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Der schottische Prozeß der Devolution im Wechselspiel nationalistischer Tendenzen und Strategien

Magisterarbeit 1999 123 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Nationalismus und Devolution - theoretische Auseinandersetzung
2.1 Der Nationenbegriff - der Versuch einer Nominaldefinition
2.2 Die nationale Identität - Identifikationsprozesse und Mythen
2.3. Nationalismus in der Moderne - Ansätze der „reaktiven Ethnizitätsthese“
2.4 Regionalismus in Europa und ‚Devolution‘

3 Landeskundliche Informationen
3.1 Geographie und Territorium
3.2 Land und Bevölkerung
3.3 Wirtschaft und Politik
3.4 Religion und Recht
3.5 Sprache und Kultur

4 Schlaglichter der schottischen Geschichte
4.1 Frühe Zeugnisse schottischer Eigenstaatlichkeit - die Declaration of Abroath von
4.2 Gesellschaftspolitische Einflüsse der Reformation - die Union of the Crowns
4.3 Sozioökonomische Determinanten eines Assimilierungsprozesses - der Act of Union of the Parliaments
4.4 Konfrontation und Assimilation im 18. Jahrhundert - Entwicklung der 'managed autonomy'
4.5 Das British Empire - Chance, Integration und Forderung
4.6 Zwischenkriegszeit und wirtschaftliche Depression - Gründung der SNP, Zentralisierung und Referendum
4.7 Historischer Überblick von 1945 bis 1999 - Stagnation und Wiederbelebung des schottischen Nationalismus

5 Strategien der Devolution - Akteure und Aspekte
5.1 Strukturelle Unzufriedenheit als Grundlage und Potential für politische Mobilisierung
5.2 Nationale Identität der Schotten
5.3 Britisches Modernisierungsprogramm unter Tony Blair und Labour
5.4 Akteure der schottischen Devolution - Pole und Multiplikatoren
5.4.1 Die Scottish National Party als Vehikel nationalistischer Stimmungen
5.4.2 Die Rolle des Scottish Office nach Devolution
5.4.3 Agendasetting durch die schottische Medienlandschaft

6 Dynamik des Devolutionsprozesses - Konfliktbereiche und Vergleiche
6.1. Die West-Lothian-Frage (Repräsentation)
6.2 Die Barnett-Formel (Budgetierung)
6.3 Parallelen zu anderen Nationalismusbewegungen - Wales

7 Parlamentswahl 1999 - Anpassungsprozesse nach der Devolution
7.1 Wahlkampfstrategien der schottischen Parteien im Mai
7.2 Wahlausgang in Verbindung mit der Wahlrechtsreform
7.3 Koalitionsverhandlungen als Novum - Entwicklungen und Taktiken

8 Schlußbetrachtung

9 Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Nationale Identität nach Regionen in Großbritannien

Tabelle 2: Schottisches Wahlergebnis der britischen Wahl 1997

Tabelle 3: Öffentliche Ausgaben pro Kopf nach Region

Tabelle 4: Ergebnisse der Parlamentswahlen

1 Einleitung

Schottland, als nördlichster Teil Großbritanniens, stellt im landläufigen Bewußtsein besten- falls eine folkloristische Größe dar, die durch landschaftliche Schönheit und nationale Ste- reotypen geprägt ist. In politischer Hinsicht erregte es in den letzten drei Jahrzehnten immer wieder in Verbindung mit nationalistischen Entwicklungen und Forderungen das fachliche Interesse.

Schottlands Stellung im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland ist ein politisch virulentes Thema, welches sich in wellenförmiger Bewegungen auf der britischen Agenda etabliert hat. Im Zuge der aktuellen politischen Entwicklungen in Großbritannien verändert sich auch der Bezugsrahmen für die Landespolitik Schottlands. Die damit einhergehende nationalistische Mobilisierung übertrifft das bisher bekannte Ausmaß und wirft Fragen nach den Ursachen und Bedingungen für die positive Aufnahme der Bevölkerung von Forderungen nach Teilautonomie auf.

Angesichts der Konstituierung eines globalen Wirtschaftssystems sowie der Internationali- sierung fast aller Politikbereiche und der Vielfalt kultureller Werte wirken Phänomene nati- onalistischer Forderungen auf den ersten Blick anachronistisch. Die auf territoriale und/oder politische Selbstbestimmung ausgerichteten Strömungen stehen in einem scheinbaren Kon- trast zur Vernetzung der Staaten sowie der Verlagerung nationalstaatlicher Souveränität auf die supranationale Ebene. Jedoch traten vergleichbare Entwicklung in mehreren In- dustriesstaaten verstärkt auf, wobei unterschiedlich gelagerte Forderungen sowohl nach Partizipation als auch Separation gestellt wurden. Das Wiedererstarken eines regionalen oder ethnischen Nationalismus steht anscheinend nicht im Widerspruch zur zunehmenden Globalisierung, sondern stellt ein Element dieses Transformationsprozesses dar.

Großbritannien, als einer der weltweit am höchsten zentralisierten Staaten, stand bislang in Opposition zu föderalen oder supranationalen, ordnungspolitischen Elementen dieser Ent- wicklung. Die Konstituierung eines schottischen Parlaments stellt eine ernsthafte Heraus- forderung für das konstitutionelle Gerüst wie auch das nationale Selbstverständnis Großbri- tanniens dar. Die Frage, wie ‚vereint‘ das Vereinigte Königreich noch ist bzw. war führt zur Untersuchung seiner einzelnen Nationen. Dabei ragt Schottland mit seiner ausgeprägten Nationalidentität heraus. Augenscheinlich erfährt das Phänomen Nationalismus eine nach- haltige Erneuerung. Durch die Adaption an die Verhältnisse des 20. Jahrhunderts muß die

Frage nach nationaler Identität nicht mehr singulär, sondern auf duale und plurale Identitäten bezogen, beantwortet werden.

Die Globalisierung in fast allen Bereichen bedingt vielerorts eine Fragmentierung gesell- schaftlicher Wirklichkeit und daraus resultierend eine Unsicherheit bei breiten Bevölke- rungsschichten, welche durch den Schwund ideologischer Orientierungsmuster bemüht sind, neue Koordinaten zu knüpfen . Diese nicht nur in Europa festzustellenden regionalen Bewegungen verfügen somit über ein Potential, welches system- und sozialintegrative Mängel der Transnationalisierung kompensieren hilft. Regionalismen bezeichnen somit „Bewegungen, in denen sich der Anspruch [...] nach Sprache und Volkszugehörigkeit, nach Landschaft und Lebenskultur, nach Herkunftsprägung und kollektivem Gedächtnis“ poli- tisch zur Geltung bringt1.

Ziel dieser Arbeit soll die Verbindung von einem integrativen, akteursorientierten und ethnisch definierten Nationalismus mit einem ordnungspolitischen Modell sein, welches regionalen Autonomiebewegungen und der jeweiligen ethnischen Identität eine demokratische Berücksichtigung innerhalb bestehender Grenzen ermöglicht.

Die integrative Funktion nationaler Identität verweist auf das große Feld der Nationalismusforschung. Es ist jedoch nicht das Anliegen dieser Arbeit eine weitere synoptische Darstellung von Nationalismustheorien und ihrer Diskussion zu liefern. Im Vordergund sollen stattdessen, dargestellt am aktuellen Beispiel Schottlands, die Wechselwirkung zwischen den ordnungspolitischen Forderungen des Devolutionkonzepts und seine Implikationen im Kontext nationalistischer Identitäts- und Orientierungsmustern stehen.

Um Devolution2 und das systemintegrative Potential von Nationalismus in einen komple- mentären Zusammenhang zu bringen, werden in Kapitel 2 die beiden fachlichen Strömun- gen, Nationalismus als ein historisch verwurzeltes Phänomen und als ein Phänomen der industriellen Moderne, kurz dargestellt. Daran anschließend wird eine weitere integrative Komponente, die nationale Identität, erlautert. Darauf folgt die Darstellung ausgewählter Nationalismustheorien bzgl. ethnischer Identität und ihren Einfluß auf die Artikulation und Umsetzung ordnungspolitischer Konzepte mittels nationalistischer Mobilisierung. Schott- land, als ein relativ kleines Land, bietet gute Voraussetzungen, um die Wechselwirkung zwischen regionalen Forderungen nach mehr Autonomie und die Einbettung in den historischen und soziokönomischen Kontext zu demonstrieren. In Kapitel 3 werden landeskundliche Informationen vermittelt, an die sich Kapitel 4 mit der bewertenden Darstellung geschichtlich relevanter Ereignisse anschließt.

Die Einflußgrößen nationaler Identität und institutioneller Rahmenbedingungen werden in Kapitel 5 zusammengeführt, wobei zwei ausgewählte Akteure, die Scottish National Party sowie das Scottish Office in den Prozess der Devolution eingeordnet werden. In Kapitel 6 werden die Folgen einer asymmetrischen Devolution verdeutlicht und Kapitel 7 bezieht die aktuellen politischen Ereignisse der ersten Parlamentswahl seit 1707 ein. Das Interesse an Schottland und dem Thema Nationalismus wurde während eines Studien- jahres an der University of Glasgow geweckt und durch weitere Aufenthalte, wie z.B zum Zeitpunkt der britischen Wahl im Mai 1997, vertieft. Die starke Ausprägung der schotti- schen Nationalidentität im Sprachgebrauch und der Alltagskultur bot Anlaß, sich langsam und neugierig von dem herkömmlichen Negativbild von Nationalismus zu lösen und den potentiellen integrativen Stellenwert in den Vordergrund zu stellen. Neben persönlicher Beobachtungen und Kontakten spielte war die Literatur- und tägliche Zeitungsrecherche via Internet von großer Bedeutung.

