er hatte eine besondere technische Begabung, entwarf Pläne für die Docks von Bristol und beschäftigte sich mit der Entwicklung sicherer Kutschen. Sein Sohn Henry wurde clerk (Angestellter, Beamter) im War Office. Mit seinen Schwestern Mary und Frances wohnte er in der Keppel Street, Bloomsbury. Dort besuchte ihn Thomas Anthony Trollope. Am 19. Juli 1808 sandte er Miss Frances Milton ein paar Verse von William Crowe (Crowe war im New College und deshalb „Wykehamist“.) Der Brief vom ersten November begann mit dem Bericht über das Treffen seines Debattierclubs. Thema war, ob man einen Heiratsantrag mündlich oder in einem Brief macht. Weiter unten schreibt er: „Mein gegenwärtiges Einkommen, was etwas unsicher ist, da es teilweise meinem Beruf entspringt, erreicht £900 per annum, aber knapp £200, die ich als Fellow von Oxford erhalte, entfallen, wenn ich [heirate und deshalb] nicht mehr Mitglied dieser Gemeinschaft sein kann.“ Miss Milton antwortete umgehend: „Alles, was ich unabhängig von meinem Vater habe, sind £1300. Gegenwärtig erhalten meine Schwester und ich je £50 pro Jahr von meinem Vater. Was er uns gibt, wenn wir heiraten, weiß ich wirklich nicht.“ Die weiteren Verhandlungen führten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis, die Hochzeit fand am 23. Mai 1809 in Heckfield statt. (Frances war da schon dreißig!) Sie bezogen ein Haus in der Keppel Street. Zwischen 1810 und 1818 wurden sieben Kinder geboren: Thomas Adolphus (genannt Tom), Henry, Arthur William, Emily, Anthony, Cecilia und Emily. Die erste Emily starb kurz nach ihrer Geburt. Arthur William starb 1824. – In der Keppel Street waren oft italienische Exilianten zu Gast, darunter General Guglielmo Pepe, der nach seiner Rückkehr 1848 die hoffnungslose Verteidigung Venedigs gegen die Österreicher anführte.

Barrister wurden an die bar, vor die Schranken des Gerichts gerufen, um dort zu plädieren. Sie mußten sich in einen der vier Londoner Inns of Court niederlassen. Dagegen regelten Attorneys in alten Anwaltsfirmen überall im Land über Generationen hinweg die Angelegenheiten alter Familien. Sie waren darauf eingestellt, von einem Barrister belehrt zu werden, browbeating (wörtlich schlagen mit der Augenbraue, „einschüchtern“ scheint mir eine schwache Übersetzung für den schönen Ausdruck,) gehörte zum Handwerk. Doch bei Thomas Anthony Trollope kam noch eine spezielle Arroganz als Wykehamist hinzu. Er wurde immer seltener konsultiert. – Er wollte, daß seine Söhne auf seine alte Schule gehen. Aber die genauso angesehene public school Harrow nahm Söhne aus Familien, die in der Gemeinde leben, ohne Gebühren auf, und ein Kollege von ihm, John Herman Merivale, war der Schwiegersohn von Rev. Joseph Drury, des headmasters (Schulleiters) von Harrow. Merivales Söhne Herman, Charles und schließlich John besuchten Harrow. Nach dem Rückzug von Joseph Drury sollte 1805 sein Bruder Mark – ein manischer Büchersammler, der sich dafür hoch verschuldete – sein Nachfolger werden. Als statt dessen George Butler den Posten bekam, initiierte der junge Byron eine kleine Rebellion. Später idealisierte Lord Byron seine letzten anderthalb Jahre in Harrow und wollte dort sogar beerdigt werden! 1810 klagten Bürger aus Harrow mit dem Ziel, die Zahl der auswärtigen Schüler zu beschränken.

Thomas Anthony Trollope sah sich als Erben von Adolphus Meetkerke, dem Bruder seiner Mutter. Sein älterster Sohn war den Pächtern bereits als ihr zukünftiger Herr vorgestellt worden. Deshalb fühlte er sich zu einem Landsitz berechtigt, pachtete Grundbesitz in Harrow, darunter ein Feldstück, das wie Meetkerkes Anwesen Julians hieß, und baute ein großes Haus. Da war es ein schwerer Schlag, als sein vierundsechzigjähriger Onkel 1818, ein Jahr nach dem Tod seiner ersten Frau, noch einmal heiratete und aus dieser zweiten Ehe sechs Kinder entsprangen, die alle Aussichten auf das Erbe zerstörten! (In seinen Erinnerungen vermutet Tom Trollope, daß das nicht so gekommen wäre, wenn sein Vater, ein Liberaler, den konservativen alten Herrn nicht so oft vor den Kopf gestoßen hätte!) Julians mußte aufgegeben werden. Die Trollopes zogen in ein Farmhaus, Julian’s Hill, das in den nächsten Jahren beträchtlich erweitert wurde.

1822 verursachte Byron neuen Aufruhr, als er seine im Alter von vier Jahren verstorbene Tochter Allegra in Harrow beerdigen ließ. Harry Drury leitete die Trauerfeier. Der Vikar Cunningham verbot die Aufstellung einer Gedenktafel für das uneheliche Kind in der Kirche. Frances Trollope schrieb in byronscher Manier ein Poem „Lines Written on the Burial oft the Daughter of a Celebrated Author“. Sie spottet über den konservativen Verleger Murray, der ohnehin genug Schwierigkeiten mit seinem Autor hat, der ihm nun noch aus Italien die Kindsleiche zuschickte, und karikierte die Lehrer in Harrow. Dazwischen ein Anflug Tragik: „Seine Allegra war alles, was seine Ada sein sollte.“ – 1822 lernte Frances Trollope bei ihrem Bruder in London die reiche schottische Idealistin Frances Wright kennen. Im nächsten Jahr trafen Mr. und Mrs. Trollope Frances Wright in Paris. Sie stellte sie dem berühmten General La Fayette, Held des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und der französischen Revolution, vor. La Fayette lud die Trollopes auf seinen Landsitz ein.

1827 veröffentlichte Thomas Anthony Trollope „A Treatise on the Mortages of Ships“ und widmete das Buch dem Premierminister Lord Liverpool. Doch seine Hoffnung, daß man an höherer Stelle auf seine Fähigkeiten aufmerksam wurde, erfüllte sich nicht. Im selben Jahr brach Frances Trollope mit Henry, ihren Töchtern und dem französischen Maler Auguste Hervieu nach Amerika auf. Sie wollten in der Nashoba Commune von Frances Wright in der Nähe vom Memphis mitarbeiten. Dort sollten freigekaufte Sklaven arbeiten und lernen, bevor sie nach Liberia gehen. Doch die Zustände in Nashoba waren desolat, es gab keine Schule, an der Hervieu hätte unterrichten könnten. Frances Wright und eine Zeitlang auch Henry Trollope schlossen sich Robert Owens utopischen Projekt New Harmony in Indiana an. Frances Trollope gehörte in Cincinnati zu den Gründern des Western Museums, einer Sammlung von Kuriositäten und einem Ort für Vorträge. Hervieu malte historische Kulissen und Henry wollte Latein lehren. Frances versuchte ein Kaufhaus aufzubauen. Ein Gebäude in einer Art maurischen Stil wurde errichtet. Thomas Anthony Trollope und Tom, der gerade die Schule abgeschlossen hatte, kamen 1828 zur Unterstützung. Sie blieben drei Monate. Henry kehrte 1830 nach Europa zurück. – Thomas Anthony Trollope scheiterte als Einkäufer für den „bazaar“ in Cincinnati ebenso wie mit der Bewirtschaftung der Farm und mußte Julian’s Hill und das Haus in London vermieten. Er zog in einfaches Farmhaus, Harrow Weald. Er litt unter schweren Kopfschmerzen, die er mit Kalomel (Quecksilberchlorid) behandelte. Wann immer es seine Gesundheit zuließ, arbeitete er an einer Encyclopaedia Ecclesiastica. Bis zu seinem Tod hatte er auf eigene Kosten drei Bände (von Abaddon bis Funeral Rites) veröffentlicht.

Anthony Trollope wurde am 24. April 1815 noch in London geboren. Er besuchte ab 1823 Harrow. Wie seine älteren Brüder vor ihm war er day-boarder, d.h. er wohnte zu Hause und nicht in der Schule. 1825 wechselte er in die Privatschule von Arthur Drury in Sunbury und 1827 (wieder, wie seine Brüder,) an das Winchester College. Dort hatte Anthony einen schweren Stand, da seine Schulgebühren nicht bezahlt wurden. 1830 mußte er Winchester verlassen. Er kehrte als day-boarder nach Harrow zurück. Die erste Zeit lebte er mit seinem Vater allein in Harrow Weald. Er hatte einen Schulweg von drei Meilen, den er viermal täglich zu Fuß zurücklegen mußte. Seine Brüder studierten in Oxford und Cambridge. (Henry blieb wegen seiner Gesundheit jedoch nur ein Jahr in Cambridge, und auch Tom schaffte nicht, einem Platz am New College zu gewinnen und Wykehamist zu werden.)

1831 kehrte Frances Trollope zurück. Sie brachte ein Buch mit, The Domestic Manners of the Americans, das, ein Jahr später veröffentlicht, ein sofortiger Erfolg wurde. Die Illustrationen stammten von Hervieu. Die Familie konnte bald wieder nach Julian’s Hill zurückkehren. Später planten sie, ins billigere Ausland zu ziehen. Anthony hatte bereits seinen Vater nach London zu einem Schiff nach Ostende gebracht, als (im April 1834) die bailiffs (Gerichtsvollzieher) nach Julian’s Hill kamen. Mit Ausnahme von Tom (der als Tutor in Oxford blieb), bezogen die Trollopes das Château d´Hondt, ein großes Haus vor der Porte St. Pierre in Brügge. Frances Trollope pflegte ihren Mann und ihren Sohn Henry, der krank aus Cambridge kam, während sie zugleich alle mit dem unaufhörlichen Schreiben von Büchern ernährte. Henry starb. Aus dieser Zeit stammt „Salmagundi – aliena, 1834“ ein Manuskript in Anthony Handschrift, das N. John Hall 1975 herausgab. Es enthält vier Gedichte: Ein zynisches Liebesgedicht, ein Spottgedicht aus dem Jahre 1814 über den Regenten und „Lines by Lady Caroline Lamb“. (Caroline Lamb hatte eine Affäre mit Byron; das Gedicht hatte eine gewisse Aktualität: „Ihr Ehemann – Lord Melbourne – ist im Moment Premierminister. August 1834.“, schrieb Trollope unter die Verse). Hauptstück der Sammlung ist das Poem seiner Mutter über Byrons tote Tochter. Trollope kommentierte einiges: „Die schöne Autorin vermischt Toryism and Cant [Konservativismus und Heuchelei] in einer ziemlich einmaligen und ungerechten Art. Aber sie hat inzwischen ihre Fehler erkannt. (…) Was Butler betrifft – ich erinnere mich wenig an ihn, außer daß er sehr streng zu den kleinen Jungs war und ein sehr uneffizienter Schulleiter war – und der Niedergang der Schule bis zu seinem Rückzug anhielt. (…) All das ist wirklich wahr, und eine Versammlung gelehrter Männer in Harrow stimmte darin überein, daß keine Tafel zum Andenken an Allegra Byron aufgestellt werden sollte, aus Furcht die Keuschheit der Jungs zu verletzen. Die Drurys hatten damit natürlich nichts zu tun.“ Anthony arbeite ein paar Wochen als Hilfslehrer in Brüssel (an einer Schule, die der wegen seiner Schulden aus Harrow geflüchtete William Drury führte), dann fand seine Mutter für ihn eine Stelle im General Post Office.

Das General Post Office hatte 1828 ein imposantes neues Hauptquartier in St. Martin’s-le-Grand bezogen. In seiner Autobiographie erzählt Trollope, wie er einmal abends als einziger clerk im Haus war, als die Königin von Sachsen das Gebäude besichtigen und die Abfahrt der Postkutschen beobachten wollte. Er führe sie herum, sein Stolz wurde danach jedoch arg verletzt, als die Königin nach Beratung mit den Damen ihrer Begleitung ihm ein Trinkgeld anbot! – Mit John Merivale und Walter Awdry wanderte Trollope übers Land. Als „Tramp Society“ terrorisierten sie stille Dörfer durch ihre lärmende Heiterkeit und spielten ausgebrochene Wahnsinnige. Die Ideen stammten von Awdry, einen Schulfreund aus Winchester, der zugleich „schüchtern bis zur Furcht vor einen Frauenkleid war“. (Awdry starb als Hilfsgeistlicher jung und in Armut, Trollope nennt ihn deshalb in A Autobiography nur mit seinen Initialen.) Während dieser Zeit steckte Trollope immer in Schulden. Aus einer Schneiderrechnung von zwölf Pfund und vier Pfund in bar wurde in den Händen eines Geldverleihers bei den wiederholten Erneuerungen eine Forderung, für die er zuletzt über 200 Pfund zahlte!

1835 reisten Frances und Thomas Anthony Trollope nach Paris, im Mai folgte für einen Monat Tom. Frances sammelte Material für ihr Buch Paris and the Parisians. Nach ihrer Rückkehr nach Brügge starb Thomas Anthony Trollope und wurde an der Seite seines Sohnes Henry beigesetzt. Danach kehrte Frances Trollope mit den Töchtern Cecilia und Emily nach England zurück und kaufte ein kleines Haus in Hadley.

In seinem ersten erhaltenen Brief vom 24. 5. 35 bat Anthony Trollope einem Verleger, mit dem er als Bote seiner Mutter zu tun hat, um die Veröffentlichung einer eigenen Arbeit. Am 12. 2. 36 benachrichtigt Anthony seinen Bruder von Emilys Tod in Hadley: „Es ist alles vorbei. (…) Ihre geringe Kraft nahm immer mehr ab, und ihr Atem verließ sie ohne die geringste Konvulsion, und ohne ihr Gesicht zu verändern. Wäre nicht die aschfahle Farbe, würde ich denken, sie schliefe. Ich sah nie etwas friedlicheres (…). Es ist besser so, als das ihr Leben verlängert würde, um denselben Todeskampf wie Henry zu erleiden.“ Tom konnte Anfang 1837 als Lehrer an der King Edward’s School in Birmingham anfangen. Doch bereits anderthalb Jahre später gab er die Stelle auf, um seine Mutter auf ihren Reisen zu begleiten.

Anthony stellte seiner Mutter und seiner Schwester John Tilley vor. Tilley war schon fünf Jahre länger im General Post Office. Im Februar 1839 heiratete er Cecilia. Tilley wurde Surveyor for the Northern District of England und ließ sich in Penrith, im Lake District, nieder. Frances Trollope kam, als sie in Nordengland Material für Michael Armstrong (den ersten Roman über die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse) sammelte, nach Penrith und beschloß, dort einen Altersitz für sich zu bauen. Tom reiste mit Hervieu durch Frankreich, dabei entstand das Buch A Summer in Brittany.

