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Zusammenhang von Armut und Gesundheit

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Definitionen von Armut

3. Gesundheitliche Auswirkungen von Einkommensungleichheit
3.1 Einkommen und Morbidität
3.2 Einkommen und Mortalität
3.3 Einkommen und Gesundheitsverhalten
3.4 Einkommen und Gesundheitsversorgung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass zwischen Armut und Gesundheit ein enger Zusammenhang besteht. Armut ist dabei nicht ausschließlich im Sinne einer materiellen Mangellage von Bedeutung, sondern auch im Hinblick auf eine verminderte soziale Integration und soziokulturelle Teilhabe.

Im Rahmen des Seminars „Sozialstrukturanalyse – Armut und Reichtum“ haben wir den Bereich Armut und Gesundheit in einer Sitzung bereits kurz thematisiert. Dieses Thema hat mein Interesse geweckt, sodass ich den Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit in meiner Hausarbeit genauer untersuchen möchte. Hierzu habe ich eine eigene Fragstellung entwickelt, um dieses recht umfangreiche Thema einzugrenzen. Mit Hilfe der Frage „Inwiefern beeinflusst ein geringes Einkommen die menschliche Gesundheit“ versuche ich zu klären, in welchem Zusammenhang Einkommen und Gesundheit zueinander stehen und ob sich ein geringes Einkommen eventuell negativ auf die menschliche Gesundheit auswirkt.

Zunächst möchte ich hierzu einige wissenschaftliche Definitionen von Armut vorstellen, bevor ich dann im nächsten Schritt auf einige Aspekte der Empirie zu sprechen komme. In diesem Bereich möchte ich anhand von wissenschaftlichen Untersuchungen des Robert Koch-Instituts den Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit aufzeigen, wobei ich mich auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Einkommensungleichheit konzentriere. Nachdem ich kurz die Untersuchungsergebnisse des Zusammenhangs von Einkommen und Morbidität sowie Einkommen und Mortalität vorgestellt habe, gehe ich des Weiteren auf den Zusammenhang von Einkommen und Gesundheitsverhalten, wie auch Einkommen und Gesundheitsversorgung ein. Unter diesen Aspekten werde ich die Punkte Tabakkonsum, sportliche Beteiligung und die Inanspruchnahme der ärztlichen Versorgung behandeln. Im abschließenden Fazit werde ich dann die Ergebnisse der Untersuchungen zusammenfassen und mögliche Entwicklungen bzw. Diskussionsansätze aufzeigen.

2. Definitionen von Armut

Obwohl Deutschland zu den reichsten Nationen der Welt gehört, ist nicht zu übersehen, dass nach wie vor die Lebensbedingungen und Lebenschancen ungleich verteilt sind. Das Problem der Armut ist auch in einer der reichsten Nationen der Welt keineswegs behoben. Was Armut ist und wer demzufolge den Armen zuzurechnen ist, ist nach wie vor politisch sowie auch wissenschaftlich sehr umstritten (vgl. Lampert 2005, S. 19). In der Forschung gibt es verschiedene Herangehensweisen, um Armut zu differenzieren und zu klassifizieren. All diese Herangehensweisen stimmen jedoch insofern überein, dass sie einen Mangel beschreiben.

Ein Lehrbuch der Ökonomie beschreibt Armut als „Zustand, in dem Menschen unzureichende Einkommen beziehen“ (Paul A. Samuelson 1998, S. 427).

Ein weiterer ökonomischer Ansatz ist die Armutsdefinition der Weltbank, die Menschen als arm bezeichnet, die „weniger als den Gegenwert von 1,25 US-Dollar pro Tag zum (Über-) Leben zur Verfügung hat (www.millenniumkampagne.de/index.php?).

Eine weitere Differenzierung kann zwischen absoluter und relativer Armut getroffen werden. Die absolute Armut bemisst sich daran, dass für Menschen, infolge schlechter Lebensumstände, wie z.B. Hunger und Unterernährung, ein physisches Überleben nicht möglich ist. Diese Form der Armut ist in den industrialisierten westlichen Staaten kaum zu beobachten, sondern tritt eher in den Entwicklungsländern auf. Die Armut in den modernen Gesellschaften wird als relative Armut bezeichnet und bemisst sich dagegen am Lebensstandart bzw. den Maßstäben einer Gesellschaft. Arm ist demnach derjenige, der so wenig zur Verfügung hat, dass er von dieser Lebensweise ausgeschlossen ist. (vgl. Stefan Hradil, 2006, S.105).

Die relative Armut ist somit ein gesellschaftlich definiertes, soziokulturelles Existenzminimum, das, je reicher ein Staat ist, auch umso höher angesetzt ist (vgl. Lehmkühler 2002, S.22).

Nach der Definition des Rates der Europäischen Gemeinschaft wird Armut wie folgt definiert: „Arm sind Personen, Familien und Haushalte, die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist“ (Kommission der Europäischen Gemeinschaften 1991, S. 4).

Begrifflich ist die relative Armut zwar von der absoluten abzugrenzen, dennoch kann auch diese Form erhebliche gesundheitliche Auswirkungen auf die Betroffenen haben. Alfred Grotjahn, Mitbegründer der Sozialhygiene, sagte: „Die sozialen Verhältnisse schaffen oder begünstigen die Krankheitslage, sind Träger der Krankheitsbedingungen, vermitteln Krankheitsursachen und beeinflussen den Krankheitsverlauf“ (Politik und Zeitgeschichte 2007, S.4).