2 Nationalismus und Devolution - theoretische Auseinandersetzung

In diesem Kapitel der Arbeit kann und soll, wie eingangs erwähnt, keine umfassende Dar- stellung des sozialwissenschaftlichen Gebietes der Nationalismustheorie geleistet werden. Es geht im Zusammenhang mit dem Thema vielmehr um die Darstellung der systemischen Integrationsleistung von Nationalismus in Hinblick auf die Konstruktion bzw. Verstärkung eines gesellschaftlichen Bezugsrahmens, in dem die kollektive Forderungen einer Gruppe (z.B. Devolution) Aussicht auf Akzeptanz und evtl. auch Durchsetzung haben. Der Begriff der Nation soll hier in seinem kontextgebundenen Gebrauch zur Verstärkung derartiger Forderungen verwendet werden.

Um diesen Bezugsrahmen und seine Wechselbeziehung zu kollektivem Verhalten als hand- lungsleitende Dimension bewerten zu können, ist es notwendig, das ihm jeweilig zugrunde- liegende politische System zu kennen. In Hinblick auf Parsons grundsätzliche Unterteilung der Gesellschaft in die vier Subsysteme Wirtschaft, Politik, Gemeinschaft und Kultur 3 stellt das politische System Schottlands hier das Referenzsystem dar, in welchem, auf der von den Subsystemen erbrachten kollektiven Einigung auf ein konkretes Ziel, nationalpolitische Handlungen erfolgen4. Kittel weist darauf hin, daß die Handlungen politischer Eliten und der Bevölkerung innerhalb einer Gesellschaft in unterschiedlichen Dimensionen (Zielvor- gaben, Interessensorientierung) Bezüge zum Staatssystem (Identifikation, aktives Wirken) knüpfen. Nationalismus stehe somit für die Interdependenz zwischen politischer Aktivität und Reaktivität der Akteure hinsichtlich der Unterstützung kollektiver Forderungen, der erzielte Konsens bzw. diese Forderungen kann unter Umständen das politische Systems destabilisieren, aber auch stärken5.

Diese Wechselwirkung läßt sich - der weiteren Arbeit vorgreifend - anhand des wellenför- migen Entwicklungsprozess der Stärke nationalistischer Strömungen verdeutlichen. Diese Interdependenz führt zu der Frage, wie sich in einer Gesellschaft mit einer kollektiver Selbstvorstellung von sich als einer Einheit (Anderson: ‚imagined communities‘), vor dem Hintergrund nationalistischer Zielverfolgungsstrategien Forderungen langfristig manifestie- ren (politische Organisation der Forderungen, Einwirken der Subsysteme) bzw. wie eine systemverträgliche Koordination mit anderen Teilen des staatlichen Systems verlaufen kann. Zur Verdeutlichung des Bezugsrahmens nationalistischer Strömungen sollen vorerst die Begriffe ‚Nation‘, ,nationale Identität’ und ‚Nationalismus‘ anhand ausgewählter Ansät- ze aus dem großen Feld der nationalismustheoretischen Konzepte dargestellt werden. Es ist voranzustellen, daß es keine einheitliche Theorie gibt und keine Theorie vollkommen schlüssig ist. Gellner meint, es sei: „an open and contentious field in which there is little that is firmly established“6. Smith definiert Nationalismus als: „an ideological movement for the attainment and maintenance of autonomy, unity and identity on behalf of a population some of whose members deem themselves to constitute an actual or potential ‚nation‘7. Anschlie- ßend wird die Begrifflichkeit der ‚Devolution‘ als ein mögliches Lösungsszenario für natio- nalistische Forderungen von regionalen Teilsystemen gegenüber dem staatlichen System eingeführt.

2.1 Der Nationenbegriff - der Versuch einer Nominaldefinition

Die Debatte innerhalb der Nationalismusforschung kreist primär um den historischen Zeit- punkt seiner gesellschaftlichen Vergegenständlichung sowie um die verschiedenen Defini- tionen des Begriffes ‚Nation‘. Im Rahmen der Fragestellung der Arbeit soll das, was in der Fachliteratur moderner Nationalismus genannt wird, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Dabei ist die Begrifflichkeit von Nation und Nationalismus schwer voneinander zu trennen, da die Transformation einer nationalen Identität in nationalistische Strömungen stark kontextabhängig ist.

Der moderne Nationalismus entwickelte sich nach den gesellschaftlichen Umbrüchen der Französischen Revolution in seiner dominierenden Ausprägung als souveräner Nationalstaat zu einer Art „Strukturprinzip Europas“8, und wird mit dem sozioökonomischen Wandel infolge der Industrialisierung, der Verstädterung und der Vernetzung nationaler Ökonomien zueinander in Verbindung gesetzt. Durch die Entwicklung eines politisch zunehmend emanzipierten, ‚modernen‘ Bürgertums nahm er Züge einer sozialen Bewegung an, auch wenn er ursprünglich primär staatsrechtlich und geographisch verstanden wurde: „A nation may be said to consist of its territory, its people, its law“9.

Das Konzept der ‚modernen Nation‘, wie es in dieser Arbeit verstanden werden soll, geht jedoch weit über dieses territoriale Prinzip der definierten Staatlichkeit hinaus. Es impliziert hinsichtlich der vielschichtigen Lebenswelten in einer modernen Nation handlungstheoreti- sche Fragestellungen nach dem integrativen Bezugsrahmen für das Individuum. Dieser Rahmen beruht auf der individuellen Identität sowie der Institutionalisierung und Vermitt- lung kollektiver Orientierungs- und Identitätsmuster. Außerdem wirkt sich die politische Dynamik des nationalen Konsens über kollektive Interessen und Ziele aus, was zur nationa- listischen Mobilisierung führen kann. Brubaker fordert, Nation nicht nur als eine substan- tielle, kollektive Einheit, sondern auch in ihrer institutionalisierten Form als „praktische Kategorie“, als „begriffliche Variable“ zu sehen10. Dadurch erhält Nation als ‚Projekt‘ oder ‚Postulat‘ einen stark erweiterten Bedeutungsgehalt . Billig untersucht den Zusammenhang zwischen Nationalismus und Theoriebildung und fragt, wie im Prozess nationalistischer Auseinandersetzungen Einigungen darüber getroffen werden, was der Gehalt der ‚Nation‘ sein solle11. Nationalismus sei damit gleichermaßen eine Theorie über die Gemeinschaft wie auch über ihre Abgrenzung nach außen, da er von einer Welt der souveränen Nationen ausgeht12.

Anderson nutzt als Grundlage für die Einigungsprozesse über den Gehalt einer Nation sein Konzept der assoziierten Gemeinsamkeit, einer „imagined community“13. Obwohl der per- sönliche Kontakt oder die Kommunikation mit allen anderen Mitgliedern der Nation nicht möglich ist, spiele deren Existenz (auf der Grundlage geteilter Werte und Orientierungen) eine wichtige sozialintegrative Rolle: „in the mind of each lives the image of their commu- nity“14. Andersons Theorie wurde zwar in ihrer grundsätzlichen Relevanz anerkannt, als eine hinreichende Determinante für nationalistische Mobilisierung jedoch als zu eindimen- sional kritisiert: „man leiste einem anachronistischen Allerweltsbegriff von Nationalismus Vorschub“15.

So konzentriert sich auch die begriffliche Objektivierung der rein historischen oder essen- tialistischen Nationalismusforschung, die Nationen als Produkte von Elementen vormoder- ner Ethnizität versteht, in der Gruppenzugehörigkeitsfrage auf die Zuschreibung von rein empirischer Merkmale als Differenzierungskriterien, welche auch diskriminierend instru- mentalisiert werden können16. Unter ‚Ethnizität‘ ist im Rahmen der essentialistischen Theo- rie eine Kombination verschiedener sozialer Charakteristika wie Kultur, Rasse, Sprache, Religion zu verstehen, welche verschiedenen sozialen Gruppen ein gemeinsames Bewußt- sein verleihen und sie von anderen sozialen Gruppen abgrenzen17. Als ‚Gesellschaft‘ de- finiert Giddens „a group of people who live in a particular territory, are subject to a com- mon system of political authority, and are aware of having a distinct identity from other groups around them“18.

Gellner erweitert die Definition durch die Formulierung eines systemintegrativen An- spruchs, Nationalismus sei: „[...] primarily a political principle, which holds that the politi- cal and the national unit should be congruent“19. Ein so verstandener politischer Nationa- lismus ist dieser angestrebten Kongruenz meistens mit der Forderung nach mehr Autono- mie oder gar Separatismus und einer Abgrenzung gegenüber ‚Fremden‘ verbunden20. So hat auch Stalin Anfang des Jahrhunderts eine ähnliche Definition qua Merkmal geboten: „Eine Nation ist eine historisch entstandene stabile Gemeinschaft der Sprache, des Territo- riums, des Wirtschaftslebens und der sich in Kulturgemeinschaft offenbarenden Eigen- art“21. Seine Definition öffnet durch die Beliebigkeit der Verwendung von äußeren Krite- rien das Tor zur chauvinistisch-rassistischen Variante des Nationalismus. Schließlich ist heute keine europäische Nation noch homogen: Eine gemeinsame Sprache kann, wie die Beispiele Schweiz oder die verschiedenen englisch- und spanischsprachigen Länder noch nicht für nationale Einheit bürgen.