Während ihr Haus in Penrith entstand, lebte Frances Trollope in Paris. Sie sah die Berühmtheiten der Metropole und wurde König Louis Philippe, der ihr Amerikabuch gelesen hatte, vorgestellt. Anfang 1840 durfte Anthony – während Tom für ein weiteres Reisebuch die Vendée erkundete – sie einen Monat in Paris begleiten. Kurz nach seiner Rückkehr nach London konnte er in den Zeitungen lesen, daß seine Mutter Lady Rosina Bulwer vor einem Pariser Gericht zur Seite stand. Die Anwälte ihres Mannes, des Schriftstellers Edward Bulwer, später Lord Lytton, hatten versucht, ihr Papiere zu stehlen, um ihr einen schlechten Charakter nachzuweisen und sie so vom Umgang mit den Kindern auszuschließen.

Als Frances Trollope im Juni wieder nach London kam, fand sie ihren Sohn schwer krank: „Mein armer Liebling liegt in einem Stadium, daß die Kenntnisse der Ärzte herausfordert und mir in meiner Unwissenheit Rätsel auf gibt. Er leidet hauptsächlich an Asthma, aber sie sagen, das kann nur ein Symptom und nicht die Krankheit sein. Sein Gewicht und seine Kraft sind furchtbar reduziert. Ich bin sicher, wenn Sie ihn sehen würden, würden Sie nicht einmal eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Wesen finden, das uns vor genau drei Monaten in all dem Stolz der Jugend, Gesundheit und Kraft verlassen hat“, schrieb sie Lady Rosina. Sie zog zur Behandlung Dr. John Elliotson heran. Elliotson interessierte sich für den Mesmerismus, zwei junge Mädchen, die ihn als Medium besonders geeignet erschienen, die Okey Girls, lebten in seinem Haus. Tom Trollope schreibt in seinen Erinnerungen, daß die Okey Girls sehr oft Anthony in seinen lodgings besuchten und ihm mit ihrer Sehergabe versicherten, daß er sich erholen werde. (Wegen der Mädchen hatte Elliotson seine Stellung an der Universität verloren, und auch Mrs. Trollope wollte sie später „den Klauen von Dr. Elliotson entreißen“.) Nach den Akten der Post war Anthony Trollope von Mitte Mai bis 4. September krank. Im Herbst besuchte er kurz seine Mutter und die Tilleys in Penrith. – In seinen Aufzeichnungen aus diesen Jahren, dem Commonplace Book, schrieb Trollope am 19. Dezember 1840 über Bulwers sehr erfolgreiche Romane: „Er hat einen Charakter entworfen – aus Alkibiades und Sardanapal – und hat die Mischung auf ewige Stelzen gestellt. Der Mann ist immer derselbe, ob als Mörder, erfolgreicher Revolutionär, englischer Edelmann oder Straßenräuber. Rienzi und Eugene Aram, Godolphin & Glaucus [aus The Last Days of Pompeii] (…) sind alles dieselbe Person. Alle verdammt gentlemanlike, ausgesprochen clever, sehr vornehm, ritterlich und mutig bis zum äußersten, erfolgreich in ihren Liebschaften & vollkommen unnatürlich.“

Surveyor’s clerk in Irland – Die ersten Romane (1841 – 1851)

Trollopes Gehalt war in sieben Jahren von 90 auf 140 Pfund im Jahr gestiegen, als er sich um eine Stellung in Irland bewarb. Als Surveyor’s clerk betrug sein Gehalt zwar nur 100 Pfund, aber er bekam seine Reisekosten so großzügig vergütet, daß er nach Abzug der Kosten über 400 Pfund im Jahr hatte. Der surveyor, zu dem er geschickt wurde, hielt eine Hundemeute, und deshalb verschob Trollope die Tilgung seiner in London zurückgelassenen Schulden und kaufte sich ein Jagdpferd. Damit begann eine lebenslange Leidenschaft.

Trollope war zuerst in Banagher dem Central District, später in Cork dem südlichen Distrikt zugeteilt. Er reiste von einem Ort zum anderen, kontrollierte Abrechnungen und ging Beschwerden nach. – Von Banagher aus besuchte Trollope Coole Park, das Anwesen von William Gregory. Gregory war zur selben Zeit wie Trollope in Harrow. 1842 gab er 9000 Pfund aus, um als Vertreter von Dublin in das Unterhaus gewählt zu werden. In Coole Park lernte Trollope auch Charles Lever, Arzt und Autor populärer irischer Romane kennen. Nachdem Lever drei Jahre als Arzt in Brüssel gelebt hatte, war er nach Irland zurückgekehrt, um Herausgeber des Dublin University Magazine zu werden. – Als John Merivale Anthony 1843 ein paar Tage besuchte, entdeckten sie in Drumsna eine Ruine, die ihn zu seinen ersten Roman inspirierte.

Im Sommer 42 lernte Trollope in Kingstown (heute Dún Laoghaire), einen Hafen südlich von Dublin, wo die Postschiffe ankamen, die zwanzigjährige Rose Heseltine kennen, die dort mit ihrem Vater und ihrer Schwester Urlaub machte. Ihre Mutter war vor einem Jahr an den Folgen eines Eisenbahnunglückes gestorben. Nachdem Mr. Heseltine eine zweite Ehe geschlossen hatte, konnte am 11. 6. 44 Anthony Trollope Rose in ihrer Heimatstadt Rotherham in Yorkshire heiraten. 1846 und 1847 wurden in Clonmel, Tipperary, die Söhne Henry Merivale und Frederic geboren. Bürgermeister von Clonmel war Charles Bianconi. Bianconi war mit einem Landsmann, der billige Heiligenbilder verkaufte, aus Italien nach Irland gekommen. Nach der Schlacht von Waterloo kaufte er billig Armeepferde auf und richtete einen Linienverkehr mit Pferdeomnibussen in Irland ein. Die Bianconi coaches beförderten auch Post, so daß Trollope viel mit ihm zu tun hatte.

Seine berühmte Mutter trug 1845 das Manuskript von Anthonys Erstling The Macdermots of Ballycloran zu dem Verleger Newby, der bereits irische Romane herausgebracht hatte. Anthony sollte nach Deckung der Kosten die Hälfte des Profites erhalten. Es dauerte zwei Jahre, bis das Buch erschien, und er bekam nie eine Abrechnung. Er erfuhr auch nicht von einigen günstigen Besprechungen. (Wenigstens verlangte der Verleger von ihm nicht – wie von Emily Brontë, deren Wuthering Heights im selben Jahr bei Newby erschien – 50 Pfund Druckkostenzuschuß. Später brachte Newby Adam Bede junior, eine unautorisierte Fortsetzung von George Eliots Sensationserfolg heraus.) The Kellys and the O'Kellys erschienen bei Colburn, einem der Verleger von Frances Trollope. Schon nach vier Monaten schrieb er dem Autor, daß sich das Buch nicht verkauft, die Leser mögen keine Romane mit irischen Themen. Aber er nahm La Vendée.

In dieser Zeit war Irland Schauplatz einer großen Katastrophe: Dank der billigen Kartoffel war die Bevölkerung der Insel auf weit über acht Millionen angewachsen. Die Kartoffelfäule führte ab 1845 zu einer Hungersnot, der ungefähr eine Millionen Menschen zu Opfer fielen. Etwa genauso viele Menschen verließen ihre Heimat. In Trollopes Briefen findet sich davon nichts. (Im Frühjahr 1848 schreibt er seiner Mutter, daß in Irland von Unruhen nichts zu merken ist; er liest davon nur in der Times. Allerdings sind nur wenige Briefe aus dieser Zeit erhalten.) Im Londoner Examiner verteidigt Trollope in einigen Briefen über The Real State of Ireland die Maßnahmen der Regierung zur Linderung der Not.

Als ein verdächtiger Postmeister im Südwesten von Irland behauptete, den Schlüssel einer Schublade verlegt zu haben, trat Trollope sie auf und fand vermißte Briefe. Im Jahr 1848 überführte er mit einer markierten Münze Mary O’Reilly, die Assistentin des Postmeisters von Tralee, des Diebstahls. Bei dem Prozeß wurde er von ihrem Verteidiger Isaac Butt, dem späteren Führer der irischen Partei im Unterhaus, ins Kreuzverhör genommen. Butt zitierte aus der Gerichtszene in The Macdermots: „>Wenn die Wappenfigur über den Kopf des Richters Ohren, um zu hören, und eine Zunge, um zu sprechen hätte, was für einen indifferenten Bericht würde sie über das Gewissen der Richter und die Aufrichtigkeit der Anwälte geben.< [Lachen] Ist das auch jetzt ihre Meinung? / Ich bin darin eher bestärkt worden. [Gewaltiges Gelächter] / >Er sagte ihnen, was er zu sagen hätte wäre sehr kurz, und, wenn man bedenkt, daß er ein Anwalt war, hielt er sich daran mit tolerierbarer Genauigkeit.< [Lautes Lachen] Sie haben sich einen Bilderbuch-Kreuzverhörer gemalt? / Ich habe von einen wie ihnen im Kreuzverhör geträumt.< [Gelächter]“ So der Bericht des Tralee Cronicle vom 31.3.49. Letztendlich zog jedoch Trollope den Kürzeren, die hübsche junge Frau hatte die Sympathien auf ihrer Seite und wurde nicht verurteilt.

1843 hatte Frances Trollope ihr Haus in Penrith verkauft, nach den aufregenden Jahren in Paris erschien ihr ein Leben in Cumberland doch zu einsam. Ein Jahr später ließ sie sich in Florenz nieder. Den Winter 47/48 verbrachte Cecilia Tilley zur Besserung ihrer Gesundheit mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Tom in Rom. Es half nichts. – Tom heiratete 1848 Theodosia Garrow. Ihr Vater war in Indien als Sohn eines englischen Offiziers und einer Inderin geboren. Seine Frau, ein Jüdin, war dreiundzwanzig Jahre älter als er und sehr reich. Bei Theodosias Geburt war Mrs. Garrow bereits acht- oder neunundfünfzig, man vermutet deshalb, daß Theodosias Mutter in Wirklichkeit Harriet Fisher, Mrs. Garrows Tochter aus ihrer ersten Ehe, war. Mrs. Garrow und Harriet Fisher hinterließen Theodosia ihr ganzes Vermögen und ermöglichten es Tom, in Florenz ein großes Haus zu führen, Kunst zu sammeln und ohne Rücksicht auf den kommerziellen Erfolg Bücher über Gegenstände aus der italienischen Geschichte zu schreiben.

Tilley wurde Assistent Secretary of the Post Office und zog wieder nach London. Im Februar 49 besuchten ihn dort Anthony und Rose Trollope. Am 7. 4. 49 schreibt Anthony Tilley: „Mein lieber John, ich kann nicht sagen, daß mich Dein letzter Brief sehr traurig gemacht hat. Ich war seit Cecilias letztem Rückfall sicher, daß sie sich nicht mehr erholt. Ich habe ihr gewünscht, daß ihre Leiden enden (…). Es tut mir Leid, daß ich nicht sofort reisen kann, um am Dienstag bei Dir zu sein – aber ich kann es nicht, ohne mich in Bezug auf Geld so in Not zu bringen, wie es selbst dieser Anlaß nicht rechtfertigen würde. Es ist ein großer Trost für mich, daß ich sie so kurz vor ihrem Tod gesehen habe.“ Die Trollopes nahmen Cecilias Tochter Edith bei sich in Mallow, Cork, auf, bis sie nach Tilleys zweiter Heirat zu ihrem Vater und ihrer neuen Mutter, einer Cousine von Cecilia, zurückkehrte. Vier von Cecilias fünf Kindern starben in den nächsten Monaten an der Schwindsucht. Nur Edith erreichte ein hohes Alter. Tilleys zweite Frau starb nach nur zehnmonatiger Ehe, kurz nach der Geburt eines Sohnes.

Nach dem Mißerfolg seiner ersten drei Romane schrieb Trollope ein Theaterstück, The Noble Jilt, das jedoch weder gedruckt noch aufgeführt wurde. (In seiner Autobiographie erzählt Trollope, wie seine Komödie von dem Schauspieler und Theaterdirektor George Bartley kritisiert wurde – und daß er den Plot danach in dem Roman Can You Forgive Her? benutzte. Erst 1923 gab Michael Sadleir die Komödie heraus und überliefert dabei auch Bartleys Brief vom 18. 6. 1851.) – Im Dublin University Magazine veröffentlichte Trollope einen Artikel über Charles Merivales History of the Romans under the Empire.

The Macdermots of Ballycloran (1847)

Der Autor hatte nach Erledigung seiner Amtspflichten in Drumsna, Westirland, Zeit bis zur Weiterfahrt, sah ein verfallenes Herrenhaus und hörte später in der Postkutsche dessen Geschichte: Vor sechzig Jahren hinterließ ein Macdermot, Nachfahr von König sowieso, seinem jüngeren Sohn Thaddeus oder Thady etwas Land. Der ließ von Mr. Flannelly, einem Bauunternehmer aus Carrick, das Haus errichten, konnte es aber nicht bezahlen. Flannelly bot Thadys Sohn Lawrence an, wenn er seine Tochter heiratet, bekommt er sein eigenes Haus als Mitgift. Larry lehnt ab, heiratete eine Frau mit dem richtigen Blut und bekam zwei Kinder. Den Sohn nannte er nach seinem Vater, die Tochter Euphemia, kurz Feemy.

Als die Handlung beginnt ist Larry, noch keine fünfzig Jahre alt, gebrochen und senil. Noch vor Weinachten wird ein Wechsel über 147 Pfund fällig! Thady fragt Pat Brady, wen er von seinen Pächtern auf dem Markt in Mohill gesehen hat. Wer hat etwas verkauft, von wem könnte man die Pacht eintreiben? – Zu Father John McGrath kommt am selben Morgen Denis McGovery. Er will am nächsten Abend Pats Schwester Mary heiraten. Dann trifft Father John Thady, mit dem er ein ernstes Gespräch führen muß. Mit Feemy und Captain Ussher kann es so nicht weitergehen. Miles Ussher ist der Chef der für die Verfolgung von Schwarzbrennern zuständigen Polizei. Father John hätte nichts dagegen, daß Feemy Ussher heiratet, auch wenn er Protestant ist. Aber das er weiter so bei ihr ein- und ausgeht, ohne das ein Hochzeitstermin festgesetzt sei, gehe nicht an. Doch Feemy läßt sich weder von ihrem Bruder noch von Father John etwas sagen. – In Mohill wirkt die allgegenwärtige Armut noch viel drückender als auf dem Land. Der Grundherr, Lord Birmingham, ist ein Philanthrop. In London engagiert er sich in vielen wohltätigen Vereinen, nur nach Irland kommt er nie. In Mrs. Mulreadys unlizenzierter Kneipe trifft sich abends Pat Brady mit einigen Männern. Jeder hat einen Bruder, der von Ussher gefaßt wurde.