Ersichtlich wird, dass es verschiedene Ansichten darüber gibt, wie Armut definiert wird bzw. wer letztendlich als arm bezeichnet werden kann. Für die die folgende Verwendung des Begriffs Armut wird also von dem generellen Zustand eines unzureichenden geringen Einkommens ausgegangen.

3. Gesundheitliche Auswirkungen von Einkommensungleichheit

Das Einkommen eröffnet den Zugang zu den meisten Bedarfs- und Gebrauchsgütern und stellt damit eine wesentliche Voraussetzung für die Befriedigung individueller Grundbedürfnisse dar. Darüber hinaus ist das Einkommen eine wichtige Grundlage für die Vermögensbildung, den Besitzerwerb und die soziale Absicherung. Einkommensnachteile verringern die Konsummöglichkeiten und gehen oftmals mit einer Unterversorgung in anderen Bereichen, wie z.B. der Wohnsituation, der sozialen Integration und der kulturellen Teilhabe, einher.

Zusammenhänge zwischen Einkommen und Gesundheit werden durch zahlreiche Studien bestätigt. Vor allem von Armut betroffene Bevölkerungskreise sind verstärkt von Krankheiten und Beschwerden betroffen, schätzen ihre eigene Gesundheit und gesundheitsbezogene Lebensqualität schlechter ein und unterliegen einem höheren vorzeitigen Sterberisiko (vgl. Klein; Unger 2001, S. 24).

Die Messung von Einkommensarmut und -ungleichheit geht heute in der Regel vom Äquivalenzeinkommen aus, d.h. dem nach Größe und Zusammensetzung des Haushaltes bedarfsgewichteten monatlichem Haushaltsnettoeinkommen. Damit werden die Einsparungen durch gemeinsames Wirtschaften in einem Mehr-Personen-Haushalt sowie die unterschiedlichen Einkommensbedarfe von Erwachsenen und Kindern berücksichtigt (vgl. Hauser 2002).

Für das Fachwissen wurden Analysen zu Einfluss des Einkommens auf die Gesundheit und Lebenserwartung durchgeführt, die überwiegend auf Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) basieren. Ergänzend dazu, stellte das Robert Koch-Institut unter anderem Untersuchungen zum Zusammenhang von Einkommen und Morbidität sowie Einkommen und Mortalität an, welche ich im Folgenden kurz vorstellen möchte. Ein übersichtliches Schaubild zum Zusammenhang von Sozialer Ungleichheit und Gesundheitlicher Ungleichheit befindet sich zudem im Anhang (siehe Anhang, S.5)

3.1 Einkommen und Morbidität

Morbidität bezeichnet die Krankheitshäufigkeit, bezogen auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe (vgl.: http://www.bmg.bund.de).

Aussagen zum Vorkommen spezifischer Krankheitsbilder lassen sich anhand von Daten der Gmünder Ersatzkasse (GEK) treffen. Es stehen zwar diesbezüglich keine Informationen zum Einkommen zur Verfügung, zur Analyse kann aber auf den Versichertenstatus zurückgegriffen werden, da die freiwillig Versicherten ökonomisch deutlich besser gestellt sind als die Pflichtversicherten. Das Muster und die Stärke des Zusammenhangs zwischen Versichertenstatus und Krankheitsvorkommen sind je nach betrachteter Erkrankung unterschiedlich ausgeprägt und variieren mit dem Alter und Geschlecht.

„Im Auftreten eines Herzinfarktes zeigen sich in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen keine signifikanten Unterschiede, bei den 50- bis 59-Jährigen zeichnen sie sich nur relativ schwach ab, während sie bei den 60- bis 69-Jährigen einen deutlichen Niederschlag finden“(Klein T. 2001, S. 98).

In der Abbildung 3.2 (siehe Anhang, S.1) wurde die Morbiditätsrate für Herzinfarkte bei 60- bis 69-Jährigen pflichtversicherten und freiwillig versicherten GEK-Mitgliedern im Zeitraum zwischen 1990 und 2003 verglichen. Die freiwillig Versicherten sind die privatversicherten Patienten, bei denen eben von einem höheren Einkommen ausgegangen werden kann. Zum Einen ist zu erkennen, dass Männer sehr viel stärker betroffen sind als Frauen, was aber medizinische Gründe hat. Des Weiteren fällt auf, dass pflichtversicherte Patienten in weitaus höherem Maße von Herzinfarkten betroffen sind als freiwillig versicherte Patienten. Diese Entwicklung ist hingegen bei Frauen und Männern gleichermaßen zu beobachten (vgl. Lampert 2005, S.33)

Recherchen über andere Krankheitshäufigkeiten zeigten nahezu identische Kurvenverläufe bei den Morbiditätsraten für Lungenkrebs (Abb.3.3), Leberzirrhose (siehe Anhang, S. 2, Abb.3.4), Diabetes, Adipositas und Bronchitis.

Somit lässt sich festhalten, dass freiwillig versicherte Männer und Frauen eine deutlich geringere Morbiditätsrate haben als pflichtversicherte Männer und Frauen, also diejenigen mit geringerem Einkommen.

3.2 Einkommen und Mortalität

Mortalität bezeichnet das Ausmaß der Todesfälle im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung oder zu einzelnen Altersklassen, sie wird global durch Sterbeziffern oder Sterberaten ausgedrückt und durch Sterbetafeln spezifiziert (vgl. www.bmg.bund.de).

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Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656749257
ISBN (Buch)
9783656749240
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281407
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,3
Schlagworte
zusammenhang armut gesundheit

Autor

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Titel: Zusammenhang von Armut und Gesundheit