Berman betont die begriffliche Trennung von Staatsbürgerlichkeit und Nationalismus, da Nationalismus eine ganz spezifische ideologische Mobilisation darstelle, welche je nach Kontext und Situation positiv oder negativ sein könne22. Um diese ideologische Mobilisie- rung zu erläutern, bedarf es also einer dynamischen und kontextgebundenen Untersuchung des Phänomens Nationalismus, damit ein interdisziplinärer und damit sinnvoller Untersu- chungsanspruch hergestellt werden kann. Dazu Kittel: „Moderne politische Staaten benöti- gen einen Begriff der Nation, um über die systemische Integration auch soziale Integration zu erreichen“23. Es muß somit eine begriffliche Klärung zwischen den beiden notwendigen und komplementär wirkenden Integrationsmustern einer dynamischen, nationalen Gesell- schaft vorgenommen werden:

Unter ‚Sozialintegration‘ versteht man die gewollte und freiwillige Mitgliedschaft von Indi- viduen in einer Nation24. Im Kontext der ‚Systemintegration‘ hingegen wird das Indivi- duum zum Objekt des Staates, welcher notfalls auch auf sein Gewaltmonopol zur Umset- zung seiner Autorität zurückgreifen kann. Ein dominantes staatliches System allein bedarf jedoch der sozialen Füllmasse seiner Ideologie. Auch in Hinsicht auf Nationenbildungspro- zesse ist ein Ausgleich bzw. idealtypisch eine Kongruenz beider Integrationsmuster für die Legitimation und Integration der Nation wichtig, wobei die jeweiligen zeitlichen Verlaufs- strukturen versetzt sind: „Sozialintegration ist ein nachholender Prozess zur Systemintegra- tion, da letztere durch ihre Konstituierung aus funktionalen Zusammenhängen insofern un- abhängig von individuellen Intentionen ist, als sie durch den selbstreferentiellen Charakter des Austausches politischer Kommunikationen zustandekommt“25.

Der Sozialanthropologe Smith betont diese notwendige sozialintegrative Dimension des modernen Nationalismus: „Over and beyond any political or economic benefits that ethnic nationalism can confer, it is this promise of collective but terrestrial immortality [...] that has helped to sustain so many nations and national states in an era of unprecedented social change and to renew so many ethnic minorities, that seemed to be doomed in an era of technological uniformity and corporate efficiency“26. Ein solcher ethnischer und kultureller Nationalismus bedingt und ermöglicht somit die sozialintegrative Gruppenbindung durch den Rückbezug auf gemeinsame Fixpunkte, Werte und Erfahrungen.

Nation kann dann als „eine distinktive Gruppe oder Gesellschaft, die sich im Bewußtsein und Willen ihrer Mitglieder als identitätsstiftende und Loyalität fordernde Gemeinschaft manifestiert“ verstanden werden27. Smith verbindet Symptome der modernen Entwicklung (einheitliches Wirtschaftssystem, Bürgerrechte etc) mit dem integrativen Potential ethni- scher Symbole, Mythen und Kulturpraktiken und verleiht der Nation somit den Charakter einer ‚ethno-kulturellen Gemeinschaft‘28. Nation ist definiert als „a named human popula- tion sharing a historic territory, common myths and historical memories, a mass public cul- ture, a common economy and common legal rights and duties for all members“29.

Die Unterscheidung zwischen Nationalismus als politisches Programm und Nationalismus als Produkt kollektiver nationaler Identität ist somit notwendig und wichtig, da es sonst auf- grund seiner systemischen und sozialen Komplementarität zu einer unscharfen Begrifflich- keit führt. Ignatieff versteht Nationalismus als eine politische (Selbstbestimmung), kulturel- le (Identifikation) und moralische (Integration) Doktrin, wobei alle drei Aspekte miteinan- der verknüpft sind30.

Aus der Darstellung der verschiedenen Ansätze wurde ersichtlich, daß das Konzept ‚Natio- nalismus‘ grundsätzlich multidimensional ist, daß eine Bestimmung anhand empirischer Merkmale nicht ausreichend ist und daß seine Ausprägung eng mit der Ein- und Auswir- kung identifikatorischer Prozesse zusammenhängt. Daraus läßt sich ableiten, daß ein Identi- fikationsbruch mit der Bezugsgröße ‚Nation‘ nachhaltig die soziale Integration stören könn- te. Dieser identifikatorische Bruch spielt besonders im Verhältnis von sub-nationalen Auto- nomiebewegungen zur Zentralregierung eine Rolle, da aus einer instabilen Deckungs- gleichheit der jeweiligen Perzeption von ‚nationaler Identität‘ strukturelle Unzufriedenheit eine Form separatistischer Forderungen annehmen kann. In Hinblick auf die Themenstel- lung, die Artikulation dieser regionalen Forderungen und ihre Umsetzung durch subsidäre Kompetenzverlagerung, soll deshalb im folgenden der Begriff der ‚nationalen Identität‘ erörtert werden.

2.2 Die nationale Identit ä t - Identifikationsprozesse und Mythen

Renans bereits 1882 vorgenommene Begriffsbestimmung gilt als ein erster Ansatz, dem kollektiven und sozialen Überbau einer Nation gerechtzuwerden. Abgehoben von rein em- pirischen Merkmalen integrierte er in seiner Definition von Nation die individuelle Identifi- kationsleistung mit dem kollektiven Konsens über Werte und Interessen. Er unterstreicht die freie Entscheidung der Mitglieder zur Konstituierung der Nation bzw. der Partizipation an ihr: „Die Existenz einer Nation ist ein Plebiszit, das alle Tage stattfindet, so wie die dau- ernde Existenz eines Individuums eine dauernde Bestätigung des Lebensprinzips ist“31. Die sozialintegrativen Komponenten der nationalen Einheit im Zusammenhang mit der Identifi- kation und Zustimmung der Mitglieder entsprechen der ‚nationalen Identität‘. Diese Defini- tion trägt einerseits dem Prinzip der Volkssouveränität Rechnung, andererseits auch der Wandelbarkeit nationaler Systeme. Je impliziter dieser ‚zivile‘ Nationalismus ist, desto stärker ist sein Potential als mobilisierende Kraft für politische Ziele. Je ‚normaler‘ und routinierter sich ein Konsens über gemeinsame nationale Orientierungsmuster etablieren kann, desto klarer wird der Kontrast zum aggressiven, exklusiven Nationalismus.

Der Begriff ‚Nation‘ selbst steht als eine abstrahierte Größe im Raum, die nur durch den Bezug zu typisierten Orientierungssymbolen und aufgrund der Interaktion mit lebensweltli- chen Bezugsgrößen individuelle Relevanz gewinnt; darauf wird weiter unten eingegangen . Die Begrifflichkeit von ‚nationaler Identität‘ ist aufgrund ihrer Kontextabhängigkeit eben- falls schwer zu messen. Sie unterliegt, wie Renan feststellt, wechselnden, unterschiedlich starken Loyalitäten, die sich situativ orientieren und neu ordnen. Die Solidarität einer natio- nalen Gesellschaft in Krisenzeiten scheint eine anthropologische Konstante und vielfach eine sachliche Notwendigkeit zu sein (wobei die gesellschaftliche Fragmentierung durch Globalisierungsprozesse vorerst ausgegrenzt werden soll): „Concepts of nationhood beco- me dominant when the nation is perceived to be under threat from outside attack or influ- ence, for it is national identity that distinguishes the English from the feared French or the despised Scots, and it is national unity that will save the people. [...] National unity is the good that can be set against the evil of internal strife“32.

Diese ‚national unity‘ entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel vielschichtiger gesell- schaftlicher, politischer und historischer Prozesse, welche konstituierend für das Gefühl der Identität und den Prozess der Identifikation des einzelnen sind. Erschwerend für eine klare Bestimmung ist der damit verbundene emotionale Gehalt. Neben der Bedingung einer ge- meinsamen kulturellen Basis bedarf es eines ‚Mediums‘, um diese kommunikativen und emotionalen Prozesse zu vergegenständlichen. Billig weist darauf hin, daß sich die Mitglie- der einer Nation nicht nur darüber im klaren sein müssen, daß sie deren Staatsbürger sind, sondern sich auch vorstellen können, was die Nation für sie darstellt, das heißt, sie müssen die nationale Identität ihrer Nation erfassen können (auch über Stereotypen)33. Dazu dienen vor allem gemeinsame Attribute, Rokkan/Urwin nennen vier Komponenten von Identität: Symbolik, Mythos, Geschichte und Institutionen. So haben alle Komponenten in ihrer le- bensweltlichen Erfaßbarkeit einen Bezug zum individuellen Handeln, „the individual tends to look no further than his own accumulation of attitudes and prejudices which themselves are determined by his own cultural environment“34. Dieser Pool an gesammelten Erfahrun- gen und Werten versorgt den einzelnen mit einem Standard und einer Identität, die ihm den Bezug zur Nation ermöglichen.