Am nächsten Tag besucht Mr. Hyacinth Keegan, der Anwalt und Schwiegersohn des alten Flannelly, Ballycloran. Er bietet Larry Macdermot wöchentlich ein Pfund an, wenn er ihm das Anwesen abtritt. Thady versucht zu handeln, doch Keegan will nicht mehr geben und Larry will von alledem überhaupt nichts hören. Als Thady Keegan hinterherläuft, muß er hören, wie dieser Feemy als Usshers Mätresse beschimpft. – Denis McGovery warnt Captain Ussher, daß Pat Brady einige seiner Feinde zu der Hochzeit eingeladen hat. Ussher kommt trotzdem. Während der Fiedler wie verrückt aufspielt und Ussher, Feemy und andere wie verhext tanzen, verabredet sich der immer betrunkener werdende Thady zu einem Treffen in Mrs. Mulreadys Kneipe. Er fragt die Brüder der verhaften Schwarzbrenner, alles Pächter seines Vaters, ob sie lieber Keegan Pacht zahlen wollen. – Am Morgen nach seiner Hochzeit erzählt Denis McGovery Father John, daß sich Thady mit den Mulreadyites zu Keegans Ermordung verabredet hat. Father John redet ihm ein, er habe sich verhört, erreicht mit klug dosierter Strenge, daß Thady nicht zu den verabredeten Treffen geht, und sorgt dafür, daß Feemy für vierzehn Tage zu den McKeons eingeladen wird, wo sie unter Aufsicht von Mrs. McKeon steht. Aber es ist zu spät. Ussher wurde befördert und zugleich nach Cashel versetzt. Er erzählt Feemy, er kann sie erst heiraten, wenn er sich seiner Stellung dort sicher ist. Sie will ihm auch ohne Heirat folgen.

Tony McKeon hat viel Land gepachtet, das er weiterverpachtet. Er baut und repariert Straßen und Brücken, ist ein standfester Trinker und ein großer Freund des Pferdesports. Bei einem Rennen in Carrick siegt sein Pferd. Am selben Abend findet ein Ball statt, den Feemy mit Mrs. McKeon und ihren Töchtern besucht. Hier verabredet sie sich mit Ussher für ihre Flucht. Sie unterbricht ihren Besuch in Drumsna und kehrt für eine Nacht nach Ballycloran zurück. Als Thady wie jeden Abend die Ställe überprüft, hört er etwas. Er bewaffnet sich, um den Einbrecher zu stellen, sieht Ussher die vor Aufregung bewußtlose Feemy in seinen Wagen heben und erschlägt ihn. Danach flieht er – trotz seines Father John gegebenen Wortes – auf Pat Bradys Rat zu den Mulreadyites. Doch in der Einöde, wo sie ihn verstecken, hält er es nicht aus. Er flüchtet zu Father John und stellt sich der Polizei. Im Gefängnis muß er sechs Monate auf die nächsten Assizes (Gerichtstage) in Carrick warten.

Keegan treibt im Namen seines Schwiegervaters als neuen Herrn von Ballycloran nicht nur die laufenden Pachten, sondern auch die alten Schulden der Pächter ein. Den wahnsinnigen Larry kann er allerdings nicht aus dem Haus schaffen. Die Mulreadyites überfallen Keegan und verstümmeln ihn. – Father John überredet die McKeons, die kranke Feemy wieder aufzunehmen. Mrs. McKeon entdeckt, daß Feemy schwanger ist. (Es folgen zwei Kapitel, die in der 1860 erschienen Ausgabe gestrichen wurden: Father John bettelt um Geld für Thadys Verteidigung und reist in einer überfüllten Postkutsche in das alte Dublin – nach Trollope hatte sich seitdem viel zum Guten gewandelt –, um sich mit dem Anwalt zu besprechen. Mr. O´Malley, der Anwalt, hat schon gehört, daß, nachdem Usshers Nachfolger sich einschüchtern ließ, viele zur Abschreckung Thady hängen sehen wollen. Sie müssen beweisen, daß Thady nur seine Schwester schützen wollte und kein Verschwörer ist!)

Endlich kommt der Wanderzirkus aus Richtern und Anwälten nach Carrick, und nach anderen Streitsachen beginnt Thadys Prozeß. Der Kronanwalt und Mr. O´Malley vernehmen Pat Brady. Thadys Verteidiger will zeigen, daß Brady von Keegan bestochen wurde und vernimmt anschließend auch Keegan. Usshers Kumpane sagen aus, daß dieser kein Geheimnis daraus machte, daß Feemy mit ihm durchbrennen wollte. Thady hätte davon hören können. Als letzte Zeugin soll Feemy aussagen. Doch sie bricht in dem Vorraum, wo sie wartet, zusammen und stirbt. (Der eine Satz, wonach sie eine Fehlgeburt erlitt, wurde in der zweiten Auflage gestrichen.) Father John hört entsetzt, wie Larry seinen Sohn verflucht, als er ihm von Feemys Tod berichtet, er muß Thady belügen, weil er ihn nicht unnötig damit quälen will, daß Feemy sich hatte verführen lassen, und als Thady zum Tode verurteilt wird, muß dieser ihn trösten. – Kein einziger Gaffer quält Thady bei seiner Hinrichtung. Dafür sorgen auch die Mulreadyites, indem sie den Weg zum Gefängnis sperren.

The Kellys and the O'Kellys (1848)

In der ersten Szene sehen wir Anfang 1844 John und Martin Kelly in einer großen Menschenmenge in Dublin. An diesem Tag beginnt die Verteidigung von Daniel O’Connell, der riesige Versammlungen (Monster Meetings) organisiert hatte, um die Auflösung der Union mit Großbritannien zu fordern und deshalb angeklagt wurde. Während sie auf Einlaß in das Gericht warten, unterhalten sie sich über Martins Pläne. Er will Anastasia Lynch heiraten und dazu das Einverständnis seines Grundherrn, Lord Ballindine, einholen. Die geplante Verbindung ist aus vielen Gründen problematisch. Anty ist zehn Jahre älter als Martin. Aber sie hat vierhundert Pfund im Jahr! Martin sagt, ohne ihr Erbe würde er sie sicher nicht heiraten. Aber wenn er gar nichts für sie empfinden würde, würde er sie auch nicht heiraten, wenn sie doppelt so viel besäße!

Im Jahr 1800 – als man die irischen Peers bestach, um ihre Zustimmung zur Union zu erhalten – wurde ein O’Kelly zum Viscount Ballindine gemacht. Sein Erbe hat sich am englischen Hof aufgehalten und die Verwaltung seines Besitzes Simeon Lynch überlassen – mit der Folge, daß zuletzt fast alles Sim Lynch gehörte! Die Lynch‘ sind Protestanten, nur Anty wurde im Glauben ihrer vor zwanzig Jahren verstorbenen Mutter erzogen. Vater und Sohn wollten daraus Gewinn ziehen, indem sie sie dazu drängten, Nonne zu werden. Doch Anty weigerte sich. In seinem letzten Testament teilte Simeon Lynch sein Erbe zu gleichen Teilen zwischen Barry und Anty. Wenn er nicht kurz danach gestorben wäre, hätte er das im Zorn aufgesetzte Testament sicher wieder vernichtet. Für Barry bedeutet es, daß er kaum seine Schulden zahlen kann. Am besten wäre es, wenn Anty stirbt! Als er von ihrer Verbindung mit Martin Kelly hört, prügelt er sie, völlig betrunken, fast zu Tode. Anty flieht in das Hotel in Dunmore, das Martins Mutter gehört. – Barry engagiert Mr. Daly, einen jungen, scharfen Anwalt. Diesem ist nicht wohl dabei. Doch, wenn er es nicht macht, übernimmt es ein anderer. Vielleicht kann er das Schlimmste verhindern.

Francis O’Kelly, Lord Viscount Ballindine, ist mit Fanny Wyndham verlobt. Diese lebt bei ihrem Vormund, den Earl of Cashel, auf Grey Abbey, einem großen, häßlichen Schloß, das Besucher dienstags und freitags zwischen 11 und 16 Uhr besichtigen können. Obwohl Frank in der Nähe ist, um sich um sein Rennpferd Brien Boru zu kümmern, meidet er Grey Abbey. Er hat Angst vor Lord Cashel und will Fannys Volljährigkeit abwarten. Erst als er von anderen hört, das seine Verlobung aufgelöst sei, reitet er hin. Der Earl empfängt ihn in seiner düsteren Bibliothek, fragt ihn: Hat er es schon gehört? Frank ist unsicher. Meint er die angebliche Auflösung der Verlobung? Lord Cashel schließt aus seiner Reaktion, daß Frank schon gehört hat, daß Fannys Bruder gestorben ist und sie statt zwanzigtausend Pfund die sechsfache Summe hat. Jetzt treibt ihn die Geldgier her! Er ist empört und verbietet ihm, Fanny zu sehen. Er ist hochbefriedigt, wie gut er sich um sein Mündel kümmert. Dann kommt ihm der Gedanke, daß Fanny jetzt eine gute Partie für seinen Sohn wäre! Mit ihrem Geld könnte er seine Schulden zahlen! Er bestellt seinen Sohn, Lord Kilcullen, aus London her. Der ist ganz cool. Er erklärt sich gnädig bereit, Fanny zu heiraten, wenn sein Vater zuvor seine dringendsten Schulden, unvorstellbare achtzigtausend Pfund, bezahlt! – Fanny hatte tatsächlich in einem schwachen Moment zugestimmt, daß sie Frank nicht heiraten kann. Ihre Mittel reichten nicht für ein standesgemäßes Leben. Doch jetzt hat sie Geld!

Zurück nach Dunmore: Mr. Daly hält Barry von dem Versuch ab, Anty für unzurechnungsfähig erklären zu lassen. Er diktiert Barry statt dessen einen höflichen Brief an seine Schwester. Er kauft ihren Verwalter: Wenn er eine Verschwörung zu dem Zweck, Anty zu berauben, bezeugt, soll er auch die Verwaltung von Barrys Teil bekommen. Doch als sich Mrs. Kelly und Anty nicht einschüchtern lassen, überredet er Barry, sich mit Martin Kelly zu verständigen. – Aber Anty ist eingeschüchtert und ängstlich. Sie erkrankt schwer.

Frank trennt sich schweren Herzens von Brien Boru und kehrt nach O’Kellys Court zurück. Dort veranstaltet er als Master of the Hounds eine Jagd. Während seine Schwestern den Gästen Tee und Kaffee reichen, bittet er dem als Zuschauer hergebetenen Martin Kelly um ein Darlehen. Bei der Jagd blamiert sich Barry, indem er in die Meute reitet. Franks schwerverletzter Lieblingshund Goneaway muß danach getötet werden. – Später hört Frank, daß Fanny Lord Kilcullen heiraten soll. Da ihm das Haus verboten wurde, will er Mr. Armstrong, den protestantischen Geistlichen, nach Grey Abbey schicken, um Fanny eine Nachricht zukommen zu lassen. Mr. Armstrong muß sich jedoch erst einmal anständige Kleidung machen lassen.

In Grey Abbey haben Adolphus (wie Lord Kilcullen mit Vornamen heißt) und Fanny gegenüber dem wichtigtuerischen Lord Cashel und den von ihm eingeladenen Gästen dieselben Gefühle. Zumindest das verbindet sie. Als Lord Kilcullens Gläubiger ihn und seinen Vater immer mehr bedrängen, macht er Fanny einen Antrag und wird abgewiesen. Er hat noch ein Gespräch mit seinem Vater in der düsteren Bibliothek, dann flüchtet er ins Ausland.

Als es Anty wieder besser geht, versucht Barry Lynch Dr. Colligan, Antys Arzt, zu überreden, seine Schwester zu ermorden. Doch der Doktor macht nicht mit und erzählt Lord Ballindine davon. Frank, Mr. Armstrong, Martin Kelly und Dr. Colligan suchen Barry auf und treiben ihm mit der Drohung einer Mordanklage aus dem Land.

Erst jetzt kann Mr. Armstrong nach Grey Abbey reisen. Lord Cashel nutzt die Gelegenheit, ihn in seiner Bibliothek mit einer Ansprache zu empfangen. Natürlich darf Lord Ballindine jetzt Fanny heiraten; die glanzvolle Hochzeit der Nichte soll den Ruin des Sohnes vergessen machen. Beim Dinner ist Mr. Armstrong entsetzt von seinen Kollegen Mr. O'Joscelyn, der alle Papisten für Teufel hält und enttäuscht ist, daß mit O’Connell nicht auch einige katholische Geistliche verurteilt wurden! Mr. Armstrong wartet nicht auf Franks Eintreffen, sondern reist so schnell wie möglich ab. – Frank kann gegen Lord Cashel durchsetzen, daß Fannys Geld nicht fest angelegt, sondern zur Entschuldung und Wiederherstellung des Familienbesitzes verwendet wird. Brien Boru gewinnt das Derby. Martin heiratet Anty. Trotz verständlicher Vorbehalte ziehen sie in das große, von Sam Lynch erbaute Haus.

La Vendée (1850)

De Lescure, Henri de Larochejaquelin und Adolphe Denot, drei junge Männer aus dem Poitou, hören in Paris vom Sturm auf die Tuilerien und beschließen, die Stadt zu verlassen. – Ein halbes Jahr später wiedersetzt sich in St. Florent der Stallknecht Peter Berrier seiner Einberufung zum Militär. Die Hinrichtung des Königs und die Vertreibung der Priester, die sich geweigert hatten, den Eid auf die neue Verfassung zu leisten, haben die Bewohner der kleinen Stadt gegen die Regierung aufgebracht. Sie umringen Berrier, als ihn die Soldaten abführen wollen. Es kommt zu einem blutigen Kampf, in dem die Bürger siegen. Dank der Tapferkeit und des Geschicks des Postillions Cathelineau erbeuten sie eine Kanone.

Cathelineau begibt sich zum Château Durbellière, dem Familiensitz der Larochejaquelins, um Rat und Hilfe einzuholen. Der Marquis de Larochejaquelin, Henris Vater, ist alt und gebrechlich. Henris schöne Schwester Agatha fürchtet, daß ihr Adolphe Denot einen Antrag macht und holt sich bei der klugen Marie de Lescure Rat. – Man beschließt, in der ganzen Provinz Männer zu sammeln und einen Angriff auf das stark befestigte Saumur zu wagen. Am Tag vor dem Abmarsch nach Saumur wird Denot von Agatha de Larochejaquelin abgewiesen. Sie kann sich nur mit Mühe des krankhaft-aufdringlichen Mannes erwehren. – Die Belagerung von Saumur ist schwierig. Den royalistischen Bauern und Kleinstädtern mangelt es an Disziplin. Henri de Larochejaquelin trägt immer ein rotes Halstuch. Damit er so nicht zur Zielscheibe wird, folgen seine tapfersten Gefährten darin seinem Beispiel. Die Männer um le Mouchoir Rouge durchqueren die Loire und entscheiden in ihren durchnäßten Kleidern den Kampf. – Die Bürger von Saumur stellen verwundert fest, daß die Royalisten, wenn sie etwas Tabak kaufen, im Gegensatz zu den Regierungssoldaten nicht darauf bestehen, daß die Assignaten zum nominellen Wert als Bezahlung akzeptiert werden. Die Gefangenen werden kahlgeschoren. Sie sollen kenntlich sein, wenn sie zum zweiten Mal in Gefangenschaft geraten. Dann läßt man sie laufen – Bei einem Kriegsrat wird der populäre Cathelineau zum Anführer gewählt. Er bringt die anderen von dem Plan eines Marsches auf Paris ab. Die Bauern würden nicht für längere Zeit ihre Felder verlassen. Adolphe Denot ist eifersüchtig auf Cathelineau. Als ihn Henri freundschaftlich anspricht, faucht er zurück: Cathelineau wird sicher bald um die Hand seiner Schwester anhalten! Danach ist Denot verschwunden. – Cathelineau wird bei der Belagerung von Nantes tödlich verwundet. Agatha de Larochejaquelin pflegt ihn in seinen letzten Stunden im Hospital von St. Laurent. (Nach den schon 1816 in englischer Übersetzung erschienenen Memoiren der Marquise de Larochejaquelein [Trollope hat das letzte e in ihren Namen weggelassen] war Cathelineau, le saint de l'Anjou, ein fahrender Wollhändler.)

Im Haus des Bürgermeisters von Angers essen und trinken die Kommissare der Republik. General Bourbotte nennt Cathelineau tapfer: Wenigstens fiel er in der Schlacht und muß nicht auf der Guillotine sterben. Dafür wird er von Westermann zurechtgewiesen. Doch Santerre, ein ehemaliger Brauer aus einer Pariser Vorstadt, verteidigt ihn. Bourbotte fragt, gegen wen sie den kämpfen sollen, wenn die Royalisten auseinanderlaufen. „>Keine Angst,<, sagt Westermann, >ihre Musketen werden schon keinen Rost ansetzen. Wir werden von Dorf zu Dorf gehen und nichts als Leichen und verbrannte Häuser hinter uns lassen.< >Sie werden nicht Soldaten die Arbeit von Henkern tun lassen?< >Ich erwarte, daß die Soldaten die Arbeit des Konvents machen.<“ (Kap. II/6) – Santerre wird herausgerufen, jemand wolle ihn in Angelegenheiten der Republik sprechen. Es ist Adolphe Denot. Er will die Pläne und Stützpunkte der Generäle der Vendéer verraten. Als einzigen Lohn will er das Leben der Schwester eines dieser Anführer retten.

Nach einem Scharmützel, in dem die Royalisten den Truppen der Republik einige Verluste zufügten, besetzt Westermann Clisson, das Anwesen de Lescures. De Lescure, seine Frau, seine Schwester Marie und Henry de Larochejaquelin, der dort zu Gast ist, können jedoch entkommen. Clisson wird niedergebrannt. Santerre besetzt Durbellière. Doch selbst ihm, der die Soldaten kommandierte, die die Hinrichtung des Königs militärisch absicherten, ist es peinlich, wie Adolphe Denot seinen Lohn fordert. Er schützt Agatha vor Denot, ist höflich zum alten Marquis, er zeigt Schwäche – und fällt am nächsten Morgen in die Hände der aus der Umgebung herbeigeströmten royalistischen Bauern. Sie lassen Santerre ziehen (er wird die Schreckenszeit überleben), doch den Verräter Denot wollen sie hängen. Erst eine Rede von Agatha, die dabei noch schöner und überirdischer erscheint als sonst, sorgt dafür, daß der Wahnsinnige nicht hingerichtet wird.

Am Anfang des dritten Buches zeigt der Autor Robespierre in seiner bescheidenen Kammer im Haus des Möbeltischlers Duplay. Er will ihn nicht weißwaschen, aber er lobt seinen Fleiß, seinen Mut, seine Beständigkeit, seine Selbstlosigkeit, seinen Patriotismus. „Er scheint fast in die Welt gesandt zu sein, um zu beweisen, daß es menschlicher Vernunft unmöglich ist, das Glück der Menschheit zu bewirken.“ Eleanor Duplay, die Tochter seines Wirtes, bringt ihm abends Licht und bittet um das Leben der Frauen und Kinder der Bauern in der Vendée. Robespierre antwortet: „>In der christlichen Religion wird erklärt, daß die Sünden der Väter in der dritten oder vierten Generation gestraft werden. Die Priester, die dieses Gesetze gemacht und als Gottes eigene Worte ihren Herden gereicht haben, hatten die menschliche Natur genau studiert. Ich glaube nicht, daß es einem allmächtigen Schöpfer geruhte, diese Worte mit seinen eigenen Finger in den Stein zu gravieren, wie es die Priester vortäuschten, aber das Gesetz ist trotzdem wahr.<“ Dann fragt er Eleanor, wer ihr eingegeben hat, mit ihm darüber zu reden. Das Mädchen ist furchtbar erschrocken… Später besuchen ihn seine engsten Freunde, Lebas, St. Just und Couton. Der morgige Prozeß gegen die Königin (dessen Ausgang sicher ist) wird besprochen, und so kann Trollope auch eine Charakteristik von Marie Antoinette geben.

Der Krieg mit all seinen Schrecken erreicht die Vendée. Durbellière wird geräumt, der greise Marquis verabschiedet sich mit gebrochenen Herzen von seinen geliebten Kirschbäumen. Achtzigtausend Menschen, Männer, Frauen und Kinder, flüchten über die Loire. Vom bretonischen Ufer aus sehen sie das brennende St. Florent. – Cathelineaus Mutter will nicht fliehen. Als Agatha de Larochejaquelin sie aufsucht, beklagt sie den sinnlosen Tod ihres Sohnes: Was wäre denn, wenn er Erfolg gehabt hätte? Hätten ihn dann seine vornehmen Freunde in ihren Kreisen akzeptiert? Agatha kann ihr nur gestehen, daß sie ihn liebte.

In der Bretagne kämpft eine Gruppe, die sich Le Petit Vendée nennt, gegen die Republik. Es sind furchterregende Gestalten mit langem strohblondem Haar. Sie machen keine Gefangenen. Keiner kennt den Namen ihres Anführers. Er soll aus der Vendée stammen. Man nennt ihn den irren Hauptmann. Henry de Larochejaquelin bekommt bald heraus, daß es sich um keinen anderen als Adolphe Denot handelt. Denot fühlt sich immer noch ungerecht behandelt und weiß zugleich, daß er mit seinem Verrat größere Schuld auf sich geladen hat. – Von einen Fenster in ihrer Unterkunft in Laval beobachten der schwerverwundete de Lescure, der alte Marquis und die Frauen den Auszug der vereinten Kräfte aus der Vendée und der Bretagne. Kalte Morgenluft strömt durch das weit geöffnete Fenster. Dann schier unendliche zwei Stunden des Wartens. Dann kommen die Soldaten der Republik in ihren blauen Uniformen in die Stadt! De Lescure sieht es als Erster: Sie sind in die Falle gelaufen! Die Royalisten umzingeln sie. Die Blauen werden von tödlicher Angst gepackt und selbst mit Äxten geschlachtet! Bei der Verfolgung der Blauen fällt Denot. – Nach diesem Sieg heiratet Henri de Larochejaquelin Marie de Lescure. Doch im Epilog, der 1815, nach der Wiederherstellung der Herrschaft der Bourbonen spielt, erfahren wir, daß de Lescure wenig später seinen Wunden erlag und auch Henri de Larochejaquelin bald fiel. Und jetzt, fünfunddreißig Jahre nach dem Epilog, ist Frankreich wieder Republik!

The Noble Jilt

Margaret De Wynter löst die Verlobung mit Count Upsel, den gutaussehenden, reichen, gebildeten Mann, den sie liebt und der sie liebt: „Ja, er hat alles studiert, er hat gelernt alle weltlichen Güter zu verachten. Nichts scheint ihm wert, zu kämpfen. O, wenn er wie ich fühlen könnte (…). Er wäre der Erste, den Arm für die flämische Freiheit und die Sicherheit seines Landes zu erheben. Er würde die Vorhut anführen. Aber während andere ihren Namen mit Ruhm bekleiden, liegt er unbeteiligt auf seinem Rasen in Lindenbrock, nicht faul, aber gleichgültig. / (Ihr Vater:) Als der junge Steinmark vor dir kniete, der nun die rührigen Männer von Brügge führt, konnte er mit seinen aktiven, energiegeladenen Geist nicht deine Liebe erringen. Du hast einen Gelehrten gewählt und bist nun verärgert, weil er sich nicht augenblicklich von seinen Büchern erhebt. / Ich verehre sehr den Geist, den Steinmark zeigt, aber ich liebe den Mann nicht. / Damit ist alles gesagt. / Nicht alles. Liebe ist nicht alles. Liebe ist nicht genug, um das Herz einer Frau zu füllen.“ (I 1) Steinmark ist über ihren Sinneswandel verwundert und kann ihn nicht ganz glauben (III 3), dann muß alles ganz schnell gehen. Aber er will nicht in die Kirche, hält heiraten für veraltet und Margaret ist entsetzt: „In was für eine tiefe Finsternis bin ich gefallen! Er will mich als seine Hure haben!“ (IV 1) Reuevoll wendet sich Margaret De Wynter wieder Count Upsel zu.

In der Nebenhandlung wird die Witwe Madame Brudo von Van Hoppen, dem Bürgermeister von Brügge, und Steinmarks Offizier Belleroach umworben. Madame Brudos verstorbener Gatte war mit Geschäften mit den Österreichern reich geworden, sie träumt von Wien. Belleroach muß sich deshalb als österreichischer Agent ausgeben. Aber auch Van Hoppen hat bereits heimlich die Seiten gewechselt. Es gibt eine komisch-erotische Szene, in der Madame Brudo mit den österreichischen Paß ihres Mannes den verkleideten Belleroach an den Wachen vorbeibringen soll. Doch die Wachen erkennen an seinen Zähnen, daß sie keinesfalls einen Greis vor sich haben, und sperren beide bis zur Untersuchung am nächsten Tag in eine Zelle. Danach muß sie ihn natürlich heiraten.

Post-Missionen – Surveyor in Irland – Erfolge (1851 –1859)

1840 war nach einem Plan von Rowland Hill die penny post eingeführt worden: Alle Briefe bis zu einem bestimmten Gewicht wurden im Vereinigten Königreich für den Einheitspreis von einem Penny, der im voraus zu zahlen war, befördert. Die zu Anfang als Portoquittung genutzten vorbedruckten Umschläge wurden schon bald von den ersten Briefmarken abgelöst. Die Anzahl der beförderten Briefe vervielfachte sich. Trollope wurde 1851 nach Südwestengland geschickt, um die Briefzustellung auf dem Land neu zu organisieren. Zuvor war alles ganz willkürlich, große Herren machten ihren Einfluß geltend, damit ihre Anwesen bevorzugt beliefert wurden. Jetzt prüfte Trollope die Route jedes einzelnen Landbriefträgers nach der Maßgabe, daß jeder sechzehn Meilen am Tag zurückzulegen hat. Er fragte, wann der Briefträger kommt, und entdeckte Abkürzungen. In den zwei Jahren, die Trollope unterwegs war, besuchte er jeden einzelnen Ort in seinem Bezirk. In dieser Zeit lebte seine Familie in Exeter, Bristol, Carmarthen, Cheltenham und Worchester. – In den Archiven der Post haben sich Briefe erhalten, in denen Trollope die Aufstellung von Briefkästen auf den Kanalinseln empfiehlt. Das waren die ersten Briefkästen der Royal Mail!

Im Mai 1852 entwarf Trollope in Salisbury die Geschichte, die er in seinem ersten erfolgreichen Roman, The Warden, erzählt. Mit der Niederschrift begann er allerdings erst ein Jahr später. Von 19. April bis Ende Mai 1853 besuchte Trollope im Urlaub mit seiner Frau und Tilley das erste Mal seinen Bruder und seine Mutter in Italien. Zu der großen englischen Gemeinde in Florenz, die Trollope im Haus seines Bruders (der „Villino Trollope“) traf, gehörten die Dichter Walter Landor, Robert Browning und Elizabeth Barrett Browning sowie Charles Lever, der die Sinekure eines Vizekonsuls in La Spezia bekommen hatte. Rose war über die gute Aufnahme glücklich, die sie von ihrer Schwiegermutter erfuhr. Frances Trollope gab ihr eine Mosaikbrosche, die sie in Wien von der Fürstin Metternich erhalten hatte.

Rose‘ Vater hatte sich zum Jahresende 52 nach siebenundzwanzig Jahren als Bankdirektor zurückgezogen. Sein Nachfolger entdeckte eine Differenz von 4000 Pfund in den Büchern. Mr. Heseltine weigerte sich, aus Torquay nach Rotherham zu kommen, um Rechenschaft abzulegen. Im Februar 1855 flüchtete er nach Le Havre, wo er am 15. September 55 starb. (Vermutlich hatte er mit Eisenbahnaktien spekuliert, als Bankdirektor saß er auch im Direktorium einer Eisenbahngesellschaft. Mrs. Heseltine, die für zwei kleine Söhne zu Sorgen hatte, bekam natürlich keine Witwenpension! Über all das findet sich in Trollopes Korrespondenz kein Wort.) – Trollope wurde 1854 Surveyor of the Northern District of Irland. Nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte, seinen nördlichen Distrikt vom Süden aus zu verwalten, zog er im Juni 55 von Belfast nach Dublin. „Im ganzen ziehe ich papistische Tendenzen presbyterianischen vor.“ (Brief an T.T. Walton, Postmaster von Bristol, vom 23.11.54) – Im Juli 55 wurde Trollope vier Tage von einem Parlamentsausschuß als Sachverständiger in Sachen irischer Post befragt. Er wies nach, daß Eisenbahnen nicht immer billiger und schneller als Postkutschen sind. Hinter den Petitionen, die ihre verstärkte Nutzung fordern, stehen die Eisenbahngesellschaften!

Joseph Cauvin schrieb dem Verleger Longman, der ihn beauftragt hatte, das Manuskript von The Warden zu prüfen: „Die Story nimmt ihren Ausgang von den gegenwärtigen Angriffen auf Kathedral- und Hospital-Stiftungen. Kein sehr vielversprechendes Subjekt, möchte man meinen. Aber dem Autor gelingt es, daraus eine sehr interessante und amüsante Geschichte zu machen. (…) Ein eifriger Reformer kirchlicher Mißstände liebt die jüngere Tochter des Spitalvorstehers. In seinem inneren Konflikt zwischen Liebe und Pflicht liegt das Hauptinteresse der Geschichte. Wie sie ausgeht, will ich nicht verraten, dann ich hoffe, Sie lesen sie selbst.“ (13. 10. 54)

Trollopes Essay The New Zealander entsetzte Cauvin: „Die Absicht des Buches ist zu zeigen, wie England von drohenden Ruin bewahrt werden kann! Und wie die Verwirklichung von Macaulays famoser Prophezeiung vom >Neuseeländer, der auf den Ruinen der London Bridge steht< in die fernste Zukunft verschoben werden kann. In dieser Absicht geht der Autor alle Einflüsse und Institutionen des Staates durch und schüttet die Fläschchen seines Zornes über sie aus. Er tut das in so lockerer, unlogischer und rhapsodischer Weise, das ich Ihnen zu meinem Bedauern raten muß, das Buch unter keinen Umständen zu veröffentlichen. Alle guten Punkte in dem Werk wurden bereits in Carlyles Letter Day Pamphlets, von denen das Buch, im Stil und der Sache, eine schwache Imitation ist, behandelt.“ (2. 4. 55) Das Manuskript wurde zurückgeschickt. (Erst 1972 wurde The New Zealander von N. John Hall herausgegeben. Es fehlen die Kapitel Trade und The Civil Service, die Trollope vermutlich dem Manuskript entnahm, um sie für andere Texte zu verwenden. Aufgrund der Erwähnung von Ereignissen bis Februar 1856 nimmt Hall an, daß Trollope das Manuskript überarbeitete, nachdem es von Longman zurückgeschickt wurde. Möglich ist auch, daß Sadleir versehentlich 1855 statt 1856 schrieb, als er Trollopes Anschreiben vom 27. März und Cauvins Gutachten in Longmans Verlagsarchiv kopierte. Das Archiv wurde am 29. 12. 1940 bei einem Brand nach einem Bombenangriff zerstört.)