Während Symbole dauerhaft kollektive Sinn- und Wertvorstellungen vergegenständlichen (z.B. in Form von Landschaft, Heraldik und Texten), wird der Begriff ‚Mythos‘ häufig als Fabel oder Fiktion verstanden. Seine Bedeutung geht jedoch weit darüber hinaus. Gewecke versteht ‚Mythos‘ als „Annahme oder Überzeugung, deren Wahrheitsgehalt in einem spezi- fischen kulturellen Kontext außer Frage steht und deren Aktualisierung als zumeist affektiv besetzte, gelebte Erfahrung allein im kollektiven Bewußtsein tragfähig und reproduzierbar ist“35. Mythos besitzt primär eine kommunikative und pragmatische Funktion, er fördert die Integration des Individuums und initiiert bzw. begünstigt gruppenkonformes Verhalten. Politische Mythen seien, laut Smith, ‚erzählte Geschichten‘ mit einem wahren Kern, welche kollektive Bedürfnisse nach historischer Verankerung befriedigen36. Besonders ‚ethnohisto- rische‘ Ursprungsmythen, also Aussagen über die Entstehung von ethnischen Gruppen und Nationen, üben eine große appellative und auch ideologische Kraft (z.B. das Amselfeld im Kosovo) aus. Die Signifikanz territorialer Bindungen nationaler Identität an Orte und Land- schaften basiert nicht nur auf externen Faktoren (wirtschaftlich, militärisch und polititsch), sondern auch auf positiv (Siege, Zeremonien, z.B. Rütlipass in der Schweiz) und negativ (Massaker, Niederlagen, z.B. Culloden in Schottland) besetzten Erinnerungen37 Smith sieht den ethnischen Aspekt sogar als zentrales Substrat von Nationalismus und lehnt es ab, ihn allein als ein Produkt der Moderne zu sehen: „Social solidarity requires a sense of cultural unity based on a myth of common ethnic descent and shared vernacular codes“38. Durch die stets aktuelle Remanifestierung von Mythen in schriftlicher und sprachlicher Form einer ‚repräsentativen Kultur‘, so Gewecke, wie durch Festreden und öffentliche Akte wirken sie nachhaltig und - gegebenenfalls gegenwartsbezogen modifiziert - motivierend, legitimie- rend, integrierend und stabilisierend. Wiegandt betont den ‚kreativen Mythos einer Nati- on39. In jeder dieser genannten Definitionen bleibt jedoch die Möglichkeit des ideologi- schen Mißbrauchs bestehen.

In diesem Kontext definiert Bloom nationale Identität als „that condition in which a mass of people have made the same identification with national symbols - have internalised the symbols of the nation - so that they may act as one psychological group when there is a threat to, or the possibility of enhancement of, these symbols of national identity“40. Alle sozialen und insbesondere ethnische Gruppen haben ein kollektives historisches und kulturelles Gedächtnis, welches nationale Identität (re)produziert und verstärkt. Der appellative Gebrauch dieser kollektiven Erinnerung an Ereignisse, Prozesse und Erfahrungen trägt dazu bei, daraus auch für die Gegenwart soziale Koordinaten anzubieten, zwischen denen Wertund Orientierungsmuster geknüpft werden können.

Berman bezeichnet Nationen als „repositories for historical experience and lived traditi- ons“41. Gewecke unterstreicht in diesem Kontext die „spezifische Gestaltung von Zeit und Raum“ als grundsätzliche Strukturvorgaben menschlicher Existenz, welche als konkretes soziales System an Zeit gekoppelt ist: „Jedes soziale System besitzt eine ihm eigene ‚sozia- le‘ Zeit, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in gleichermaßen gesellschaftlich vermittelter, kulturspezifischer Perspektive aufeinander bezogen sind“42. Geschichte werde somit als ‚gedachte Gegenwart‘ in die gegenwärtige Lebenswelt integriert und entwickle eine vom Ursprungskontext abgekoppelte Eigendynamik, welche selektiv aus dem vorhan- denen Bestand ab- und aufgerufen werde bzw. eine Um- und Neustrukturierung erfahre. Auch Hroch betont, daß der Prozeß des Nationalismus (auch hinsichtlich von nationbilden- den Prozessen) ein historischer sei und nationale Identität auch immer von Elementen histo- rischer Erinnerung begleitet werde, welche einflußreich auf die integrative Stärke der For- derung nach Selbstbestimmung seien: „Self-determination became stronger and more suc- cessful in national movements which [...] could use some institutions or traditions of their statehood from the past“43. Daraus folgt, daß die nationale Vergangenheit und Geschichte sozial- und systemintegrativ eminent wichtig für die Absicherung nationaler Identität ge- genüber denjenigen Einflüssen und Prozessen ist, welche eine ethnische Gruppe als bedroh- lich oder fremdbestimmt wahrnimmt. Dieser Mechanismus greift aber nur dann, wenn diese gemeinsamen kulturellen Werte auch als Verhaltensweisen oder Orientierungs- und Legi- timationsmuster hinreichend institutionalisiert (z.B. durch Sozialisation und Bildung) sind. In diesem Kontext soll der identifikationstheoretische Ansatz von Bloom44 dargestellt wer- den, der zur Gruppe der ‚Social Identity Theory‘ gehört. Ziel der Darstellung ist, nationale Identifikationsprozesse und -mechanismen als maßgebliche Integrationsgrößen zwischen Individuen und politischer Mobilisierung hervorzuheben. Dabei sind sozialpsychologische Bezugsgrößen wie kollektives Verhalten, gesellschaftliche und politische Sozialisation und nationale Stereotypen auch für die politikwissenschaftliche Bewertung der Empfänglichkeit der Bevölkerung für nationalistische Strömungen hilfreich.

Den Ausgangspunkt des identifikationstheoretischen Ansatzes stellt das Streben des einzel- nen nach sozialer Identität und Sicherheit sowie der damit verbundene Prozess der Interna- lisierung von Merkmalen der eigenen Großgruppe dar. Bloom betrachtet Identifikations- streben demzufolge als eine anthropologische Konstante. Das gemeinsame Einflußpotential nimmt zu, wenn die Gruppe kommunizierend ihre Identitätsmuster schützt und verstärkt: „Mass mobilisation is possible when the individuals in the mass share the same identificati- on“45. Nationalistische Mobilisierung hat nur dann Aussicht auf Zuspruch in der Bevölke- rung, wenn die eigenen individuellen Erfahrungen, Werte und Zielsetzungen mit denen der nationalistischen Bewegung verknüpft werden können, denn „political ideologies and ideas of nationalism cannot themselves evoke identification. Political ideologies do not work in a psychological vacuum“46. Damit widerspricht Bloom der impliziten Auffassung, daß Nati- onalismus als Ideologie oder Idee aus sich heraus eine strukturelle Anziehungskraft entwi- ckeln kann. Vielmehr bedarf es einer Kombination aus politischem Machtwettbewerb und psychologischer Dynamik, in der gesellschaftliche Bedürfnis- und Nutzenansprüche kon- kurrieren und eine komplementäre Nutzenabwägung erfolgt: „Identification with, and loya- lity to, the nation is evoked from actual experiences in which it is psychologically beneficial to make the identification“47. Innenpolitisch bedeutet dies, daß die politischen Gruppierun- gen einer Gesellschaft miteinander konkurrieren, um so den Schutzanspruch und die Ach- tung der nationalen Identität als politische Bezugsgröße für sich reklamieren zu können. Das schließt sowohl entsprechende programmatische Angebote an die Wählerschaft als auch gegebenenfalls die Diskriminierung rivalisierender Gruppen ein, um so die eigene Gruppe als den stärkeren Garanten für nationale Werte darzustellen.

Dabei wird diese Darstellung bzw. die Empfänglichkeit der Wählerschaft immer unbere- chenbarer. Schließlich untergräbt die Globalisierung in Verbindung mit lokalen Forderun- gen zunehmend die Souveränität des herkömmlichen Nationalstaates, welcher zunehmend Kompetenzen und Souveränität an supra-nationale Institutionen (wie z.B. die EU) abgibt. Postmoderne Identitifikationstheorien weisen auf die Bedeutung der zusätzlichen Ebene supra-nationaler Institutionen für die nationale Identität hin: „National identity no longer enjoys its preeminence as the psychological identity that claims the ultimate loyality of the individual [...] it must compete with other identities on a free market of identities“48. Da trotz der Entstehung supra-nationaler Identitäten gleichzeitig verstärkt das Phänomen sub- nationaler Regionalbewegungen (z.B. in Schottland, Quebec, Katalonien) zu beobachten ist, fallen multiple Identitäten an, wobei die kollektiven (z.B. ethnischen oder religiösen) Identi- täten tendenziell stabiler sind als direkt lebensweltliche individuelle Identitäten, welche variabel bleiben49. Besonders in Schottland stellen konfessionelle Orientierungen nach wie vor auch hinsichtlich der Partizipation am politischen und gesellschaftlichen Leben eine starke Randgröße50. Bei den sub-nationalen Identitäten (s. Kap. 2.4) fallen geographische

Integrationsgrößen auf, welche angesichts ihrer Forderungen auch als sogenannte ‚imagined homelands‘ bezeichnet werden. Daraus folgt, daß trotz der fortschreitenden Internationali- sierung territoriale Ansprüche weiterhin eine mobilisierende Rolle zu spielen scheinen: „Nationhood involves a distinctive imagining of a particular sort of community rooted in a particular sort of place“51.

Es muß sich hier die Frage anschließen, inwieweit ein Staat der Entstehung programmatisch gestützter und ethnisch motivierter Mobilisierung sowie der damit verknüpften Gefahr de- stabilisierender, territorialer Desintegration durch entsprechende Agitation oder Integration entgegenwirken kann. Ein Ignorieren dieser Strömung kann langfristig destabilisierend wir- ken, da sie bei Nichtbeachtung als systemischer Störfaktor die idealtypische Kongruenz politischer Führung und gesellschaftlicher Legitimation nachhaltig beeinträchtigt. In dieser Hinsicht übernehmen politische Meinungsführer eine für eine erfolgreiche Mobilisierung notwendige Funktion, denn ethnische Gruppen sind nicht von vornherein politisch. Eine Strategie der Meinungsführer ist das Aufzeigen von Benachteiligungen: „local or nationalist leaders can successfully mobilise their territorial or ethnic groups if the centralising state can be presented as [...] disadvantaging the ethnos“52. Dabei bietet die gemeinsame Kultur eine Projektionsfläche für das Aufzeigen dieser Benachteiligungen. Jedoch können kulturel- le Werte sowohl vom Staat als auch von ethnischen Gruppen durch eine situative Instru- mentalisierung von z.B. Mythen und Symbolen manipuliert werden.