Über Barchester Towers schrieb Cauvin an Longman: „Als Ganzes ist das Werk The Warden, von dem es eine Fortsetzung ist, unterlegen. (…) Handlung gibt‘s keine (…). Der große Mangel der Arbeit ist die Niedrigkeit und Vulgarität der Hauptgestalten. Es gibt kaum eine Lady oder einen Gentleman unter ihnen. So einen Bischof und Frau wie Dr. und Mrs. Proudie sind in unserer Zeit sicher nicht vorgekommen, und Dr. Stanhopes schöne Tochter, die sich von ihren Ehemann – einem italienischen Rohling, der sie für ihr Leben verkrüppelte, – getrennt hat, ist ein abstoßender, übertriebener und unnatürlicher Charakter. Der Fortschritt der Erzählung hängt zum großen Teil von dieser Frau ab, deren schönes Antlitz ein trauriges Chaos zwischen den tugendhaften Gefühlen der Geistlichen und anderer, die mit ihr in Berührung kommen, anrichtet. Dieser Charakter ist ein großer Makel. Aber beim Notieren dieser Fehler bin ich doch weit davon entfernt, zu sagen, daß der Roman uninteressant ist. Im Gegenteil, es ist eine fatale Fertigkeit in der Ausführung, die einen meinen läßt, der Autor spielt mit seinem Leser.“ (8. 12. 56) Trollope mußte einige kleine Änderungen an seinem Manuskript vornehmen. Barchester Towers war ein sofortiger Erfolg. Allein Mudie’s Libary kaufte 250 Exemplare. – Am 15. 7. 57 schrieb Trollope Longman: „Ich habe einen Roman in drei Bänden fast fertig (…). Ich würde gerne wissen, ob sie zu Weihnachten einen Roman in einem Band veröffentlichen würden, genannt The Struggles of Brown, Jones, and Robinson; by One of the Firm. Er soll das gegenwärtige System der Werbung anklagen, aber natürlich in Gestalt einer Geschichte. Verlagswerbung wird darin nicht behandelt.“ Longman lehnte das Projekt ab. Den dreibändigen Roman (The Three Clerks) wollte der Verleger dagegen haben, aber er konnte sich nicht mit dem Autor über das Honorar einigen. Trollope wollte eine fixe Summe, während der Verleger ihm nur einen Anteil am Erlös zugestehen wollte. – Ab 1858 (Doctor Thorne) veröffentlichte der Leipziger Verleger Bernhard Tauchnitz Trollopes Romane und Reisebücher in englischer Sprache für den Vertrieb auf den Kontinent. Lew Tolstoi besaß elf Trollopes. Am 2. Oktober 1865 schrieb er zu The Bertrams „Trollope killt mich mit seiner Virtuosität“. Vielleicht weckte die Ölberg-Episode falsche Erwartungen, schon am nächsten Tag heißt es im Tagebuch: „Trollope beendet. Zu konventionell.“ (Im Januar 1877, als er Anna Karenina abschloss, nannte er in einen Brief an seinen Bruder The Prime Minister „großartig“.)

Am 5. 2. 56 schreibt Trollope an den Herausgeber des Athenaeums, mit der Bitte eine Kritik von Dickens Little Dorit zu veröffentlichen. Die Kritik wurde nicht gedruckt, was sie vermutlich enthielt, können wir in John Caldigate lesen: „Die populäre Zeitung, das populäre Parlamentsmitglied, der populäre Romanautor – der Name Charles Dickens und sein Circumlocution office wird jedem sofort einfallen – haben viele Leute, ja haben das Publikum insgesamt davon überzeugt, daß der normale Government clerk seiner Arbeit gleichgültig gegenübersteht. Kein größerer Irrtum wurde jemals gemacht und zeigt mehr Unkenntnis der menschlichen Natur.“ (Kap. 48) – Im Februar 1858 verhandelte Trollope in Ägypten mit Nubar Bey wegen der Beschleunigung des Postweges nach Indien auf dem Abschnitt zwischen Suez und Alexandria. Hier sind Schreiben an Frederic Hill, Assistent Secretary of the Post Office, und schließlich an dessen Bruder Rowland Hill, Secretary of the Post Office, erhalten. Im März machte er einen zehntägigen Abstecher ins Heilige Land, im April inspizierte er das Post Office in Malta. Über Spanien reiste er zurück. Von November bis Juli 1859 war Trollope in Westindien. Als Ergebnis dieser Reise wurde Jamaika statt St. Thomas zum Hauptumschlagplatz der Post. Auf der Rückreise besuchte er New York und die Niagarafälle. – Auch auf Reisen schrieb Trollope pausenlos, aus Kingston, Jamaika, sandte er z.B. seinem Verleger Chapman am 11. 1. 59 die ersten Teile von The Bertrams. Zugleich verfaßte er seine erste Reisebeschreibung.

The Warden (1855)

Rev. Septimus Harding ist Kantor der Kathedrale zu Barchester. Dieses Amt ist mit der Verwaltung des Hiramspitals verbunden. Der 1434 verstorbene Wollhändler John Hiram hatte testamentarisch sein Vermögen für die Errichtung und den Unterhalt eines Heimes für zwölf alte Wollkämmer gestiftet. Die Erträge der von John Hiram hinterlassenen Wiesen und Äcker stiegen im Laufe der Zeit, so daß das Hiramshospital eine Pfründe wurde, die ihrem Inhaber achthundert Pfund im Jahr einbringt. Einen großen Teil davon verwandte Septimus Harding auf die Veröffentlichung von Harding's Church Music. Er versieht gewissenhaft seine Ämter, liebt die Spitalbewohner und genießt arglos seinen Wohlstand – bis sich der junge Arzt Mr. John Bold zum Ärger der alteingesessenen Kollegen in Barchester niederläßt. Da er kaum zahlende Patienten hat, behandelt er die Armen. Er kann es sich leisten, sich um die Behebung der Mißstände der Welt zu kümmern, sein Vater hat ihm ein Vermögen hinterlassen. Dabei wird er darauf aufmerksam, daß der weitaus größte Teil der Erträge aus John Hirams Stiftung dem Vorsteher und nur ein kleiner Teil den Spitalbewohnern zukommt. Mr. Bold bringt das mit Hilfe seines Freundes Tom Towers in die allmächtige Zeitung, den Jupiter, und weckt ungewollt die Gier der alten Leute, die davon träumen, daß jeder von ihnen jährlich die unvorstellbare Summe von hundert Pfund bekommt! Mr. Hardings Schwiegersohn, Erzdiakon Dr. Grantly, der Sohn des Bischofs, der schon lange für seinen greisen Vater die Diözese verwaltet, nimmt den Kampf auf.

Aber John Bold liebt Mr. Hardings jüngere Tochter Eleanor und will deshalb die Angriffe auf ihren Vater stoppen. Er traut sich nicht in den Olymp der modernen Welt, die Redaktion des Jupiter, sondern besucht Tom Towers in seinen Privaträumen. In dem Zimmer, wo er arbeitete, sind alle Wände mit Büchern bedeckt. „Daneben enthielt es nur zwei Kunstwerke, eine Büste von Sir Robert Peel, von Hiram Powers (…) und die eigenartig langgezogene Gestalt einer Betenden, von Millais. Das Bild hing nicht wie üblich an der Wand, dafür gab es keinen freien Platz, sondern hatte ein eigenes Pult, und hier stand die fromme Dame auf ihren Sockel, gerahmt und unter Glas und blickte hingebungsvoll auf eine Lilie, wie noch keine Lady zuvor geblickt hatte. Unsere modernen Künstler, die wir Präraffaeliten nennen, erfreuen sich daran, nicht nur zu der Perfektion und der besonderen Art der der frühen Maler Maler zurückzukehren, sondern auch zu ihren Themen. (…) Aber sie haben damit kein Glück. Das geduldige Aushalten des heiligen Sebastian, die wilde Ekstase des heiligen Johannes in der Wüste, die mütterliche Liebe der Jungfrau sind Gefühle, die durch eine bestimmte Haltung natürlich dargestellt werden, aber die Dame mit dem steifen Rücken und den gekrümmten Hals, die nicht aufhört, Stunde um Stunde, auf ihre Blume zu schauen, gibt uns eine Idee des Schmerzes ohne Gnade und der Versunkenheit ohne Grund.“ (Kap. 14 – Trollope hat hier irrtümlich Charles Allston Collins‘ Convent Thoughts Millais zugeschrieben.) – John Bold bittet seinen Freund, die Angriffe auf Mr. Harding einzustellen. Doch die Sache läßt sich nicht mehr aufhalten. Tom Towers zeigt ihm zwei reißerische Artikel: Dr. Pessimist Anticant (eine Karikatur des Essayisten Thomas Carlyle) benutzt das Hiramshospital als Beispiel für die Menschlichkeit des Mittelalters und die Finsternis der Gegenwart. Mr. Popular Sentiment (Charles Dickens) malt in seiner Zeitschrift Das Armenhaus herzerweichende Bilder vom angeblichen Elend der betrogenen Spitalbewohner.

Septimus Harding will nicht mit irgendwelchen Advokatentricks verteidigt werden. Nicht ohne Mühe entwischt er dem Erzdiakon, um in London zu dem von ihm beauftragten Anwalt zu gehen. Er erfährt in dessen Räumen, daß Sir Abraham Haphazard im Parlament ist. Im Unterhaus wird um ein hundertsechs Artikel langes Gesetz gestritten: Es geht um Leibesvisitationen bei Nonnen, die jesuitischer Umtriebe verdächtig sind! Sir Abraham hat erst um zehn Uhr abends Zeit. Mr. Harding traut sich nicht, so lange in seinem Hotel zu bleiben. Er hat Angst vor seinem Schwiegersohn. Zuerst besucht er Westminster Abbey und zahlt 2p Eintritt, da noch kein Gottesdienst ist. Er bleibt dort, bis ihn der Hunger hinaustreibt. Nach einem Essen in einem nicht ganz sauberen dinner-house sucht er Ruhe in einem cigar divan. Für einen Schilling erhält er eine Zigarre und einen Kaffee und wird die Treppe herauf in einem Raum voller Sofas, Bücher und Zeitungen geführt. Die Zigarre gibt er der Bedienung, er raucht ja nicht. Trotz des Tabakgestanks döst er ganz angenehm, bis er abends Sir Abraham aufsucht und seinen Rücktritt erklärt. – Am Ende heiratet John Bold Eleanor.

The New Zealander

„Wenn die Arbeit immer richtig angeordnet würde, würde sie auch richtig getan werden. Wenn die Arbeit immer richtig getan würde, wäre es das Ende von Verbrechen und Armut und der großen Unwissenheit, die die Schande der Mehrzahl von uns Engländern ist. (…) Arbeit ist die große Notwendigkeit unserer Leben.“ (13f) Warum wird die Arbeit nicht richtig organisiert? Weil andere Dinge die Menschen bestimmten. „Der Umschwung im Gefühl des Volkes auf den Niedergang der Puritaner machte eine vergnügungssüchtige Aristokratie populär.“ (16) Das ist jetzt überwunden. Aber: „Die größten Autoren, wenn sie vom Ehrgeiz sprechen, sprechen von ihm als eine große Sünde. >Die letzte Schwäche nobler Geister< ist Miltons Auffassung vom Ehrgeiz, und Shakespeare erzählt uns vom >bockenden Ehrgeiz, der sich selbst überspringt< (…). Angesichts so schwerwiegender Argumente, wie sollte da ein armer Essayist zu sagen wagen, daß der Ehrgeiz (…) zu den menschlichen Tugenden gezählt werden sollte? Ist es nicht der Ehrgeiz, der die nobelsten Männer dazu treibt >den Freuden zu zürnen und arbeitsreiche Tage zu leben<?“ (18) – „Alle Arbeit die verhaßt ist, auf die der Arbeiter nicht stolz sein kann, ist entwürdigend, aber alle Arbeit die er liebt, hilft seinen Intellekt zu wecken.“ (21) „Weil Amüsement verführerisch ist, sollte deshalb Arbeit so wenig verführerisch wie möglich sein? Es scheint so, als hätte die Welt einem Arrangement zugestimmt, nach dem Arbeit und Amüsement Gegensetze sind. (…) Das ist nicht notwendigerweise so. Arbeit produziert Erschöpfung, aber das kann man auch von jedem Sport sagen.“ (23) – „Wir sind stolz auf das Metall und die Hüttenwerke in Cornwall, Glamorganshire und Monmouthshire. Wir sind stolz auf die Kohlenminen in Durham und Yorkshire. Aber kein Engländer kann stolz darauf sein, wie die Menschen, die dort arbeiten, leben. Laßt ihn, der es sehen möchte, in die fremden und monströsen Dörfer eindringen, die in den letzten Jahren in den Bergen von Glamorganshire entstanden sind, und eine Weile mit den staubigen Bewohnern die unter Tage arbeiten reden. Er würde kaum denken, daß britische Energie gut geführt und gut entlohnt ist. Sichem und Salem, Sion und Ebenezer sind dort. Die Dissenter verwenden viel Energie darauf, Kapellen zu bauen und Prediger zu finden. Sion und Ebenezer ist es nicht gelungen, mit der Anziehungskraft des Gins zu konkurrieren.“ (26f) – „Blicken wir nach Irland: Wie wurden vor sieben kurzen Jahren die Landarbeiter behandelt? Sie wurden Abschaum der Erde, Bodensatz der Menschheit, >Filzläuse< der Schöpfung genannt. Sie waren überflüssige Bevölkerung, lästige Arme, der Fluch des Landes. Die Arbeit ihrer Hände war nicht das Brot, das sie aßen wert. Brot! es war nicht die vier Pfund Maismehl, für ein Penny das Pfund, wert, die nach einer genauen ökonomischen Berechnung reichen würden, die skelettierten Körper und die Seelen von Vater, Mutter und ihren Kindern zusammenzuhalten.“ (29)

Zur schlechten Organisation der Arbeit gehört, daß die öffentliche Meinung, d.h. die Times, jedes Engagement verdirbt. Das ist der Inhalt des langen Kapitels The Press, das zieht sich aber auch durch andere Teile des Buches. Der Duke of Newcastle, Kriegsminister zu Anfang des Krimkrieges, konnte nicht die jahrzehntelange Vernachlässigung der Armee mit einen Mal korrigieren, eine Vernachlässigung, die auch durch reißerische Zeitungskommentare, die jede Ausgabe als Verschwendung geißelten, mitverursacht wurde. „Es ist ein Glück für uns wie für Lord Palmerston, daß er nicht zu Beginn des Krieges Kriegsminister wurde, wie es die Leute verlangten. Er würde dasselbe Schicksal wie sein Kollege erlitten haben. Man würde ihn inkompetent genannt haben. Und wer wäre dann unser Premier? Sehr wahrscheinlich der Duke of Newcastle!“ (83) – Zwischen den Kapiteln über die Presse und die Armee behandelt Trollope Law and Physic. Nach dem Bedauern darüber, daß das englische Recht nicht neu geordnete wurde (wie das französische Recht durch den Code Napoleon), die Klage über Anwälte, die Zeugen einschüchtern und so die Verurteilung von Verbrechern verhindern. – Die englischen Doktoren und ihre Kunst leiden unter Mesmerianern, Spiritualisten und ähnlichen Schwindlern.