Bloom bemerkt, daß durch die situativ angepaßte Instrumentalisierung kultureller Werte und ethnischer Identität selbst in etablierten Nationen regionalistische Phänomene nach langer Stagnation wieder hervorbrechen können (wie z.B. in Schottland). Es hänge dann vom Verhalten der Zentralregierung ab, ob sie entweder ihr Gewaltmonopol zur Auslö- schung, Unterdrückung oder Marginalisierung regionaler Nationalismen nutze53, oder ob sie nationalistischen Bewegungen den argumentativen Boden entzieht, indem sie reelle Leistungen zur Befriedung anbietet: „There is more to be gained by the practical encoura- gement of subsidiary cultures than by persecution“54. Als Beispiele nennt Bloom Schottland und Wales. In beiden Fällen berücksichtigte die Zentralregierung die regionalen Bewegun- gen, indem sie diese überproportional an staatlicher Subvention und politischer Repräsenta- tion teilhaben ließe bzw. ihnen eine Bestandsgarantie für Sprache, Kultur und Instititutionen verliehe.

Auch Meadwell versucht, durch seinen Rational choice-Ansatz im Rahmen eines Nutzen- maximierungsmodells auf die individuellen Strategien nationalistischer Bewegungen ein- zugehen. Er kommt zu dem Ergebnis, daß politischem Regionalismus durchaus ein ration- ales Kalkül zugrundeliege: „This kind of regionalism allowed individual members to envi- sion increased autonomy without giving up the benefits of regime-supplied public poli- cies“55.

Blooms Theorie ist deshalb von zentraler Bedeutung, insofern sie aus sozialpsychologischer Perspektive die Kategorien des Staates (wie Territorium, Staatsangehörigkeit, politisches System) mit den Kategorien der Nation (Identität, Sicherheit) verbindet . Staatsbürgerschaft steht dabei in einer funktionalen Definition als ein Ordnungsprinzip der Zugehörigkeit als Mitglied des politischen Systems. Dabei geht Bloom den komplexen und heterogenen le- bensweltlichen Bezügen zur Nation in ihrem soziohistorischen und kulturellen Bedingungs- feld nach. Damit erleichtert diese Theorie explizit bei der Untersuchung von nationalisti- scher Mobilisierung das Verständnis zugrundeliegender Motivationsmuster gesellschaftli- cher Gruppen, nach denen sie entscheiden, ob sie das Risiko der mit Forderungen nach Par- tizipation bzw. Selbstbestimmung verbundenen Verhandlungen eingehen wollen. Obwohl eine gemeinsame Kultur eine nachhaltige Ressource für die Identifikation mit nationalen Idealen und Forderungen darstellt, erhält der akteursorientierte Ansatz gerade durch die Modernisierung von Politik und Gesellschaft seine Dynamik, da individuelle Nutzenabwä- gungen in einer fragmentierten Gesellschaft in Hinblick auf vielfache Handlungsoptionen an Bedeutung gewinnen. Folglich stärkt auch Blooms Ansatz die Auffassung, daß Nationa- lismus ein Phänomen der Moderne sei, dem mit Ansätzen des Rational choice wie auch des ‚Identitätsmanagements‘ begegnet werden kann. So meint Calhoun, Identität solle als ein unbeständiges Produkt kollektiver Aktion aufgefaßt werden56. Im folgenden sollen Erklä- rungsansätze zum Verständnis kollektiver ethnischer Aktion dargestellt werden.

2.3. Nationalismus in der Moderne - Ans ä tze der „ reaktiven Ethnizit ä ts- these “

Wenn man die nationale Identität im Rahmen eines reflexiven Prozesses in Wechselwir- kung mit dem sozialökonomischem Wandel einer Nation betrachtet, dann müssen Mecha- nismen dieser Transformation auf ihren Einfluß auf nationalistische Mobilisierung unter- sucht werden. Ausgehend von der Prämisse akteursorientierter Relevanz von Identifikati- onsmodellen stellt sich die Frage, wie die Mechanismen einer kulturellen Homogenisierung mit der gesellschaftlichen Vielfalt der lebensweltlicher Dimension verknüpft werden kön- nen. Die sogenannte ‚reaktive Ethnizitätsthese‘ (z.B. vertreten durch Gellner) stellt dar, daß durch die strukturelle Differenzierung der Gesellschaft im Verlauf dieser Mobilisierungs- prozesse (bzw. trotz dieser Entwicklung) die Relevanz ethnischer Merkmale verstärkt wird57.

Als Ethnie (oder ethnische Gemeinschaft) wurde definiert: „a named population of alleged common ancestry, shared memories, and elements of common culture with a link to a specific territory and a measure of solidarity“58. Infolge einer ungleichen Verteilungspolitik werden Erfahrungen unterschiedlichen Zugangs zu oder unterschiedlicher Verteilung von Ressourcen im Rahmen ethnischer Mobilisierung in politisches Handeln übertragen. Nationalismus wird somit „als logische Konsequenz der Perzeption einer Situation relativer Ungleichheit oder Ungleichbehandlung im politischen System“59.

Diese Perzeption der eigenen lebensweltlichen Dimension hängt primär mit der Wahrneh- mung und Bewertung der Situation im Verlauf des sozioökonomischen Wandels zusam- men. Eine solche Bestandsaufnahme kann zur Entstehung und Verstärkung erster Forde- rungen nach Beteiligung sowie entsprechender Orientierungsmuster beitragen. So unter- streicht z.B. Smith die Funktion von Nationalismus als ein instrumentalisierbares Konzept, welches zeit- und kontextgebunden ist: „Nationalism’s core doctrine provides no more than a basic framework for social and political order in the world, and it must be filled out by other idea-systems and by the particular circumstances of each community’s situation at the time“60. Diese ideologische Adaptionsfähigkeit von Nationalismus ermöglicht es, eine wahrgenommene Ungleichbehandlung auf der Ebene kollektiver Interessen handlungslei- tend zu integrieren: Wenn das Konzept Nationalismus die Interpretation von den ‚particular circumstances of each community’s situation‘ der ideologischen Instrumentalisierung an- heimstellt, dann spielt dabei die politische Elite und ihr Umgang mit Identitäten eine tra- gende Rolle.

So meint Kittel, daß selbst bei den politischen Prozessen, welche objektiven Sachzwängen unterworfen sind, sowohl die Allgemeinheit als auch die politischen Entscheidungsträger von ihren lebensweltlichen Bezügen geprägt sei. Deren Rolle sei somit eine rein funktional definierte Dimension ihrer sozialen Identität. Wenn man, so Kittel, politisches Handeln als einen Verteilungs- und Umverteilungsprozess von Ressourcen begreift, dann wirken sich diese auf gemeinsamen Bezügen basierenden Kommunikationspotentiale von Entschei- dungsträgern bei „der Durchsetzung der Zuerkennung eines angestrebten Anteils der zur Verfügung stehenden Ressourcen“61 aus. Somit entstehen auf dieser kollektiven Basis An- sprüche an den Schutz bzw. die Förderung der als positiv empfundenen Instanzen der kul- turethnischen und polititischen Sozialisation (Sprache, Bildungssystem, Religion). Diese Forderungen können in einer systemischen Dimension den Nährboden für nationalistische Ansprüche bzw. deren Abwehr bereiten62. Wenn man die Distribution von Ressourcen und Möglichkeiten als Kern des politischen Handelns und als bestimmende Größe für die ‚parti- cular circumstances‘ bezeichnet, dann ist Nationalismus ein Ausdruck dieser politischen Dimension und gewinnt in Hinsicht auf regionale Autonomiebewegungen eine politische Dynamik. Smith betont dabei die Abstraktionsfähigkeit von Nationalismus: „Nationalism combines a high degree of flexible abstraction with a unique ability to tap fundamental po- pular needs and aspirations, but does not pretend to offer a comprehensive and consistent account of history and society“63.

Die reaktive Ethnizitätsthese wurde u.a. von Gellner in seinem modernistischen Entwick- lungsansatz vertreten. So weist Gellner (aus marxistischer Sicht) auf die Nivellierung kultu- reller (ethnischer) Unterschiedlichkeiten durch ein hoch standardisiertes und effizientes Erziehungs- und Ausbildungssystem hin, welches die Anforderungen einer Industriegesell- schaft hinsichtlich ihrer normativen Werte und ihrer Identifikation mit dieser Gesellschafts- struktur sowie des Vorhandenseins eines sozial integrierten Arbeitskräftepotentials erfüllen muß. Gellner veranschaulicht seinen Ansatz praktisch: „the worker must have the training which will enable him to translate the precepts of a manual of instruction [...] to adjust the control at the right time“64. Vorher, in einer prä-industriellen Gesellschaft ohne gemeisam zugängliche Kommunikationsstrukturen, habe ethnische und kulturelle Vielfalt die Entste- hung eines kollektiv empfundenen oder koordinierten politischen Nationalismus kompli- ziert und sei somit ein die Industrialisierung hemmender Faktor gewesen65. In einer entwi- ckelten Gesellschaft entstünde dann durch die Überlappung miteinander korrespondieren- der, kultureller Unterschiede eine neue Homogenität, welche sich identitätsstiftend verdich- te und sich gegen bedrohlich empfundene Einflüsse kollektiv wehre. Folglich könnten auch nur wachstumsorientierte und wirtschaftlich starke Nationen eine derartige homogene ‚Hochkultur‘ erzeugen, da ihre Generierung eine staatlich geregelte und standardisierte Massenerziehung erfordere. Die Erfahrung dieser Homogenität verstärke dann die Identifi- kation mit der Nation und generiere somit wiederum ein nationalistisches Potential, welches auf einer gemeinsamen ‚Hochkultur‘ beruht. Diese Identifikation beinhalte, daß die Gesell- schaftsmitglieder aufgrund dieser Homogenisierung einen ähnlichen Status und gemeinsa- men kulturellen Hintergrund entwickeln und fremde ‚kulturelle Störungen’ (cultural fissu- res) nicht tolerieren würden. Jedoch würden im Vollzug der Industrialisierung diese kultu- rellen Spaltungen überwunden sein. Diese These steht jedoch im krassen Widerspruch zu den aktuellen Entwicklungen z.B. in Südosteuropa, wo industrialisierte und moderne Län- der auf die Ebene eines mit Gewalt verbundenen ethnischen Nationalismus zurückgefallen sind66.