„Was sollen wir am Tag des Herrn tun? Das Lob des Herrn singen, sagt Mr. Everscreech. (…) Aber ist obligatorische Langeweile und ein leerer Verstand tröstlich? Sind lange, nichts meinende, bedeutungslose Stunden tröstlich, krampfhafte Gebete oder erfolglose Bemühungen, seine Hingabe zu verlängerten? (…) Die Eitelkeit weltlicher Dinge und sinnlicher Vergnügen wird von Mr. Everscreech in langen Diskursen bewiesen. Keiner von seinen Hörern bezweifelt deren Wahrheit, aber niemand versucht, sein Leben danach einzurichten. Wenn diese Worte wahr sind, warum richten sie dann nichts aus? Sie sind nicht wahr. Wohlstand und Vergnügen und materielle Dinge sind nicht nutzlos; und es ist ohne Effekt zu Guten, aber mit viel Effekt zum Schlechten, daß du, Mr. Everscreech, und so viele andere so eine falsche Doktrin verbreiten.“ (92f) – Auf das Kapitel über The Church folgt The House of Commons. Dort findet Trollope die Unehrlichkeit in der Scheinhaftigkeit. Da wird. über öffentliche Gelder für den Bau einer Brücke in Limehouse diskutiert, da werden Sachverständige dazu gehört, ohne daß sich auch nur ein Abgeordneter von seiner schon vorher feststehenden Meinung abbringen läßt.

Im Kapitel Society rät der Autor: „Gebt jedem Gast ein großes Glas Bier, und wir würden uns in Bayern wähnen. Gebt den jungen Leuten ein bißchen mehr Leben, ein wenig gute Musik, und wir können trotz der Arroganz von Mrs. Howl hoffen, wenn die Gastgeberin weniger ambitiös ist und die Fröhlichkeit von Mrs. Sharp weniger affektiert wäre, daß man sich dann wirklich wie in Bayern fühlt.“ (166) – In Literature klagt Trollope über die auf den Bahnhöfen verkauften schlechten Bücher; in dem Kapitel Art, daß Menschen, die mit den Stones of Venice (eine Anspielung auf Ruskins berühmtes Buch) vertraut sind, Hatfield, Longleat und Montacute nicht kennen.

Barchester Towers (1857)

Der Bischof von Barchester liegt im Sterben, während die konservative Regierung einem liberalen Regiment weichen muß. Erzdiakon Dr. Grantly hofft, daß die alte Regierung seinen Vater überlebt und ihn zu dessen Nachfolger macht. Zugleich schämt er sich, daß er den Tod seines Vaters herbeiwünscht! – Als der Bischof trotz der Bemühungen des aus London herbeigerufen Arztes Sir Omicron Pie endlich sanft entschlafen ist, setzt Dr. Grantly unter den Namen seines Schwiegervaters Rev. Septimus Harding ein Telegramm auf, das dieser auch gleich zum Telegrafenbüro an der Eisenbahnstation bringen muß. Doch der scheidende Premierminister leitet es, with compliments, an seinen Nachfolger weiter. Und so wird Dr. Proudie neuer Bischof von Barchester.

Dr. Proudie zieht mit seiner Frau, den Kaplan Slope und seinen Töchtern in den Bischofspalast ein. Sofort beginnen sie mit Neuerungen. Geistliche, die sich von Hilfsgeistlichen vertreten ließen um im Ausland ihre Pfründen zu genießen, werden zurückgerufen. So muß auch Dr. Stanhope mit seiner Familie vom Gardasee in die Domstadt zurückkehren. – Gegen Mr. Slope holt sich Erzdiakon Dr. Grantly in Gestalt des Gelehrten Dr. Arabin Verstärkung. In Oxford hatte Arabin zu Füßen des großen Newman gesessen. Als sein Prophet zum Katholizismus übertrat, wollte er ihm jedoch nicht folgen.

Mrs. Proudie richtete den Bischofspalast neu ein. Aus Sparsamkeit (die Einkünfte des Bischofs wurden von den Ecclesiastical Commissioners beschnitten) verzichtet sie auf Kerzen und läßt in jedem Zimmer einen riesigen Gaskandelaber mit einen Duzend Brennern aufhängen. Aber das Fest, das Mrs. Proudie gibt, wird ihr durch die Stanhopes verdorben. Dr. Stanhopes schöne Tochter Madeline hatte einen Hauptmann der päpstlichen Garde geheiratet. Sie hatte dazu wahrscheinlich keine Alternative, denn nach sechs Monaten kehrte sie mit einem Kind in das Haus ihres Vaters zurück. Ihr Mann hatte sie so zugerichtete, daß sie nicht mehr laufen kann. Aber Signora Neroni versteht es, ihr spätes Hineingetragen-werden als großen Auftritt zu inszenieren, während ihr Bruder Bertie, der schon in vielen Berufen gescheitert ist, mit seinen Reden den Bischof – der nicht weiß wen er vor sich hat – verwirrt.

Mr. Harding hofft, in sein geliebtes Spital zurückzukehren. Es wurde inzwischen reformiert, nun sind auch noch zwölf arme alte Frauen zu unterhalten und Mrs. Proudie wünscht die Einrichtung einer Sonntagsschule. Ein anderer Anwärter auf diesen Posten, der immer noch eine Pfründe ist, ist Mr. Quiverful, der mit dreizehn Kindern in größter Not lebt. Nachdem Slope die inzwischen verwitwete Mrs. Bold kennenlernt und von ihrem Vermögen hört, läßt er Quiverful fallen und setzt sich für Mr. Harding ein. Mrs. Proudie erfährt davon durch Mrs. Quiverful. Aber zugleich verfällt Slope dem Basiliskenblick der schönen Signora Neroni. – Erzdiakon Dr. Grantly will eine Verbindung seiner Schwägerin mit Mr. Slope verhindern. Dabei denkt Eleanor gar nicht daran! Sie hängt nur sehr an ihrem schwachen, sanftmütigen Vater, ist dankbar für alles, was Slope für ihn zu tun behauptet, und mag nicht, wie Dr. Grantly ihn kommandiert und schulmeistert. Berties ältere Schwester Charlotte will ihren geliebten Bruder, für dessen Schulden ihr Vater nicht mehr aufkommen will, mit Mrs. Bold verheiraten.

Das zweite große Fest des Romans findet bei den Thornes auf Ullathorn statt. Hier erhält Mrs. Bold gleich mehrere Heiratsanträge. Des ersten Bewerbers, Mr. Slope, kann sie nur durch eine Ohrfeige erwehren. Berties halbherziger Versuch ist geradezu rührend. Schließlich nähert sich ihr auch Dr. Arabin. – Mr. Slope verliert den Machtkampf mit Mrs. Proudie und muß Barchester verlassen. Die Stanhopes kehren nach Italien zurück. Zuvor half die kluge Madeline dem schüchternen Dr. Arabin bei seiner Werbung um Eleanore Bold. Als Ersatz für das Spital bietet man Mr. Harding das Amt des Deans an. Doch der fühlt sich dem nicht gewachsen, auch weil der Jupiter geschrieben hatte, daß, wenn das Amt mehr sein soll als eine Pfründe, es mit einen jungen, tatkräftigen Mann besetzt werden sollte. Und so wird Dr. Arabin der neue Dean.

The Three Clerks (1858)

Harry Norman und Alaric Tudor sind clerks beim Office of the Board of Commissioners of Regulating Weights and Measures. Harry, der jüngere Sohn eines nordenglischen Squire, mußte Oxford verlassen, weil der ältere Sohn so „extravagant“ war. Alaric wuchs im Ausland auf. Sein Vater, ein Offizier, starb schon vor Jahren. Alarics Cousin Charley arbeitet im Internal Navigation Office, das für die Binnenschiffahrt zuständig ist und im Somerset House, auf der Themseseite untergebracht ist. Während Maße und Gewichte das Glanzstück des Civil Service ist, ist „Infernal Navigation”, wie man spottet, berüchtigt. Deshalb kommt Charleys Mutter und bittet Alaric, sich um ihn zu kümmern. Mrs. Richards, Alarics und Harrys Wirtin, räumt ein Zimmer, in das Charley einzieht. – Harry hat eine Tante, Mrs. Woodward, die Witwe eines Geistlichen, die mit drei Töchtern in Surbiton Cottage, einem idyllisch am Flußufer gelegenen Haus in Hampton, lebt. Dort besucht sie Harry jedes Wochenende. Er bringt immer öfter Alaric mit, und später gelegentlich auch Charley Tudor. Sie spielen mit der vierzehnjährigen Katie, der jüngsten der Mädchen, und plaudern mit den beiden älteren. Die erste Störung dieses Paradieses gibt es, als Captain Cuttwater, ein Onkel von Mrs. Woodward, in Surbiton Cottage einzieht und Harry wie Alaric bei ihren Besuchen im Inn übernachten muß. Bei einem Ausflug nach Hampton Court flirtet Harry mit der schönen Gertrude und Alaric mit der sanften Linda.

Alaric Tudor macht Karriere. Mit einem älteren Kollegen muß er eine Mine in Cornwall überprüfen. Der Kollege ist zu dick, Alaric steigt ohne ihn hinab und schreibt allein den Bericht. Ein Bekannter, The Hon. Undecimus Scott, hatte ihn zuvor aufgesucht, mit ihm getrunken und zum Kauf von Anteilen der Mine überredet. Das hatte sicher keinen Einfluß auf seinen Bericht, aber als er die Anteile wieder verkauft, ist er dreihundert Pfund reicher. – Ein freiwerdender Posten muß neu besetzt werden. Die älteren clerks haben gegen ihre jüngeren Kollegen bei der neu eingeführten Prüfung keine Chance. Alaric läßt sich von Harry zur Teilnahme überreden und siegt. – Harry liebt Gertrude. Linda hat sich nach seinen schönen Worten im Park von Hampton Court in Alaric verliebt. Doch Gertrude weist den etwas weinerlichen Harry ab und heiratet Alaric, der jetzt sechshunder Pfund verdient und Harrys Vorgesetzter ist. Harry flüchtet ins heimische Normansgrove und kehrt erst nach Monaten wieder ins Büro zurück.

„Die ersten achtzehn Monate von Gertrudes Ehe waren nicht unglücklich, auch wenn sie, wie alle Personen beim Eintritt in die reale Welt, vieles fand, das sie enttäuschte.“ Sie wohnen in einem kleinen Haus in einem angesehenen Viertel und haben ein Kind. Alaric ist oft mit Undy Scott zusammen. Sie planen, Charley Tudor mit der reichen Miss Clementina Golightly, der Stieftochter von Undys Bruder Valentine, zu verheiraten. Alaric erklärt seinen Cousin: „>Liebe ist ein Luxus, den sich nur die Reichen oder die Armen leisten können. Wir Mittelklasse-Armen, die mit guten Kleidern auf dem Hintern, aber mit leeren Taschen geboren wurden, haben nichts damit zu tun.< >Aber du hast aus Liebe geheiratet, Alaric?< >Das war nicht sehr klug und sollte nicht als Beispiel genommen werden.< (Kap. 17) – An einem Morgen geht Charley Tudor in aller Frühe wie schon oft zu dem Geldverleiher Mr. Jabesh M'Ruen. Es wird ausgemacht, daß er etwas Geld bekommt, wenn er die Unterschrift eines Kollegen auf dem Wechsel besorgt. Im Büro wird ein anderer clerk wegen einer offensichtlich falschen Krankmeldung verwarnt. Um 14 Uhr trifft sich Charley in der Kneipe Banks of Jordan mit Mr. M'Ruen und bekommt gegen einen auf 15 Pfund lautenden Wechsel fünf Pfund ausgezahlt. Dann holt er um fünf Harry von seinem Büro ab. Sie unterhalten sich über Charleys Pläne: Er schreibt einen Roman! Der junge Autor erklärt, wie er die redaktionellen Anweisungen umsetzt. Schon im ersten Absatz sind beide Helden tot! Er verabschiedet sich von Harry vor der Tür seines Clubs und geht ins Cat and Whistle. Dort hat Charley ein Verhältnis mit dem Barmädchen Norah. Mit den fünf Pfund will er seine Schulden bezahlen und sich freikaufen, doch die Wirtin, Mrs. Davis, verhindert das. – Am Wochenende fahren Harry und Charley nach Hampton. Bei einer Ruderpartie stürzt Katie in die Themse. Charley rettet sie. Am Abend liest Mrs. Woodward Charleys hübsche Erzählung Crinoline and Macassar vor.

Am nächsten Morgen ist Katie krank. Aber in der folgenden Woche darf sie mit Linda Gertrude in London besuchen. Gemeinsam mit Mrs. Val Scott und anderen Damen gehen sie zur Chiswick flower-show. Während die meisten Männer noch im Büro sind und sich erst später der Gesellschaft anschließen, wird Miss Golightly von einer ganzen Schaar Franzosen umschwärmt, die alle wie ihr Kaiser aussehen und alle von Clems 20.000 Pfund gehört haben. Am nächsten Tag wird bei Mrs. Val Scott getanzt. Katie tanzt bis zur Erschöpfung mit einem Franzosen. Alaric mahnt seinen Bruder, die letzte Chance nicht zu verpassen. Der hält es für unmännlich, wegen Geld zu heiraten. Alaric antwortet: „>Dann gibt es aber viele Männer, die unmännlich sind. (…) Schau nur mal auf das Parlament, wie viele dort für Geld geheiratet haben. Es ist Humbug wenn du meinst besser zu sein als andere. Du bist nicht ein Bit besser. Wo ist deine Ehrenhaftigkeit, wenn du einen Mantel bestellst von den du genau weißt, daß du ihn nicht bezahlen kannst? Oder wenn du deinen Schuhmacher schwörst, daß er seine kleine Rechnung nach dem nächsten Zahltag bezahlt bekommt und genau weißt, daß er keinen Penny bekommen wird?“ (Kap. 26) Beim Supper unterhält sich Charley mit Katie. Er denkt an Norah und seine Schulden und ist ganz unglücklich. In der nächsten Woche wird er auf Veranlassung seines Schneiders vom Gerichtsvollzieher verhaftet. Charly läßt sich nicht von Mrs. Davis auslösen. Er schreibt nicht Harry Norman, ihm schuldet er bereits genug, er wendet sich auch nicht an seinen Cousin, sondern – vergeblich – an Mr. M'Ruen. Zuletzt löst ihn doch Harry aus. Nach Hampton wird er nicht mehr eingeladen. Erst als es Katie sehr schlecht geht und sie nach ihn fragt, holt man ihn. Mrs. Woodward liebt Charley wie einen Sohn. Sie bittet ihn um Verständnis. Ihm kann sie ihr Kind nicht anvertrauen. Charley beschließt „moralischen Selbstmord“ zu begehen und das Barmädchen zu heiraten. Doch im Cat and Whistle erfährt er, daß Norah inzwischen bereits verheiratet ist.