Kittel weist auf Gellners These eines ‚objektiven Bedürfnisses nach Homogenität‘ hin und deutet sie so, „daß Nationalismus durch und durch ein Phänomen der modernen Gesell- schaft ist und weder aus der individuellen oder gar kollektiven Psyche zu erklären, noch als ein Stadium einer Entwicklungsgeschichte ethnischer Vergemeinschaftung zu betrachten ist“67. Gellner hat auf die Bedeutung der „Standardisierung gesellschaftlicher Sozialisati- onsmuster“68 als begünstigende Bedingung für die Entstehung eines politischen Nationa- lismus hingewiesen. Er stellte dessen zentrale Forderungen wie ethnische Homogenität, klare territoriale Grenzen, allgemeine, einheitssprachliche Bildung und die Existenz eines autonomen Staates in Relation zum „Imperativ der Industrialisierung“69. So stellt sich die

Frage nach den Handlungsoptionen für kulturethnische Minderheiten, wenn die Erfahrung der unterschiedlichen Ressourcenteilung in einen politischen Forderungskontext umgewan- delt ist. Gellner stellte drei Aktionsszenarien für kulturethnischen Nationalismus auf. In folgenden drei Fällen würde sich kein erfolgreicher, manifester, substaatlicher Nationalis- mus entwickeln:

- „Wenn kulturethnische Minderheiten aufgrund ihrer Größe keine Erfolgschancen er- warten können.
- Solange die Meinung vertreten wird, daß die materiellen Vorteile, welche bereits unter dem zentralen Regime zuteil wurden, nicht aufs Spiel gesetzt werden können.
- Wenn davon ausgegangen wird, daß der Staat seinerseits gegen eine kulturethnische Autonomiebewegung mit Gewalt erfolgreich vorgehen wird“70.

Der Ansatz Gellners wird in Hinsicht auf eine akteursorientierte Bewertung dadurch abge- schwächt, daß durch die Korrelation zwischen einerseits identifikatorisch forcierter Integra- tion und andererseits deren Diversifizierung durch Einflüsse gesellschaftlicher Transnatio- nalisierung eine derartige kulturelle Homogenität als Voraussetzung für kollektives Han- deln erschwert wird. Modernisierung schaffe zwar, laut Kittel, die Voraussetzungen für die politische Mobilisierung, sie könne sich jedoch lediglich unbestimmt ausrichten: „Ob sich die Mobilisierung im Sinn der staatstragenden politischen Elite affirmativ dem Staat hin- wendet oder die Entstehung einer gegen den Staat gerichteten Opposition zur Folge hat, ist abhängig von den Rahmenbedingungen“71.

Für Aufsehen, gerade in Bezug auf Schottland, sorgte Hechters Theorie des ‚internal colo- nialism‘ (1975). Er bezieht sich dependenztheoretisch auf das Verhältnis peripherer Regio- nen zum politischen Zentrum, wobei das Potential für Nationalismus in dem Maße zuneh- me, wie die wirtschaftliche Unterentwicklung der Region vom Zentrum aus profitorientier- ten Gründen instrumentalisiert werde, indem das Zentrum eine für die abhängige Peripherie nachteilige Arbeitsteilung durchsetze. Dabei käme es im Verhältnis zwischen dem Zentrum und einzelnen assimilierten Gruppen der Peripherie zu einer „cultural division of labour“72, denn „when industrialisation did penetrate the periphery, it was in a dependent mode, con- sequently production was highly specialized and geared for export“73. Infolgedessen „wer- den regionale Herkunft und die damit verbundene kulturelle Identität zu Determinanten sozialer Anerkennung und Aufstiegs“74. Hervorzuheben ist bei Hechter der Hinweis auf die Rolle individueller Perzeption und Empfindung als Basis für politisches Handeln. Hechters Theorie des internen Kolonialismus wurde zwar interessiert aufgenommen, aber auch in vielerlei Hinsicht als nicht operabel kritisiert, Hechter selbst revidierte seinen Ansatz (1985), da er die kulturelle Arbeitsteilung nicht nachweisen konnte. So kann man z.B. Schottland nicht als Kolonie bezeichnen, da es auf der Basis der Freiwilligkeit zur Union kam. Auch wenn man seine strukturelle Schwäche aufgrund der peripheren Lage durchaus als Folge eines zumindest früher komplementären Wirtschaftssystems festmachen kann, war es für eine ‚Kolonialisierung‘ wirtschaftlich und gesellschaftlich überentwickelt75. Au- ßerdem ist es in Schottlands Fall schwierig, die Wahrnehmung nationalethnischer Benach- teiligung als alleinige Grundlage der politischen Mobilisierung heranzuziehen.

Einen weiteren, viel diskutierten Erklärungsansatz stellte die Nationalismustheorie des Schotten Nairn (1977) dar76. Nairn deutete Nationalismus (im Sinne von Hechters Theorie) aus einer marxistischen Perspektive als Folge einer ungleich verlaufenden Entwicklung der ‚industriell-kapitalistischen Weltwirtschaft‘, durch deren ‚Fremdherrschaft‘ sich die Be- wohner von Peripherien benachteiligt fühlen. Jedoch weist seine damalige Theorie ähnlich wie Hechters empirische Schwächen auf, da viele Peripherien erst nach dem Erreichen ei- nes hohen industrialisierten Standards nationalistische Tendenzen entwickelten und nicht aufgrund mangelnder Industrialisierung, so z.B. Belgien und Katalonien. Somit kann eine ungleiche Entwicklung allein nicht als hinreichende Erklärung für eine nationalethnische Mobilisierung der Peripherie dienen77. Sowohl Hechter als auch Nairn stellten ihre Theo- rien Ende der 70er Jahre auf, als der plötzliche Ölreichtum der Schotten und die damit ver- bundene Perspektive einer finanziell positiven Unterfütterung nationalistischer Forderungen sehr präsent war .

Zusammengefaßt wird deutlich, daß identititätsvermittelnde Werte auf der Grundlage kul- turethnischer Sozialisation (z.B. Erziehung) trotz integrativer und assimilierender Entwick- lungsprozesse der Modernisierung sowohl im sozialen als auch im systemischen Bereich zur Ausprägung einer ethnischen nationalen Identität beigetragen haben. Diese ethnische Zugehörigkeit als Orientierungsmuster hat somit eine handlungsleitende Funktion für die Empfänglichkeit nationalistischer Strömungen behalten können. Im Widerspruch dazu steht die Entwicklungstheorie, die Ethnizität angesichts der Diffusion von ethnischen Orientierungsmechanismen im Verlauf der Modernisierung verschwinden sah. Es ist zu beobachten, daß die Ausprägung dieser Bewegungen schwankt, somit stellt sich die Frage, wie ethnische Identitäten dauerhaft bestehen und handlungsrelevant bleiben können. Diese Diskontinuität, meint Brand, sei charakteristisch für soziale Bewegungen und hänge „mit den strukturellen Besonderheiten und dem Lebenszyklus sozialer Bewegungen als spezifi- sche Form konfliktuellen kollektiven Handelns zusammen“78. Folglich kann sich ethnische Identität im Rahmen des ‚Identitätsmanagements‘79 variabel auf verschiedene Ressourcen (kulturhistorisch, soziokulturell, politisch) einstellen . Sie folgt damit im Sinne von Kontinu- ität dem Prinzip „Dauer im Wechsel“80. Im folgenden soll zunächst eine ordnungspolitische Konzeption vorgestellt werden, welche als Reaktion auf die heute noch akute Bedeutung ethnischer Zugehörigkeit und ihrer politischen Mobilisierung entstanden ist. Anknüpfend an die These der ungleichen Entwicklung von Regionen und ihrer strukturellen Unzufrieden- heit mit der Regelungskompetenz für regionale Interessen durch die Zentralregierung, soll jetzt auf der Grundlage der Ausführungen zur Bedeutung eines akteursorientierten Ver- ständnisses nationaler Identität auf den europäische Regionalismus in Hinblick auf die Poli- tik der britischen Dezentralisierung am Beispiel der Devolution für Schottland eingegangen werden.

2.4 Regionalismus in Europa und ‚ Devolution ‘

Die nachhaltige Entwicklung der europäischen Integration ist grundsätzlich durch die Über- tragung nationalstaatlicher Kompetenzen auf supra-nationale Ebenen geprägt, welche die Harmonisierung unterschiedlichster Politikfelder anstreben. Während dieser supranationale Integrationsprozess als dynamisch zu bezeichnen und durch unterschiedlich starke Entwick- lungsschübe gekennzeichnet ist, entwickelten sich auf der sub-nationalen Ebene parallel Forderungen territorialer Gruppen nach Anerkennung ihrer Identitäten, ihres Strebens nach Partizipation und ihrer Interessen innerhalb bestehender Grenzen. In den meisten Mitglieds- staaten der EU wurde in Folge dieser Entwicklung zunehmend sub-national differenziert.

78 Robertson-Wensauer, 1991, S. 122f, nach Brand, K.W.: Zyklische Aspekte sozialer Bewegungen. Kulturelle Krisen gesellschaftlicher Entwicklungsparadigmen und Mobilisierungswellen des „educated middle class radicalism“. Referat auf dem Kongress der Gesellschaft für Soziologie in Zürich, 1988, S. 2. 79 vgl. Gewecke, 1996, S. 216.

Dabei verfolgte man unterschiedliche Strategien der Regionalisierung, der Devolution, des Föderalismus und des quasi-Föderalismus, um dem virulent gewordenen Potential territo- rialer Identitäten systemstabilisierend zu begegnen81. So gewann im Laufe der späten 1980er Jahre das Konzept eines ‚Europa der Regionen‘ politische Bedeutung. Die unter- zeichnenden Mitgliedsstaaten schrieben in der Einheitlichen Europäischen Schlußakte das Prinzip der Subsidarität fest, welches die Kompetenzen von Brüssel und Straßburg auf sub- nationale oder regionale Ebenen verlagerte. Während z.B. im föderalistischen System Deutschlands diese territorialen Identitäten der Bundesländer konstitutionell gesichert und garantiert sind, stand Großbritannien als einziges Mitgliedsland durch seine hoch zentralis- tische Ausprägung als Ausnahme da, obwohl „nowhere else in Western Europe was the regional issue so much one of ‚national’consciousness, with the existence of „stateless nati- ons“82.

Innerhalb der letzten 30 Jahre entwickelte sich in mehreren EU-Ländern ein sogenannter Minderheitennationalismus: die Bretonen in Frankreich, die Basken und Katalanen in Spa- nien sowie die Schotten, Waliser und Iren in Großbritannien. Diese Bewegungen zeichnen sich durch unterschiedliche Zielsetzungen und Strategien aus, richteten sich jedoch alle gegen zentralistische Bürokratien. Auffallend ist, daß sie aufgrund ihrer pragmatischen Links-von-der-Mitte-Ausrichtung zwar kontinuierlich Sympathien breiter Bevölkerungstei- le erhielten, die jedoch nicht das endgültige Ziel eines unabhängigen Staates anstrebten und unterstützten.

Der Terminus ‚Regionalismus‘ wird oft pauschal verwendet, um z.T. sehr verschieden ge- lagerte Phänomene zu benennen, denn nicht jede Region weist auch Merkmale regionalisti- scher Interessensforderungen auf. So versteht man unter Regionalismus im Zusammenhang mit technokratisch-territorialer Planung einerseits die Implementierung zentral gestalteter Politik durch regionale Steuerungsinstanzen und -mechanismen (z.B. Regionalförderung, Planungsregion, Verwaltungsregion, Regionalpolitik). Andererseits, im Sinne der hier bear- beiteten Fragestellung , bezeichnet Regionalismus die Mobilisierung territorial ausgeprägter Formen von Interessen, Forderungen und auch Protest, welche je nach Strategie regionaler Bewegungen und nationalstaatlicher Regierung sowohl ein Konfliktpotential wie auch ein politisches Integrationspotential darstellen (z.B. Devolution, Dezentralisierung, Dekonzentrierung).

Angesichts der verschiedenen Fraktionen regionaler Bewegungen, die Forderungen von föderalistischer Reform bis zur separatistischen Abspaltung stellen, läßt sich somit als kleinsten gemeinsamen Nenner die Forderung nach einer Form der territorialen, institutio- nellen und funktionalen Autonomie festsetzen. Czada unterscheidet akteursorientiert zwi- schen Autonomie und Unabhängigkeit (s. Kap. 2.3) und weist Autonomie eine strategische Handlungsfähigkeit zu: „Autonom ist vielmehr, wer die in sozialen Beziehungen immer vorhandene Abhängigkeit zum eigenen Vorteil nutzen kann. Selbst zwei voneinander ab- hängige Akteure können autonom sein, wenn ihre freiwillig eingegangene Beziehung ge- genseitige Interessensbefriedigung ermöglicht“83. Somit gilt folgende Definition, welche die beiden Teilaspekte des Regionalismus zusammenführt: Regionalismus bezeichnet eth- nisch signifikant differenzierbare Regionen innerhalb eines Staates mit der Gewährung spe- zifischer Repräsentationsformen innerhalb einer nationalen Regierung bzw. der Garantie- rung spezifischer Kompetenzen und Verpflichtungen für eine regionale Form der Regie- rung84.

Wie in Kap. 2.3 an der Darstellung unterschiedlicher Ansätze moderner Nationalismustheo- rien gezeigt wurde, wirken auch beim Regionalismus sowohl das Gefühl und die Selbst- wahrnehmung nationaler Verschiedenartigkeit als auch strukturelle Ungleichheiten auf- grund ungleich verlaufender industrieller Entwicklung und Modernisierung. Regionalismus bzw. regionaler Nationalismus sind somit nicht zwangsläufig sozial oder wirtschaftlich, sondern primär kulturell orientiert und entstammen dem Gefühl nationaler oder regionaler Unterschiedlichkeit.

In diesem Zusammenhang weist auch Robertson-Wensauer darauf hin, daß eine eigene nationale Identität „nicht als hinreichende Erklärungsvariable für die Mobilisierung eines sektoralen Konfliktpotentials entsprechend territorialen, ethnonationalen oder regionalen Orientierungsmustern angesehen werden“85 kann (s. Kap. 2.3). Die interessensgeleitete Mobilisierung muß bereits im Vorfeld in ein Wechselspiel ökonomischer Perspektiven, gesellschaftlicher Einigkeit sowie der Verbesserung individueller Lebensumstände einge- bettet sein, um ein erfolgversprechendes politisches Potential zu entwickeln.

Melucci hat das komplexe Bedingungsfeld sub-nationaler Identität in Verbindung mit dem Prozess des politischen Verhandelns auf seine mögliche ‚Nutzbarkeit‘ hin untersucht. Vor dem Hintergrund des Rückgangs staatlicher Absicherung in den Industriestaaten sei eth- nische Identität „a weapon of revenge against centuries of discrimination and new forms of exploitation; it serves as an instrument for applying pressure in the political market; and it is a response to needs for personal and collective identity in highly complex societies“86. Die- se Instrumentalisierung von Ethnizität als strategisches Mittel liegt in Schottland als eine Orientierungsoption für die Wahrnehmung politischer Strukturen vor, was in Kap. 5.4.1 näher erläutert wird. Robertson-Wensauer bezeichnet in diesem Kontext die Eigenschaft der ethnischen Zugehörigkeit als eine Art „handlungsrelevanten Steuerungsfilter“, wobei diese Zugehörigkeit ein „Interpretationsprodukt“ ihres gesellschaftsgestaltenden bzw. transforma- torischen Potentials darstelle87. Bloom weist darauf hin (s. Kap. 2.3), daß für eine Zentral- regierung die praktische Respektierung regionaler Kulturen profitabler und systemstabilisie- render sei als die politische Unterdrückung oder Marginalisierung. Diese Strategie war z.B. in Wales erfolgreich. Nationalistische Strömungen konnten dort durch Anerkennung der walisischen Kultur und Sprache kanalisiert und geschwächt werden. Eine andere erfolgver- sprechende politische Option der Systemstabilisierung sei die Akzeptanz peripheraler Iden- titäten durch institutionelle Regelungen, die dazu dienen, die soziale Mobilität regionaler Meinungsführer und -macher zu kanalisieren, „this can be seen in all systems of participati- ve government based in geographical divisions [...] these structures can even be stacked in favour of territorial peripheries“88. Als Beispiele nennt Bloom die überproportionale Reprä- sentation Schottlands im britischen Parlament (s. Kap. 6.3.2). Weitere Strategien der Sys- temstabilisierung seien z.B. eine für die Peripherie vorteilhafte Sozialgesetzgebung und Wohlfahrt, „government economic policy must be to distribute public goods which materia- listically benefit the masses“89 (s. Kap. 6.3.3).

In Hinsicht auf die geringere Größe und damit größere räumliche wie auch politische Nähe zur Bevölkerung regionaler Einheiten sind Regionalisierung und Devolution eng mit demo- kratietheoretischen Überlegungen verbunden. Wenn man Demokratie als die größtmögliche

Nähe der politischen Elite zur Wählerschaft betrachtet, dann stellen regionale Regierungen nach dem Subsidaritätsprinzip „the most effective way of democratising the unelected regional state“90 dar.