Wegen Katies Gesundheit verbringen die Woodwards den Winter in Torquay. Harry bringt sie hin und besucht sie dort oft. Er verlobt sich mit Linda. – Alaric wird Commissioner, und als Miss Golightly einen Franzosen heiratet und Madame Jaquêtanàpe wird, vertraut man ihm die Verwaltung ihrer 20.000 Pfund an. Aus diesem Topf bedient er sich, um Undy Scotts (erfolgreiche) Parlamentskandidatur und ihre Anteile an der Limehouse Bridge Company zu finanzieren. (Trollope vergleicht ihre Schurkerei mit der Unehrenhaftigkeit, die der Premierminister Robert Peel bei der Abschaffung der corn-laws zeigte. Die Abschaffung der Getreidezölle war nötig, doch daß Peel sie abschaffte, der unter ganz anderen Voraussetzungen gewählt wurde, war unehrenhaft! [Kap. 29]) Alaric kann wegen Clems Geld nicht mehr ruhig schlafen. Er will die Anteile verkaufen, um das Geld wieder zurückzuzahlen, doch Undy weigert sich nicht nur, sondern fordert noch einen Anteil für seinen Bruder Val! Als Alaric sich nicht erpressen läßt, wird er angezeigt. – Vor Old Bailey gelingt es Mr. Chaffanbrass, Undy Scott bei dessen Verhör als Hauptschurken bloßzustellen. Dennoch wird Alaric zu sechs Monaten Haft verurteilt.

Weil sie glaubt, daß sie stirbt, gesteht Katie Charley ihre Liebe. Doch Trollope bringt es nicht übers Herz, seine Heldin sterben zu lassen. Im Prozeß und während Alarics Haft ist Charley Gertrudes wichtigster Helfer, während Harry und Captain Cuttwater für das Geld aufkommen. Gertrude bezieht eine Wohnung in der Nähe des Gefängnisses, sie bereut keine Minute, sich für Alaric und nicht für Harry entschieden zu haben. Nach den sechs Monaten gehen Alaric, Gertrude und ihre Kinder nach Melbourne. Harrys verdorbener Bruder stirbt, Harry geht mit Linda als Squire nach Normansgroove. Charley heiratet Katie, zieht in Surbiton Cottage ein und macht als Autor und im Civil Service Karriere.

Doctor Thorne (1858)

Dr. Thorne hatte schwere Sorgen wegen seines lasterhaften Bruders Henry. Seinetwegen ihm brach er mit seinen reichen Verwanden, den Thornes auf Ullathorne. Henry verführte die Schwester des tüchtigen und sauflustigen Steinmetzen Roger Scatcherd und wurde bei einem Streit von ihm erschlagen. Dr. Thorne kümmerte sich um Scatcherds Verteidigung, so daß dieser nur eine kurze Haftstrafe erhielt. Als ein früherer Verehrer Mary Scatcherd heiraten, aber nicht das fremde Kind großziehen wollte, nahm er es auf. Mit seiner Nichte Mary ließ er sich als Arzt in Greshamsbury nieder.

Die Greshams vertraten über Generationen hinweg das konservative Ost-Barsetshire im Parlament. Doch nachdem der gegenwärtige Grundherr Lady Arabella de Courcy, die Schwester des großen liberalen Earls, geheiratet hatte, verlor er zuerst den Unterhaussitz und – bei den vergeblichen Versuchen, diesen wiederzuerlangen – einen großen Teil seines Vermögens. Dr. Thorne kümmerte sich nicht nur um die Gesundheit der Greshams, sondern auch um die Beschaffung von Geld. Und der Darlehensgeber, den er an der Hand hat, ist kein anderer als der inzwischen reich gewordene Bauunternehmer Sir Roger Scatcherd! Jetzt verlangt Mr. Moffat, der gegenwärtige Abgeordnete und Augustas Bräutigam, sechstausend Pfund Mitgift!

Frank ist der einzige Sohn der Greshams. Die Handlung beginnt mit dem Fest zu seinem einundzwanzigsten Geburtstag. Seine Tante kam von Courcy Castle hinüber und brachte ihre Töchter mit. Sie stellen die Liste der Brautjungfern für Augustas Hochzeit auf. An der Spitze stehen natürlich die Ladies Amelia, Rosina, Margaretta und Alexandrina selbst, dann Augustas Schwester Beatrice und Miss Oriel, die Schwester des Pfarrers. Miss Moffat hat ausdrücklich gewünscht, zu den Brautjungfern zu gehören, und man kann es kaum ablehnen, obwohl Mr. Moffat der Sohn eines Schneiders ist. Beatrice möchte, daß ihre Freundin Mary Thorne auch zu der Schaar gehört, aber Lady Alexandrina ist entschieden dagegen. – Angesichts der desolaten Lage des Besitzes muß Frank Geld heiraten. Die Countess hat auch schon die passende Braut für ihn: Miss Dunstable, die dreißigjährige Tochter eines mit „Libanonsalbe“ reich gewordenen Apothekers. „>Wir hatten an Miss Dunstable für Porlock gedacht,< sagte sie treuherzig, >doch als wir herausfanden, daß sie nicht viel mehr als zweihunderttausend Pfund hat, haben wir den Plan fallen gelassen.< Der Preis für die Verpfuschung von De Courcy-Blut war in der Tat sehr hoch angesetzt.“ (Kap. 6)

Frank liebt Mary Thorne und hatte es ihr bereits gesagt. Mary hatte ihn erschrocken zurückgewiesen. Danach überlegte sie, ob es ein Antrag war. (Hier beschreibt Trollope seinen eigenen Heiratsantrag: „Die genauen Worte und Gesten einer solchen Szene kamen einmal zur Kenntnis des Autors. […] Der Ort der leidenschaftlichen Szene war der Meeresstrand, an dem sie im Herbst spazierten. Gentleman: >Gut, Miss … der langen Rede kurzer Sinn ist: Hier bin ich, sie können mich nehmen oder es seinlassen.< Lady, während sie mit ihrem Schirm ein Gitter in den Sand zeichnet, so daß das Wasser von einem Loch in das andere ablief: >Ich weiß, das ist alles Unsinn.< Gentleman: >Beim Jupiter, das ist kein Unsinn. Komm Jane, hier bin ich. Du könntest wenigsten etwas sagen.< Lady: >Ja, ich nehme an, ich könnte etwas sagen.< Gentleman: >Gut, was ist. Nimmst du mich oder soll ich gehen?< Lady, sehr langsam, und mit einer kaum verständlichen Stimme, während sie zugleich ihre Wasserkunst in einem größeren Maßstab fortsetzte: >Ich möchte nicht wirklich, das sie gehen.< Und so war die Sache auf eine korrekte und befriedigende Weise entschieden, und sowohl die Lady wie auch der Gentleman würden, wenn sie überhaupt jemals über die Sache nachdenken würden, sagen daß das der schönste Augenblick in ihrem Leben war, gesegnet mit all der Poesie, mit der solche Momente geheiligt werden sollten.“ [Kap.7])

Mary weiß, daß ihre Verbindung ganz unmöglich ist. Frank stammt aus einer alten Familie, der Squire von Greshamsbury ist der first commoner in Barsetshire, und sie hat keinen Namen und keine Herkunft. Als sie ihn ein weiteres Mal zurückweist, wird sie beobachtet: „Wegen meiner langatmigen Erzählweise wird der Leser denken, daß das Händchenhalten zu lange dauerte, um sich mit irgendwelchen Widerstand auf Seiten der Lady vereinbaren zu lassen. Aber es ist mein Fehler und in keiner Weise ihrer. Besäße ich einen schnellen, sprunghaften Stil, sollte ich alles – Franks Mißverhalten, Marys augenblicklichen Ärger, Augustas Erscheinen und ihre argusäugige Beobachtung, und dann Marys nachfolgendes Elend – in fünf Worten und einem halben Dutzend Gedanken- und Anführungsstrichen sagen können. Die Sache sollte so erzählt werden, denn, um Mary Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sie ließ ihre Hand nicht einen Moment länger in Franks als bis sie sich befreien konnte.“ (Kap. 8) Mary Thorne wird für Franks Fehler bestraft und darf das Haus der Greshams nicht mehr betreten.

Auf Courcy Castle wird Frank Gresham mit Miss Dunstable zusammengebracht. (Trollope beschreibt den dazugehörigen Ort, der im Roman gar keine Rolle spielt: „Die Stadt Courcy […] bestand aus zwei Straßen, deren Kreuzung das Zentrum bildete. Hier stand der Red Lion, der zur Postkutschenzeit, als dort Freetraders, Tallyhoes und Royal Mails ihre Pferde wechselten, voller Betriebsamkeit war. Aber seitdem in anderthalb Meilen Entfernung die Eisenbahn fuhr, war die Bewegung in der Stadt auf einen zum Hotel gehörenden Pferdeomnibus beschränkt, der anscheinend den ganzen Tag zwischen Stadt und Bahnhof hin- und herfuhr. Es gab im Ort gute Läden, sagten die Bewohner der Stadt, wenn sie nicht zu Hause waren. Aber es war nicht weniger üblich, daß sie unter ihresgleichen die üble Erpressung beklagten, mit der sie von ihren Nachbarn behandelt wurden. Der Eisenhändler, obwohl er laut versicherte, daß er bei der Qualität Bristol und beim Preis Gloucester schlagen kann, kaufte seinen Tee und Zucker heimlich in einer dieser größeren Städte, und der Einzelhändler mißtraute genauso Töpfen und Pfannen aus heimischen Quellen. Der Handel in Courcy hatte deshalb seit der Eröffnung der Eisenbahn keinen Aufschwung genommen, und ein geduldiger Beobachter, der den ganzen Tag die Kunden in den Läden zählen würde, müßte sich fragen, wie überhaupt noch irgendein Laden in Courcy offengehalten werden konnte. [Kap. 15]) – Frank Gresham will sich von seiner Tante nicht nachsagen lassen, daß er sich nicht traut, und macht Miss Dunstable tatsächlich einen Antrag. Doch Miss Dunstable ist eine kluge Frau. Sie ermutigt Frank, zu Mary Thorne zu halten. – Ein anderer Gast auf Courcy Castle ist Mr. Moffat. Als er trotz des Einflußes der de Courcys bei der Wahl von Sir Roger, dem großen Eisenbahnunternehmer, geschlagen wird, löst er seine Verlobung mit Augusta Gresham. Warum sollte er sich mit sechstausend Pfund Mitgift begnügen? Miss Dunstable weist seinen Antrag scharf zurück. Frank Gresham schlägt Moffat vor seinem Londoner Club mit einer Peitsche.

Lady Arabella ist verzweifelt, daß die Verbindung ihres Sohnes mit der Erbin nicht zustande kam, und gibt Mary Thorne die Schuld. Beatrice darf ihre Freundin auch nicht mehr im Haus von Mr. Oriel sehen. Und als Doktor Thorne sich weigert, seine Nichte zu verurteilen, legt sie die ärztliche Betreuung von sich und ihrer Familie in die Hände von Dr. Fillgrave aus Barchester. Das ist nicht gut für ihre Gesundheit. Sehr bald muß der große Sir Omicron Pie geholt werden!

Auf Boxhall Hill, dem düsteren Anwesen, das sich Sir Roger Scatcherd auf vom dem Greshams erworbenen Land errichtet hat, halten es weder er noch seine Frau aus. Während er sich – durch seinen Reichtum aller Freunde beraubt – dem Alkohol ergibt, flüchtet sie sich in die Küche. Sir Roger stirbt. Sein einziger Sohn Louis Philipp ist erst recht ein Säufer, aber ohne die starke Natur des Vaters. In seinem Testament hatte der Baronet bestimmt, daß Doktor Thorne bis zu Louis‘ fünfundzwanzigsten Geburtstag sein Erbe verwaltet. Wenn Louis vorher stirbt, soll alles an das älteste Kind seiner Schwester gehen. Sir Louis will sich bis dahin nicht ganz ausschalten lassen, engagiert einen eigenen Anwalt und will Greshamsbury (das ihm ja fast schon gehört) inspizieren. Wegen der Einmischung von Sir Louis‘ Anwalt wird die Verwaltung des Anwesens in die Hände der Firma Gumption, Gazebee & Gazebee gelegt, die auch den Besitz des Duke of Omnium und von Lord de Courcy managet. Sir Louis Besuch in Greshamsbury ist ein peinlicher Auftritt. Er betrinkt sich und kann nur mit Mühe von Doktor Thorne wieder nach Hause geschafft werden. Danach will sich Sir Louis nicht mehr von ihm bevormunden lassen. Als er im Delirium tremens liegt, wird Dr. Fillgrave nach Boxhall Hill gerufen.

Amelia Gresham hat von Mr. Gazebee einen Antrag erhalten und fragt ihre Cousine um Rat. Schon nach den ersten Zeilen der Antwort sinkt ihr das Herz. Moffat war ihr ganz gleichgültig, aber für Mr. Gazebee hat sie durchaus etwas empfunden. Die schon vierunddreißigjährige Lady Amelia schreibt Augusta, daß sie nicht unter ihrem Stand heiraten darf. Aber einige Jahre später fand Mr. Gazebee doch eine Braut, und zwar keine andere als Lady Amelia selbst! Mr. Gazebee hofft, daß ihm der Einfluß seines Schwiegervaters einen Weg ins Parlament eröffnet. Augusta verzieh ihrer Cousine und besuchte sie auf dem Anwesen in Surrey, das ihr hätte gehören können, und dachte, daß es ganz hübsch sein könnte, wenn Amelia nur nicht so geizig wäre.

Frank Gresham kommt nach einer einjährigen Reise zurück. Er ist jetzt ein Mann und trägt einen seidigen Bart. Er erneuert seinen Antrag, diesmal weist Mary ihn nicht zurück, und erklärt auch seinem Vater sehr bestimmt, daß er Mary Thorne heiraten will. Der Squire tadelt ihn nicht, er ist sich bewußt, daß es nur seine Schuld ist, daß das Anwesen so hochverschuldet ist. Es sind noch nicht mal die tausend Pfund Mitgift da, die er Beatrice geben will, die Mr. Oriel heiratet. – Mary Thorne wundert sich über die Zurückhaltung ihres Onkels. Doktor Thorne wollte ihr nicht sagen, daß sie aller Wahrscheinlichkeit nach das Scatcherd- Vermögen erbt. Er wollte ihr aber auch nicht sagen, daß sie Frank nicht heiraten darf. Er liebt Frank wie einen Sohn und will ihm nicht die Möglichkeit nehmen, durch eine Heirat mit seiner Nichte den Familienbesitz zu retten.