Mann legt einen politischen Maßstab an und rückt regionale Nationalismen in eine enge Beziehung zur institutionellen Qualität des jeweiligen demokratischen Systems. Seiner Meinung nach ist die Ausprägung des jeweiligen Nationalismus abhängig von der instituti- onellen Flexibilität der Staaten, da die Ursache der Entstehung und Entwicklung nationalis- tischer Bewegungen vordergründig ein Streben nach demokratischer Partizipation sei. Das systemische Versagen der institutionellen Integration als Reaktion auf diese Forderungen sei eine der Ursachen für den Wandel zum exklusiven und feindseligen Nationalismus, den er als Pervertierung von Demokratie betrachtet. Anders sei der demokratische Charakter von der Bevölkerung gewählter und damit direkt verantwortlicher regionaler Instanzen. Sie zeichneten sich aus durch „an ability to gradually institutionalize representative institutions over a period of time developed rather mild nationalism, able to rally citizens behind their regimes [...] state-subverting nationalism seems to have had a more ethnic base, yet it de- veloped in drives for regional representation and was defused towards mildness by inter- regional, federal democracy“91.

Der Charakter dieser Instanzen bzw. der von der Zentralregierung delegierten exekutiven und legislativen Kompetenzen unterliegen auch dem Einfluß der ethnischer Vielfalt inner- halb einer Region, da, wie ausgeführt, kollektive Identitäten Demokratien stärken . Von Amersfoort beschreibt vier Szenarien für staatlichen Umgangs mit ethnischer Vielfalt: Eli- minierung (Unterdrückung und Gewalt), Marginalisierung (stillschweigende Akzeptanz, jedoch Verweigerung jeglichen Einflusses), institutionelle Pluralität (begrenzte Akzeptanz, Schwierigkeit des Mächtegleichgewichts) und Staatskrise (Umsturz)92. Zusätzliche Quellen regionalen Nationalismusses sind neben der ethnischen und historischen Zusammensetzung auch Fragen nach der Integrationskraft der nationalstaatlichen Identität und deren Veranke- rung im Bewußtsein der Regionen: „if territorial identities cannot always be subsumed in an over-arching national identity; if there are stateless peoples and multipeopled states; then the claim of the sovereign nation-state is hard to sustain“93.

[...]


1 vgl Eickhoff, 1994, S. 8. Nach: Lübbe: Die große und die kleine Welt. Regionalismus als europäische Bewegung. In: Weidenfeld: Die Identität Europas, Mün- chen 1985, S. 196.

2 Devolution bezeichnet die subsidäre Kompetenzverlagerung auf regionale Ebene ohne Aufgabe staatlicher Souveränität.

3 vgl. Kittel, 1995, S. 6.

4 Informationen über den schottischen Bezugsrahmens werden in Kap. 3 und Kap. 4 vermittelt.

5 vgl. Kittel, 1995, S. 12. Ausgewählte Akteure dieser Interdependenz werden in Kap. 5 vorgestellt.

6 Periwal, 1995, S. 230.

7 vgl. Smith, 1996, S. 447.

8 Gewecke, 1996, S. 209.

9 The Independent, 17.12. 93: If guns win in Ulster, why not in Scotland?

10 Brubaker, 1996, S. 16. Nach Nettl: The State as a conceptual variable. In: World Politics 20 (1968).

11 vgl. Billig, 1995, S. 33.

12 vgl. McCrone, 1992, S. 159.

13 Anderson, 1991, S. 1.

14 Anderson, 1991, S. 15.

15 Frankfurter Rundschau, 16.03.99: Zimmermann: Politik als Artefakt? Paradoxer Prozeß: Neue Ansätze in der Erforschung des (Früh-) Nationalismus.

16 vgl. Kittel, 1995, S. 25.

17 vgl. Budge u.a., 1998, S. 148.

18 McCrone, 1992, S. 21. Nach Giddens, Anthony: The Nation-State and Violence. 1985, S. 731.

19 Gellner, 1983, S. 1

20 vgl. Gellner, 1994, S. 34.

21 Kittel, 1995, S. 24 nach Stalin, Josef: Le marxisme et la question nationale et coloniale. Paris 1949, S. 15.

22 vgl.Telos, 1995, S. 80.

23 Kittel, 1995, S. 13.

24 Ausführungen zum Begriff ‚nationaler Identität‘in Kap. 2.2

25 Kittel, 1995, S. 131.

26 Smith, 1995, S. 160.

27 Gewecke, 1996, S. 211.

28 vgl. Hutchinson, 1994, S. 7.

29 Smith, 1991, S. 14.

30 vgl. Ignatieff, 1994, S. 10.

31 DIE ZEIT, 15.04.1994: Euchner: Vom Recht der Nation.

32 Turville-Petre, 1996, S. 4.

33 vgl. Billig, 1995, S. 36.

34 Bradley: 1996, S. 105f. Nach Rokkan: Economy, Territory and Identity, Politics of West European Peripheries. London, 1983.

35 Gewecke, 1996, S. 229.

36 vgl. Smith, 1995, S. 63.

37 vgl. Smith, 1996, S. 4.

38 Smith, 1996, S. 458.

39 vgl. Telos, 1995, S. 81.

40 Bloom, 1990, S. 52.

41 Telos, 1995, S. 80.

42 Gewecke, 1996, S. 219f.

43 Hroch 1995, S.78f. In: Periwal, 1995, S. 77ff . Als Beispiel nennt er Polen und Norwegen.

44 vgl. Bloom 1990, S.51.

45 Bloom, 1990, S. 51.

46 Bloom, 1990, S. 52.

47 Bloom, 1990, S. 61.

48 Billig, 1995, S. 67.

49 vgl. Smith, 1992, S. 59.

50 vgl. Bradley 1996, S. 104-128.

51 Billig, 1995, S. 42.

52 Bloom, 1990, S. 142.

53 Van Amersfoort 1995, In: Periwal, 1995, S. 168ff.

54 Bloom, 1990, S. 145.

55 Kittel, 1995, S. 187. Nach Meadwell: A rational choice approach to political regionalism. In: Comparative Politics, 1991, 23, 4, S. 401-421. Kittel meint, daß dieser Ansatz von Meadwell vorrangig für die Untersuchung von Konfliktsituationen geeignet ist und weist auf weitere Modifikationsansätze zum Verständnis nationalistischer Mobilisierung hin.

56 vgl. Brubaker, 1996, S. 20. Nach Calhoun:The problem of identity in collective action. In: Huber, J.: Macro-micro linkages in sociology. Newbury 1991, S. 59. 15

57 Wohingegen die Entwicklungsthese aufgrund der Diffusion lebensweltlicher Bezüge von der Abnahme ethnischer Vielfalt ausgeht.

58 Smith, 1996, S. 447.

59 Kittel, 1995, S. 139.

60 vgl Smith, 1995, S.150.

61 Kittel, 1995, S. 137.

62 Hutchinson, 1995, S. 1. Nach Connor, W: From tribe to Nation? In: History of European Ideas, 13 (1/2), S. 5-18. Connor weist eine automatische Verbindung zwischen Sprache und ethnischer Identität zurück, nennt aber als ein Beispiel den Widerstand der Neapolitaner und der Kalabresen gegen Mussolinis Diktum des Hochitalienischen.

63 Smith, 1995, S.150.

64 Gellner, 1994, S. 36f.

65 vgl. Gellner, 1994, S. 35.

66 vgl. McCrone, 1992, S. 160.

67 Kittel, 1995, S. 123.

68 Kittel, 1995, S. 157.

69 Hutchinson, 1995, S. 20.

70 Robertson-Wensauer, 1991, S. 108f . Nach Gellner: Thought and Change. Chicago 1969, S. 147-48.

71 Kittel, 1995, S. 141.

72 Man beachte den in Kap. 4.1. beschriebenen kulturellen Dualismus zwischen den Highlands und den Lowlands. Durch kulturelle Assimilation erlangten Lowlander das Recht, an der britischen Wirtschaft teilzunehmen (z.B. Textilindustrie in den Borders).

73 McCrone, 1992, S. 60.

74 Kittel, 1995, S. 142.

75 vgl. Robertson-Wensauer, 1991, S.112f.; McCrone, 1992, S. 61.

76 vgl. Nairn, 1977.

77 vgl. Robertson-Wensauer, 1991, S. 117f.

80 Robertson-Wensauer, 1991, S. 127.

81 vgl. Marquand: Nations, Regions and Europe: in Crick, 1991, S. 30.

82 Harvie, 1994, S. 1.

83 Stolz, 1997, S. 10. Nach Czada, R: Regierung und Verwaltung als Organisation gesellschaftlicher Interessen. In: Hartwich, Wewer (Hrsg.): Regieren in der BRD III. Systemsteuerung und Staatskunst. Opladen 1991, S. 152.

84 vgl. Budge u.a., 1998, S. 143.

85 vgl. Robertson-Wensauer, 1991, S. 105.

86 McCrone, 1999, S. Nach Melucci, Alberto: Nomads of the Present. London 1989, S. 90.

87 vgl. Robertson-Wensauer, 1991, S. 123.

88 Bloom, 1990, S. 145.

89 Bloom, 1990, S. 148.

90 Evans, Harding, 1997, S. 19. Nach Salt: Taking control of regional government. In: Municipal Review and AMA News, Vol. 753, S. 261-81.

91 Mann 1995, S. 62. In: Periwal, 1995, S. 44ff.

92 vgl. Van Amersfoort, 1995, S. 162ff. In: Periwal, 1995, S. 169ff. Den Fall Schottlands sieht er als ein Beispiel für eine ‚parallele Inklusion‘, wobei ein Staat bereits existierende Instanzen nutzt, stärkt und reanimiert (s. Kap. 4 und 5).

93 Marquand 1992, S.33. In:Crick, 1991, S. 25ff.

Details

Seiten
123
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783656754350
ISBN (Buch)
9783656754367
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281512
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaften
Note
Schlagworte
Schottland Devolution SNP Nationalismus nationale Identität

Autor

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Titel: Der schottische Prozeß der Devolution im Wechselspiel nationalistischer Tendenzen und Strategien