Sir Louis stirbt. Doktor Thorne will sich ganz sicher sein, daß seine Nichte erbt und holt in London erst die Gutachten von Sir Abraham Haphazard, dem alten Neversaye Die und anderen juristischen Autoritäten ein. Währenddessen rückt Beatrice‘ Hochzeit immer näher. Frank will dabei nicht erscheinen, wenn nicht Mary Thorne als seine Braut eingeladen wird. Lady Arabella redet mit Mary. Mary bleibt standhaft, doch sie kann die Argumente von Franks Mutter nicht zurückweisen. Wieder fragt sie sich, warum ihr Onkel nicht mit ihr spricht! Sie schreibt Frank einen Brief, in dem sie ihn frei gibt. Sie gibt den Brief bei der Bäckersfrau, der Postmeisterin der Queen in Greshamsbury, ab, und nimmt an, daß er ihn am nächsten Morgen hat. Doch der Brief wird von der Bäckersfrau vorschriftsgemäß nach Silverbridge geschickt, so daß er das Haus der Greshams erst am nächsten Montag erreicht und Frank nach London nachgeschickt wird. Dort hört Frank von den Anwälten der Familie, wie hoch die Greshams verschuldet sind. – Schließlich klärt sich alles auf. Nur Lady Augusta ist weiter gegen Franks Heirat mit der namenlosen Mary.

The Bertrams (1859)

Wir leben in Zeiten der Menschlichkeit, wir können es nicht ertragen, wenn jemand geschlagen wird oder hungert. Aber in den menschlichen Beziehungen herrscht extreme Grausamkeit. Wir haben kein Mitleid für erfolglose Bemühungen, „Zuletzt bekommt jeder, was er verdient“ und „Vox populi, vox Dei“ sind die Schlagworte dieser Gefühllosigkeit. – Und dann sehen wir, wie in Oxford Arthur Wilkinson seinem Freund George Bertram unterliegt und nur Zweiter wird. Er wird nicht Fellow und muß deshalb Geistlicher werden. Als sein Vater ein knappes Jahr später stirbt, nimmt er das Angebot des Grundherrn, Lord Stapledean, an und wird als Nachfolger seines Vaters Vikar von Hurst Staple – auch wenn das an die Bedingung geknüpft ist, daß er die Einkünfte aus dieser Pfründe für die Versorgung seiner Mutter und seiner Schwestern abtritt. Deshalb glaubt er nicht heiraten zu können – sehr zum Leidwesen von Miss Adela Gauntlet.

George Bertram wuchs bei den Wilkinsons auf, während sein Vater auf allen Kontinenten in militärisch-diplomatischen Missionen tätig war. Da Sir Lionel nicht pünktlich für seinen Sohn zahlte, legte dessen älterer Bruder das Geld aus. Nach seinen ausgezeichneten Abschluß, im Besitz eines kleinen Einkommens als Fellow seines College, besucht George (wie früher regelmäßig in den Ferien) seinen Onkel in Hadley. Er ist sich noch nicht über seine Berufswahl klar. Jetzt will er erst mal auf Reisen gehen und dabei nach fünfzehn Jahren seinen Vater wiedersehen. Sein Onkel ist damit nicht einverstanden; George solle nicht glauben, daß er sein Erbe sei! Und doch weist er ihm für die Reise fünfhundert Pfund an.

Von Jaffa reitet George Bertram nach Jerusalem. Die schmutzige, halb-verfallene Grabeskirche ist voller Gedränge und Gestank. Aber die Stadt ist schon voller europäischer Besucher. – In Jerusalem trifft George Bertram seinen Vater und verliebt sich in Miss Caroline Waddington. Auf dem Ölberg erlebt er seine Religion neu, er möchte Geistlicher werden! Caroline lacht den Schwärmer aus. Sie möchte kein stilles Leben in einem Pfarrhaus führen. So trennen sich ihre Wege. Sie reist mit ihrer Tante, Miss Baker, zurück nach England, während er seinen Vater nach Konstantinopel begleitet. Der leichtsinnige Vater lebt unterwegs auf Kosten seines Sohnes.

Zurück in England will George Anwalt werden. Caroline nimmt seinen Antrag an, will ihn aber erst heiraten, wenn er zum Barrister bestellt ist! George wird Schüler des großen Mr. Neversaye Die. Henry Harcourt wird sein Ratgeber und Vertrauter. Henry verbrachte sein letztes Jahr in Oxford, als George dort sein Studium begann, und hat inzwischen als Anwalt einige fragwürdige Erfolge erzielt. Er erklärt George, der andere Vorstellungen hat, „daß auf lange Sicht der Gerechtigkeit mit der gegenwärtigen Praxis besser gedient ist, mit der Praxis daß Unrecht und Recht mit gleichen Mitteln kämpfen können, ja, daß man dem Unrecht sogar weitere Privilegien einräumt, da diese Seite notwendigerweise die Schwächere ist.“ (Kap. 12) Henry läßt sich von liberalen Wählern ins Unterhaus schicken. Es ist die Zeit von Robert Peel: „Was immer die Leute wollen, jüdische Abgeordnete, billiges Korn, Abstimmungen mit Stimmzettel, nicht an Eigentum gebundenes Wahlrecht, oder alles mögliche andere, die Konservativen werden es beschließen wenn es die Liberalen nicht können.“ (Kap. 16) Henry Harcourt macht sich einen Namen, und als die Liberalen wieder an die Macht kommen, wird er trotz seiner Jugend Solicitor-General, zweiter Kronanwalt. – Natürlich stellt George seinem Freund seine Braut vor. Henry ist von ihrer majestätischen Schönheit fasziniert.

Nach einem halben Jahr angestrengten Arbeitens läßt George in seinem Eifer nach. Im Grunde verachtet er das Gewerbe, aus Schwarz Weiß zu machen. Aber er ist nicht müßig. In Büchern verarbeitet er sein Jerusalem-Erlebnis. In Oxford ist man entsetzt. Er muß als Fellow zurücktreten. Sein Onkel, der die Dogmatiker haßt, zahlt ihm jedoch tausend Pfund. Einen Teil dieses Geldes borgt er seinem Vater, der nach England zurückkehrte und jetzt wie Miss Waddington und ihre Tante in Littlebath lebt. – Alle Welt glaubt, daß George das Vermögen seines Onkels erbt. Doch als Sir Lionel seinen Bruder besucht, sagt der alte Mann: Sein Neffe wird nichts erben, weil er den Wert des Geldes nicht kennt. (Immerhin verzichtet er bei der Gelegenheit darauf, daß ihm Sir Lionel seine Schulden zurückzahlt.)

George liebt die schöne, stolze Caroline und sie den aufrechten Idealisten. Doch ihr Stolz und seine Strenge führen zum Bruch. Caroline ist die Enkelin des alten Bertram. Man hält ihn für einen alten Junggesellen, tatsächlich ist er seit fast einem halben Jahrhundert Witwer. Er bestellt seinen Neffen nach Hadley, fragt ihn, wieviel Einkommen er haben will, wenn er Caroline heiratet, doch das Geld hat keine Macht über den jungen Philosophen. George geht für ein Vierteljahr nach Paris, in die Hauptstadt der Freidenker. Die dortigen Händler sind unzufrieden mit ihren Bürgerkönig Louis Philipp. Hier kommentiert der Erzähler: Solange die Wege nach Australien und Kanada offen sind, wird hoffentlich England keine Nation der Ladenbesitzer werden! – Danach besucht George seinen alten Freund Arthur Wilkinson. In Hurst Staple erfährt George, daß Caroline Sir Henry Harcourt heiratet. Wegen ihr ist er nicht Geistlicher geworden und hat einen Weg eingeschlagen, der zu immer mehr Zweifeln führte! Sein Freund Arthur ist ihm keine Hilfe. Der Geistliche glaubt wie Caroline, ohne ein gesichertes Einkommen nicht heiraten zu können. – In Hadley fragt sich Sir Henry, ob es richtig ist, eine Frau zu heiraten, die ihn nicht liebt. Dennoch kommt es zu der Hochzeit. Der alte Millionär glänzt in seinem besten Anzug, der kaum zwölf Jahre alt ist, und gibt Henry, als sie zur Hochzeitsreise aufbrechen, einen Scheck über fünfhundert Pfund.

Der Solicitor-General und seine Frau führen am Eaton Square ein glanzvolles Haus. Doch Sir Henry erträgt ihre Kälte nicht. Er lädt George ein, vielleicht taut sie dann ein wenig auf. George hatte versucht, sich mit ernster Arbeit zu betäuben, damit ist es nun vorbei. George und Caroline sehen sich öfter, schließlich wirft einer dem anderen die Schuld an ihrer Trennung vor. Sie verzeihen sich, es kommt zu einer Umarmung und einem Kuß. Vernünftig, wie sie sind, beschließen sie, daß sie sich nicht mehr sehen dürfen. – Caroline verläßt ihren Mann und geht nach Hadley, wo bereits ihre Tante lebt. Ihr Großvater will sie eigentlich nicht aufnehmen: „>Er hat für Geld geheiratet und sie aus Ehrgeiz; natürlich streiten sie sich.< Das war die Weisheit von Mr. Bertram.“ (Kap. 37) – Da die Chancen schwinden, daß Sir Henry etwas von dem Reichtum des alten Bertram erbt, klebt er in einer Regierungskrise zu lange an seinem Amt und zerstört so seine weiteren Aussichten als Politiker.

„Früher wurde, wer eine schwache Brust hatte, in den Süden von Devonshire geschickt, dann kam Madeira in Mode und jetzt Kairo.“ (Kap. 38) Den kränkelnden Arthur Wilkinson begleitet sein Freund George. Wir lesen vom schmutzigen Alexandria, der orientalischen Altstadt von Kairo, daß ein Besuch der Pyramiden die Strapazen nicht lohnt, von tanzenden Derwischen. Auf der Rückfahrt dann die Komödie, wie zwei aus Indien heimkehrende junge Witwen George und Arthur einfangen wollen. – Artur wird von George ermutigt, sich gegen seine Mutter durchzusetzen. Diese wendet sich vergeblich an Lord Stapledean. Am Ende kann Artur die treue Adela heiraten. Mrs. Wilkinson zieht nach Littlebath. – Der alte Bertram stirbt. Sein Vermögen geht größtenteils an eine Schule für die Kinder Londoner Fischhändler. Henry Harcourt nimmt sich unter der Last seiner Schulden das Leben. Caroline fühlt sich schuldig. Und so dauert es fünf Jahre, bis sie George Bertram heiratet.

The West Indies and the Spanish Main (1859)

Das Buch beginnt mit einem Stimmungsbild: Es ist der 25. Januar 1859, kein Hauch von Wind weht, die Segel hängen schlaff herunter und das Schiff, das ihn von Kingston nach Cienfuegos bringen soll, kommt nicht voran. Er muß seine Extravorräte an Tabak und Brandy mit dem Kapitän und seinen Leuten teilen. „Nachdem ich soviel über meine gegenwärtige Lage gesagt habe, sollte ich etwas über meine Person sagen. Eine Gelegenheit dazu bietet der spanische Paß, für den ich in Kingston sechzehn Schilling gezahlt habe. (…) Er beschreibt mich als >groß<. Ich mag den Mann dafür. Niemals habe ich eine würdigere Beschreibung für meine Gestalt als robust erhalten. Meine Augen sind >azur<. (…) Meine Haare sind >castanas<. Niemand außer einem Spanier würde das Haar nennen, denn ich bin kahl. Meine Farbe ist >sano<. Darin liegt ein großer Trost; Mens sana in corpore sano. (…) Doch dann kommt ein Rätsel. Wenn ich auf etwas stolz bin, dann auf meinen Bart. Und was sagt der Don von meinen Bart: Er ist >poblada<. Ich würde fünf Schilling geben, wenn ich jetzt ein spanisches Wörterbuch leihen könnte!“ Das Einführungskapitel schließt mit einem Rückblick auf seine bisherige Reise. Am 17. November 1858 hatte er Southampton verlassen, am 2. Dezember kam er in St. Thomas an. Von dort ging es weiter nach Kingston, Jamaika.

Kingston sieht auf der Karte mit seinen regelmäßigen Straßen gut aus. Doch die Wirklichkeit ist anders: „Havanna, auf Kuba, wird durch Öllampen erleuchtet. Cienfuegos, auf derselben Insel, mit Gas. Aber Kingston ist gar nicht beleuchtet!“ (Kap. 2) Der Gouverneur, der Legislative Council und die Assembly sitzen in Spanish Town. Die dreizehn Meilen werden mit der Bahn in einer knappen Stunde zurückgelegt, der Besuch beim Gouverneur ist in zwanzig Minuten erledigt. Danach steht er vor der Tür, in einer schattenlosen Straße, und weiß nicht, wie er die Stunden, bis er zurück kann, überbrücken soll. – „Wie seltsam ist das Schicksal der creole negros, das sind Neger, die außerhalb von Afrika geboren wurden! Sie haben kein eigenes Land, sie haben auch noch kein Land, das sie adoptiert. Sie haben keine eigene Sprache (…). Sie haben keinen Stolz, den selbst untereinander ist das Wort nigger die schlimmste Beleidigung.“ (Kap. 4) Die Schwarzen wollen nicht für Geld arbeiten; und wenn, dann nicht sechs Tage die Woche, wenn sie schon in zwei Tagen genug für ihre Bedürfnisse verdienen können. – coloured people bahnen sich ihren Weg in die Gesellschaft. „Die Schwierigkeit dabei sind die Frauen. Alle Arten von Männern können ohne Schwierigkeiten in einem Raum zusammen kommen. Aber es gibt Punkte, in denen Frauen härter als Stahl sind (…). >Er wünscht, daß ich Mrs. Soundso treffe,< sagte eine Lady zu mir über ihren Ehemann, >weil Mr. Soundso ein sehr respektabler Mann ist. Ich habe nichts gegen ihn, doch wenn ich mit ihr beginne, weiß ich, daß es kein Ende gibt. (…) Wenn ich Mrs. Soundso einlade, wie kann ich Mrs. Such-a-one draußen halten? Sie sind beide sehr respektabel, doch was waren ihre Großmütter?< >Diese Leute heiraten nun,< sagte eine andere Lady zu mir, nicht wirklich eine Lady, aber alt genug, so einen Gegenstand anzusprechen, >aber ihre Mütter und Großmütter haben daran nicht gedacht. Wenn wir uns mit den Kindern solcher Frauen gemein machen, wie sollen wir unsere Töchter lehren, die Sünde zu scheuen?< Ah! Liebe Frau, ihre Bemerkung ist nur zu wahr. Ihre Mütter und Großmütter dachten nicht viel von der Ehe – und hatten nicht viel Gelegenheit dazu. Aber bei wem liegt der Fehler? Euer Onkel, euer Vater, eure Cousins, ja eure Brüder; sind das nicht die wahren Verbrecher in dieser Sache – sie, die in diesen unheiligen Status mit Frauen einer anderen Rasse zusammenlebten?“ (Kap. 5) – Seit der Abschaffung der Sklaverei vor zwanzig Jahren ist Jamaika im Niedergang. Man hatte die Sklavenhalter mit zwanzig Millionen Pfund entschädigt. Aber wichtiger war, daß man ihnen versprach, sie gegen mit Skavenarbeit produzierten Zucker durch hohe Zölle zu schützen. „In Jamaika sagt man, daß dieses Versprechen durch denselben Mann gegeben und gebrochen wurde, durch Sir Robert Peel.“ (Kap. 7)

[...]

Details

Seiten
153
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656758686
ISBN (Buch)
9783656758693
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281515
Note
Schlagworte
leben werk anthony trollope

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Leben und Werk von Anthony Trollope